horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Moderator: jogiwan

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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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GoldenEye
(GoldenEye)
mit Pierce Brosnan, Sean Bean, Izabella Scorupco, Famke Janssen, Joe Don Baker, Judi Dench, Robbie Coltrane, Gottfried John, Alan Cumming, Tchéky Karyo, Desmond Llewelyn, Samantha Bond, Michael Kitchen
Regie: Martin Campbell
Drehbuch: Michael France / Jeffrey Caine / Bruce Feirstein
Kamera: Phil Meheux
Musik: Eric Serra
FSK 16
Großbritannien / USA / 1995

Die russische Mafia-Gruppe Janus hat "Goldeneye", zwei Satelliten, deren elektromagnetische Strahlen alles Leben auf der Erde vernichten können, in ihre Kontrolle gebracht. Der Chef dieser kriminellen Bande ist Ex-"006" Alec Trevelyan, James Bonds ehemaliger Kollege. Zusammen mit der Computerspezialistin Natalya Simonova setzt sich 007 auf die Spuren des Verräters. Der Weg führt die beiden über Monaco und St. Petersburg bis nach Kuba in die Kommando-Zentrale von Janus.


Nachdem 1989 Timothy Dalton nach nur zwei Bond-Abenteuern schon wieder seinen Hut nehmen musste, trat die längste Pause zwischen zwei Filmen der Reihe ein. Volle sechs Jahre mussten sich die Fans gedulden, bis mit "GoldenEye" der nächste Bond-Film erschien, in dem eigentlich nur noch die Figur des guten "Q" an glorreiche Zeiten erinnert. Ansonsten ist nämlich so gut wie alles neu gestaltet, denn nicht nur die Person des James Bond wurde hier mit Pierce Brosnan neu besetzt, sondern das gesamte Ambiente des Bond-Universums hat einen neuen Anstrich erhalten. "M" wird mittlerweile von einer Frau dargestellt und zwischen ihr und 007 kommt es auch zu augenscheinlichen Spannungen, die in diversen Passagen ganz offensichtlich in den Vordergrund treten. Nun ist Brosnan rein von der Optik her vielleicht sogar der beste Bond-Darsteller aller Zeiten, doch nur das perfekte Aussehen allein ist längst keine Garantie dafür, das man den Charakter auch überzeugend darstellt. Zwar sichtlich bemüht eine ordentliche Figur abzugeben, fehlt es Brosnan am nötigen Charme, um in die großen Fußstapfen seiner Vorgänger zu schlüpfen und diese auch auszufüllen. So fehlt es ihm ganz eindeutig an der nötigen Lockerheit, die beispielsweise Connery und Moore immer an den Tag gelegt haben was man insbesondere in den humorigen Momenten des Szenarios feststellen muss. Wirkte der Humor in den vorherigen Werken manchmal schon etwas zu übertrieben, so präsentiert er sich in vorliegendem Film schon etwas zu trocken, so das im Prinzip relativ wenige Szenen auffallen, die dem Zuschauer einen dezenten Schmunzler abringen können.

Der wesentlichste Unterschied zu den bisherigen Filmen der Reihe besteht aber wohl darin, das "GoldenEye" auch im Bezug auf die vorhandene Action neue Maßstäbe setzt, wobei diese nicht unbedingt als rein positiv zu bezeichnen sind. Schon in der Eröffnung des Geschehens kann man sich denken, in welche Richtung das Ganze tendieren wird, denn wohl kaum eine andere Einleitungs-Sequenz in einem Bond-Film wurde so dermaßen übertrieben dargestellt, wie es hier der Fall ist. Nun hat dem smarten Agenten ja eigentlich immer der Touch des Unbesiegbaren angehaftet, doch mittlerweile wird 007 schon fast wie ein Superheld aus dem Marvel Universum dargestellt, der mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet ist. Selbstverständlich wirkt das alles äußerst spektakulär und ist zudem auch erstklassig in Szene gesetzt worden, doch die Glaubwürdigkeit des Szenarios reduziert sich dadurch auf ein absolutes Minimum, was dem gewonnenen Gesamtbild eher schadet, als das es dadurch aufgewertet wird. Es präsentieren sich fast schon hanebüchene Stunts, die man beim besten Willen nicht ernst nehmen kann und in diversen Passagen erscheint die Geschichte fast schon ein wenig lächerlich.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, vom reinen Unterhaltungswert her ist "GoldenEye" eine regelrechte Action-Granate, doch die Figur des James Bond wird phasenweise schon der Lächerlichkeit preisgegeben. Unzählige technische Spielereien lassen die Ereignisse stellenweise schon fast in den Fantasy-Bereich abdriften, als das man hier noch von einem erntszunehmenden Agenten-Thriller sprechen könnte. Dafür ändert sich aber wohl ein Aspekt der bond-Filme nie, den n auch hier sind einmal mehr etliche hübsche Damen am Start, von denen Famke Janssen den wohl besten Eindruck hinterlässt. In ihrer Rolle als gnadenlose Killerin liefert die hübsche Dänin eine nahezu perfekte Performance ab und ist somit ein absoluter Lichtblick in einem ansonsten nicht gänzlich überzeugendem Film. So reduziert sich vorliegendes Werk dann auch hauptsächlich auf seine zugegebenermaßen extrem spektakulären Action-Passagen, an den Genre-Fans ganz sicher ihre Freude haben werden. Wer jedoch einen echten Bond erwartet, wird wohl eher eine kleine Enttäuschung erleben, da zu viele Neuerungen eingebaut wurden, die dem Gesamtbild nicht unbedingt förderlich sind. Natürlich könnte man damit argumentieren, das die Reihe eine zeitgemäße Aufrüstung benötigt hat, doch ein solch grenzenlos überzogenes Spektakel zu inszenieren, kann auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

"GoldenEye" ist im Endeffekt aber lediglich der Auftakt zu einer Ära von vier Filmen, die alle nach dem gleichen Strickmuster aufgebaut wurden. Mit Pierce Brosnan in der Hauptrolle hat man dabei einen Darsteller verpflichtet, der den Charakter des Geheimagenten auf seine ganz eigene Art interpretiert. Diese gefällt sicherlich nicht jedem und stellenweise weiß man erst jetzt einen oft unterschätzten Roger Moore so richtig zu würdigen, der in der Rolle auf jeden Fall weitaus charmanter und lockerer agiert hat. Dennoch ist auch Brosnan nicht so schlecht wie viele Leute ihn machen, doch muss man sich ganz eindeutig erst einmal an die neue Richtung gewöhnen, die mit "GoldenEye" eingeschlagen wurde.


Fazit:


Unterhaltsam und kurzweilig ist dieser Film auf jeden Fall, doch in der Rangliste aller Bond-Filme ist er sicherlich nicht ganz vorn anzusiedeln. Im Normalfall behauptet man ja immer das neue Besen gut kehren, was in vorliegendem Fall aber nicht unbedingt zutrifft. Zu viel Action und zu wenig Story zeichnen einen Gesamteindruck, der nicht gänzlich überzeugend ist, so das sich der film lediglich im normalen Durchschnitts-Bereich ansiedeln kann.


6/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Der Morgen stirbt nie
(Tomorrow Never Dies)
mit Pierce Brosnan, Jonathan Pryce, Michelle Yeoh, Teri Hatcher, Ricky Jay, Götz Otto, Joe Don Baker, Vincent Schiavelli, Judi Dench, Desmond Llewelyn, Samantha Bond, Colin Salmon, Geoffrey Palmer
Regie: Roger Spottiswoode
Drehbuch: Bruce Feirstein
Kamera: Robert Elswit
Musik: David Arnold
FSK 16
Großbritannien / USA / 1997

Der machtgierige Medienmogul Elliot Carver hat ein makabres Hobby: Er kreiert Nachrichten, die er dann in seiner Zeitung "Morgen" veröffentlicht, am liebsten selbst. Um nun auch den profitablen chinesischen Markt zu erobern, ist Carver jedes Mittel recht. Also versucht der Größenwahnsinnige, mit einem fürs Radar unsichtbaren U-Boot einen verheerenden Dritten Weltkrieg anzuzetteln. Nur der britische Super-Agent James Bond kann dem skrupellosen Zeitungsbaron das Handwerk legen.


