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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Sa 1. Jun 2013, 13:48
von horror1966
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American Mary
(American Mary)
mit Katharine Isabelle, Antonio Cupo, Tristan Risk, David Lovgren, Paula Lindberg, Clay St. Thomas, John Emmet Tracy, Twan Holliday, Nelson Wong, Sylvia Soska, Jen Soska, Paul Anthony, Sean Amsing
Regie: Jen Soska / Sylvia Soska
Drehbuch: Jen Soska / Sylvia Soska
Kamera: Brian Pearson
Musik: Peter Allen
keine Jugendfreigabe
Kanada / USA / 2012

Die angehende Chirurgin Mary Mason hat ebenso großes Talent wie Geldprobleme. Als sie erwägt, sich als Stripperin etwas hinzu zu verdienen, wird ein medizinischer Noteinsatz in der Unterwelt daraus, und Mary hat keine Geldsorgen mehr. Besonders, als sich in gewissen Kreisen herum spricht, dass sie auf hohem handwerklichen Niveau Operationen ausführt, um die man echte Ärzte besser nicht bitten sollte. Und auch Marys Gangster-Connection erweist sich noch als hilfreich, als der Lehrkörper übergriffig wird.


Mit "American Mary" kommt wieder einmal ein äußerst gelungener Horror-Thriller zu uns, der in erster Linie durch seine stimmige-und teils sehr düstere Grundstimmung überzeugen kann. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die junge Mary ( Katharine Isabelle ), die eine angehende-und sehr talentierte Chirurgin spielt, deren Werdegang sich jedoch durch äußere Umstände vollkommen ändern soll. Die Soska-Zwillinge, die übrigens auch eine amüsante Nebenrolle im Szenario einnehmen erzählen hier eine Geschichte, die einerseits einen dramaturgisch erstklassig aufgebauten Spannungsbogen offenbart, aber andererseits auch diverse makabere Passagen beinhaltet und zudem eine sarkastisch-zynische Note enthält. So erscheinen diverse Szenen trotz einer durchgehend vorhandenen Ernsthaftigkeit auf eine erschreckende Art und Weise komisch, wobei sie dem Zuschauer aber gleichzeitig das Blut in den Adern gefrieren lassen. Seine Härte erzeugt der Film dabei keinesfalls durch visuelle Gewaltdarstellungen, denn die entsprechenden Passagen werden zum Großteil lediglich angedeutet, vielmehr ist es der Fantasie des jeweiligen Betrachters überlassen, wie stark sich die Intensität des Ganzen im eigenen Kopf abspielt.

Wenn man sich denn einmal auf die Abläufe einlässt, dann empfindet man beispielsweise sehr viel Symphatie mit der Hauptfigur, was insbesondere an der Stelle zum Ausdruck kommt, als ein körperlicher Übergriff ihres Professors das Leben von Mary schlagartig ändert. Aus der lebenslustigen jungen Frau wird eine eiskalte Rächerin, die ihr Rest-Studium hinschmeißt und sich stattdessen auf ihre Rache und sogenannte Untergrund-Operationen einlässt, die ihr jede Menge Geld einbringen. Die OP's werden dabei nur ansatzweise gezeigt, doch in der Fantasie des Zuschauers entfaltet sich ein ungemein hoch angesiedelter Härtegrad, der einem merklich unter die Haut geht. Ebenso verhält es sich bei den Tötungen-die Mary an diversen Personen und ihrem Peiniger vornimmt. Trotz ihrer teils brutalen Taten erscheint sie dabei immer noch symphatisch und trotz der nach Außen hin gezeigten Kälte merkt man ganz klar, das die junge Frau unter seelischen Qualen leidet. An dieser Stelle kommt dann auch das extrem gelungene Schauspiel der Hauptfigur zum Vorschein, denn Katharine Isabelle legt eine wirklich imponierende Performance an den Tag und läuft zu großer Form auf. Zwar bekommt man in Sachen Schauspiel generell gute Kost geboten, doch führen die restlichen Akteure neben der omnipräsenten Hauptfigur doch eher ein bescheidenes Schatten-Dasein.

Atmosphärisch ist das gesamte Szenario sehr gut, düstere-und bedrohliche Passagen gibt es genügend zu sehen. Nun könnte manch einer eventuell das Fehlen expliziter Gewaltdarstellungen bemängeln, doch diese hat der Film eigentlich überhaupt nicht nötig. Die Andeutung der entsprechenden Szenen ist nämlich vollkommen ausreichend, um im eigenen Kopf einen Film entstehen zu lassen, der kaum brutaler ausfallen könnte. Zudem sind es doch meistens gerade diese Filme in denen das sogenannte Kopf-Kino eine weitaus größere Härte entfacht, als sie durch diverse Splattereinlagen erreicht werden könnte. Gorehounds werden ganz bestimmt ein wenig anders darüber denken und vielleicht aufgrund der fehlenden Szenen eher enttäuscht von diesem Werk sein, doch für alle anderen lohnt sich die Sichtung allemal. Zum Ende hin erhält die Geschichte dann auch noch eine tragische Note, doch das gewählte Finale ist im Prinzip nur die logische Schlussfolgerung aus den vorherigen Ereignisse, denn ein solches Szenario bedarf einfach keines Happy Ends.

Letztendlich wird "American Mary" die Meinungen sicherlich ein wenig spalten, denn die SFX Liebhaber werden nicht unbedingt auf ihre Kosten kommen. Wer jedoch Filme zu schätzen weiß, die lediglich aufgrund von etlichen Andeutungen eine unglaublich intensive Gewalt-Spirale im Kopf des Zuschauers freisetzen, dürften von diesem Werk nahezu begeistert sein. Und so präsentiert sich im Endeffekt ein sehr gelungener Horror-Thriller, in dem sämtliche Zutaten vorhanden sind, die ein Film dieser Art benötigt. Das gewonnene Gesamtbild gestaltet sich absolut erstklassig und serviert eine stimmige Geschichte, in der eine überragende Haupt-Darstellerin das absolute Highlight ist.


Fazit:


"American Mary" gehört ganz eindeutig zu den Filmen, die einem genügend Freiraum für eigene Interpretationen lassen, denn hier ist auf jeden Fall die Vorstellungskraft des Zuschauers gefragt. Wenn diese erst einmal in Gang gesetzt ist, bekommt man ein extrem hartes Werk zu sehen und wird durch das entstehende Kopf-Kino fast schon körperlich malträtiert. Auf jeden Fall aber hinterlässt das Geschehen einen bleibenden Eindruck, den man mit der Zeit erst einmal verdauen muss.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 4. Jun 2013, 16:31
von horror1966
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All Things Fall Apart
All Things Fall Apart)
mit 50 Cent, Ray Liotta, Lynn Whitfield, Cedric Sanders, Mario Van Peebles, Mike P., Steve Eastin, Chanel Farrel, Shelton Rodriguez, Henry Ramsey, Sammy A. Publes, Willis Lee, Alice Kennedy, Hugh Maguire
Regie: Mario Van Peebles
Drehbuch: 50 Cent / Brian A Miller
Kamera: Matthew Irving
Musik: Tree Adams
FSK 16
USA / 2011

Deon ist der große Star und Frauenheld in seinem College-Footballteam, weder auf dem Platz noch daneben lässt er etwas anbrennen, selbst wenn es die Freundin des eigenen Bruders ist. Als alle denken, dass der ganz große Durchbruch nur noch eine Frage der Zeit ist, schlägt das Schicksal mit Macht zu: Bei Deon wird ein Tumor diagnostiziert. Der Arzt macht ihm keine große Hoffnung, eine Chemotherapie ist unvermeidlich, dem sportlichen Sturz ins bodenlose folgt der private. Doch Deon gibt nicht auf.


