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Der erfolglose Künster George stürzt sich an Halloween in selbstmörderischer Absicht vom Dach seines Hotels. Wie durch ein Wunder überlebt er den mehrstöckigen Absturz und wird nach seiner körperlichen Rehabiltiation wird George wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Seit dem traumatischen Ereignis verfolgen den Mann jedoch schreckliche Bilder und Schlafstörungen und immer mehr drängen sich Erinnerungen auf, die nicht von dem Künstler stammen können. Als eine brutale Mordserie beginnt und George stets mehr als ein Aussenstehender zu wissen scheint, wird auch seine Psychologin stutzig und als die Schreckensvisionen zunehmen gerät der Mann auch ins Visier der Polizei...
Sehr stimmiger und gelungener Besessenheitshorror/Telekinese-Schocker von Serien-Regisseur Guy Magar, der in seinem Spielfilm-Debut eigentlich alles richtig macht. Obwohl sich die Story ja doch recht ausgelutscht anhört, schafft es Magar ja dem Ganzen einen sehr schönen Look zu verpassen und schreckt dabei auch vor dem Einsatz fluoreszierenden Farben und grellen Neonlicht nicht zurück. Auch inhaltlich überzeugt „Retribution“ durch seinen eher düsteren und dramatischen Touch und anstatt ständig Geschmoddere zu zeigen, wird den Figuren viel Raum gelassen, was sich imho ebenfalls positiv auf das Gesamtergebnis auswirkt. Zwar kommen Freunde von harten Horrorstreifen nicht auf ihre Kosten und auch der Look wird vielen zu speziell sein, aber für mich zählt „Die Rückkehr des Unbegreiflichen“ schon jetzt zu den Entdeckungen des Jahres.
Der Anthropologe Dr. Nugent macht sich gemeinsam mit fünf seiner Studenten auf den Weg um Nachforschungen über angebliche Bigfoot-Sichtungen und grauenvolle Morde zu betreiben, die einen abgelegenen Landstrich seit längerem erschüttern. Dort angekommen sind die Bewohner des Ortes zwar sehr auskunftsfreudig aber die teils wirren und unterschiedlichen Aussagen sind dem gemeinsamen Ziel nicht unbedingt hilfreich, sodass sich die Gruppe vor Ort selbst ein Bild machen möchte und ihr Lager in der freien Natur aufschlägt. In der darauffolgenden Nacht wird Nugent nicht nur Zeuge eines bizarren Rituals, sondern findet wenig später eindeutige Hinweise auf die Existenz der haarigen Kreatur...
Haarsträubend schlechtes Splatterfilmchen, das hierzulande wohl in der Tradition von „Tanz der Teufel“ vermarktet wurde. Statt übernatürlicher Elemente und Zombies gibt es hier aber einen gewaltbereiten Bigfoot (ohne Hendersons), der auch ordentlich blutig zur Tat schreitet. Statt Terrorfeeling gibt es jedoch nur ein dünnes Story-Süppchen das recht unbedarft Bigfoot-Thematik mit schwarzer Magie vermengt und im Grunde auch nur dazu dient, in sinnlosen Rückblenden dem Zuschauer jede Menge Gore zu präsentieren. Dabei gibt es auch eine berüchtigte Szene und in Punkto Gore dreht „Night of the Demon“ auch ordentlich auf, aber unterhaltsam und kurzweilig geht doch definitiv anders. Das sich alle Figuren wieder einmal komplett daneben benehmen, alles keinen Sinn ergibt und das Monster auch noch ziemlich grottig aussieht, trübt das Sehvergnügen dann auch doch sehr maßgeblich.
Don't go in the woods... alone
Was hat man über "Don't go in the woods... alone" nicht schon alles Schlechte gehört und gelesen. Und was soll ich sagen - eigentlich vollkommen zu recht. Dieser dröge Backwood-Slasher ist ja wirklich nicht das Gelbe vom Ei und außer ein paar Kills und jede Menge Herumgeirre in der Gegend bietet James Bryans Streifen ja nicht sonderlich viel. Der psychopathische Killer erinnert in seinem Outfit etwas an die extravaganten Bühnenkostüme einer gewissen Gaga und was dem Streifen inhaltlich, schauspielerisch und technisch fehlt, wird mit der Gorekeule wieder etwas wettgemacht. Trotz recht billig getrickster Effekte sprudelt der rote Lebenssaft jedenfalls in Strömen, aber große Freude wollte sich bei meiner Sichtung dennoch nicht einstellen. Preiswert heruntergekurbelte Exploitationware mit der künstlerischen Strahlkraft eines Dieter Bohlen-Albums, dass man auch nicht unbedingt gesehen haben muss und wohl auch nur lediglich für die Gore-Fraktion von - wenn auch geringem - Interesse sein dürfte.
