Ich war eine männliche Kriegsbraut - Howard Hawks (1949)

Moderator: jogiwan

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CamperVan.Helsing
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Ich war eine männliche Kriegsbraut - Howard Hawks (1949)

Beitrag von CamperVan.Helsing »

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USA 1949

OT: I was a male war bride

D: Cary Grant, Ann Sheridan, Marion Marshall

Der französische Captain Henri Rochard soll im besetzten Nachkriegsdeutschland einem Wissenschaftler die Rückkehr nach Frankreich ermöglichen, indem er ihm die nötigen Papiere persönlich aushändigt. Da sich dieser aber in der amerikanischen Besatzungszone aufhält, soll der Captain von der amerikanischen Offizierin Catherine Gates dorthin begleitet werden. Beide hatten schon einmal einen gemeinsamen Einsatz, der Spuren zurückließ, und wollen unbedingt vermeiden, dass sich dies wiederholt. Sie werden dennoch die Reise gemeinsam unternehmen müssen.Es fängt schon auf dem Parkplatz an, ein verbaler Dauerstreit, der sich über die ganze Fahrt hinzieht. Ihre Reise durch das Rhein-Main-Gebiet von Nachkriegsdeutschland, angetreten auf einem Motorrad mit Beiwagen, das nur von Catherine gefahren werden darf, bringt die beiden in zahlreiche komplizierte Situationen, aus denen sie nur lädiert wieder herauskommen. Ohne dass sie es zunächst merken, verlieben sie sich gegen ihren Willen ineinander und heiraten recht schnell. Die Probleme aber werden jetzt erst recht nicht weniger, denn Catherine wird in die USA beordert und Henri soll als Kriegsbraut mitkommen. Das erweist sich als schwieriger als angenommen. (Arte)

Ich hab hier mal bewusst nicht das Kinoplakat genommen, denn Cary Grant sieht dort in Frauenkleidung nicht nur äußerst unvorteilhaft aus. Man könnte es auch als ultimative Demütigung bezeichnen, und es weckt unschöne Erinnerungen an die Kindheit, als im TV gefühlt ständig irgendwelche Filmchen mit Peter Alexander liefen, der offenbar gerne Travestiestar geworden wäre und zumindest vor der Kamera sich ständig als seine eigene Tante or whatever ausgab. Das Plakat ist aber auch irreführend, denn ja, Cary Grant muss sich in der Tat als Frau verkleiden, dies aber nur kurz. Und so wäre es völlig unangemessen, dies als eine Cross-Dresser-Komödie zu bezeichnen.

Denn zunächst haben wir es mit dem klassischen Screwball-Geschlechterkrieg zu tun, ein Gebiet, auf dem Hawks ja zuvor schon einige Meisterwerke fabriziert hatte. Und das Militär mit all seinen Abstrusitäten ist hierfür ja ein dankbarer Hintergrund, wenn Solatinnen in eine klassische Männerdomäne einbrechen. Doch mit dem Zusammenfinden des Paares ist der Film mitnichten zuende, denn schon bald finden sich Catherine und Henri nicht nur in einem Kampf gegen die Bürokratie, sondern auch in der ultimate fighting challenge gegen Gendergrenzen wieder.

Denn nachdem die beiden dreimal getraut wurden (vom Heidelberger Bürgermeister, einem französischen Geistlichen und dem amerikanischen Armeekaplan), damit die Ehe auch garantiert in allen 3 Ländern anerkannt wird, erhält Catherines Einheit schon bald die Order zur Rückkehr in die USA. Und nu? Der amerikanische Konsul weiß Rat: Eine Richtlinie des Kongresses besagt, dass auch Ehegatten von Armeeangehörigen einreisen dürfen. Ja, sie wurde wirklich geschlechtsneutral formuliert, zumindest auf dem Papier...

Praktisch ist Henri Rochard freilich der erste und einzige Mann, der sich darauf beruft. Und auch, wenn man ihm nun permanent bescheinigt, dass er Recht habe, so folgt darauf sogleich, dass man ihm leider nicht helfen könne. Für Hunderte von einreisenden Ehefrauen von Soldaten hat die Army Unterkünfte in Bremerhaven organisiert, bevor es mit dem Schiff über den großen Teich geht. Nur für Henri findet sich keine Schlafgelegenheit, was seinem nervlichen Zustand nicht zuträglich ist...

Gewiss nicht auf dem Niveau von "Leoparden küsst man nicht" angesiedelt, bietet die männliche Kriegsbraut dennoch vergnügliche Unterhaltung. Wenn man bedenkt, dass Hawks und Grant danach den affigen Bauchklatscher "Liebling, ich werde jünger" schufen, gab es hier noch viel Luft nach unten.

Interessant ist der Film natürlich auch, da er tatsächlich im besetzten Nachkriegsdeutschland gedreht wurde. Als Besatzungskomödie im eigentliche Sinne würde ich ihn nun nicht bezeichnen, wenn man ihn mit Billy Wilders "Auswärtiger Affäre" vergleicht. Wilders Film ist ja eine Liga für sich.
My conscience is clear

(Fred Olen Ray)
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