Musiker 50 Cent hat ja nun schon in mehreren Filmen mitgewirkt, wobei aber im Prinzip keiner dabei war, der einem nachhaltig im Gedächtnis geblieben wäre. Mit "All Things Fall Apart" ändert sich dieser Zustand jedoch eindeutig, handelt es sich hierbei doch um ein recht einfühlsames Drama, in dem der Hauptdarsteller auch durchaus durch gelungenes Schauspiel zu überzeugen weiß. Dabei fängt die Geschichte eigentlich wenig dramatisch an, Deon (50 Cent) ist der große Star seines Football Teams und auf dem besten Weg, durch sein überragendes Können in die NFL zu kommen. Gleichzeitig stellt sich der junge Mann als absoluter Womanizer heraus, denn die Mädchen laufen ihm in Scharen hinterher. So präsentiert sich dann auch in den ersten gut 30 Minuten eher ein Szenario, das recht unbeschwert und leicht daher kommt, was sich jedoch schlagartig ändert, als die Hauptfigur einen Zusammenbruch erleidet und ein riesiger Tumor in seiner Brust festgestellt wird. Die Diagnose ändert das gesamte Leben, wovon allerdings nicht nur Deon selbst, sondern seine gesamte Familie betroffen ist. War doch wirklich alles auf eine glorreiche Karriere des jungen ausgerichtet, doch mit einem Mal fällt der Traum einer ganzen Familie wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Innerhalb der Familie spitzt sich die Situation immer mehr zu, Deon' Stiefvater (Mario van Peebles) der die Karriere immer forcieren wollte verlässt seine Frau und die Schulden türmen sich innerhalb kürzester Zeit. Zudem kommt auch noch der Aspekt hinzu, das nun auch die schon länger unterschwelligen Aggressionen zwischen dem ehemaligen Football-Star und seinem Bruder offen ausbrechen. Die Geschichte ist ziemlich gut ins Bild gesetzt worden und beinhaltet auch eine gewisse Tiefe, doch in diversen Passagen hätte man die Thematik noch besser herauskehren können. Dennoch ist das Geschehen als weitesgehend gelungen zu bezeichnen, woran auch der Hauptdarsteller nicht ganz unbeteiligt ist. 50 Cent spielt den erkrankten jungen Mann mit Bravour, der sich von diesem unglaublichen Schicksalsschlag nicht unterkriegen lässt und gegen den Krebs ankämpft. Anfangs scheint das auch von Erfolg gekrönt, denn die tückische Krankheit ist auf einmal wieder da. Daraufhin trifft Deon eine ganz persönliche Entscheidung, was auch dadurch beeinflusst wird, das sein behandelnder Arzt ihm die unverblümte Wahrheit mitteilt.

Unter der Regie von Mario van Peebles ist mit "All Things Fall Apart" ein insgesamt gesehen gutes-und streckenweise einfühlsames Drama gelungen, das zudem auch mit einer gut agierenden Darsteller-Riege besetzt ist. Dennoch fehlt dem Geschehen das gewisse Etwas, um zu den ganz großen Dramen gezählt werden zu können, wobei man noch nicht einmal genau sagen kann, woran das eigentlich liegt. Vielleicht liegt es ein wenig in der manchmal fehlenden Tragik begründet, die zwar insbesondere am Ende etwas stärker zum Ausdruck kommt, jedoch davor teilweise etwas vermisst wird. Der Fokus wird an einigen Stellen zu wenig auf die Krankheit gelegt und beschäftigt sich mehr mit den persönlichen Folgen in Deon's Umgebung, der nämlich außer von seiner Familie durch niemanden aufgefangen wird. Sämtlich zuvor vorhandenen Privilegien sind nämlich verschwunden und es fällt ihm selbst sehr schwer, einen stinknormalen Job zu finden, um seine leidgeplagte Mutter auch finanziell unterstützen zu können.

Unter dem Strich handelt es sich bei "All Things Fall Apart" um ein gelungenes Drama, das an einigen Stellen jedoch noch etwas mehr Tiefgang gebraucht hätte, um dem Zuschauer so richtig unter die Haut zu gehen. Ansätze dazu kommen zwar immer wieder durch, doch mit einer tiefer gehenden Beleuchtung einzelner Aspekte hätte man hier einen absolut überragenden Film präsentieren können. Dennoch siedelt sich das Werk aber auf jeden Fall über dem normalen Durchschnitt an und ist für eine Sichtung jederzeit zu empfehlen.


Fazit:


Hier lernt man 50 Cent einmal von einer ganz anderen Seite kennen und diese meistert der Mann dann auch erstaunlich gut. Dennoch hätte man noch weitaus mehr aus dieser Geschichte herausholen können, doch letztendlich hat Mario van Peebles ein gutes Drama abgeliefert, das einen stellenweise auch wirklich berühren kann.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 4. Jun 2013, 18:52
von horror1966
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Cyborg
(Cyborg)
mit Jean-Claude Van Damme, Deborah Richter, Vincent Klyn, Alex Daniels, Dayle Haddon, Blaise Loong, Ralf Moeller, Haley Peterson, Terrie Batson, Jackson 'Rock' Pinckney, Janice Graser, Robert Pentz
Regie: Albert Pyun
Drehbuch: Kitty Chalmers
Kamera: Philip Alan Waters
Musik: Kevin Bassinson
SPIO / JK
USA / 1989

Amerika im 21. Jahrhundert: Nach Öko-Overkill und nuklearer Katastrophe herrschen Hunger, Mord und Anarchie. Eine tödliche Seuche bedroht die letzten Überlebenden. In dieser Welt des Chaos führt Fender Tremolo ein grausames Regiment. Mit plündernden und mordenden Banden - den "Fleischpiraten"- terorrisiert er das Land. Fieberhaft versuchen einige Wissenschaftler, ein Serum gegen die schreckliche Seuche zu finden. Ein Cyborg -ein menschlicher Computer- soll die Rettung bringen und die zivilisierte Ordnung wiederherstellen. Tremolo, der seine Macht gefährdet sieht, bringt Cyborg in seine Gewalt. Es gibt nur einen, der es mit ihm aufnehmen will: Gibson Rickenbacker, einen jungen Mann mit nahezu übermenschlichen Kräften, der noch eine alte Rechnung zu begleichen hat....


Nun haben sich die Filme mit Jean-Claude Van Damme im Prinzip noch nie dadurch ausgezeichnet, das ihnen eine tiefer gehende Geschichte zu Grunde liegen würde, auch sollte man nicht mit der Erwartung an hochklassiges Schauspiel an diese Werke herangehen. Eines steht jedoch gerade bei den älteren Filmen mit der belgischen Kampfsport-Legende unumstößlich fest, man bekommt zumeist herrliche Action-und Testosteron-Spektakel geboten, an denen man als Freund von gelungener B-Action seine helle Freude haben kann. Mit "Cyborg", der unter der Regie von Albert Pyun entstanden ist, bekommt es der Zuschauer mit einem typischen Relikt der 80er Jahre zu tun, das eine kurzweilige Mixtur aus Action-und SCI/FI beinhaltet, wobei man den Plot natürlich nicht unbedingt nach seinem inhaltlichen Nährwert bewerten sollte. Über die Story wurde in der Inhaltsangabe wirklich alles gesagt und das Szenario beinhaltet auch keinerlei Überraschungsmomente, sondern bietet vielmehr die handelsübliche Van Damme Kost, die gerade zur damaligen Zeit doch äußerst beliebt war.

Der Film verfügt über eine äußerst gelungene Endzeit-Atmosphäre, die Settings sind wunderbar dreckig dargestellt, so das man wirklich den Eindruck bekommt, sich in einer zerstörten Welt zu befinden, in der lediglich Tristesse-und kaum Hoffnung auf Besserung besteht. Als wenn das noch nicht genug wäre, werden die Überlebenden auch ständig noch von einer mordenden Piraten-Horde malträtiert, die brandschatzend durch die Gegend zieht und dabei eine Blutspur hinter sich her zieht, die es in sich hat. Das gesamte Geschehen ist selbstverständlich so aufgezogen, das es am Ende auf einen finalen Showdown zwischen Gibson (Van Damme) und dem Anführer der Bande Fender (Vincent Klyn) hinausläuft, ist zwischen den beiden Kontrahenten noch eine Rechnung offen, die Gibson unbedingt begleichen will. "Cyborg" ist ein typischer Männer-Film, wobei es genügend Leute gibt, die den Charme dieses unterhaltsamen 80er Jahre Kloppers nicht erkennen und zu schätzen wissen. Aus der Sicht eines Cineasten kann man das sogar durchaus nachvollziehen, doch wie schon kurz erwähnt sollte man hier nicht unbedingt die Ansprüche an extrem hochwertige Filmkunst anlegen.