Gleich eines vorweg: ich hab mich bei dem Sci-Fi-Schmonz herrlich amüsiert und wer in aller Welt kommt bloß auf die Idee, eine derartige Grütze zu produzieren, in der schlichtweg nichts zusammenpasst. Anstatt sich auf den menschlichen Helden zu konzentrieren, beschäftigt sich die immer wieder zutiefst einfach gestrickte Geschichte in "Battlefield Earth" ja auch lieber mit den Bösewichten und ignoriert dabei völlig die Tatsache, dass der Film so wirkt, als wären ganze Kapitel am Schneidetisch abhanden gekommen. Anschlussfehler, Logiklöcher so groß wie Erdspalten und andauernd so viel Pathos, dass man selbige damit füllen könnte sorgen auch nicht gerade dafür, dass die ganze Sause auch nur annähernd ernsthaft daherkommt. Als Fan schlechter Filme fühlte ich mich bei der Genre-Parodie aber bestens unterhalten und "Battlefield Earth" ist dann auch Aufsteiger der Woche in meiner persönlichen Trash-Top 10. Meine Fresse, dass hier niemand die Notbremse gezogen hat ist wirklich ein Symptom dafür, dass schon vor einem Jahrzehnt in der Traumfabrik etwas nicht mehr mit rechten Dingen ablief. Und wer sich mal so richtig amüsieren möchte, dem sei das mitgelieferte "Making-of" ans Herz gelegt, in dem sich dem verblüfften Zuschauer dann offenbart, dass die ganze Sache wirklich auch noch zutiefst ernstgemeint ist. Im richtigen Moment und der entsprechenden Erwartung aber dennoch extrem spaßig!
Schriller und überdrehter Streifen (leider nur in der deutschen Fassung) von Pedro Almodovar, der hier auf seine Weise eine kleine Bestandsaufnahme der spanischen Gesellschaft liefert, den Konservativen ordentlich eins vor den Latz knallt und neben viel Klamauk und Klischees auch immer wieder überraschend tiefgründige Weisheit durchblitzen lässt. Zwar ist "Fliegende Liebende" schon eher ein kleines Dankeschön für das treue schwule, weibliche und aufgeschlossene Publikum der ersten Stunde und scheut auch der derben Zoten und Klischees nicht zurück, ist aber andererseits wie seine frühen Werke ein überzeichnetes Statement mit der großen Almodovar-Familie, dass sich nicht überall Freunde schafft und wohl auch einigen "too much" sein dürfte. Das Almodóvarisch-Überdrehte ist aber imho nur typisch spanisch und dass ständig auch J&B-Flaschen zu sehen sind und der Soundtrack formidabel ist, sorgt ebenfalls für große Freude. Zwar sind mir die dramatischen Werke Almodóvars auch immer noch näher, aber als luftige Sommerkomödie für zwischendurch ist "Fliegende Liebende" schon mehr als okay.
Die Idee zu dem Film über das Verlieren des Gesichtes/der Identität im Zeiten des zunehmenden Materialismus und Erfolgsdrucks fand ich eigentlich recht originell, allerdings ist die Umsetzung von "Bruiser" dann irgendwie nicht so prickelnd und die Mischung aus Rachetrhiller, existenziellen Drama und Horror kann sich für keines der genannten Dinge so richtig entscheiden. Dabei hat mich weniger gestört, dass der Streifen eher ruhig und größtenteils unaufgeregt daherkommt, sondern die Tatsache, dass sich mir die Motive der Hauptfigur einfach nicht so richtig erschließen und der ganze Streifen deshalb bei mir auch nur eingeschränkt funktionierte. Warum schaffe ich etwas, dass ich nicht will für jemanden, den ich nicht mag, in einem Umfeld, dass mich krank macht. Das Henry erst die Reißleine zieht, als es bereits zu spät ist und Gewalt als legitimes Mittel der Problemlösung erscheint, ist wiederum leider symptomatisch für unsere Gesellschaft.
