horror's Reise durch die große Welt der Filme

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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Guns and Girls
(Guns, Girls and Gambling)
mit Christian Slater, Gary Oldman, Tony Cox, Dane Cook, Jeff Fahey, Helena Mattsson, Powers Booth, Megan Park, Chris Kattan, Sam Trammell, Matthew Willig, Eddie Spears, Gordon Tootoosis
Regie: Michael Winnick
Drehbuch: Michael Winnick
Kamera: Jonathan Hale
Musik: Jeff Cardoni
FSK 16
USA / 2011

Der Chief der Apachen wurde bestohlen. Eine antike Kriegsmaske ist aus seinem Büro im Spielcasino des Stammes verschwunden. Irgendeinem raffinierten Dieb ist es gelungen, das kostbare Artefakt aus dem gesicherten Raum zu klauen. Für ihn selbst völlig überraschend hält jeder sofort den harmlosen John Smith für den Dieb. Plötzlich lauert hinter jeder Ecke und jeder Tür, jedem Baum oder Busch eine zwielichtige Gestalt, die auf die Maske scharf ist. Um der gefährlich gierigen Meute heil zu entkommen, bleibt dem verzweifelten Biedermann nur ein Ausweg: Er muss den Dieb der Maske selbst finden, sonst ist sein Skalp längstens seiner gewesen!


Nach dem 2006 erschienenen "Dark Shadows" ist vorliegender Film erst die zweite Regie-Arbeit von Michael Winnick, mit der er zudem auch noch eine vollkommen andere Richtung einschlägt. Nach dem genannten Horror/Thriller bekommt es der Zuschauer nun mit einer Kombination aus Roadmovie und Action/Komödie zu tun, die man wohl schon zu diesem noch frühen Zeitpunkt als eines der Highlights des Jahres 2013 bezeichnen kann. Dabei deuten weder das eher unscheinbare DVD-Cover und auch nicht die Inhaltsangabe auch nur annähernd darauf hin, welch göttliches Film-Vergnügen sich dem Zuschauer präsentiert, doch zumeist sind es ja immer wieder die sogenannten B-Movies, die letztendlich für die positivsten Überraschungen sorgen. Auch der Titel "Guns and Girls" suggeriert einem nicht unbedingt die Hoffnung, das man es hier mit hochwertiger Filmkost zu tun bekommt, denkt man doch viel eher an einen der handelsüblichen B-Actioner, die zuhauf in der weiten Welt des Filmes herumschwirren, doch in diesem Bezug soll man einem absoluten Trugschluss aufsitzen. Das Werk von Michael Winnick bietet nämlich nicht nur nette-und kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch, sondern bietet vielmehr eine Geschichte, die voller Witz, Tempo und überraschender Wendungen ist und außerdem noch mit einer Darsteller-Riege aufwartet, die sich jederzeit sehen lassen kann.

In der Hauptrolle ist dabei ein grandios aufspielender Christian Slater zu sehen, der ganz offensichtlich seinen dritten Frühling erlebt und an Spielfreude nur schwerlich zu überbieten ist. Ihm zur Seite stehen mit Gary Oldman, Jeff Fahey oder auch Powers Booth einige sehr bekannte Gesichter zur Seite, die allesamt durch ihre glänzenden Performances allein schon die Sichtung dieses Filmes rechtfertigen. Insbesondere die Erzählweise der Story nimmt den Zuschauer von Beginn an mit, merkt man doch ziemlich schnell, das die Geschehnisse extrem witzig und mit einer Menge Tempo daherkommen. Brillanter Wortwitz und teils skurrile Situationskomik geben sich hier förmlich die Klinke in die Hand und tragen Sorge dafür, das die gut 81 Minuten Netto-Spielzeit wie im Flug vergehen. Ehe man sich versieht ist das Ganze nämlich schon wieder zu Ende und man empfindet wahres Bedauern darüber, denn eine solch intelligente-und innovative Geschichte hätte auch gut und gern noch eine geraume Weile weitergehen können. Andererseits ist die Laufzeit jedoch absolut passend gewählt, entstehen doch so überhaupt keine langatmigen Passagen und die Ereignisse sind äußerst knackig verpackt.

Herausragend empfand ich die vorhandenen Dialoge, die einerseits mit etlichen Klischees und Andeutungen angefüllt sind und auf der anderen Seite diesen herrlich bissigen Wortwitz beinhalten, der einen wirklich durchgehend begleitet und das Ganze so wunderbar erfrischend erscheinen lässt, das man sich vor Begeisterung kaum mehr einkriegen will. Auch die einzelnen Charaktere werden absolut herausragend dargestellt, wobei für manche Figuren der Begriff grotesk wohl ziemlich angebracht ist. Doch genau von solchen Dingen lebt die Geschichte, alles wird zumeist vollkommen überspitzt dargestellt, bewegt sich aber dennoch in einem Rahmen, den man sich auch durchaus in der Realität vorstellen könnte. Wenn man dann noch berücksichtigt das die Story mit der Zeit einige nicht vorhersehbare Wendungen einschlägt, sollte man letztendlich eigentlich zu einem brillanten Gesamteindruck gelangen, der diesem Film auch vollkommen gerecht wird. Und so handelt es sich bei "Guns and Girls" um ein äußerst sehenswertes Szenario, das durch etliche Kapriolen und Kuriositäten ins Auge fällt, jedoch zu keiner Zeit auch nur im Entferntesten albern erscheint. Winnick hat genau die richtige Mischung gefunden, um dem Betrachter ein geschehen zu präsentieren, an dem man einfach seine helle Freude haben muss.

Nur zu oft werden diverse Blockbuster werbewirksam vermarktet und dem Zuschauer wie Sauerbrei offeriert, die letztendlich dann aber doch nicht das halten können, was man sich von ihnen verspricht. Hier hat man es einmal mit einer eher kleineren Produktion zu tun an die man keinerlei große Erwartungen knüpft und wird mit einem Film-Vergnügen belohnt, das diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Abweichend vom ansonsten oft vorgesetzten Einheitsbrei ist "Guns and Girls" eine herrlich erfrischende-und innovative Abwechslung, die man nur in den höchsten Tönen loben kann. Spritzig, witzig und voller Überraschungen muss man sich mit Cowboys, Indianern, hübschen Frauen und einigen Elvis-Imitatoren auseinandersetzen, die allesamt zum Gelingen dieser großartigen Geschichte beitragen. Dies macht man jedoch nur zu gern und hat die vorliegende DVD aus dem Hause Ascot Elite auch ganz bestimmt nicht das letzte Mal in den heimischen Player gelegt, handelt es sich doch um einen Film, den man sich immer wieder gut anschauen kann.


Fazit:


Und wieder einmal bekommt man bestätigt, das es zumeist die eher unscheinbaren Filme sind, die das größte Potential beinhalten. "Guns and Girls" zählt definitiv dazu, denn neben erstklassig agierenden Schauspielern beinhaltet der Film extrem viel Charme und Witz und wartet zudem noch mit etlichen Überraschungs-Momenten auf, die man schwerlich vorhersehen kann. Insgesamt gesehen ergibt sich so ein erstklassiger Gesamteindruck und man kann dieses grandios unterhaltende Werk nur wärmstens weiterempfehlen.