Es zählt einzig und allein der reine Unterhaltungswert dieses mit gut 81 Minuten von der Laufzeit her genau richtig bemessenen Filmes, ergeben sich doch während der gesamten Laufzeit keinerlei Längen. Es macht einfach nur Spaß, einen Van Damme bei der Arbeit zu beobachten, als er noch voll im Saft gestanden hat und allein schon optisch eine erstklassige Figur abgegeben hat. In darstellerischer Hinsicht hat der gute Mann schließlich noch nie irgendwelche Wunderdinge vollbracht, denn dafür ist sein Können ganz einfach viel zu limitiert. Für Rollen wie in dieser Geschichte ist der Belgier aber immer gut gewesen und konnte seine nicht gerade wenigen Fans auch zumeist sehr zufriedenstellen. Wie sich das Ende der Story dann gestaltet dürfte für niemanden eine echte Überraschung sein, in einem eher unrealistisch gestalteten Endkampf hauen sich die beiden Kontrahenten so dermaßen gegenseitig auf die Mütze, bis letztendlich nur einer von ihnen übrig bleibt. Wer das ist kann sich wohl ein jeder denken, erstaunlich ist dabei dann lediglich die Tatsache, das nach den hier verteilten Schlägen überhaupt noch einer von beiden stehen kann.

Im Endeffekt ist "Cyborg" herrliche B-Action im typischen 80er Jahre Ambiente, die keinerlei Anspruch an inhaltliche Tiefe oder eine äußerst glaubwürdige Inszenierung stellt. Der Film will unterhalten und dem Action-Fan ein kurzweiliges Film-Vergnügen bereiten, was ihm auch relativ leicht gelingt. Und auch für einen deutschen Faktor ist hier gesorgt, denn in einer sehr kleinen Nebenrolle kann man den guten alten Ralf Moeller beobachten der hier das zum Besten gibt, was er wirklich kann, nämlich so gut wie unsichtbar sein. Freunde gelungener Action ohne allzu großen Nährwert werden hier also bestens bedient und werden sich dieses Werk auch in der heutigen Zeit immer noch gern anschauen.


Fazit:


"Cyborg" ist alles andere als ein cineastischer Hochgenuss, dafür bekommt man jedoch ein Filmchen präsentiert, das erheblich Testosteron ausschüttet und dabei extrem kurzweilige Unterhaltung bietet. Ein Van Damme zu seiner besten Zeit, eine stimmige Endzeit-Atmosphäre und jede Menge Action sind vollkommen ausreichend, um immer mal wieder in regelmäßigen Abständen eine Sichtung des Stoffes vorzunehmen.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Sa 8. Jun 2013, 10:44
von horror1966
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Pieta
(Pieta)
mit Min-soo Jo, Jeong-jin Lee, Ki-Hong Woo, Eunjin Kang, Jae-ryong Cho, Myeong-ja Lee, Jun-seok Heo, Se-in Kwon, Mun-su Song, Beom-jun Kim, Jong-hak Son, Jin Yong-Ok, Jae-rok Kim, Won-jang Lee
Regie: Ki-duk Kim
Drehbuch: Ki-duk Kim
Kamera: Jo Young-Jik
Musik: In-young Park
FSK 16
Südkorea / 2012

LEE Kang-do ist Schuldeneintreiber, der säumigen Schuldner zu Krüppeln macht, um die Unfallversicherungssumme zu kassieren. Eines Tages begegnet er einer Frau, die behauptet, seine Mutter zu sein. Anfangs weist der junge Mann die geheimnisvolle Fremde schroff ab. Als er sie vergewaltigen will, wehrt sie sich weinend. Nach der Inzest-Attacke beginnt Kang-do ihr zu glauben, sie zieht bei ihm ein und bemuttert ihn. Die Fürsorge löst eine Art Läuterungsprozess aus, er gibt seine brutale Tätigkeit auf. Als die Frau plötzlich verschwindet, macht Kang-do bei seinem verzweifelten Rettungsversuch eine schockierende Entdeckung ...


Mit "Pieta" kommt einmal mehr ein gediegenes Drama aus Südkorea zu uns, das insbesondere durch seine ruhige-und bedächtige Erzähl-Struktur ins Auge fällt. Keine großartige Action und keinerlei Hektik, sondern langsame Kamerafahrten und ein eher gemächliches Tempo stehen hier im Vordergrund einer Geschichte, die sich schon ein wenig abseits des üblichen Mainstreams ansiedelt und aufgrund dieser Tatsache wohl auch nicht uneingeschränkt zu empfehlen ist. Man sollte nämlich schon ein gewisses Faible für den typisch asiatischen Film haben, da sich das Szenario doch gerade für uns Europäer ein wenig gewöhnungsbedürftig darstellt. Dabei meine ich das jetzt durchaus positiv, denn "Pieta" ist alles andere als ein gewöhnliches 08/15 Drama, entwickelt sich doch ein äußerst intensiver Erzählstrang, der zwar nicht unbedingt viele Überraschungsmomente beinhaltet, aber gerade aufgrund seines ruhigen Tempos eine hohe Intensität entfaltet, die man als Zuschauer auch jederzeit verspüren kann. So entwickelt sich von Beginn an eine ganz eigene Grundstimmung die man recht schwer in Worte fassen kann, lediglich ein Gefühl der zu Beginn nicht näher zu definierenden Beklemmung macht sich breit, was sich in der Folge noch um ein Vielfaches verstärken soll.

Zunächst einmal führt Regisseur Ki-duk Kim die für die Abläufe wichtigen Figuren ein, wobei der Fokus selbstverständlich auf den Haupt-Charakter Kang-do gerichtet ist. Die von dem jungen Mann ausgehende Eiseskälte lässt einen dabei schon phasenweise erschauern, handelt es sich doch ganz augenscheinlich um einen Mann, dem Gefühle jeglicher Art in keinster Weise bekannt sind. Dies ändert sich dann erst mit der Zeit, denn als seine angebliche Mutter die Szenerie betritt, geht eine nicht für möglich gehaltene Wandlung in dem Mann vor, die wohl er selbst am wenigsten erwartet hätte. In der Folge ist dann auch alles auf die aufkeimende Beziehung zwischen Mutter und Sohn ausgerichtet, wobei der Betrachter von Anfang an das Gefühl hat, das mit der guten Frau irgend etwas nicht so ganz in Ordnung scheint. Nun muss man auch keinesfalls ein Genie sein um voraus zu ahnen, in welche Richtung die Ereignisse tendieren, denn diverse kleinere Andeutungen lassen schon frühzeitig eine gewisse Tendenz erkennen. Das ist aber auch keinesfalls zu bemängeln, denn ob vorhersehbar oder nicht, das Geschehen übt eine ganz eigene Faszination auf einen aus, die einen immer tiefer in die Geschichte hineinzieht und dabei eine ganz eigenartige Magie aussendet, der man sich schwerlich entziehen kann.

Obwohl während der gesamten Laufzeit eigentlich verhältnismäßig wenig passiert, hinterlässt das Ganze eine bleibende Wirkung beim Zuschauer, der phasenweise in einen regelrechten Zwiespalt der eigenen Emotionen gerät. Hegt man nämlich zu Beginn eher Antipathie gegen die Hauptfigur, die wegen ihrer Taten keinerlei Sympathie-Werte besitzt, so ändert sich das im Verlauf des Geschehens doch zusehends. Aus anfänglicher Ablehnung entsteht sogar ein wenig Mitleid mit dem jungen Mann, der im Verlauf der Geschichte doch extrem menschliche Emotionen entwickelt, die ihn in einem ganz anderen Licht dastehen lassen. Und so geht das Ganze dann seinen zwar vorhersehbaren, aber hoch-emotionalen Gang, der einem doch merklich unter die Haut fährt und dabei deutliche Spuren hinterlässt. Die daraus hervorgehende Intensität der Ereignisse wird vor allem durch das erstklassige Schauspiel der Darsteller ausgelöst, wobei insbesondere die beiden Hauptdarsteller dafür Sorge tragen, das die Geschichte eine Menge Tiefgang erhält. Natürlich darf an dieser Stelle auch das in den meisten asiatischen Produktionen vorhandene Overacting nicht fehlen, das sich insbesondere in den äußerst tragischen-und dramatischen Momenten bemerkbar macht, die der Film in Hülle und Fülle beinhaltet. Steht man diesem Aspekt ansonsten eventuell eher skeptisch gegenüber, so erscheint er an dieser Stelle absolut passend und untermalt sogar den insgesamt hervorragenden Gesamteindruck, den dieses Werk hinterlässt.

