Gesichter des Todes IV - John Alan Schwartz (1990)
Verfasst: Do 26. Nov 2020, 17:26
Originaltitel: Faces of Death IV
Produktionsland: USA 1990
Regie: John Alan Schwartz
Darsteller: James B. Schwartz
Der Neurochirurg Dr. Louis Flellis hat schlimme Nachrichten für uns: Sein Freund und Mentor Frances B. Gröss ist kürzlich verschieden, weshalb er nun seine Stelle einnehmen muss, um uns zum inzwischen vierten Mal durchs Kabinett der vielfältigen Fratzen des Verbleichens zu führen. Nachdem wir während des Vorspanns angeblich Gröss‘ Leichnam dabei zusehen durften, wie er den Flammen des Krematoriums überantwortet wurde, (in Wirklichkeit handelt es sich bei dem toten Körper natürlich nicht um den des Schauspielers Michael Carr, sondern um irgendeinen anonymen alten Mann, der sicher nicht begeistert wäre, würde er erfahren, dass Dokumentaraufnahmen seiner Einäscherung als Auftakt von FACES OF DEATH IV verwertet wurden), begrüßt uns in Gestalt des Dr. Flellis mit James B. Schwartz niemand Geringeres als der Bruder des Franchise-Initiators John Alan Schwartz höchstpersönlich: Ein Laiencharge vor dem Herrn, dessen Augen nicht nur permanent sein bisschen Text von Tafeln seitlich neben der Kamera ablesen müssen, sondern sich auch unaufhörlich bedrohlich weiten, als würden ihm gleich sämtliche Sicherungen durchbrennen und er uns mit seinem Skalpell über den Schreibtisch hinweg an die Kehle springen…
Viel Nennenswerteres gibt es eigentlich gar nicht über dieses Machwerk zu berichten, das sich, nachdem FACES OF DEATH II nahezu ausnahmslos aus unverfälschtem Nachrichten- und Amateurmaterial zusammengeschustert wurde und sich FACES OF DEATH III nahezu ausnahmslos auf (eher weniger elaborierte) Fakes fokussierte, für den (wenig gesunden) Mittelweg entscheidet: Bunt gemischt sind in diesem letzten Teil der kanonischen Reihe dokumentarische Bilder vom Flugschauunglück in Ramstein, Bürgerkriegen, Polizeigewalt oder Steinigungen in Asien, Afrika, dem Nahen Osten sowie tödlich ausgehenden Bungee-Sprüngen mit offenkundig inszenierten Szenen, in denen beispielweise ein Zoo-Mitarbeiter vermeintlich von einem Tiger zerfleischt wird, in New York, wo die Menschen, laut Off-Kommentar, angeblich hartgesottener sind als irgendwo sonst auf der Welt, ein angeblicher Serienkiller sein Unwesen treibt, und ein Mann sein Bein verliert, als ihm ein Truck darüber rollt. Natürlich ist bei all diesen Räuberpistolen zufälligerweise stets ein Kamerateam vor Ort, und natürlich werden die meisten Szenen im kläglichen Versuch, ihren Schwindel zu verbergen, dann auch immer von mindestens zwei Kameras zeitgleich gefilmt: Wenn in einem Segment, das, laut Flellis, die Schädlichkeit von Alkohol und Drogen demonstrieren soll, (denn, erklärt er, „Blut und Bier“, das ergebe sicher keinen „gesundheitsförderlichen Drink“), eine junge Frau beim Motorbootfahren dergestalt verunglückt, dass ihr Körper regelrecht zermalmt wird, hören die mit ihr befreundeten Amateurfilmer bis zuletzt nicht auf, mit der Kameralinse auf den von weiteren Freunden aus den Wellen gefischten Mädchenkörper zu halten; in einer Episode, die uns einen Psychiatrie-Insassen vorführt, der es fertigbringt, sich eines Schraubenziehers und einer Krankenschwester zu bemächtigen, taucht das vermeintliche Fernsehteam ausgerechnet in der Sekunde am Schauplatz des Geschehens auf, als die Geiselnahme beginnt; die Grenze zur unfreiwilligen Komik mit einem gezielten Sprung überwindet nicht zuletzt eine Sequenz, die, wie es heißt, in irgendeinem Land hinter dem Eisernen Vorhang angesiedelt sein soll, wo man noch barbarische Strafen selbst für vergleichsweise harmlose Vergehen anwendet: So wird ein Mann vom KGB aus seiner ärmlichen Hütte gezerrt und hingerichtet, indem man ihn von mehreren Pferden vierteilen lässt, - und das alles nur, weil er seine Steuern nicht rechtzeitig bezahlt hat! Übertroffen werden solche Momente, in denen der Kopf im Takt gegen das Tischholz hämmert, nur noch von den genmanipulierten Blutegeln im Schlussakt, die einem Forschungslabor entfleuchen und sich in einem Badesee ausbreiten. Ich frage mich ernsthaft, ob selbst im Jahre 1990, als die allgemeine Medienkompetenz sicherlich weit unterhalb des heutigen Standards lag, irgendein Konsument des Videotapes diesen himmelschreienden Unfug tatsächlich für bare Münze genommen haben mag.
