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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 26. Mai 2013, 15:55
von horror1966
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The last Winter
(The last Winter)
mit Ron Perlman, James Le Gros, Connie Britton, Zach Gilford, Kevin Corrigan, Jamie Harrold, Pato Hoffmann, Joanne Shenandoah, Larry Fessenden, Oscar Miller, Halfdan Theodorsson, Eggert Ketilsson
Regie: Larry Fessenden
Drehbuch: Larry Fessenden / Robert Leaver
Kamera: Magni Ágústsson
Musik: Jeff Gnade
FSK 16
Island / USA / 2006

In Alaska, einem der letzten unberührten Gebiete der Welt, wird das Expeditionsteam einer Ölgesellschaft von einer unsichtbaren Gefahr bedroht. Erst regnet es im arktischen Winter, dann kommt ein Crewmitglied gewaltsam ums Leben. Eine unheimliche Angst befällt das Team. Als auch noch das Versorgungs-Flugzeug abstürzt und sämtliche Kommunikationsmöglichkeiten zerstört sind, müssen sich zwei Mitglieder auf die lebensgefährliche Suche nach Rettung begeben...


Man merkt dem Werk von Larry Fessenden (Wendigo, Habit) durchaus die Ambitionen an, hier einen tiefgründigen Öko-Horrorfilm mit nötigem Tiefgang und einer sozialkritischen Note zu präsentieren, dennoch dürfte "The last Winter" längst nicht den Geschmack eines sehr breiten Publikums treffen. Das liegt in erster Linie wohl an der äußerst ruhigen-und bedächtigen Erzähl-Struktur, ist aber gleichzeitig auch in der Ereignislosigkeit größerer Teile des Filmes begründet, denn wirkliche Action bekommt der Zuschauer eigentlich nicht geboten. Nun muss das ja nicht immer mit einem schlechten Szenario gleichzusetzen sein, doch benötigt man hier doch eine größere Menge an Geduld, um auch wirklich ganzzeitig-und möglichst konzentriert am Ball zu bleiben. Die Geschichte nun gänzlich dem Horror-Genre zuzuordnen fällt dabei doch recht schwer, ist der aufkommende Grusel-Faktor doch von der sehr subtilen Art, wobei in vorliegendem Fall ein echter Funke nie so richtig überspringen will. Das macht es einem auch nicht unbedingt leicht, sich mit dem stattfindenden Geschehen auseinanderzusetzen, bleibt doch Vieles in fast schon kryptischen Ansätzen stecken, wobei auch die sozialkritische Note der Ereignisse nie wirklich in den Vordergrund treten will und lediglich bei ganz genauer Betrachtung zu erkennen ist.

Dabei hat der Film durchaus seine starken Momente, die jedoch leider viel zu selten in Erscheinung treten. Larry Fessenden ist es zwar gelungen, phasenweise den Schauplatz von Alaska mit einer an einigen Stellen dichten Grundstimmung zu kombinieren, doch es fehlt dem Ganzen an Kontinuität, was sich insbesondere auf den dramaturgischen Spannungsaufbau der Geschichte bezieht. An dieser Stelle hat man wirklich viekl verschenkt, beinhaltet die Grundidee doch sicher eine Menge an Potential, das aber nicht einmal annähernd ausgeschöpft wurde. Da hilft es auch nicht, das man des Öfteren fast mystische Passagen einfügt, die die Grenzen zwischen Realität und Fiktion ein wenig verschwimmen lassen, denn die ständigen kleinen Andeutungen sind keinesfalls ausreichend, um über die gesamte Laufzeit kurzweilig-und gut zu unterhalten. Zu oft treten einige dialoglastige Passagen in den Vordergrund, die doch zumeist eher zähflüssig und zu lang daherkommen, gleichzeitig mangelt es der Geschichte ein wenig an Action, die den Unterhaltungswert doch erheblich gesteigert hätte.

Generell ist es vor allem die erste Stunde, die beim Zuschauer doch schon für diverse Ermüdungserscheinungen sorgen kann. Erst in den restlichen Minuten nimmt das Geschehen dann ein wenig an Fahrt auf, wobei sich das Tempo nicht sonderlich steigert den Betrachter aber doch ein wenig glücklich darüber macht, das überhaupt einmal etwas passiert. Dennoch muss man leider feststellen, das selbst ein wie immer routiniert agierender Ron Perlman allein nicht ausreicht, um "The last Winter" erheblich aufzuwerten, denn insgesamt gesehen beinhaltet die Story doch zuviel Leerlauf und ein erhöhtes Maß an Langatmigkeit, so das man keinesfalls von einer gänzlich gelungenen Inszenierung sprechen könnte. Streckenweise überkommt einen zudem das Gefühl, das Fessenden hier etwas zuviel gewollt hat und sein Werk zu außergewöhnlich und intelligent umsetzen wollte, womit er sich meiner persönlichen Meinung nach nicht unbedingt einen Gefallen getan hat. So erscheint der Film an etlichen Stellen ein wenig undurchsichtig und wirft auch immer mehr Fragen auf, anstatt die bestehenden erst einmal zu beantworten. Nun kann man es zwar als durchaus positiv ansehen, das einem hier ein gewisser Freiraum für eigene Interpretationen gelassen wird, doch letztendlich wird man vielmehr mit einem etwas unbefriedigendem Ende aus einer Geschichte entlassen, die nicht das gehalten hat, was sich manch einer von ihr versprochen hat.

Im Endeffekt möchte ich auf keinen Fall von einem schlechten Film sprechen, dafür beinhaltet "The last Winter" dann doch zu viele gute Ansätze. Das diese jedoch nicht konsequent herausgearbeitet wurden, sollte man schon als auffälliges Manko ansehen. Und so bleiben letztendlich doch mehr Fragen als Antworten, was einen schalen und nicht befriedigenden Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Viele Leute werden das bestimmt anders sehen, denn in vorliegendem Film kommt es wirklich auf die Sichtweise des jeweiligen Betrachters an, doch mich selbst konnte das Geschehen nur bedingt überzeugen, so das ich zu einer maximal durchschnittlichen Bewertung gelange.


Fazit:


"The last Winter" beinhaltet ganz bestimmt eine sehr gute Grundidee, deren Umsetzung aber nur streckenweise gelungen ist. Zu viele Andeutungen und ein Mangel an Erklärungen lassen etliche Deutungen zu. Darstellerisch bekommt man durchaus solide Kost geboten, doch die vielen offenen Fragen hinterlassen einen nicht zufriedenstellenden Eindruck, so das man den Film lediglich zur einmaligen Sichtung empfehlen kann.


5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 26. Mai 2013, 19:12
von horror1966
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Vor Morgengrauen
(Just Before Dawn)
mit George Kennedy, Mike Kellin, Chris Lemmon, Gregg Henry, Deborah Benson, Ralph Seymour, Katie Powell, John Hunsaker, Charles Bartlett, Jamie Rose, Hap Oslund, Barbara Spencer
Regie: Jeff Lieberman
Drehbuch: Mark Arywitz / Jeff Lieberman / Jonas Middleton
Kamera: Dean King / Joel King
Musik: Brad Fiedel
juristisch geprüft
USA / 1981

In einem abgelegenen, von dichtem Wald umgebenen Gebiet wütet ein grausamer Dämon. So berichtet es zumindest ein verstörter alter Mann einer Gruppe von jungen Leuten, die in diesem Gebiet ihr Lager errichten, um einen gemütlichen Campingurlaub zu verbringen. Die zeigen sich davon jedoch unbeeindruckt, witzeln über die Phantasie der abergläubischen Bergbewohner und genießen überschwänglich die wunderbare Natur sowie die Tatsache, endlich unbeaufsichtigt zu sein. Doch der Schein einer ruhigen und sorglosen Sommeridylle trügt.Bald fällt ein machetenschwingender Killer über die ahnungslose Gruppe her, und die Ferien der jungen Camper werden zu einem absoluten Horrortrip


Wenn man in der heutigen Zeit von den sogenannten Backwood-Slashern redet, kommen einem ganz unwillkürlich Filme wie "Wrong Turn" oder auch "Timber Falls" in den Sinn. In einem dichten Waldgebiet angesiedelt überzeugen diese Werke hauptsächlich durch eine sehr dichte-und bedrohliche Atmosphäre, sowie einen ordentlichen Härtegrad. Mit "Just Before Dawn", wie vorliegendes Werk im Original heißt, hat Jeff Liebermann 1981 ein Frühwerk dieses Sub-Genres auf den Weg gebracht, das sich doch in diversen Punkten ziemlich erheblich von den heutigen Vertretern unterscheidet. Im Prinzip bezieht sich das aber nicht auf die notwendigen Grundzutaten, denn auch hier kann die vorliegende Geschichte vor allem im Bezug auf die Grundstimmung vollkommen überzeugen, es ist vielmehr die Erzählweise des Geschehens, die den Zuschauer nicht vollends ansprechen kann. Denn im Gegensatz zu den erwähnten Genre-Kollegen ist hier weitaus weniger Tempo zu verspüren, in diversen Passagen ziehen sich die Ereignisse sogar arg in die Länge. So gestaltet sich insbesondere die Einführung des Filmes äußerst in die Länge gezogen, denn in der ersten Filmhälfte tut sich so gut wie gar nichts.

