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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Fr 12. Apr 2013, 15:46
von horror1966
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King of New York
(King of New York)
mit Christopher Walken, Laurence Fishburne, David Caruso, Wesley Snipes, Victor Argo, Janet Julian, Joey Chin, Giancarlo Esposito, Paul Calderon, Steve Buscemi, Theresa Randle, Leonard L. Thomas
Regie: Abel Ferrara
Drehbuch: Nicholas St. John
Kamera: Bojan Bazelli
Musik: Joe Delia
FSK 18
Großbritannien / Italien / USA / 1989

Nach einer langen Haftstrafe kehrt Frank White zu seiner treu ergebenen Gang zurück, deren Mitglieder der schießwütige Jimmy Jump, Test Tube und White's attraktive Anwältin Jennifer sind. Sie nisten sich im Trump Plaza ein und beginnen die Mitglieder anderer Gangs auszulöschen, um ihr Revier wieder unter Gewalt zu bekommen und um den gewohnten Drogen- und Sex-Geschäften nachgehen zu können. Doch plötzlich entwickelt White mehr und mehr ehrenhafte Ambitionen wie z.B einen Großteil des Drogengeldes für wohltätige Zwecke zu spenden. Eine Gruppe von harten Cops, die Frank White den plötzlichen Geisteswandel nicht abkauft, beschliesst abseits der Legalität gegen ihn vorzugehen.


"Abel Ferrara ist ein Cineast der Mitternacht, der im Dunkeln noch das Schwärzere entdeckt, im Sumpf der Sünde noch das Unmoralischere, in der Hölle noch das Teuflischere,,,! (Norbert Grob, 2000)


Diese Worte dienen als Einleitung für das Booklet, das sich im Mediabook von Ascot Elite befindet und ehrlich gesagt treffen sie genau ins Schwarze. "King of New York" ist sicherlich eine der besten Arbeiten des Regisseurs, der schon mit Filmen wie "The Driller Killer", "Bad Lieutenant" oder "Die Frau mit der 45er Magnum" für Furore sorgte. Mit einem glänzenden Christopher Walken in der Hauptrolle wurde die Figur des Gangsters Frank White absolut perfekt besetzt und endlich einmal kann dieser fantastische Schauspieler in einer tragenden Hauptrolle eine Kostprobe seines grandiosen Könnens abliefern. Die Facettenreiche Performance von Walken ist jedoch nur einer der zahlreichen Höhepunkte in diesem brillanten Film, der äußerst starke Anlehnungen an den Film noir der 50er und 60er Jahre aufzeigt. Ferrara ist es nämlich gelungen, ein nahezu perfektes Gesamt-Szenario ins Bild zu setzen, das im ersten Moment eventuell den Eindruck eines handelsüblichen Gangster-Filmes hinterlässt. Bei genauerer Betrachtung offenbart sich jedoch eine qualitativ hochwertige Geschichte, deren Klasse im Prinzip in jeder einzelnen Sequenz zum Ausdruck kommt. Gleichzeit ist die Story mit etlichen Kontrasten versehen, die selbst beim Zuschauer einen inneren Zwiespalt auslösen. Dieser entsteht hauptsächlich durch die Hauptfigur Frank White (Walken), der einerseits als scheinbar eiskalter-und emotionsloser Gangsterboss in Erscheinung tritt, aber trotz dieses Aspektes eine Menge an Sympathie-Werten beim Zuschauer sammeln kann. Vom Äußeren her gesehen erscheint Walken fast schon wie ein Aristokrat und dieser Eindruck verstärkt sich umso mehr in den Passagen des Filmes, in denen er sich in der New Yorker High Society bewegt. Im Gegensatz dazu dienen die Szenen, in denen er mit seiner farbigen Gang in den heruntergekommenen Räumen in Harlem anzutreffen ist, wo die Männer sich mit Prostituierten vergnügen und dem Drogen-Konsum frönen.

Allein schon der visuelle Unterschied zwischen prunkvollen Sälen und den düsteren Räumen in Harlem ist absolut grandios und vermittelt einem dabei das Gefühl, sich in zwei vollkommen anderen Welten zu bewegen. Nur selten schafft es ein Film dabei, diese Kontraste so plastisch und authentisch ins Bild zu setzen, wie es bei "King of New York" der Fall ist. An dieser Stelle kommt man dann auch zu einem weiteren Fakt, den ich persönlich absolut beachtenswert finde. Das Werk zählt ja eher zu den niedriger budgetierten Filmen, doch genau dieser Aspekt kommt während der gesamten Laufzeit nicht einmal zum tragen. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn die Geschichte erscheint in einigen Passagen sogar recht opulent ausgestattet, wobei sich das Szenario auch in seiner Gesamtheit keinesfalls hinter weitaus höher budgetierten Vertretern verstecken muss. Der dramaturgische Verlauf der Story ist absolut perfekt gestaltet worden, so kann man den Aufstieg von White zum "King of New York" fantastisch nachvollziehen. Der Weg zum Verbrecher-Thron in der Metropole wurde dabei phasenweise extrem hart-und brachial nachgezeichnet, zudem müssen etliche Menschen ihr Leben lassen, damit Frank sein Ziel erreichen kann. Wer nun aber denkt, das es sich hier lediglich um die reine Machtgier handelt, wird im Verlauf des Geschehens eines Besseren belehrt. An diesem Punkt kommt man dann automatisch wieder zu den zwiespältigen Gefühlen des Zuschauers zurück, die durch die Hauptfigur ausgelöst werden.

An diesem Punkt möchte ich lediglich auf den Dialog zwischen White und dem ermittelnden Polizisten Bishop (Victor Argo) hinweisen, der wenige Minuten vor dem Ende zu vernehmen ist. in diesem versucht nämlich White seine Beweggründe zu erklären, warum er die anderen Verbrecher-Bosse getötet hat. Und auch wenn das seine Taten selbstverständlich nicht rechtfertigt, so kann man doch spätestens an diesem Punkt der Geschichte gewisse Sympathien für den Gangster nicht verhehlen. Hinzu kommt auch noch der Fakt, das er etliche Millionen aus seinen Geschäften für wohltätige Zwecke spendet und beispielsweise ein Krankenhaus in Harlem am Leben erhalten will. So ist man phasenweise durchaus hin-und her gerissen zwischen durchaus ehrbaren Absichten eines Mannes, der für deren Umsetzung jedoch sämtliche Gesetze außer acht lässt und sich sogar als Richter-und Henker gleichzeitig in eine Position bringt, die beim Betrachter etliche moralische Grenzerfahrungen auf den Plan ruft. Man merkt also, das "King of New York" keinesfalls nur ein handelsüblicher Gangster-Film ist, das Szenario beinhaltet nämlich durchaus eine Menge an inhaltlichem Tiefgang, der oft genug in den Vordergrund tritt und den von Haus aus schon erstklassigen Gesamteindruck noch einmal zusätzlich aufwertet. Wenn es überhaupt etwas zu bemängeln gibt, dann ist es eventuelle die etwas oberflächliche Beleuchtung der Neben-Charaktere. Denn obwohl hier eine sehr hochkarätige Darsteller-Riege am Start ist, wird einzig der Charakter der Hauptfigur eindringlich beleuchtet. Natürlich liegt das auch an der Omnipräsenz eines Christopher Walken, der einen mit seiner grandiosen Performance fast schon in einen magischen Bann zieht, doch gleichzeitig müssen dabei Darsteller wie Laurence Fishburne, Wesley Snipes oder auch David Caruso fast schon ein Schatten-Dasein führen und kommen nicht ganz so zur Geltung, wie sie es eigentlich verdient hätten. Insbesondere Snipes bleibt doch ziemlich blass, während Fishburne und Caruso mit ihren eher bescheidenen Spielanteilen durchaus zu glänzen wissen.

Vor allem der hier noch junge David Caruso hat mir richtig gut gefallen, sein Part als ermittelnder Polizist der das Recht in die eigenen Hände nimmt ist zwar etwas zu spärlich ausgefallen, aber dennoch als eines der Highlights dieses Filmes anzusehen. Auch hier wird man wieder mit einem innerlichen Zwiespalt konfrontiert, stellt sich doch ganz automatisch die Frage, ob ein Polizist sich über das Gesetz stellen darf. Gleichzeitig wird dadurch jedoch auch die Ohnmacht der ermittelnden Beamten in den Fokus gerückt, die einem Frank White mit legalen Mitteln ganz offensichtlich nichts anhaben können. Ferrara hat all diese Aspekte ausführlich herausgearbeitet und seinem Film dadurch einen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt, der ganz zwangsläufig dafür Sorge trägt, das diese Geschichte auch einen äußerst nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Das "King of New York" natürlich kein Werk ist das mit einem schmalzigen Happy End versehen ist dürfte hier außer Frage stehen und so kann man sich ganz bestimmt denken, das die Story für beide Seiten nicht sonderlich gut ausgeht. Und so erhält das Ganze dann auch ein absolut passendes-und logisches Finale, das zugleich den nötigen Schuss Tragik einziehen lässt, den ein solches Meisterwerk benötigt, um auch in glaubwürdiger Erinnerung zu bleiben.