9/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Lebendig begraben
(The Premature Burial)
mit Ray Milland, Hazel Court, Richard Ney, Heather Angel, Alan Napier, John Dierkes, Dick Miller, Clive Halliday, Brendan Dillon
Regie: Roger Corman
Drehbuch: Charles Beaumont / Ray Russell
Kamera: Floyd Crosby
Musik: Ronald Stein
FSK 16
USA / 1962

Der reiche Guy Carrell befürchtet, er könne, wie einst sein Vater, aus Versehen lebendig begraben werden. Seine Verlobte nutzt seine Angst für einen skrupellosen Plan aus. Doch Guy Carrell trifft Vorkehrungen seinem scheinbar unvermeidlichen Schicksal zu entkommen - jedoch nicht ohne grausame Konsequenzen für ihn selbst und viele Beteiligte...


Nach "Der Untergang des Hauses Usher (Die Verfluchten)" und "Das Pendel des Todes" bekommt man es hier nun mit der dritten Verfilmung nach einer Geschichte von Edgar Allan Poe zu tun, für die Regisseur Roger Corman innerhalb von nur 3 Jahren verantwortlich zeichnet. Dabei präsentiert sich eine wunderbar umgesetzte Geschichte im besten Gothic Horror-Stil, die man atmosphärisch kaum besser hätte in Szene setzen können. Schon mit den ersten Szenen offenbart sich eine herrlich schaurige Grundstimmung, so das von Beginn an genau das richtige Gefühl für einen Film dieser Art aufkommt. Dabei hat Corman alle nötigen Zutaten mit einbezogen, denn ein altes-und scheinbar riesiges Herrenhaus, ein nebelverhangener Friedhof und genau die richtige Geräuschkulisse sind nahezu geschaffen dafür, einen klassischen Gruselfilm zu präsentieren, an dem jeder Klassiker-Liebhaber seine helle Freude haben dürfte.

War in den anderen beiden Filmen der charismatische Vincent Price in der Hauptrolle zu bewundern, so hat man diese bei "Lebendig begraben" mit Ray Milland besetzt, was sich jedoch keinesfalls als Nachteil herausstellen soll. Mit seinem großartigen Schauspiel trägt Milland den Film fast von ganz allein, so das sämtliche anderen Figuren fast schon zu Statisten degradiert werden. Insbesondere seine grandiose Mimik sorgt dafür, das seine panische Angst glaubwürdig zum Zuschauer transportiert wird, der die seelischen Qualen des Mannes fast körperlich nachvollziehen kann. Seine Schauspiel-Kollegen agieren zwar auch allesamt bravourös, wirken allerdings bei der Omnipräsenz des Hauptdarstellers lediglich wie nötige Staffage.

"Lebendig begraben" beinhaltet etliche Gänsehaut-Momente, die selbst nach nunmehr über 50 Jahren immer noch ganz hervorragend zur Geltung kommen und ihre Wirkung auf den Betrachter keinesfalls verfehlen. Und das geschieht ohne jegliche Effekte, lebt der gesamte Film doch nur von seinem äußerst gelungenen Spannungsaufbau und seiner absolut faszinierenden Atmosphäre, von der sich mancher Beitrag der heutigen Zeit eine ganz dicke Scheibe abschneiden könnte. Sicherlich werden viele Leute dieses Werk eher als angestaubt und antiquiert ansehen, aber Liebhaber des klassischen Horrorfilms offenbart sich vielmehr ein kleines Meisterwerk, das auch nach all den Jahren noch ganz hervorragend funktioniert.

Ganz egal wie man zu diesen Filmen steht, Corman ist es ganz vortrefflich gelungen mit den geringsten Mitteln die maximale Wirkung zu erzielen. Ein überragender Hauptdarsteller, gut besetzte Nebenrollen, eine erstklassige Dramaturgie der Ereignisse und eine Grundstimmung die wirklich ihresgleichen sucht sorgen für einen Film der absoluten Extra-Klasse. Meiner Meinung nach bekommt man es hier mit einem absoluten Paradebeispiel dafür zu tun, das es nicht immer unbedingt harte Passagen und unzählige Effekte sein müssen, um den Zuschauer für ein Szenario zu begeistern, das durch die einfachsten Dinge nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt.


Fazit:


Auch wenn ich mir den großartigen Vincent Price ebenso in der Hauptrolle hätte vorstellen können, so muss man Ray Milland wirklich den höchsten Respekt für seine brillante Performance zollen. Man spürt einfach in jeder einzelnen Szene, das der gute mann wirklich Ahnung von seinem Handwerk hatte, was im Prinzip auf alle Akteure der damaligen Zeit zu beziehen ist. Solch überzeugende Leistungen würde man sich auch in der heutigen Zeit des Öfteren wünschen, in der die Bezeichnung Schauspieler nur allzu oft noch nicht einmal annähernd zutrifft. Und so kommt man letztendlich zu einem wirklich hervorragendem Gesamteindruck dieses Werkes, das man ohne Weiteres als zeitlosen Klassiker bezeichnen kann, dessen Sichtung sich allemal lohnt.


9/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Der Tollwütige
(La Belva col mitra)
mit Helmut Berger, Marisa Mell, Richard Harrison, Marina Giordana, Luigi Bonos, Vittorio Duse, Ezio Marano, Claudio Gora, Alberto Squillante, Maria Pascucci, Nello Pazzafini, Antonio Basile, Sergio Smacchi
Regie: Sergio Grieco
Drehbuch: Sergio Grieco
Kamera: Vittorio Bernini
Musik: Umberto Smaila
ungeprüft
Italien / 1977

Nanni Vitale, skrupelloser Mörder und Totschläger, bricht zusammen mit seinen Komplizen aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus. Mit kaltblütiger Brutalität startet er einen Rachefeldzug gegen all jene, die ihn damals hinter Gitter gebracht haben. Kommissar Santini heftet sich an die Fersen des unberechenbaren Psychopathen. Doch schon bald muss er erkennen, dass Nanni nicht nur äußerst raffiniert, sondern auch zu allem fähig ist. Mit Santinis Vater und Tochter als Geiseln in seiner Gewalt fordert er den Kommissar zum finalen Showdown...


Helmut Berger spielt die Hauptrolle in diesem Policiesco aus dem Jahre 1977 und liefert dabei eine exzellente Performance als mordender Psychophat ab. Dabei merkt man ihm die Spielfreude in jeder einzelnen Einstellung an und es überkommt einen nicht selten das Gefühl, das er seinen exzentrischen Lebens-Stil nahezu perfekt in die vorliegende Geschichte einbringen kann. Dadurch entsteht fast zwangsweise ein ziemlich glaubwürdiger Eindruck der Ereignisse, was dem Ganzen schon einmal etliche Pluspunkte einbringt. Dennoch ist "Der Tollwütige" nicht frei von diversen Mankos, die in einigen Phasen leider recht offensichtlich zu erkennen sind. Hauptsächlich möchte ich mich bei diesem Punkt auf das Verhalten der Polizei beziehen, deren Handlungsweisen doch manchmal recht unglaubwürdig erscheinen. Ganz besonders kommt dies zum Vorschein, als die Gangster ein Lohnbüro überfallen und dabei Geiseln nehmen.

Hier ist mehrmals die Möglichkeit zu einem erfolgreichen Zugriff gegeben, doch anstatt die gebotene Chance wahrzunehmen, verhalten sich die Beamten eher dümmlich und ermöglichen den Gangstern so die Möglichkeit zur Flucht. Diese Passagen erscheinen doch eher künstlich und trüben ein wenig den ansonsten guten Gesamteindruck dieses Werkes. Ein weiterer Minuspunkt ist sicherlich der Aspekt, das sich während des gesamten Szenarios nie der herausragende Spannungsbogen erkennen lässt, der doch so viele andere Genre-Vertreter auszeichnet. Dafür sind dann die Abläufe doch zu vorhersehbar und vermitteln dem Zuschauer auch nicht den Eindruck, das echte Überraschungsmomente auf ihn zukommen würden. Gut also, das mit Helmut Berger ein absolut überzeugender Haupt-Charakter am Start ist, der durch seine grandiose Performance so manch kleine Schwäche überdecken kann und mit seiner Omnipräsenz die Geschichte fast von allein trägt. Seine Sonderstellung wird auch im Umgang mit seinen Verbrecher-Kollegen ziemlich klar, denn in keiner einzelnen Szene kommt die Frage auf, wer in der Gruppe das Sagen hat und die Zügel in der Hand hält.