Stattdessen wird der Betrachter mit den für die Story wichtigen Figuren bekannt gemacht, wobei sich die Charakter-Zeichnungen trotz einer mehr als ausreichenden Zeitspanne eher oberflächlich gestaltet. Die fünfköpfige Gruppe zeichnet sich in erster Linie durch ellenlange-und größtenteils nichtssagende Dialoge aus, was einem mit der Zeit schon ein wenig auf die Nerven geht. Bevor dann auch endlich einmal etwas passiert vergeht dann auch eine geraume Weile, so das man sich dann doch sichtlich freuen kann, als endlich einmal ein wenig Action Einzug in das Geschehen hält. Die vorhandenen Kills einiger psychophatisch veranlagten Einheimischen gestalten sich jedoch nicht so hart-und blutig, wie manch einer sich das eventuell vorgestellt hat, denn im Bezug auf explizite Gewaltdarstellungen hält Lieberman sich eher etwas bedeckt. Dennoch bewegt man sich immer noch in einem durchaus soliden Rahmen, denn etliche andere Genre-Kollegen geizen noch mehr am Kunstblut und etwas härteren Szenen, doch eine Offenbarung stellt auch "Vor Morgengrauen" nicht dar.

Auch eine Erklärung für Motive wie für die Herkunft der Killer fällt ziemlich dürftig aus, ist aber für das Gesamtbild nicht unbedingt erforderlich. So bewegt sich dann der gewonnene Gesamteindruck des Szenarios auch gänzlich im breit gefächerten Durchschnittsbereich, wobei man als Fan dieser Film-Gattung durchaus noch den ein-oder anderen Bonuspunkt verteilen kann. Mit den echten Größen kann Lieberman's Film jedoch keinesfalls mithalten, denn dafür erscheint die Geschichte an etlichen Stellen zu unrund-und unausgegoren. Lediglich die wunderbare Location eines majestätisch anmutenden Waldgebietes und die damit verbundene Atmosphäre sorgt hier für echte Höhepunkte, wobei vor allem die an einigen Stellen eingefügten Panorama-Aufnahmen einen absolut bleibenden Eindruck im Gedächtnis des Betrachters hinterlassen. Da überkommt einen doch phasenweise richtiggehend die Lust auf die Natur, die mit der Zeit jedoch wieder schwindet, nachdem sich das Gebiet als Todesfalle für die Freunde entpuppt. Hätte man hier doch nur auch den Rest des Filmes so gut in Szene gesetzt wie die beiden genannten Dinge, dann hätte man hier einen Backwood-Slasher zu sehen bekommen, der sich zumindest im oberen Drittel ansiedeln würde. Verhindert wird dies jedoch allein schon durch den Aspekt, das sich die streckenweise vorhandene Spannung nicht kontinuierlich aufrecht erhalten kann. Nicht selten kommt es zu diversen Einbrüchen, was das Seh-Vergnügen letztendlich doch ein wenig trübt.

Und dennoch mag ich diesen Film, was in erster Linie wohl in meiner Vorliebe für Slasher im Allgemeinen begründet ist. Lieberman hat hier alles andere als einen Klassiker geschaffen, denn dafür beinhaltet das Geschehen doch zu viele ganz offensichtlich ins Auge fallende Defizite. Und trotzdem entfaltet die Geschichte ihren ganz eigenen Charme, dem man als Fan des Genres doch auf eine gewisse Art und Weise erliegt. Im Endeffekt sollte man jedoch trotzdem bemüht sein, das Werk einigermaßen objektiv bewertet und dann dürfte man im Normallfall auch nicht über das gesunde Mittelmaß hinauskommen.


Fazit:


"Vor Morgengrauen" gehört ganz sicher nicht zu den echten Klassikern des Genres, wobei dem Film trotz seiner Mankos von vielen Leuten dennoch ein gewisser Kultstatus zugeschrieben wird. Diesen konnte ich persönlich nicht erkennen, dennoch mag ich das Ambiente des Geschehens und kann so auch großzügig über diverse Schwächen hinwegsehen.


6-6,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 27. Mai 2013, 12:08
von horror1966
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The Ugly
(The Ugly)
mit Paolo Rotondo, Paul Glover, Christopher Graham, Darien Takle, Rebecca Hobbs, Roy Ward, Cath McWhirter, Carolyn Beaver, Caelem Pope, Jennifer Ward-Lealand, Finn Johnsen, Phillip Brown
Regie: Scott Reynolds
Drehbuch: Scott Reynolds
Kamera: Simon Raby
Musik: Victoria Kelly
FSK 18
Neuseeland / 1997

Dr. Karen Schumaker ist eine ehrgeizige und erfolgreiche Psychologin, die sich mit Gerichtsgutachten von geistesgestörten Kriminellen einen Nahmen gemacht hat. Simon Cartwright ist ein Serienkiller, seit fünf Jahren hinter den Gittern einer psychiatrischen Anstalt. Simon hat Karen um Hilfe gebeten. Sie soll den Behörden seine Heilung attestieren. Gegen den Widerstand des undurchsichtigen Anstaltsleiters, Dr. Marlowe, beginnen die beiden die Gespräche, von ihm durch eine Spiegelwand beobachtet. Schnell gelingt es Karen zu Simon vorzudringen. Sie hofft im Interview mit dem Serienkiller die Wahrheit herauszufinden. Warum hat er getötet und würde er es wieder tun? Karens Fragen wecken die längst besiegt geglaubten Dämonen aus Simons Vergangenheit. Ihrem anfänglichen Vertrauen, dem Glauben an Simons wahre Geschichte weichen allmählich Zweifel und langsam dringen Simons Obsessionen auch in ihre Welt ein. Karens Suche nach der Wahrheit verwandelt sich in ein tödliches Spiel, das Traum und Realität, Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen lässt.


Ich bin wirklich einigermaßen erstaunt, das dieses Langfilm-Debüt von Scott Reynolds aus dem Jahr 1997 doch teilweise eher negative Kritiken nach sich zieht, handelt es sich doch meiner Meinung nach um ein wirkliches Kleinod des Genres. "The Ugly" ist eine neuseeländische Produktion und bietet eine hervorstechende Mischung aus Horror-und Thriller, wobei man sich einmal mehr der Serienkiller-Thematik bedient, diese aber auf höchst effitziente-und intensive Weise ins Bild gesetzt hat. So beinhaltet die Geschichte von der ersten Minute an eine herrlich dichte Grundstimmung und die Location der Heilanstalt ist geradezu perfekt, um hier eine dreckig-siffige Atmosphäre zu schaffen, die beim Zuschauer größtenteils ein starkes Gefühl der Beklemmung auslöst, das wie ein bleierner Schleier auf den eigenen Schultern lastet. Im Fokus des Geschehens stehen die Gutachterin Dr. Karen Schumaker und der Serienkiller Simon Cartwright, der ein unabhängiges Gutachten über seinen Geisteszustand eingefordert hat. In der Folge entwickelt sich eine ganz eigene Beziehung zwischen den beiden vollkommen unterschiedlichen Charakteren, denn während Karen versucht die Beweggründe des Mörders zu erkennen, dringt dieser immer mehr in die Gedanken der jungen Frau ein, ohne das diese es zu Beginn vermuten würde.

