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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Fr 15. Feb 2013, 07:32
von jogiwan
The Cold Hour
Ich fand den Anfang von "La Hora Fria" jetzt gar nicht mal so gelungen und anfänglich deutet ja alles etwas auf einen weiteren Found-Footage-Streifen bzw. "Rec"-Klon hin, der interessanterweise jedoch erst ein Jahr danach produziert wurde. Der Film lässt sich auch Zeit, präsentiert ausgiebig seine Charaktere und nur häppchenweise werden dem Zuschauer Handlungselemente zugeworfen, die die Geschichte immer wieder in eine neue Richtung lenken und die Spannung bis zum Finale extrem steigern. Das Ganze ist dann auch sehr fesselnd erzählt, gruselig, atmosphärisch dicht und das Ende lässt den Zuschauer schon etwas geplättet zurück. Verraten will man ja nix, aber ich bin mit meiner Ahnung jedenfalls komplett falsch gelegen. Die unberechenbare und gelungene, weil auch sehr europäische Mischung aus Klaustrophobie-Thriller, Sci-Fi-Horror und Mystery kann man dann auch nur empfehlen, selbst wenn Vieles letzten Endes dem Empfinden des Zuschauers überlassen bleibt. Großartiger, kleiner Streifen!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Sa 16. Feb 2013, 09:01
von jogiwan
Das verborgene Gesicht
Ein Auslandsauftrag führt den spanischen Dirigenten Adrian nach Bogota, wo dieser das geräumige Haus einer ausgewanderten Deutschen mietet. Sehr zum Missfallen seiner Freundin Belén ist Adrian aber nicht nur an der Musik interessiert und die temperamentvolle Spanierin entwickelt zunehmend eifersüchtige Gefühle. Eines Tages ist Belén spurlos verschwunden und hinterlässt lediglich eine Videobotschaft, dass sie sich von Adrian getrennt hat. Dieser tröstet sich mit Alkohol und der hübschen Kellnerin Fabiana über die Trennung hinweg, die daraufhin im Haus mit mysteriösen Ereignissen konfrontiert wird...
Ich weiß nicht, wann mich ein Thriller das letzte Mal so derartig körperlich mitgenommen und gleichzeitig begeistert hat. Andres Baiz macht in "Das verborgene Gesicht" ja eigentlich alles richtig und präsentiert dem Zuschauer in schönen Bildern eine ungewöhnliche Geschichte mit doppelten Boden, die nach 30 Minuten gleich mal eine 180 Grad Wendung erfährt und bis zum Ende unvorhersehbar bleibt. Ein dickes "Fuck You" geht aber gleich einmal in Richtung Film und Marketing-Firma, die es scheinbar mühelos schaffen, diesen interessanten Twist überall zu verlautbaren und gleich im DVD-Menü zu spoilern. Das nimmt dem Film doch einiges von seiner überraschenden Wirkung und Potential, auch wenn "La cara oculta" so noch ein eigentlich fieser Film mit immenser Spannung bleibt. "La Cara Oculta" ist mit seinen hübschen Darstellern und seiner geschickt konstruierten und dennoch ruhig erzählten Geschichte dann auch sicher einer der besten und effektivsten Thriller, die ich seit langer Zeit vor die Linse bekommen hab.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: So 17. Feb 2013, 10:11
von jogiwan
Barbarisches Double-Feature:
Thor - Der Unbesiegbare Barbar
"Thor - Der unbesiegbare Barbar" gilt ja gemeinhin als der schlechteste aller italienischen Barbarenfilme und nach meiner gestrigen Sichtung kann ich das auch uneingeschränkt bestätigen. Die Geschichte des Streifens ist nicht nur ziemlich doof, sondern biegt auch sehr unsympathisch und stets bierernst um die Ecke. Keine Spur von dem augenzwinkernden Charme und Humor anderer Werke und bei den Dialogen, Kommentaren und ständigen Rülpsen wird Fremdschämen neu definiert. Wie auch das Nachfolgewerk "Rush" wurde "Thor - Der unbesiegbare Barbar" aus Kostengründen zum überwiegenden Teil in der freien Natur gedreht und außer einer Holzbrücke und ein paar Strohhütten gibt es auch keine nennenswerten Requisiten, die auch nur irgendwie Urzeit-Feeling aufkommen lassen. Die episodenhafte Handlung plätschert vor sich hin und auch das höhepunktslose Finale passt zu einem Film, den man sich wirklich schenken kann. Grottig!
