Frühstück bei Tiffany - Blade Edwards (1961)

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buxtebrawler
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Frühstück bei Tiffany - Blade Edwards (1961)

Beitrag von buxtebrawler »

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Originaltitel: Breakfast at Tiffany's

Herstellungsland: USA / 1961

Regie: Blade Edwards

Darsteller: Audrey Hepburn, George Peppard, Patricia Neal, Buddy Ebsen, Martin Balsam, José Luis de Villalonga, John McGiver, Alan Reed, Dorothy Whitney, Beverly Powers, Stanley Adams, Claude Stroud u. A.
Die junge, aus der Provinz stammende Holly Golightly (Audrey Hepburn) vertreibt sich ihre Zeit in New York hauptsächlich mit Partys und dem Flirten mit vermögenden Herren, von denen sie schließlich den brasilianischen Millionär José Luis de Villalonga (José da Silva Pereira) erwählt hat, ihr reicher Ehemann zu werden. Nach außen gibt sich Holly als das immerfröhliche Partygirl, aber dahinter steckt in Wirklichkeit eine unglückliche, zerbrechliche und eigentlich mittellose Frau. Ihr Nachbar, der ebenfalls mittellose Schriftsteller Paul "Fred" Varjak (George Peppard), verliebt sich in die lebenslustige Holly, merkt aber schnell, dass das nur Fassade ist und das es gar nicht leicht ist diese zu durchdringen. Als Holly verhaftet wird und ihr Zukünftiger die Hochzeit absagt, droht jedoch ihre Scheinwelt in sich zusammenzufallen ...
Quelle: www.ofdb.de

Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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buxtebrawler
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Re: Frühstück bei Tiffany - Blade Edwards (1961)

Beitrag von buxtebrawler »

„Moon river, wider than a mile…“

Hollywood-Komödienregisseur Blake Edwards („Unternehmen Petticoat“) adaptierte für seine 1961 veröffentlichte Liebeskomödie „Breakfast at Tiffany’s“ den gleichnamigen Roman Truman Capotes, womit ihm ein umjubelter, ikonischer Klassiker und bis heute verehrtes Stück Filmgeschichte gelang.

Holly Golightly (Audrey Hepburn, „Ein süßer Fratz“) gibt nach außen hin gern die mondäne Lebedame, bestreitet ihren Lebensunterhalt jedoch als Hostess, die sich an reiche Männer heranschmeißt, sich von ihnen aushalten lässt und die Flucht antritt, wenn es ihr zu ernst wird. In entsprechend vermögenden Kreisen verkehrt sie und schreckt auch nicht davor zurück, sich für Gefängnisbesuche eines Mafioso bezahlen zu lassen. Sie bewohnt ein New Yorker Appartement in einem Wohnblock, in den ein neuer Nachbar einzieht: Der unter einer Schreibblockade leidende Schriftsteller Paul Varjak (George Peppard, „Die Kellerratten“), dessen „Dekorateurin“ ihm die Unterkunft bezahlt. Holly und Paul lernen sich kennen, unternehmen gemeinsam verrückte Dinge und freunden sich an. Doch Paul will mehr: Er verliebt sich in die lebenslustige Holly, die jedoch viel wert auf ihren Lebensentwurf als ungebundenes Partygirl legt und viel lieber einen reichen Mann heiraten möchte – am besten den brasilianischen Millionär José da Silva Pereira (José Luis de Villalonga, „Die Liebenden“), mit dem sie bereits verlobt ist. Dass plötzlich Hollys Ex-Mann Doc Golightly (Buddy Ebsen, „Feuertaufe“) auftaucht und ihr geliebter Bruder Fred stirbt, vereinfacht die Situation nicht gerade. Doch Paul gibt sich nicht geschlagen und kämpft um Hollys Liebe…

Audrey Hepburns Rolle als Femme fatale auf der Flucht vor sich selbst und dem Milieu, aus dem sie ursprünglich stammt, ist in „Frühstück bei Tiffany“ besonders hinreißend und bezaubernd. Als Holly Golightly mit dem unsteten Lebenswandel und der namenlosen Katze, vom Luxusleben träumend und eine beinahe undurchdringliche Fassade aus stilvollen Oberflächlichkeiten vor sich hertragend, verkörpert sie so etwas wie den Archetyp der um sozialen Aufstieg bemühten jungen Frau, die die Spielregeln erkannt hat und sich bis zu einer gewissen Grenze selbst verkauft, um ihr Stück vom Kuchen abzukommen. Ehrliche Liebe und eine Beziehung zu einem „einfachen“ Partner auf Augenhöhe ist da natürlich nicht vorgesehen und würfelt alles durcheinander.