Was FACES OF DEATH IV letztlich doch noch von seinen drei Vorgängern unterscheidet, das ist, neben seiner famosen Fabulierfreude, die Art und Weise, wie die Off-Kommentare des Dr. Flellis nachgerade in regelrechten Zynismus umschlagen. Bemerkungen wie die, dass ein Mann, der, obwohl er von einer auf offener Straße detonierenden Bombe nahezu entzweigerissen wurde, (scheinbar eine reale Aufnahme), noch immer am Leben zu sein scheint, das unbeirrte Schlagen seines Herzens möglicherweise seinen festen politischen Überzeugungen verdankt, oder dass in einer weiteren Originalaufnahme sich ein Passant, der ausgerechnet von einem Krankenwagen überrollt wird, sich nicht über „slow amublance service“ beschweren dürfe, erinnern bereits frappant an die zwischen juvenilem Schulhofhumor und menschenverachtendem Sarkasmus oszillierenden Sprüche, die die Moderatoren späterer Shockumentaries wie TRACES OF DEATH oder FACES OF GORE aus ihren Schenkeln klopfen. Befremdlich ist nicht zuletzt auch ein reichlich deplatziert wirkender Moment, in dem Flellis mit einer Pistole posiert und sich vollkommen ironiefrei für das Recht ausspricht, jeder US-amerikanische Staatsbürger solle eine Handfeuerwaffe besitzen dürfen. Zusammen mit dem bereits erwähnten wenig subtilen Ostblock-Bashing und einer sich scheinbar über Vegetarismus lustig machenden Szene, in der Flellis genüsslich ein Steak verzehrt, bevor er zu Synthesizer-Fanfaren ein angeblich von einem Wikingerpoeten stammendes Gedicht rezitiert, tragen solche, vorsichtig ausgedrückt, reaktionäre Anwandlungen dann doch dazu bei, dass mir von FACES OF DEATH IV ein noch bitterer Beigeschmack bleibt als von den drei Teilen zuvor, in die man immerhin mit viel gutem Willen noch warnende Botschaften für Tierschutz oder Umweltschutz hineinlesen konnte.
Absoluter Tiefpunkt der Quadrologie ist aber sicherlich der Song, der uns in den Abspann begleitet: Ein tatsächlich von den Gebrüdern Schwartz selbstverfasstes Bar-Jazz-Machwerk, in der per Abzählreim all die mannigfaltigen Antlitze aufgezählt werden, die das (menschliche) Ableben besitzen kann. Nein, bevor jemand fragt: Ganz sicher werde ich mir all die „Best-Of’s“ - oder besser: „Worst Of’s“ - von FACES OF DEATH, die unter den Nummern V, VI, VII oder VIII zirkulieren, nun nicht auch noch anschauen, sondern mich stattdessen entspannt schnurrend wie ein Kätzchen zurücklehnen, froh darüber, dieses Kapitel der arkanen Filmgeschichte nun auch endlich abhaken zu können.