In ständigen Rückblenden bekommt man nun die einzelnen Morde Simon's präsentiert, wobei sich in etlichen Passagen Realität und surreale Elemente miteinander vermischen, was ganz eindeutig eine der großen Stärken dieses Filmes ist. Die Wirkung auf einen selbst ist dabei ungeheuer intensiv und an diversen Stellen wird man erst durch gezielt eingesetzte Schockmomente dazu gebracht, das man zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Unterstützt durch das sehr gelungene Schauspiel der beiden Hauptfiguren taucht man immer tiefer in Simon's Welt ein, bekommt jedoch bis zum Ende keine wirkliche Antwort auf die Frage, aus welchen Motiven er die ganzen Morde begangen hat. Das mag manch einen eventuell etwas stören, doch gerade dieser Aspekt lässt genügend Freiraum für eigene Interpretationen, die man sich aufgrund der Ereignisse zusammen reimt. Etliche Andeutungen und insbesondere die Auszüge aus der Kindheit des jungen Mannes lassen einen dabei in eine bestimmte Richtung tendieren, doch eine wirkliche Bestätigung für die eigenen Vermutungen erhält man im Prinzip zu keiner Zeit. So gestaltet sich dann auch das Ende der Geschichte eher offen und mag für viele Leute ziemlich unbefriedigend erscheinen, doch mir selbst hat der Showdown ausnehmend gut gefallen, da der Film so noch lange im Gedächtnis hängen bleibt und nachdenklich stimmt.

Auch der vorhandene Härtegrad kann sich sehen lassen, offenbart das Szenario doch einige sehr blutige Szenen, wobei man ganz besonders auf die Farbe des Blutes achten sollte. Von der Farbe rot ist dort nämlich rein gar nichts zu sehen, der Lebenssaft des Menschen tritt hier viel eher extrem dunkel bis hin zu schwarz in Erscheinung. Nun mag es sein, das ich bei diesem Punkt ein wenig zuviel in die Ereignisse hinein interpretiere, doch für mich wird an diesem Punkt die Farbe von Simon's Seele dargestellt, die sich als abgrundtief böse-und schwarz entpuppt. Dabei traut man dem jungen Mann die ganzen Greueltaten überhaupt nicht zu, erscheint er doch rein optisch wie ein braver-und schüchterner Mann, der keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Lediglich seine Augen lassen des Öfteren den nackten Wahnsinn aufflackern und in diesen Momenten möchte man ihm auf keinen Fall über den Weg laufen, da er vollkommen unkontrollierbar aussieht. "The Ugly" vereint hier wirklich fast perfekt den Psycho-Thriller mit etlichen Horror-Elementen und ist in meinen Augen ein kleines Juwel des Genres, das aber leider nie die Aufmerksamkeit erhalten hat, die diesem Film im Prinzip zustehen sollte. So wird das Werk wohl immer ein Geheim-Tipp sein, den man sich aber auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen sollte.

Scott Reynolds hat hier wirklich alles richtig gemacht und mit "The Ugly" einen jederzeit fesselnden-und äußerst spannenden Psycho-Trip geschaffen, der den Zuschauer durchgehend in seinen absolut faszinierenden Bann zieht. Die Vermischung aus realen-und surrealen Momenten wurde dabei nahezu perfekt ins Bild gesetzt und entfacht eine fast schon sogartige Wirkung, so das man selbst ganz unwillkürlich in den Strudel der brutalen Ereignisse hineingezogen wird. Ein herrlicher Genre-Mix, der auch nach mehrmaliger Sichtung nichts von seinem Reiz-und seiner Faszination verliert und dabei immer wieder erstklassige Unterhaltung bietet, die allemal lohnenswert erscheint.


Fazit:


Auch wenn es sich hier eher um einen unscheinbaren-und unterschätzten Film handelt, ist der Inhalt der Geschichte absolut grandios. Spannung von der ersten bis zur letzten Minute und ein wahnsinnig intensiver Psycho-Trip sorgen so für Unterhaltung aus dem oberen Drittel, die man sich auch gern mehrmals zu Gemüte führen kann.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 27. Mai 2013, 19:20
von horror1966
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Exquisite Tenderness - Höllische Qualen
(Exquisite Tenderness)
mit Isabel Glasser, James Remar, Sean Haberle, Peter Boyle, Malcolm McDowell, Charles Dance, Beverly Todd, Charles Bailey-Gates, Walter Olkewicz, Mother Love, Gregory West, Juliette Jeffers, Nancy Banks
Regie: Carl Schenkel
Drehbuch: Patrick Cirillo / Bernard Sloane
Kamera: Thomas Burstyn
Musik: Christopher Franke
ungeprüft
Großbritannien / Deutschland / USA / 1995

Dr. Teresa McCann ist attraktiv, gut angesehen und bei ihren Patienten beliebt. Ihr gefällt nicht, dass der Kollege Dr. Stein glaubt ein Implantat entdeckt zu haben, welches Dialyse-Patienten vor schmerzhaften Vorgängen bewahren soll. Obwohl die Forschungsreihen noch nicht beendet sind, führt er Versuche an einer Patientin durch. Daraufhin schreitet Dr. McCann ein. Bei dem Versuch der Patientin zu helfen, stirbt die Frau. McCann wird vom Dienst suspendiert, doch sie gibt nicht auf da sie weiß, dass sie das einzig Richtige tat. Zusammen mit Dr. Hendricks (James Remar) stellt Teresa Nachforschungen an. Als sie im Keller den toten Dr. Stein entdecken, wissen sie dass noch jemand mit von der Partie ist...


Carl Schenkel (Knight Moves) hat mit Exquisite Tenderness einmal mehr einen absolut gelungenen Beitrag abgeliefert, der sowohl den Thriller wie auch diverse Horror-Elemente miteinander vereint, was für eine absolut explosive Mischung darstellt, die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute bei Atem hält. Streckenweise beinhaltet der film sogar einige Slasher-Momente, denn an diversen Stellen geht das Geschehen recht hart-und blutig zur Sache, wobei jedoch sorgsam darauf geachtet wurde, das die Szenerie zu keiner Zeit überladen erscheint. Doch ehrlich gesagt ist der Härtegrad eher nebensächlich, denn seine eigentliche Stärke beziehen die Ereignisse aus dem dramaturgisch erstklassig aufgebauten Spannungsbogen, der sich auch wirklich bis zur letzten Szene aufrecht erhalten kann. Und auch wenn einige Dinge hier ziemlich vorhersehbar erscheinen, ändert das rein gar nichts an der Tatsache, das der Zuschauer hier phasenweise wie unter Strom steht, denn die Story verfügt ganz nebenbei auch über ein erstklassiges Tempo, das einen im Prinzip ganzzeitig nie zur Ruhe kommen lässt. Man kann eigentlich gar nicht anders, als sich von der faszinierenden Ausstrahlung des Filmes gefangen nehmen zu lassen, zu sehr ist doch die Intensität zu verspüren, die durch die Geschehnisse ausgelöst wird.

Das die Geschichte an sich natürlich nicht unbedingt den realistischsten Anstrich hat fällt dabei nicht weiter ins Gewicht, denn die vorhandenen Zutaten sind nahezu perfekt miteinander vermischt und geben keinerlei Anlass dazu, sich an sicherlich vorhandenen Logiklöchern zu stören. Auch im darstellerischen Bereich bekommt man wirklich gute Performances der Akteure zu sehen, wobei Sean Haberle in der Rolle des Bösewichtes eine absolute Glanzleistung an den Tag legt. Allein ein Blick in seine Augen verursacht eine Art Schüttelfrost beim Betrachter, spiegelt sich in ihnen doch der gesamte Wahnsinn wieder, der den guten Mann ganz offensichtlich befallen hat. Eine bessere Besetzung hätte man für diese Figur kaum finden können, doch auch die anderen Charaktere sind sehr gut besetzt, so das es insgesamt gesehen keinerlei Grund zur negativen Kritik gibt. Nun ist der film in story-technischer Hinsicht ganz bestimmt kein Meisterwerk, doch ist es Schenkel wie schon in "Knight Moves" absolut erstklassig gelungen, dem Zuschauer einen nicht immer absolut logischen, dafür aber umso spannenderen Film zu präsentieren, der absolut knisternde Züge trägt und allerbestens zu unterhalten weiß.

