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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Sa 6. Apr 2013, 00:34
von horror1966
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Cat Run
(Cat Run)
mit Paz Vega, Janet McTeer, Alphonso McAuley, Scott Mechlowicz, Christopher McDonald, Karel Roden, D.L. Hughley, Tony Curran, Michelle Lombardo, Radik Golokov, Branko Djuric, Gordan Kicic
Regie: John Stockwell
Drehbuch: Nick Ball / John Niven
Kamera: Jean-Francois Hensgens
Musik: Devin Powers
keine Jugendfreigabe
USA / 2011

Die Edelprostituierte Cat ist auf der Flucht nachdem sie Zeugin eines Mordes durch den korrupten US-Senator Krebb wurde. Erbarmungslos gejagt von der auf extreme Folterpraktiken spezialisierten Auftragskillerin Helen Bingham, den skrupellosen Handlangern des Senators und zwei dilettantischen Amateur-Detektiven ... entpuppen sich Letztere bald als ihre einzigen Verbündeten...


John Stockwell (Turistas) hat mit "Cat Run" einen Mix aus Action / Thriller-und Komödie auf den Weg gebracht, der allein aufgrund seiner Geschichte sicherlich nicht unbedint etwas Neues anbietet. Oft genug hat man solche oder ähnlich gelagerte Szenarien schon zu Gesicht bekommen, als das man von einem Ausbund an Innovation sprechen könnte. Es ist vielmehr die Umsetzung des Inhaltes und die darstellerische Leistung diverser Figuren, die diesen Film äußerst stark aufwertet und ihn oberhalb des üblichen Durchschnitts ansiedelt. Dabei fängt das Ganze gar nicht einmal so berauschend an, denn in den ersten gut 30 Minuten ergeht sich das Geschehen doch eher in ein wenig Belanglosigkeit und hat dem Zuschauer bis auf den ein-oder anderen Schmunzler nicht sonderlich viel zu bieten. Ein paar Sprüche hier, ein paar Sprüche da, ansonsten jedoch geben sich noch keinerlei Höhepunkte zu erkennen, an denen man letztendlich die vorhandene Klasse dieser Produktion ablesen könnte. Dieser Zustand ändert sich jedoch schlagartig als mit Janet McTeer in der Rolle einer kultivierten, aber eiskalten Profi-Killerin eine Dame auf der Bildfäche erscheint, die der Geschichte ganz unweigerlich ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt und dem Szenario nun auch eine Menge an Klasse verleiht, die zuvor nur in leichten Ansätzen zu erkennen war.

Zwar war der Film bis zu diesem Zeitpunkt keinesfalls langweilig, doch von nun an entwickelt sich die Produktion in ungeahnte Höhen und macht dem Betrachter erst so richtig Spaß. Ehrlich gesagt reiht sich nun fast schon ein Highlight an das Nächste, wobei einem zuerst die rasante Temposteigerung in der Erzählweise auffällt. Es kracht und knallt an allen Ecken und Enden, wobei auch im Bezug auf den Härtegrad ordentlich zugelegt wird. Man wird mit so einigen teilweise sogar ziemlich blutigen Szenen konfrontiert, an die man zu Beginn noch nicht einmal im Traum gedacht hätte. Das allein wäre aber noch lange kein Grund hier von einem wirklich gelungenen Beitrag zu reden, doch McTeer trägt auch gleichzeitig Sorge dafür, das nun eine extrem schwarzhumorige Note in das Geschehen Einzug hält, an der man sich phasenweise richtiggehend ergötzen kann. Aus eher lauen Dialogen wird nun bissiger Wortwitz und die teilweise auftretende Situationskomik lässt aus diversen Schmunzlern richtige Lach-Attacken hervorgehen, die man sich beim besten Willen nicht verkneifen kann. An dieser Stelle sei lediglich an ihren Kampf mit dem einarmigen Mitarbeiter der beiden Hobby-Detektive erinnert, oder aber an ihren Deckensturz in das Porno-Kino. Dies sind lediglich 2 Beispiele von vielen, die gepaart mit dem brillanten Wortwitz eine wahre Wonne sind.

Man sollte jedoch auch nicht die anderen Schauspieler vergessen, die insbesondere in den Hauptrollen wirklich gute Figuren abgeben. Dabei handelt es sich um eher unbekannte Gesichter, was aber keineswegs negativ zu verstehen ist, denn gerade dieser Aspekt verleiht dem Film insgesamt gesehen einen doch sehr frischen Anstrich der ihm gut zu Gesicht steht. Dennoch agiert Janet McTeer absolut überragend und lässt den Rest der Darsteller-Riege ein wenig blass erscheinen, denn ihre Omnipräsenz in der Geschichte ist ganz einfach herausragend. das sie dabei jedoch jederzeit über eine herausragende Rghetorik verfügt und selbst in den skurrilsten Situationen die Contenance bewahrt, bringt in so manchen Passagen der Geschichte einen unverhohlenen Sarkasmus zum Ausdruck. Während sich die gute Frau eigentlich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt und sich auch zu keiner Zeit im Ton vergreift, ist der für sie angeheuerte Ersatz-Killer Sean Moody (Tony Curran) das genaue Gegenteil. Optisch vollkommen heruntergekommen und mit einem Vokabular ausgestattet das einem die Schuhe auszieht, ist der gute mann allerdings leider viel zu kurz ein Teil dieser Geschichte, doch selbst die wenigen Minuten mit ihm sind es wert, sich diese Produktion einmal anzuschauen.

Kameratechnisch eingebaute Gimmicks runden die ganze Chose dann nahezu perfekt ab und machen aus dieser eher simplen Geschichte fast schon ein kleines Genre-Highlight, denn "Cat Run" zählt durchaus zu den Produktionen, die man relativ leicht unterschätzen kann. Streckenweise kann man vom Stil her auch ziemlich offensichtliche Ähnlichkeiten zu Werken von Quentin Tarantino feststellen, was manch einer jetzt bestimmt wieder als Grund dafür nimmt, sich dieses rasante-und extrem witzige Gesamtpaket erst gar nicht anzuschauen. Das wäre aber ein äußerst fataler Fehler, handelt es sich doch um einen wahnsinnig unterhaltsamen Film, der nicht nur jede Menge bissigen Humor-und erstklassige Action beinhaltet, sondern gleichzeitig auch eine extrem spielfreudige Janet McTeer präsentiert, die mit ihrer grandiosen Performance allein schon eine Sichtung rechtfertigt.


Fazit:


Im Prinzip bin ich ohne jegliche Erwartungen an diesen Film herangegangen, der mich dann letztendlich aber total positiv überrascht hat. Wer extrem kurzweilige Unterhaltung zu schätzen weiß sollte hier auf jeden Fall zugreifen, denn eher selten bekommt man ein Gesamtpaket geliefert, das so rund und stimmig erscheint wie dieses.


8,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Sa 6. Apr 2013, 15:28
von horror1966
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Resident Evil: Retribution
(Resident Evil: Retribution)
mit Milla Jovovich, Sienna Guillory, Michelle Rodriguez, Aryana Engineer, Bingbi Li, Boris Kodjoe, Johann Urb, Robin Kasyanov, Kevin Durand, Oded Fehr, Colin Salmon, Shawn Roberts, Toshio Oki
Regie: Paul W.S. Anderson
Drehbuch: Paul W.S. Anderson
Kamera: Glen MacPherson
Musik: tomandandy
FSK 16
Deutschland / Kanada / 2012

Während das tödliche T-Virus sich weiter auf der Welt verbreitet und die Bevölkerung in fleischfressende Zombies verwandelt, erwacht Alice in der Zentrale der Umbrella Corporation. Dort lässt ihre einstige Freundin Jill Valentine, mithilfe des Supercomputers Red Queen, in zahlreichen Simulationskammern unterschiedliche Waffen- und Systemtests durchführen. Der Weg zur Freiheit führt Alice und ihre Mitstreiter, darunter Spionin Ada Wong, einmal quer durch die mit todbringenden Monstern gespickte Zentrale. Gemeinsam kämpfen sich die neuen Verbündeten und alten Freunde durch unterirdische Großstadtsimulationen von Tokio, New York, Washington D. C. und Moskau, um einer feindseligen Welt am Rande des Zusammenbruchs zu entkommen. Der Countdown hat begonnen...


