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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 20. Jan 2013, 11:15
von jogiwan
Rush

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Das Computerspiel - alle 5 Levels! Lustiger Blödsinn mit dem schlechtesten Stunt-Double aller Zeiten und demnächst mehr im entsprechenden Fred

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 21. Jan 2013, 10:11
von jogiwan
The Raid

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jogiwan hat geschrieben:ich hab durchgezappt... aber nur, weil ich mir so einen Streifen wohl nicht anschauen würde und solchen Dingen auch nicht unbedingt wohlwollend gegenüberstehe. Ich bin ja auch Drama- und keine Haudrauf-Queen! :mrgreen:
Hätte ich mich doch bloss daran gehalten. Was für ein Hype um so ein krawalliges Nichts. Ich könnte meine Erwartungen an einem Film gar nicht so herunterschrauben, dass ich an so einem dumben und vollkommen ironiefreien Klopper Gefallen finden könnte. Zieht man die fraglos gut choreografierte Action ab, bleibt nichts ausser eine haarsträubend einfachen Geschichte und ein Drehbuch das Dinge wie tiefergehende Charakterisierung gleich gar nicht in Betracht zieht und dabei auch noch erschreckend vorhersehbar ist. Scheinbar gelten in Indonesien auch andere Gesetze der Schwer- und Fliehkraft und nach stundenlangen Geklöppel zeigen die Beteiligten weder Ermüdungs-, noch sonstige Erscheinungen. Toll auch wie der eigentlich schmächtige und natürlich vollkommen durchgeknallte "Mad Dog" am Rücken liegend seinen wesentlich größeren Gegner am Knöchel packt und nach einen halben Drehung durch den halben Raum gegen die Wand schleudert. Sieht vielleicht gut aus, wird aber bereits nach 20 Minunten langweilig, aber da folgen dann noch 80 weitere. Als Promo-Video, was Zweikampftechnisch mit CGI-Tricks mittlerweile so alles möglich ist, vielleicht noch okay - als Film ein absolutes Ärgernis.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 22. Jan 2013, 17:32
von jogiwan
El Bola

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Ruhig erzählter Streifen über häusliche Gewalt und einen introvertierten Jungen, der durch einen neuen Mitschüler und dessen unorthodoxen Umfeld auf einmal so etwas wie eine Ersatzfamilie findet und schlussendlich den Mut findet, seine Stimme gegen erlittenes Unrecht zu erheben. Die eigentilch unerträglich Thematik wird unsentimental und frei von Effekthascherei erzählt und wirkt dank glaubwürdiger Darsteller und mit seinem teils biederen Vorstadt-Umfeld auch sehr realitätsnah. Ein Film der Mut macht, rundum gelungen ist und der auch vollkommen zu recht viele Preise einheimsen konnte. Fans von dramatischeren Werken mit unbequemen Themen sollten sich den ruhigen und unaufgeregt-erzählten, jedoch nicht minder effektiven "El Bola" jedenfalls nicht entgehen lassen.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 23. Jan 2013, 08:37
von jogiwan
Whoever slew Auntie Roo?

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Bitterböser Gruselfilm mit einer interessanten Variation der Geschichte von Hänsel & Gretel und einer grandiosen Shelley Winters als liebenswert erscheinende Frau, die Kinder liebt und leider ziemlich am Rad dreht. Die traumatisierte Frau kümmert sich in einem geheimen Raum nicht nur um mumifizierte Kinderleichen, sondern scheint wenig später auch in einem Waisenkind ihre verstorbene Tochter zu erkennen. Als diese daraufhin von einem Weihnachtsfest im Hause der Frau nicht mehr zurückkehrt, schreitet deren Bruder frisch zur Tat, der davon überzeugt ist, dass "die Hexe" finstere Pläne mit der Kleinen vor hat. Der Film ist dabei zwar weder blutig und auch nicht sonderlich spannend, aber hochgradig originell und kurzweilig inszeniert und bietet neben steten Überraschungen ein ungewohntes Finale, das im deutschen Titel jedoch bereits angedeutet wird. Ich hab mich bei Curtis Harringtons Film jedenfalls köstlich amüsiert, obwohl ich normalerweise nicht so auf Filme mit Terrorbratzen abfahren. Eine deutsche DVD-VÖ wäre jedenfalls wünschenswert und auch längst überfällig.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 24. Jan 2013, 08:17
von jogiwan
Was ist denn bloß mit Helen los?