Gerade dieser Aspekt wird von Regisseur Sergio Grieco absolut grandios herausgearbeitet, denn die von Berger dargestellte Figur Nanni Vitale ist absolut unberechenbar. Dies kommt schon durch die erstklassige Mimik zum Ausdruck und so manches Mal meint man den puren Wahnsinn im Gesicht des Mörders ablesen zu können. Davon sichtlich eingeschüchtert befolgen seine Gefolgsleute auch sämtliche Anweisungen, um nicht selbst Opfer des unbeherrschten Psychophaten zu werden. Wenn man also auch im Gesamtbild der Geschichte einige offensichtliche Defizite erkennen kann, so ist die Kern-Thematik des Ganzen doch umso besser in Szene gesetzt worden. Auch der deutsche Film-Titel ist passend gewählt, erscheint einem die Hauptfigur doch größtenteils wie ein tollwütiger Hund, der ohne jegliche Skrupel etliche Leben auslöscht, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken. Dabei ist das gesamte Geschehen auf einen finalen Showdown ausgelegt, in dem Vitale und der ermittelnde Kommissar Santini aufeinander treffen. Inszeniert wurde das Finale schon fast wie in einem Western, in dem sich zwei Desperados bei einem Duell gegenüberstehen. Diesen Schlusspunkt kann man dann auch als durchaus gelungen ansehen, so das der Zuschauer letztendlich mit einem befriedigendem Gefühl aus einem Film entlassen wird, der sich trotz einiger Schwächen oberhalb des normalen Durchschnitts ansiedelt und jederzeit eine Sichtung wert ist.

"Der Tollwütige" ist also im Endeffekt kein Film ohne Fehler, doch das überragende Schauspiel von Helmut Berger lässt einen über manche Defizite generös hinwegsehen. Dazu zählt auch die immer wieder kehrende musikalische Untermalung der einzelnen Passagen, die einen manchmal schon recht monotonen Eindruck hinterlässt. Und auch wenn hier keine wirkliche Hochspannung aufkommen will, erliegt man letztendlich doch der Faszination des Geschehens, die ganz eindeutig von der charismatischen Hauptfigur ausgeht. Es gibt auf jeden Fall bessere Vertreter des Genres, aber dennoch zählt das Werk von Sergio Grieco zu den absolut sehenswerten Beiträgen, die man sich auch in der heutigen Zeit immer wieder gerne anschaut.


Fazit:


Ohne den brillanten Hauptdarsteller würde sich dieser Film gerade einmal im Durchschnitts-Bereich ansiedeln, doch allein für die mehr als gelungene Performance von Helmut Berger muss man seine Bewertung um mindestens 2 Punkte erhöhen. Diverse kleinere Schwächen sind dadurch zu verschmerzen und fallen nicht so stark ins Gewicht, wie es ansonsten wohl der Fall gewesen wäre. Eine Sichtung des Filmes erscheint also allemal lohnenswert, so das man ohne Weiteres eine Empfehlung aussprechen kann.


7,5/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Pterodactyl - Urschrei der Gewalt
(Pterodactyl)
mit Cameron Daddo, Coolio, Amy Sloan, George Calil, Ivo Cutzarida, Steve Braun, Mircea Monroe, Jessica Ferrarone, Danna Lee, Howie Lotker, Duke Faeger, Todd Kramer, David Nykl, Petr Jakl
Regie: Mark L. Lester
Drehbuch: Mark Sevi
Kamera: George Mooradian
Musik: John Dickson
ungeprüft
USA / 2005

Tiefer, dichter Wald in Ost Anatolien, Türkei: friedliche, idyllische Ruhe. Jedoch der schlafende Vulkan Mount Ararat hütet in seinem Inneren ein tödliches Geheimnis - etwas was seit Millionen Jahren auf sein Erwachen wartet. Zwei von sehr unterschiedlichen Motiven angetriebene Expeditionen sind auf dem Weg. In die Tiefe des Waldes. Eine Expedition von Wissenschaftlern, geführt von Prof. Lovecraft. Auf der Suche nach einer vor kurzem entstandenen Erdspalte, die Aufschlüsse über die Vorzeit erlauben könnte. Außerdem eine militärische Spezialeinheit, geleitet von Captain Bergen, auf der Jagd nach einem Terroristen und seinen Mitgliedern, deren Basis in der Nähe des Vulkans vermutet wird. Bereits nach kurzer Zeit werden beide Expeditionen zwangsweise zu einer Schicksals Gemeinschaft, wenn sie diesen Ort lebend verlassen wollen, denn sie bedroht eine tödliche Gefahr, Pterodactyls, die seit der Urzeit ausgestorben schienen. Mit 5 Metern Spannweite, außergewöhnlichen Fertigkeiten und einem unbändigen Appetit. Gibt es eine Chance der Urzeit zu entkommen?


Oh Mann, was hat denn den guten Mark L. Lester (Die Klasse von 1984) nur geritten, einen solch dümmlichen Film zu kreieren? Hegt man aufgrund der Inhaltsangabe noch einigermaßen berechtigte Hoffnung es zumindest mit einem kurzweiligen Trash-Spektakel zu tun zu bekommen, so kehrt doch ziemlich schnell Ernüchterung ein. Die Mischung aus Militär-Action und Creature Movie ist derart misslungen, das sich dem Zuschauer eigentlich nur die Haare sträuben, denn in vorliegendem Fall passt eigentlich so gar nichts zusammen. Das beginnt schon mit der vollkommen hanebüchenen Story an sich, die dann aber zudem auch noch absolut schlecht in Szene gesetzt wurde und außerdem noch nicht einmal einen gewissen Unterhaltungs-Faktor bietet, an dem man sich erfreuen könnte. Als wenn das noch nicht schlimm genug wäre, muss man sich auch noch mit äußerst dürftigen Schauspiel-Leistungen auseinandersetzen und die hohlen Charaktere bieten noch nicht einmal den Ansatz von Substanz.

Stattdessen bekommt man farblose-und jederzeit austauschbare Figuren geboten, die phasenweise so unglaubwürdig und schlecht agieren, das es einem die Sprache verschlägt. Angereichert mit größtenteils vollkommen sinnlosen Dialogen offenbart sich so eine Geschichte, die ein wahres Sammelsurium an Peinlichkeiten an den Tag legt, das auf keine Kuhhaut geht. Phasenweise ist es schon richtiggehend peinlich, was dem Betrachter hier geboten wird, baut das Geschehen doch durchgehend überhaupt keine Spannung auf und bietet stattdessen lediglich unlogische Verhaltensweisen der Protagonisten, die sich im Austausch von Peinlichkeiten gegenseitig übertreffen. Negatives Highlight ist hierbei Rapper Coolio, der als Anführer der militärischen Einheit ebenso glaubwürdig erscheint wie Dieter Hallervorden in der Rolle des "Rambo". Seine Schauspiel-Kollegen stehen ihm aber kaum in etwas nach und treten in ein Fettnäpfchen nach dem anderen. Selbst wenn man mit minimalen Erwartungen an das Schauspiel der Akteure herangeht, werden diese sogar noch unterboten und man stellt sich ganz automatisch die Frage, wo die Personen ihr Handwerk erlernt haben.