Nachdem Paul W.S. Anderson schon beim letzten Teil der Reihe wieder auf den Regie-Stuhl zurückgekehrt war, zeichnet er auch für die neueste Verfilmung als Regisseur verantwortlich. Mit "Resident Evil: Retribution" präsentiert sich nun eine Geschichte, die insbesondere für Neueinsteiger eine ziemliche Hürde darstellen dürfte, denn die unzähligen Verknüpfungen mit den vorherigen Filmen machen es Zuschauern ohne Vorkenntnisse doch ziemlich unmöglich, überhaupt durch die Geschichte durchzusteigen. Längst vergessene Charaktere und Szenarien erscheinen wieder auf der Bildfläche, wodurch die Story eigentlich nur durch das Kennen der vorherigen 4 Teile einigermaßen logisch erscheint. Doch selbst für Kenner der beliebten Film-Reihe kann es gerade zu Beginn des Filmes durchaus zu Verwirrungen kommen, sind die anfänglichen Erklärungsversuche doch eher spärlich und lassen zunächst kein klares Konzept erkennen, was sich erst mit zunehmender Laufzeit etwas klarer erkennen lässt. Ganz generell gesehen hat Anderson aber auch ganz offensichtlich keinen gesteigerten Wert auf eine inhaltlich ergiebige Story gelegt, wobei sich die einzelnen Teile der Reihe noch nie durch inhaltlichen Tiefgang ausgezeichnet haben.

Im Vordergrund des Ganzen steht ganz eindeutig der Action-Gehalt und in diesem Bezug wird auch eine ganze Menge geboten. Der Nachteil darin besteht lediglich in dem Aspekt, das die ganze Chose zum größten Teil in einem vollkommen überladenen Action-Spektakel ausartet, das an diversen Stellen schon durchaus den Eindruck von Eintönigkeit vermittelt. Sicherlich erwartet man bei jedem Resident Evil Film ein gewisses Tempo und jede Menge Kampf-Passagen, doch in diesem speziellen Fall ist es fast schon zuviel des Guten. Fast über die gesamte Laufzeit hinweg wird nur wild um sich geballert und es gibt die obligatorischen Nahkämpfe, die man auch aus den Vorgängern her kennt. Der geneigte Action-Junkie wird höchstwahrscheinlich absolut begeistert sein von diesem Szenario, das rein inhaltlich aber so gut wie keinen Nährwert beinhaltet und meiner persönlichen Meinung nach die bisher schwächste Verfilmung darstellt. Andersons Vorliebe für Zeitlupen-Einstellungen kommt hier auch wieder äußerst stark zum tragen und irgendwie kann man sich des Gefühls nicht erwahren, das einem die ganzen Kampf-Choreografien seltsam bekannt vorkommen, so das sie streckenweise schon ein wenig ermüdend erscheinen.

Irgendwie scheinen den Machern der reihe so langsam aber sicher die Ideen auszugehen, so das man hier eine teils wirre Verbindung zu den Vorgängern herstellen muss, um dem Werk zumindest eine dünne Rahmenhandlung zu verleihen, die jeder Film braucht, um auch nur annähernd zu funktionieren. Man darf schon jetzt auf den nächsten Teil gespannt sein, denn das Ende von "Retribution" suggeriert ganz klar, das man das Ende der Fahnenstange wohl noch längst nicht erreicht hat. Bleibt zu hoffen, das bis dahin eventuell ein paar neue Ideen entstehen, damit die Resident Evil Filme nicht endgültig im Mittelmaß versinken, das sie zum jetzigen Zeitpunkt spätestens erreicht haben. Einziges echtes Highlight ist einmal mehr Milla Jovovich, die gewohnt souverän in ihrer Paraderolle agiert und so wenigstens einen dünnen Lichtstrahl zum Betrachter sendet, der sich an ihrer wie immer gelungenen Performance erfreuen kann

Mit "Resident Evil: Retribution" hat das Franchise seinen bisherigen Tiefpunkt erreicht und bietet insbesondere inhaltlich absolute Schmalkost. Ganz augenscheinliche Defizite werden mit überladenen Action-Passagen kaschiert, doch wenn man etwas genauer hinschaut, kann man die augenscheinlichen mankos schwerlich übersehen. Im darstellerischen bereich wird zudem auch das absolute Mittelmaß geboten, doch war dieser Punkt noch nie eine unbedingte Stärke dieser Filme. Lediglich eine immer wieder überzeugende Hauptdarstellerin gilt als Lichtblick in einer Geschichte, die diese Bezeichnung im Prinzip gar nicht einmal verdient. Dennoch wird eine Fortsetzung fast so sicher kommen wie das Amen in der Kirche, kann man doch immer wieder das schnelle Geld mit der beliebten Reihe verdienen und wird diese so lange ausschlachten, bis die Fans irgendwann generell das Interesse verlieren.


Fazit:


Für den reinen Action-Junkie bietet sich ganz bestimmt ein wahres Feuerwerk, wer jedoch ein wenig mehr erwartet wird wohl eher enttäuscht sein. Eine schwache Rahmenhandlung, mittelmäßige Darsteller und kaum wahrnehmbare Spannung lassen die mittlerweile fünfte Real-Verfilmung im absoluten Durchschnittsbereich versinken, wobei wirkliche Neuerungen oder innovative Impulse nicht wirklich zu erkennen sind.


6/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 8. Apr 2013, 00:50
von horror1966
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Off Balance - Der Tod wartet in Venedig
(Un Delitto poco comune)
mit Michael York, Edwige Fenech, Donald Pleasence, Mapi Galan, Fabio Sartor, Renato Cortesi, Antonella Ponziani, Carola Stagnaro, Daniele Brado, Caterina Boratto, Luis E. Ciannelli, Renata Del Pozzo
Regie: Ruggero Deodato
Drehbuch: Gianfranco Clerici / Vincenco Mannino
Kamera: Giorgio Di Battista
Musik: Pino Donaggio
ungeprüft
Italien / 1988

Der erfolgreiche Pianist Robert Domenici erfährt auf dem Höhepunkt seiner Karierre, daß er unter einer sehr seltenen, unheilbaren Krankheit leidet. Eine Gen-Störung, die sonst vorwiegend bei Kindern auftritt, hat zur Folge, daß er innerhalb kurzer Zeit altert. Gleichzeitig greift die Krankheit die Gehirnzellen an und führt zu Bewußtseinsveränderungen und unkontrolliertem, psychopathischem Verhalten. Domenici gibt seine Karriere auf und zieht sich vollkommen von seiner Umwelt - sogar von seiner Verlobten Helene - zurück. Als einige Verehrerinnen aus dem Umfeld Domenicis auf mysteriöse Weise ums Leben kommen, verdächtigt Inspektor Datti den Pianisten, kann ihm aber nichts nachweisen. Da erfährt Domenici, daß Helene ein Kind von ihm erwartet, daß seine Krankheit erben könnte...


Manche Filme muss man sich wirklich öfter anschauen, bis man einen gewissen Bezug zu ihnen herstellen kann und auch eine zumindest teilweise vorhandene Klasse in ihnen erkennt. Genau so verhält es sich mit diesem Spät-Giallo von Ruggerio Deodato (Cut and Run, Nackt und zerfleischt), der mit "Off Balance - Der Tod wartet in Venedig" einen Ausflug in ein für ihn eher unbekanntes Sub-Genre gewagt hat. Bei meiner ersten Sichtung vor einigen Jahren konnte mich das Werk nun wirklich nicht begeistern, was aber sicherlich auch im gewöhnungsbedürftigen Geschichts-Aufbau begründet ist, die für einen Gialli doch eher ungewöhnlich daherkommt. Baut sich doch in den meisten Fällen eine geheimnisvolle Mordserie auf und die Identität des Killers wird erst kurz vor dem Ende preisgegeben, so verhält es sich hier einmal vollkommen anders. Denn wer der ominöse Killer ist wird in dieser Story ziemlich schnell geklärt, nach spätestens einer halben Stunde liegen Motiv sowie auch die Identität des Mörders auf der Hand. Danach geht das Geschehen in eine fast vollkommen andere Richtung und serviert dem Zuschauer vielmehr ein menschliches Drama, das sich fast ausschließlich um die Hauptfigur des Filmes dreht.