Nicht wenige dürften bereits die Erfahrung gemacht haben, dass zwei sich eigentlich Liebende nicht zueinander finden, weil „Sachgründe“ oder als unlösbar erachtete persönliche Probleme dagegensprechen – oder schlicht einer von beiden es nicht schafft, über seinen eigenen Schatten zu springen. Meist endet so etwas tragisch, so auch in Capotes Romanvorlage. Edwards‘ bzw. Drehbuchautor George Axelrods Adaption jedoch machten aus der Prostituierten einen unverfänglicheren Begleitservice und ergänzten die Handlung um ein Happy End, das verhindert, dass aus dem Film eine Tragikomödie wird – und natürlich für großes Schmachten im Kinosaal sorgte.

So wurde aus dem Stoff ein Abgesang auf die oberen Zehntausend, die glauben, sich alles kaufen zu können, auch die Zuneigung einer Frau wie Holly Golightly. Edwards inszenierte seinen Film zwar etwas arg langsam, kann jedoch von der Abwechslung von fröhlichen, lustigen Szenen und melancholischen Momenten profitieren. Letztere werden verstärkt von Henry Mancinis Komposition „Moon River“, die einen Oscar gewann und auch unabhängig vom Film ein weltbekannter Jahrhundertsong wurde. Für etwas Ärger sorgte Mickey Rooneys („Manuel“) Nebenrolle als chinesischer Nachbar Mr. Yunioshi mit Überbiss, dem Holly schwer auf die Nerven geht und der sich daher ständig über sie beschwert. Rooneys Rolle entspricht einer extrem klischeehaften Darstellung ostasiatischstämmiger US-Amerikaner und wurde teilweise als negativ konnotiert aufgefasst, sollte aber lediglich witzig gemeint sein. Da die Rolle offenbar tatsächlich nie feindlich oder gar rassistisch gemeint war, lässt sich darüber hinwegsehen.

So ist „Frühstück bei Tiffany“ zwar ein über weite Strecken nicht sonderlich aufregender Film, der aber auf schöne Weise ein bestimmtes Lebensgefühl einfängt und Audrey Hepburn ein Denkmal setzte – bestens geeignet, entschleunigt und ins Bett gekuschelt oder an den/die Partner(in) geschmiegt genossen zu werden.
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CamperVan.Helsing
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Re: Frühstück bei Tiffany - Blade Edwards (1961)

Beitrag von CamperVan.Helsing »

buxtebrawler hat geschrieben: Di 4. Jun 2019, 15:10 „Moon river, wider than a mile…“

So ist „Frühstück bei Tiffany“ zwar ein über weite Strecken nicht sonderlich aufregender Film, der aber auf schöne Weise ein bestimmtes Lebensgefühl einfängt und Audrey Hepburn ein Denkmal setzte – bestens geeignet, entschleunigt und ins Bett gekuschelt oder an den/die Partner(in) geschmiegt genossen zu werden.
Auch diesen Film hatte ich ewig nicht mehr gesehen, und beim Wiedersehen habe ich innerlich wohl die ganze Zeit gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd. Mit der Vorlage von Truman Capote soll der Film nicht mehr so viel gemein haben, sicherlich auch aufgrund der Vorgaben durch den Hays-Code. Aber das Ergebnis vermag mich zu begeistern. Eigentlich sieht man als Außenstehender ja gleich, dass die Chemie zwischen Holly und Paul stimmt. Wenn sie es denn auch selber sehen würden... Aber auch das hat man ja selber auch erlebt, dass man selbst Realitäten nicht sehen wollte/konnte. Schnüff!




PS: Der namenlose Kater hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag https://de.wikipedia.org/wiki/Orangey


PPS: Bezüglich Mickey Rooney als Mr. Yunioshi gibt es auf der Blu ein extra Featurette bezüglich der Darstellung von Asiaten bzw. Asian Americans im Film, aber auch zur Wahrnehmung in der amerikanischen Gesellschaft generell, in der auch erwähnt wähnt, dass nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour Amerikaner japanischer Abstammung in Internierungslager gepfercht wurden, und erst Ende der 1980er Entschädigungen dafür gezahlt wurden. Und Rooneys Darstellung kommt bei den befragten Personen ganz schlecht an. Im Making-of wird Blade Edwards selbst danach gefragt, der im Rückblick die Darstellung auch für einen Fehler hält.
My conscience is clear

(Fred Olen Ray)
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buxtebrawler
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Re: Frühstück bei Tiffany - Blade Edwards (1961)

Beitrag von buxtebrawler »

Erscheint voraussichtlich am 18.11.2021 noch einmal bei Paramount innerhalb der "Audrey Hepburn 7-Movie Collection" auf Blu-ray und DVD:

Bild Bild

Beinhaltet:
- Breakfast at Tiffany's
- Funny Face
- My fair Lady
- Paris when it sizzles
- Roman Holiday
- Sabrina
- War and Peace

Quelle: OFDb-Shop
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