Insgesamt gesehen ist "Pieta" ein stilles-und manchmal etwas sperriges Drama, das sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird. Wer jedoch eine Vorliebe für den asiatischen Film sein Eigen nennt und die dazugehörigen Zutaten zu schätzen weiß, wird hier mit einem absolut hochwertigen Film-Erlebnis konfrontiert, das einen nachhaltigen Eindruck beim Betrachter hinterlässt. Man muss sich der Geschichte öffnen und sollte sich auf die ruhige Erzähl-Struktur einlassen, denn nur so kann der Film seine ganze Faszination zum Ausdruck bringen, die sich dann auch ganz automatisch auf einen selbst überträgt. Mich persönlich hat diese Produktion jedenfalls nachhaltig beeindruckt, denn "Pieta" ist definitiv ein Film, den man nicht so schnell wieder vergisst.


Fazit:


Ki-duk Kim hat hier wirklich eine ganze Menge richtig gemacht und präsentiert ein einfühlsames Drama, dessen tragische Momente insbesondere am Ende besonders in den Vordergrund rücken. Erstklassige Darsteller, eine Menge Tiefgang und eine unter die Haut gehende Geschichte sorgen für gut 100 Minuten erstklassige Unterhaltung, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Sa 8. Jun 2013, 12:39
von horror1966
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The Collection - The Collector 2
(The Collection)
mit Josh Stewart, Emma Fitzpatrick, Christopher McDonald, Lee Tergesen, Tim Griffin, Andre Royo, Randall Archer, Shannon Kane, Brandon Molale, Erin Way, Johanna Braddy, Michael Nardelli, William Peltz
Regie: Marcus Dunstan
Drehbuch: Patrick Melton / Marcus Dunstan
Kamera: Sam McCurdy
Musik: Charlie Clouser
SPIO/JK
USA / 2012

Arkin ist dem Collector knapp entkommen. Eine Nacht voller Gewalt und Adrenalin liegt hinter ihm. Doch viel Zeit zum Erholen bleibt ihm nicht, denn der Collector hat in der hübschen Elena bereits sein nächstes Opfer gefunden. Arkin wird auf Befehl von Elenas reichem Vater aus dem Krankenhaus entführt und muss sich mit dessen Handlangern zusammenraufen, um Elena vor den sadistischen Spielchen des Collectors zu schützen ...


"Einer der besten Horrorfilme des Jahres!" (Deadline)


Dieser Aussage kann man sich im Prinzip durchaus anschließen, auch wenn das Jahr 2013 gerade einmal die Hälfte hinter sich hat. Hat Regisseur Marcus Dunstan mit seinem Regie-Erstling "The Collector" im Jahre 2009 noch einen absoluten Überraschungs-Hit gelandet an den man eigentlich ohne große Erwartungen herangegangen ist, so sthet nun mit "The Collection" die lang ersehnte Fortsetzung der Geschichte an, die einen schon im Vorgänger absolut fasziniert hat. Arkin (Josh Stewart) ist der Einzige, der die tödlichen Fallen des Sammlers überlebt hat und steht somit auch in dieser Fortsetzung im Fokus des Geschehens. Als Haupt-Schauplatz dient dieses Mal ein altes-und seit Jahren leerstehendes Hotel, in dem der maskierte Killer anscheinend seine Heimat gefunden hat und gleichzeitig auch seine Sammlung aufbewahrt. Man hätte keine geeignetere Location aussuchen können, denn in dem weitläufigen Gebäude-Komplex herrscht eine äußerst dichte-und sagenhaft bedrohliche Atmosphäre, da im Prinzip niemand vorhersehen kann, wo-und wie viele Fallen der Killer aufgebaut hat. Ganz unwillkürlich wird man hier auch streckenweise an die Saw-Reihe erinnert, denn gewisse Parallelen lassen sich definitiv nicht verleugnen, wobei vorliegende Geschichte aufgrund des Schauplatzes ein wenig Anlehnungen an "Saw III" erkennen lässt.

Bevor man jedoch überhaupt mit dem Haupt-Schauplatz konfrontiert wird, hat der Film seine wohl mit Abstand spektakulärste Passage schon hinter sich, denn schon nach wenigen Minuten sieht sich der Zuschauer einer Massenmord-Passage gegenüber, die es wirklich in sich hat. Auf einer Techno-Party fallen nämlich unzählige Jugendliche dem "Collector" zum Opfer, wobei sich das Ableben der jungen Leute sehr derbe-und extrem blutig darstellt. So bekommt man also nach sehr kurzer Zeit schon genau die richtige Einführung für die folgenden Ereignisse, die zwar den spektakulären Gehalt des Party-Massakers nicht toppen können, aber nicht weniger hart in Szene gesetzt wurden. Dabei bekommt man es einmal mehr mit einer herrlichen Vielfalt der Fallen zu tun, die einmal mehr etliche Opfer fordern. Der dabei enthaltene Härtegrad steht dem des Vorgängers dabei in nichts nach, so das sich die Liebhaber der harten Gangart einmal mehr auf ein äußerst unterhaltsames-und kurzweiliges Szenario einstellen können. Mit einer Laufzeit von gerade einmal 71 Minuten Netto-Laufzeit erscheint der Film sehr knapp bemessen, doch ganz ehrlich gesagt beinhaltet die Geschichte nicht so viel Inhalt, als das man das Geschehen auf rund 90 Minuten hätte strecken können. Ich sehe das jedoch als durchaus positiv an, denn so entstehen zu keiner Zeit Längen irgendwelcher Art und man wird von Anfang bis zum Ende absolut erstklassig unterhalten.

Auch vom dramaturgischen Spannungsaufbau her kann sich dieser zweite Teil jederzeit sehen lassen, wobei die Ereignisse für Kenner des Genres keinerlei wirkliche Überraschungen beinhalten. Dennoch erscheint "The Collection" überhaupt nicht als lahmer Aufguss des ersten Teils, sondern beinhaltet immer noch viel Frische, so das man sich im Prinzip schon auf einen sicherlich folgenden dritten Teil freuen kann, denn der Killer mit der Gesichtsmaske beinhaltet ganz bestimmt noch eine Menge an Potential, das man allein schon aufgrund des gewählten Endes noch ausschöpfen wird. Es gibt also meiner persönlichen Meinung nach noch keinerlei Ermüdungserscheinungen zu beobachten, obwohl dieser Teil dennoch nicht ganz an die Qualität des Vorgängers herankommt. Hauptsächlich liegt das wohl darin begründet, das man in vorliegendem Fall doch ganz offensichtlich mit hohen Erwartungen an die Geschichte herangegangen ist, die sich dann jedoch rein inhaltlich gesehen als ein klein wenig dünn präsentiert. Hierbei handelt es sich aber um eine Schwäche auf hohem Niveau, denn "The Collection" ist definitiv ein Horrorfilm, der das Genre extrem bereichert.

Letztendlich handelt es sich um eine wirklich überzeugende Fortsetzung, bei der man allerdings die Story mit ein wenig mehr Inhalt hätte füllen können. Ansonsten aber gibt es jedoch keinerlei Defizite zu erkennen, denn Marcus Dunstan hat ein Sequel auf den Weg gebracht, das kompakt, absolut kompromisslos und knallhart erscheint und somit jegliche Voraussetzungen erfüllt, um das Herz eines jeden Fans höher schlagen zu lassen. Die 3 Jahre des Wartens haben sich definitiv gelohnt und die Geschichte ist ganz bestimmt noch nicht zu Ende erzählt, denn dafür sorgt allein schon der hier dargestellte Showdown, der doch reichlich Appetit auf einen weiteren Teil macht.


Fazit:


"The Collection" beinhaltet sämtliche Zutaten, die man für einen unterhaltsamen Horrorfilm benötigt. Knackig verpackt und mit einem ordentlichen Härtegrad ausgestattet offenbart sich ein Szenario, das bis auf die etwas zu dünn geratene Geschichte in allen Belangen punkten kann und so auf jeden Fall eine Empfehlung jederzeit rechtfertigt.