Gerade dieser Aspekt löst bei vielen Fans ein Gefühl der Langeweile aus und ehrlich gesagt war das damals auch bei mir nicht anders. Aus der Sicht eines Giallo-Liebhabers auch durchaus verständlich, sollte man aber dennoch versuchen, Deodato's Film als das zu sehen was er nämlich letztendlich ist, ein durchaus gelungener Mix aus Giallo-und Drama, das aufgrund seiner Erzählweise lediglich ein wenig anders aufgebaut wurde. Ist man dazu in der Lage und kann die erste Enttäuschung unterdrücken, dann bekommt man einen im Prinzip wirklich gelungenen Beitrag zu sehen. Zwar ist der Film keineswegs im oberen Drittel anzusiedeln, doch er bietet durchgehend gute-und kurzweilige Unterhaltung. Insbesondere die ersten 30 Minuten sind dabei sogar richtig stark zu bewerten, baut sich hier doch innerhalb kürzester Zeit ein extrem guter Spannungsbogen auf und es entfaltet sich zudem eine äußerst dichte-und bedrohliche Grundstimmung. Die dabei gezeigten Morde fallen sogar ziemlich blutig aus und wurden außerdem sehr gut in Szene gesetzt.

Das dadurch die Erwartungen des Betrachters natürlich in die Höhe schnellen ist sicherlich nur zu verständlich und so kann man dann auch die Enttäuschung vieler Leute besser nachvollziehen, als Deodato nach nur 30 Minuten das Genre regelrecht auf den Kopf stellt. Hat man zwar bis zu diesem Zeitpunkt ganz bestimmt schon seine eigenen Vermutungen im Bezug auf den Täter hergestellt, so präsentiert ihn der Regisseur nun ganz offensichtlich mitten auf einem Silbertablett, was im ersten Moment ein Gefühl der Schock-Starre auslöst. Nun aber ist man selbst gefragt, sollte diesen ungewohnten Schritt ganz einfach akzeptieren und sich schlicht und ergreifend auf das folgende Geschehen einlassen. Nur so kann man diesem Werk den nötigen Respekt erweisen, den es bei genauerer Betrachtung auch durchaus verdient. In der Folgezeit wird man immer wieder mit einem Mann konfrontiert, der ohne jede Chance etwas dagegen zu unternehmen richtiggehend vor sich hin siecht und körperlich vollkommen zerfällt. Eine extrem seltene Krankheit bricht bei ihm aus und lässt ihn dabei in Windeseile altern, wobei der Verfall ziemlich gut ins Bild gerückt wurde. Seine Beweggründe für weitere Greueltaten sind ganz bestimmt nicht zu akzeptieren, dennoch entwickelt man ohne etwas dagegen tun zu können mitleid mit dem Mörder, was ganz sicher vom Regisseur auch durchaus beabsichtigt war. Es ist nämlich schon ein cleverer Schachzug von Deodato seine Geschichte so aufgebaut zu haben, was aufgrund der Kern-Thematik des Filmes auch gar nicht anders möglich war und so sieht man die Ereignisse von nun an eventuell auch aus einer ganz anderen Sichtweise.

Zuerst die brutal inszenierten Morde die fast schon zwangsweise eine Antipathie gegen den Mörder entstehen lassen den man dann ja auch recht schnell kennen lernt, um danach mit dessen grausamen Schicksal den Zuschauer in einen moralischen Konflikt zu stürzen, da man aus rein menschlicher Sicht durchaus Mitleid mit dem Mann empfindet, der im Prinzip auch nichts anderes ist als ein wehrloses Opfer. Dieser Gesichtspunkt war mir bei meiner ersten Sichtung überhaupt nicht aufgefallen, da die damalige Enttäuschung ganz einfach zu groß war. Mittlerweile kann ich mich jedoch sehr gut mit "Off Balance" anfreunden, was einerseits allein schon im Mitwirken der wie immer blendend aussehenden Edwige Fenech begründet ist, andererseits aber auch daran liegt, das der Film wirklich Qualität beinhaltet, die aber vielleicht erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Sicherlich wird das Werk nie zu meinen absoluten Lieblingen gehören, doch meine zur damaligen Zeit vernichtende Bewertung muss ich definitiv korrigieren.


Fazit:


Es gibt einige Filme des Sub-Genres, die durchaus nicht nach dem üblichen Strickmuster abgedreht wurden und sich in den meisten Fällen dennoch größter Beliebtheit erfreuen. Nur "Der Tod wartet in Venedig" erntet hauptsächlich schlechte Kritiken und wird mit Begriffen wie langweilig tituliert. Dabei hat der Film dies wirklich nicht verdient, auch wenn sein Regisseur mit einem vollkommen beabsichtigten Stilbruch so manch einen im ersten Moment völlig vor den Kopf schlägt. Deswegen ist gerade in vorliegendem Fall eine zweite Sichtung definitiv empfehlenswert, um dann auch zu einem möglichst objektiven Urteil zu kommen, das dem Geschehen auch gerecht wird.


6,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 8. Apr 2013, 18:25
von horror1966
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Verdammte, heilige Stadt
(Roma violenta)
mit Maurizio Merli, Richard Conte, Silvano Tranquilli, Ray Lovelock, John Steiner, Daniela Giordano, Attilo Duse, Giuliano Esperanti, Marcello Monti, Consalvo Dell'Arti, Luciano Rossi, Pippo Pollaci
Regie: Marino Girolami
Drehbuch: Vincenco Mannino
Kamera: Fausto Zuccoli
Musik: Guido De Angelis / Maurizio De Angelis
ungeprüft
Italien / 1975

Rom hat mehr Gesichter als Touristen glauben. Die Polizei ist machtlos gegen brutale Gangster-Banden, die die Stadt terrorisieren. Doch ein Mann stellt sich der Herausforderung. Polizei-Kommissar Berti führt einen gnadenlosen Kampf gegen die Kriminellen. Für ihn zählt nur Gewalt gegen Gewalt...


Die kurze und sehr knappe Inhaltsangabe bietet sicherlich keinerlei Neuerungen, gibt es doch genügend Filme, die eine solche oder ähnlich gelagerte Thematik bearbeiten. Warum aber "Verdammte, heilige Stadt" deswegen stellenweise als langweilig oder gar altbacken bezeichnet wird, ist für mich persönlich nicht so ganz nachvollziehbar. Sicherlich mag das Werk aus heutiger Sicht ein wenig angestaubt erscheinen, doch sollte man dabei auch nicht vergessen, das der Film von Marino Girolami mittlerweile fast vier Jahrzehnte auf dem Buckel hat. So sollte man also nicht unbedingt die vorhandenen Action-Sequenzen mit denen der heutigen Zeit vergleichen, sondern vielmehr versuchen, sich in die Mitte der 70er Jahre zurückversetzen, denn nur so kann das Geschehen auch seine durchaus vorhandene Glaubwürdigkeit ausstrahlen. Und so offenbart sich dem Zuschauer eine nicht unbedingt neue, aber dafür jederzeit unterhaltsame Geschichte, die gleichzeitig ein Paradebeispiel dafür darstellt, das Gewalt immer wieder Gegen-Gewalt erzeugt.

