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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Di 17. Mär 2026, 18:56
von Blap
Seit Jahrzehnten stehen zwei Alben von Dimmu Borgir im Regal. "Enthrone" und den Nachfolger kaufte ich damals, wohl im Rausch (m)eines kurzzeitigen Metal-Revivals. In den späten Neunzigern hatte ich (nach etlichen Jahren Pause) wieder Lust auf Metal unterschiedlicher Art.

Allerdings zündeten die Scheiben damals nicht und standen daher nur als Füllmasse im Regal.

Angeregt durch deine Zeilen, liegt nun gerade "Enthrone" im Player und bereitet durchaus Freude.

Vielen Dank!

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Di 17. Mär 2026, 18:58
von Maulwurf
Ist mir eine Ehre :verbeug:

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Do 19. Mär 2026, 00:48
von FarfallaInsanguinata
Maulwurf hat geschrieben: Sa 14. Mär 2026, 15:25 Dimmu Borgir
For all tid

CD - 1995 - Reissue 1997

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Ganz unabhängig davon, wie sich die Band später weiterentwickelt hat: 1995 war der Black Metal noch eine andere Nummer als heute, und DIMMU BORGIR waren nochmal anders als andere Kinder. Das Tempo größtenteils sehr verhalten, stark keyboard-lastige Sounds, schlecht produziert (was bei dieser Reissue angenehmerweise beibehalten wurde), und irgendwie fällt es mir schwer, hier den typischen Black Metal der frühen 90er zu erkennen. Die komplexen Songstrukturen der späteren Jahre sind schon da, genauso wie der melodische Moment. Vor allem aber fällt diese düstere Stimmung auf, die sich eben nicht nur im sinnlosen Niederprügeln der Instrumente darstellt, sondern tatsächlich eine bestimmte Atmosphäre erzeugt. Irgendwo zwischen einem bösen und kahlen Wald und einer eisigen und steinigen Einöde im Dämmerlicht ist das hier der perfekte Soundtrack für das nächste Gelage im dunklen Verlies einer Burg. Mir gefällt's ...


Dimmu Borgir - Hunnerkongens Sorgsvarte Ferd Over Steppene (und der Schluss gehört wirklich so)
Schön, dass du du hier besprichst, so kann ich mir das bei meinen Metal-CDs sparen. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass ich selbstverständlich das Original auf "No Colours" mit dem S/W-Layout besitze.
Erbaulich jedoch vielleicht die Geschichte, wie ich dazu kam. Anfang der Nuller befand ich mich in einer Klinik in Bad Kissingen und suchte bei einem Ausflug nach Schweinfurt die lokale "Müller"-Filiale auf. Da machte ich reiche Beute in diversen Bereichen. Die "För all tid" stand als Original direkt neben der Reissue, die Originale von "Darkthrone" auf Peaceville habe ich leider missachtet und stehengelassen. :bang: "Norsk Arisk Black Metal" :lol:

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Fr 20. Mär 2026, 08:49
von Maulwurf
FarfallaInsanguinata hat geschrieben: Do 19. Mär 2026, 00:48 Erbaulich jedoch vielleicht die Geschichte, wie ich dazu kam. Anfang der Nuller befand ich mich in einer Klinik in Bad Kissingen und suchte bei einem Ausflug nach Schweinfurt die lokale "Müller"-Filiale auf. Da machte ich reiche Beute in diversen Bereichen. Die "För all tid" stand als Original direkt neben der Reissue, die Originale von "Darkthrone" auf Peaceville habe ich leider missachtet und stehengelassen. :bang: "Norsk Arisk Black Metal" :lol:
OK ich gebe zu, dass ich noch nie in Bad Kissingen war. Offensichtlich ein Fehler ... :kicher:
Vielen Dank für die hübsche Anekdote!

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Fr 20. Mär 2026, 09:09
von Maulwurf
Dimmu Borgir
Godless savage garden

LP - 1998 - Picture Disc

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Ein wenig neueres Material, gemischt mit Neuaufnahmen älterer Stücke auf der ersten Seite, die zweite Seite dann Live. Ich vermute mal, DIMMU BORGIR haben eine Platte benötigt, um die Wartezeit auf das folgende Album zu verkürzen, sowas ist ja immer der hauptsächliche Grund für solche Veröffentlichungen. Und da die Band die alten Aufnahmen auch gerne mal mit besserem Equipment und besseren Studiobedingungen neu einspielte, sind mit Hunnerkongen und Raabjørn Speiler Draugheimens Skodde zwei Stücke von der For all tid dabei, die vielleicht nicht mehr so räudig und authentisch wie damals klingen, aber dafür verflucht gut abgehen. Moonchild domain ist ein Samplerbeitrag aus dem Vorjahr der ebenfalls seinen Reiz hat, und einzig die Coverversion von ACCEPTs Metal heart hat zwar ordentlich Dampf unterm Hemd, passt aber irgendwie nicht ins Konzept. Generell gilt, dass alles ein wenig nach Gothic Metal klingt, dass das Tempo eher ruhiger ist, die Songstrukturen nicht mehr so progressiv wie auf dem Vorgängeralbum, und man, via Metal heart deutlich zu merken, den Black Metal-Underground ganz offensichtlich verlassen und offensichtlich im Business des Metals angekommen ist.