Produktionsland: USA 1990
Regie: John Alan Schwartz
Darsteller: James B. Schwartz
Der Neurochirurg Dr. Louis Flellis hat schlimme Nachrichten für uns: Sein Freund und Mentor Frances B. Gröss ist kürzlich verschieden, weshalb er nun seine Stelle einnehmen muss, um uns zum inzwischen vierten Mal durchs Kabinett der vielfältigen Fratzen des Verbleichens zu führen. Nachdem wir während des Vorspanns angeblich Gröss‘ Leichnam dabei zusehen durften, wie er den Flammen des Krematoriums überantwortet wurde, (in Wirklichkeit handelt es sich bei dem toten Körper natürlich nicht um den des Schauspielers Michael Carr, sondern um irgendeinen anonymen alten Mann, der sicher nicht begeistert wäre, würde er erfahren, dass Dokumentaraufnahmen seiner Einäscherung als Auftakt von FACES OF DEATH IV verwertet wurden), begrüßt uns in Gestalt des Dr. Flellis mit James B. Schwartz niemand Geringeres als der Bruder des Franchise-Initiators John Alan Schwartz höchstpersönlich: Ein Laiencharge vor dem Herrn, dessen Augen nicht nur permanent sein bisschen Text von Tafeln seitlich neben der Kamera ablesen müssen, sondern sich auch unaufhörlich bedrohlich weiten, als würden ihm gleich sämtliche Sicherungen durchbrennen und er uns mit seinem Skalpell über den Schreibtisch hinweg an die Kehle springen…
Viel Nennenswerteres gibt es eigentlich gar nicht über dieses Machwerk zu berichten, das sich, nachdem FACES OF DEATH II nahezu ausnahmslos aus unverfälschtem Nachrichten- und Amateurmaterial zusammengeschustert wurde und sich FACES OF DEATH III nahezu ausnahmslos auf (eher weniger elaborierte) Fakes fokussierte, für den (wenig gesunden) Mittelweg entscheidet: Bunt gemischt sind in diesem letzten Teil der kanonischen Reihe dokumentarische Bilder vom Flugschauunglück in Ramstein, Bürgerkriegen, Polizeigewalt oder Steinigungen in Asien, Afrika, dem Nahen Osten sowie tödlich ausgehenden Bungee-Sprüngen mit offenkundig inszenierten Szenen, in denen beispielweise ein Zoo-Mitarbeiter vermeintlich von einem Tiger zerfleischt wird, in New York, wo die Menschen, laut Off-Kommentar, angeblich hartgesottener sind als irgendwo sonst auf der Welt, ein angeblicher Serienkiller sein Unwesen treibt, und ein Mann sein Bein verliert, als ihm ein Truck darüber rollt. Natürlich ist bei all diesen Räuberpistolen zufälligerweise stets ein Kamerateam vor Ort, und natürlich werden die meisten Szenen im kläglichen Versuch, ihren Schwindel zu verbergen, dann auch immer von mindestens zwei Kameras zeitgleich gefilmt: Wenn in einem Segment, das, laut Flellis, die Schädlichkeit von Alkohol und Drogen demonstrieren soll, (denn, erklärt er, „Blut und Bier“, das ergebe sicher keinen „gesundheitsförderlichen Drink“), eine junge Frau beim Motorbootfahren dergestalt verunglückt, dass ihr Körper regelrecht zermalmt wird, hören die mit ihr befreundeten Amateurfilmer bis zuletzt nicht auf, mit der Kameralinse auf den von weiteren Freunden aus den Wellen gefischten Mädchenkörper zu halten; in einer Episode, die uns einen Psychiatrie-Insassen vorführt, der es fertigbringt, sich eines Schraubenziehers und einer Krankenschwester zu bemächtigen, taucht das vermeintliche Fernsehteam ausgerechnet in der Sekunde am Schauplatz des Geschehens auf, als die Geiselnahme beginnt; die Grenze zur unfreiwilligen Komik mit einem gezielten Sprung überwindet nicht zuletzt eine Sequenz, die, wie es heißt, in irgendeinem Land hinter dem Eisernen Vorhang angesiedelt sein soll, wo man noch barbarische Strafen selbst für vergleichsweise harmlose Vergehen anwendet: So wird ein Mann vom KGB aus seiner ärmlichen Hütte gezerrt und hingerichtet, indem man ihn von mehreren Pferden vierteilen lässt, - und das alles nur, weil er seine Steuern nicht rechtzeitig bezahlt hat! Übertroffen werden solche Momente, in denen der Kopf im Takt gegen das Tischholz hämmert, nur noch von den genmanipulierten Blutegeln im Schlussakt, die einem Forschungslabor entfleuchen und sich in einem Badesee ausbreiten. Ich frage mich ernsthaft, ob selbst im Jahre 1990, als die allgemeine Medienkompetenz sicherlich weit unterhalb des heutigen Standards lag, irgendein Konsument des Videotapes diesen himmelschreienden Unfug tatsächlich für bare Münze genommen haben mag.
