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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: So 4. Jan 2026, 18:53
von Maulwurf
Deine Lakaien
Winter fish testosterone

CD - 1996 - Reissue

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So sehr ich DEINE LAKAIEN liebe, aber mit diesem Album hatte ich schon immer meine Probleme, und daran hat sich auch bei diesem Hören nichts geändert. Ob es daran liegt, dass mir das dritte Album, Forest enter exit, fehlt, und mir damit ein Schritt der Entwicklung fehlt? Ich weiß es nicht. Wissen weiß ich, dass mir Winter fish testosterone zu kopflastig ist. Dass der tanzbare Drive fehlt, und dass ich das Bauchgefühl in der Musik vermisse. Selbst der Tanzflächenknaller Testosterone ist eher avantgardistisch als irgendwas anderes. Als ob die Musiker unbedingt beweisen wollten, dass sie auch anders können als Synthie-Pop. Mir fehlt ein wenig die Seele in der Musik, und selbst Alexander Veljanovs Gesang wird irgendwann eintönig und ... zweidimensional.

Nein, das ist nicht ihr bestes Album. Zu viel Experiment und zu wenig aus dem Bauch heraus ...


Deine Lakaien - Manastir baroue

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Mo 5. Jan 2026, 13:59
von Maulwurf
Deine Lakaien
Kasmodiah

CD - 1999

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Zwischen Winter fish testosterone und Kasmodiah muss irgendetwas passiert sein. Diskussionen, musikalisches Ausprobieren, was auch immer, aber Kasmodiah ist ein fast perfektes Album vor dem Gott der elektronischen Musik. Sanfte Balladen wie Return, knackige Tanzstücke wie Kiss the future mit der schönen Reminiszenz an den 80er-Wave, wo in jeder Zeile Anspielungen an die Szene dieser Jahre gemacht werden, EBM-lastiges Kracher wie Lass mich, und nach all den herrlichen Spielereien noch ein paar richtige Stücke in der Tradition des Vorgängeralbums. Mit all den knuffigen Geschichten, die Alexander Veljanov erzählt, all den romantischen Liebesschwüren, mit der Hommage an Reincarnation vom Dark star-Album, und mit dem deutschsprachigen Lass mich ist das Album sowohl textlich wie auch musikalisch sehr abwechslungsreich, und wirkt trotzdem wie aus einem Guss. Ein liebevoll gestaltetes Stückchen Popmusik mit hohem und ernsthaftem Anspruch sowie einer Instrumentierung zum Niederknien: Ich liebe diese CD, ich habe sie hundertmal gehört, und trotzdem entdecke ich immer wieder Neues. Aufregendes. Andere Töne und Klänge. Neue Stimmungen.

Wer mit DEINE LAKAIEN starten möchte, hier wäre ein guter Einstiegspunkt. (Der noch bessere Start wäre aber das Nachfolgeralbum, in dem die Band sich selbst übertrifft ...)


Deine Lakaien - Into my arms


Deine Lakaien - Overpaid

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: So 11. Jan 2026, 10:30
von Maulwurf
Deine Lakaien
White lies

CD - 2002

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Das Album, mit dem ich DEINE LAKAIEN kennen und lieben lernte. Eine perfekte Mischung aus Dark Wave und Popmusik. Liebevoll und mit viel Sinn fürs Detail instrumentiert und produziert. Die Stimme Alexander Veljanovs abwechslungsreich wie nie. Der Einsatz von Streichinstrumenten und einer Drehleier, die aus Ernst Horns Session für HELIUM VOLA noch im Studio stand (Horns Mittelalterprojekt, dazu mehr unter dem Buchstaben H). Ein wenig Horn'sches Klanggewitter. Mächtige Balladen. Dummes Zeug ("Stupid, stupid, I´m really Ding-Dong"). Ein Liebeslied an eine Straßenlaterne, an die Veljanov besoffen mit dem Kopf geknallt ist. Und über allem das Thema der Gentechnik und des Klonens. White lies lässt glaube ich, wenn man darkwavig-anspruchsvoller Popmusik gegenüber aufgeschlossen ist, glaube ich überhaupt keine Wünsche übrig. :knutsch:


Deine Lakaien - Prayer


Deine Lakaien - Kiss me

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Fr 16. Jan 2026, 12:21
von Maulwurf
Deine Lakaien
Live in concert

Doppel-CD - 2003

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Besetzung auf der Bühne: Synthesizer/Klavier/Schlagzeugcomputer, Gesang, zweimal Violine, Cello, Gitarre. Eine wilde Mischung, die perfekte Musik erzeugt. Beim Hören dieser CD frage ich mich oft, wie solch diffizile und vielschichtige Musik live überhaupt erzeugt werden kann, und irgendwie klappt es ja doch. DEINE LAKAIEN sind die letzte Band, die ich gerne mal live gesehen hätte. Und am liebsten so, wie sie 2002 auf dieser Tournee waren, mit dem Repertoire von 1986 bis 2002, und keine Schaffensphase wird ausgelassen. Live in concert bildet dabei ein komplettes Konzert ab, November 2002 in Potsdam, und als Bonus Tracks zwei Stücke aus Berliner Konzerten. Alle Ansagen sind dabei, und der unglaublich dynamisch und vorwärtsdrängende Sound zieht den Zuhörer sogar auf der CD in seinen Bann. Wie mag das vor Ort gewesen sein ...? :cry:

Keine Ahnung, warum ich um dieses Album bei Hören immer einen weiten Bogen mache. Vielleicht, weil über anderthalb Stunden halt schon eine Nummer sind, die man erstmal Zeit haben muss. Aber jetzt gerade ist Live in concert eine echte und wertvolle Wiederentdeckung. Und bei dem ausgewählten Stück in dieser Fassung kommen mir regelmäßig die Tränen vor so viel musikalischer Schönheit (ernst gemeint!).


Deine Lakaien - Coulour-Ize