Im Fokus der Ereignisse steht mit Maurizio Merli ein grandios agierender Hauptdarsteller, der in der Rolle des Kommissar Berti eine herausragende Performance abliefert. Im Prinzip kann man jedoch der gesamten Darsteller-Riege ein Kompliment aussprechen, ist sie doch nicht unwesentlich dafür verantwortlich, das dieser Film einen äußerst authentischen Eindruck hinterlässt. Die sehr temporeiche Erzählweise der Story lässt keinerlei langatmige Passagen entstehen, zudem wird man auch mit etlichen wilden Verfolgungs-Jagden und Schlägereien konfrontiert, so das auch der geneigte Action-Junkie durchaus auf seine Kosten kommen sollte. Doch handelt es sich keinesfalls um einen reinen Action-Kracher, denn Girolami stellt trotz aller vorhandenen Härte die grenzenlose Ohnmacht der Polizei in den Mittelpunkt, die schwerlich mit der Verbrechenswelle in Rom klar kommt.

Die Auslegung der Gesetze dient schon fast mehr dem Schutz der Verbrecher als der Bürger und so müssen Methoden angewandt werden, die nicht immer ganz den Buchstaben des Gesetzes entsprechen. Sicherlich kommt einem das äußerst bekannt vor, denn fast jeder Vertreter des italienischen Policiescos ist thematisch so aufgebaut und immer wieder werden die gleichen Kern-Themen aufgegriffen. Dennoch ist es immer wieder interessant sich mit diesen Geschichten auseinanderzusetzen, wobei vorliegender Film sich meiner persönlichen Meinung nach noch intensiver als diverse andere Genre-Vertreter mit der Thematik auseinandersetzt. Natürlich liegt das im Auge des jeweiligen Betrachters, aber "Verdammte, heilige Stadt" ist in dieser Beziehung absolut im oberen Qualitäts-Drittel anzusiedeln. Absolut passend erscheint hier auch das gewählte Ende, das ziemlich tragisch aber absolut stimmig daher kommt.

Insgesamt gesehen hat Girolami hier einen immer wieder sehenswerten Vertreter des Policiesco kreiert, der auch heute noch blendend funktioniert. Die hohe Alterseinstufung ist zwar keinesfalls gerechtfertigt, aber zu seiner Zeit war der Film schon ein hartes Stück Tobak. Wie dem aber auch sei, Freunde des Genres werden hier bestens bedient, denn die vorliegende Story beinhaltet sämtliche Zutaten, die diese Sorte von Film so auszeichnet.


Fazit:


Manch einer mag es eventuell anders sehen, aber "Verdammte, heilige Stadt" zählt zu meinen persönlichen Favoriten im Bereich der italienischen Polizei-Filme. Tempo, Rasanz und tolle Action ergeben ein exzellentes Gesamtbild und ein grandios agierender Maurizio Merli ist ein weiterer Grund, sich dieses tolle Werk in regelmäßigen Abständen immer wieder anzuschauen.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 8. Apr 2013, 20:31
von horror1966
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Nackt über Leichen
(Una sull'altra)
mit Jean Sorel, Marisa Mell, Elsa Martinelli, Alberto de Mendoza, John Ireland, Riccardo Cucciolla, Bill Vanders, Franco Balducci, Giuseppe Addobbati, Felix Dafauce, Jesus Puente, George Rigaud
Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Lucio Fulci / Roberto Gianviti
Kamera: Alejandro Ulloa
Musik: Riz Ortolani
ungeprüft
Frankreich / Italien / Spanien / 1969

Susan Dumerrier (Marisa Mell), die Frau des Arztes George Dumurrier (Jean Sorel), stribt nach schwerer Krankheit und hinterläßt ihrem Mann eine hohe Versicherungssumme, von der er bis dahin gar nichts wusste. Da Dumurrier schon öfter wegen fragwürdigen Geschäften aufgefallen und er schon länger eine Affäre mit der Pflegerin seiner verstorbenen Frau hatte, ermittelt ein Versicherungsbeamter wegen Mordes. Dumurrier selbst kann sich mit der Situation auch noch nicht so richtig anfreunden und ist schockiert, als er die Stripperin Monica Weston kennenlernt, die seiner verstorbenen Frau bis auf Details zum Verwechseln ähnlich sieht. Auch dem Versicherungsbeamten ist die verdächtige Ähnlichkeit der beiden Frauen ein Dorn im Auge...


Zumeist definiert man Lucio Fulci durch seine ziemlich harten Horrorfilme und spricht ihm dabei auch noch größtenteils sein Talent als Regisseur ab, da das Hauptaugenmerk dieser Filme doch hauptsächlich auf derben-und blutigen Passagen liegt. Das der gute Mann es aber auch durchaus verstanden hat, eine richtig interessante-und spannende Geschichte in Form eines exzellenten Erotik-Thrillers zu kreieren kann man an vorliegendem Beispiel perfekt erkennen. Dabei erzählt Fulci eine erstklassig inszenierte Story mit einigen überraschenden Wendungen und hat diese zudem auch noch mit einem in allen Belangen überzeugenden Cast besetzt. Vor allem die beiden Hauptrollen sind mit Jean Sorel und Marisa Melle nahezu perfekt besetzt, doch selbst bis in die kleinsten Nebenrollen bekommt der Zuschauer es mit Könnern ihres Fachs zu tun, die dem Film durch ihre erstklassigen Leistungen eine Menge an Klasse verleihen, was sich letztendlich ganz automatisch im gewonnenen Gesamtbild niederschlägt.

Von Beginn an baut sich in kontinuierlicher Form ein straff gezogener Spannungsbogen auf, wobei Fulci es absolut brillant verstanden hat, diesen auch bis zur wirklich letzten Minute aufrecht zu erhalten. Es ist schon ein äußerst perfides Spiel, das hier mit der Hauptfigur George Dumurrier (Jean Sorel) getrieben wird und von dem am Anfang eigentlich so gut wie nichts zu erkennen ist. Beginnt der Film doch eher wie ein banales Ehe-Drama und entwickelt sich erst mit der Zeit zu einem richtig raffinierten Thriller, der einen bis zur letzten Einstellung bei Atem halten soll. Nun verhält es sich zwar keinesfalls so, das man die gesamte Laufzeit über vollkommen im Dunkeln tappt, streut Fulci doch immer wieder kleinere Puzzle-Teilchen ein, die den Betrachter zwar auf die richtige Spur bringen, doch die wahren Zusammenhänge werden erst wenige Minuten vor dem Ende präsentiert. So verhält es sich auch mit den Personen die für das stattfindende Komplott verantwortlich zeichnen, denn kann man im Laufe des Geschehens zwar durchaus seine Vermutungen anstellen, erhält man eine endgültige Bestätigung für den eigenen Verdacht erst zum Ende der Geschichte hin, die einem bis zu dem Zeitpunkt genügend Verdächtige präsentiert, die allesamt beteiligt sein könnten. Der gute Lucio hat es absolut perfekt verstanden, den Zuschauer des Öfteren auf eine falsche Fährte zu locken, bis sich letztendlich die wahren Hintergründe in ihrer vollen Pracht zu erkennen geben.

Bis dahin kann man im Prinzip nicht mehr als nur vermuten, wobei eine der beteiligten Personen ziemlich offensichtlich in den Täterkreis gedrängt wird. Wer nun aber denkt, das sich das Geschehen dadurch zu vorhersehbar gestaltet erliegt einer fatalen Fehleinschätzung, denn gerade die Vermischung aus dem ganz deutlich Offensichtlichem und den etlichen Überraschungsmomenten macht die Klasse dieses Werkes aus, das einen von Anfang bis Ende in seinen Bann zieht und dabei eine unglaublich starke Faszination entfaltet, der man sich unmöglich entziehen kann. Dabei entsteht insbesondere in der zweiten Filmhälfte ein extrem beklemmendes Gefühl beim Betrachter, das ganz eindeutig durch die scheinbar aussichtslose Lage des Hauptdarstellers ausgelöst wird. Wenn man nämlich sieht, welch grausame Konsequenzen sich hier aus einem absolut teuflischen-und gut durchdachten Plan für ihn ergeben, dann bekommt man schon einen dicken Kloß im Hals. Mehr sollte man an dieser Stelle auch keinesfalls verraten, denn ansonsten könnte man ohne Weiters ein großes Stück der Spannung vorwegnehmen, die sich bis zur letzten Einstellung halten kann.