Dadurch das sich fast das gesamte Szenario in einem Krankenhaus abspielt, ergibt sich trotz weitläufiger Flure und einem riesigen Komplex teilweise eine ziemlich klaustrophobische Note, da die Polizei sämtliche Fluchtmöglichkeiten ausgeschlossen hat. Dennoch ergibt sich eine atemlose und lange vergebliche Suche nach dem ominösen Killer, der das Innere des Krankenhauses wie seine Westentasche kennt, war er doch Jahre zuvor selbst dort beschäftigt. Immer wieder versteht es der Killer zu entkommen und die Polizisten müssen ständig einen neuen Anfang starten, um seiner habhaft zu werden. Das alles geschieht auf sehr rasante und streckenweise harte Art, denn die Jagd fordert selbstverständlich auch ihre Opfer. Zusätzlich bezieht das Werk auch noch sehr viel Spannung aus einem anderen Aspekt, denn der Killer ist nämlich in der Hauptsache hinter einer ganz bestimmten Person her die ich nicht weiter benennen möchte, um anderen nicht die Vorfreude zu nehmen und zuviel zu verraten. Das Ganze hat auch einen ganz bestimmten Grund, auf den an dieser Stelle selbstverständlich nicht näher eingegangen wird.

Im Endeffekt ist "Exquisite Tenderness" ganz sicher kein filmischer Meilenstein, bietet aber faszinierende Unterhaltung, die man sich immer wieder gut anschauen kann. Warum sich bisher niemand erbarmt hat diesem Film eine offizielle-und deutschsprachige Veröffentlichung zu spendieren ist schwer nachvollziehbar, hätte es das Werk doch auf jeden Fall verdient. Sind doch sämtliche Komponenten für einen extrem gelungenen Seh-Genuss vorhanden und wunderbar verpackt worden, so das eigentlich jeder Genre-Fan seine helle Freude an dieser Geschichte haben sollte.


Fazit:


Man sollte nicht unbedingt gesteigerten Wert auf die Glaubwürdigkeit der vorhandenen Story legen, sondern sein Hauptaugenmerk vielmehr auf die erstklassige Atmosphäre des Geschehens legen, dann erlebt man hier auf keinen Fall eine Enttäuschung. Gute Darsteller runden das Ganze sehr gut ab, so das man bis auf diverse Kleinigkeiten von einem richtig überzeugenden Horror-Thriller sprechen kann, der auf jeden Fall empfehlenswert erscheint.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 28. Mai 2013, 10:33
von horror1966
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Red Nights
(Les Nuits rouges du bourreau de jade)
mit Frédérique Bel, Carrie Ng, Carole Brana, Stephen Wong Cheung-Hing, Kotone Amamiya, Maria Chen, Jack Kao, Chi-Kui Fong, Leon Hill
Regie: Julien Carbon / Laurent Courtiaud
Drehbuch: Julien Carbon / Laurent Courtiaud
Kamera: Man-Ching Ng
Musik: Alex Cortés / Willie Cortés
keine Jugendfreigabe
Belgien / Frankreich / Hongkong / 2009

Schmerz und Lust, vereint in sadistischer Ekstase. Carrie, eine Kunstmäzenin aus Hongkong, möchte unbedingt eine geheimnisvolle Box besitzen, die einst dem ersten Kaiser von China gehörte. Ihr Inhalt: Ein tödliches Gift, das seinen Opfern sinnliche Grenzerfahrungen ermöglicht. Carrie spinnt ein sadistisches Netz um die aktuelle Besitzerin der Box, eine mysteriöse Französin namens Catherine, und reißt sie in eine Hölle aus sadomasochistischer Erotik und exzessiver Gewalt. Nur wer leidet, kann auch ultimative Sexualität verspüren.


Es ist schon ein beeindruckendes Regie-Debüt, das Julien Carbon und Laurent Courtiaud hier auf den Weg gebracht haben. Eine gelungene Mixtur aus Krimi, Thriller-und Erotik mit leichten Anleihen des asiatischen Cat III Filmes sorgt dabei für ein gelungenes Film-Erlebnis, das den Zuschauer auch noch nachhaltig beschäftigt. Ein Kritikpunkt könnte für viele Leute eventuell die stille-und bedächtige Erzählweise der Geschichte sein, die im Prinzip nicht sonderlich viel Tempo beinhaltet, aber gerade durch diesen Aspekt ihre volle Wirkung erzielen kann. Was wie ein stinknormaler Thriller beginnt, tendiert nach einer gewissen Zeit doch eher in eine Richtung, in der erotische Anspielungen und ein Hauch von SM im Mittelpunkt stehen, ohne das sich die Geschichte dabei über die Grenzen des Erträglichen hinaus bewegt. Dennoch beinhaltet das Geschehen auch einige wirklich blutige Szenen und einen sehenswerten Härtegrad, der dem Betrachter auch phasenweise unter die Haut geht.

Unterstützt wird das Ganze von größtenteils sehr farbenprächtigen Bildern, wobei das Farbenspiel einen stellenweise schon an den italienischen Genre-Film erinnert. An dieser Stelle ergibt sich aber auch gleichzeitig die vielleicht einzige kleine Schwäche des Szenarios, wurde doch stark darauf geachtet, die visuelle Seite der Geschichte in den Vordergrund zu rücken, wobei der Inhalt des Geschehens ein wenig auf der Strecke bleibt. Das soll jetzt zwar nicht bedeuten, das die Handlung nichts taugen würde, aber an diversen Stellen erscheint einem das Geschehen ein wenig unrund und es gibt ganz einfach zu wenig Hintergrund-Informationen, was den Gesamteindruck dann doch ein wenig trübt. Und dennoch strahlt der Film eine ganz eigene Faszination aus, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann, denn die befremdlich erscheinende Welt die man hier betritt, hinterlässt einen bleibenden Eindruck und regt gleichzeitig auch die Sinne des Betrachters an. Die dabei ausgehende Intensität des Ganzen verstärkt sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr und man kann es auch nicht verhindern, das einem streckenweise kalte Schauer über den Rücken laufen.

Dies geschieht zumeist, wenn man mit der Hauptfigur Carrie Chan konfrontiert wird, denn diese Frau strahlt einerseits eine unglaubliche Kälte aus, was ihr aber gleichzeitig auch eine faszinierende Aura verleiht, die man kaum mit Worten beschreiben kann. So ist die gute Frau dann auch Dreh-und Angelpunkt der Ereignisse, setzt sie doch Himmel und Hölle in Bewegung, um irgendwie in den Besitz des ominösen Giftes zu kommen, damit sie ihre diabolischen Experimente an Menschen durchführen kann. Die dabei gezeigten Passagen gestalten sich ziemlich hart und wenn man sich dabei einmal in die Lage der Opfer versetzt, kann einen schon das kalte Grauen überkommen. Man kann sich selbst kaum vorstellen, welch diabolische Freude es manchen Menschen bereiten kann, wenn sie ihre sadistische Veranlagung an anderen ausprobieren können und dabei ein hohes Gefühl der Befriedigung verspüren. Darstellerisch wird das absolut exzellent ins Bild gerückt, denn sämtliche Akteure liefern hier absolut überzeugende Leistungen ab, die das Geschehen erschreckend realistisch erscheinen lassen.

Insgesamt gesehen ist "Red Nights" ein Film, der sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, handelt es sich doch um einen zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftigen Genre-Mix, der phasenweise nicht leicht zu verdauen ist. Wer jedoch seine Freude an etwas außergewöhnlichen Werken hat ist hier bestens aufgehoben, stellt der Film doch allein schon in visueller Hinsicht einen absoluten Leckerbissen dar.


Fazit:


"Red Nights" ist ganz bestimmt kein handelsüblicher Mainstreamer, bietet aber auf jeden Fall absolut sehenswerte Filmkost. Manchmal schwer verdaulich, aber mit einer unglaublichen Intensität ausgestattet schafft es das Geschehen fast schon spielend, den Zuschauer in eine bizarre Welt des Schmerzes zu entführen, die jedoch zu keiner Zeit die üblichen Grenzen überschreitet.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 28. Mai 2013, 17:55
von horror1966
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Der Admiral - Krieg im Pazifik
(Rengô kantai shirei chôkan: Yamamoto Isoroku)
mit Kôji Yakusho, Hiroshi Abe, Shûichi Azumaya, Mitsugorô Bandô, Akira Emoto, Yoshihiko Hakamada, Mieko Harada, Masatô Ibu, Shunji Igarashi, Yûsuke Iizuka, Jun Itô, Teruyuki Kagawa
Regie: Izuru Narushima
Drehbuch: Yasuo Hasegawa / Kenzaburô Iida
Kamera: Takahide Shibanushi
Musik: Tarô Iwashiro
FSK 16
Japan / 2011

7. Dezember 1941: Mehr als 350 japanische Kampfflugzeuge starten in den frühen Morgenstunden einen Überraschungsangriff auf den US-Marinestützpunkt auf Pearl Harbor, Hawaii. Etwa 2.500 US-Militärangehörige verlieren an diesem Morgen ihr Leben. Der Angriff veranlasst die USA, vollständig in den Zweiten Weltkrieg einzutreten.