Erhofft man sich nun zumindest einige gute Effekte, so bekommt man in dieser Beziehung den härtesten Nackenschlag verpasst, denn die Darstellung der geflügelten Urzeit-Monster ist extrem dilettantisch und künstlich , so das der Film auch bei diesem Aspekt keinerlei Pluspunkte verbuchen kann. Das Schlimme an der Sache ist, das man diesen Eindruck im Prinzip auf jede einzelne Zutat dieses komischen Genre-Mixes beziehen kann, dessen Höhepunkt ganz sicher der Abspann des Filmes ist. Ansonsten aber beinhaltet die obskure Geschichte keinerlei Nährwert und ist definitiv in die Kategorie "Filme, die kein Schwein braucht" einzuordnen. Keinerlei Spannung, null Atmosphäre, übel animierte Flug-Saurier und extrem schlechte Darsteller sind nicht unbedingt die Zutaten, die ein gut unterhaltender Film beinhalten sollte, so das "Pterodactyl - Urschrei der Gewalt" noch nicht einmal im Durchschnitts-Bereich anzusiedeln ist.

Selbst für Trash-Liebhaber kann man keine wirkliche Empfehlung aussprechen, denn das Geschehen präsentiert sich keinesfalls unfreiwillig komisch, sondern ist einfach nur schlecht. Und was tut man, wenn man einen solchen Müll dennoch gewinnbringend an den Mann bringen will? Richtig, man veröffentlicht den Schun in limitierten Hartboxen und verkauft diese zu einem vollkommen überteuerten Preis. So verhält es sich auch hier, denn anders hätte sich das üble Werk wohl schwerlich verkaufen lassen. So aber scheint die Vermarktung zu funktionieren, gibt es doch etliche Sammler, die sich von dieser Strategie einmal mehr in die irre führen lassen und ihr Geld zum Fenster rauswerfen.


Fazit:


Weder witzig, noch spannend-und interessant bekommt man hier eine Geschichte präsentiert, die weder Substanz noch Unterhaltungswert beinhaltet. Gähnende Langeweile und übles Schauspiel stehen stattdessen im Mittelpunkt, so das man dieses üble Machwerk ganz sicher kein zweites Mal gesehen haben muss.


2/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Agent Hamilton 2 - Rache für die Tochter
(Hamilton 2: Men inte om det gäller din dotter)
mit Mikael Persbrandt, Seba Mubarak, Frida Hallgren, Reuben Sallmander, Nadja Christiansson, Lennart Hjulström, Peter Eggers, Steven Waddington, Cal Macaninch, John Light, Nigel Whitmey
Regie: Tobias Falk
Drehbuch: Stefan Thunberg / Jan Guillou
Kamera: Jan Jonaeus
Musik: Philippe Boix-Vives / Jon Ekstrand
FSK 16
Schweden / 2012

Carl Hamilton, Schwedens härtester und eigensinnigster Geheimagent, geht mal wieder eigene Wege. Diesmal kommt er seiner Kollegin und guten Freundin Ewa Tanguy zu Hilfe, als ihre Tochter entführt wird. Ein mächtiger Öl-Milliardär aus Saudi-Arabien steckt hinter dem Verbrechen. In seiner Wüstenfestung hält er das Mädchen, das er zur gläubigen Muslima umerziehen will, gefangen. Wegen seiner Ölvorräte halten sich die schwedischen Behörden zurück. Zu allem entschlossen plant der Agent deshalb mit einigen wenigen Waffengefährten einen Befreiungsschlag im Alleingang. Diesmal ist die Sache sehr persönlich, denn die kleine Nathalie ist Carl Hamiltons Patenkind!


Schon im Vorfeld durfte man sehr gespannt sein, ob auch das zweite Abenteuer mit Schwedens Top-Agenten an die Klasse des ersten Teils herankommen würde. Die Frage ist ganz eindeutig mit einem klaren ja zu beantworten, auch wenn die vorliegende Geschichte nicht ganz die Intensität des Vorgängers erkennen lässt. Dieses Mal ist Carl Hamilton (Mikael Persbrandt) in einer ganz eigenen Mission unterwegs und kann nicht auf die Unterstützung seines Landes hoffen, denn politische Komplikationen verhindern, das der Top-Agent auf offizielle Hilfe hoffen kann. Wenn es sich nämlich um Öl dreht, werden auch einmal terroristische Hintergründe anders behandelt und gerade dieser Punkt kommt in der vorliegenden Geschichte sehr gut zum Ausdruck. Es ist schon erstaunlich wie schnell Verbrechen unter den Tisch gekehrt werden sollen, wenn sich alles um das schwarze Gold dreht und selbst Terroristen einen höheren Stellenwert haben als das Leben eines kleinen Mädchens.

Das Ganze ist dabei sehr glaubwürdig umgesetzt worden, so das man sich als Zuschauer äußerst gut mit den Ereignissen auseinandersetzen kann. Auch das Verhalten von Hamilton erscheint dabei logisch, auch wenn der gute Mann dabei außerhalb seiner Befugnisse agiert und sich selbst auf ein wahres Himmelfahrtskommando begibt, das doch recht wenig Aussicht auf Erfolg beinhaltet. Persbrandt agiert dabei wie gewohnt extrem cool, die Rolle des markigen Agenten scheint ihm wie auf den Leib geschneidert. Auch der oft herbeigezogene Vergleich mit einem James Bond ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen, auch wenn sich diese schwedische Produktionen nicht ganz so spektakulär gestalten wie gerade die älteren Filme mit dem britischen Pendant. Trotzdem ist hier eine Menge an Klasse zu verspüren und besonders die nüchterne-und knallharte Darstellung von Persbrandt erscheint absolut passend, man kann sich jederzeit mit der Hauptfigur identifizieren, die einen äußerst authentischen Eindruck hinterlässt.

Und dennoch zeigt die Hauptfigur auch menschliche Gefühle, was man ihr im ersten Moment gar nicht so richtig zutraut. Und gerade weil diese menschlichen Regungen auf eine eher unterkühlte Art dargestellt werden, erscheinen sie so unglaublich realistisch, denn theatralische Gefühlsausbrüche würden ganz einfach nicht zum Charakter des Agenten passen. Und so merkt man trotz der fast stoischen Mimik des Hauptdarstellers ganz deutlich, wie sehr ihm die Entführung seines Patenkindes an die Nieren geht und er Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um das Mädchen aus den Klauen seiner Entführer zu befreien. Das Ganze gestaltet sich dann auch phasenweise recht actionreich, wobei Regisseur Tobias Falk sorgsam darauf bedacht ist, das die Szenerie zu keiner Zeit in überflüssigem Aktionismus versinkt. Die vorhandenen Passagen sind sehr gut über die gesamte Laufzeit verteilt, so das die Ereignisse zu keinem Zeitpunkt überladen erscheinen. Für den gewonnenen Gesamteindruck des Filmes ist das nicht unerheblich, denn so werden die realistisch wirkenden Geschehnisse noch einmal zusätzlich hervorgehoben und bieten dem Zuschauer einen absolut erstklassigen Agenten-Thriller.