Fazit:


"King of New York" zählt meiner persönlichen Meinung nach zu den absolut zeitlosen Klassikern, die auch in der heutigen Zeit immer wieder sehenswert sind und dabei in keinster Weise auch nur annähernd angestaubt erscheinen. Im besten Stil des Film noir wird hier eine spannende Story voller Tempo-und Kontraste erzählt, die mit einer grandiosen Darsteller-Riege besetzt ist. Der film ist dabei ein gelungener Spagat zwischen gnadenloser Härte und menschlichen Emotionen und offenbart eine herrlich düstere Grundstimmung, an der man sich regelrecht ergötzen kann. Das Mediabook von Ascot Elite stellt eine in allen Belangen lohnenswerte Veröffentlichung dar und jeder der den Film in seiner ungeschnittenen Version noch nicht in seinem Besitz hat, kann hier bedenkenlos zugreifen. Allein schon das informative Booklet dürfte Fans begeistern, erfährt man hier doch eine Menge Informationen über den Film und die generellen Arbeiten seines Regisseurs, der schon immer durch außergewöhnliche Filme auf sich aufmerksam gemacht hat.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Sa 13. Apr 2013, 00:54
von horror1966
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Maniac
(Maniac)
mit Elijah Wood, America Olivo, Nora Amezeder, Liane Balaban, Sammi Rotibi, Megan Duffy, Brian Ames, Sal Landi, Genevieve Alexandra, Akbar Kurtha, Jan Broberg, Morgane Slemp, Dan Hunter
Regie: Franck Khalfoun
Drehbuch: Alexandre Aja / Gregory Levasseur
Kamera: Maxime Alexandre
Musik: Rob
SPIO/JK
Frankreich / USA / 2012

Frank ist Besitzer eines Mannequin Ladens. Er lebt ein eher zurückhaltendes und verschlossenes Leben. Doch dies ändert sich, als die junge und hübsche Anna in sein Leben tritt. Für ihre neue Ausstellung wendet sie sich an Frank. Aus dem Treffen entwickelt sich eine Freundschaft. Doch der Schein trügt. Denn unter der Oberfläche verstärkt sich seine geheime Besessenheit. Je länger die Freundschaft anhält, desto heftiger tritt seine Manie zum Vorschein.


Aus dem Blickwinkel des Mörders


Das langersehnte Remake des Klassikers von William Lustig beinhaltet einige gravierende Neuerungen, die sicherlich teilweise recht gewöhnungsbedürftig und für manchen Fan des Originals nicht so leicht zu verdauen sind. Die gravierendste Änderung dürfte dabei bestimmt der Aspekt sein, das man die Geschichte fast ausschließlich aus der Sicht des Mörders sieht und gerade zu beginn des Geschehens braucht man einige Minuten, um sich an diesen Umstand zu gewöhnen. Manch einer mag sich eventuell gar nicht damit anfreunden können, fehlt hier doch fast gänzlich die körperliche Präsenz eines Joe Spinell, die beim Original doch eine der herausragenden Stärken darstellte. Elijah Wood hingegen ist immer nur in Passagen zu sehen wenn er sein eigenes Spiegelbild betrachtet, oder diverse Visionen und eingestreute Flashbacks das Geschehen bereichern. Nun mag es sicherlich Leute geben, die in diesem Punkt eine Schwäche der Neuauflage erkennen wollen, doch bei genauerer Betrachtung bezieht die Version von Franck Khalfoun gerade aus diesem Aspekt ihre volle Wucht und Stärke. Verhält es sich doch so, das je länger die Geschichte fortschreitet, man als Zuschauer immer mehr mit dem Täter verschmelzt und so fast schon eine Art von Symbiose mit dem offensichtlich psychopathisch veranlagten Frank eingeht. Ohne es eigentlich wirklich zu wollen, schlüpft man nämlich selbst in die Rolle des irren Frauenmörders und vermeint so mit der Zeit sogar den Angstschweiß der Opfer förmlich riechen zu können. Man sieht seine abscheulichen Taten aus einem vollkommen anderen Blickwinkel und muss dabei feststellen, das insbesondere dieser Aspekt eine so dermaßen hohe Intensität freisetzt, das es einen dabei fröstelt. Man kann es schon als absolut genialen Schachzug des Regisseurs ansehen diese Sichtweise gewählt zu haben, denn nur so kann "Maniac" seine volle Wucht und Stärke entfalten, die in praktisch jeder einzelnen Szene des Filmes zum tragen kommt.

Ansonsten wurde das Grundgerüst der Story beibehalten, das vollkommen gestörte Verhältnis zu Frauen wurde bei Frank ganz augenscheinlich durch ein ausgeprägtes Kindheits-Trauma ausgelöst, für das seine Mutter verantwortlich zeichnet. In immer wieder eingestreuten Rückblenden wird dem Betrachter dabei plausibel näher gebracht, wie sehr das Verhalten der Mutter die Seele eines Kindes zerstört haben muss. Dabei ist es hier absolut glänzend gelungen, die Grenzen zwischen Gegenwart, Visionen-und Rückblenden vollkommen fließend zu gestalten, so das sich phasenweise ein fast schon surreal Bilderrausch präsentiert, der den Betrachter regelrecht überschwemmt. Manch einem mag das an diversen Stellen vielleicht etwas wirr erscheinen, doch gerade durch diesen Eindruck kann man sich erst ein wunderbar plastisches Bild davon machen, wie es im Kopf der Hauptfigur aussehen muss. Klare Denkweisen sind nämlich so gut wie ausgeschlossen und wenn Frank einmal nicht von seiner Manie besessen ist reicht schon der kleinste Anlass, um diese wieder hervor zu rufen. Dies merkt man vor allem dann, wenn er darauf angesprochen wird ob er denn eine Freundin habe, löst diese Frage doch Migräne-artige Anfälle bei ihm aus, die er nur mit der Einnahme von Medikamenten bekämpfen kann. All diese Kleinigkeiten sind absolut notwendig, damit man sich überhaupt ansatzweise vorstellen kann, welch ungeheurer Druck auf dem Gehirn des jungen Mannes lasten muss, der immer wieder töten muss, um seine Leiden zumindest für eine gewisse Zeit zu lindern.

Elijah Wood in der Hauptrolle des Killers zu sehen, mag für viele Leute unvorstellbar sein und auch ich musste mich nach der damaligen Bekanntgabe der Besetzung erst einmal mit diesem Gedanken vertraut machen. Dem Schauspieler haftet nun einmal die Rolle des Frodo aus "Der Herr der Ringe" an und wie um alles in der Welt sollte der gute Mann mit dem Baby Face glaubhaft die Rolle des geisteskranken "Maniacs" spielen? Sein Schauspiel nun bis in das kleinste Detail zu bewerten fällt dabei nicht gerade leicht, denn aus den weiter oben angeführten Gründen ist er ja nicht allzu oft im Bild zu sehen. Dennoch liefert er eine wirklich gelungene Performance ab und auch rein optisch hat sich so Einiges geändert. Mit Bart-Ansatz und vor Wahnsinn flackernden Augen hat der Mime so gar nichts mehr von dem niedlichen Hobbit, der Mittelerde vor dem Untergang bewahrt hat. Aus dem Jüngling ist mittlerweile ein Mann geworden, der mit markanten Gesichtszügen ganz hervorragend in diese Rolle hineinpasst. An einer Stelle des Szenarios fällt das ganz besonders ins Auge, gibt es doch einen Mord auf dem Gelände eines Auto-Handels, der eben nicht aus den Augen des Mörders zu sehen ist. An dieser Stelle kann man Wood in voller körperlicher Präsenz bei der Arbeit beobachten, wie er eine junge Frau auf brutalste Art und Weise tötet. Als er ihr die Haare von der Kopfhaut abschneidet, ist für einen kurzen Moment der ganze Wahnsinn-und gleichzeitig die totale Befriedigung im Gesicht abzulesen, das einem hier ein eiskalter Schauer über den Rücken läuft.

Zum Abschluss sollte man auch keinesfalls den Härtegrad dieses Filmes außer acht lassen, da dieser es streckenweise wirklich in sich hat. Die Morde wurden teils richtig derbe in Szene gesetzt, so das auch die Freunde der etwas härteren Gangart voll auf ihre Kosten kommen werden. Dennoch artet die Neuauflage des Klassikers zu keiner Zeit in ein sinnloses Splatter-Gore Spektakel aus, wie man es in der heutigen Zeit ja oft genug serviert bekommt. Die vorhandenen Szenen sind vollkommen ausreichend und untermalen auf perfekte Weise die unglaubliche Intensität, die von der gesamten Geschichte ausgeht. Khalfoun hat sich also nicht dazu hinreißen lassen den Gesetzen des Marktes zu folgen und dabei explizite Gewaltdarstellungen in den totalen Fokus seiner Erzählung zu rücken. Denn auch wenn es stellenweise äußerst hart zur Sache geht, so steht doch die psychische Verfassung eines Mannes im Vordergrund, der an der vorherrschenden Einsamkeit in seinem Leben zu Grunde geht und dabei seine Befriedigung im Töten junger Frauen findet, die er stellvertretend für seine Mutter bestraft. Und so kann man im Endeffekt von einem mehr als gelungenen Remake sprechen, das man zwar vom Grundgerüst der Geschichte her mit dem Original vergleichen kann, aber ansonsten als absolut eigenständiger Film zu betrachten ist, der durch die vielen Neuerungen einen extrem nachhaltigen Eindruck hinterlässt.