Nachdem mit dem zwei Jahre zuvor erschienenen "GoldenEye" eine neue Richtung in der James Bond Ära eingeschlagen wurde, durfte man nun sehr gespannt darauf sein, ob dieser Stil auch im Nachfolger "Der Morgen stirbt nie" beibehalten wurde. Und wenig überraschend gestaltet sich dann auch dieses Werk in der gleichen Machart, so das der Zuschauer sich einmal mehr auf ein wahres Action-Spektakel einstellen kann, das aber auch gleichzeitig eine recht interessante Geschichte erzählt. Nach ziemlich langer Zeit bekommt es Bond hier auch mal wieder mit einem offensichtlich größenwahnsinnigen Gegner zu tun, der von Jonathan Pryce absolut grandios dargestellt wird. In der Rolle des Medienmoguls Carver liefert der gute Mann eine eindrucksvolle Performance ab, bei der er insbesondere durch seine hervorragende Mimik absolut überzeugen kann. Mit Götz Otto steht ihm ein Mann aus Deutschland an der Seite, der für die Beseitigung diverser Probleme verantwortlich ist, was zwangsläufig das Ableben diverser Personen bedeutet.

Wie eigentlich kaum anders zu erwarten, definiert sich auch dieser zweite Bond-Film mit Pierce Brosnan in der Hauptrolle hauptsächlich durch eine Unmenge an Action-Sequenzen, die streckenweise wieder einmal vollkommen überzogen daher kommen, aber absolut erstklassig in Szene gesetzt wurden. Und so langsam gewöhnt man sich ehrlich gesagt an diesen neuen Stil, wobei einem auch Brosnan mittlerweile immer besser in der Rolle des Agenten gefällt. Sicher versprüht er nicht unbedingt den Charme seiner Vorgänger und auch die flapsigen Sprüche kommen ihm mit einer ungewohnten Ernsthaftigkeit über die Lippen, aber diese leichte Veränderung des Haupt-Charakters erscheint dennoch absolut passend und ist letztendlich eine gute Ergänzung zu den ganzen anderen Neuerungen. Gerade seine eher trockene Art des Humors sagt einem hier viel mehr zu als es noch in "GoldenEye" der Fall war und so kommt es auch in diversen Passagen zu einer wunderbaren Situationskomik. Lediglich der neue Superhelden-Anstrich erscheint immer noch ein wenig störend und lässt das Szenario wenig glaubhaft erscheinen, denn die vorhandenen Stunts sind zwar allesamt extrem spektakulär ins Bild gesetzt worden, hinterlassen aber phasenweise einen schon wahnwitzigen Eindruck beim Zuschauer.

Für den wahren Action-Junkie offenbart sich also einmal mehr ein Geschehen voller Höhepunkte, der eingefleischte Bond-Fan wird das Ganze jedoch eher etwas kritischer beäugen, verliert die Reihe doch durch diese neue Richtung ein wenig von ihrem Charme, der sie über so viele Jahre begleitet hat. Das ständige Aufrüsten bei den technischen Spielereien und die unzähligen neuen Gadgets sind sicherlich ein optisches Highlight, doch an einigen Stellen wirkt das Geschehen schon ein wenig überladen. Wie dem aber auch sei, 007 ist im Zeitalter des High-Tech angekommen und das merkt man den neuen Abenteuern auch in jeder Phase an. Rein vom Zeitgeist her ist das auch alles in Ordnung, jedoch verliert sich ein wenig der Nostalgie-Faktor, den man bisher eigentlich immer verspüren konnte. Dieser wird im Prinzip nur noch durch Desmond Llewelyn vertreten ist, denn der gute Mann zählt mittlerweile schon längst zum Inventar der Reihe und ist immer noch in der Rolle des "Q" zu bewundern. Ansonsten jedoch ist nicht mehr viel vom einstigen Bond-Spirit zu verspüren, denn mittlerweile tendieren die Werke vom Agenten-Thriller schon längst mehr in die Richtung des spektakulären Action-Kinos, was eben auch dem neuen Zeitalter geschuldet ist.

Im Endeffekt ist "Der Morgen stirbt nie" auf jeden Fall ein extrem kurzweiliger Film, der vom reinen Unterhaltungswert ziemlich weit oben anzusiedeln ist. Zudem gewöhnt man sich an die neue Figur des James Bond und Brosnan und mittlerweile vermag Brosnan auch durchaus Sympatie-Punkte beim Betrachter zu sammeln, was beim Vorgänger "GoldenEye" noch nicht so sehr der Fall war. Vielleicht braucht man ganz einfach ein wenig Zeit, um sich an die vielen Neuerungen zu gewöhnen, war man doch über Jahrzehnte mit anderen Szenarien konfrontiert worden, die den Bond-Fan schließlich auch nachhaltig geprägt haben.


Fazit:


"Der Morgen stirbt nie" hat mir persönlich besser gefallen als der erste Film mit Brosnan, wobei ich insbesondere die Geschichte als äußerst interessant empfunden habe. Denn auch wenn diese extrem überspitzt in Szene gesetzt wurde, versteckt sich hinter ihr doch auch eine gewisse sozialkritische Note, da man sich auch in der Realität nur allzu oft von irgendwelchen Medien manipulieren lässt.


7,5/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Die Welt ist nicht genug
(The World is Not Enough)
mit Pierce Brosnan, Sophie Marceau, Robert Carlyle, Denise Richards, Robbie Coltrane, Judi Dench, Desmond Llewelyn, John Cleese, Maria Grazia Cucinotta, Samantha Bond, Michael Kitchen, Colin Salmon
Regie: Michael Apted
Drehbuch: Neal Purvis / Robert Wade
Kamera: Adrian Biddle
Musik: David Arnold
FSK 12
Großbritannien / USA / 1999

Im Hauptquartier des britischen Geheimdienstes kommt Öl-Multi-Sir Robert King bei einem Bombenanschlag ums Leben. Agent 007 soll den Mörder entlarven und gleichzeitig Elektra, die bildhübsche Erbin des Milliarden-Imperiums, vor berüchtigten internationalen Terroristen beschützen. Mit der Nuklearwaffen-Expertin Dr. Christmas Jones an seiner Seite beginnt Bonds gefährliche Mission. Die Spur führt zu dem skrupellosen Hightech-Terroristen Renard. Eine Kugel im Gehirn macht ihn gegen jede Art von körperlichen Schmerzen immun und so zu einem ungewöhnlich tödlichen Feind.


Im nunmehr neunzehnten Abenteuer der langlebigsten Film-Reihe aller Zeiten ist zum dritten Mal Pierce Brosnan am Start und leider gibt es nichts Neues zu vermelden, was die Bond-Reihe eventuell positiv beeinflussen könnte. Spätestens mit diesem Werk wird klar, das die Macher nun eine bestimmt Schiene befahren und sich dabei schwerlich vom eingeschlagenen Kurs abbringen lassen wollen. Die Geschichten geben nicht mehr das her, was man in etlichen älteren Filmen immer so geschätzt hat und so entfaltet sich auch hier recht schnell ein Szenario, das sich weniger mit dem Charakter Bond, sondern vielmehr mit einem Geschehen voller Action beschäftigt und so nicht mehr den Charme früherer Jahre versprühen kann. Dabei ist "Die Welt ist nicht genug" im Bezug auf die Action der "normalste" der letzten 3 Filme, auch wenn die Eröffnung der Geschichte eventuell etwas anderes vermuten lässt. Das soll jetzt aber keinesfalls bedeuten, das sich nicht auch hier spektakuläre Passagen zeigen, in denen es einmal mehr ordentlich überzogen zugeht, doch insbesondere im Vergleich mit "GoldenEye" gestaltet sich das Ganze auf einem eher harmlosen Level. Dadurch wird die Story aber auch nicht besser, die dieses Mal sogar einige kleinere Längen beinhaltet, die man sicherlich hätte vermeiden können.Dafür bekommt man es in vorliegendem Fall jedoch mit zwei bildhübschen Gespielinnen an der Seite des zum Supermann mutierten Bond zu tun, denn Denise Richards und Sophie Marceau schmeicheln vor allem dem Auge des männlichen Zuschauers.