7,5-8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 9. Jun 2013, 16:10
von horror1966
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Das Auge des Bösen
(Casa D'Appuntamento)
mit Robert Sacchi, Anita Ekberg, Howard Vernon, Barbara Bouchet, Evelyne Kraft, Rosalba Neri, Eva Astor, Rolf Eden, William Alexander, Alessandro Perrella, Piera Viotti, Ada Pometti
Regie: Ferdinando Merighi
Drehbuch: Paolo Daniele / Marius Mattei / Ferdinando Merighi / Dick Randall
Kamera: Mario Mancini / Gunter Otto
Musik: Bruno Nicolai
ungeprüft
Deutschland / Italien / 1973

Ein Frauenmörder geht um. Die Polizei ist kurz davor ihn zu fassen. Vor Gericht schwört der gewalttätige Psychopath jedem den Tod, der an seinem Prozess beteiligt war. Schuldig gesprochen gelingt ihm die Flucht. Dieses Unterfangen kostet ihn jedoch bei einem Motorradunfall seinen Kopf. Kurz danach scheint der Fluch des Gewalttäters Wirklichkeit zu werden: Grausame Morde geschehen, der Ripper meuchelt weiter! Sein Tatwerkzeug: Ein scharfes Messer! Besonders das Umfeld eines hiesigen Bordells scheint Schwerpunkt der Verbrechen zu sein. Kann Inspektor Pontaine das blutige Treiben beenden und herausfinden, wer für die immer schrecklicher werdenden Greueltaten verantwortlich ist?


"Das Auge des Bösen" ist die dritte und gleichzeitig letzte Regie-Arbeit von Ferdinando Merighi und zählt ganz bestimmt nicht zu den besten Vertretern des italienischen Gialli. Dennoch bekommt man hier einen kleinen sleazigen Vertreter präsentiert, der gerade durch einige vorhandene Unzulänglichkeiten einen ganz eigenen Charme offenbart, der durch die leicht trashige Note die dem Geschehen beiwohnt noch zusätzlich unterstützt wird. So beginnt die Geschichte gleich mit einer Szene, in der man mit einem der wohl schlechtesten Effekte der Filmgeschichte konfrontiert wird und somit gleich richtig darauf eingestimmt wird, das es sich hier nicht um den qualitativ besten Vertreter seiner Art handelt. Diese Vermutung soll sich dann in der Folge auch bestätigen und dennoch geht vom Szenario eine ganz eigenartige Anziehungskraft aus, der man sich kaum entziehen kann. Da nimmt man es dann auch gern einmal in Kauf, das die Geschehnisse vor allem zum Ende hin eher durch diverse Zufälligkeiten aufgeklärt werden und einige Verhaltensweisen der Protagonisten eher dazu animieren, sich die Haare zu raufen. Das Drehbuch ist sicherlich nicht das Gelbe vom Ei, aber dennoch kann sich im Laufe der Zeit ein gewisser Spannungsaufbau erkennen lassen, der jedoch nicht die Intensität anderer Genre-Kollegen erkennen lässt.

Angesiedelt ist die Story nicht wie ansonsten üblich in Italien, dieses Mal muss die französische Hauptstadt Paris herhalten, um einen offensichtlich verrückten Frauenmörder dingfest zu machen. Dieser begeht seine Taten vor allem im Umfeld eines Bordells, das ganz augenscheinlich Dreh-und Angelpunkt für die abscheulichen Taten ist. Die Taten des Killers werden hier auf eine schon recht niedliche Art und Weise dargestellt, denn sämtliche Tötungsszenen werden dem Zuschauer in mehreren Wiederholungen gezeigt, so das man im ersten Moment schon einmal auf die Idee kommen könnte, das die eingelegte DVD an diesen Stellen eine eingebaute Wiederholungs-Funktion enthält. Es ist schon recht amüsant, diesen Aspekt immer wieder vor Augen geführt zu bekommen und so kann man sich ein breites Grinsen auch nicht verkneifen. Dennoch sind die Morde teilweise recht blutig in Szene gesetzt worden und Fans des Genres kommen auf ihre Kosten, aber trotzdem hinterlassen die Abläufe an diversen Stellen auch einen unfreiwillig komischen Eindruck.

Dafür sorgen auch die Darsteller, denn das Schauspiel der Akteure zählt definitiv nicht zum Besten, wobei einige der Figuren manchmal auch ein wenig fehl am Platz erscheinen. Doch auch wenn sich das alles jetzt eher negativ anhören mag, "Das Auge des Bösen" ist für Giallo-Liebhaber absolut unverzichtbar, denn gerade weil der Film alles andere als perfekt ist, hinterlässt er einen wirklich bleibenden Eindruck und verzaubert einen phasenweise durch seinen Charme der Unzulänglichkeit. Außerdem ist es ein echtes Erlebnis, hier den alternden Playboy Rolf Eden mitspielen zu sehen, den man ansonsten nur aus unzähligen Talkshows kennt. Hinzu kommt auch noch der Aspekt, das die manchmal etwas holprige Geschichte mit etlichen Damen der Schöpfung besetzt ist, die doch für einen optischen Augenschmaus sorgen und dabei insbesondere das männliche Auge stark beeindrucken dürften. Natürlich bleibt es dabei nicht aus, das man auch in vorliegendem Fall mit den obligatorischen Nacktszenen konfrontiert wird, die jedoch nicht annähernd einen so ästhetischen Eindruck hinterlassen, wie es in vielen anderen Genre-Filmen der Fall ist.

So kann man letztendlich festhalten, das man mit "Das Auge des Bösen" ganz bestimmt kein Meisterwerk produziert hat, aber meiner Meinung nach einen extrem unterhaltsamen Vertreter seiner Art. Gerade aufgrund diverser Defizite entwickelt die Geschichte ihren ganz eigenen Reiz und versprüht dabei eine Menge Charme. Man kann sich ganz einfach herrlich erfreuen an den teils trashigen Abläufen und insbesondere an der deutschen Synchronisation, die auch ihren Teil dazu beiträgt, das die Ereignisse phasenweise unfreiwillig komisch wirken. Jeden Geschmack wird dieser Vertreter des Gialli sicher nicht treffen, wer jedoch seinen Spaß in Verbindung mit einer immerhin soliden Story haben möchte und zudem einige recht hübsche Damen zu schätzen weiß, der kommt auch an diesem Werk nicht vorbei, das meiner Meinung nach in keiner Sammlung fehlen sollte.


Fazit:


Auch wenn "Das Auge des Bösen" keinesfalls zu den Größen des Sub-Genres zu zählen ist, bietet der Film durchgehend gute-und teils auch spaßige Unterhaltung. Diverse Schwächen können zu Stärken werden und die komische Note des Geschehens drückt dem Werk einen ganz eigenen-und unverwechselbaren Stempel auf, der mir wirklich sehr gut gefallen hat.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 9. Jun 2013, 18:12
von horror1966
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Cabin of the Dead
(Wither)
mit Patrik Almkvist, Lisa Henni, Amanda Renberg, Johannes Brost, Max Wallmo, Patrick Saxe, Ingar Sigvardsdotter, Sanna Ekman, Jessica Blomkvist, Anna Henriksson, Julia Knutson
Regie: Sonny Laguna / Tommy Wiklund
Drehbuch: Tommy Wiklund / David Liljeblad / Sonny Laguna
Kamera: keine Information
Musik: Samir El Alaoui
keine Jugendfreigabe
Schweden / 2012

Eine Gruppe enger Freunde entscheidet sich das Wochenende in einer scheinbar verlassenen Waldhütte zu verbringen. Schon bald nach ihrer Ankunft kippt die gute Stimmung, denn die Anwesenheit der jungen Leute hat offenbar dämonische Kräfte zum Leben erweckt. Panik bricht aus, als sich ein Mitglied in ein zombieartiges Wesen verwandelt. Auf sich allein gestellt kämpfen die jungen Leute nun ums nackte Überleben…


Seltsam bekannt erscheint einem die Inhaltsangabe dieser schwedischen Produktion und man denkt fast zwangsläufig an den Sam Raimi Klassiker "Tanz der Teufel" aus dem Jahr 1981, dessen Neuauflage ja im Moment in aller munde ist. Eher unbemerkt schleicht sich nun die mit gerade einmal 300.00 SEK budgetierte kleine Produktion "Cabin of the Dead" um die Ecke und erhält im Schatten des "Evil Dead" Remakes kaum Beachtung. Dabei hat es dieser Film nun wirklich verdient und ganz ehrlich gesagt wäre es auch kaum aufgefallen, wenn man ihn eben "Evil Dead" genannt hätte. Gleicht sich die Geschichte doch frappierend mit der von Sam Raimi und das meine ich jetzt wirklich in keinster Weise negativ. Vielmehr bekommt man endlich mal einen Eindruck davon, wie die Europäer den sgenhaften "Tanz der Teufel" verfilmt hätten und das sich dazu entstandene Ergebnis kann sich absolut sehen lassen. Fangen wir doch gleich mit der negativen Kritik an, denn wenn es an diesem Werk überhaupt etwas auszusetzen gibt, dann ist es die etwas dürftige Erklärung für die unheimlichen Vorgänge in der Waldhütte. Hier hätte man wirklich etwas schlüssiger diverse Erklärungsversuche auf den Tisch legen können, doch bei einer Low Budget Produktion mit der hier enthaltenen Qualität sollte man nicht länger über diesen einen Punkt nachdenken.