Fazit:


Franck Khalfoun hat meiner persönlichen Meinung nach alles genau richtig gemacht und hat nicht den Fehler begangen, hier eine 1:1 Kopie zu präsentieren. Allein der Aspekt, das die Geschichte fast ausschließlich aus der Sicht des Mörders zu sehen ist, verleiht dem Werk einen Hauch von Genialität. Natürlich liegt es wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, doch "Maniac 2012" ist ein teilweise verstörendes, aber immer unglaublich intensives Film-Erlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Gelegentliche Schweißausbrüche inbegriffen, wurde einem Klassiker neues Leben eingehaucht und eben dieser verstörende Aspekt eingebaut, das man eigentlich durch die neue Betrachtungsweise selbst zum Täter wird. Welche Version nun die bessere ist lässt sich dabei schwerlich beantworten, haben doch bei Varianten unglaubliche Stärken, unterscheiden sich aber bis auf die Kern-Thematik ganz erheblich voneinander. Ich bin jedenfalls glücklich beide Filme in meinem Besitz zu haben un d kann nur eine unbedingte Empfehlung für diese grandiose Neuauflage aussprechen.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 14. Apr 2013, 15:31
von horror1966
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Blue Sunshine
(Blue Sunshine)
mit Zalman King, Deborah Winters, Mark Goddard, Robert Walden, Charles Siebert, Ann Cooper, Ray Young, Alice Ghostley, Stefan Gierasch, Richard Crystal, Bill Adler, Barbara Quinn, Adriana Shaw
Regie: Jeff Lieberman
Drehbuch: Jeff Lieberman
Kamera: Don Knight
Musik: Charles Gross
juristisch geprüft
USA / 1978

Nach einem Aotokauf seines Freundes Frannie entdeckt Jerry Zipkin bei seinen Recherchen in dessen Wohnung ein Foto von Ed Flemming, unter dem die Worte "Blue Sunshine" stehen. Flemming kandidiert gerade für das Gouverneursamt und ist von Jerrys Fragen über "Blue Sunshine" wenig angetan. Im Gespräch mit Flemmings rechter Hand Mulligan erfährt Jerrys Freundin Alicia, dass alle Beteiligten die Stanfort University besucht haben. Durch seinen Freund David, der ebenfalls die Universität besuchte, findet er heraus, dass Flemming seinerzeit als kleiner Drogendealer mit LSD gehandelt hat, darunter auch mit einer Sorte namens "Blue Sunshine". Unklar ist nur, wer damals diese Droge genommen hat, denn anscheinend wirkt sie wie eine Zeitbombe.


Nach seinem doch eher trashig anmutendem Langfilm-Debüt "Squirm" aus dem Jahre 1976 hat Jeff Lieberman nur zwei Jahre später mit "Blue Sunshine" einen Film nachgelegt, der doch in eine vollkommen andere Richtung geht. Dabei fällt einem zuerst die Professionalität auf, mit der dieses Werk ins Bild gesetzt wurde, denn rein handwerklich gibt es überhaupt nichts zu bemängeln. Nun könnte man aufgrund der Inhaltsangabe leicht auf den Gedanken kommen, das man es hier mit einem Szenario zu tun bekommt, das sich eventuell wie ein wirrer LSD-Trip darstellt, doch mit dieser Vermutung würde man vollkommen daneben liegen. Stattdessen offenbart sich dem Zuschauer ein wirklich gut aufgebauter Horror-Thriller, der einem in diversen Passagen auch eine gepflegte Gänsehaut verpassen kann. Schon die Einführung in die Geschichte gestaltet sich dabei so, das von der ersten Minute an etwas Unheilvolles-und Bedrohliches über den Ereignissen schwebt, das sofort für die genau richtige Grundstimmung sorgt. Der Film kommt im Prinzip ohne jegliche Gewaltdarstellungen aus, es präsentiert sich also keinesfalls ein Spektakel für den geneigten Gorehound. "Blue Sunshine" hat dies jedoch auch überhaupt nicht nötig, überzeugt der Film doch durch seine originelle Geschichte und einen grandios aufgebauten Spannungsbogen, der zu keiner Zeit auch nur die kleinsten Einbrüche erkennen lässt.

Die Thematik der menschlichen Zeitbomben wurde brillant ins Bild gesetzt und allein die kleine Verwandlung scheinbar vollkommen normaler Menschen in reißende Bestien sorgt beim Betrachter für regelrechte Begeisterung. Dabei sind die Mittel mit denen Lieberman den aufkommenden Horror zelebriert absolut minimalistisch, das subtil in Erscheinung tretende Grauen äußert sich lediglich durch Symptome wie Haarausfall bei den Betroffenen und den Rest besorgen die entsprechenden Darsteller nur durch ihre Mimik und Gestik. Für manch einen mag sich das nun eher langweilig anhören, doch wenn man sich einmal in die gegebene Situation hineinversetzt, dann kann man den entstehenden Horror glaubhaft nachvollziehen. Die ganz große Stärke der Geschichte liegt ganz sicher in dem Aspekt begründet, das der Regisseur es streckenweise meisterhaft verstanden hat, die Spannungsschraube häppchenweise immer stärker anzuziehen. Insbesondere gibt sich das in Passagen zu erkennen, in denen man ständig zwischen zwei verschiedenen Schauplätzen hin-und her pendelt. Das beste Beispiel dafür ist eine Sequenz, in der man Jerry Zipkin (Zalman King) in einem Fahrstuhl beobachtet, in dem er sich auf dem Weg zur Wohnung einer Betroffenen befindet, andererseits werden einem die Geschehnisse in eben dieser Wohnung gezeigt, in der die Person zwei Kinder ermorden will. Der Schwenk zwischen diesen beiden Szenen wird immer schneller und man hält dabei fast automatisch die Luft an, kann man doch überhaupt nicht abschätzen, ob die Eskalation eventuell noch verhindert werden kann.

Von solchen Einstellungen gibt es genügend, so das man zwischendurch kaum einmal die Muße findet befreit durchzuatmen und sich ein wenig zu entspannen. Zudem kommt hier auch der großartige Score von Charles Gross so richtig zum tragen, untermalt er die entsprechenden Stellen doch nahezu perfekt. Ganz generell kann man aber anmerken, das im Prinzip sämtliche Zutaten äußerst stimmig ineinander greifen und so insgesamt gesehen für ein erstklassiges Gesamtbild Sorge tragen, das gut 90 Minuten allerbeste Unterhaltung bietet, die man sich auch in der heutigen Zeit immer wieder gut anschauen kann. "Blue Sunshine" ist meiner persönlichen Meinung nach eine kleine Perle der späten 70er Jahre, die aber anscheinend eher ein Schatten-Dasein fristet und von den wenigsten Menschen wirklich wahrgenommen wird. Selbst mir war dieses herrliche Kleinod bisher vollkommen unbekannt und ich bin eher zufällig auf diesen wunderbaren Horror-Thriller gestoßen, der ohne jegliche Gewaltdarstellungen auskommt und dennoch den maximalen Horror entfacht.

Hier liegt einmal mehr ein Paradebeispiel dafür vor, das es nicht immer die Filme mit der übermäßig zelebrierten Härte sind, die einen in Begeisterung versetzen können, manchmal reicht schon eine interessante Geschichte die spannend erzählt wird, ein angemessenes Tempo und eine herrlich bedrohliche Atmosphäre. Wenn dann auch noch die Schauspieler gut agieren und die musikalische Untermalung nahezu perfekt ist, dann kann man sich auf ein Film-Erlebnis einstellen, das man ehrlich gesagt in dieser Form gar nicht erwartet hätte. "Blue Sunshine" ist ein echter Geheim-Tip, den ich nur jedem Fan des Genres wärmstens ans Herz legen kann, denn wer äußerst stimmige Szenarien mit subtil aufkommendem Horror zu schätzen weiß, der ist hier an der genau richtigen Adresse und kann mit diesem tollen Film rein gar nichts falsch machen.