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Die Söhne von Adelle (Debbie Reynolds) und Helen (Shelley Winter) werden in den 30er Jahren wegen Mordes zu lebenslänglich verurteilt und die beiden Frauen nach der Gerichtsverhandlung das Ziel von Hohn, Spott und brutalen Übergriffen. Daraufhin ziehen die beiden musikalischen Freundinnen nach Los Angeles um dort eine Tanzschule für Kinder zu eröffnen, die als junge Talente an die aufstrebende Filmwirtschaft Hollywoods vermittelt werden sollen. Doch vor allem Helen lässt die Vergangenheit nicht los und während die lebensfrohe Adelle sich in eine Affäre mit dem schwerreichen Linc (Dennis Weaver) stürzt, flieht die gläubige Helen immer mehr in den religiösen Fanatismus und Verfolgungswahn...

Etwas seltsame Mischung aus Psychodrama, Thriller und Tanz- und Musikfilm den uns hier Curtis Harrington mit den beiden grandiosen Hauptdarstellerinnen Debbie Reynolds und Shelley Winters vorsetzt. Beide Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein und die Freundschaft wird durch die zunehmende Paranoia von Helen immer mehr auf die Probe gestellt und erreicht einen blutigen Höhepunkt, als sie zu zerbrechen droht. Dabei verzettelt sich Harrington aber etwas zu sehr in Musikalitäten und einer Liebesgeschichte, während der interessantere Thriller-Plot zwar am Ende eine wichtige Rolle spielt, aber eher nur am Rande abgehandelt wird. Trotzdem ist "Was ist bloß mit Helen los?" schön anzugucken, auch wenn es dem geeichten Horrorfan bei dem Anblick von steppenden Kindern in Tierkostümen wohl am meisten gruseln wird.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 29. Jan 2013, 07:37
von jogiwan
Teorema

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Sehr schräg, sehr sperrig, sehr metaphorisch, sehr super! Demnächst mehr im entsprechenden Fred!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 31. Jan 2013, 08:07
von jogiwan
Rum Diary

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Schöne, bzw. schön langweilige Verfilmung des Roman-Erstlings von Hunter S. Thompson bzw. dessen semi-autobiografischen Erlebniss in Puerto Rico der Sechziger-Jahre. Alles recht hübsch gemacht und Johnny Depp verkörpert den exzentrischen Lebemann mit Hang zum Alkohol auch recht gut, was jedoch nicht davon ablenken kann, dass der Film zwar zahlreiche Handlungsstränge aufnimmt, aber die Wenigsten zu Ende führt und die Geschichte nicht der Bringer ist. Das Finale ist nach zwei Stunden turbulenter Entwicklungen von "grotesk" bis "dramatisch" ist dann auch eher mau und irgendwie erscheint "Rum Diary" dann auch wie ein Abend im Schnaps-Rausch, bei dem am Ende außer Kopfweh und wirren Eindrücken wenig zurückbleibt.