Im Endeffekt steht dieses zweite Abenteuer des schwedischen Top-Agenten seinem Vorgänger in kaum etwas nach. Zwar entsteht nicht mehr dieser einzigartige Wow-Effekt, den die Figur im ersten Fall hinterlassen hat, denn mittlerweile vermeint man, den knallharten Hamilton schon in-und auswendig zu kennen. Dieser Aspekt ist jedoch noch nicht einmal als negativer Kritikpunkt anzusehen, denn Mikael Persbrandt hinterlässt einmal mehr einen unglaublich sympathischen Eindruck. Auch der Aspekt, das hier etwas weniger Action als im ersten Teil vorhanden ist sehe ich nicht als Nachteil an, denn in seiner Gesamtheit wirkt die Geschichte äußerst stimmig und rund. Die fast unterkühlte Grundstimmung des Ganzen verleiht der Story ein einzigartiges Flair, das die Glaubwürdigkeit der Ereignisse noch einmal zusätzlich unterstützt. Und so kann man nur hoffen, das noch weitere Verfilmungen folgen werden, denn die Figur des Carl Hamilton beinhaltet genügend Potential für eine gesamte Reihe, an der man sich bei vorliegender Qualität der einzelnen Fälle ganz sicher erfreuen könnte.


Fazit:


Auch der zweite Fall des schwedischen Agenten beinhaltet wieder einmal genügend Zündstoff für ein ungemein interessantes-und sehr spannendes Film-Erlebnis. Ein cooler Hauptdarsteller, gelungene Action-Passagen und eine gut umgesetzte Geschichte lassen einen zu einem sehr guten Gesamteindruck gelangen, so das man hier eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen kann.


7/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Das dreckige Dutzend III - Die tödliche Mission
(The Dirty Dozen: The Deadly Mission)
mit Telly Savalas, Ernest Borgnine, Vince Edwards, Bo Svenson, Vincent Van Patten, James Van Patten, Randall "Tex" Cobb, Gary Graham, Wolf Kahler, Thom Mathews, Emmanuelle Meyssignac, Paul Picemi
Regie: Lee H. Katzin
Drehbuch: Mark Rodgers
Kamera: Tomislav Pinter
Musik: John Cacavas
FSK 16
USA / 1987

Als die Alliierten erfahren, dass die Nazis eine Giftgasfabrik in einem französischen Kloster betreiben, wird Major Wright (Telly Savalas) beauftragt, eine Elitetruppe aufzustellen. Seine Wahl fällt auf zwölf Männer, die nichts mehr zu verlieren haben. Das Dutzend zum Tode Verurteilter Verbrecher bricht in das besetzte Frankreich auf, um Hitlers Schergen aufzuhalten. Hinter den feindlichen Linien stehen ihnen nur wenige Kämpfer der Resistance zu Seite.


Nachdem zwischen dem herausragendem Original und dem ersten Ableger volle 18 Jahre lagen, dauerte es lediglich 2 Jahre, bis mit "Das dreckige Dutzend III" 1987 der nächste Teil folgte. Natürlich kommt auch diese TV-Produktion nicht an die Klasse des Werkes von Robert Aldrich heran, bietet aber dennoch solide Genre-Kost die alle Zutaten beinhaltet, um unterhaltsame Filmkost zu präsentieren. In der Hauptrolle ist dieses Mal Telly Savalas zu sehen, der einmal mehr ein dreckiges Dutzend zusammenstellen muss, um eine schier unmögliche Mission erfolgreich abzuschließen. Dabei sollte der Zuschauer nun aber keinerlei Innovation oder irgendwelche Überraschungsmomente erwarten, denn bis auf die Tatsache das man es mit einem neuen Ziel zu tun bekommt, gleicht die Story der des Originals doch fast bis aufs Haar.

So bewegt sich die aufgebaute Spannung also in einem recht überschaubaren Rahmen, denn die Geschehnisse sind selbstverständlich recht vorhersehbar. Das ändert jedoch nichts daran, das man es hier mit einem durchaus sehenswerten Film zu tun bekommt. Die einzige wirkliche Schwäche besteht sicherlich darin, das die versammelte Darsteller-Riege ein wenig blass und farblos daherkommt, hat man doch fast zwangsläufig die erstklassige Besetzung des ersten Teiles vor Augen, die durch ihr exzellentes Schauspiel ganz besonders aufgefallen ist. Nun sind die darstellerischen Leistungen auch in vorliegendem Film nicht die schlechtesten, jedoch fehlt es den einzelnen Charakteren ein wenig an Ausstrahlung und Charisma.

Ansonsten aber bekommt man einen ordentlichen Kriegsfilm geboten, in dem die 12 Häftlinge wieder einmal über sich hinauswachsen und sich gegen eine zahlenmäßige Überlegenheit der Nazis stellen. Dabei wird aus den Einzelgängern ein eingeschworener Haufen, der weder Tod noch Teufel fürchtet. Im Bezug auf die Action - Passagen hält sich die Geschichte ein wenig zurück, denn die enthaltenen Szenen sind keinesfalls so spektakulär in Szene gesetzt, wie es noch im ersten Teil der Fall war. Man sollte seine Erwartungen also nicht zu hoch ansetzen, um hinterher keine Enttäuschung zu erleben. Gerade die Ausbildung der Männer erscheint dabei ein wenig seicht, an dieser Stelle hätte man durchaus etwas mehr bewerkstelligen können.

Insgesamt gesehen handelt es sich wahrlich um keinen schlechten Film, bei dem man jedoch nicht die Messlatte des Originals anlegen sollte. Es gibt keinerlei Neuerungen oder Überraschungen, sondern ein altbekanntes Szenario mit einer neuen Mission und anderen Darstellern. Ein wenig vermisst man auch den teilweise tollen Humor der dem Werk von Aldrich beigewohnt hat und der vorliegender Geschichte sicherlich gut zu Gesicht gestanden hätte. Trotzdem handelt es sich im Endeffekt immer noch um einen sehenswerten Film, der rund 90 Minuten gute-und kurzweilige Unterhaltung anbietet.


Fazit:


Bei den frappierenden Ähnlichkeiten der jeweiligen Geschichte drängt sich ganz automatisch der Vergleich zum 1967er Werk auf und diesen kann "Das dreckige Dutzend III" keinesfalls gewinnen. Trotzdem eignet sich der Film jederzeit für eine Sichtung und ist trotz seiner Vorhersehbarkeit durchgehend interessant in Szene gesetzt worden.


6/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Das dreckige Dutzend IV
(The Dirty Dozen: The Fatal Mission)
mit Telly Savalas, Ernest Borgnine, Jagd Sperren, Matthew Burton, Jeff Conaway, Alex Cord, Erik Estrada, Ernie Hudson, James Carroll Jordan, John Matuszak, Heather Thomas, Branko Blace
Regie: Lee H. Katzin
Drehbuch: Mark Rodgers
Kamera: Tomislav Pinter
Musik: John Cacavas
FSK 16
USA / 1988

Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges bleibt Hitler nur noch eine Chance, den Endsieg zu erringen: Er entsendet einige seiner hochrangigen Offiziere nach Istanbul, um dort das vierte Reich zu gründen. Major Wright wird von den Alliierten beauftragt, diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Doch um dem Abschaum der Menschheit Einhalt zu gebieten, braucht es den Abschaum des Militärs! Zwölf Männer die nichts mehr zu verlieren haben brechen auf, um die teuflischen Pläne des Führers zu stoppen.