Die B-Seite ist aktuelles Live-Material, und da rollt die Dampfwalze dann so richtig los und plättet alles. Ich habe die Band in der etwa in der Zeit mal live gesehen, und es war nett. Vielleicht ein schlechter Abend, sowas soll vorkommen; die Power, die hier auf der Platte abgeht, die hatten sie an dem Abend in Nürnberg leider nicht. Harter, schneller, düsterer, bombastischer Metal wie er kaum besser geht. Godless savage garden ist ein hübscher Appetithappen für Zwischendurch.


Dimmu Borgir - Chaos without prophecy


Dimmu Borgir - Stormblåst (live)

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Di 24. Mär 2026, 18:57
von Maulwurf
Dimmu Borgir
Spiritual black dimensions

LP - 1999

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Selten, dass ich so glücklich war, dass die Platte endlich vorbei ist. Der letzte Ton war noch lange nicht verklungen, da bin ich schon aufgesprungen, um diesen Quatsch endlich auszumachen. Meine Herren, ist diese Platte schlecht. Oder war ich nur nicht in der Stimmung? Von den rund 49 Minuten sind gefühlt 45 Minuten Hochgeschwindigkeitsgekloppe mit geschätzt einem unmotivierten Tempo- und Melodiewechsel pro Minute. Die Gitarren rauschen im Hintergrund wie die Wasserleitungen, das Keyboard versucht Boden gut zu machen, und vorne grunzt einer "Satan" oder auch "Rippchen mit Kraut" oder was weiß ich vor sich hin. Man ist ja sooooo böse ...

Dieses Album bietet weder kraftvollen Metal, noch packende Melodien, noch irgendeinen Anreiz, sich damit näher zu beschäftigen. Schon im ersten Lied hatte mich die Langeweile gepackt, und bis auf das letzte Stück nicht mehr losgelassen. Wie ein moderner Actionfilm, der sich durch CGI-Explosionen und KI-generierte Twists definiert, ist hier alles von vorne bis hinten auf Geschwindigkeit, perfekte technische Beherrschung der Instrumente und vollkommen glattgeschliffene Oberfläche gebügelt. Bloß keine Ecken und Kanten bieten, nur Draufhauen und ohne Sinn zeigen was man kann. Wie ich schon sagte: Langweilig!


Dimmu Borgir - The blazing monoliths of defiance

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Sa 28. Mär 2026, 15:17
von Maulwurf
Dimmu Borgir
Stormblåst

CD/DVD-Combo - 2005

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Nach dem entsetzlich schlechten Spiritual black dimensions-Album war bei mir erst mal der Ofen aus. Das Interesse war für rund fünfzehn Jahre weg, aber sowas von. Daheim liefen noch das zweite und das dritte Album, und gut war. Mitte der 10er Jahre habe ich dann gelesen, dass DIMMU BORGIR Stormblåst ein zweites Mal aufgenommen haben, mit besserer Soundqualität, mehr Zeit und vor allem mit mehr Wissen, wie die Arbeit im Studio so vonstattengeht. Das Material ist dabei identisch zum Album von 1996, bis auf zwei Ausnahmen: Sorgens Kammer stellte sich als aus einem Videospiel geklaute Melodie heraus, die rechtlich nicht mehr verwendet werden durfte, und durch das neue Sorgens Kammer - Del II ersetzt wurde, und Avmaktslave ist ebenfalls ein bis dahin unveröffentlichtes Stück. Entsprechend fiel mein Urteil aus: Die Kompositionen sind erstklassig, der Sound ist modern, und die Band kickt nach all den Jahren einfach immer noch Ärsche. Das habe ich 2016 festgestellt, und das stelle ich jetzt immer noch fest.

Stormblåst hat aber auch noch eine DVD dabei, mit einem Auftritt auf dem Ozzfest 2004, und das Ding bläst wirklich alles weg. Was die Band hier abliefert ist brachialer, mitten-in-die-Fresse-ballernder Metal. Hochkomplex, unglaubliche Tempo- und Rhythmuswechsel, die bei 120 Stundenkilometern abgeliefert werden, parallel zum Headbanging und zum Grimassenschneiden. Wenn man den Typen zuschaut wie sie spielen, was sie aus ihren Instrumenten rausholen, und wie sie alle möglichen Solotrips immer dem Bandsound unterordnen, dann weiß man, woher DIMMU BORGIR mittlerweile ihren Erfolg haben: perfekte Instrumentenbeherrschung, massig Power, gute Melodien, viel Atmosphäre, und noch mehr Power. Weswegen ich mir letzte Woche tatsächlich mal wieder ein (neueres) DIMMU BORGIR-Album gekauft habe. Gehört habe ich es noch nicht, ich bin gespannt. Stormblåst ist auf jeden Fall genial!