Die Barbaren
Lustiger Big-Budget-Trash von Ruggeor Deodato mit zwei hoffnungslos überforderten Hauptdarstellern, die sich grunzend und mit weiblichen Aufputz durch ein bizarres und quietschbuntes Vorzeit-Szenaria schlägern. Obwohl der Streifen irgendwie schon ein bissl doof ist, hat "Die Barbaren" aber einen immensen Unterhaltungswert und bietet die richtige Mischung aus Humor, Gore und liebenswerten Nonsens. Besonders hervorzuheben ist dabei sicherilch die Szene im (!) Drachen, die man so wohl nur in einem italienischen Film bringen kann. Der Action-Fans in den Achtzigern konnte mit dem humorvollen Werk wohl eher weniger anfangen und für die Paul-Brüder und ihre fragwürdige Leistung gabs sogar die "goldene Himbeere". Heutzutage fällt sowas dann auch eher unter die Kategorie "Partyfilm" und wird auch dementsprechend abgefeiert. Dank bekannter Gesichter wie Richard Lynch und Michael Berryman, lustigen Einfällen und gelungener Umsetzung kommt der Kracher aber auf jeden Fall in meine persönliche Barbaren Top 3. Spaßig!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mo 18. Feb 2013, 09:00
von jogiwan
Mörderspinnen
Etwas behäbiger Tierhorror-Streifen mit bösen Taranteln, der sich imho doch arg an Alfed Hitchcocks "Die Vögel" orientiert. Als Kind hat mir "Mörderspinnen" ja noch schlaflose Nächte bereitet, aber mittlerweile hab ich mit den Viechern und dem Film ja meinen Frieden geschlossen, sodass ich danach nicht mehr die Bettdecke kontrollieren musste. Irgendwie kommt der Streifen anfänglich ja nicht so recht in die Puschen und auch das Ende hatte ich irgendwie spektakulärer und düsterer in Erinnerung. So richtiges Terrorfeeling kommt ja nur teilweise auf und am Ende scheinen den Machern wohl auch etwas die Ideen ausgegangen zu sein. Trotzdem zählt "Kingdom of Spiders" wohl zu den besserern Tierhorror-Streifen aus der Zeit und dank massiven Einsatz von echten Spinnen und keinen billigen Attrappen (ja Onkel Lucio - du bist gemeint) ist der Streifen dann auch recht gelungen und für Arachnophobiker ist der Streifen wohl auch heutzutage noch unerträglich.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Di 19. Feb 2013, 12:33
von jogiwan
Einer gegen das Imperium
Lustiger Blödsinn - demnächst mehr!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Do 21. Feb 2013, 09:11
von jogiwan
Er - Stärker wie Feuer und Eisen
Zweitsichtung - immer noch lustig!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Fr 22. Feb 2013, 07:55
von jogiwan
Oxford Murders
Sehr vertrackter Thriller, der sich irgendwo zwischen klassischen Krimi und nerdigen Verschwörungsthriller mit philosophischer Komponente positioniert und so viele Fährten legt, dass man schon genau aufpassen muss, um im Verlauf des Filmes nicht den Faden zu verlieren. Die Geschichte von "Oxford Murders" mit Zahlen-Mysterien ist ja schon etwas arg abstrakt und kontstruiert gestaltet, aber ich mag die Idee, dass der Zuschauer gleich zu Beginn des Filmes einer Idee aufsitzt, die sich am Ende dann nicht so bewahrheitet, wie man sich das eigentlich gedacht hat. Ein weiterer Punkt, der es dem Zuschauer auch nicht so leicht macht den Film zu mögen, sind wohl seine abgeklärten Figuren, bei denen der richtige Sympathieträger irgendwie fehlt. Trotzdem ist es gerade die Mischung aus den vorangegagenen Punkten, die mich sehr angesprochen hat und auch optisch gibt es in dem Film wie erwartet ohnehin nix zu bemängeln. Ein gelungener Film, den ich mir jetzt zwar nicht unbedingt von Alex de la Iglesia erwartet hätte, obwohl der - wie der Bux schon anmerkte - doch etwas unterbewertet scheint. Danke auch an meinen Arkschi für den virtuellen A.Tritt...