Hier liegt geradezu ein Paradebeispiel dafür vor, das man auch mit sehr wenig Geld einen richtig guten-und extrem blutigen Horrorfilm auf die Beine stellen kann. Und wo wir gerade beim Blutgehalt des Filmes sind, nachdem die ersten gut 20-25 Minuten sich noch mit einer leichten Einführung beschäftigen, entwickelt sich danach bis zum Ende eine wahre Splatter/Gore Orgie, die man auch in einem Millionen-schweren Blockbuster nicht härter hätte gestalten können. Das Kunstblut spritzt in rauen Maßen und dem Zuschauer offenbaren sich phasenweise so derbe Passagen, das man sich einmal mehr ganz unwillkürlich die Frage stellt, wie dieses Werk bei uns ohne Zensuren durch die FSK gekommen ist. Hier bekommt man eine Schlachteplatte de Luxe geboten, wie man sie nie und nimmer in einer solch kleinen Produktion vermutet hätte. Und dabei handelt es sich auch noch um richtig gelungene Effekte und keinesfalls um diesen manchmal künstlich erscheinenden CGI-Murks, der einem die Freude an so manchem Horrorfilm vermiesen kann. Aufgrund der fast identischen Geschichte wie bei "Tanz der Teufel" ergibt sich natürlich der kleine Wermutstropfen, das man hier keine wirklichen Überraschungsmomente erwarten kann, doch insbesondere den Gorehounds wird diese Tatsache wohl vollkommen egal sein, wenn sie dafür ein blutiges-und hartes Schlachtfest geboten bekommen, das es wirklich in sich hat. Trotz der Vorhersehbarkeit der Ereignisse fiebert man als Zuschauer mit den Protagonisten mit und erfreut sich an einer äußerst gelungenen Grundstimmung, die sich durchgehend durch das gesamte Szenario zieht.

Die beiden Regisseure Sonny Laguna und Tommy Wiklund haben hier einen Film auf die Beine gestellt, den man als absolute Bereicherung für das Genre ansehen kann. Von ihrer ersten gemeinsamen Arbeit "Madness" konnte man das ja noch nicht unbedingt behaupten und auch Laguna's "Blood runs Cold" war eher ein kleiner Rohrkrepierer, doch "Cabin of the Dead" ist ein absoluter Kracher, der sich aber zugegebenermaßen hauptsächlich durch seinen Härtegrad definiert. Eine sonderlich oder gar gut erklärte Geschichte sollte man nicht unbedingt erwarten, jedoch handelt es sich um eine wirklich ausreichende Rahmenhandlung, die das blutige Geschehen ummantelt. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber meiner persönlichen Meinung nach handelt es sich hier um einen der härtesten-und vor allem blutigsten Horrorfilme, die man innerhalb der letzten Jahre zu Gesicht bekommen hat. Umso witziger erscheint darum auch der Aspekt mit der FSKK, denn weitaus harmlosere Genre-Vertreter wurden in letzter Zeit wegen harmloseren Dingen gnadenlos zerstückelt. Dem Betrachter soll das jedoch egal sein und ehrlich gesagt sollte man sich vielmehr darüber freuen, das ein solch blutrünstiges Szenario auch bei uns in seiner vollen Pracht zu genießen ist, denn das erlebt man nun wirklich nicht alle Tage.

Manch einer mag "Cabin of the Dead" als überladenes Effekt-Spektakel ansehen, das inhaltlich nicht sonderlich viel zu bieten hat. In gewisser Art und Weise mag das auch durchaus zutreffen, doch dieser Kritikpunkt trifft dann aufgrund der Ähnlichkeit auch definitiv auf Raimi's "Tanz der Teufel" zu. Letztendlich handelt es sich aber schlicht und ergreifend um einen richtig gut gemachten Horrorfilm, der unter der Berücksichtigung des extrem niedrigen Budgets sogar noch zusätzlich aufgewertet wird. Wer eine Vorliebe für äußerst deftige Szenarien hat, wird hier vor Begeisterung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, denn diese schwedische Produktion toppt alles, was man in letzter Zeit zu Gesicht bekommen hat. Man kann sich also definitiv auf 90 minuten beste-und blutigste Horror-Kost einstellen und sich zudem auch noch an unbekannten-und unverbrauchten Gesichtern in der Darsteller-Riege erfreuen, die nicht allesamt einem Mode-Journal entsprungen sind, sondern einen wunderbar natürlichen Eindruck hinterlassen.


Fazit:


Die Neuauflage zu "Tanz der Teufel" habe ich noch nicht gesehen, aber in Sachen Härte kann diese auch nicht besser ausgerüstet sein, als es bei "Cabin of the Dead" der Fall ist. Mit sehr wenig Geld wurde hier ein Horrorfilm zu uns gebracht, dessen Ansicht man keinesfalls versäumen sollte, da man ansonsten ein echtes Spektakel an sich vorüberziehen lässt.


8,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 9. Jun 2013, 18:13
von horror1966
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Die Piraten von Tortuga
(Pirates of Tortuga)
mit Ken Scott, Letícia Román, Dave King, John Richardson, Rafer Johnson, Robert Stephens, Rachel Stephens, Stanley Adams, Edgar Barrier, James Forrest, Patrick Sexton, Arthur Gould-Porter, Hortense Petra
Regie: Robert D. Webb
Drehbuch: Melvin Levy / Jesse Lasky Jr. / Pat Silver
Kamera: Ellis W. Carter
Musik: Paul Sawtell / Bert Shefter
FSK 12
USA / 1961

Einst angesehener englischer Freibeuter gegen die Spanier in der Karibik, hat sich Kapitän Henry Morgan ein Jahr nach Kriegsende wieder der Piraterie verschrieben. Neun von zehn englischen Schiffen fallen ihm anheim und niemand wagt es, ihm in seiner Festung auf der Insel Tortuga die Stirn zu bieten. Doch bald wird der unerschrockene Haudegen Kapitän Bart Praxton von der englischen Marine beauftragt, dem Schrecken der Karibik endlich Einhalt zu gebieten. Gemeinsam mit drei alten Freunden und einer schönen blinden Passagierin stechen er und seine Crew in See, um Henry Morgan zu stellen.


Nun zählt "Die Piraten von Tortuga" sicherlich nicht zu den größten Vertretern des Piratenfilms, warum das Werk von Robert D. Webb allerdings phasenweise richtiggehend niedergemacht wird entzieht sich vollkommen meiner Kenntnis. Zugegebenermaßen liegt der Fokus der Geschichte nicht gerade auf gewaltig in Szene gesetzten Seeschlachten und ganz generell hält sich das Geschehen im Bezug auf Action ein wenig zurück, aber dennoch bekommt der Zuschauer doch einen charmanten Klassiker geboten, der nun von Ascot Elite auch endlich in sehr guter Bild-und Tonqualität auf den Markt gebracht wurde. Und da wären wir auch schon bei einer der Stärken der Geschichte, denn die imposanten Bildern überzeugen in kräftigen-und satten Farben, zudem wurde das Szenario mit einer starken Liebe zum Detail ins Bild gesetzt. Die Schauplätze, Kulissen und insbesondere die Kostüme hinterlassen einen sehr authentischen Eindruck und man fühlt sich phasenweise wie auf einer Zeitreise in ein vorheriges Jahrhundert.