Admiral Yamamoto, Oberbefehlshaber der japanischen Flotte, ist der führende Kopf hinter dem Angriff auf Pearl Harbor und zahlreicher Seeschlachten im Pazifik u.a. in der Schlacht um Midway. Yamamoto hatte sich lange gegen das Bündnis mit dem deutschen Reich gewehrt und sich offen gegen einen Krieg mit Amerika ausgesprochen. Dennoch erfüllt er seine soldatische Pflicht, als er den Angriffsbefehl erhält. Dieses epische Meisterwerk erzählt die Geschichte des militärischen Genies, der in seiner Heimat bis heute als Held verehrt wird.



"Der Admiral - Krieg im Pazifik" ist eigentlich nicht der handelsübliche Kriegsfilm, in dem man dem Zuschauer große-und bildgewaltige Schlachten präsentiert, vielmehr handelt es sich hier um ein Werk, das die Biographie des berühmten Admirals Yamamoto Isoroku darstellt, der unter anderem den Angriff auf Pearl Harbor geplant hat. Die Geschichte befasst sich auch in der Hauptsache mit dem innerlichen Zwiespalt des Mannes, der im Prinzip alles versucht hat, damit Japan nicht in den 2. Weltkrieg eintritt, letztendlich aber doch seine erhaltenen Befehle vom Oberkommando ausgeführt hat. Manch einem mag die Story eventuell etwas langatmig-und zäh vorkommen, denn nicht gerade wenige Leute werden hier die bombastischen Kriegs-Passagen vermissen, die manch anderer Genre-Vertreter sein Eigen nennt. Doch gerade hier offenbart vorliegendes Werk seine eigentliche Stärke, denn das dargebotene Szenario wirkt jederzeit absolut authentisch und glaubwürdig, zudem verhält es sich ja auch nicht gerade so, als wenn das Geschehen vollkommen ohne jegliche Action inszeniert wurde.

Der Unterschied zu anderen Vertretern dieser Art besteht ganz einfach darin, das die enthaltenen Kriegs-Szenen in keiner Phase übertrieben oder reißerisch dargestellt werden, hier entsteht stattdessen ein eher nüchterner, aber unglaublich realistischer Eindruck der Ereignisse, der von guten FX noch zusätzlich unterstützt wird. Setzen andere Kriegsfilme ihr Hauptaugenmerk auf explizite Gewaltdarstellungen und unterstützen dies auch noch durch diverse Nahaufnahmen, so bekommt man hier lediglich das zu sehen, was für die Geschichte an sich notwendig ist. Natürlich mag es aufgrund dieses Aspektes an manchen Stellen an der nötigen Intensität mangeln, so ergibt sich diese doch aber durch das gewonnene Gesamtbild, das weit mehr bietet als harte Action. Hier wird die Geschichte eines Mannes erzählt, dessen Ansinnen es offensichtlich immer nur wahr, sein Land und den Frieden zu erhalten, so paradox sich das jetzt auch mit seinen im Film dargestellten Taten aufzeigt. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, das Regisseur Izuru Narushima auch nicht die Schlachten im Pazifik, sondern die Figur des Yamamoto in den Vordergrund rückt.

Man bekommt einen äußerst guten Eindruck über den inneren Zwiespalt des Mannes, der sich zwar dem japanischen Kaiserreich verpflichtet fühlt, aber gleichzeitig gegen seine inneren Dämonen ankämpfen muss, um die ihm aufgetragenen Befehle auch auszuführen. Spürt er doch praktisch den Druck eines ganzen Landes, denn innerhalb Japans herrscht die vorhellige Meinung, das nur die Teilnahme am Krieg die am Boden liegende Wirtschaft wieder ankurbeln kann. Dies kommt besonders gut in den Passagen zum Ausdruck, in denen der Admiral immer wieder Besuch von der Presse erhält, die seine anfängliche Weigerung als Schwäche auslegt und an seinen Patriotismus appelliert. Trotz des schier immensen Drucks bekommt man es hier mit einem scheinbar in sich ruhenden Menschen zu tun, was sicherlich auch an der grandiosen Performance von Hauptdarsteller Kôji Yakusho liegen mag, der die Figur absolut brillant interpretiert. So empfindet man auch durchaus Symphatie mit diesem Mann, der jede seiner Entscheidungen wohl abwägt und sich dabei keinerlei unbedachte Schnellschüsse leistet. So ruhig wie er selbst gestaltet sich im Prinzip auch der gesamte Film, der nie in unnötige Hektik verfällt und viel eher durch seine ruhigen-und bedachten Töne ins Auge fällt.

Und so präsentiert sich im Endeffekt eine Geschichte, die sich wohlwollend von anderen Kriegs-Szenarien abhebt. Trotz seiner eher unspektakulären Inszenierung entfacht das Geschehen viel Faszination und gibt einem einen sehr guten Einblick in Geschehnisse des 2. Weltkrieges, wie sie sich eventuell wirklich abgespielt haben. Was manch einem nun vielleicht zu langatmig erscheinen mag, trägt meiner persönlichen Meinung nach schon fast epische Züge und liefert dabei ein Gesamtbild ab, das man nur als grandios bezeichnen kann. Abseits der ansonsten teilweise vollkommen mit Action überlagerten Kriegsfilme bekommt der Zuschauer es hier mit einem Werk zu tun, das sich mehr mit Hintergründen und den Gedanken eines Menschen beschäftigt, dessen handlungen entgegen seiner inneren Überzeugung angesiedelt sind. Das alles wurde absolut hervorragend in Szene gesetzt, so das man diesen hervorstechenden Film nur wärmstens weiterempfehlen kann, denn eine Sichtung ist allemal lohnenswert.


Fazit:


"Der Admiral - Krieg im Pazifik" gestaltet sich ein wenig anders, als wie man es von einem Kriegsfilm erwartet. Gerade deswegen ist hier aber auch eine außergewöhnlich gute Produktion gelungen, die auch ohne pompöse Schlachten jederzeit zu überzeugen weiß. Exzellente Darsteller runden das ganze Szenario perfekt ab, so das man hier gut 135 Minuten beste Unterhaltung serviert bekommt.


8,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 29. Mai 2013, 19:10
von horror1966
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Casablanca
(Casablanca)
mit Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Paul Henreid, Claude Rains, Conrad Veidt, Sydney Greenstreet, Peter Lorre, S.Z. Sakall, Madeleine Lebeau, Dooley Wilson, Joy Page, John Qualen, Leonid Kinskey
Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Julius J. Epstein / Philip G. Epstein / Howard Koch
Kamera: Arthur Edeson
Musik: Max Steiner
FSK 6
USA / 1942

Während des Zweiten Weltkrieges betreibt der zynische Amerikaner Rick Blaine eine Bar in Casablanca, in der eines Tages der vor den Nazis geflohene Widerstandskämpfer Victor Laszlo mit seiner Frau Ilsa auftaucht. Von Nazi-Major Strasser verfolgt hoffen sie, dass ihnen Rick zur Flucht in die USA verhelfen kann. Nach anfänglicher Weigerung erfüllt Rick, der früher eine Affäre mit Ilsa hatte, ihren Wunsch. Kurz vor dem Abflug muss sich Ilsa endgültig zwischen den beiden Männern entscheiden.