Eine Handvoll Priester-Seminaristen landen vom Weg abgekommen eines nachts in einem abgelegenen Bauernhof, wo eine alte Frau ihnen nur widerwillig Unterschlupf für die Nacht gewährt. Als sich die alte Frau an den junge Khoma heranmacht, entpuppt sich diese als Hexe, die den Mann durch die Lüfte entführt und sich anschließend in ein junges Mädchen verwandelt, bis sie Khoma mit einem Knüppel attackiert. Geschockt gelangt er zurück ins Kloster, wo er von seinem Rektor erfährt, dass er einer todkranken Tochter eines einflussreichen Mannes mit Gebeten beistehen soll, die nach ihm verlangt habe. Bei seiner Ankunft verstirbt die junge Frau und entpuppt sich auch noch als die eingangs erwähnte Hexe, für deren Seele Khoma nun drei Nächte lang in einer Kirche eingeschlossen beten soll, was auch dessen Glaube auf eine große Probe stellt...
Wunderbare Mischung aus Märchen-, Geister- und Horrorfilm über den Mythos einer Hexe, die gleich ganze Dämonen-Herrscharen herankarrt um sich der Seele eines Theologie-Studenten zu bemächtigen. Obwohl der durchaus gruselige Streifen dabei eher etwas gemächlich anfängt und auch das Ambiente und die Figuren der russischen Kolchose etwas exotisch wirken, ist das Finale ganz, ganz, ganz großes Kino und es wird getrickst, dass sich die Balken der alten Kirche nur so biegen. In welchen Film sieht man schon sonsr eine Hexe in einem offenen Sarg durch eine Kirche surfen, ohne dass es lächerlich wirkt und das letzte Drittel ist wirklich mal eine absolute Geisterbahnfahrt. Dass der sowjetische Streifen dabei neben tschechischen Märchenfilme auch noch an die Gothic-Werke von Mario Bava erinnert, erfreut das Herz des aufgeschlossenen Zuschauers natürlich ebenso und auch wenn ich normalerweise auf die russisch-orthodoxe Kirche gar nicht gut zu sprechen bin, ist diese wunderbare Verfilmung einer russischen Sage einfach nur grandios.
Selbstjustiz... mein ist die Rache!
Die junge Kellnerin Tracy wird eines Tages kurz vor ihrem Schichtende in einem Diner von vier gewaltbereiten Jugendlichen überfallen, vergewaltigt und brutal ermordet. Als die vier wenig später auch noch wegen eines anderen Verbrechens festgenommen werden, jedoch wegen eines Fehlers bei ihrer Verhaftung wieder freigelassen werden und ihre Opfer weiter verhöhnen, erzürnt das Tracys Bruder Johnny so sehr, dass der angehende Staatsanwalt und Student den Glauben an die amerikanischen Gesetze verliert und beschließt, die Vergeltung für die abschleulichen Verbrechen in die eigene Hand zu nehmen...
Politisch unkorrekte Streifen gibt es ja viele, aber "Selbstjustiz... mein ist die Rache" ist ja schon mal ganz starker Tobak, der sich auch wie aus dem Nichts an die Spitze dieser Kategorie katapultiert. Da wird aus purer Lust am Vergnügen vergewaltigt und ermordet, Frauen zum Oralsex gezwungen und erniedrigt und vor Gericht dann auch noch die Opfer der Verbrechen verhöhnt und andere Scherze getrieben. Auch der anschließende Rachefeldzug des Jus-Studenten ist natürlich alles andere als politisch korrekt und auch wenn dieser im Vergleich zu anderen Selbstjustiz-Streifen etwas harmlos bleibt, ist Kerwins Film doch eine ziemliche Granate, bei dem die deutsche Synchro dann wohl noch das Tüpfelchen auf dem I darstellt. Technisch ist "Deadbeat" ebenfalls solide und der blutjunge Chris Mulkey macht seine Sache ebenfalls sehr gut. Meine Fresse, was für ein herrlich niederträchtiges Werk!