Fazit:


Immer wieder trifft man auf eher unbekannte Genre-Filme, an die man eigentlich ohne jegliche Erwartung herangeht und die einen dann so extrem positiv überraschen. Lieberman's Beitrag zählt ganz eindeutig zu dieser Gruppe und stellt für mich sogar ein kleines Juwel dar, das anscheinend nie die Beachtung gefunden hat, die ihm aufgrund seiner Klasse durchaus zustehen müsste. Wer den Film noch nicht kennen sollte muss diesen Zustand unbedingt ändern, denn ansonsten verpasst man eine wirklich in allen Belangen gelungene Inszenierung.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 14. Apr 2013, 18:40
von horror1966
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Die Fürsten der Dunkelheit
(Prince of Darkness)
mit Donald Pleasence, Jameson Parker, Victor Wong, Lisa Blount, Alice Cooper, Dennis Dun, Susan Blanchard, Anne Marie Howard, Ann Yen, Ken Wright, Dirk Blocker, Jessie Lawrence Ferguson
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter
Kamera: Gary B. Kibbe
Musik: John Carpenter / Alan Howarth
ungeprüft
USA / 1987

Plötzlich auftretende Veränderungen in der Umwelt und schreckliche Naturkatastrophen verheißen für all diejenigen, die die Zeichen deuten können, nichts Gutes: Die Wiederkehr Satans steht kurz bevor. In einer zerfallenen Kirche mitten in Los Angeles, gefangen in einem gläsernen Schrein, schlummert seit Jahrhunderten das Böse. Als Wissenschaftler diesem furchtbaren Geheimnis auf den Grund gehen wollen, erwacht die dämonische Kraft des uralten Anti-Gottes. Mit Hilfe eines Priesters versuchen sie verzweifelt, dem Bösen zu trotzen. Doch alle Anstrengungen sind vergebens. Nach und nach werden alle Beteiligten zu Zombies. Satan hat seine Fesseln abgelegt und bereitet mit rasender Wut alles vor, um seinem Vater, dem Anti-Gott, einen würdigen Empfang zu bereiten...


Der Name John Carpenter wird von den meisten Leuten ganz unweigerlich mit seinem Meisterwerk "Halloween - Die Nacht des Grauens" in Verbindung gebracht, wodurch viele andere absolut großartige Werke des Altmeisters schon fast eine Art Schatten-Dasein führen und relativ selten Erwähnung finden. Auch "Die Fürsten der Dunkelheit" kann man in diese Riege einordnen, denn obwohl der Film zumeist gute Kritiken erhält, denken die meisten Leute nicht sofort an ihn, wenn der Name Carpenter fällt. Dabei hätte es "Prince of Darkness" wie der Film im Original heißt dies auf jeden Fall verdient, präsentiert sich doch von der ersten Minute an ein Szenario im typischen Stil des Regisseurs, das durchgehend eine schon fast hypnotische Ausstrahlung auf den Betrachter ausübt. In erster Linie ist das sicherlich der religiösen Thematik zu verdanken, denn eine Geschichte die sich um den leibhaftigen Teufel dreht, übt wohl schon ihren ganz eigenen Reiz aus. Man kann sich sicherlich denken, das der gute John eine ganze Menge aus einer solchen Thematik herausholen kann und genau das ist hier auch der Fall. Von einer herrlich dichten-und jederzeit bedrohlichen Atmosphäre unterstützt, zieht einen die Story ganz automatisch in ihren Bann und sendet dabei eine solch ungeheure Faszination aus, das man sich dieser unmöglich entziehen kann.

Dramaturgisch ist die Geschichte erstklassig aufgebaut, wird man zu Beginn noch mit kleineren Andeutungen und Puzzle-Teilchen bedient, so ergeben sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr die Zusammenhänge des Ganzen und rücken die okkulte Grundstimmung immer mehr in den Vordergrund. Dabei wurde es auch nicht versäumt, das Geschehen einmal mehr mit einer hervorragenden musikalischen Untermalung zu versehen, wie man es eigentlich generell von Carpenter gewohnt ist. Hinzu kommt der perfekt ausgewählte Schauplatz der alten Kirche, in der sich der Großteil der Ereignisse abspielt, denn gerade die düster gehaltenen unterirdischen Katakomben jagen einem so manch angenehmen Schauer über den Rücken. Damit aber nicht genug, ist hier auch eine absolut glänzend agierende Darsteller-Riege am Werk, die durch ihre überzeugenden Leistungen ein unverzichtbarer Anteil eines insgesamt hervorstechenden Gesamt-Eindruckes sind, den man fast schon zwangsläufig von diesem Film gewinnen muss.

Anders als sonst unterscheidet sich "Die Fürsten der Dunkelheit" aber auch ein wenig von anderen Werken des Regisseurs, ist hier doch für seine Verhältnisse ein recht ansehnlicher Härtegrad vorhanden. Nun verhält es sich zwar nicht so, das man sich auf ein SFX Spektakel einstellen müsste, aber es sind durchaus einige Passagen vorhanden, in denen es etwas blutiger zugeht. Doch auch in dieser Beziehung kann man sich auf Mr. Carpenter verlassen, hat er doch die genau richtige Mischung gefunden, um dem Zuschauer ohne übertriebene Gewaltdarstellungen ein sehr glaubhaftes Szenario zu präsentieren, das im Prinzip keinerlei Schwächen offenbart. Natürlich sollte man dabei nicht an den Realitäts-Gehalt der Geschichte an sich denken, da dieser sich wohl vielmehr im Reich der Fabeln-und Legenden bewegt. Für mich persönlich handelt es sich hier um eine der besten Arbeiten Carpenter's, dessen filmisches Schaffen nun nicht gerade wenige Klassiker hervorgebracht hat, unter denen vorliegender Film ganz bestimmt an der Spitze der Nahrungskette einzuordnen ist.

Auch nach über einem Viertel-Jahrhundert hat "Die Fürsten der Dunkelheit" rein gar nichts von seiner Faszination ausgeübt und so mancher Horrorfilm der Neuzeit könnte sich hier eine ganz dicke Scheibe abschneiden. Mit relativ geringen Mitteln wurde hier eine Geschichte ins Bild gesetzt, die beim Zuschauer die maximale Wirkung erzielt. Dabei ist es auch vollkommen egal wie oft man diesen Film schon gesehen hat, denn bei jeder neuerlichen Sichtung wird man von Beginn an von dieser einzigartigen Atmosphäre-und Faszination ergriffen, denn das Geschehen auf einen ausübt. Und so kann man nur immer wieder feststellen, das es sich hier um einen absoluten Genre-Klassiker handelt, der zwar eher selten als ein solcher betitelt wird, diese Bezeichnung jedoch aufgrund der vorhandenen Klasse auf jeden Fall mehr als verdient hat.


Fazit:


Natürlich mag ein jeder das anders sehen, aber "Die Fürsten der Dunkelheit" zählt meiner Meinung nach zu den 5 besten Filmen, die unter der Regie von John Carpenter entstanden sind. Ein stimmiges Szenario voller Tempo und einigen härteren Passagen, das gleichzeitig mit einer Grundstimmung versehen ist die ihresgleichen sucht. Die perfekte musikalische Untermalung, eine faszinierende Story und tolle Darsteller runden dann ein Film-Erlebnis ab, das man sich auch gern in regelmäßigen Abständen immer wieder zu Gemüte führt.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 17. Apr 2013, 14:54
von horror1966
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Eden
(Eden)
mit Jamie Chung, Beau Bridges, Scott Mechlowicz, Matt O'Leary, Eddie Martinez, Ernie Joseph, Tantoo Cardinal, Tracey Fairaway, Russell Hodgkinson, Grace Arends, Naama Kates, Laura Kai Chen
Regie. Megan Griffiths
Drehbuch: Megan Griffiths / Chong Kim
Kamera: Sean Porter
Musik: Jeramy Koepping / Joshua Morrison
FSK 16
USA / 2012

Hyun Jae, Amerikanerin koreanischer Abstammung, ist eine ganz normale 17jährige mit Zahnspange und romantischen Träumen. Doch ihr Teenagerleben verwandelt sich in die Hölle auf Erden, als sie dem Schlepper eines Menschenhändlerrings zum Opfer fällt. Sie landet in einer ehemaligen Lagerhalle, wo Mädchen zwischen 15 und 19 für die Liebhaber ganz besonders frischen Fleisches bereit gehalten werden. Von jetzt ab heißt sie Eden und steht für Freier und Pornofilme zur Verfügung. Einen Fluchtversuch bezahlt sie fast mit dem Leben. Doch Eden ist stark und resigniert nicht. Langsam gewinnt sie das Vertrauen ihres Bewachers.


Zwangs-Prostitution und Menschenhandel sind immer wieder der Stoff für Filme, die den Zuschauer nicht unberührt lassen und mit "Eden" ist nun ein weiterer Beitrag erschienen, der einem das einmal mehr sehr eindringlich vor Augen führt. Die Geschichte basiert auf den Erlebnissen von Chong Kim, die sich jahrelang in den Fängen einer straff organisierten Organisation befunden hat, die mit dem Leid junger Frauen Profit gemacht hat. Regisseurin Megan Griffiths beweist bei ihrer zweiten abendfüllenden Regie-Arbeit ein feines Gespür für die Gefühlswelt ihrer Hauptfigur und präsentiert ein Szenario, das nicht durch übersteigerten Aktionismus verwässert wird. So bekommt man hier eine eher ruhig erzählte Story serviert, die lediglich durch etliche Andeutungen ein hohes Maß an Intensität freisetzt. "Eden" ist kein Film, der die Misshandlungen an den jungen Mädchen durch visuelle Härte in den Vordergrund rückt, vielmehr wird die Fantasie des Betrachters in Gang gesetzt, dem lediglich immer wieder eingestreute Andeutungen zur Verfügung stehen, um sich dann im eigenen Kopf das weitere Geschehen auszumalen. Für manch einen mag das nicht ausreichend erscheinen, um die ganze Brutalität der Thematik glaubhaft wiederzugeben, doch wenn man sich auf die Geschichte einlassen kann, dann bekommt man es mit einem wirklich herausragendem Film zu tun.