Die eigentliche Thematik der Geschichte hält sich zunächst einmal eher im Hintergrund, denn erst in der zweiten Film-Hälfte kommt es überhaupt zu Kampfhandlungen zwischen Kapitän Praxton's Männern und den Piraten von Tortuga, zuvor bekommt man es eher mit einer aufkeimenden Liebesbeziehung zwischen Praxton und einem weiblichen blinden Passagier zu tun. Dies mag auch der Hauptgrund sein, warum so viele Leute diesen Klassiker kritisieren. Dabei entwickelt sich doch gerade in dieser Phase des Geschehens eine ganze Menge Humor, denn das Miteinander der beiden Hauptfiguren sorgt doch für manch sehr unterhaltsame-und charmante Szene, an der man sich erfreuen kann. Erst nach gut 45 Minuten bekommt man allerdings zugegebenermaßen das zu sehen, was man in einem Piratenfilm erwartet, die bis dahin erste-und leider auch einzige Seeschlacht des gesamten Filmes. Dennoch sehe ich das nicht unbedingt als negativen Kritikpunkt an, denn erstens entschädigt die Hauptschlacht um Tortuga am Ende der Geschichte doch für zuvor entgangene Kämpfe und zweitens ist der Film in seiner Gesamtheit ein blendend unterhaltender Klassiker.

Sicherlich hätte Robert D. Webb einige Kampf-Passagen mehr einbauen können, aber es ist insbesondere die gelungene Kombination aus Piraten-Action, gelungenem Humor und einer netten Liebesgeschichte, die hier ein insgesamt sehr stimmiges Gesamtbild erzeugt. Besonders erstaunlich empfinde ich in solchen Filmen immer wieder den Aspekt, das hier ohne einen Tropfen Blut zu sehen, immer etliche Leute ihr Leben aushauchen. Selbst bei Pistolen-Einschüssen halten sich die Getroffenen die Eintrittswunde, aus der aber erstaunlicherweise nicht ein einziger Tropfen Blut herauskommt. Ein absolutes Phänomen, das man in unzähligen Werken der damaligen Zeit beobachten kann und das einem immer wieder ein Schmunzeln abringt.

Letztendlich ist "Die Piraten von Tortuga" bestimmt nicht zu den absolut hoch angesehenen Klassikern zu zählen, was jedoch auch wieder im Auge des jeweiligen Betrachters liegt. Auf jeden Fall aber bekommt man es mit einem äußerst charmanten-und reizvollen Film zu tun, der gut 90 Minuten kurzweilige Unterhaltung bietet. Das man dabei vielleicht nicht die Menge an Action-Passagen geboten kommt die man sich erwartet hat fällt meiner Meinung nach nicht weiter ins Gewicht, präsentiert sich doch ein überzeugendes Gesamtpaket, das man ohne Bedenken empfehlen kann.


Fazit:


In der vorliegenden-und neu restaurierten Version macht dieser Film gleich doppelt so viel Spaß, kann man sich doch allein schon an den kraftvollen-und farbenprächtigen Bildern ergötzen. Ein paar herrliche Kampfszenen, eine charmante Liebesgeschichte und eine gesunde Portion Humor runden die ganze Sache perfekt ab und so ergibt sich ein insgesamt sehr stimmiges Gesamtbild.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 11. Jun 2013, 14:24
von horror1966
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Zeder - Denn Tote kehren wieder
(Zeder)
mit Gabriele Lavia, Anne Canovas, Paola Tanziani, Cesare Barbetti, Bob Tonelli, Ferdinando Orlandi, Enea Ferrario, John Stacy, Alex Partexano, Marcello Tusco, Aldo Sassi, Veronica Moriconi, Enrico Ardizzone
Regie. Pupi Avati
Drehbuch: Pupi Avati / Maurizio Costanzo / Antonio Avati
Kamera: Franco Delli Colli
Musik: Riz Ortolani
FSK 16
Italien / 1983

Stefano, ein junger Student und Schriftsteller, bekommt von seiner Frau Alessandra eine gebrauchte Schreibmaschine geschenkt. Auf deren Farbband entdeckt er Texte vom Vorbesitzer, die sich mit sogenannten "K-Zonen" beschäftigen. Er beginnt Nachforschungen anzustellen und entdeckt, dass einige Leute davon überzeugt sind, dass in den besagten Zonen aufgrund fehlender Zeitverhältnisse Tote wieder auferstehen können. Stefano will der Sache auf den Grund gehen und erkundigt sich über den Vorbesitzer, einen ehemaligen Pfarrer, der kürzlich verstorben ist. Seine Nachforschungen führen ihn zu einem alten Gelände, das anscheinend verlassen, aber von elektrischen Zäunen umgeben ist. Stefano lässt nicht locker, ohne zu ahnen, dass die Wahrheit seine Vorstellungskraft übersteigt.


Wenn man den Namen Pupi Avati hört, bringt man diesen ganz unweigerlich mit dem grandiosen Film "Das Haus der lachenden Fenster" in Verbindung, der einem subtilen Horror mit etlichen Grusel-Elementen bescherte. Kein Wunder also, das man auch an vorliegendes Werk mit einer gewissen Erwartungshaltung herangeht, verspricht doch "Zeder - Denn Tote kehren wieder" allein schon aufgrund seiner Inhaltsangabe ein ähnlich gruseliges Film-Vergnügen. Liest man sich nun einmal diverse Kritiken im Netz durch, so scheint dieser Film längst nicht bei jedem auf große Gegenliebe gestoßen sein, was ich persönlich jedoch überhaupt nicht nachvollziehen kann. Pupi Avati hat hier nämlich einen Horrorfilm kreiert, der ohne jegliche Härte auskommt, aber allein durch seine extrem dicht gehaltene Grundstimmung von der ersten bis zur letzten Minute eine unglaublich starke Faszination auf den Zuschauer ausübt, die man wirklich schwerlich in Worte fassen kann. So schwingt bei dem Szenario von Beginn an eine äußerst unheilvolle Note mit, die sich im Laufe der Zeit immer mehr intensivieren soll, was dem Betrachter im Prinzip durchgehend eine wohlige Gänsehaut beschert. An manchen Stellen verdichtet sich die exzellent aufgebaute Spannung sogar dermaßen, das man während der Sichtung einen leichten Schweißfilm auf der eigenen Stirn bemerkt, der ein untrügliches Zeichen dafür ist, wie sehr man selbst in diese mysteriöse Geschichte eintaucht. Die den Ereignissen zu Grunde liegende Thematik ist für sich allein genommen schon dafür prädestiniert, eine fast bannende Wirkung zu erzielen und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, das man immer tiefer in die geheimnisvolle Welt des Übernatürlichen eintaucht, die einem der Regisseur hier präsentiert.

Dabei muss man gestehen, das die Story im Prinzip sehr wenig Aktionismus beinhaltet und harte-oder blutige Passagen bekommt man gar nicht zu Gesicht. Doch "Zeder - Denn Tote kehren wieder" hat diese Dinge auch in keinster Weise nötig, würden sie doch den gruseligen Effekt des Geschehens nur vollkommen verwässern und den fantastischen Gesamteindruck des Werkes beeinträchtigen. Avati hat vielmehr auf eine sehr ruhige-und bedächtige Erzählweise wert gelegt und gerade durch diesen Aspekt können die Ereignisse überhaupt erst ihre volle Wirkung erzielen. Der äußerst subtil aufkommende Horror kriecht einem zusehends richtig unter die Haut und entfaltet dabei eine Intensität, die einem fast körperlich zu schaffen macht. Selbstverständlich wird das wohl nicht jeder so empfinden, doch so wie hier inszeniert stelle ich mir den nahezu perfekten Gruselfilm vor, der erst gar keine visuelle Gewalt benötigt, um den Betrachter für sich einzunehmen. Und so schlüpft man stellenweise selbst in die Rolle der Hauptfigur Stefano, der sich auf die Suche begibt, um das Rätsel der mysteriösen "K-Zonen" zu lüften um die sich hier alles dreht. Das Schöne an der Sache ist, das man sich auf dem gleichen Wissensstand wie der junge Mann befindet, der immer mehr eingestreute Puzzle-Teilchen finden kann, um letztendlich die ganze unvorstellbare Wahrheit zu erfahren.