Wenn man von den ganz großen Klassikern der Filmgeschichte spricht, dann fällt ganz automatisch auch immer wieder der Titel "Casablanca", der einerseits eine unglückliche Liebesbeziehung thematisiert, in seiner Hauptsache aber eigentlich vielmehr ein äußerst spannendes Kriegs-Drama darstellt. Wohl kaum ein anderes Werk beinhaltet so viele Zitate, die auch in der heutigen Zeit noch absoluten Kultstatus haben, wobei das bekannteste wohl immer noch Bogey's "Ich sehe dir in die Augen Kleines" sein dürfte, das im Prinzip jeder Film-Fan kennen dürfte, ganz egal wie immer er auch zu diesem zeitlosen Meisterwerk stehen sollte. Man kann es eigentlich nicht an einer bestimmten Sache festmachen, warum das Werk von Michael Curtiz diese Ausnahmestellung in der Filmwelt inne hat, aber schon nach wenigen Minuten verspürt man diese ganz einzigartige Faszination, die von der Geschichte ausgeht. Spätestens ab dem zeitpunkt, wenn man das erste Mal als Zuschauer "Rick's Americain Cafe" betritt, kann man sich dem magischen Bann von "Casablanca" nicht mehr entziehen und taucht immer tiefer ein in die Faszination des marokkanischen Schmelztiegels, der den Dreh-und Angelpunkt für viele Menschen darstellt, die Europa wegen der Nazis verlassen haben und die Stadt als Zwischenstation auf dem Weg nach Amerika benutzen. Die Atmosphäre in dieser Location kann man kaum in Worte fassen, aber es geht eine fast magische Wirkung von ihr aus, die den Betrachter in eine andere Welt zieht, in der man die Schrecken des Krieges wenigstens zeitweise hinter sich lassen kann und sich trotz der immer vorhandenen Präsenz einiger Nazis wohl fühlen kann.

Nun wird "Casablanca" zumeist immer als tragische Liebesgeschichte beschrieben und in gewisser Art und Weise trifft das auch durchaus zu, doch der Film beinhaltet weitaus mehr als schnulzige Passagen, in denen Humphrey Bogart und die bildhübsche Ingrid Bergman im Fokus der Ereignisse stehen. Für mich jedenfalls ist es eigentlich der Hintergrund des Untergrundkämpfers Victor Laszlo (Paul Henreid), der den eigentlichen Reiz des Szenarios ausmacht und im Prinzip auch der Hauptbestandteil dieser spannenden Geschichte ist. Die Romanze von Bogart und Bergman ist lediglich der Aufhänger, um den Ereignissen den nötigen melodramatischen Touch zu verleihen, damit der Film in seiner Gesamtheit gesehen einen so befriedigenden Eindruck hinterlässt, das man in sich auch nach über 70 Jahren immer wieder gern anschaut. Es ist ganz einfach die wunderbar gelungene Kombination aus Romantik und Drama, die einen die ganze Zeit über fesselt und auch nachhaltig beeindruckt, denn wenn man "Casablanca" einmal gesehen hat, lässt einen dieser Film nie wieder los. Das liegt selbstverständlich auch an den grandios agierenden Darstellern, allein die Performance von Bogart als zynischer Cafe-Besitzer ist eine wahre Augenweide, doch auch sämtliche Figuren sind durch die Bank brillant besetzt. So kann man auch in einer eher kleineren Rolle den großen Peter Lorre ( M - Eine Stadt sucht einen Mörder) sehen, dessen Part aber leider viel zu klein ausgefallen ist.

Nun handelt es sich hier um eine Story, in der im Prinzip überhaupt keine Action vorhanden ist, zudem ist die Erzähl-Struktur äußerst ruhig-und bedächtig gehalten. Vielmehr hat Michael Curtiz sorgsam darauf geachtet, seine Erzählung mit grandiosen Dialogen zu füllen, von denen etliche in den letzten Jahrzehnten einen unglaublichen Bekanntheitsgrad erlangt haben, wie es in wohl kaum einem anderen Film der Fall ist. Zudem handelt es sich hierbei keinesfalls um banale Wortwechsel, denn in vorliegendem Szenario ist alles dermaßen perfekt aufeinander abgestimmt, das man den Schauspielern phasenweise richtig an den Lippen hängt und begierig darauf wartet, welche brillanten Worte diese in den nächsten Sekunden verlassen werden. Sicherlich wird es auch genügend Leute geben, die diese Faszination und Leidenschaft nicht für "Casablanca" aufbringen können, denn für viele handelt es sich wohl eher um einen angestaubten Klassiker, der in der heutigen zeit einfach nicht mehr modern ist. Dabei handelt es sich hier wirklich um ein Werk, das auch die nächsten Jahrhunderte locker überstehen wird und dabei ganze Generationen begeistert, denn der magischen Wirkung der Ereignisse kann man sich einfach nicht verweigern. Dazu gehört auch das extrem melodramatische Ende der Story, bei dem natürlich auch ganz gehörig auf die Tränendrüse gedrückt wird.

Letztendlich ist es wie immer reine Geschmackssache, doch handelt es sich hier um einen der wenigen Filme, die ohne jegliches Spektakel dennoch einen so bleibenden Eindruck hinterlassen, das man sie in regelmäßigen Abständen immer wieder anschauen muss. Und auch wenn man im Prinzip gar nicht so genau weiß, worin die Besonderheit dieser Geschichte liegt, so nimmt man diese Punkt ganz einfach hin und lässt sich gern immer wieder in die magische Welt von "Casablanca" versetzen. Eine äußerst ruhige, aber sehr spannende Geschichte, eine grandios agierende Darsteller-Riege und sensationelle Dialoge ergeben hier ein Gesamtbild, das man einfach nur als herausragend bezeichnen kann. Und so redet man an dieser Stelle vollkommen zu recht von einem der besten Filme aller Zeiten, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient.


Fazit:


Bis vor einigen Jahren habe ich mich diesem Klassiker immer erfolgreich verweigert, bevor dann doch die Neugier siegte und ich doch eine Sichtung wagte, um endlich einmal mitreden zu können. Von der ersten Minute an hat mich die Geschichte in ihren magischen Bann gezogen und so mein Film-Herz im Sturm erobert. Nichts war zu sehen von der so oft bezeichneten Schmonzette, stattdessen präsentiert sich ein richtig interessantes Szenario, das auch nach über sieben Jahrzehnten rein gar nichts von seiner faszinierenden Wirkung eingebüßt hat.


10/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 30. Mai 2013, 15:39
von horror1966
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Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill
(Brand of Shame)
mit Steve Stunning, Cara Peters, Steve Vincent, Darlene Darling, Vic Sav, Dan Martin, Red Rivers, Marsha Jordan, Samantha Scott, Linda Cochran, David F. Friedman, Kathy Williams
Regie: Byron Mabe
Drehbuch: Gene Radford / David F. Friedman
Kamera: Andreas Demmer
Musik. Walter Baumgartner / William Allen Castleman / Peter Graf
FSK 16
Deutschland / USA / 1968

Der Wilde Westen: wo Männer noch echte Männer und Frauen noch echte Frauen sind! Mit der Karte zur Goldmine ihres verstorbenen Vaters im Gepäck, reist die süße Lehrerin Rachel Clark ins geile Dörfchen Porno Hill. Schon auf der Kutschfahrt in das heiße Nest begegnet sie Django, dem schärfsten Schützen im Wilden Westen. Natürlich bietet ihr der stramme Cowboy an, mit ihr zu… schürfen! Doch Gefahr braut sich zusammen, denn ungewaschene Schurken und eine lesbische Bordellbesitzerin wollen der armen Rachel ans Gold und an die Wäsche. Wird Django sie retten und mit ihr gemeinsam im Sonnenuntergang reiten?


Der etwas andere Western!


So ungefähr könnte man das beschreiben, was sich einem hier präsentiert. Andererseits würde das der Sache nicht annähernd gerecht werden und Fans des Western-Films wohl auch eher verärgern. "Django Nudo" ist ganz einfach nicht mit dem normalen Maßstab zu messen und schon der Titel des Filmes deutet doch ganz eindeutig darauf hin, in welche Richtung das Szenario letztendlich tendiert. Das Erstaunliche ist hier wirklich das dem dargebotenen Nonsens sogar ein Drehbuch zu Grunde liegen soll, was man sich nach Ansicht der Geschichte im Prinzip überhaupt nicht vorstellen kann. Doch sollte man dieses obskure Werk auch keinesfalls nach seinem Inhalt bewerten, der eigentlich so gut wie überhaupt nicht vorhanden ist, vielmehr steht hier der reine Unterhaltungswert im Vordergrund. Und wenn man eine gewisse Vorliebe für skurrile-und vollkommen absurde Szenarien sein Eigen nennt, dann ist dieser auch relativ hoch angesiedelt. "Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill" dürfte sich dabei in erster Linie als Partyfilm eignen, denn in einer geselligen Runde mit mehreren Leuten und jeder Menge Alkohol könnte sich einem hier eine regelrechte Spaß-Granate offenbaren, bei der man auf aufgrund des hohen Trash-Anteils zwar nicht gerade niveauvoll, dafür jedoch umso kurzweiliger unterhalten wird.

