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Corruption - Roger Watkins (1983)

Verfasst: Do 12. Nov 2020, 07:12
von jogiwan
Corruption
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Originaltitel: Corruption

Herstellungsland: USA / 1983

Regie: Roger Watkins (als Richard Mahler)

Darsteller: Jamie Gillis, George Payne, Tiffany Clark, Vanessa del Rio, Bobby Astyr

Story:

Geschäftsmann William hat sich mit den falschen Leuten eingelassen und wird von seinen Partnern vor ein Ultimatum gestellt. Als er seinen loyalen Angestellten Alan losschickt um einen ominösen Koffer in einem Lagerhaus zu holen, kann dieser nicht lange seiner Gier widerstehen und fällt einer Maschinerie aus vermeintlicher Macht und Einfluss zum Opfer. Alan mutiert zum gewissenlosen Wesen, dass rücksichtslos agiert und zu einer Marionette der Mächtigen wird. Und auch William muss die bittere Erfahrung machen, dass er der Welt der Korruption zwar kurzfristig entfliehen, aber für dauerhaften Erfolg ebenfalls seine Ideale und Seele verkaufen muss.

Re: Corruption - Roger Watkins (1983)

Verfasst: Do 12. Nov 2020, 07:13
von jogiwan
Roger Watkins metaphorischer Erwachsenenfilm mit Faust-Thematik über einen Geschäftsmann, der in einer Spirale aus Korruption und Macht gefangen ist und mitansehen muss, wie sein Umfeld immer mehr von einem einseitigen Machtgefüge zerstört wird. Das klingt jetzt natürlich erst einmal schräg für einen Porno und ist es natürlich auch, wenn der Zuschauer im Verlauf von „Corruption“ mit sehr seltsamen Momenten konfrontiert wird, in denen sich knisternde Erotik nicht so wirklich einstellen möchte. Die Sexszenen wirken seltsam unerotisch, die Frauen abweisend und der bisweilen schwere Orgel-Soundtrack sorgt auch nicht gerade dafür, dass sich beim Zuschauer euphorische Momente einstellen. Vielmehr hat „Corruption“ von Beginn an eine seltsam angespannte Grundstimmung, die im Verlauf immer bedrückender erscheint und die ganze Geschichte steuert unweigerlich einem tragischen Ende entgegen, das aber wie so vieles andere auch nur angedeutet wird. Ich weiß ja nicht so recht, welches Publikum sich von dem Streifen mit seiner Mischung aus Porno, düsterer Charakterstudie, gesellschaftlicher Bestandsaufnahme und surrealem Psychothriller angesprochen fühlen sollte andererseits wäre es auch gelogen, wenn mich der Streifen nicht auch aufgrund seiner ungewöhnlichen Genre-Mix nicht doch auch irgendwie ziemlich beeindruckt hätte.

Re: Corruption - Roger Watkins (1983)

Verfasst: Do 12. Nov 2020, 07:52
von Maulwurf
jogiwan hat geschrieben: Do 12. Nov 2020, 07:13 Ich weiß ja nicht so recht, welches Publikum sich von dem Streifen mit seiner Mischung aus Porno, düsterer Charakterstudie, gesellschaftlicher Bestandsaufnahme und surrealem Psychothriller angesprochen fühlen sollte ...
Maulwürfe zum Beispiel! Deiner Beschreibung nach genau mein Ding. Vielen Dank für die Vorstellung!!

Re: Corruption - Roger Watkins (1983)

Verfasst: Do 12. Nov 2020, 07:57
von jogiwan
Bitte gerne - auf der US-Scheibe ist ja auch als Easter-Egg eine ziemlich schöne Grindhouse-Fassung von "Last House on Dead End Street" (siehe OFDB-Eintrag) und ein Interview mit dem Kameramann Larry Revene.