Hier bekommt man es nun mit dem letzten Teil der "Das dreckige Dutzend-Reihe" zu tun und wirklich neue Impulse bietet auch dieser Teil nicht an, der wieder unter der Regie von Lee H. Katzin entstanden ist. Es ist schon einigermaßen erstaunlich das man nach dem Erscheinen des Originals volle 18 Jahre mit einem Nachfolger gewartet hat, um dann innerhalb von nur 4 Jahren gleich drei Nachfolger zu produzieren, die im Bezug auf die Qualität auf keinen Fall an den Film von Robert Aldrich heranreichen können. Das mag einerseits daran liegen das es sich lediglich um TV-Produktionen handelt, auf der anderen Seite ist es jedoch in den jeweiligen Darsteller-Riegen begründet, die allesamt nicht an den brillanten Cast des 1967er Werkes ankommen.

Und so bietet auch vorliegende Geschichte nichts Neues, denn fast das komplette Szenario läuft nach den immer gleichen Mechanismen ab. Es ändern sich halt lediglich die Schauplätze und die jeweilige Mission, zudem werden halt jeweils die Schauspieler ausgetauscht. Dennoch beinhaltet "Das dreckige Dutzend IV" zumindest einen neuen Aspekt, denn dieses Mal gibt es in den eigenen Reihen einen Verräter, der die Pläne des verwegenen Haufens an die Nazis weiterleitet. Ein klein wenig Abwechslung also in einer Story, die ansonsten keinerlei Innovation beinhaltet, aber dennoch recht kurzweilige Unterhaltung auf TV-Niveau präsentiert. Meiner Meinung nach werden gerade der dritte-und vierte Teil der Reihe viel zu schlecht bewertet und viel zu oft wird der Vergleich mit dem zugegebenermaßen absolut brillanten Original herbeigezogen. Natürlich fallen die späteren Filme in diesem Vergleich ziemlich ab, erscheinen aber dennoch absolut sehenswert, wenn man die eigenen Erwartungen nicht allzu hoch ansetzt.

Auch hier entwickelt sich eine phasenweise recht spannend gestaltete Geschichte, die jedoch auch ein wenig vorhersehbar erscheint. Hier liegt dann auch das größte Problem der späteren Teile, denn durch die fast identische Inszenierung der jeweiligen Missionen entsteht wenig Abwechslung und man weiß ganz genau, was letztendlich auf einen zukommt. Dadurch fehlt es selbstverständlich an echten Überraschungsmomenten und genau dieser Aspekt dient für viele Leute als größter Kritikpunkt. Hinzu kommen dann die darstellerischen Leistungen, die sicherlich nicht gerade als grandios zu bezeichnen sind, meiner persönlichen Meinung nach bekommt man jedoch solide Leistungen geboten, die für einen Film dieser Art als vollkommen ausreichend erscheinen.

Letztendlich ist "Das dreckige Dutzend IV" alles andere als ein filmisches Meisterwerk, doch das Werk ist keinesfalls so schlecht, wie diverse Kritiken es vermuten lassen. Für einen TV-Film ist das Werk äußerst solide und bietet nette Unterhaltung für zwischendurch. Dabei darf man allerdings kein sonderlich spektakuläres Action-Szenario erwarten, doch diverse Schießereien und etliche Explosionen vertreiben dem Zuschauer kurzweilig die Zeit.


Fazit:


Wenn es einen nicht stört, im Prinzip immer die gleiche Geschichte mit einigen Änderungen zu erleben, der kann auch getrost bei diesem letzten Teil der Reihe zugreifen. Das altbewährte Schema wird gut bedient und für einen gemütlichen Film-Abend ist "Das dreckige Dutzend IV" auf jeden Fall bestens geeignet.


6/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Tödliches Erbe
(L'Assassino ha le mane pulite)
mit Tom Drake, Femi Benussi, Virgilio Gazzolo, Ernesto Colli, Isarco Ravaioli, Andrea Fantasia, Ivo Garrani, Valeria Ciangottini, Giovanna Lenzi, Aurelio Marconi, Nicola Solari, Aldo Bruno
Regie: Vittorio Sindoni
Drehbuch: Aldo Bruno / Romario Migliorini / Vittorio Sindoni
Kamera: Ascenzio Rossi
Musik: Stefano Torossi
FSK 16
Italien / 1968

Ein unerwartetes Millionenerbe winkt drei Töchtern und einem zurückgebliebenen Adoptivsohn. Allerdings soll der Nachlass erst ausgezahlt werden, wenn der Letztere die Volljährigkeit erreicht. Diese Klausel gibt den kollektiv in Geldnöten steckenden Hinterbliebenen Zeit und Gelegenheit den Kreis anderer potentieller Erben so auszudünnen, dass am Ende vielleicht der ganze Kuchen bleibt.


Leider gibt es gerade im Sub-Genre des Giallos immer noch etliche Juwelen, die es bis zum heutigen Tag noch nicht auf eine deutschsprachige DVD geschafft haben. Durch die nun endlich erschienene Veröffentlichung der Koch Media Giallo Collection wurde dieser Zustand zumindest bei vorliegendem Werk von Vittorio Sindoni aus dem Jahre 1968 abgeändert und ich bin wirklich erstaunt, welch guter Genre-Vertreter einem bisher durch die Lappen gegangen ist. "Tödliches Erbe" ist nämlich ein in allen Belangen überzeugender Film, der wohl aber ganz eindeutig zu den eher wenig bekannten Vertretern seiner Art gehört. Zwar könnte man nun die hier behandelte Erbschafts-Thematik als alten Hut bezeichnen, da es doch etliche Krimis gibt die sich damit schon befasst haben, doch die Umsetzung des Ganzen kann sich wirklich sehen lassen und bietet dem Betrachter knapp 80 Minuten spannende-und interessante Filmkost.

Dieser Früh-Giallo setzt dabei nicht auf reißerisch ins Bild gesetzte Morde, so das man im Bezug auf Härte und blutige Passagen keine großen Erwartungen hegen sollte. Vielmehr präsentiert sich eine äußerst atmosphärische Geschichte, die ihre Stärken aus der gelungenen Dramaturgie ihrer Geschehnisse bezieht und die Suche nach dem Mörder nach einem simplen Ausschluss-Verfahren gestaltet. So ist es dann zwar nicht sonderlich schwer auf die Identität des Killers zu kommen, denn es werden immer wieder kleine Puzzle-Teilchen serviert, die einen schon recht frühzeitig auf die richtige Spur bringen können. Dennoch bietet die endgültige Auflösung doch noch einen kleinen Überraschungsmoment, den man nicht zwangsläufig vorhersehen konnte. Bis dahin jedoch wird man mit etlichen Verdächtigen konfrontiert, denn in dieser Geschichte bietet sich fast jeder Charakter als Tatverdächtiger an. Verbale Äußerungen und etliche Verhaltensweisen sollen den Zuschauer dabei fast regelmäßig auf falsche Fährten locken und in manchen Fällen gelingt das auch recht gut.

Sindoni versteht es dabei sehr gekonnt, einige Figuren zu offensichtlich in den Kreis der Verdächtigen zu rücken, um anderen wiederum eher subtil ein Motiv unterzujubeln. Für einen selbst bedeutet das ein herrliches Verwirrspiel und es fällt ziemlich schwer, sich eine festgelegte Meinung zu bilden, da immer wieder neue Verdachtsmomente in den Vordergrund rücken, die auf andere Personen hindeuten. Die Darsteller agieren dabei sehr gut und sind ein wesentlicher Bestandteil dafür, das dieses ineinander verschachtelte Rätse-Spiel auch funktioniert. Allerdings hätte man sich doch in der Rolle des minderjährigen Adoptivsohns einen rein optisch gesehen glaubwürdigeren Schauspieler wie Ernesto Colli gewünscht, der zur damaligen Zeit immerhin schon 28 Jahre alt war, was man ihm in diesem Film auch sehr deutlich ansieht. Das ist letztendlich aber nur ein kleiner doch sehr auffälliger Makel, denn das Schauspiel an sich gibt im Prinzip keinerlei Grund zur Beanstandung. Das kann man jedoch auch ganz generell auf die gesamte Inszenierung beziehen und auch wenn sich mit "Tödliches Erbe" vielleicht nicht eine der absoluten Genre-Größen präsentiert, so beinhaltet dieses Werk doch eine ganze Menge Klasse und Niveau, so das es umso erstaunlicher erscheint, das es sich um einen ziemlich unbekannten Vertreter seiner Art handelt.