Ausschlaggebend dafür ist mit Sicherheit die deutsche Synchronisation, denn was man hier in den sogenannten Dialogen geboten bekommt, geht schon fast auf keine Kuhhaut mehr. Von ständigen sexuellen Anspielungen und etlichen Kraftausdrücken (die aber allesamt weg gepiepst werden) durchzogen ergeben sich stellenweise die urigsten verbalen Schlagabtausche, die dem Zuschauer streckenweise die Tränen in die Augen treiben. Das sich dadurch fast durchgehend eine total groteske Situationskomik offenbart dürfte schon fast zwangsläufig auf der Hand liegen und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das man das gesamte Szenario zu keiner Zeit auch nur annähernd ernst nehmen-geschweige denn als "Western" bezeichnen kann. Denn dafür sprechen lediglich die Sets des Geschehens, alles andere ist ausschließlich ein wunderbarer Klamauk, der aber auch ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen wird.

Dazu ist die ganze Choose nämlich streckenweise schon zu überzogen-und auch recht albern dargestellt, andererseits kommt einem dies in dieser Geschichte überhaupt nicht als störend vor, passt doch eigentlich alles perfekt zusammen in dieser hanebüchenen Story, die einzig und allein auf die Lachmuskeln des Betrachters abzielt. Und natürlich handelt es sich zudem auch noch um einen echten Männerfilm, wird doch jede Menge nacktes Fleisch geboten, wobei einige Damen der Schöpfung zur damaligen Zeit gar nicht einmal so schlecht aussahen. Und so ergibt sich dann auch ein Gesamteindruck, den man im Prinzip ausschließlich aus der Sicht des Trash-Filmes bewerten kann, denn nach normalen filmischen Regeln handelt es sich viel eher um eine echte Katastrophe.

Letztendlich wird "Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill" sicher nicht dem breiten Mainstream-Publikum zugänglich sein, handelt es sich doch um ein äußerst spezielles Filmchen, das nur eine bestimmte Zielgruppe auch wirklich ansprechen dürfte. Wer also eine gewisse Qualität erwarten sollte, der darf erst gar nicht daran denken, sich diese Geschichte anzuschauen, wer jedoch ein Faible für den schlechten Geschmack und echte Trash-Granaten hat, der kommt hier voll auf seine Kosten und dürfte phasenweise aus dem Lachen nicht mehr herauskommen. Dafür sorgt allein die deutsche Synchro, die ganz eindeutig der absolute Höhepunkt dieses Filmes ist, den man nicht mehr so schnell vergessen wird.


Fazit:


Das Gehirn auf Leerlauf stellen, ohne jeglichen Anspruch an das Geschehen herangehen und sich auf eine absurde Synchronisation einstellen, das sind drei Punkte, die man bei diesem Film auf jeden Fall beherzigen sollte, denn ansonsten wird man mit "Django Nudo" nicht viel anfangen können.


als Film 2/ 10

als purer Trash 7,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Fr 31. Mai 2013, 10:02
von horror1966
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Dellamorte Dellamore
(Dellamorte Dellamore)
mit Rupert Everett, François Hadji-Lazaro, Anna Falchi, Mickey Knox, Fabiana Formica, Clive Riche, Katja Anton, Barbara Cupisti, Anton Alexander, Pietro Genuardi, Patrizia Punzo, Stefano Masciarelli
Regie: Michele Soavi
Drehbuch: Gianni Romoli / Tiziano Sclavi
Kamera: Mauro Marchetti
Musik: Riccardo Biseo / Manuel De Sica
FSK 18
Deutschland / Frankreich / Italien / 1984

In einem kleinen Ort in der Lombardei, der Buffalora heißt, gibt es einen kleinen Friedhof. Hier arbeitet der junge Francesco Dellamorte und sein geistig zurückgebliebener Assistent Gnaghi. Das ist aber kein normaler Friedhof, denn alle Toten, die hier beerdigt werden, stehen nach sieben Tagen wieder als Zombie auf. Francesco und Gnaghi müssen genau aufpassen, daß sie auch alle Zombies erwischen und mittels Pistole oder Hacke wieder zurück ins Jenseits zu befördern. Besonders viel Arbeit hat er, als ein Bus voller Touristen bei seinem Ort an einem Hang verunglückt und die Opfer auf seinem Friedhof begraben werden...Eines Tages lernt er ein hübsches Mädchen kennen und lieben, doch sie stirbt und als sie sieben Tage später wieder von den Toten aufersteht, muß er sie ebenfalls töten. Von hier an scheint der ganze Wahnsinn, der ihn sein Leben lang begleitet hat, auch etwas auf ihn abzufärben...


Michel Soavi (Aquarius) hat mit "Dellamorte Dellamore" wohl einen der außergewöhnlichsten Genre-Beiträge überhaupt abgeliefert, präsentiert sich hier doch ein etwas anderer Horrorfilm, der phasenweise wie eine wunderbare Schauer-Mär daher kommt und manchmal schon märchenfafte Züge trägt. Gleichzeitig wurde dem Szenario aber auch eine Menge Humor einverleibt und an einigen Stellen erscheint einem das Ganze fast schon ein wenig trashig. Die Location des alten Friedhofs sorgt dabei für eine ideale Grundstimmung und die Ereignisse auf diesem sorgen beim Zuschauer für die ein-oder andere gepflegte Gänsehaut. Soavi hat es erstaunlich gut verstanden, seiner Geschichte eine morbide Ästhetik zu verleihen, denn ganz egal wie absurd sich einige Passagen präsentieren, so ästhetisch wurden sie doch ins Bild gesetzt. Auch die diversen Nacktszenen des Filmes bringen diesen Aspekt sehr gut zur Geltung, wirken sie doch trotz des morbiden Schauplatzes elegant und kunstvoll, bevor sie dann letztendlich durch eine Zombie-Attacke zerstört werden. Selten hat man ein so skurriles Treiben beobachtet, das sich mit der Thematik Liebe und Tod beschäftigt und das dabei so viele verschiedene Fawcetten offenbart, das dadurch ein extrem kurzweiliges Film-Vergnügen entsteht, das den Betrachter durchgehend bei Laune hält.

Soavi hat sein Hauptaugenmerk nicht unbedingt auf den enthaltenen Härtegrad gelegt, denn obwohl man einige nette Einstellungen geboten bekommt, wirkt "Dellamorte Dellamore" zu keiner Zeit überladen und offenbart seine härteren Passagen sehr gut über die gesamte Laufzeit verteilt. Im Vordergrund steht vielmehr der streckenweise tief-schwarze Humor, der sich nicht nur in den Dialogen, sondern hauptsächlich in herausragender Situationskomik zu erkennen gibt. Gleichzeitig ist man von der visuellen Ausstrahlung des Geschehens zunehmend fasziniert, beinhaltet sie doch eine magische Komponente, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Ganz egal, wie absurd und makaber diverse Einstellungen erscheinen, sie vermitteln doch jederzeit den Eindruck, das man sich hier in einer Art Märchen befindet, das äußerst morbide Züge trägt. Ein ganz wichtiger Bestandteil dieses fantastischen Filmes sind sicherlich die Darsteller, die allesamt durch hervorragende Leistungen überzeugen können. Hervorheben muss man jedoch Rupert Everett, der in der Rolle des Francesco Dellamorte eine wahre Glanzleistung abliefert. In der Beziehung zu seinem geistig zurückgebliebenen Helfer Gnaghi liegt dann auch ein besonderer Reiz, offenbart sich doch insbesondere im Umgang der beiden untereinander so viel Humor, das es eine wahre Pracht ist.

Insbesondere die Charakter-Veränderung von Dellamorte wird hier ganz hervorragend in den Fokus gerückt, denn nimmt der junge Mann zu Beginn noch eher unbeteiligt die Tatsache hin, das die Toten auf seinem Friedhof nach einigen Tagen wieder auferstehen, so verändert sich sein Wesen doch mit der Zeit ganz erheblich. Durch den Tot seiner Geliebten und einiger anderer skurrilen Dinge springt der Wahnsinn mit der Zeit auch auf ihn über und man bekommt es nun mit einem Mann zu tun, der auch nicht davor zurückschreckt, einige Morde zu begehen. Everett legt an dieser Stelle eine Performance an den Tag die sich wirklich sehen lassen kann und drückt der Geschichte damit seinen ganz persönlichen Stempel auf. Man merkt also, das man hier ein wunderbares Gesamtpaket serviert bekommt, das sich doch in etlichen Dingen sehr wohlwollend von den handelsüblichen Horrorfilmen abhebt. Soavi präsentiert mit "Dellamorte Dellamore" ein wahres Kunstwerk und gleichzeitig ein absolutes Juwel des Genres, das allerdings nie die Beachtung erlangt hat, die es aufgrund der vorhandenen Qualität sicherlich verdient hätte. Nur ganz selten bekommt man nämlich eine so außergewöhnlich gute Kombination geboten, wie sie sich einem hier präsentiert.