Irgenwie vermeint man zu spüren, das dieses Werk unter der Regie einer Frau entstanden ist, denn die Ereignisse werden einfühlsam beleuchtet und stellen insbesondere die Hauptfigur in den Fokus. Jamie Chung kann dabei in der Rolle der Eden jederzeit überzeugen und liefert eine absolut grandiose Performance ab. Doch auch die anderen Darsteller agieren wirklich hervorragend, so ist beispielsweise ein Beau Bridges als skrupelloser Menschenhändler eine wahre Augenweide. Über die wirklichen Hinterleute der Organisation wird man dafür im Unklaren gelassen, jedoch ist dieser Aspekt auch nicht wesentlich für dieses bewegende Drama, das einem unwillkürlich unter die Haut geht. Das Leben der Mädchen in Gefangenschaft wird zwar hauptsächlich nur angerissen, doch kann man sich die Erniedrigungen und Demütigungen sehr gut vorstellen, die die jungen Frauen über sich ergehen lassen müssen. Es muss ein physisches-und psychisches Martyrium sein und die Ausweglosigkeit der gegebenen Situation ist nur ansatzweise vorstellbar, wenn man sich nicht selbst in ihr befindet.

So kann man auch bei etlichen der Mädchen eine Art Selbstaufgabe erkennen, nach jahrelanger Gefangenschaft wirken sie abgestumpft und vollkommen hoffnungslos. So bekommt man eine Ansammlung gebrochener Seelen präsentiert, die sich mit ihrer Lage abgefunden haben und keinerlei Hoffnung haben, doch noch ihrem scheinbar unvermeidbaren Schicksal zu entgehen. Lediglich die junge Eden will sich nicht in ihr Schicksal fügen und lässt sämtliche Erniedrigungen über sich ergehen, um auf den entscheidenden Moment zu warten, der sie der ersehnten Freiheit ein Stück näher bringt. An dieser Stelle kann man auch äußerst gut die Charakter-Wandlung eines Teenagers erkennen, denn aus dem einst naiven Mädchen entwickelt sich eine trotz aller Demütigungen starke Frau die zudem gelernt hat, ihre Peiniger zu täuschen um dann später daraus ihren Vorteil zu ziehen. Was sich jetzt eventuell so leicht und spielerisch anhört, ist letztendlich ein beschwerlicher und schmerzhafter Weg, der zwar nicht durch visuelle Härte dafür jedoch durch das grandiose Schauspiel der Hauptdarstellerin erstklassig zum Ausdruck gebracht wird. Hier liegt auch die große Stärke dieses Filmes, der vollkommen ohne explizite Gewaltdarstellungen auskommt, aber dennoch mit der Wucht eines Keulenschlages auf den Zuschauer einwirkt.

Megan Griffiths hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet und zeigt damit ganz klar auf, das man die zu behandelnde Thematik auch ohne große Härte sehr intensiv in Szene setzen kann. "Eden" setzt dabei auf die Fantasie und die Vorstellungskraft des Betrachters, der die zumeist nur angedeuteten Dinge in seinem Kopf weiterspinnt und dabei eine ungeheure Brutalität freisetzt, die der Thematik jederzeit gerecht wird. Dadurch wirkt das Werk um Einiges intensiver, als wenn man die Story mit etlichen härteren Passagen angereichert hätte. Es entsteht ein Gesamtbild das jederzeit brutal auf einen einwirkt und einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Gerade aufgrund seiner eher ruhigen Erzählweise entfacht der Film dabei eine ungeheure Wucht, die einen bis ins Mark trifft und geradezu erschüttert. Meiner persönlichen Meinung nach hätte man die immer aktuelle Thematik kaum besser in Szene setzen können, weshalb man Megan Griffiths auch nur zu ihrem erstklassigen Beitrag gratulieren kann.


Fazit:


Hart, erschütternd, aber auch extrem einfühlsam erzählt "Eden" eine Geschichte, die einen keinesfalls unberührt lässt. Durch die hervorragende Leistung seiner Hauptdarstellerin offenbart sich dem Betrachter ein jederzeit glaubhaftes Szenario, dessen dramatische Züge absolut erstklassig zu erkennen sind. Freunde niveauvoller Dramen sollten unbedingt einen Blick riskieren, denn eine Sichtung des Filmes erscheint allemal lohnenswert.


8,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 18. Apr 2013, 16:13
von horror1966
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A Company Man
(Hoi-sa won)
mit Ji-seob So, Mi-yeon Lee, Do Won Kwak, Dong-jun Kim, Kyeong-yeong Lee
Regie: Sang-yoon Lim
Drehbuch: Sang-yoon Lim
Kamera: Hyung-deok Lee
Musik: Mowg
SPIO/JK
Südkorea / 2012

Als knallharter Auftragskiller für eine mysteriöse Organisation verdient der engagierte, Hyeong-Do seinen Lebensunterhalt. Er ist so gut in seinem Job, dass er in der Company eine große Zukunft vor sich hat. Doch als Hyeong-Do sich in die schöne Su-Yeon verliebt,sehnt er sich nach einem Leben ohne zu töten, ohne Blutvergießen und versucht, die Company zu verlassen. Doch wer einmal für die Company gearbeitet hat, den lässt die Company nicht wieder gehen, jedenfalls nicht lebend. Hyeong-Bo wird zur Zielscheibe seiner Kollegen und ein endlos erscheinender Kampf ums Überleben beginnt…


Thriller aus Südkorea haben ja immer ihren ganz eigenen Reiz und spätestens seit "I Saw the Devil" dürfte die Erwartungshaltung des Zuschauers in immense Höhen gestiegen sein, wenn es sich um eben diese Filmart von der asiatischen Halbinsel handelt. Und genau bei diesem Aspekt könnten die eigenen Erwartungen an vorliegenden Film eventuell etwas zu hoch angesiedelt sein, denn "A Company Man" unterscheidet sich doch ganz gewaltig vom oben erwähnten Film, auch wenn ein Teil der Geschichte die gleiche Thematik behandelt. So bekommt man hier einen eher sehr ruhig erzählten Thriller zu Gesicht, der in großen Teilen sogar eher einem Drama ähnelt und erst in den letzten gut 30 Minuten die Rache-Thematik entwickelt. Zuvor nimmt man sich äußerst viel Zeit, die für die Geschichte wichtigen Charaktere einzuführen, wobei der Fokus ganz eindeutig auf der Hauptfigur Hyeong-Do liegt, der in einer getarnten Organisation als eiskalter Killer arbeitet. Ziemlich schnell gewinnt man den Eindruck, das es sich bei ihm im Prinzip um eine gequälte Seele handelt, die sich oft nach dem Sinn ihrer Arbeit und des Lebens im Allgemeinen fragt. Verstärkt kommt dieser Aspekt zum Vorschein, als er die hübsche Su-Yeon kennen lernt und auf einmal mitbekommt, das das Leben auch noch andere Dinge für ihn bereit hält, als andere Menschen zu töten.

Nun ist es keinesfalls so, das in der ersten Stunde gar nichts passiert, man bekommt schon das ein-oder andere kleinere Scharmützel geboten. Die wirkliche Action offenbart sich jedoch erst im letzten Drittel des Filmes, denn dort geht es dann so richtig zur Sache. Vorbei ist es mit der bis dahin eher beschaulichen Erzählweise, denn das Geschehen gewinnt enorm an Tempo und bietet nun endlich die Dinge, die man sich gern schon etwas früher gewünscht hätte. Gut ins Bild gesetzte Shoutouts und toll umgesetzte Kampf-Choreografien schmeicheln nun dem Auge des Betrachters und bieten bis zum Ende extrem kurzweilige Unterhaltung. Dennoch hinterlässt der Film einen leicht zwiespältigen Eindruck, ist doch die Einführungs-Phase ganz eindeutig etwas zu lang geraten. Dadurch ergeben sich leider auch einige etwas langatmigere Passagen, die das gewonnene Gesamtbild des Werkes ein wenig nach unten drücken.

Damit wir uns richtig verstehen, "A Company Man" ist auf jeden Fall ein absolut sehenswerter Beitrag, der jedoch nicht gänzlich rund-und stimmig erscheint. Zu sehr leben die Ereignisse in den ersten 60 Minuten von teilweise zu langen Dialogen, zudem hinterlässt die Story in dieser Zeit auch teilweise einen leicht wirren Eindruck. Das geschieht durch das ständige Einfügen diverser Rückblicke in die Vergangenheit der Akteure und das Problem dabi ist ganz einfach der Punkt, das die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit fließend sind, wodurch man oft erst einmal ein paar Sekunden braucht, um die Dinge richtig einzuordnen. Diesen Punkt hätte man sicherlich besser gestalten können, doch das Hauptproblem des Szenarios ist vielmehr darin begründet, das es sehr lange dauert, bis der Film einen wirklichen Spannungsbogen entwickeln kann. Als dies dann endlich geschieht erscheint es einem so, als wenn in wenigen Minuten alles das nachgeholt werden soll, was man in der ersten Stunde verpasst hat. Dadurch wirken diverse Passagen dann auch leicht überladen, was dem Gesamteindruck eher ein wenig abträglich ist und das Seh-Vergnügen ein wenig trübt.