Interessantes, sehr gut gespieltes und auch optisch sehr schick zurechtgemachtes Drama über einen Forscher auf Abwegen, der für neue, wissenschaftlichen Erkenntnisse auch vor drastischen Schritten nicht zurückschreckt. Was als Experiment im Isolationstank beginnt, geht ja dank bewusstseinserweiternden Drogen bald in eine gänzlich entartete Richtung und neben dem Geist beginnt sich auch das Fleisch zu wandeln. Ich würde Ken Russels "Der Höllentrip" ja noch am ehesten mit frühen Cronenberg und Jodorowsky-Filmen vergleichen, wobei der Streifen trotz grotesker Bilderwelten, Körperhorror und tollen Special-Effekts nicht in die Horror-Richtung geht und auch nicht so abgehoben psychedelisch daherkommt. Obwohl "Altered States" auch eher seinen getriebenen Forscher in den Mittelpunkt stellt, der mit seinem manischen Verhalten auch sein Umfeld in den Abgrund reißt, bietet der vielseitig interpretierbare Streifen über Bewusstseinserweiterung, Transzendenz und dem "Sinn und Ursprung des Lebens" aber noch immer genug Schauwerte um neben dem Drama-Fan auch das Genre-Publikum bei Laune zu halten.
Eine Frau sieht rot
Chris McCormick ist das gefragteste Model der Branche und lebt gemeinsam mit ihrer Schwester Kathy in einem luxuriösen Appartment. Als diese eines Tages ihren Musiklehrer Gordon im Schlepptau hat, der sich als Experimental-Musiker von den Kontakten des Models einen Vorteil erhofft, willigt Chris ein, sich die Musik des Mannes anzuhören. Als sich das Treffen jedoch nicht wie erhofft für den jungen Mann entwickelt, fällt er über Chris her und vergewaltigt das Model. Es kommt zu einem unschönen Prozess, in dem auch Kathy von Gordons Verteidigung in die Mangel genommen wird. Als es zu einem medienwirksamen Freispruch kommt, ist Chris erschüttet und obwohl sie weiter nach Vorne blickt, führt sie das Schicksal schon bald wieder mit ihrem Peiniger zusammen...
Vergewaltigungs- und Rache-Drama mit den beiden Hemingway-Schwestern Margaux und Muriel, dass im deutschen Raum im Fahrwasser von Charles Bronsons Selbstjustiz-Actioner vermarktet wurde. Satt handfester Action und Bodycount geht Lamonts Streifen eher in Richtung Gerichtssaal-Drama und zeigt auf - zugegeben - etwas einfach gestrickte und auch etwas tendenziöse Weise die Schwierigkeiten des Opfers auch tatsächlich Gerechtigkeit zu finden. Leider fehlen in der deutschen ARD-Ausstrahlung unnötigerweise auch mehrere Szenen, die "Lipstick" auch viel von seinem eigentlichen Wirkung nehmen, da man als deutscher TV-Konsument im Gegensatz zum Rest der Welt ja auch tatsächlich gar nicht wissen kann, was sich im Vorfeld zugetragen hat. Ungekürzt wäre "Eine Frau sieht rot" sicher ein passabler und durchaus interessanter Mainstream-Beitrag zu dem Thema, der jedoch nicht annähernd mit "I spit on your grave" vergleichbar ist.
Die (Mondo-)Dokumentation "The Killing of America" zeigt anhand von Archivmaterial die Kehrseite des "American Dreams", bei dem dem Einzelne nicht nur alles verlieren, sondern mit dem schier uneingeschränkten Zugang zu Schusswaffen auch vieles zerstören können. Anhand von politischen Ereignissen und sozialen Entwicklungen der Jahre 1960 - 80 zeichnet "The Killing of America" das düstere Bild einer Gesellschaft, die aufgrund viel zu liberalen Waffengesetzen längst am Rande des Abgrund angelangt ist.
Ich bin ja kein großer Fan von sogenannten Mondos und "Shockumentarys", aber im Gegensatz zu anderen Werken aus der Kiste, ist "The Killing of America" keine bloße Aneinanderreihung von gräßlichen Dingen unter irgendwelchen Deckmanteln, sondern eine ernsthafte und vor allem sehr, sehr bedrückende Auseinandersetzung zu einem Thema, dass auch heutzutage aktueller denn je ist. Dass der Streifen dabei größtenteils aus realen Footage zu schrecklichen Ereignissen besteht, die nicht nur die amerikanische Gesellschaft nachhaltig geprägt haben, intensiviert die Wirkung und die zutiefst pazifistische Botschaft des Werkes, dass in seinem Entstehungsland offensichtlich nie veröffentlicht wurde. Renan und Schraden greifen auch zu sehr drastischen Bildern und Gewaltdarstellungen, ohne die der Streifen vermutlich auch nie seine immense Wirkung entfalten könnte. Das grausamte, zeitloseste und intensivste Plädoyer gegen Waffen und Gewalt, dass ich jemals gesehen hab.