Dieser Zustand wird sich durch die Veröffentlichung auf DVD hoffentlich ändern, denn dann würde dieser unterhaltsamen Geschichte endlich der Zuspruch zuteil, die sie meiner Meinung nach auf jeden Fall verdient hätte. Ohne größere Härten und literweise Kunstblut hat Vittorio Sindoni hier einen klassischen Giallo geschaffen, der mit den minimalistischsten Mitteln die maximale Wirkung erzielt. Das typische 60er Jahre Ambiente nimmt einen dabei mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit und insbesondere ältere Semester dürften hier nostalgische Gefühle entwickeln. Ganz besonders die Kleidung der damaligen zeit sorgt durch ihre Farbzusammenstellung manchmal für regelrechte Augenschmerzen, über die Inneneinrichtung von Wohnungen wollen wir gar nicht erst reden. Auch die Darstellung eines Tanz-Clubs und die teilweise skurril anmutenden Tanz-Bewegungen einiger Statisten sorgen für ein unglaublich authentisches Flair der damaligen Zeit, so das man insgesamt gesehen zu einem absolut überzeugenden Gesamteindruck gelangen sollte.


Fazit:


Mit "Tödliches Erbe" erschien nun endlich ein eher unbekannter Genre-Beitrag auf DVD, den man sich unbedingt anschauen sollte. Sicherlich nicht zu den absoluten Top-Giallos zu zählen, serviert einem der Film eine wunderbar umgesetzte Geschichte, die sämtliche Zutaten für ein spannendes Film-Erlebnis beinhaltet. Mich persönlich hat dieses Werk jedenfalls bestens unterhalten, so das ich ohne Weiteres eine dicke Empfehlung aussprechen kann.


8/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Die keine Gnade kennen
(Raid on Entebbe)
mit Peter Finch, Martin Balsam, Horst Buchholz, Charles Bronson, John Saxon, Sylvia Sidney, Jack Warden, Yaphet Kotto, Tige Andrews, Eddie Constantine, Warren J. Kemmerling, Robert Loggia, Allan Arbus
Regie: Irvin Kershner
Drehbuch: Barry Beckerman
Kamera: Bill Butler
Musik: David Shire
FSK 12
USA / 1977

27. Juni 1976: Auf dem Entebbe Airport in Uganda bringen palästinensische Terroristen ein Passagierflugzeug der Air France in ihre Gewalt und nehmen die über 200, meist israelischen Passagiere als Geiseln. Ihr Ziel: Die Geiseln gegen einige ihrer in Gefangenschaft befindlichen Gesinnungsgenossen
einzutauschen. Für die Geiseln beginnt ein sieben Tage dauerndes Martyrium, denn ihre Heimat ist tausende Kilometer entfernt und vom ugandischen Präsidenten Idi Amin und seinem Regime ist keine Hilfe zu erwarten.



So ganz stimmt die Inhaltsangabe zu diesem Klassiker nicht, wurde die Maschine der Air France doch schon kurz nach dem Abflug aus Athen von den Terroristen übernommen, um dann nach einem Zwischenstopp in Lybien den Zielflughafen Entebbe in Uganda anzusteuern. Wie dem aber auch sei, das Werk von Irvin Kershner (Sag niemals nie, Robocop 2) basiert auf wahren Begebenheiten und ist nun endlich auch erstmalig vollkommen ungeschnitten auf DVD erschienen. Bisher war doch lediglich eine um gut 20 Minuten gekürzte Version des Filmes erhältlich, aber dank Ascot Elite kann man nun endlich die Geschichte in ihrer ungekürzten Form genießen. Und das ist auch gut so, denn die zusätzlichen Szenen (im Original-Ton mit deutschen Untertiteln) lassen das Geschehen doch noch ein wenig runder erscheinen. Ohne sich mit einer unnötigen Einführung aufzuhalten, geht die Geschichte auch schon nach wenigen Minuten ans Eingemachte, was von Beginn an für einen erstklassig gezogenen Spannungsbogen spricht, der sich auch konstant durch die gesamte Story zieht. Während sich die erste Filmhälfte hauptsächlich mit den Terroristen und den Entführten beschäftigt, wird das Hauptaugenmerk danach auf die militärische Befreiungsaktion der Israelis gelegt, die mit der "Operation Thundebolt" ihre Landsleute aus den Fängen der Palästinenser befreien wollen.

Obwohl der Film im Prinzip relativ wenig Action-Passagen enthält, gestaltet sich das Ganze extrem spannend und baut zudem eine äußerst beklemmende Grundstimmung auf, die sich aus der Situation der gefangenen Israelis ergibt. Dabei wurde hier ganz generell die Lage der Passagiere sehr gut herausgearbeitet, denn während sich zu Beginn viel eher Ungläubigkeit in ihren Gesichtern ablesen lässt, wandelt sich dieser Zustand mit der Zeit in nackte Panik und grenzenlose Angst. Die Situation wird zunehmend angespannter, wobei Hoffnung und Zuversicht auf eine schnelle Rettung immer mehr dem puren Entsetzen weichen. Das liegt hauptsächlich an der Unbarmherzigkeit der Entführer, die zu keiner Zeit einen Zweifel daran lassen was mit den Menschen passiert, wenn die israelische Regierung nicht auf ihre Forderungen eingeht. Unterstützt werden sie dabei vom ugandischen Präsidenten Idi Amin, der von Yaphet Kotto absolut erstklassig dargestellt wird. Dieser spielt sich in einer selbstherrlichen Art als rettender Vermittler auf, hat dabei aber lediglich eigene Ziele im Auge, da er sich vor aller Welt als rettender Engel darstellen möchte.

Das glänzende Schauspiel der gesamten Darsteller-Riege ist hier ein ganz wichtiger Aspekt für die extrem authentische und glaubwürdige Note die dem gesamten Geschehen beiwohnt. Es fällt einem nämlich überhaupt nicht schwer, sich in das Szenario hineinzudenken, bekommt man doch von der ersten Minute an den richtigen Bezug zu den Ereignissen und kann sich so sehr gut vorstellen, das sich das Ganze auch wirklich so ähnlich abgespielt haben muss. Es ist schon erstaunlich wenn man sieht, welche Ansammlung von Stars sich hier tummelt, mit Charles Bronson, Peter Finch, Martin Balsam oder auch Horst Buchholz seien nur 4 Beispiele genannt. Selbst die kleinsten Nebenrollen sind größtenteils hochkarätig besetzt, wobei man in diesem Film eigentlich gar nicht von Nebenrollen sprechen kann. Es gibt nämlich keinen wirklichen Haupt-Charakter, die einzelnen Spielanteile sind äußerst gut verteilt und niemand eine Art Vormachtsstellung, die dem Zuschauer sonderlich ins Auge fällt. Darin liegt auch die besondere Stärke dieses Filmes, der dadurch umso glaubwürdiger erscheint und keinerlei Helden-Pathos beinhaltet, der den sehr guten Gesamteindruck lediglich verwässert hätte.