Letztendlich hat mich dieser frühere Film von Lucio Fulcio äußerst positiv überrascht, da es sich um eine absolut überzeugende Arbeit handelt, bei dem auch das wahre Können des Regisseurs blendend zur Geltung kommt. "Nackt über Leichen enthält keinerlei visuelle Härten, geschweige denn explizite Gewaltdarstellungen, sondern eine wirklich hervorragend umgesetzte Geschichte mit inhaltlicher Substanz und erstklassigen Darstellern. Dabei könnte man bei diesem reißerischen deutschen Titel sehr wohl auf andere Gedanken kommen, würde damit allerdings vollkommen falsch liegen. Wie dem aber auch sei, sämtliche Kritiker des verstorbenen Regisseurs die in ihm immer nur den Zombie-Filmer mit den derben Effekten gesehen haben, sollten sich dieses Werk auf jeden Fall anschauen, das einem doch eindringlich vor Augen führt, das der gute Mann weitaus mehr hinterlassen hat als einige brutale Horrorfilme.


Fazit:


"Nackt über Leichen" ist in meinen Augen eines der besten Werke von Lucio Fulci und zeigt vor allem eindrucksvoll auf, das der Regisseur ein hervorragendes Gespür für einen dramaturgisch äußerst gelungenen Spannungsaufbau hatte. In erster Linie ein Erotik-Thriller, beinhaltet der Film aber auch Elemente des Psycho-Krimis und kleinere Anleihen an den Gialli, was insgesamt gesehen eine wunderbare Kombination ergibt. Mit diesem Werk kann man überhaupt nichts falsch machen und wird mit einem absolut hochklassigen Film-Erlebnis belohnt, das man sich auch gern mehrmals anschaut.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 9. Apr 2013, 15:00
von horror1966
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Million Dollar Crocodile
(Bai Wan Ju E)
mit Barbie Hsu, Guo Tao, Lam Suet, Shi Zhaoqi, Hung Yan-Yan, Ding Jiali, Purba Rgyal, Fang Qingzhuo, Wang Jinsong, Li Qinqin, Hou Chuanguo, Che Jin
Regie: Li Sheng Lin
Drehbuch: Li Sheng Lin
Kamera: keine Information
Musik: keine Information
FSK 16
China / 2012

Bald Liu besitzt eine kleine Krokodilfarm. Als er seine Krokodile dem Geschäftsmann Zhao verkauft, ist ihm noch nicht klar, dass Zhao den Reptilien nicht - wie versprochen - einen schönen Platz zum Leben bieten will, sondern sie nur für sein kulinarisches Restaurant benötigt. Doch die Krokodildame Mao schafft es zu entkommen. Auf ihrer Flucht gerät sie mit Wen Yan aneinander, wobei Wen Yans Ersparnisse in Maos Magen landen. Eine wilde Jagd beginnt, denn es hat sich rumgesprochen, dass sich ein Krokodil mit einem Vermögen im Bauch in der Gegend herumtreibt …


Der deutsche Film-Titel deutet schon darauf hin, das man es hier nicht unbedingt mit höchst anspruchsvoller Filmkost zu tun bekommt. Diese Vermutung bestätigt sich dann auch ziemlich schnell, was jedoch keinesfalls als negative Kritik aufgefasst werden sollte. Bekommt der Zuschauer doch einen größtenteils gelungenen Mix aus Action-und Horror-Komödie präsentiert, was auf jeden Fall für 90 Minuten kurzweilige Unterhaltung sorgt. Dabei sollte man jedoch keine großen Erwartungen an ein äußerst glaubwürdiges Szenario hegen, da das Geschehen doch so einige skurrile Passagen beinhaltet, denen eine leicht trashige Note anhaftet. Dies bezieht sich hauptsächlich auf die meisten Darsteller, unter denen man so einige grotesk anmutende Gestalten antrifft und deren Verhaltensweisen diesen Eindruck auch noch zusätzlich unterstreichen. Darin liegt aber auch gleichzeitig eine der Stärken dieses Filmes, dessen humorige Note für so manchen Schmunzler im Gesicht des Zuschauers sorgt. Zwar mag der asiatische Humor an einigen Stellen fast schon etwas albern wirken, so passt er insgesamt gesehen ganz hervorragend in das Szenario und drückt diesem einen unverwechselbaren Stempel auf.

Regisseur Li Sheng Lin hat seiner Geschichte ein recht ordentliches Tempo verliehen, so das während der gesamten Laufzeit kaum nennenswerte Längen zu erkennen sind. Die wilde Jagd nach dem entflohenen Riesen-Krokodil gestaltet sich dabei äußerst rasant und abwechslungsreich, ist allerdings nicht wirklich ernst zu nehmen. Die Methoden der Jäger können nämlich schon fast als hanebüchen bezeichnet werden, zudem scheint es auch noch ziemlich an den Haaren herbeigezogen, das diverse Protagonisten hier leichtfertig ihr Leben aufs Spiel setzen, um das Reptil möglichst lebend zu fangen. Anscheinend ist diese Inszenierung jedoch vollkommen beabsichtigt und ehrlich gesagt passt es auch ganz hervorragend in das witzige Gesamtbild, das "Million Dollar Crocodile" beim Betrachter hinterlässt. Dazu passen auch die darstellerischen Leistungen, die zwar zumeist absolut überspitzt erscheinen, aber die witzige Note des Filmes extrem hervorheben. Allein die vollkommen hysterische Hauptdarstellerin ist eine Augenweide, auch wenn ihr Gekreische phasenweise ein wenig zuviel des Guten ist und die Nerven des Zuschauers doch mächtig malträtiert.

Der Hammer ist jedoch der Trupp des Krokodil-Restaurants, der sich auch auf die Suche nach dem Tier macht, um sich das Geld aus dem Magen des Reptils zu besorgen. Da wird mit riesigen Suppen-Kellen auf die Jagd gegangen und die offensichtlich mangelnde Intelligenz der Jäger sorgt für herrlich schräge Situationskomik, die letztendlich nur noch von den sinnfreien Dialogen übertroffen wird. Zugegebenermaßen muss man schon eine gewisse Vorliebe für den manchmal gewöhnungsbedürftigen asiatischen Humor haben, denn ansonsten wirken die Ereignisse zu albern und könnten für diverse Ermüdungserscheinungen sorgen. Man sollte also von Beginn an wissen, auf welche Art von Film man sich hier einlässt, um am Ende keine Enttäuschung zu erleben.

Letztendlich ist "Million Dollar Crocodile" sicherlich kein cineastisches Highlight, aber immerhin ein Film der extrem kurzweilige Unterhaltung bietet. Zudem ist auch das Riesen-Krokodil in seiner Darstellung sehr gut gelungen und es ist schon wirklich imposant, wenn man das Tier in seiner vollen Größe sieht. Nun möchte ich das Werk keinesfalls als puren Trash bezeichnen, aber es handelt sich definitiv um eine wunderbar schräge Geschichte, die sehr temporeich und witzig erzählt wird. Sicher nicht jeden Geschmack treffend, wird dieses Werk aber ganz bestimmt seine Fan-Gruppe finden, denn wer skurrile Szenarien zu schätzen weiß, kann an dieser Stelle überhaupt nichts falsch machen und wird bestens bedient.