Der Schlachter

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Claude Chabrols "Der Schlachter" ist zwar im Grunde viel weniger Krimi als erwartet, dafür aber ein sehr gutes Psycho-Drama mit zwei großartigen Darstellern und ruhigem Erzähltempo, bei dem sich das Grauen scheinbar unbemerkt in eines idyllische Dorfgemeinde schleicht. Die Geschichte ist ja auch recht unspektakulär erzählt und fängt wie eine Liebesgeschichte an, die sich schleichend in ein Drama wandelt, als die selbstbewusste Lehrerin Helene vermutet, dass es sich bei ihrem Verehrer Popaul um einen gesuchten Serienmörder handeln könnte. Für Genre-Fans wird "Der Schlachter wohl etwas zu langatmig erscheinen und manche Szene wirkt auf den ersten Blick auch recht banal, wenn Chabrol den Alltag einfacher Leute nachzeichnet, aber alle anderen können sich ja dezent den Schauer über den Rücken jagen lassen, wenn sich in der friedlichen und beschaulichen Dorfgemeinde auf einmal unerwartete Abgründe auftun...

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 2. Feb 2013, 22:36
von jogiwan
Das Haus der Vergessenen

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Flotte Geisterbahnfahrt in die Abgründe des White-Trash in Form einer degenerierten Familie mit dunklem Geheimnis im Keller, zwischen den Wänden, sowieso und überhaupt. Was als Coming-of-Age-Drama beginnt wird recht rasch zur schwarzhumorigen Horrorsause und weil ständig was passiert, kommt der geneigte Zuschauer auch erst gar nicht in die Lage, sich Gedanken darüber zu machen, dass die ganze Sache keinerlei Logik-Prüfung standhalten würde. Da rummst es an allen Ecken und wenn nichts mehr geht, wird ein neues As aus dem Ärmel gezaubert, damit die Sache nicht ins Stocken gerät. Liebenswertes Genre-Kino mit lustigen Einfällen und einem Herrn Craven kann man ja sowieso nicht böse sein. Spaßig!

The Expendables II

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Temporeicher, harter und vor allem sehr selbstironischer Actionklopper, der mir nach der Gurke "The Raid" wieder den Glauben an aktuelle Actionfilme zürckgegeben hat. Mit der richtigen Mischung aus Kawumm, überspitzter Coolness, Humor und Gekloppe ist der überdreht-wirkende Streifen auch perfekte Popcorn-Unterhaltung im oberer Härtegrad, der recht unverkrampft daherkommt, die nötige Geschichte im Schlepptau hat und auch pathos-triefende Klippen dezent umschifft. Zwar sind die alten Haudegen Stallone, Schwarzegger, Willis und Norris ja eigentlich wirklich schon zu alt für sowas und insbesondere bei Sly wirkt das Haarteil mitunter doch etwas seltsam, aber trotzdem macht "The Expandables 2" eigentlich für einen Unterhaltungsfilm alles richtig und toppt den Vorgänger auch scheinbar mühelos. Das einzige Manko ist für mich, dass sich mein Schatzi Scott Atkins nicht auch auf die Seite der Guten befindet. "The Expandables 2" rockt jedenfalls ziemlich und ist genau die Form von Actionfilm, die ich mir als Nicht-Genre-Experte auch gerne ansehe.

Das Ding aus der Mur

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Eingentlich recht gelungener No-Budget-Amateur-Streifen, der aus einem Spaß-Projekt von ein paar Horrorfans heraus zu einem richtigen Spielfilm wurde, der in Graz sogar im Kino gelaufen ist. Kein Wunder, denn das "Das Ding aus der Mur" macht dank Herzblut aller Beteiligten und Guerillia-Produktion ohne Rücksicht auf Verluste überraschend viel Spass und punktet mit viel Grazer Lokalkolorit und recht deftigen Szenen. Das Monster sieht ebenfalls sehr gut aus und irgendwie man hätte ihm dann auch mehr Screentime gewünscht, was dann hoffentlich in der geplanten Fortsetzung der Fall ist. Die Produktionsbedingungen und das Equiptment waren ja augenscheinlich nicht so optimal, aber was die beiden Herren Hu & Hehn da abgeliefert haben, kann sich im Vergleich zu manch anderer Produktion aus der Amateur-Kiste durchaus sehen lassen.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 3. Feb 2013, 09:17
von jogiwan
Will Tremper Double-Feature:

Playgirl

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Eigentlich recht ungewöhnlicher Streifen des Ex-Journalisten Will Tremper, der hier weniger einen funktionierenden Film, sondern ein interessantes und episodenhaftes Zeitdokument im aufstrebenden Berlin der Sechzigerjahre geschaffen hat. Ursprünglich fand der Streifen mit FSK18-Freigabe wohl keinen Verleih und wurde dann doch zum großen Erfolg und mittlerweile ist das Ding auch vernünftigerweise auf FSK6 runtergestuft. Die Geschichte des erfolgreichen Jet-Set-Girls, dass sich nimmt was sie will, war seinerzeit aber sicherlich provokant und auch der Umgang mit Rassismus und das Desinteresse an Vergangenheitsbewältigung wirkt bisweilen etwas befremdlich. Dennoch ist "Playgirl" ein empfehlenswerter Streifen abseits von üblichen Strickmustern geworden, in dem Eva Renzi ("Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe") auch ins beste Licht gerückt wurde, die Musik von Peter Thomas flockt und wer würde es schon verpassen wollen, wenn Umberto Orsini ("Der Mann ohne Gedächtnis") auf liebenswerte Art und Weise Deutsch spricht.

Die Endlose Nacht

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Will Tremper zeigt in seinem atmosphärischen Film die Schicksale und Träume der unterschiedlichsten Menschen, die in einer Nacht am Flughafen Berlin-Tempelhof durch die Absage aller Flüge erfüllt oder zerstört werden und greift zahlreiche Handlungsstränge auf, die nur teilweise zu Ende geführt werden. Der Streifen hat mit dem immer leerer werdenden Flughafen auch ein absolut großartiges Ambiente, dass im Film auch sehr gut genutzt wird und mir mit seinem geschickten Spiel mit Sehnsüchten und Träumen der Protagonisten extrem gut gefallen hat. Die Darsteller inklusive einer sehr jungen Hannelore Elsner und Mario Adorf in einer Mini-Rolle sind jedenfalls sehr gut gewählt, sodass es an dem episodenhaften und unaufgeregt erzählten Werk auch gar nicht Großartiges zu meckern gibt. Eine kleine bislang größtenteils noch unentdeckte Perle des deutschen Filmguts, die vor kurzen erst würdig auf DVD veröffentlicht wurde und die man sich eigentlich nicht entgehen lassen sollte.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 4. Feb 2013, 07:50
von jogiwan
jogiwan hat geschrieben: Ein Unbekannter rechnet ab

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Schön gemachte Verfilmung des Agathe Christie-Romans, der u.a. auch schon in "Da warens nur noch Neun/Das Geheimnis im blauen Schloß" zu größeren Ehren gekommen ist. Collinson steht für seine Adaption des beliebten Stoffes ein Alltime-Dream-Cast aus diversen europäischen Schauspielstars und eine traumhaft-exotische Location in Form eines weitläufigen Hotels zur Verfügung und er nutzt beides auch recht gut um einen eleganten Big-Budget-Kammerspiel-Thriller zu zaubern. "Ein Unbekannter rechnet ab" steht dann auch in der Tradition von "Tod auf dem Nil" und "Mord im Orient-Express" in dem sich die interantionalen Stars die Klinke in die Hand geben und alles doch recht gediegen und sittsam um sie herum gezimmert wurde. Charles Aznavour darf ein Liedchen trällern, Elke ist hübsch, Oliver Reed der raue Sympahtieträger und auch wenn die Spannung sicher nicht im Vordergrund steht, ist "Ein Unbekannter rechnet ab" genau die Art von Hochglanz-Agathe-Christie-Verfilmung, die ich immer wieder gerne sehe. Toller Cast, toller Film!
Auch die Zweitsichtung des Werks hat nicht enttäuscht. Gepflegte Krimi-Unterhaltung mit tollen Darstellern. I like!