Letztendlich haben wir es hier aber immer noch mit einem Film zu tun, der etwas oberhalb des normalen Durchschnitts angesiedelt ist. Man sollte jedoch von Beginn an mit den richtigen Erwartungen an dieses Werk herangehen, um später keine Enttäuschung zu erleben. Es wäre eine ganze Menge mehr möglich gewesen, wenn die gefundene Mischung ein wenig ausgeglichener ausgefallen wäre. So aber wurde doch etwas an Potential verschenkt und das Ganze hinterlässt keinen rundum befriedigenden Eindruck, ist aber für einen gemütlichen Film-Abend bestens geeignet


Fazit:


"A Company Man" ist alles andere als ein schlechter Film, jedoch ist aus Südkorea auch schon weitaus Besseres zu uns gelangt. Vielleicht sind es aber auch die eigenen Erwartungen, die einen am Ende dahingehend beeinflussen, das man hier zu keinem gänzlich überzeugenden Gesamteindruck gelangt.


6,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Fr 19. Apr 2013, 14:00
von horror1966
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Chillerama
(Chillerama)
mit Adam Rifkin, Sarah Mutch, Ray Wise, Sean Paul Lockhart, Anton Troy, Paul Ward, Joel David Moore, Kane Hodder, Kristina Klebe, Corey Jones, Kaili Thorne, Jamey Anthony, AJ Bowen
Regie: Adam Green / Joe Lynch / Bear McCreary / Adam Rifkin / Tim Sullivan
Drehbuch: Adam Rifkin / Tim Sullivan / Adam Green / Joe Lynch
Kamera: Will Barratt
Musik: Patrick Copeland / Andy Garfield / Bear McCreary
FSK 16
USA / 2011

Das Kaufman-Drive-In-Autokino soll abgerissen werden und einem modernen Bürokomplex weichen. Am letzten Abend lädt Besitzer Cecil Kaufman seine treue Fangemeinde zu einem Screening der ganz speziellen Art ein, bei dem der Meister einen Pack der verbotensten Kurzfilme aller Zeiten aus dem Giftschrank hervorholt. Die Filme verfehlen ihre Wirkung nicht, und doch ist dem Publikum bis zuletzt nicht bewusst, dass es sich um mehr als nur die letzte Vorstellung des Autokinos handelt.


"Chillerama" stammt eigentlich aus dem Jahre 2011, hat es aber erst jetzt geschafft, in Deutschland auf DVD zu erscheinen. Den Film wirklich zu beschreiben ist so gut wie unmöglich, denn ein jeder sollte sich selbst ein Bild von dem wilden Szenario machen, das sich dem Zuschauer hier präsentiert. In ein filmisches Grundgerüst eingepackt, wird man mit einem vierteiligen Episoden-Horror konfrontiert, dessen Inhalt so dermaßen skurril-und trashig ist, das man kaum die richtigen Worte dafür finden kann. Sexuell ausgehungerte Zombies, schwule Werwölfe und eine wunderbare Karikatur von Adolf Hitler sind dabei nur 3 Beispiele, mit welchen Absurditäten man hier bedient wird. Dabei sollte man das Ganze als herrliche Hommage an die guten alten Zeiten ansehen, bei der man mit unzähligen Anspielungen auf Genre-Klassiker, sowie auf etliche Trash-Produktionen bedient wird, was schon fast zwangsläufig für einen äußerst hohen Unterhaltungswert garantiert. Die Umsetzung der einzelnen Episoden gestaltet sich dabei beabsichtigt billig und erinnert phasenweise an Produktionen aus der berühmten Troma-Schmiede, die ja nun weitaus mehr als nur eine Trash-Granate auf den Markt gebracht hat. Gerade die Folge " I Was A Teenage Werebaer" lässt so auch Anlehnungen an Troma's "Poultrygeist" erkennen, offenbart sich hier doch ein mit Kunstblut angereichertes Rockabilly-Musical, bei dem man die Lachtränen nur schwerlich unterdrücken kann.

Zuvor wird man jedoch mit "Wadzilla" bekannt gemacht, wobei es sich hier ganz eindeutig um die skurrilste Episode handeln dürfte. Eine mutierte Riesen-Spermie macht dabei New York unsicher und die dazugehörigen Effekte sind bewusst billig gehalten, was diesem Kurzfilm seinen ganz besonderen Reiz verleiht. Ganz unwillkürlich wird man dabei einerseits an Filme wie "Godzilla" oder auch "Der Blob" erinnert, andererseits gerät einem jedoch auch die deutsche Komödie "Kondom des Grauens" wieder in Erinnerung. Man müsste eigentlich daraus erkennen, das hier für jede Menge Spaß gesorgt ist, wobei man natürlich eine ausgeprägte Vorliebe für den schlechten Geschmack haben sollte. "Chillerama" wird ganz sicher nicht jeden Geschmack treffen, denn der vorhandene Humor ist bei weitem nicht jedermanns Sache. Das vollkommen überzogene Spektakel dürfte die Lager der Fans in 2 Lager spalten und ganz besonders die Kurzfilme 3 (The Diary of Anne Frankenstein) und 4, dessen Namen ich vor lauter Fäkal-Humor vergessen habe werden dabei den größten Diskussions-Stoff anbieten. Einerseits bekommt man es mit einer skurrilen Karikatur von Adolf Hitler zu tun, der sich als Dr. Frankenstein betätigt und dabei ein Monster erschafft, das selbstverständlich jüdischer Abstammung ist. Es offenbart sich Naziploitation vom Feinsten und im Normalfall dürfte hier wirklich kein Auge trocken bleiben. Danch gibt es dann noch eine wahre Kack-Orgie zu begutachten, die jenseits des guten Geschmacks angesiedelt ist, aber dennoch den Unterhaltungswert der ganzen Chose noch einmal anhebt. Zu guter Letzt bekommt man dann noch einige Minuten des Grund-Filmes (Zom-B-Movie) zu sehen, in denen es im Drive-In Kino noch einmal so richtig zur Sache geht.

Was die Regisseure Adam Green, Tim Sullivan, Joe Lynch, Adam Rifkin und Bear McCreary hier gemeinsam auf die Beine gestellt haben ist wirklich aller Ehren wert. "Chillerama" ist gespickt mit schlechten FX, vollkommen hanebüchenen Szenarien und bietet in seiner Gesamtheit ein wahres Sammelsurium an Absurditäten. Doch gerade aus diesem Aspekt bezieht der Film seinen unglaublichen Charme und ist somit eine der grandiosesten Trash-Granaten, die man in den letzten Jahren gesehen hat. Angereichert mit jeder Menge Kunstblut und einem dem Geschehen angemessenen Härtegrad offenbart sich knapp 2 Stunden lang ein Geschehen, das man wirklich selbst gesehen haben muss, um seine innovative Note zu erkennen. Für die einen der absolute Schund, stellt der Film für Trash-Liebhaber etwas dar, das man nicht so schnell vergessen wird. Wie immer liegt das Ganze selbstverständlich im Auge des jeweiligen Betrachters, doch ich persönlich habe mich bei diesem grotesken Meisterwerk vor lachen fast weggeschmissen und kann nur eine absolute Empfehlung an jeden aussprechen, der eine ausgeprägte Vorliebe für erstklassigen Trash hat.

Viele Köche verderben den Brei, so lautet ein Spruch, der bei vorliegendem Werk aber keinesfalls anzuwenden ist. Durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Mitwirkenden ist nämlich letztendlich eine Geschichte entstanden, die so ziemlich das Beste im Bezug auf den schlechten Geschmack darstellt, das man in den letzten Jahren gesehen hat. Würde man es nicht besser wissen, dann könnte man schnell zu der Meinung gelangen, es hier mit einem weiteren Klassiker aus der Troma-Schmiede zu tun zu haben. "Chillerama" ist der absolut perfekte Party-Film und dürfte in einer geselligen Runde mit einer Kiste Bier noch weitaus unterhaltsamer erscheinen, als er schon von Haus aus ist.


Fazit:


Frivol, absurd und vollkommen überzogen präsentiert sich hier eine Hommage an die alten Zeiten, die ganz bewusst billig in Szene gesetzt wurde. Man kann einfach nicht anders, als sich dem Charme dieses Werkes zu ergeben und gut 2 Stunden die absurdesten Dinge über sich ergehen zu lassen, die das Szenario für einen bereit hält.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 7. Mai 2013, 15:05
von horror1966
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A Blade in the Dark
(La Casa con la Scala nel Buio)
mit Andrea Occhipinti, Anny Papa, Fabiola Toled, Michele Soavi, Valeria Cavalli, Stanko Molnar, Lara Lamberti, Giovanni Frezza, Marco Vivio
Regie: Lamberto Bava
Drehbuch: Elisa Briganti / Dardano Sacchetti
Kamera: Gianlorenzo Battaglia
Musik: Guido De Angelis / Maurizio De Angelis
ungeprüft
Italien / 1983

Der junge Musiker Bruno versucht im Auftrag der Horrorfilmregisseurin Laura in deren neu angemieteter Villa den Soundtrack für einen Horrorfilm zu komponieren, weil die Atmosphäre dort so schön unheimlich ist. Allerdings war das Gebäude zuvor wohl im Besitz einer mysteriösen Frau, die jetzt von allerlei Leuten gesucht wird, währenddessen in nächster Nähe ein Killer sein Unwesen treibt...