Fazit:


Wie immer liegt es im Auge des Betrachters, doch mich persönlich konnte diese chinesische Produktion bestens unterhalten. Anspruchsvolle Filmkost sieht anders aus, doch diese Erwartung will der Film auch gar nicht erfüllen. Viel Spaß, ordentliches Tempo und herrliche Situationskomik reichen hier vollkommen aus, um eine Empfehlung an alle auszusprechen, die ein Faible für nicht ganz ernst zu nehmende Szenarien haben.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Di 9. Apr 2013, 18:46
von horror1966
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Auge um Auge
(La Citta sconvolta: caccia spietata ai rapitori)
mit Luc Merenda, James Mason, Irina Maleeva, Marino Mase, Daniele Dublino, Vittorio Caprioli, Valentina Cortese, Salvatore Billa, Marco Liofredi, Francesco Impeciati, Loris Bazzocchi, Renato Romano
Regie: Fernando Di Leo
Drehbuch: Fernando Di Leo / Galliano Juso
Kamera: Erico Menczer
Musik: Luis Bacalov
ungeprüft
Italien / 1975

Der 14-jährige Sohn eines reichen Bauunternehmers soll entführt werden. Sein Schulfreund Fabrizio, Sohn des einfachen Motorradmechanikers Mario Collela, versucht das Kidnapping zu verhindern und wird dabei ebenfalls zum Opfer. Während Collela bereit ist, das Lösegeld zu bezahlen, weigert sich der Bauunternehmer den Forderungen nachzukommen, um ein für ihn günstigeres Lösegeld zu erzielen. Die Tage verstreichen, der Polizei sind die Hände gebunden und es kommt zur Katastrophe. Fabrizio wird erschossen aufgefunden. Collela ermittelt auf eigene Faust, um an die Drahtzieher zu gelangen und blutige Rache, getreu dem Motto "Auge um Auge", zu nehmen...


Komischerweise scheint dieser Film von Fernando Di Leo wohl eher zu den unterschätzten Werken seiner Zunft zu gehören, dabei bekommt man doch eine herrlich Kombination aus Drama-und Rache-Thriller geboten, die weitaus mehr Beachtung verdienen würde. Die Geschichte bietet sicherlich nicht viel Neues, solche oder ähnliche Szenarien hat man nämlich schon oft genug zu sehen bekommen. Wie dem aber auch sei, "Auge um Auge" offenbart dem Zuschauer zwei vollkommen unterschiedliche Film-Hälften die jede für sich schon eine Menge Klasse beinhaltet, zusammen jedoch ein absolut erstklassiges Gesamtergebnis präsentiert, das einem streckenweise wirklich unter die Haut geht. In der ersten Hälfte offenbart sich dabei ein waschechtes Drama, das von einer eher bedächtigen-und ruhigen Erzählweise durchzogen ist. Insbesondere in dieser Phase lebt die Geschichte sehr stark von ihren Darstellern, die allesamt durch sehr gelungene Leistungen ins Auge fallen. Nimmt die eigentliche Hauptfigur Collela (Luc Morenda) zu diesem Zeitpunkt noch mehr eine Nebenrolle ein, so spielt sich in dieser Phase ganz eindeutig der Bauunternehmer Filippini (Charles Mason) in den Vordergrund.

Dabei kann der bekannte Schauspieler jedoch keinerlei Sympathiepunkte beim Zuschauer sammeln, denn seinem Verhalten ist es letztendlich geschuldet, das einer der entführten Jungen hingerichtet wird. Das geschieht nur aus reiner Geldgier und gerade dieser Aspekt der Story kommt an dieser Stelle besonders gut zum Vorschein. Der in eher ärmlichen Verhältnissen lebende Collela muss so vollkommen hilflos ein grausames Schicksal über sich ergehen lassen, denn nur 3 Monate nach dem Tod seiner Frau muss er nun auch seinen Sohn beerdigen. Das Schicksal des Mannes geht auch an einem selbst nicht spurlos vorbei, man kann sein Leiden jederzeit nachempfinden und verspürt gleichzeitig aufsteigende Wut gegenüber Filippini, der das Ganze hätte verhindern können. Auch die Ohnmacht der ermittelnden Polizei-Beamten kommt recht gut zur Geltung, denen die Folgen der Entführung sehr nahe geht. Man merkt also ziemlich deutlich, das die Einführung in die Geschichte hauptsächlich auf die menschlichen Aspekte gelegt ist, was sich danach jedoch erheblich ändern soll.

Zwar bleibt die Sichtweise der menschlichen Aspekte die gesamte Laufzeit über ein Teil der Geschichte, so bekommt man man es nun mit den Folgen der Ereignisse zu tun. Dabei rückt nun ganz eindeutig die Figur von Collela in den Fokus und Luc Merenda hat seinen großen Auftritt. Aus dem verzweifelten Vater wird nun nämlich mit einem Schlag der gnadenlose Rächer, was gleichzeitig auch mit einer ordentlichen Tempo-Verschärfung und etlichen Action-Passagen verbunden ist. Durch die Hilflosigkeit der Polizei nimmt der gute Mann das Recht nun selbst in die Hand, wobei er nicht nur die Entführer, sondern vor allem deren Hintermänner bestrafen will. Das Ganze wurde von Di Leo absolut großartig in Szene gesetzt und bietet dem Betrachter phasenweise ein äußerst furioses Szenario, das bis zur letzten Einstellung spannend-und extrem atmosphärisch daher kommt. Auch wenn Selbstjustiz sicherlich nicht zu akzeptieren ist, so kann man die Handlungen von Collela doch zumindest vom menschlichen Standpunkt her durchaus nachvollziehen. Dieses Gefühl wird umso mehr verstärkt, wenn man diverse Äußerungen der Drahtzieher berücksichtigt, die den Tod des Jungen als "Betriebsunfall" betiteln, was schon einen äußerst bitteren Beigeschmack hinterlässt, so das man auch mehrmals schlucken muss, um das Gehörte zu verdauen.

Insgesamt gesehen ist "Auge um Auge" ein wirklich in allen Belangen überzeugender Genre-Beitrag, der sich auch keinesfalls hinter bekannteren Werken mit gleicher Thematik verstecken muss. Die zwei vollkommen unterschiedlichen Film-Hälften lassen das Werk in seiner Gesamtheit noch intensiver erscheinen, als wenn man nur auf blinden Aktionismus gesetzt hätte. So aber verleiht man der Geschichte auch inhaltliche Tiefe, was dem gewonnenen Gesamteindruck sehr zu Gute kommt. Wer Rache/Thriller mag und eine Kombination mit einem Drama zu schätzen weiß der kommt hier voll auf seine Kosten und wird mit einem richtig guten Film belohnt, der auch in der heutigen Zeit immer noch absolut sehenswert erscheint.


Fazit:


"Auge um Auge" ist von der ersten bis zur letzten Minute ein grandioser Film, der nicht nur durch seine Action-Passagen, sondern auch durch seine menschliche Seite jederzeit zu überzeugen weiß. Tolle Darsteller, eine sehr dichte-und bedrohliche Grundstimmung sowie ein grandioser Spannungsbogen sind die großen Stärken eines Filmes, den sich niemand entgehen lassen sollte.


8,5/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 10. Apr 2013, 00:57
von horror1966
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Space Soldiers
(Scavengers)
mit John Lee Ames, Roark Critchlow, Brett Curtze, Sean Patrick Flanery, Jennifer Jalene, Louise Linton, Jeremy London, J.J. Nolan, Tyler Poelle, Russell Richardson, Kaitlin Riley, John Stocklin
Regie: Travis Zariwny
Drehbuch: Travis Zariwny
Kamera: Austin F. Schmidt
Musik: Conan Skyrme
keine Jugendfreigabe
USA / 2013

Irgendwann in ferner Zukunft: Die Menschheit steht kurz vor dem Aussterben, nachdem das Team von Captain Jekel im Weltraum auf eine überlegene außerirdische Technologie stößt, die das Gleichgewicht des bekannten Universums zu bedrohen scheint. Der Apparat ist heiß begehrt, denn schon bald wird Jekels Crew von einer ganzen Armada rivalisierender, intergalaktischer Söldner verfolgt und angegriffen. Die Flucht führt sie alle bis in die tiefsten, unerforschten Bereiche des Universums. In einem alles entscheidenden Kampf müssen die Insassen der "Revelator" sich und den Chaos-Generator schützen, um uns alle zu retten ...