Im Endeffekt handelt es sich bei "Die keine Gnade kennen" um ein erstklassiges Drama, das einem die wahren Ereignisse dieser Flugzeug-Entführung plastisch sehr gut wiedergibt. Dabei wird äußerst gut auf die Situation der Entführten eingegangen, gleichzeitig stellt Kershner aber auch die politische Brisanz der damaligen Zeit sehr gut in den Fokus seiner Geschichte. Diese Mixtur verleiht dem Geschehen eine unglaubliche Intensität, die sich ganz automatisch auch auf den Betrachter überträgt. Trotz seiner Laufzeit von gut 140 Minuten beinhaltet die Geschichte keinerlei Längen, denn jede einzelne Einstellung ist ein winziges Puzzle-Teilchen in einem sehr stimmigen Szenario, das zum Ende hin auch noch einige sehenswerte Action-Passagen beinhaltet, die jedoch keinesfalls übertrieben, sondern absolut realistisch ins Bild gesetzt wurden. Für mich persönlich handelt es sich hier um einen absoluten Klassiker, der auch in der heutigen Zeit noch absolut sehenswert erscheint und der nun auch endlich in ungeschnittener Form vorliegt.


Fazit:


Ein glaubwürdiges Stück Zeitgeschichte im Film bekommt man nun wirklich nicht immer geboten, aber "Die keine Gnade kennen" hinterlässt genau diesen Eindruck beim Zuschauer, der über die gesamte Laufzeit mitfiebert, obwohl er den Ausgang des Geschehens schon kennt. Grandiose Darsteller und die nüchterne Darstellung wahrer Ereignisse helfen hier dabei, von Anfang an in das Szenario einzutauchen und den richtigen Bezug zu den Ereignissen zu bekommen.


9/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Die Waffe, die Stunde, das Motiv
(L'Arma, l'ora, il movente)
mit Renzo Montagnani, Bedy Moratti, Eva Czermerys, Salvatore Puntillo, Claudia Gravy, Alcira Harris, Arturo Trina, Adolfo Belletti, Amaldo Bellefiore, Francesco D'Adda, Gina Mascetti, Maurizio Bonuglia
Regie: Francesco Mazzei
Drehbuch: Francesco Mazzei / Mario Bianchi
Kamera: Giovanni Ciarlo
Musik: Francesco De Masi
keine Jugendfreigabe
Italien / 1973

Der Mord an dem gütigen Pater Don Giorgio gibt Kommissar Boito Rätsel auf. Noch bevor das Motiv erkennbar wird, geschieht ein weiterer Mord in der Umgebung des Paters.


Auch der zweite Film aus der gerade erschienenen Giallo Collection von Koch Media ist eine deutsche DVD-Premiere und anscheinend gab es diesen eher unbekannten Genre-Vertreter noch nicht einmal auf VHS zu begutachten. Umso schöner ist es deshalb, das man den Film von Francesco Mazzei nun endlich begutachten kann, offenbart sich doch eine gelungene Kombination aus Giallo-und Drama, das auch teilweise kritisch mit der katholischen Kirche ins Gericht geht. Zu Beginn braucht die Story zugegebenermaßen ein wenig Anlaufzeit um so richtig in die Gänge zu kommen, wobei das Geschehen jedoch zu keiner Zeit langatmig oder gar uninteressant erscheint. Dennoch gewinnt das Ganze merklich an Klasse, als endlich mit Renzo Montagnani der ermittelnde Kommissar auf der Bildfläche erscheint, der dem geschehen durch seine ganz eigene Art einen persönlichen Stempel aufdrückt. Die Zeichnung des intelligenten Ermittlers ist dabei sehr gut gelungen und seine Methoden erscheinen phasenweise sogar etwas außergewöhnlich und stellen zudem das Salz in der Suppe dar. Ihm zur Seite steht sein Assistent Moriconi, der das genaue Gegenteil seines Vorgesetzten darstellt und in der Rolle des klischeebeladenen Trottels eine wunderbare Figur abgibt, die auch für einige humorige Momente verantwortlich zeichnet.

Ansonsten war es das aber auch schon mit der witzigen Seite des Szenarios, das sich neben einer interessanten Kriminal-Geschichte auch mit der Doppel-Moral der Kirche beschäftigt und diese des Öfteren eindrucksvoll ins Bild setzt. Dabei steht der Mord an einem jungen Pfarrer im Vordergrund, der gleich 2 Affären mit verheirateten Frauen hatte und sich dann immer selbst für seine Sünden gegeißelt hat. Auch wenn die Polizei bei ihren Ermittlungen ziemlich lange im Dunkeln tappt, so liegt das Motiv für die Tötung doch für den Zuschauer recht offensichtlich auf der Hand. Auch die Identität des Killers ist dabei nicht wirklich im Verborgenen und dürfte insbesondere für Kenner des Genres unmittelbar auf der Hand liegen. Zudem gibt es immer wieder diverse Anhaltspunkte die auf eine ganz bestimmte Person abzielen, die sich dann letztendlich am Ende auch als Mörder offenbart. Diese Indizien werden hauptsächlich von einer bestimmten Figur der Geschichte eingestreut auf die ich nicht näher eingehen möchte, die jedoch durch ihr Verhalten eine ganz klare Tendenz erkennen lässt.

Erstaunlicherweise mangelt es der Geschichte dennoch nicht an der nötigen Spannung, um den Betrachter für sich zu gewinnen, denn obwohl Mazzei ziemlich offensichtliche Spuren in Richtung des Killers legt, kann man sich doch fast die gesamte Laufzeit über nicht vollkommen sicher sein, ob man mit den eigenen Vermutungen auch richtig liegt. Und so kann man sich trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit der Ereignisse an einem gelungenem Film erfreuen, dessen Inszenierung ein wenig von den ansonsten handelsüblichen Genre-Kollegen abweicht. So handelt es sich in vorliegendem Fall um keine wirklich Serie von Morden, denn lediglich 2 Menschen werden Opfer des Mörders. Zum anderen verleiht die Hintergrund-Thematik der kirchlichen Doppel-Moral dem ganzen eine unglaublich faszinierende Note und drückt dem Geschehen den Stempel des Dramas auf, der absolut passend erscheint.

Es ist schon absolut erstaunlich wenn man sieht, wie viele kleine Film-Juwelen eher unbeachtet vor sich hin dümpeln, bevor sie endlich einmal auf DVD veröffentlicht werden. Auch "Die Waffe, die Stunde, das Motiv" ist durchaus in diese Kategorie einzuordnen, denn auch wenn sich der Film eventuell nicht mit den absoluten Grüßen des Genres messen kann, so bietet er allerbeste-und kurzweilige Unterhaltung. Mazzei's Werk siedelt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall oberhalb des Durchschnitts an und ist durch die Genre-Kombination aus Giallo-und Drama zudem noch ein recht außergewöhnlicher Vertreter seiner Art. Allein dieser Aspekt sollte einen neugierig machen und dem Film endlich die Beachtung schenken, die er aufgrund der vorhandenen Klasse definitiv verdient hat.


Fazit:


"Die Waffe, die Stunde, das Motiv" ist vielleicht nicht unbedingt ein Meisterwerk, kombiniert jedoch 2 verschiedene Genres unheimlich gut miteinander. Mit ein wenig Anlaufzeit offenbart sich eine äußerst spannende Geschichte, an der man als Fan auf jeden Fall seine Freude hat. Ich fühlte mich bestens unterhalten und kann nur eine absolute Empfehlung für diesen Film aussprechen.


7/10
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