Während Richards aber nicht über den Status der nett aussehenden Staffage hinauskommt, ist es ganz besonders Marceau zu verdanken, das man den Film am Ende doch noch ein wenig aufwertet, was jedoch nicht allein ihrem blendenden Aussehen zu verdanken ist. Natürlich fällt dies zwar zuerst ins Auge, denn je älter und reifer die gute Frau wird, desto attraktiver scheint sie zu werden. An dieser Stelle kann man Brosnan dann auch das erste Mal wirklich beneiden, denn vor allem in der obligatorischen Bettszene hätte man doch nur zu gern mit ihm getauscht. Doch auch schauspielerisch verkörpert die Französin gekonnt das scheinbar schüchterne Mädchen das seinem Entführer verfallen ist und obwohl sie zu den Bösen zu zählen ist, sind ihr die Sympatiewerte des Betrachters auf jeden Fall gewiss. Dafür kommt der eigentliche Schurke in diesem Abenteuer eher weniger zur Geltung, denn die Figur des Terroristen Renard kommt so gut wie gar nicht zur Geltung und führt aufgrund dessen vielmehr ein verkümmertes Schatten-Dasein. Das ist sicherlich auch in der recht schwachen Darstellung von Robert Carlyle begründet, der in keiner Phase so richtig zu überzeugen weiß, andererseits bieten die Spielanteile der Rolle auch keinerlei größere Entfaltungs-Möglichkeiten. Bei diesem Punkt wäre viel mehr möglich gewesen und eine ausführlichere Charakter-Beleuchtung hätte da ganz bestimmt geholfen.

Dennoch gestaltet sich "Die Welt ist nicht genug" größtenteils äußerst kurzweilig-und unterhaltsam, die Macher halten sich an die Gesetze des Marktes und bieten insbesondere der jüngeren Generation das was sie erwartet. Etliche teils überzogene Action-Sequenzen, eine Menge Tempo und absolut waghalsige Stunts. Das dabei die Geschichte ein wenig auf der Strecke bleibt, scheint dabei lediglich die alteingesessenen Fans der Reihe wirklich zu stören. Ob der seit numehr drei Filmen eingeschlagene Weg denn auch der richtige war, konnte man zu diesem Zeitpunkt nicht beantworten, doch schon im übernächsten Film sollte das Bond-Universum eine Radikal-Kur erhalten, über die an anderer Stelle noch zu sprechen ist. Vorliegender Film gehört jedoch ganz eindeutig nicht in die obere Bewertungs-Skala, wenn man sich einmal alle bisherigen 19 Abenteuer des britischen Geheimagenten vor Augen hält, dennoch hat man sich mittlerweile an den neuen Bond gewöhnt und auch Pierce Brosnan wird einem mit der Zeit immer sympatischer.

Doch auch für ihn läuteten hier schon leise die Abschiedsglocken, sollte doch sein nächster Auftritt auch schon wieder der Letzte sein. Wie gut der gebürtige Ire dann wirklich in der Rolle des James Bond agiert hat, sollte einem erst einige Jahre später bewusst werden, denn der weitere Wechsel zu Daniel Craig war meiner persönlichen Meinung nach das Fatalste, was man dieser Film-Reihe antun konnte.


Fazit:


"Die Welt ist nicht genug" gehört keinesfalls zu den allerbesten Bond-Filmen, bietet aber in seiner Gesamtheit leicht überdurchschnittliche Film-Kost, die sich durch eine absolut bezaubernde Sophie Marceau ganz automatisch ein wenig selbst aufwertet. Ansonsten bleibt alles beim Alten, so das man nicht mit sonderlich viel Innovation rechnen sollte, die in der Reihe aber schon länger als verschollen gilt.


7/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Stirb an einem anderen Tag
(Die Another Day)
mit Pierce Brosnan, Halle Berry, Toby Stephens, Rosamund Pike, Rick Yune, Judi Dench, John Cleese, Michael Madsen, Will Yun Lee, Kenneth Tsang, Emilio Echevarría, Mikhail Gorevoy, Lawrence Makoare, Madonna
Regie: Lee Tamahori
Drehbuch: Neal Purvis / Robert Wade
Kamera: David Tattersall
Musik: David Arnold
FSK 12
Großbritannien / USA / 2012

Wegen eines Verräters aus den eigenen Reihen landet James Bond in nordkoreanischer Gefangenschaft. Als er nach 14 Monaten Haft wieder in die Freiheit zurückkehrt, sinnt 007 auf Rache. Vom Geheimdienst im Stich gelassen, sucht er den Schurken auf eigene Faust und findet ihn im zwielichtigen Diamantenmillionär Graves. Der will der Welt mittels Hi-Tech im All eine zweite Sonne "schenken", deren Strahlen ganze Länder zu verwüsten vermögen. Gut, dass Bond da in der aparten Geheimagentin Jinx eine ebenbürtige Verbündete findet...


Es gibt nicht wenige Leute, die diesen letzten Film mit Pierce Brosnan in der Hauptrolle als seinen schwächsten Auftritt bezeichnen, für mich persönlich liegt hier jedoch das beste und interessanteste Abenteuer des Iren vor, denn die erzählte Geschichte bietet absolut erstklassige Unterhaltung mit jeder Menge herausragender Action-Sequenzen, die man mittlerweile auch schon gar nicht mehr missen möchte. Man kann sich denken, das es sich einmal mehr um ein wahres Feuerwerk an Stunts handelt, denn dieses Mal ist 007 so richtig sauer, musste er doch aufgrund eines Verrates lange Zeit in nordkoreanischer Haft bleiben und dort unsägliche Folterungen über sich ergehen lassen. Von den eigenen Leuten fallen gelassen nimmt er das Heft des Handelns selbst in die Hand und macht sich auf die Suche nach dem Verräter, wobei ihn seine Reise nach Island führt. Brosnan kann hier als grimmiger und mit Wut beladener Geheimagent punkten, man nimmt ihm die Rolle durchgehend ab und ist so mittlerweile fast schon traurig gestimmt, das er in "Stirb an einem anderen Tag" seinen letzten Einsatz bestreitet, bevor die gesamte Film-Reihe danach ein komplettes Reboot erhalten sollte. So kann man dann auch diesen 20. Jubiläums-Bond als Ende einer Ära ansehen, die nach nunmehr 40 Jahren zu Grabe getragen wird, um danach wieder ganz am Anfang zu starten.

Regisseur Lee Tamahori hat hier noch einmal sämtliche typischen Bond-Zutaten zu einem extrem unterhaltsamen Mix zusammengefügt und präsentiert dem Zuschauer somit ein Werk, das es wirklich in sich hat. Das man dabei einmal mehr ein wahres Spektakel an Action-und waghalsigen Stunts geboten bekommt ist dabei keine wirkliche Überraschung mehr, ist dies doch in der Zwischenzeit zu einem absoluten Markenzeichen der Brosnan-Filme geworden, das man sogar schon ein wenig lieb gewonnen hat. Diese sind selbstverständlich wieder regelrecht bombastisch in Szene gesetzt worden und mittlerweile erscheint es auch längst nicht mehr so störend, das immer wieder der Hang zum stark Überzogenen vorhanden ist. Es macht einfach nur Spaß, die wilden Verfolgungsjagden im isländichen Eis zu beobachten, oder Bond in seinem neuen-und mit einer Tarnvorrichtung versehenen Super-Auto durch einen Eispalast fahren zu sehen, der langsam am schmelzen ist. "Stirb an einem anderen Tag" ist also noch einmal ein absolutes Action-Highlight, das aber nebenbei auch noch eine immer spannende Geschichte erzählt, die einen bis zur letzten Minute bei Atem hält.

Mit Hale Berry bekommt man es auch mit einem der hübschesten Bond-Girls überhaupt zu tun und die gute Frau tut sich an dieser Stelle nicht nur ausschließlich als optischer Blickfang hervor. Selbst als Agentin der Amerikaner tätig, versüßt sie dem smarten Briten nicht nur die Nächte, sondern kann auch in Sachen Action etliche Pluspunkte verbuchen. In einem kurzen Gastauftritt kann man zudem sogar Superstar Madonna beobachten, wobei ihre Rolle so klein ausgelegt ist, das man sich kaum ein Urteil darüber erlauben kann, ob in dem Mega-Star auch ungeahnte darstellerische Fähigkeiten schlummern. Was einem in diesem Film ein wenig fehlt ist der gute alte "Q", handelt es sich hier doch um das erste Werk, das ohne den zu diesem Zeitpunkt leider verstorbenen Desmond Llewelyn auskommen muss. Ersetzt wird dieser durch John Cleese, der das Urgestein jedoch nicht gleichwertig ersetzen kann. Mit Llewelyn ist somit auch das letzte Stück Nostalgie verschwunden, das der Film-Reihe noch beigewohnt hat und dieser Verlust ist fast noch schmerzhafter als der ständige Wechsel der Darsteller in der Hauptrolle, an die man sich innerhalb der Jahrzehnte gewöhnt hat.