Ein atemloser, klaustrophobischer SCI/FI-Actioner


So zumindest wird einem der Regie-Erstling von Travis Zariwny auf der Rückseite des deutschen DVD-Covers schmackhaft gemacht, doch wer dieser Einleitung Glauben schenkt, soll am Ende bitter enttäuscht werden. Normalerweise sollten solche Marketing-Sprüche den Zuschauer eigentlich nicht beeinflussen, doch steigert eine solche Aussage dennoch ein wenig die Erwartungen an einen gelungenen Film. "Space Soldiers" kann jedoch die Hoffnungen des Betrachters in keinster Weise auch nur annähernd erfüllen, offenbart sich doch von Beginn an eine eher langatmige-und völlig uninspirierte Story, deren inhaltliche Substanz gegen den Nullstrich tendiert. So impliziert selbst die kurz gehaltene Inhaltsangabe weitaus mehr, als das Szenario letztendlich zu bieten hat. Man möchte auch gar nicht weiter auf die Bedeutung des Geschehens eingehen, wüsste man doch nicht einmal, was man anderen Leuten denn nun mitteilen möchte. Es ist nämlich schon ein recht wirres Durcheinander, das zudem auch noch vollkommen belanglos vor sich hin plätschert, so das man förmlich schon darum betet das doch endlich einmal etwas passieren möge. In den gesamten gut 90 Minuten wird dieser fromme Wunsch jedoch nicht erfüllt und so fragt man sich beim Einsetzen des Abspanns ganz automatisch, womit man da gerade wertvolle Lebenszeit vergeudet hat.

Und diese Frage ist auch durchaus berechtigt, ist man doch am Ende dieses komischen Filmes ebenso schlau wie an seinem Beginn. Sinnlose Dialoge, schlechtes Schauspiel und null Spannungsaufbau sind nämlich nicht gerade die Attribute, die man sich von einem solchen Werk erhofft. Da wird von einem Film gesprochen, der Fans von Filmen wie "Event Horizon" oder gar "Star Trek" ansprechen und gefallen dürfte, doch präsentiert werden dümmliche Ereignisse, die noch nicht einmal den Hauch von Interesse beim Zuschauer wecken. Die richtig üblen Leistungen der zumeist eher unbekannten Akteure werden lediglich von den dummen und endlos langen Dialogen, sowie von den fast schon lächerlichen Effekten übertroffen. Gerade Letztere setzen der dubiosen und langweiligen Geschichte die absolute Krone auf und man mag es kaum glauben, das man im Jahr 2013 einen solch schlimmen Murks vorgesetzt bekommt.

Wenn man einmal beim SCI/FI Genre bleiben will, dann muss man ganz ehrlich sagen, das die hier vorhandenen Special Effects Lichtjahre vom heutigen Durchschnitts-Standard entfernt sind, wobei dann zu den Filmen mit den wirklich guten Effekten ungefähr noch einmal das Gleiche drauf zu rechnen ist. Und so kann man sich so ungefähr vorstellen, von welcher "Qualität" wir hier sprechen, denn manch einem werden sicherlich die Tränen in die Augen treten. Andererseits unterstreicht das aber sehr gut den insgesamt gewonnenen Gesamteindruck und im Normalfall kann dieser nicht sonderlich gut ausfallen. "Space Soldiers" beinhaltet im Prinzip rein gar nichts, was man auch nur im Entferntesten positiv hervorheben könnte, so das man Regisseur Travis Zariwny ein äußerst schlechtes Zeugnis ausstellen muss. Sollten sich seine weiteren Arbeiten auf dem gleichen Niveau bewegen, dann sollte man den guten Mann unbedingt zum Berufsberater schicken, denn andere Jobs haben durchaus auch ihren Reiz.

Man versucht wirklich immer, das wirklich Positivste in einem Film zu sehen, doch in vorliegendem Fall findet man ganz einfach nichts. Der sogenannte Chaos-Generator um den sich hier alles dreht, hat wohl auch ganz augenscheinlich das miese Drehbuch beeinflusst und sämtliche anderen Zutaten in ein eben solches Chaos gestürzt, denn anders ist dieses grottenschlechte Szenario nicht logisch zu erklären. Und so bekommt man es einmal mehr mit einem Film zu tun den im Endeffekt wirklich keiner braucht. Wer dennoch zu der Scheibe greift, sollte sich später aber auch nicht darüber aufregen, das er hier kostbare Lebenszeit sinnlos vergeudet hat, denn eine Rückerstattung der 90 Minuten purer Langeweile ist im Kauf leider nicht inbegriffen.


Fazit:


Auch wenn man sich des Öfteren über gelungene-bis hin zu manchmal schon phänomenal guten Regie-Debüts freuen kann, so müsste Travis Zariwny für diesen Schund gefoltert werden. Es ist streckenweise schon eine echte Frechheit, was dem Zuschauer hier zugemutet wird, was insbesondere auf die Effekte zu beziehen ist, die wirklich jeder Beschreibung spotten. Finger weg von diesem Schrott, der das Anschauen auf keinen Fall wert ist.


2/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 11. Apr 2013, 14:37
von horror1966
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London Pitbulls
(Riot)
mit Nick Nevern, Kellie Shirley, Jenna Harrison, Con O'Neill, Peter Barrett, Roland Manookian, Lorraine Stanley, Mark Harris, Charlie Bond, Steven Berkoff, Merveille Lukeba, Martin Askew, Daniel Attrill
Regie: Simon Phillips
Drehbuch: James Crow / Simon Phillips
Kamera: Haider Zafar
Musik: keine Information
FSK 16
Großbritannien / 2012

Damien ist Polizist mit einer dunklen Vergangenheit. Bevor er Mitglied in der britischen Spezialeinheit LONDON PITBULLS wurde, war er Fussballrowdy und kein Unbekannter in der Szene. Beim Ausbruch der Londoner Unruhen, erlebt die Stadt eine Gewaltorgie aus Plünderung und Zerstörung. Tausende Randalierer stecken ganze Stadtteile in Brand. Zehntausende Polizisten sind im Einsatz. Die Gewaltspirale dreht sich immer weiter und plötzlich sieht sich Damien mit der Vergangenheit konfrontiert. Jetzt ist er auf der anderen Seite des Gesetzes und muss sich für oder gegen seine gewalttätigen Freunde entscheiden.


Es wird sicherlich nicht wenige Leute geben, die hier einen typischen Vertreter der Hooligan-Thematik erwarten, doch "London Pitbulls" benutzt dieses Thema eigentlich vielmehr als Hintergrund für eine sehr eindringliche Charakter-Studie eines Mannes, der mit einer dunklen Vergangenheit behaftet ist. Damien (Nick Nevern) gehörte nämlich selbst einmal der Szene an, bevor er in den Polizeidienst eingetreten ist und seitdem der Einheit angehört, die den einprägsamen Namen "London Pitbulls" trägt. Die Geschichte beinhaltet zwar auch einige durchaus etwas härtere Passagen, hält sich jedoch insgesamt gesehen mit expliziten Gewaltdarstellungen eher zurück und legt ihren Fokus auf inhaltliche Tiefe. Diese kommt auch durchgehend zum Ausdruck, wird der Zuschauer doch mit jeder Menge Sozialkritik und menschlichen Dramen konfrontiert, die nicht spurlos an einem vorübergehen, sondern sich tief unter der Haut festsetzen.

Im Mittelpunkt steht wie schon erwähnt Damien und die innere Zerrissenheit des jungen Mannes kommt im Prinzip in jeder einzelnen Szene äußerst gut zur Geltung. Einerseits will er einfach nur einen guten Job machen und die immer stärker aufkommenden Unruhen in London bekämpfen, doch auf der anderen Seite fühlt er sich gegenüber seinen Kumpels zu falscher Loyalität verpflichtet, was ihm bei seiner Arbeit nicht unbedingt zu Gute kommt. Der dabei entstehende Gewissenskonflikt belastet Damien ganz augenscheinlich und der ständige Kampf zwischen Vergangenheit und Gegenwart hinterlässt nicht nur seelische Spuren. Simon Phillips hat insbesondere diese Seite der Geschichte bei seinem Langfilm-Debüt absolut großartig herausgearbeitet und verleiht seinem Werk dabei sehr viel inhaltliche Tiefe, die dem Film extrem gut zu Gesicht steht.