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Sa 23. Feb 2013, 10:10
von jogiwan
The Innkeepers
Hmmm... gar so begeistern kommte mich der Film ja nicht und obwohl er oldskoolig sein möchte und sich sehr eindeutig bei "Shining" abkupfert, setzt Ti Wests Streifen wenig auf Atmosphäre, sondern ausschließlich (!) auf sogenannte Jump-Scares, die teils elend lang hinausgezögert werden und mir mit zunehmender Laufzeit doch etwas auf die Nerven ging. Die Geschichte und ist doch sehr lahm, die Location wenig atmosphärisch und seine wenigen Figure teils seltsam gezeichnet und so kommt das Teil auch einfach nie so richtig in die Puschen. Da ein ungeklärtes Geräusch, da eine kurze Geistererscheinung, sind auch ein bissl wenig für einen Streifen, der wohl ebenfalls auf ungeklärte Weise zu seiner 18er-Freigabe gekommen ist. "The Innkeepers" ist sehr durchschnittliche (Nicht-)Gruselkost und erinnert an Mystery-Serien aus den Neunzigern und hält wohl auch ungefähr deren Niveau.
Dante's Cove
Dante's Cove ist wohl der einzige Küstenort in Amerika, in dem ständig die Sonne untergeht und 30 Grad und 100 % Luftfeuchtigkeit herrschen. Kein Wunder, dass die männlichen, wie weiblichen Darsteller ständig in weiches Licht gehüllt werden, allesamt ohne Wäsche herumlaufen, oder ihre Fetisch-Klamotten ausführen. Nebenher gibts auch noch ein bisschen Mystery in Form eines verfluchten Zauberers im Keller eines Hotels, in dem nur Nymphomanen absteigen und ständig miteinander und untereinander kopulieren. Ist richtig doof, macht richtig Spaß und irgendwie freue ich mich nach der gestrigen Episode auf die nächsten. X-Hamster trifft schon wieder auf Akte X und mit seinem gänzlich entrückten Charme ist "Dante's Cove" auch noch mehr "Guilty Pleasure" als "The Lair" zu dem es wohl später auch noch thematische Überschneidungen geben wird.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: So 24. Feb 2013, 10:07
von jogiwan
Gunan - König der Barbaren
Unterhaltsamer Schmarrn - demnächst mehr...
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Di 26. Feb 2013, 07:37
von jogiwan
Liebe
Da fehlen einem echt die Worte... Haneke hat wirklich einen perfekten Film geschaffen. "Liebe" konfrontiert den Zuschauer unweigerlich mit der unschönen Seite des Alterns und dem Tod und ist dabei aber gleichzeitig so zurückhaltend, nüchtern, ehrlich und einfühlsam, dass man fast keine Distanz zu dem Geschehen wahren kann und auch gar nicht möchte. Wo andere Filmemacher wie z.B. Ulrich Seidl draufhalten und das primäre Ziel ist, dem Zuschauer ordentlich eins vor dem Latz zu knallen, bewahrt Haneke die Würde seiner Protagonisten und spart unschöne Dinge nahezu aus, was "Liebe" aber paradoxerweise dank Kopfkino noch eindringlicher macht. Zwei Menschen, eine Wohnung und der Verlust der Selbstbestimmung bis zum bitteren Ende sind wohl noch nie so effektiv auf Film gebannt worden und Trintignant und Riva sind schlichtweg grandios!