Im Endeffekt wurde Pierce Brosnan hier ein wirklich würdiger Abschluss bereitet und in etlichen Passagen erscheint "Stirb an einem anderen Tag" schon fast wie ein Best of aus sämtlichen Bond-Filmen, die man in den ganzen Jahren zu Gesicht bekommen hat. Mit dem nächsten Film "Casino Royale" sollte dann der totale Schnitt folgen und die Uhren wieder auf 0 gestellt werden, denn mit Daniel Craig wurde nicht nur ein neuer Geheimagent präsentiert, sondern auch der zeitliche Rahmen vollkommen abgeändert. Die James Bond-Saga beginnt also von Neuem und verprellt damit etliche alt eingesessene Fans, doch davon an anderer Stelle mehr. Zunächst aber sollte man dieses letzte Abenteuer des alten 007 noch einmal richtig genießen, denn in dieser Form wird es den smarten James Bond wohl nie wieder geben, was schon ein wenig Wehmut aufkommen lässt.


Fazit:


Hübsche Frauen, faszinierende Bilder, eine spannende Geschichte und ein Feuerwerk an erstklassiger Action ergeben ein Gesamt-Paket, das sich wirklich sehen lassen kann. Unter den vier Filmen in denen Brosnan die Hauptrolle gespielt hat, handelt es sich hier meiner Meinung nach um den besten und somit ist "Stirb an einem anderen Tag" auch immer wieder eine neuerliche Sichtung wert.


8/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Ghost Movie
(A Haunted House)
mit Marlon Wayans, Marlene Forte, Essence Atkins, David Koechner, Dave Sheridan, Nick Swardson, Alanna Ubach, Andrew Daly, Cedric the Entertainer, Affion Crockett, J.B. Smoove, Robin Thede, Jordenn Thompson
Regie: Michael Tiddes
Drehbuch: Marlon Wayans / Rick Alvarez
Kamera: Steve Gainer
Musik: keine Informationen
FSK 16
USA / 2013

Malcolm Johnson ist ein Glückspilz. Seine Freundin Kisha zieht endlich in sein Haus, und dem gemeinsamen Glück - und einem geregelten Sexualleben - scheint nichts mehr im Weg zu stehen. Doch schnell erhält Malcolm einen Reality Check, denn Kisha will lieber Schlaf statt Sex, inklusive Schlabber-Look und Pickelcreme, und vor allem: nächtliche Verdauungsstörungen. Irgendwie hatte sich Malcolm das Zusammenleben anders vorgestellt! Und das war erst der Anfang der Probleme, denn urplötzlich geht es im Hause Johnson nicht mehr mit rechten Dingen zu. Türen bewegen sich ohne fremdes Zutun, Töpfe und Geschirr fliegen durch die Gegend und das Mobiliar bewegt sich auch wie von fremder Hand - alles aufgezeichnet von Malcolms Kamera. Von den etwas unterbelichteten Geisterjägern über ein hellsehendes Medium namens Chip, das ein bisschen zu sehr auf Tuchfühlung geht, bis hin zu Pater Doug, einem Kirchenvertreter mit krimineller Vergangenheit, versucht Malcolm alles, um gegen den ungebetenen, paranormalen Gast vorzugehen.


Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch einmal die etlichen Mockumentary-Filme der letzten Jahre in einer Parodie ihr Fett wegbekommen würden, bis sich vorliegender "Ghost Movie" nun endlich dieser Thematik angenommen hat. Glaubt man manchen im Netz umher schwirrenden Kritiken zu diesem Film, so handelt es sich um ein in der Hauptsache albernes Szenario, in dem man mit jeder Menge platten Sprüchen und eher flachem Humor rechnen muss. Und je nach Sichtweise des jeweiligen Betrachters mag das auch so stimmen, doch wer Filme in der Art von "Scary Movie" zu schätzen weiß, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Und natürlich sind solche Parodien immer reine Geschmackssache und gerade die Filme in denen Marlon Wayans in der männlichen Hauptrolle zu sehen ist lassen erahnen, in welche Richtung der Humor tendieren wird. Fäkal-Humor, deftige Zoten und etliche sexuelle Anspielungen stehen an der Tagesordnung und das ist auch gut so, denn die ganze Sache wurde so wunderbar unterhaltsam in Szene gesetzt, das man seine helle Freude an diesem bunten Treiben haben kann. Aufs Korn genommen werden in der Hauptsache die "Paranormal Activity-Filme" und wenn diese eigentlich wenig Grund für gute Unterhaltung bieten, so kann man sich auf die vorliegende Parodie umso mehr freuen.

Natürlich sollte man mit dem vorherrschenden Humor etwas anfangen können, denn die Dinge, die von vielen Leuten als negativ bewertet werden sind auch definitiv vorhanden. Nun gibt es aber auch genügend Menschen, die sich insbesondere an diesem teils flachen Witz wunderbar erfreuen können, wobei die größtenteils schon als skurril zu bezeichnende Situationskomik ihr Übriges tut, um einem die Zeit kurzweilig zu vertreiben. Das Geschehen offenbart sich dabei zwar als streckenweise vorhersehbar, aber dennoch kann man bei diversen Momenten gar nicht anders, als lauthals loszulachen. Zu grotesk mutet das Szenario an, in dem es vor positiven Fettnäpfchen und unzähligen Klischees nur so wimmelt. Das mag nun nicht jedermanns Sache sein, ist aber äußerst spaßig in Szene gesetzt worden und setzt beim Zuschauer ein unglaublich positives Gefühl frei.

Man sollte jedoch auch eine gewisse Vorkenntnis zu den hier parodierten Filmen haben, denn ansonsten könnte es gut möglich sein, das man nicht den richtigen Zugang zu diversen Dingen findet. Hier verhält es sich ebenso wie bei der "Scary Movie-Reihe", die auch nur halbwegs lustig erscheint, wenn man die aufs Korn genommenen Filme nicht kennt. Die Darsteller machen ihre Sache auch durchweg gut und verleihen den von ihnen dargestellten Figuren eine ganze Menge Charme, wobei sämtliche Charaktere vor allem durch ihre skurrile Überzeichnung ins Auge fallen. So bekommt man es mit einem offensichtlich schwulem Medium, einem Ex-Knacki als Priester oder auch mit einer sogenannten Gangster-Gang zu tun, die sich als eine Ansammlung von Mimosen zu erkennen gibt.

Das alles in Verbindung mit etlichen markigen Sprüchen und vor allem unzähligen sexuellen Anspielungen ergibt eine teils frivole Mischung, die einem so manche Träne aus den Augen lockt. Und auch wenn hier ganz bestimmt nicht der feinsinnige Humor angesprochen wird, sollte man "Ghost Movie" echt eine Chance geben, denn so viele gute Parodien auf diverse Filme findet man nun auch nicht. Diese hier siedelt sich meiner Meinung nach aber auf jeden Fall im oberen Qualitäts-Drittel an und versorgt einen mit knapp 80 Minuten erstklassiger Unterhaltung.


Fazit:


Marlon Wayans ist eigentlich immer für die gleiche Art von Humor bekannt und genau diese bekommt der Betrachter hier gebündelt zu sehen. Ich fühlte mich jedenfalls bestens unterhalten und kann für dieses witzige Werk nur eine unbedingte Empfehlung an alle aussprechen, die auch dem manchmal etwas flachem Humor zugetan sind.


7/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Kaliber 9
(Calibre 9)
mit Laurent Collombert, Nathalie Hauwelle, Phillippe Burel, Philippe Bussière, Jean-Jacques Lelté, Mory Gueye, Christophe Lafargue, Marie Therese Izard, Clémentine Decremps, Frédéric Menuet, Jean-Marc Brisset
Regie: Jean-Christian Tassy
Drehbuch: Eric Cherrière / Jean-Christian Tassy
Kamera: Chloé Robert
Musik: Fabien Auguy / Jonathan Latorre / Jonathan Verie-Massot
keine Jugendfreigabe
Frankreich / 2011

Die Prostituierte Sarah wird von ihrem Zuhälter ermordet. Der Stadtplaner Yann Moreau sieht sich in seinem Job mit der Tatsache konfrontiert, dass die Stadt von korrupten Politikern geleitet wird. Nichts verbindet die Lebenswege dieser beiden so unterschiedlichen Menschen, wäre da nicht die 9-mm-Pistole, die im Bauch von Sarahs Leichnam gefunden wird. Niemand ahnt, dass in der Pistole der Geist von Sarah lebt. Mit Hilfe von Yann, der unfreiwillig in den Besitz der Schusswaffe kommt, erklärt Sarah den Gangstern und korrupten Politkern den Krieg. Es entbrennt ein bleihaltiger Kampf, wie er gnadenloser nicht sein könnte.