The Manson Family
Nach "The Killing of America" in dem auch das Thema Manson behandelt wird, hatte ich dann noch das Interesse, mir Jim Van Bebbers semi-dokumentarische Abhandlung anzuschauen, dass dem Zuschauer erklären möchte, wie aus einer Hippie-Kommune grausame Mörder werden konnten. Jedenfalls erinnerte mich "The Manson Family" mit seinem Archiv-Footage-Look von der Machart her gleich von Beginn an schon sehr an Renan und Schraders Shockumentary aus dem Jahre 1982 und Jim van Bebber erklärt im Making-of auch gleich einmal den großen Einfluss der Doku auf sein Werk. "The Mansons Family" ist jedoch nicht ganz so gelungen und bietet neben eindrucksvollen, interessanten und vielen freizügigen Momenten auch weniger gelungenere (wie z.B. der aufgeklebte Plastik-Schnauzer und der Sharon-Tate-Mord) und verliert dann vollends, wenn der Filmemacher mehr schlecht als recht und warum auch immer versucht, den Manson-Mythos in einer weiteren Episode auf die Neuzeit zu übertragen. Hätte man die gewaltbereiten Punk-Junkies weggelassen und sich stattdessen wirklich mehr auf tatsächliche Ereignisse und Fakten beschränkt, wäre "The Manson Familiy" wohl auch ein besserer Film geworden. Für meinen Geschmack bleibt auch die Intention des Regisseurs etwas fragwürdig und als Zuschauer kann man sich nie sicher sein, ob das Ganze jetzt real, überzeichnet, fiktiv oder sonstwas ist.
Gianni ist ein schüchterner Koch, der mit seinen sympathischen Freunden in einem Luxus-Hotel arbeitet, seine Abende in der angesagtesten Disco der Stadt verbringt und Resident-Djane Ilona anhimmelt. Die nimmt von dem jungen Mann mit dem Schnauzer und der dicken Brille aber kaum Notiz und Gianni ist im Gegensatz zu seinen Freunden auch viel zu untalentiert und tollpatschig um auf der Tanzfläche auf sich aufmerksam zu machen. Das ändert sich, als Giannis Freunde eines Tages seine frappierende Ähnlichkeit zu "Saturday Night Fever"-Darsteller John Travolta entdecken und den jungen Mann dazu überreden, sich als Tanz-Superstar auszugeben, als dieser tatsächlich in der Stadt ist um so das Herz seiner großen Liebe zu gewinnen...
Holla die Disco-Fee, was für ein Film! Komplettes Disco-Deliria und ein schüchternes John Travolta-Double, der das Herz von Ilona Staller gewinnen möchte und mit seiner verblüffenden Ähnlichkeit zu dem Superstar auch eine ganze Reihe humorvoller und bizarrer Verwechslungen auslöst. Das offensichtlich im Fahrwasser von "Saturday Night Fever" entstandene Filmchen ist dabei nicht nur lustig, sondern komplett auf Disco gebürstet und wenn mein Massimo Vanni (ja der aus den Riffs-Teilen) mit Gloria Piedimonte auf der Tanzfläche abhottet, gibt es ja ohnehin kein Halten mehr. Neben der vollkommen grotesken Grundidee bietet "The Face with 2 left Feet" aber auch ein paar sehr witzige Verwechslungskomödienmomente und obwohl Italo-Komödien normalerweise ja so gar nicht mein Fall sind, hat mir Parentis temporeiches und musikalische Disco-Abenteuer mit dem Herz am rechten Fleck einen nicht nur vergnüglichen, sondern auch außergewöhnlichen Abend beschert. PS: und er sieht auch wirklich aus wie der Travolta!
The Pyx
Eines Nachts wird ein Autofahrer zufällig Zeuge, wie eine Person vom Dach eines Hochhauses fällt. Obwohl auf den ersten Blick alles nach Selbstmord aussieht, zweifelt der ermittelnde Beamte Jim jedoch aufgrund etwas seltsamer Umstände an der Freitod-Variante der Heroin-abhängigen Elisabeth. Diese zeigte im Vorfeld keine Anzeichen ihr Leben beenden zu wollen und auch die Tatsache, dass die nicht gerade als religiös bekannte Prostituierte bei ihrem Tod ein Kruzifix und einen weiteren, kirchlichen Gegenstand umklammerte, macht den Polizisten stutzig. Und als Jim bei weiteren Ermittlungen auf eine Mauer des Schweigens stößt, scheint alles darauf zu deuten, dass tatsächlich mehr hinter der ganzen Sache steckt...