Dimmu Borgir - Dødsferd


Dimmu Borgir - Mourning palace (Live at Ozzfest 2004)

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Mi 1. Apr 2026, 20:43
von Maulwurf
Dimmu Borgir
Abrahadabra

CD - 2010

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Diese CD ist … anders. Reden wir doch einfach mal über den Begriff „Pathos“. Wir stellen uns vor, Howard Shore hätte den Soundtrack zu DER HERR DER RINGE zwar komplett komponiert, dann aber Christofer Johnsson von THERION angehauen, ihm zu helfen. Als Gitarrist war kurze Zeit Axel Rudi Pell dabei, wurde dann aber gefeuert und Silenoz von DIMMU BORGIR wurde stattdessen eingestellt. Die Tracks, auf denen Axel Rudi seinen Power Metal spielte, dienten als Grundlage für den mehrstimmigen Chorsatz von Johnsson, und das alles wurde eingespielt, während düstere Computerspiele die Musiker inspirieren sollten.

Alles klar? Nein? Abrahadabra ist anders. Ganz anders. Wie wenn Anton Weber und Peter Tägtgren zusammen einen draufmachen, und der Balrog aus den Tiefen von Moria seinen Sermon dazugibt. Wie wenn das Requiem von Bach in die Hände eines zornigen Metalmusikers fällt, der zuviel Filmmusik gehört hat. Wie wenn … Ich weiß es nicht. Abrahadabra wechselt minütig, ach, sekündlich, zwischen Fremdscham und Genialität. Ich habe das Album unter Kopfhörern gehört, wo die exzellente Produktion erst so richtig rüberkommt, und die einzelnen Schichten dieser Musik, und es sind scheiße viele Schichten, glasklar genossen werden können. Die Musik ist düster. Düster im Sinne von himmelstrebenden Kathedralen, die von Philippe Druillet gezeichnet sind, und unter ihren weit entfernten Spitzbögen unsagbare und namenlose Kreaturen beherbergen. Die Musik ist treibend. Treibend und erbarmungslos wie der Sturmwind im nordischen Winter. Die Musik ist vielschichtig wie ein Juwel, das bei jeder Bewegung eine andere Facette von sich preisgibt …

Lasst uns über den Begriff „Pathos“ reden. „Pathos“ in Dingen wie „Rockoper“. Oder in Dingen wie große düstere nordische Saga mit unglaublichen Schlachten und Recken im einsamen Kampf gegen Ragnarök. All dies ist in Abrahadabra. Nach dreimal Hören. Beim vierten Mal werde ich noch andere Dinge hören. Was für ein Album …


Dimmu Borgir - Dimmu Borgir

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Fr 3. Apr 2026, 21:55
von Maulwurf
Dio
Sacred heart

LP - 1985

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Nach DIMMU BORGIR war das hier soeben doch ein recht heftiger Sprung. Dort noch die epischen Gitarrengewitter mit den pathetischen Chören, unterlegt mit fast durchgehender Doppelbass; hier dann plötzlich klassischer 1980er Hard Rock/Heavy Metal/Hair Metal mit jaulenden Gitarren und großartigem Gesang. Hach, Ronnie James Dio war einfach einer der allergrößten. Punkt.


Dio - Another lie

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Mo 6. Apr 2026, 10:13
von Maulwurf
Dio
Dream evil

LP - 1987

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Wenn ich Dream evil höre wird mir erst klar, was mich an Sacred heart gestört hat: Während letzteres Album wie ein Produkt seiner Zeit klingt, und sich Vivian Campbell an der Gitarre einfach Eddie van Halen-mäßig viel zu verspielt in den Vordergrund gejodelt hat, ist bei Dream evil alles da wo es hin gehört. Craig Goldies Gitarre ist knackig und ordnet sich dem harten und bodenständigen Hard Rock anstandslos unter, spielt in den zur Musik und Stimmung passenden Klangfarben, und alles in allem ergibt sich ein dunkles und richtig geiles Rockalbum ohne Sperenzchen. Der Mitgröhlfaktor erreicht locker 8 auf der IRON MAIDEN-Stadionrockskala, und live ist das Ganze, wie ich aus Erfahrung weiß, eine nochmal so saftige Angelegenheit. Das ist die Art Musik, die in den frühen 90ern in meiner Stamm Rock-Billard-Kneipe gelaufen ist, und damit kriegt man mich immer noch rum.

Vergessen wir also Sacred heart, Dream evil ist für mich mit seinen griffigen Melodien und dem kompletten Außenrum eine DER Referenzen zwischen Spät-80er-Hard Rock und Power Metal, und wahrscheinlich liebe ich dieses Album seit 35 Jahren genau deswegen so sehr.


Dio - All the fools sailed away