Liest man sich das erste Mal die Inhaltsangabe zu dieser französischen Produktion durch dann weiß man wirklich nicht, was man davon halten soll. Und genau so abstrus wie beschrieben gestaltet sich dann auch die Geschichte, die man beim besten Willen nicht nach ihrem Ralitätsgehalt bewerten sollte, da "Kaliber 9" ansonsten völlig durchfallen würde. Doch auch, wenn sich die Geschehnisse vollkommen hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen präsentieren, ist es Regisseur Jean-Christian Tassy hervorragend gelungen, die skurrilen Ereignisse so dermaßen unterhaltsam in Szene zu setzen, das man ganz einfach seine helle Freude an diesem unkonventionellen Film haben muss, in dem es größtenteils so richtig zur Sache geht. In Sachen Härte und Action wurde in dieser absoluten Low Budget Produktion nämlich mächtig aufgefahren. Bei einem Budget von gerade einmal geschätzten 45.000 Euro bekommt der geneigte Freund blutiger Passagen so einige wilde Schießereien präsentiert, bei denen die Einschüsse teilweise richtig derbe eingefangen wurden.

Zwar ist der Look des Filmes aufgrund des Budgets auch ziemlich billig ausgefallen, was sich jedoch in keinster Weise negativ auf das Ganze auswirkt. Eher das Gegenteil ist der Fall, entsteht dadurch doch eine wunderbar schmierige-und siffige Grundstimmung, die auch die Kern-Thematik des Szenarios hervorragend unterstreicht. Im Prinzip beinhaltet "Kaliber 9" nämlich auch eine herrlich sozialkritische Note und prangert die Korruption und Machenschaften diverser Politiker an, die hier nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind und dafür letztendlich ihre Quittung präsentiert bekommen. Das Ganze ist selbstverständlich sehr überspitzt ins Bild gesetzt worden, kann aber gerade durch diesen Aspekt seine ganze Wirkung entfalten, denn die Boshaftigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Menschen kommt mehr als nur einmal äußerst gut zum Ausdruck. Dafür zeichnet auch das dargebotene Schauspiel verantwortlich, denn insbesondere in den Rollen der Bösewichter bekommt man überzeugende Darstellungen zu sehen, die den jeweiligen Charakter der Personen ausgezeichnet in den Vordergrund rückt. Vor allem der Bürgermeister wird so herrlich überzeichnet dargestellt, das man schon fast über die Performance des Darstellers lachen könnte, denn der zum Vorschein kommende Sarkasmus hat richtig viel Biss und ganz generell sind hier etliche Passagen vorhanden, die einen richtig raben-schwarzen Humor beinhalten, was die gesamte Chose noch einmal zusätzlich aufwertet.

Es ist schon wirklich erstaunlich, wie man aus einer so hanebüchenen Story einen so außergewöhnlichen Action-Kracher kreieren kann, der zwar in Sachen Logik und Glaubwürdigkeit jenseits aller Grenzen angesiedelt ist, dafür aber in Sachen Unterhaltung ein absolutes Brett ist. Mit jeder Menge Tempo ausgestattet, offenbaren sich gut 80 Minuten Kurzweil, bei der man lediglich keinerlei Ansprüche an eine realistische Geschichte stellen sollte. Inhaltlichen Tiefgang darf man also nicht erwarten, aber dafür umso mehr Tempo, Action und einen sehr ansehnlichen Härtegrad. Die zudem vorhandene sozialkritische Note verleiht dem Ganzen dann sogar noch ein wenig Klasse, die man im ersten Moment gar nicht einmal erwarten würde. In einigen Phasen erinnert "Kaliber 9" schon an einen Film wie beispielsweise "Shoot 'em Up", denn auch wenn sich die jeweiligen Szenarien eigentlich grundlegend unterscheiden, sind sie im Bezug auf die vollkommen übertrieben Umsetzung doch sehr gleich.

Wer also eher Wert auf eine sinnvolle und logische Story legt, wird hier wohl eher nicht auf seine Kosten kommen, wer jedoch seine Freude an überzeichneten und extrem unterhaltsamen Szenarien hat, für den wird dieses Filmchen ein wahres Feuerwerk der guten Laune. Der leicht sozialkritische Anstrich des Ganzem verleiht den Geschehnissen dann auch noch ein wenig Ernsthaftigkeit, die dem Zuschauer aber zumeist erst auf den zweiten Blick ins Auge fällt. Insgesamt gesehen kann man jedenfalls durchaus eine dicke Empfehlung an alle Action-Junkies aussprechen, denn diese werden hier definitiv voll auf ihre Kosten kommen.


Fazit:


"Kaliber 9" bietet alles andere als eine glaubwürdige Geschichte, kann aber durchgehend durch seinen extrem hoch angesiedelten Unterhaltungs-Faktor punkten. Eine gute Grundstimmung und etliche äußerst raue Passagen lassen die Zeit wie im Flug vergehen und entlassen einen mit einem sehr befriedigenden Gefühl aus einem Szenario, das gerade durch seine starke Überzeichnung mehr als nur sympatisch erscheint.


7/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Das Turbogeile Gummiboot
(Up the Creek)
mit Tim Matheson, Jennifer Runyon, Stephen Furst, Dan Monahan, Sandy Helberg, Jeff East, Blaine Novak, James Sikking, John Hillerman, Mark Andrews, Will Bledsoe, Grant Wilson, Julia Montgomery, Jeana Keough
Regie. Robert Butler
Drehbuch: Jim Kouf / Jeff Sherman / Douglas Grossman
Kamera: James Glennon
Musik: William Goldstein
FSK 12
USA / 1984

Der Ruf der LePetomaine-Universität ist völlig im Eimer. Um der Sache Abhilfe zu schaffen, nimmt Dekan Burch seine vier größten Nieten in die Pflicht: Wenn die Versagertruppe um Langzeitstudent Bob es schafft, das anstehende Schlauchbootrennen zwischen den Unis zu gewinnen, winken den Vieren Doktortitel ihrer Wahl - bei einer Niederlage fliegen sie achtkantig von der Uni! Schnell merken die Loser, dass ihren Gegnern jedes Mittel recht ist, um das Rennen zu gewinnen. Denn die Schnösel vom Ivy-College, die Soldaten der Militärakademie und die heißen Bräute vom Mädchen-College schrecken vor Nichts zurück!


Fast drei Jahrzehnte lang musste man sich gedulden, bis nun endlich das Label Ascot Elite dieser wunderbaren 80er Jahre Komödie eine deutsche DVD-Veröffentlichung spendierte. "Das Turbogeile Gummiboot" mag aus heutiger Sicht eventuell ein wenig angestaubt erscheinen, bringt einem jedoch den damaligen Zeitgeist nahezu perfekt rüber und bietet zudem gut 90 Minuten wirklich kurzweilige Unterhaltung. Für mich persönlich handelt es sich hier um eine der besten Komödie der damaligen Zeit, die zwar nicht so vollgestopft ist mit Gags wie beispielsweise Bob Clark's "Porky's", dem Zuschauer aber dennoch immer wieder so manchen Lachanfall beschert. Die Geschichte an sich ist natürlich vollkommen abstrus, beinhaltet aber eine Menge Charme und setzt die jeweiligen Pointen fast immer an der genau richtigen Stelle. So ergeben sich eine ganze Menge Passagen, in denen man mit unglaublich guter Situationskomik konfrontiert wird und auch die vorhandenen Dialoge sind größtenteils sehr witzig gestaltet.