Man verschmilzt förmlich mit dem Haupt-Charakter und teilt so auch die ganze Zeit über Freude und Leid mit ihm, der von einem glänzend aufgelegten Gabriele Lavia perfekt dargestellt wird. So verspürt man auch die gleiche unbändige Neugier des jungen Mannes, der mit aller Gewalt die Antwort auf das Rätsel finden will, das ihm durch das Farbband einer Schreibmaschine präsentiert wurde. Pupi Avati ist es hier ganz fantastisch gelungen, einem immer nur kleine Bruchstücke zu servieren, die einen mit der Zeit immer näher an die Lösung des Ganzen heranführen, dabei ist die Einbindung des Zuschauers in die Geschehnisse schon fast eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich denn auf die Ereignisse einlassen-und sich der Thematik öffnen kann. Sollte man dazu nicht in der Lage sein, dann wird "Zeder" auch keinesfalls seine volle Wirkung erzielen können und man wird auch kaum den schleichend aufkommenden Horror verspüren, der hier von der allerbesten Art ist. Vielleicht fehlt mir bei diesem Film ein wenig die Objektivität, doch ich kann hier nur meine persönlichen Empfindungen schildern, die ich während der Ansicht verspürt habe und selten hat mich eine Geschichte so dermaßen in ihren Bann gezogen, das ich beim Einsetzen des Abspanns einen fast körperlichen Erschöpfungszustand empfunden habe.

Letztendlich liegt wie immer alles im Auge des jeweiligen Betrachters, doch "Zeder - Denn Tote kehren wieder" hat mich absolut überzeugt und in seinen fast magischen Bann gezogen, der eine absolut sogartige Wirkung ausstrahlt. Für mich persönlich hat Avati hier ein absolut unterschätztes Juwel des Genres geschaffen, das durch seine ruhige Art eine unglaubliche Faszination auslöst, der man sich kaum entziehen kann. Ohne jegliche Hektik und überflüssigen Aktionismus ist es gelungen, allein durch einen dramaturgisch grandiosen Spannungsaufbau und eine unheilvolle Atmosphäre entwickelt sich der Horror der subtilen Art, der fast körperlich von einem Besitz ergreift. Wenn man sich diesem Film öffnet, wird man definitiv mit einem außergewöhnlich gutem Szenario belohnt, das zudem einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt.


Fazit:


Es fällt schwer, diesen Film mit dem genialen "Das Haus der lachenden Fenster" zu vergleichen, denn dafür unterscheiden sich die Geschichten doch zu sehr. Meiner Meinung nach sind beide Werke auf ihre Art absolut brillant und verdienen weitaus mehr Aufmerksamkeit, als ihnen bisher zu teil geworden ist. Allerdings handelt es sich auch in beiden Fällen nicht gerade um Werke, die für das breite Mainstream-Publikum ausgelegt sind, so das wohl nur eine bestimmte Zielgruppe die hohe Qualität solcher Filme erkennen wird.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 12. Jun 2013, 17:14
von horror1966
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Dead Shadows
(Dead Shadows)
mit Gilles Barret, Margaux Devy, Sylvain Dubois, John Fallon, Norbert Ferrer, Blandine Marmigère, Franck Penaud, Christophe Perez, Aurèle Petitpierre, Baya Rehaz, Rurik Sallé, Johanna Seror, Vanessa Valence
Regie: David Cholewa
Drehbuch: Vincent Julé
Kamera: Thomas Rames
Musik: Kevin Riepl
keine Jugendfreigabe
Frankreich / 2012

Als Chris noch ein Kind war, wurden seine Eltern an jenem Tag brutal ermordet, als der Halleysche Komet am Himmel erschien. Nun, 11 Jahre später, ist es wieder soweit. Ein weiterer Komet wird am Himmel zu sehen sein. Während allerorts deswegen eine große Kometen-Party steigt, bereitet sich Chris auf den Ausnahmezustand vor. Als die Nacht hereinbricht und der Komet erscheint, fangen die Leute an sich merkwürdig zu verhalten. Bald schon bricht eine Welle der Gewalt los und die Menschen mutieren zu Wesen, die nicht von dieser Welt sind. Für Chris beginnt eine Nacht des Grauens und des Sterbens.


Den auf dem DVD-Cover herbeigezogenen Vergleich mit dem britischen Werk "Attack the Block" kann ich für meine Bewertung nicht heranziehen, da ich den Film noch nicht gesehen habe. Rein thematisch sollen sich die beiden Produktionen ja allem Anschein nach ähneln, doch kann ich nur inständig hoffen, das beim britischen Vertreter ein etwas besseres Gesamtbild zu erkennen ist als im vorliegenden Regie-Erstling von David Cholewa, der in seiner Geschichte doch eine ganze Menge vermissen lässt. Dabei ist die dem Film zu Grunde liegende Idee durchaus interessant, auch wenn man ähnliche Szenarien schon des Öfteren gesehen hat. Innovation sollte man so erst gar nicht erwarten, doch auch ohne diese kann das Szenario nur teilweise nette Unterhaltung anbieten. Zuerst einmal sollte man dabei anmerken, das es sich hier um keinen reinen Horrorfilm handelt, sondern vielmehr um einen recht uninspirierten Horror, SCI/FI-und Action-Flick, der ganz eindeutig unter seinem schwachen Drehbuch zu leiden hat.

Dabei beinhaltet die Geschichte durchaus Potential, das man lediglich hätte ausschöpfen müssen, dieses jedoch leider fast vollständig versäumt hat. So erscheint die Story doch an etlichen Stellen absolut unrund, phasenweise vermeint man sogar, das dem Geschehen wichtige Bestandteile entfernt wurden, so das der Gesamteindruck doch wenig stimmig daher kommt und phasenweise vollkommen unausgegoren erscheint. Diverse Passagen wirken schon richtig wirr und es ergibt sich auch kaum ein echter Zusammenhang, was letztendlich auch keinesfalls durch einige nette-und etwas härtere Szenen ausgeglichen werden kann. Die vorhandenen CGI-Effekte sind dabei gar nicht einmal so übel, vielmehr ist es der extrem billige Look des Filmes, der beim Betrachter nicht auf sonderlich viel Gegenliebe stößt. Der stetig vorhandene Blaustich und die streckenweise viel zu dunkel abgefilmten Szenen tragen eher wenig dazu bei, das man hier von einem gelungenen Film-Erlebnis sprechen könnte.

Zudem gestalten sich die Ereignisse auch nicht sonderlich spannend, die Abläufe gestalten sich viel eher äußerst vorhersehbar. Auch die Darsteller bewegen sich mit ihren dargebotenen Leistungen maximal im normalen Durchschnittsbereich, wobei jedoch ein Großteil der Akteure vollkommen blass-und jederzeit austauschbar erscheinen. Und so könnte man nun die ganze Zeit weitere Defizite aufzählen, denn die gesamte Inszenierung ist wenn überhaupt im Mittelmaß anzusiedeln, da die vorhandenen Zutaten nicht zu einer wirklichen Einheit zusammengefügt wurden. Die Story dümpelt größtenteils eher belanglos vor sich hin, ohne das wirklich etwas Spektakuläres-oder Interessantes passieren würde. Und das bei einer Netto-Spielzeit, die noch nicht einmal die 70 Minuten Grenze erreicht, was nicht unbedingt für die Qualität dieses eigenartigen Filmes spricht. Das gewählte Ende setzt dem Ganzen dann jedoch die Krone auf, erwartet man doch zumindest an dieser Stelle etwas Positives, das einen mit einem Gefühl der Befriedigung aus einem ansonsten eher schwachen Film entlässt und wird stattdessen abrupt-und unsinnig aus diesem Szenario entlassen, so das man sich ganz unweigerlich die Frage stellen muss, was man da eigentlich gerade gesehen hat. Eine Antwort darauf wird man wohl so schnell nicht finden und ehrlich gesagt möchte ich sogar bezweifeln, das der Regisseur einen wirklichen Sinn in diesem eigenartigen Szenario erkennen kann.

Vielleicht fehlt mir aber auch einfach nur die nötige Auffassungsgabe und ich kann die Genialität dieses Werkes nicht erkennen, doch sollte diese vorhanden sein, wurde sie verdammt gut versteckt. Manch einer mag eventuell seinen Gefallen an diesem Film finden und es sei auch jedem vergönnt, doch ich persönlich konnte mit "Dead Shadows" überhaupt nichts anfangen, da die Geschichte einfach nicht komplett erscheint.


Fazit:


Bei einer Laufzeit von gerade einmal knapp 70 Minuten sollte man zumindest einen durchgehenden Unterhaltungswert in einem Film erkennen, was hier jedoch leider nicht der Fall ist. Streckenweise eröffnet sich sogar die pure Langeweile, die im Zusammenspiel mit der teils konfus erscheinenden Story kein wirklich gutes Gesamtbild zulässt.


4/10