Zugegebenermaßen zählt dieser Giallo-Beitrag von Lamberto Bava nicht zu den Überfliegern des Genres, beinhaltet aber dennoch sämtliche Charakteristika des italienischen Horror-Thrillers und bietet somit solide Genre-Kost, die je nach der Sichtweise des jeweiligen Betrachters auch durchaus etwas mehr darstellen kann. Die Geschichte an sich ist handelsüblich und krankt lediglich an einem teilweise etwas schwächelnden Drehbuches, das nicht sonderlich originell daher kommt. Es fehlt ganz einfach an den wirklich überraschenden Momenten, denn Kenner dieser Filmart dürften keine allzu großen Schwierigkeiten damit haben, schon recht frühzeitig auf die Identität des ominösen Killers zu stoßen, der hier einigen jungen Frauen auf grausame Art und Weise das Leben raubt. So bezieht "A Blade in the Dark" seinen Spannungsbogen auch eher aus der Motivlage des Killers, als das seine Identität zu sehr in den Vordergrund rückt. Und an dieser Stelle hat Lamberto Bava dann auch wirklich gute Arbeit geleistet, kann der Zuschauer zwar durchaus einige Puzzle-Teilchen zusammen setzen, bekommt aber erst wenige Minuten vor dem Ende die Gesamt-Zusammenhänge des Ganzen präsentiert.

So sollte man dem Geschehen dann auch durchgehend konzentriert folgen und sich insbesondere von den etlichen falschen Fährten nicht in die Irre führen lassen, die der Regisseur hier zur Genüge gelegt hat. Einige davon sind allerdings so offensichtlich falsch, das man diverse Charaktere sehr schnell aus dem Kreis der Verdächtigen ausschließen kann. Dennoch ist die Spannungskurve recht ordentlich ausgefallen und so kommt es während der gut 90 Minuten Laufzeit immer wieder zu der Situation, das neue Verdächtige in den Fokus des Geschehens rücken und man sich zu keiner Zeit wirklich sicher sein kann, wer denn letztendlich für die brutalen Morde verantwortlich zeichnet. Der Härtegrad des Filmes kann sich zudem wirklich sehen lassen, die einzelnen Tötungen sind für einen Giallo recht heftig und entbehren auch nicht einer gewissen Masse an Kunstblut. Ich möchte sogar soweit gehen und behaupten, das !A Blade in the Dark" ohne Weiteres zu den härteren Vertretern des Genres zu zählen ist, was insbesondere die Liebhaber der etwas härteren Gangart erfreuen dürfte.

In der Hauptrolle kann man Andrea Occhipinti sehen, der den meisten sicherlich aus Lucio Fulci's "Der New York Ripper" bekannt sein dürfte. Ihm zur Seite stehen in der Hauptsache einige nett anzuschauende Damen der Schöpfung, die vor allem durch ihr Äußeres einen optischen Leckerbissen darstellen. Das Schauspiel an sich bewegt sich im soliden Bereich, gibt jedoch keinerlei Anlass dazu, irgend jemanden besonders hervorzuheben. Und so bietet dieses Werk auch trotz einiger vorhandener Schwächen gute Filmkost an, die Fans des Genres sich keinesfalls entgehen lassen sollten. Nebenbei sollte man aber auch anmerken, das die Qualität der deutsch-sprachigen DVD von EC Entertainment nicht gerade berauschend ist, denn Freunde eines gestochen scharfen Bildes und herausragender Ton-Qualität dürften eine eher große Enttäuschung erleben. Meiner Kenntnis nach ist dabei insbesondere der deutsche Ton je nach DVD-Player ziemlich großen Schwankungen unterlegen, was viele Leute davon abhalten könnte, sich diesen sehenswerten Beitrag überhaupt anzuschauen.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei "A Blade in the Dark" sicherlich um kein Meisterwerk, doch der Betrachter bekommt auf jeden Fall sehenswerte Genre-Kost mit sämtlichen Zutaten geboten, die ein Giallo beinhalten muss. Dezente Schwächen im Drehbuch kann man großzügig übergehen, offenbart sich doch letztendlich ein Film, der über die gesamte Laufzeit kurzweilig zu unterhalten weiß.


Fazit:


Lamberto Bava hat hier immerhin ein Werk geschaffen das es durchaus verdient hätte, endlich einmal in einer würdigen deutsch-sprachigen DVD-Veröffentlichung zu erscheinen. Mir persönlich hat der film sogar sehr gut gefallen, aber das liegt wie immer im Auge des Betrachters, denn manch einer mag den Film wohl eher im Durchschnitts-Bereich ansiedeln, wo er jedoch meiner Meinung nach nichts zu suchen hat.


7,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 8. Mai 2013, 10:19
von horror1966
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Modus Anomali - Gefangen im Wahnsinn
(Modus Anomali)
mit Rio Dewanto, Hannah Al Rashid, Aridh Tritama, Izzi Isman, Sadha Triyudha, Jose Gamo, Marsha Timothy, Surya Saputra
Regie: Joko Anwar
Drehbuch: Joko Anwar
Kamera: Gunnar Nimpuno
Musik: Bembi Gusti / Aghi Narottama / Gascaro Ramondo
keine Jugendfreigabe
Indonesien / 2012

Ein Mann erwacht in einem Erdloch im Wald und kann sich weder erinnern, wie er dort hin kam, noch, wer er überhaupt ist. Er stößt auf eine Hütte, in der eine Frauenleiche liegt, daneben ein Video, das ihre Ermordung zeigt, und auch noch zwei nunmehr verschwundene Kinder, nicht aber den dazu gehörigen Täter. Der Mann findet in seiner Hosentasche ein Foto der Familie und folgert daraus, der Vater zu sein. Wo aber sind jetzt seine Kinder? Und der Mörder? Der Mann geht auf eine verzweifelte Suche.


Mit einem Budget von gerade einmal 200.000$ kann man diesen indonesischen Horror-Thriller zu den absoluten Low Budget Produktionen zählen, wobei das keinesfalls als negative Kritik aufzufassen ist. Die spärliche Ausstattung des Szenarios ist in diesem Fall nämlich auch ein Grund dafür, das sich während der Laufzeit ein sehr intensives-und beklemmendes Gefühl beim Zuschauer breit macht, das man bis zum Ende der Geschichte nicht mehr los wird. Rein inhaltlich beinhaltet das Geschehen dabei nichts sonderlich Neues, es wird einem einmal mehr ein Protagonist ohne Erinnerung präsentiert, der sich im Laufe der Zeit durch immer mehr zum Vorschein kommende Puzzle-Teilchen an das erinnern kann, was ihm passiert ist. Nun hört sich das im ersten Moment sicherlich nicht sonderlich innovativ an und der Film scheint in den ersten 60 Minuten auch die übliche Richtung eines Backwood-Slashers einzuschlagen, doch der dann auftretende Plot-Twist der letzten Minuten verabreicht "Modus Anomali" eine Richtungsänderung, durch die sich die Geschichte wohlwollend von anderen Genre-Vertretern abhebt und dem Betrachter doch noch einige Überraschungs-Momente bietet, die man nicht vorhersehen konnte.

Phasenweise erscheint die Geschichte wie eine Art Kammerspiel in einem dichten Waldgebiet, was für einige Leute bestimmt etwas gewöhnungsbedürftig ist. Zudem ist die Erzählweise eher sehr ruhig gehalten und im Prinzip passiert auch nicht wirklich viel. Das mag sich nun eher etwas langweilig anhören, doch wenn man einmal von der Situation ausgeht in der sich die Hauptfigur befindet, entfaltet das Szenario dennoch eine äußerst beklemmende-und dichte Atmosphäre, so das man die ganze Zeit über unter einer gewissen Anspannung steht, da man nicht erahnen kann wie die ganzen Ereignisse zusammenhängen. Man steht auf dem gleichen Wissensstand wie die Hauptfigur und fiebert förmlich der Auflösung des ominösen Geschehens entgegen, auf das man sich keinen Reim machen kann. Nun könnte man aufgrund der hohen Alterseinstufung von einem harten-und blutigen Horror-Thriller ausgehen, doch im Bezug auf explizite Gewaltdarstellungen hält sich das Werk von Joko Anwar eher sehr bedeckt. Die Tötungen werden zumeist lediglich angedeutet und dennoch entfaltet sich ein ziemlich starker Härtegrad, der sich allerdings im Kopf des Betrachters abspielt.