Der eigentliche Star dieses Filmes ist dabei nicht unter den menschlichen Darstellern zu suchen, denn für die größten Lacher sorgt eigentlich der süße Vierbeiner Chuck. Der pfiffige Hund scheint mit einer außergewöhnlichen Intelligenz ausgestattet zu sein und hilft seinen menschlichen Freunden in so manch auswegloser Situation aus der Patsche. Von diesen Situationen gibt es dann auch nicht gerade wenige, denn das ominöse Gummiboot-Rennen wird von etlichen Seiten torpediert, da nicht wenige Teams hier mit unlauteren Mitteln den Sieg einfahren wollen. Am meisten tut sich dabei das Team einer Militär-Akademie hervor, das schon vor Beginn des Rennens disqualifiziert wird und diese Schmach keinesfalls auf sich sitzen lassen will. So wird dann auch nichts unversucht gelassen, um die anderen Boots-Besatzungen mit unfairen Mitteln an der Weiterfahrt zu hindern, doch zumeist geht der Schuss nach hinten los und man bringt sich dadurch selbst in die unmöglichsten Situationen. "Das Turbogeile Gummiboot" ist ein absolut perfektes Relikt aus den 80ern und bietet somit auch sämtliche Zutaten, die zur damaligen Zeit einfach dazu gehörten.

Jede Menge hübsche Mädchen, etliche anscheinend aus einem Mode-Journal entstiegene Schönlinge und die unvermeidlichen Total-Versager, die sich selbstverständlich am Ende der Geschichte zu den Helden aufschwingen, die in einer solchen Geschichte keinesfalls fehlen dürfen. Eingebettet ist das Ganze dann in einen herrlichen Soundtrack, der beispielsweise Musik von Cheap Trick,Randy Bishop oder den Beach Boys enthält. Gerade für die etwas älteren Zuschauer offenbart sich also eine Zeitreise in die Vergangenheit und der nostalgische Charme dieses Filmes trägt dazu bei, das man sich stellenweise in seine eigene Jugend zurückversetzt fühlt. In darstellerischer Hinsicht darf man natürlich keine Wunderdinge erwarten, aber die einzelnen Charaktere sind absolut erstklassig besetzt und in einer der Rollen kann man auch den PeeWee aus "Porky's beobachten, der hier jedoch eine eher untergeordnete Rolle spielt und dadurch nicht sonderlich ins Auge fällt.

Insgesamt gesehen hinterlässt das Werk von Regisseur Robert Butler einen überdurchschnittlich guten Eindruck und kann sich auch gut dreißig Jahre nach seinem Erscheinen immer noch sehen lassen. Gerade mit etlichen Filmen die sich in der heutigen Zeit Komödie nennen dürfen, schneidet dieser charmante Klassiker weitaus besser ab. Man sollte allerdings ein gewisses Faible für die damalige Zeit haben, denn ansonsten wird man mit "Das Turbogeile Gummiboot" eventuell nicht so viel anfangen können. Mir gefällt dieser Film jedenfalls immer noch äußerst gut, weshalb ich auch bedenkenlos eine dicke Empfehlung aussprechen kann, denn eine faire Chance hat dieses Werk auf jeden Fall verdient.


Fazit:


Wer den Zeitgeist eines Jahrzehnts spüren möchte, ist bei dieser Komödie an genau der richtigen Adresse. "Das Turbogeile Gummiboot" ist ein Spiegelbild der 80er Jahre und beinhaltet sämtliche Zutaten, die ein Film dieser Dekade haben muss. Die daraus entstehende Mischung dürfte nicht nur für Nostalgiker interessant sein, denn etliche der Gags zünden auch heute noch.


7,5/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Dobermann
(Dobermann)
mit Vincent Cassel, Tchéky Karyo, Monica Bellucci, Antoine Basler, Dominique Bettenfeld, Pascal Demolon, Marc Duret, Romain Duris, François Levantal, Ivan Merat-Barboff, Stéphane Metzger, Chick Ortega, Patrick Rocca
Regie: Jan Kounen
Drehbuch: Joël Houssin
Kamera: Michel Amathieu
Musik: Brune / Jean-Jacques Hertz / Philippe Mallier / François Roy /
keine Jugendfreigabe
Frankreich / 1997

Er ist der coolste, härteste und skrupelloseste Gangster der Stadt: Der Dobermann ist der Anführer der gleichnamigen Gang. Auf ihr Konto gehen mehr Banküberfälle, als sie zählen können. Sein Gegenspieler ist der korrupteste Cop der Stadt: Christini kennt beim Verhören keine Gnade. Er hat sich geschworen, den Dobermann zu fassen. Tot, nicht lebendig! Der Dobermann und die Hyäne liefern sich einen erbarmungslosen Kampf: Häuser, Autos, Nachtclubs, vor allem aber Banken werden dabei in Schutt und Asche gelegt. Ein Krieg, dem sich keiner entziehen kann, egal ob Freund oder Feind.


Zu meiner Schande muss ich eingestehen, das ich diesen in Fan-Kreisen mit einem Kultstatus versehenen Film bisher noch nie gesehen habe, ohne eigentlich begründen zu können woran das eigentlich lag. Nun ist es mir endlich gelungen dieses Werk zu sichten und "Dobermann" ist wirklich extrem unterhaltsamer Filmstoff, den man unbedingt gesehen haben sollte. Dabei ist die Geschichte an sich im Prinzip sehr einfach gestrickt, es ist das typische-und handelsübliche Gut gegen Böse, wobei man sich nach der Ansicht wirklich die Frage stellen muss, wer in welche Kategorie einzuordnen ist. Es ist aber auch nicht die Story selbst die einen in ihren Bann zieht, sondern vielmehr die geniale Umsetzung des Ganzen, denn wenn man es nicht besser wüsste würde man glatt meinen, das ein Quentin Tarantino hier seine Hand im Spiel hatte. Regisseur Jan Kounen hat die übliche Gangster gegen Cop Story vollkommen überzeichnet ins Bild gesetzt und der ganzen Chose dabei so viel Drive verliehen, das während der gesamten Laufzeit keinerlei Längen zu erkennen sind. Dabei hält man sich im Bezug auf die Action-Passagen vor allem in der ersten Filmhälfte noch merklich zurück und fährt erst gegen Ende die wirklich schweren Geschütze auf.

Dennoch gestaltet sich das Ganze unglaublich unterhaltsam, bekommt man doch einen wunderbar tiefen Einblick in die jeweiligen Charaktere, die sich in der Hauptsache als absolute Psychopathen zu erkennen geben. Dabei ist es gar nicht einmal der "Dobermann" (Vincent Cassel) an sich der ein auffälliges durchgeknalltes Verhalten an den Tag legt, sondern vielmehr seine vielen Helfer, von denen einer abgefahrener als der andere agiert. Hier liegt die ganz große Stärke dieses Filmes, denn die Schauspieler sind nahezu perfekt ausgewählt worden und liefern allesamt glänzende Performances ab, die das gesamte Szenario unglaublich stark aufwerten. Natürlich brilliert ein Cassel in seiner coolen und äußerst lässigen Art, erscheint dem Zuschauer aber dennoch als einer der Normalsten Akteure. Sein Gegenspieler Christini von der Polizei ist da schon ein ganz anderes Kaliber und wird zudem von einem glänzend aufgelegten Tchéky Karyo absolut brillant dargestellt. Hier handelt es sich um einen Polizisten, für den die üblichen Gesetze anscheinend keinerlei Geltung haben, nicht anders sind seine vollkommen überzogenen und extrem brutalen Methoden zu erklären, die sich wie ein roter Faden durch das Geschehen ziehen.

Der Rest der Polizisten wird hingegen als äußerst trottelig und dumm dargestellt, was jedoch einen herrlichen Kontrast zum "Überbullen" Christini ergibt, der perfekt in das Szenario hineinpasst. Für das optische Highlight sorgt allerdings eine wieder einmal blendend aussehende Monica Bellucci, die als stumme Partnerin des "Dobermann's" auftritt. Das dargebotene Schauspiel sämtlicher Protagonisten entbehrt nicht eines gewissen Humors, der sich stellenweise in total skurriler Situationskomik wiedergibt, denn so manche Passagen wirken so dermaßen überzogen und hanebüchen, das man sich eigentlich nur die Haare raufen will. Man sollte die Geschehnisse also keinesfalls allzu ernst nehmen, denn so wie sich die Ereignisse hier präsentieren, würden sie wohl niemals in der Realität ablaufen. Dieses Phänomen kennt man ja zur Genüge aus etlichen Action-Krachern der heutigen Zeit, denn Filme wie "Shoot 'em Up" oder auch "Crank" leben von ihren vollkommen überzeichneten Action-Passagen, die zwar sehr wenig bis gar keine Realität enthalten, dafür aber unglaublich unterhaltsam sind. Wenn man also so will, könnte man "Doberman" als einen Vorgänger dieser Filmart bezeichnen, der aber aufgrund seiner Härte und des gewählten Erzähl-Tempos auch jederzeit mit den heutigen Filmen mithalten kann. So ist es dann auch durchaus nachvollziehbar, das der Film bei etlichen Fans ganz hoch im Kurs steht, denn die Kombination aus rasanter Action, ordentlicher Härte, viel Humor und exzellentem Schauspiel ist so brillant gelungen, das man ganz einfach seine helle Freude an diesem Werk haben muss.