Letztendlich liegt es wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, doch meiner persönlichen Meinung nach handelt es sich hier um einen Film, der das Genre ungemein bereichert hat. Der Spagat zwischen Horror, Märchen, Komödie-und teilweise extrem skurrilen Momenten ist absolut herausragend gelungen und bietet so eine Geschichte, die kurzweilig, spannend und äußerst atmosphärisch in Szene gesetzt wurde. Die morbide Ästhetik des Geschehens strahlt dabei eine unglaublich starke Faszination aus und zieht einen dabei in einen sogartigen Strudel der Ereignisse, aus dem es kein Entkommen gibt.


Fazit:


"Dellamorte Dellamore" ist ein visuell sehr ansprechendes Horror-Märchen, das dem Zuschauer des Öfteren den Eindruck vermittelt, sich zwischen den Grenzen von Realität und Fiktion zu bewegen. Erstklassiger Humor, harte Passagen und wunderbar agierende Schauspieler servieren im Einklang mit der bedrohlich-morbiden Atmosphäre ein grandioses Seh-Vergnügen, das man sich immer wieder gut anschauen kann, ohne das die Geschichte etwas von ihrem ganz speziellen Reiz verliert.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Fr 31. Mai 2013, 16:10
von horror1966
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Rites of Spring
(Rites of Spring)
mit Katherine Randolph, Anessa Ramsey, Sonny Marinelli, AJ Bowen, Shanna Forrestall, Marco St. John, Skylar Burke, Andrew Breland, Hannah Bryan, Sarah Pachelli, Amile Wilson, James Bartz
Regie: Padraig Reynolds
Drehbuch: Padraig Reynolds
Kamera: Carl Herse
Musik: Holly Amber Church
keine Jugendfreigabe
USA / 2011

Rachel und ihre beste Freundin werden nachts von einem mysteriösen Fremden überwältigt und entführt. Beide sollen als Opfer in einem blutigen Ritual dienen. Zur gleichen Zeit, an einem anderen Ort, entführen Ben und seine Komplizen die Tochter eines Industriellen. Bei der geplanten Lösegeldübergabe passiert es. Aus dem Nichts taucht die vollkommen verstörte Rachel auf, die sich auf der Flucht vor ihren Peinigern befindet. Ihr dicht auf den Fersen: ein grauenhaftes Wesen!


Und wieder einmal nähern wir uns dem Langfilm-Debüt eines Regisseurs (Padraig Reynolds), das zwar nicht unbedingt durch eine Menge neuer Ideen auf sich aufmerksam macht, dafür jedoch eine Genre-übergreifende Kombination anbietet, die sich durchaus sehen lassen kann. Was nämlich wie der typische Torture Porn beginnt, offenbart durch einen zweiten Erzählstrang ein waschechtes Entführungsdrama, um dann letztendlich zum handelsüblichen Slasher-Movie zusammenzulaufen. Nun hört sich das sicherlich im ersten Moment nicht gerade weltbewegend an, doch Padraig Reynolds ist es wirklich äußerst gut gelungen, die einzelnen Elemente miteinander zu verbinden und so letztendlich einen insgesamt wirklich sehenswerten Film zu kreieren. Zugegebenermaßen dauert es eine geraume Weile, bis die Geschichte so richtig auf Touren kommt, denn über die Hälfte der Laufzeit dreht sich in erster Linie um eine Entführung und die Folterung zweier junger Mädchen. Erst danach laufen die Stränge zusammen und der eigentliche Killer tritt in den Vordergrund des Geschehens. Näher bezeichnen kann man dieses Wesen eigentlich nicht und genau bei diesem Aspekt liegt auch das Entwicklungs-Potential von "Rites of Spring" begründet, denn der mit einer Laufzeit von gerade einmal gut 73 Minuten ziemlich knapp bemessene Film lässt etliche Fragen offen und lässt durch sein doch recht offenes Ende zumindest eine Fortsetzung der Ereignisse offen.

Diese wäre im Prinzip sogar fast zwingend notwendig, um dem Zuschauer ein runderes Bild des Geschehens zu präsentieren, wird hier doch eine Menge angedeutet, aber nicht zufriedenstellend erklärt. Gleichzeitig soll es sich ja laut "brutalashell.com" um einen neuen Slasher-Killer mit Kult-Charakter handeln, was dann aber doch erst einmal in eventuell weiteren Fortsetzungen unter Beweis gestellt werden müsste. Die Ansätze sind zwar durchaus vorhanden, doch um einen solchen Status zu erreichen, gehört doch noch eine Menge mehr dazu, als die diversen Puzzle-Teilchen, die einem hier angereicht wurden, die aber noch lange nicht vollständig erscheinen und so kein großes Ganzes ergeben. Und so kann man die vorliegende Geschichte sozusagen als Appetit-Anreger ansehen und ansonsten nur die Hoffnung hegen, das an dieser Stelle noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Wie dem aber auch sei, das Szenario ist durchgehend äußerst interessant-und spannend in Szene gesetzt wurden und eröffnet durch die ständigen Wendungen seinen ganz besonderen Reiz. Atmosphärische gesehen entwickeln sich zunächst eher recht dramatische Züge, bevor dann im letzten Film-Drittel eine immer dichter-und bedrohlicher anschwellende Grundstimmung Einzug hält, die einem phasenweise kalte Schauer über den Rücken jagt.

Auch härtere Passagen gibt es zu sehen, wobei man sich bei diesem Gesichtspunkt doch eine ganze Weile gedulden muss, denn die wirklich blutigeren Effekte bietet "Rites of Spring" erst ab dem Zeitpunkt, wenn der ominöse und nicht näher zu bezeichnende Killer auf den Plan tritt. Nun handelt es sich zwar nicht gerade um ein regelrechtes Spektakel an SFX das auf den Zuschauer zukommt, doch wirklich gespart wird andererseits auch nicht mit diversen nett anzuschauenden Passagen. Und genau das macht meiner Meinung nach auch die Stärke dieses leider etwas zu kurz geratenen Filmes aus, denn Padraig Reynolds hat eine in allen Belangen sehr ausgewogene Mischung gefunden, die einem von jedem etwas bietet, ohne das eine bestimmte Seite zu stark in den Vordergrund tritt. Allerdings könnte das deutsche DVD-Cover so manchen Betrachter auf eine etwas falsche Spur führen, denn bei der Ansicht des dort gezeigten Wesens wird der ein-oder andere doch viel eher einen reinen Slasher mit unzähligen blutigen Szenen erwarten und nach der Sichtung des Filmes zunächst vielleicht etwas enttäuscht sein, da ihm das nicht durchgehend geboten wurde.

Im Endeffekt handelt es sich hier jedoch um einen wirklich überraschend guten Film, dem ich die vorhandene Klasse eigentlich nicht zugetraut hatte. Und ehrlich gesagt hoffe ich schon jetzt auf eine Fortsetzung, die nach der Gestaltung der vorliegenden Story im Prinzip zwingend folgen muss. Ansonsten würde es sich nämlich lediglich um ein weiteres Szenario mit richtig guten Ansätzen handeln, das zudem nicht befriedigend erscheinen würde, da zu viele Fragen angeschnitten, aber noch nicht beantwortet wurden. Auf jeden Fall aber ist "Rites of Spring" ein sehr ansehnlicher Genre-Mix, der definitiv Appetit auf mehr macht und in seiner Gesamtheit einen sehr guten Eindruck hinterlässt.


Fazit:


An sich erwartet man ein weiteres eher stumpfes 08/15 Gemetzel und wird letztendlich mit einer phasenweise sogar recht kreativen Geschichte überrascht, die man in dieser Form eigentlich nicht unbedingt erwartet hätte. Mich hat das Regie-Debüt von Padraig Reynolds jedenfalls durchaus überzeugt, wobei ich doch sehr auf zumindest eine Fortsetzung hoffe, da die Story noch nicht abgeschlossen erscheint.


7/10