Re: Corruption - Roger Watkins (1983)

Verfasst: So 4. Apr 2021, 06:26
von Maulwurf
Direkt nach der Sichtung hat mich CORRUPTION erstmal völlig ratlos zurückgelassen. Eine vollkommen fragmentarische Handlung, kalter Sex zwischen ausgesprochen hässlichen Menschen, und eine Stimmung wie Montagmorgen im leeren Kühlschrank. Der Artikel über Roger Watkins in der Splatting Image hat mir dann wesentlich geholfen, in den Film hineinzukommen, und fast zwei Seiten Besprechung zu schreiben. In CORRUPTION steckt sehr viel drin, viel mehr als man denken mag. Aber der Zuschauer ist gehalten, sich seine eigenen Gedanken zu machen, und ich bin sicher, dass hier nicht eine einzige Deutung die glücklichmachende ist, sondern dass es viele verschiedene Deutungsmöglichkeiten gibt, und jede ist für sich alleine richtig. Oder in Kombination mit den anderen …
CORRUPTION ist dabei aber kein Kunstkino um der reinen Kunst willen, dafür ist der Film in seiner Gesamtausstrahlung einfach zu schmuddelig und zu kalt. Eine sehr eigenartige Melange aus Kunst, Porno und einer ins Leere laufenden (An-) Klage, die durchaus ihren ganz eigenen Charme besitzt, sich aber sehr standhaft weigert diesen Charme in den Vordergrund zu stellen. Ich habe mir auf jeden Fall mal noch mehr Filme von Watkins besorgt. Man weiß ja nie …

Re: Corruption - Roger Watkins (1983)

Verfasst: Fr 15. Apr 2022, 05:45
von Maulwurf
 
Corruption
Corruption
USA 1983
Regie: Roger Watkins
Jamie Gillis, Michael Gaunt, Tiffany Clark, Milton Ingley, George Payne, Samantha Fox, Tanya Lawson, Marilyn Gee, Tish Ambrose, Kelly Nichols, Nicole Bernard, Bobby Astyr, Alexis X, Sabrina Vale, Melissa Strong, Vanessa del Rio


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OFDB

Ein Geschäftsmann, der sich mit den falschen Leuten einlässt. Der Schulden hat, für deren Begleichung(?) sein Vertrauter für ihn einen Koffer besorgen soll. Doch dieser Vertraute muss durch einen Sumpf von Versuchung und Sünde, und er wird dieser Versuchung erliegen. Er wird auf die andere Seite wechseln und seinem früheren Chef ein teuflischer Widersacher sein. Oder vielleicht doch nur ein Narr? Die Schwester des Geschäftsmannes wird als Geisel festgehalten, und der Bruder des Geschäftsmannes nimmt es auf sich, die Schwester zu befreien.

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CORRUPTION beginnt damit, dass der Geschäftsmann, Williams, die Unterwelt betritt. Oder zumindest scheint es so. Möglicherweise hat er mit dem Teufel einen Deal gemacht, vielleicht sind aber seine Geschäftspartner auch nur Dämonen, denen er sich ausgeliefert hat um Macht zu bekommen. Macht als alleingültiger und zulässiger Wunsch eines Mannes. Der Preis dafür ist, der Liebe zu entsagen. Dies ist der Deal, den der Vertraute, Alan, eingehen muss, um an das Objekt seiner(?) Begierde zu kommen. Ein Koffer, von dem wir nie erfahren werden was darin ist. Müssen wir auch gar nicht. Am Ende des Films wird Williams diesen Koffer mit seinem Leben beschützen, und 10 Jahre später werden John Travolta und Samuel L. Jackson diesen Koffer im Auftrage ihres Herren wiederbeschaffen. Die Gerüchte, die sich dann in der Fanszene um diesen Koffer ranken, könnten fast in der Handlung von CORRUPTION begründet sein, aber dies nur nebenbei …