Im Endeffekt handelt es sich also um ein Szenario, das man auf keinen Fall nach inhaltlichem Tiefgang bewerten sollte, hier steht vielmehr der reine Spaß an einem überzeichneten Szenario im Vordergrund, das auch durch seine erstklassige Grundstimmung zu überzeugen weiß. Ob man dabei nun "Dobermann" und seine Psychopathen-Gang oder aber den skrupellosen Polizisten Christini als Böse Seite ansieht bleibt einem jeden selbst überlassen, aber der Kampf den sich beide Seiten liefern, ist insbesondere im letzten Film-Drittel eine wahre Augenweide. Hart und absolut kompromisslos in Szene gesetzt, bekommt man die wildesten Schießereien und auch einige regelrechte Hinrichtungen geboten, die dem gewonnenen Gesamtbild äußerst gut zu Gesicht stehen und diesen grandiosen Film zu etwas ganz Besonderem machen. Jan Kounen hat hier wirklich alles genau richtig gemacht, aber ganz besonders bei der Auswahl der Schauspieler ein unglaublich gutes Händchen bewiesen, denn ohne diese wäre "Dobermann" lediglich nur die Hälfte wert.


Fazit:


Auch ein Quentin Tarantino hätte an diesem Werk seine helle Freude gehabt, denn "Dobermann" ist Adrenalin pur und bietet dem Zuschauer knapp 100 Minuten temporeiche Unterhaltung, die mit hochklassigen Action-Passagen nur so gespickt ist. Grandios agierende Darsteller sind jedoch meiner persönlichen Meinung nach der absolute Höhepunkt eines Filmes, den man nicht so schnell vergisst und auch ganz bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen hat.


9/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Sie greifen nach den Lebenden
(One Dark Night)
mit Meg Tilly, Melissa Newman, Robin Evans, Leslie Speights, Donald Hotton, Elizabeth Daily, David Mason Daniels, Adam West, Leo Gorcey Jr., Rhio H. Blair, Larry Carroll, Katee McClure, Kevin Peter Hall
Regie: Tom McLoughlin
Drehbuch: Tom McLoughlin / Michael Hawes
Kamera: Hal Trussell
Musik: Bob Summers
ungeprüft
USA / 1983

Es sollte für alle eine Nacht des Schreckens werden. Um in eine Clique aufgenommen zu werden, muss ein junges Mädchen eine ganze Nacht in einem Mausoleum verbringen. Aus der Mutprobe wird bitterböser Ernst. Während die anderen Mädchen versuchen, das Mädchen zu erschrecken, steigen plötzlich die Toten aus ihren Särgen. Es beginnt ein Inferno voller Ekel und Grauen!


OK, so reißerisch wie es die Inhaltsangabe vermuten lässt, gestalten sich die Geschehnisse in diesem Film dann doch nicht, doch warum das Werk von Tom McLoughlin eigentlich in der Hauptsache immer unterdurchschnittliche Kritiken nach sich zieht, will sich mir nicht so ganz erschließen. Zugegebenermaßen kann dieser unter mehreren Alternativ-Titeln bekannte Horror-Flick aus den 80ern durch die Inhaltsangabe eventuell die Erwartungen des Zuschauers in eine etwas falsche Richtung lenken, denn trotz leichter durchaus vorhandener Ansätze würde ich "Mausoleum der lebenden Toten" auf keinen Fall dem Zombiefilm zuordnen. Vielmehr handelt es sich um einen äußerst atmosphärischen Grusler, der lediglich im letzten Drittel ein wenig die Untoten-Thematik aufgreift und diese auch durch einige dürftig maskierte Wiedergänger in Szene setzt. Zunächst hat das Geschehen aber herzlich wenig mit einem Horrorfilm egal welcher Art zu tun, präsentiert sich doch im ersten Film-Drittel eher eine Geschichte, in der es um die üblichen Probleme weiblicher Teenager geht, die der neuen Freundin des EX-Freundes einen auswischen wollen. In einem Neben-Erzählstrang wird gleichzeitig ein zu Beginn etwas verwirrender Faden aufgenommen, indem man die Beerdigung eines Hellsehers zu sehen bekommt, dessen Person aber in der Folgezeit eine wichtige Rolle in den Ereignissen einnehmen soll.

So vergeht dann auch die erste Hälfte des Filmes recht flott obwohl eigentlich so gut wie nichts passiert. Doch gerade die Erzählweise der beiden parallel zueinander laufenden Geschichten erzeugen eine dichte-und bedrohliche Grundstimmung, denn immer mehr lässt sich ein mysteriöses Momentum erkennen, das mit dem verstorbenen Hellseher zu tun hat, der ganz offensichtlich unheimliche Experimente vorgenommen hat. McLoughlin ist es hier sehr gut gelungen, den Zuschauer einerseits regelrecht einzulullen, aber andererseits eine gewisse Erwartungshaltung zu schüren, die sich dann letztendlich auch noch erfüllen soll. Entscheidend dafür ist der Zeitpunkt, an dem die junge Julie (Meg Tilly) als Mutprobe eine Nacht eingeschlossen in einem Mausoleum verbringen soll. Schon die Innenansicht des weitläufigen Gebäudes verursacht bei Grusel-Fans eine Gänsehaut, denn auch wenn alles in einem hellen Farbton erscheint, lässt einen allein der Gedanke an eine Nacht in dem Gebäude erschauern. Nun entfaltet sich auch immer mehr eine äußerst bedrohliche Untermalung des Ganzen, denn aus der als Streich geplanten Mutprobe wird plötzlich tödlicher Ernst.

Ab diesem Zeitpunkt zieht dann auch die Zombie-Thematik in das Geschehen ein und es entwickelt sich ein wirklich gelungener Genre-Mix, der zwar keinerlei nennenswerte Härten offenbart, dafür aber extrem stimmungsvoll in Szene gesetzt wurde. Die hohe Alterseinstufung dieses Werkes ist aber keinesfalls nachvollziehbar, denn eine 16er Freigabe wäre an dieser Stelle mehr als ausreichend gewesen, bekommt man doch eigentlich gar nichts geboten, das eine ungeprüft-Einstufung rechtfertigen würde. Wie dem aber auch sei, die eigentliche Stärke des Filmes liegt ganz eindeutig in den zwei vollkommen verschiedenen Film-Hälften, denn während man zu Beginn anscheinend mit einem eher banalen Teenie-Filmchen konfrontiert wird, entfaltet sich im späteren Verlauf eine atmosphärische Dichte, die man keinesfalls erwartet hätte. Dabei wird man jäh aus einem leichten Dämmerzustand gerissen, denn nach den ersten gut 30 Minuten hätte man fast schon nicht mehr mit einer solchen Steigerung gerechnet, wie Tom McLoughlin sie hier eingebaut hat.

Manch einem wird die Einführung in die Geschichte eventuell etwas zu lang erscheinen, doch meiner Meinung nach ist es gerade die Stück für Stück ansteigende Spannungskurve in Verbindung mit der dadurch entstehenden Atmosphäre, die diesen Film ungemein aufwertet. Sicherlich hätte man durchaus einen annehmbaren Härtegrad beimischen können, doch auch in vorliegender Form funktioniert "Mausoleum der lebenden Toten" ganz hervorragend. Ich möchte sogar soweit gehen und behaupten, das es sich hier um eine kleine, aber leider vollkommen unterbewertete Perle der 80er Jahre handelt, der nie die Beachtung zu teil geworden ist die sie normalerweise verdient. Freunde des gepflegten Grusel-Feelings sollten also definitiv einen Blick riskieren, denn der Film ist keineswegs so schlecht, wie es manche Kritiken vielleicht vermuten lassen könnten.