Durch diesen Aspekt wird "Modus Anomali" die Meinungen der Horror-Fans sicherlich in zwei Lager spalten, denn während die einen den Film als langweilig einstufen, eröffnet sich für die anderen das nahezu perfekte Kopf-Kino, da sich die eigentliche Brutalität der Story fast ausschließlich in der Fantasie des Zuschauers abspielt. Dabei muss man jedoch auch dazu in der Lage sein, sich gänzlich auf die Ereignisse einzulassen, da sich nur über diesen Weg die ganze Intensität des Geschehens zu erkennen gibt. Gorehounds werden hier definitiv nicht auf ihre Kosten kommen, denn bis auf ganz wenige Ausnahmen offenbart die Story keinerlei visuelle Härte. Dafür bekommt man jedoch eine atmosphärisch absolut gelungene Low Budget-Inszenierung geboten, die einem das ein-oder andere Mal auch eine gepflegte Gänsehaut verpasst. Auch im darstellerischen Bereich wird man mit solider Kost bedient, wobei das Geschehen den Schauspielern auch keinerlei Glanzleistungen abverlangt, da die Ereignisse ganz einfach nicht dafür ausgerichtet sind.

Alles zusammengenommen kann man von einem sehr gelungenem Film ausgehen, der für sein extrem geringes Budget wirklich gut zu unterhalten weiß. Man sollte jedoch von Beginn an wissen, das hier keinerlei visuelle Brutalität zu erwarten ist, was man aufgrund der 18er Einstufung durchaus vermuten könnte. Vielmehr präsentiert sich eine ruhig erzählte Geschichte in der die brutalen Passagen lediglich angedeutet werden und es dann der Fantasie des Betrachters überlassen, ob man sich auf die Situation einlassen kann. Wenn dem so ist dann entfaltet sich ein ziemlich hoch angesiedelter Härtegrad im Kopf des Betrachters, der durch die Story-Wendung am Ende einen extrem bitteren Beigeschmack hinterlässt. Mir persönlich hat der Film sehr gut gefallen, denn ich mag ganz einfach diese Geschichten, bei denen sich ein Großteil des Geschehens im eigenen Kopf abspielt. Freunde von bluttriefenden Geschichten sollten allerdings genau überlegen ob "Modus Anomali" für sie geeignet ist, denn in dieser Beziehung kocht das Szenario auf absoluter Sparflamme.


Fazit:


"Modus Anomali" ist ein weiterer gelungener Beitrag aus dem asiatischen Raum, der nicht auf explizite Gewaltdarstellungen, sondern auf die Fantasie des Zuschauers ausgelegt ist. Wer dazu in der Lage ist sich in die Ausgangssituation der Hauptfigur hineinzuversetzen wird mit einem intensiven Film-Erlebnis belohnt, das durch seinen Plot-Twist am Ende einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Wer aber eher auf jede Menge Blut und Splatter-Passagen erpicht ist wird eher eine Enttäuschung erleben, denn in dieser Beziehung hält man sich äußerst bedeckt.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 9. Mai 2013, 16:06
von horror1966
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The Tower - Tödliches Inferno
(The Tower)
mit Mina Cho, Sang-kyung Kim, Sul Kyung-gu, Ye-jin Son
Regie: Ji-hoon Kim
Drehbuch: Sang-don Kim
Kamera: keine Information
Musik: keine Information
FSK 16
Südkorea / 2012

Der exklusive 'Tower Sky' mitten in Seoul: ein wuchtiger 400-Meter-Gebäudekomplex aus Stahl, Beton und Glas. Die Partystimmung der 'White Christmas'-Gäste in den oberen Stockwerken verwandelt sich in nackte Angst, als ein Hubschrauber in das Hochhaus rast. Gasexplosionen zerstören ganze Stockwerke, Feuer breitet sich unerbittlich aus. Abgeschnitten durch ein unaufhaltsames Flammenmeer, versuchen die panischen Überlebenden sich mit allen Mitteln einen Weg nach unten freizukämpfen. Währenddessen setzen verzweifelte Feuerwehrmänner alles, daran, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Die Lage scheint aussichtslos...


Schon seit vielen Jahren hat sich Südkorea als ein Land etabliert, das immer wieder etliche ausgezeichnete Filme hervorbringt, wobei sich dies längst nicht auf ein einzelnes Genre bezieht. Mit "The Tower" erreicht uns nun eine wahre Big Budget Produktion, die dem Zuschauer einen wahrhaft sehenswerten Katastrophen-Thriller offenbart, der sich auch keinesfalls hinter diversen Hollywood Blockbustern zu verstecken braucht. Ganz unweigerlich wird man hier schon recht frühzeitig an den Klassiker "Flammendes Inferno" mit Paul Newman erinnert, dient doch auch hier ein riesiger Wolkenkratzer als Schauplatz des Geschehens.So ist es dann auch nicht wirklich verwunderlich, das die Geschichte ähnlich aufgebaut ist wie das Werk aus dem Jahr 1974. So ist die Story an sich dann auch nichts sonderlich Neues und sprüht auch nicht vor innovativen Ideen, bietet jedoch ein jederzeit packendes-und fesselndes Szenario, das bis zur letzten Minute über einen sehr straff gezogenen Spannungsbogen verfügt.

Gleichzeitig beinhaltet der Film auch noch etliche Anspielungen auf 9/11, was insbesondere in den letzten Minuten äußerst stark zum Ausdruck kommt. Nicht umsonst haben die Macher des Filmes hier ähnliche Zwillingstürme wie die Twin-Towers in New York als Location gewählt und Feuerwehrmänner als Helden für ihr Werk genommen und auch der Aspekt das ein Helikopter die Katastrophe auslöst, dürfte vollkommen beabsichtigt sein. So hat man fast schon zwangsläufig die grausamen Bilder des 11.9.2001 vor Augen, wodurch die vorliegende Geschichte eine noch intensivere Note erhält, als es von Haus aus schon der Fall ist. Dabei beginnt das Ganze doch eher banal, denn in den ersten gut 30 Minuten werden dem Betrachter die für die Geschichte wichtigen Charaktere ein wenig näher gebracht, zudem beinhaltet das Geschehen in dieser Einführungs-Phase auch einige sehr humorige Momente, wobei es sich aber zum Glück nicht um den ansonsten manchmal vollkommen überzogenen asiatischen Humor handelt.

Nachdem das Inferno dann nach einer guten halben Stunde eingeläutet wird ist es schlagartig mit der bis dahin vorherrschenden Beschaulichkeit vorbei. Fast ruckartig schlägt der Film eine vollkommen andere Richtung ein und es entfaltet sich innerhalb kürzester Zeit eine extrem beklemmende Atmosphäre. Das Wissen um die eigentlich hoffnungslose Lage der in dem 400 Meter hohen Turm eingeschlossenen Menschen macht einem wirklich zu schaffen und die atemberaubenden Bilder des Filmes tun ihr Übriges, um dem Zuschauer mächtig zuzusetzen. Die dabei verwendeten Effekte sind absolut erstklassig und haben rein gar nichts mit diversen billigen CGI-Spektakeln zu tun, die man in etlichen RTL 2 Filmen zu sehen bekommt, hier wird einem ein Szenario präsentiert, das fast schon erschreckend glaubwürdig erscheint. Die innerhalb des Gebäudes entstehende Massen-Panik der Menschen jagt einem phasenweise eiskalte Schauer über den Rücken, wuchtige Explosionen und das Hervortreten der menschlichen Natur zeichnen dabei ein authentisches Bild des Grauens. Der nackte Überlebenswille schaltet sämtliche Moralvorstellungen aus und bei vielen der Eingeschlossenen tritt der pure Egoismus in den Vordergrund. Gleichzeitig präsentiert "The Tower" auch noch eine sozialkritische Note, wird doch die Order ausgegeben, das die Rettung diverser im Wolkenkratzer befindlicher Persönlichkeiten absoluten Vorrang hat. Diese Klassifizierung über den Wert des menschlichen Lebens hinterlässt schon einen recht schalen-und bitteren Beigeschmack, erscheint aber auf der anderen Seite vollkommen glaubhaft und zeigt ganz unverhohlen auf, das doch nicht alle Menschen glaich sind.

Auch die darstellerischen Leistungen der Schauspieler sind eine ganz große Stärke dieses Katastrophen-Filmes, der sich im Bezug auf die vorhandene Qualität auf jeden Fall im oberen Drittel ansiedelt. Stärken und Schwächen der Protagonisten werden ganz hervorragend zum Ausdruck gebracht und auch für etliche Emotionen ist genügend Freiraum enthalten. Dabei wirkt das Ganze zu keiner Zeit schnulzig oder zu dick aufgetragen, so das man sich auch als Betrachter äußerst gut mit dem gesamten Geschehen identifizieren kann. Hier wurde also wirklich alles richtig gemacht, die gefundene Mischung aus Schreckens-Szenario und emotionaler Schien wurde nahezu perfekt ausgelotet. In manchen Phasen hat man sogar das Gefühl, sich in einer ergreifenden Live-Doku zu befinden, was die Intensität der Geschichte noch einmal zusätzlich hervorhebt. Insgesamt gesehen ist "The Tower - Tödliches Inferno" ein absolut empfehlenswerter Film, den man sich als Liebhaber von Katastrophen-Thrillern keinesfalls durch die Lappen gehen lassen sollte.


Fazit:


Es ist schon absolut herausragend, welch brillante Filme in den letzten Jahren aus Südkorea zu uns gelangt sind. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um Thriller, Horrorfilme oder was auch immer handelt. Die hohe Qualität der meisten Werke ist ein untrügliches Zeichen dafür, das man sich die große Filmwelt ohne das asiatische Land gar nicht mehr vorstellen kann.


8,5/10