Alan wird zum Clown, oder macht er sich durch seine Verdorbenheit zum Clown? Der Bruder, Larry, ist jedenfalls der wahre Herr über den Sündenpfuhl. Sein Lächeln ist unheilvoll, sein Lachen boshaft, und jede seiner Gesten verheißt den Tod. Sein Leben scheint darin zu bestehen, einer Tänzerin beim Striptease zuzuschauen, während in den Toiletten seines Etablissements böse und verdorbene Spiele stattfinden. Larry zeigt Williams diese Spiele, und in einem davon, das mit Schmerz und Erniedrigung zu tun hat, nimmt Williams anscheinend auch teil, während er sich selbst dabei beobachtet. Die titelgebende Verdorbenheit hat alles und jeden durchdrungen. Menschliche Wärme, dessen intensivste und naheste Ausprägung die Sexualität eigentlich ist, wird nur noch eingesetzt um den Grad der Verdorbenheit zu steigern. Um mehr Macht zu bekommen. Um zu fallen …

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In einer hinreißend schönen Sequenz schaut Williams aus dem Fenster in die Welt der Menschen, in die Oberflächenwelt. Zur elegischen Musik von Tomaso Albinoni sieht er das nächtliche New York, in dem Menschen wandeln und nach Glück suchen. Er hat sein Glück gefunden, und es heißt Unglück. Einsamkeit. Leere. Aber er hat das was er wollte, er hat seinen Koffer und eine Gespielin die ihn befriedigt. Die Menschen da draußen sind weit weg und völlig uninteressant, weswegen sie auch in den Schatten laufen. Nur Williams‘ Welt ist es die zählt. Nur das Spiel um Macht, das Streben und die Gier nach mehr, immer mehr. Dass Alan sich zum Narren macht? Dass sein Bruder zum Mörder wird? Dass seine Schwester dem Tode geweiht ist? Uninteressant – Nur das eigene Wohl zählt! Merkwürdig, wie hochaktuell dieser Film 35 Jahre nach seiner Entstehung wirkt.

CORRUPTION ist keine leichte Kost. Eine fragmentarische und hochgradig kryptische Aneinanderreihung von Szenen, die meistens mit seelenlosem Sex zu tun haben. Eine Abfolge von Momenten die Unterwerfung und Macht zeigen, ohne sich dem Zuschauer näher zu erläutern. Gerade Sex ist ja, trotzdem es kaum näher zu einem anderen Menschen geht, das Instrument der Unterwerfung schlechthin. Entsprechend wird der Sex in CORRUPTION auch fast ausschließlich zur Unterwerfung benutzt; die wenigen Szenen, in denen Williams Sex mit seinen Gespielinnen hat, sind nichts anderes als die Erfüllung männlicher Fantasien und damit ebenfalls wieder Teil eines Unterwerfungsrituals. Selbst während seine Freundin(?) ihm einen bläst kann er die Hand nicht von seinem Penis lassen, muss er das Instrument seiner Macht in der Hand halten. Damit es/sie ihm nicht entgleitet? Der Sex in CORRUPPTION ist kaum irgendwie anregend oder sexy, und die Darstellerinnen sind, genauso wie ihre männlichen Pendants, mit wenigen Ausnahmen von ausgesuchter Hässlichkeit. Frauen, denen man die Jahre der Ausschweifung und der Verdorbenheit deutlich ansieht. Und die mit dem gängigen Schönheitsideal eines Pornos nichts zu tun haben. Einzig die Schwester entspricht noch am ehesten dem, was üblicherweise mit dem Begriff gutaussehend verbunden wird. Doch ihr Name ist Felicitas, was nicht von ungefähr an Fellatio erinnert, und ihr Schicksal wird der Tod sein In ihrem rosafarbenen Mädchenschlafzimmer hat sie dem Bösen und dem Habgierigen nichts entgegenzusetzen …

Durch seine Erzählweise bietet CORRUPTION jede Menge Möglichkeiten zum Hineininterpretieren wildester Theorien, und ich muss auch zugeben, dass ohne den hervorragenden Artikel von Simon Frauendorfer in der Splatting Image 87 selbst die grobe Inhaltsangabe nicht zustandegekommen wäre, geschweige denn die Versuche der Analyse. CORRUPTION ist fremdartiges Untergrundkino, das den Bereich unterhalb des Bauches kitzelt und den Kopf zum eigenständigen Denken anregen kann. So man es zulässt.

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5/10