Fazit:


"Mausoleum der lebenden Toten" ist definitiv kein Zombiefilm und zählt auch nicht zu den Größen des Horror-Genres, jedoch bietet das Werk durchgehend gute Unterhaltung und verpasst einem des Öfteren eine herrliche Gänsehaut. Was als typischer Teenie-Film beginnt, mausert sich immer mehr zu einem tollen Grusel-Erlebnis, das sogar diverse Zombie-Elemente erkennen lässt.


7,5/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Casino Royale
(Casino Royale)
mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Judi Dench, Jeffrey Wright, Giancarlo Giannini, Caterina Murino, Simon Abkarian, Isaach De Bankolé, Jesper Christensen, Ivana Milicevic, Tobias Menzies
Regie: Martin Campbell
Drehbuch: Neal Purvis / Robert Wade / Paul Haggis
Kamera: Phil Meheux
Musik: David Arnold
FSK 12
Bahamas / Deutschland / Großbritannien / Tschechische Republik / USA / 2006

Der geheimnisvolle Le Chiffre fungiert als Geldwäscher für international operierende Terrororganisationen und vermehrt mittels geschickter Börsenspekulationen seinen Reichtum. Agent James Bond soll ihn nun im Glücksspielhaus um eben diesen bringen, beim Poker und mit Hilfe der verführerischen, zunächst überaus kratzbürstigen Kollegin Vesper Lynd. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn der Blut weinende Bösewicht besticht nicht nur als begnadeter Zocker, er riecht auch schnell Lunte und unternimmt fortan alles, um den Plan Bonds zu vereiteln.


Das war er nun also, der ominöse erste Bond-Film mit Daniel Craig, der die Meinungen der Fans so sehr gespalten hat, wie wohl noch kein anderes Abenteuer des britischen Geheimagenten. Vier Jahre nach dem letzten Auftritt von Pierce Brosnan präsentiert sich ein vollkommen neues Konzept, denn die Reihe wurde praktisch neu gestartet. Genau darin lag auch mein Problem bei der ersten Sichtung dieses Filmes, dem ich damals überhaupt nichts abgewinnen konnte. Nachdem ich nun aber vollkommen frei von jeglichen Vorurteilen noch einmal eine Sichtung gewagt habe, gefällt mir "Casino Royale" richtig gut und selbst der von mir nicht gerade verehrte Daniel Craig hat mir mit seiner vollkommen neuen Interpretation des Haupt-Charakters äußerst gut gefallen. Vielleicht liegt das ganz einfach darin begründet, das man an dieser Stelle wirklich versuchen muss, die bisherigen Bond-Abenteuer zu den Akten zu legen und auch in seinem eigenen Kopf die Reboot-Taste zu drücken, denn dann funktioniert dieser Film ganz hervorragend. Natürlich fällt das den eingefleischten Fans der Reihe sicher nicht leicht, aber der neue und eher noch unbedarfte Bond hat schon etwas für sich. Dabei geht es im Prinzip ohne den ansonsten vorhandenen Charme zur Sache, denn Craig ist viel eher der trockene Geheimagent, der fast ohne jeglichen Humor an die Sache herangeht. Zugegebenermaßen ist das extrem gewöhnungsbedürftig, doch verleiht es dem Neustart der Reihe eine bisher kaum gekannte Ernsthaftigkeit, so das vorliegendes Szenario ganz automatisch an Glaubwürdigkeit gewinnt. So hat man beispielsweise auch auf jegliche technischen Spielereien verzichtet, was einerseits zwar schon ein wenig traurig stimmt, auf der anderen Seite jedoch den neuen-und eher nüchternen Bond authentisch in Szene setzt.

Lediglich bei den Action-Passagen konnte man nicht komplett auf das spektakuläre Moment verzichten, zwar sind die entsprechenden Passagen keinesfalls so überzogen dargestellt wie noch in den Filmen mit Pierce Brosnan, aber auch hier bekommt man diverse Sequenzen serviert, die sich jenseits der Realität ansiedeln. Als Beispiel sei dafür lediglich die Verfolgungsjagd zu Beginn der Geschichte erwähnt, als Bond in luftigen Höhen einen Schwarzen verfolgt. Dennoch herrscht hier eine weitaus stimmigere Mischung vor, das gesamte Szenario ist weitaus glaubwürdiger umgesetzt, als es bei Vorgänger Brosnan der Fall war. Trotzdem fällt es einem immer noch schwer, Daniel Craig auch wirklich als James Bond anzusehen, denn obwohl der gute Mann hier eine gelungene Performance ablegt, muss man sich erst noch mit der vollkommen neuen Stilrichtung anfreunden, hat man doch fast fünf Jahrzehnte lang ein ganz bestimmtes Bild des Geheimagenten vorgesetzt bekommen, das nun aber völlig auf den Kopf gestellt wird.

Das soll jedoch nichts daran ändern, das es sich bei "Casino Royale" um einen wirklich gelungenen Agenten-Thriller handelt, der zudem eine Härte-und Kompromisslosigkeit an den Tag legt, die man von Bond bisher eigentlich nicht gewöhnt war. Selbst der schon knallhart agierende Timothy Dalton wirkt fast wie ein Waisenknabe gegen die gnadenlose Härte, die ein Daniel Craig in die Waagschale wirft. Wenn man die Sache einmal genauer betrachtet dann fällt einem auf, das eigentlich schon mit Dalton die Richtungsänderung eingeläutet wurde, die nun fast 20 Jahre später ihre Fortsetzung findet. Damals war die Zeit anscheinend noch nicht reif genug und im Gegensatz zu "Casino Royale" handelte es sich zur damaligen Zeit ja auch nicht um einen völligen Neustart, doch die Interpretation des Charakters von Bond ist schon miteinander zu vergleichen. Für mich persönlich ist die alte Bond-Reihe mit "Stirb an einem anderen Tag" abgeschlossen worden und vorliegender Film ist nun auch in meinem Empfinden als absoluter Neubeginn angekommen. Nur so kann man auch wirklich unbefangen an den neuen Stil herangehen und auch Daniel Craig eine faire Chance geben. Und obwohl der britische Schauspieler mit der Mimik eines Til Schweiger wohl nie zu meinen Lieblings-Darstellern gehören wird, muss man ihm hier ein richtig gutes Zeugnis ausstellen. Knochenhart-und trocken in seiner Art offenbart er auch menschliche Wesenszüge an einer Figur, die man bisher eher viel zu selten gesehen hat. Dabei ist auch der Nymbus der Unverwundbarkeit verschwunden, denn so wie in vorliegender Geschichte ist Bond wohl noch nie am eigenen Leib malträtiert worden.

Und das macht die Ganze Sache dann wieder sehr sympathisch, denn der ansonsten immer schon fast als Superheld dargestellte 007 ist auf einmal verletzlich, wobei es keinesfalls bei ein paar lächerlichen Schlägen bleibt, die er eventuell mal einstecken muss. Hier geht es so richtig zur Sache und bei diversen Passagen zuckt man ganz unweigerlich selbst zusammen, da man die Schmerzen fast körperlich spüren kann. Man sieht also, das "Casino Royale" den Agenten James Bond in ein vollkommen neues Zeitalter führt und dabei im Prinzip mit allem gebrochen hat, was die Reihe bisher auszeichnete. Das mag nicht jedem gefallen und auch ich fand diesen radikalen Schritt zu Beginn noch absolut furchtbar. Lässt man aber ein wenig Zeit vergehen und betrachtet das Ganze dann einmal wirklich objektiv, dann müsste man eigentlich feststellen, das hier ein absolut gelungener Neustart gelungen ist, mit dem man sich lediglich arrangieren muss. Obwohl ich es nie für möglich gehalten hätte, ist "Casino Royale" nach neuerlicher Sichtung in meine persönliche "Top Five" Liste aller Bond-Abenteuer aufgestiegen und ich möchte dieses Werk nun auch keinesfalls mehr missen.


Fazit:


Nachdem ich mich jahrelang gegen die neue Art von James Bond und insbesondere gegen Daniel Craig zur Wehr gesetzt habe, konnte ich meinen inneren Frieden finden und den gewagten Neustart akzeptieren. Die eher nüchterne Richtung, mit der nun 007 zur Sache geht ist ungewohnt, aber keinesfalls schlecht. In Sachen Härte-und Kompromisslosigkeit wurde die Figur James Bond in eine neue Dimension verfrachtet, in der er aber auch gleichzeitig menschliche Schwächen offenbart, die einem bisher verschlossen blieben.


8,5/10
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