Was FACES OF DEATH IV letztlich doch noch von seinen drei Vorgängern unterscheidet, das ist, neben seiner famosen Fabulierfreude, die Art und Weise, wie die Off-Kommentare des Dr. Flellis nachgerade in regelrechten Zynismus umschlagen. Bemerkungen wie die, dass ein Mann, der, obwohl er von einer auf offener Straße detonierenden Bombe nahezu entzweigerissen wurde, (scheinbar eine reale Aufnahme), noch immer am Leben zu sein scheint, das unbeirrte Schlagen seines Herzens möglicherweise seinen festen politischen Überzeugungen verdankt, oder dass in einer weiteren Originalaufnahme sich ein Passant, der ausgerechnet von einem Krankenwagen überrollt wird, sich nicht über „slow amublance service“ beschweren dürfe, erinnern bereits frappant an die zwischen juvenilem Schulhofhumor und menschenverachtendem Sarkasmus oszillierenden Sprüche, die die Moderatoren späterer Shockumentaries wie TRACES OF DEATH oder FACES OF GORE aus ihren Schenkeln klopfen. Befremdlich ist nicht zuletzt auch ein reichlich deplatziert wirkender Moment, in dem Flellis mit einer Pistole posiert und sich vollkommen ironiefrei für das Recht ausspricht, jeder US-amerikanische Staatsbürger solle eine Handfeuerwaffe besitzen dürfen. Zusammen mit dem bereits erwähnten wenig subtilen Ostblock-Bashing und einer sich scheinbar über Vegetarismus lustig machenden Szene, in der Flellis genüsslich ein Steak verzehrt, bevor er zu Synthesizer-Fanfaren ein angeblich von einem Wikingerpoeten stammendes Gedicht rezitiert, tragen solche, vorsichtig ausgedrückt, reaktionäre Anwandlungen dann doch dazu bei, dass mir von FACES OF DEATH IV ein noch bitterer Beigeschmack bleibt als von den drei Teilen zuvor, in die man immerhin mit viel gutem Willen noch warnende Botschaften für Tierschutz oder Umweltschutz hineinlesen konnte.
Absoluter Tiefpunkt der Quadrologie ist aber sicherlich der Song, der uns in den Abspann begleitet: Ein tatsächlich von den Gebrüdern Schwartz selbstverfasstes Bar-Jazz-Machwerk, in der per Abzählreim all die mannigfaltigen Antlitze aufgezählt werden, die das (menschliche) Ableben besitzen kann. Nein, bevor jemand fragt: Ganz sicher werde ich mir all die „Best-Of’s“ - oder besser: „Worst Of’s“ - von FACES OF DEATH, die unter den Nummern V, VI, VII oder VIII zirkulieren, nun nicht auch noch anschauen, sondern mich stattdessen entspannt schnurrend wie ein Kätzchen zurücklehnen, froh darüber, dieses Kapitel der arkanen Filmgeschichte nun auch endlich abhaken zu können.