Auch die diversen Neben-Erzählstränge des Szenarios fügen sich nahezu perfekt in das Gesamtbild ein und haben alle direkt-oder indirekt mit Damien zu tun, was dann ganz besonders in der zweiten Filmhälfte immer stärker in den Vordergrund rückt. Dabei werden sämtliche Ereignisse ungemein glaubhaft und realistisch dargestellt, man kann sich unglaublich gut in das stattfindende Geschehen hineinversetzen und wird phasenweise fast schon zu einem Teil dieses großartig inszenierten Dramas, dessen grausame Faszination ganz automatisch auf einen überspringt. Gerade die Briten haben es ja aus allseits bekannten Gründen besonders gut drauf, Filme mit dieser Thematik äußerst authentisch in Szene zu setzen. Und "London Pitbulls" ist unglaublich authentisch, was sich auch nicht nur auf bestimmte Phasen der Geschichte bezieht. Zu einem großen Teil ist das auch den sehr gut agierenden Darstellern zu verdanken, denn selbst die etlichen Nebenrollen des Filmes sind gut besetzt. Herausstechend ist allerdings die Performance von Nick Nevern, dem seine Rolle wie auf den Leib geschneidert erscheint. Dabei sind es vor allem die Passagen in denen er einen inneren Kampf mit sich selbst ausfechtet, die dem Betrachter besonders imponieren. Zu sehen, wie er seine angestauten Aggressionen teilweise nur mühsam unterdrücken kann ist schon großartig, denn Mimik und Gestik des Schauspielers hinterlassen hier einen sehr glaubwürdigen Eindruck.

Nun handelt es sich hier keinesfalls um einen Film, an dessen Ende man ein Happy End erwartet, denn ein solches hätte den überdurchschnittlich guten Gesamteindruck vollkommen verfälscht. So ist es dann auch nicht wirklich verwunderlich, das gerade der finale Showdown noch einmal einen extrem bitteren Beigeschmack hinterlässt, dieses grandiose Drama aber absolut perfekt abrundet. Und so kann man Simon Phillips nur ein absolut überzeugendes Attest für dieses Spielfilm-Debüt aussprechen, das in Sachen Glaubwürdigkeit und und Intensität schwerlich zu überbieten ist. Mit ordentlich inhaltlichem Tiefgang ausgestattet ist "London Pitbulls" kein üblicher Hooligan-Film, sondern vielmehr ein sozialkritisches Drama, das man erst einmal sacken lassen muss.


Fazit:


Kompakt, knackig verpackt und ungemein intensiv lässt der Film bei einer Laufzeit von knapp über 75 Minuten keinerlei Platz für irgendwelche Längen. Menschliche Tragödien und ein persönliches Drama stehen im Vordergrund dieser britischen Produktion, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Wer Filme dieser Art zu schätzen weiß, kommt an "London Pitbulls" einfach nicht vorbei, auch wenn der reine Action-Junkie nicht unbedingt auf seine Kosten kommt.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Do 11. Apr 2013, 16:52
von horror1966
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The Incident
(The Incident)
mit Rupert Evans, Anna Skellern, Dave Legeno, Kenny Doughty, Richard Brake, Eric Godon, Marcus Garvey, Darren Kent, Joseph Kennedy, Ian Lyons, Sandro Mastronardi, Martin Swabey, Nina Newman
Regie: Alexandre Courtes
Drehbuch: S. Craig Zahler / Jerome Fansten
Kamera: Laurent Tangy
Musik: Christophe Chassol
keine Jugendfreigabe
Belgien / Frankreich / USA / 2011

George, Max and Ricky arbeiten als Köche in einem Hochsicherheitsgefängnis für psychisch kranke Schwerverbrecher. Eines Abends legt ein Sturm die Stromversorgung lahm, wodurch die Insassen frei kommen und das Gefängnis von außen abgeriegelt wird. Die drei Köche sitzen in einer tödlichen Falle und werden von einer Horde amoklaufender Psychopathen attackiert, die nur ein Ziel haben: sie zu töten!


Und wieder einmal ein Regie-Erstling, der den Zuschauer ungemein positiv überraschen kann. Alexandre Courtes hat mit "The Incident" einen kleinen aber sehr feinen Horror-Thriller auf den Weg gebracht, der dem Zuschauer so manch angenehmen Gänsehaut-Schauer über den Rücken jagt. Das mag allein schon durch die Location der Irrenanstalt begründet sein, in der sich das Geschahen bis auf wenige Szenen abspielt, denn durch die sterilen Gänge und das offensichtlich ziemlich karg ausgestattete Gebäude entsteht schon eine düster-bedrohliche Grundstimmung. Dabei beginnt die Geschichte im Prinzip recht unverfänglich und beschäftigt sich eine geraume Zeit mit der Einführung der für die Story wichtigen Figuren. Dennoch kann man schon nach nur wenigen Minuten etwas Unheilvolles bemerken, das über der Szenerie liegt und so wartet man förmlich darauf, das sich die immer stärker aufbauende Spannung irgendwann entlädt.

Bis es soweit ist vergeht zwar eine geraume Weile, wobei die Einführung in die folgenden Ereignisse sich keinesfalls langweilig gestaltet. Man baut gewisse Sympathien zu den Hauptdarstellern auf und gerade der junge George schafft es dabei fast spielerisch, beim Zuschauer zu punkten. Auch wenn es zu Beginn noch eher locker zugeht, hat Alexandre Courtes es hervorragend verstanden, den Betrachter in ein Gefühl der Anspannung zu versetzen und lediglich kleinere Indizien und Andeutungen unter den Patienten sind hierfür absolut ausreichend. Man kann es fast körperlich spüren das hier etwas im Busch ist, lediglich der Ausbruch der sich anbahnenden Eskalation lässt sich nicht vorhersehen. Als es dann soweit ist, zieht der Film in Sachen Tempo ordentlich an und man wird zudem mit einem visuellen Härtegrad konfrontiert, der sich jederzeit sehen lassen kann.

Die von Haus aus schon erstklassige Atmosphäre verdichtet sich zusehends und das Geschehen nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Es entwickelt sich ein reiner Überlebenskampf der in der Klinik arbeitenden Köche, werden diese doch auf einmal mit den freigelassenen Insassen der Klinik konfrontiert, die nicht wie erwartet unter Medikamenten-Einfluss stehen. Ein Gewitter hat die Stromzufuhr abgetrennt und die Patienten können so ohne Probleme ihre Zellen verlassen, was sie auch selbstverständlich ohne zu zögern tun. Natürlich kommt es in der Folge zu etlichen Konfrontationen und das diese wahrlich kein Kindergeburtstag sind, bekommt der Zuschauer sehr eindringlich vor Augen geführt. Die Ereignisse gestalten sich dabei phasenweise richtig hart und man bekommt so manch derbe Szene geboten, dennoch artet das Ganze zu keiner Zeit in ein vollkommen sinnloses Gemetzel aus, was dem Film meiner persönlichen Meinung nach äußerst positiv anzurechnen ist. Kein vollkommen überzogener Aktionismus und kein Hauptaugenmerk auf ultra-brutalen Passagen, wodurch die ganze Chose einen wirklich realistischen und glaubwürdigen Eindruck hinterlässt.

Alles zusammen genommen kann man hier von einem absolut gelungenem Regie-Erstling sprechen, der den Betrachter sehr positiv zu überraschen weiß. Courtes ist es dabei sehr gut gelungen, ein durchaus vorstellbares Szenario mit einem angemessenen Härtegrad zu verbinden und das Ganze zudem mit einer erstklassigen Grundstimmung zu versehen. Etliche Gänsehaut-Momente sorgen dabei für ein durchgehend spannendes Film-Erlebnis, das mit einer Netto-Laufzeit von gut 77 Minuten genau richtig bemessen ist, da so erst gar keine langatmigen Passagen entstehen können.


Fazit:


Nicht selten sind es gerade die eher unscheinbaren Filme, die den größten Eindruck beim Betrachter hinterlassen und "The Incident" kann man getrost in diese Kategorie einordnen. Nun mag hier rein inhaltlich nicht unbedingt die größte Innovation vorliegen, aber der Film ist ein mehr als gelungenes Gesamtpaket, das sich jeder Genre-Fan unbedingt anschauen sollte.


8/10