Etwas dröge Mischung aus Thriller, Okkult-Horror und Milieu-Drama, dass zwar irgendwie ganz nett daherkommt, aber daran krankt, dass die Erzählweise von "The Pyx" schlichtweg doof ist. So beginnt der Streifen mit dem vermeintlichen Freitod der Prostituierten und erzählt dann quasi parallel zu den Ermittlungen des Polizisten in Rückblenden die Vorgeschichte, was auf Dauer der Spannung wenig zuträglich ist. So kommt der etwas zu lange Streifen trotz einer tollen Karen Black, die auch ein paar melancholische Songs zum Soundtrack beigesteuert hat, und dem geschätzten Christopher Plummer nie so richtig in die Puschen und mehr als eine durchschnittliche Wertung ist dann auch nicht drinnen. Schade eigentlich...
Der Android
Unterhaltsames, kleines Sci-Fi-Filmchen mit Klaus Kinski, das mit seiner Androiden-Mensch-Thematik durchaus existentielle Züge annimmt und dabei auch durchaus kurzweilig ausgefallen ist. Zwar ist dem Streifen das schmale Budget durchaus anzusehen, aber diesen retro-futuristischen Look fand ich ganz hübsch und auch die unvorhersehbare Story über drei Kriminelle auf einer Raumstation, auf der ein exzentrischer Forscher seine nicht ganz geklärten Versuche durchführt, ebenfalls halbwegs originell. Zwar sollte man sich kein Action-Feuerwerk erwarten und geeichten Sci-Fi-Guckern dürfte der Abschluss-Gag ebenfalls bekannt vorkommen, aber insgesamt hat der Lipstadt mit dem Kinski und seinen restlichen Darstellern aus der zweiten Reihe schon alles richtig gemacht. Lustig auch die Tatsache, dass dem Kinogeher im Vor- und Abspann vermittelt werden soll, dass es sich bei der Figur des Max404 tatsächlich um einen Androiden handeln soll. Und nach 80 Minuten kurzweiliger Unterhaltung biegt dann vollkommen überraschenderweise auch noch dieser absolute 8-bit-Bossa-Westerngitarren-Elektro-Ohrwurm von Fibonacci um die Ecke, der mir gestern dann noch den Rest gegeben hat. Wie geil ist das denn?
PS: die ersten 10 Sekunden des Clips spoilern etwas, aber dann...
Robert (Hanno Pöschl) ist der Geliebte von Lysiane (Jeanne Moreau), die mit ihrem Mann Nono (Günther Kaufmann) ein heruntergekommenes Bordell am Hafen von Brest führt und ihr Geld mit dem Singen von Chansons und der Vermittlung von Huren verdient. Als eines Tages Roberts Bruder Querelle (Brad Davis) als Matrose mit einem Schiff anlegt ist das der Beginn einer Reihe von tragischen Verwicklungen, bei denen der verführerische Querelle sowohl Männern und Frauen den Kopf verdreht und ein teuflisches Spiel aus Sex, Abhängigkeit, Begierde und Mord nimmt seinen Lauf, als Querelle auch von den Mörder Gil kennenlernt, der seinem Bruder zum Verwechseln ähnlich sieht...
"Querelle" gilt ja laut Wikipedia ja gemeinhin als "schwer zugänglicher" Film und die surrealistische Handlung, der extrem künstliche Charakter der Inszenierung und die englische Sprachfassung mit ihren hochgestochenen Dialogen macht des dem Zuschauer auch nicht gerade die sexuell aufgeladene und schwül-schwule Geschichte über den umtriebigen Seemann Querelle zur Gänze zu verstehen. Dabei setzt Fassbinder in seiner tragischen Geschichte über Liebe, Sex und Tod auf verschwitze Leiber, homoerotische Figuren in einer phallisierten Kulisse, schreckt auch vor Darstellung entsprechender Akte nicht zurück. Aber auch wenn man nicht alles versteht oder verstehen kann, hat Fassbinder doch einen sehr schön zu schauenden und vor allem sehr ungewöhnlichen Streifen geschaffen, der für sein Entstehungsjahr auch ordentlich Gas gibt und in dessen kunstvoll ausgeleuchteten Bilderwelten man sich irgendwie gerne verliert. Das Hetero-Publikum sei aber an dieser Stelle einmal vorgewarnt, den der Film ist schon sehr, sehr