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Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Do 20. Nov 2025, 04:59
von Maulwurf
Arkadin hat geschrieben: Di 18. Nov 2025, 23:56 Lustigerweise habe ich mich kürzlich auch wieder näher mit Deep Purple beschäftigt. Getrieben durch meinen Sohn, der die CDs bei Papa im Regal gesehen und ins Kinderzimmer entführt hat. Ich habe dann neulich auch die neuen Sachen gekauft (aber nur auf CD und günstig): "Now What?!", "Infinite" und "Whoosh!". Die gefallen mir auch überraschend gut und haben auch den alten Spirit, auch wenn von der Ur-Besetzung nur noch Ian Paice dabei ist und von der MKII Roger Glover und Ian Gillian. Höre ich aber immer wieder gerne mal rein. Don Airey als Jon Lord (RIP) Nachfolger macht seine Sache auch richtig gut.
Alles was nach Mk2 kam ist fast an mir vorbei gegangen. Ein einziges Album aus den 80ern habe ich, sonst hat mir allein schon das ewig rotierende Personalkarussell immer davon abgehalten, mich mit der Band weiter zu beschäftigen. Die Mk2-Besetzung ist für mich einfach unübertroffen. Und dies in so hohem Maß, dass danach nichts mehr kommen konnte. Mal sehen wie mir The house of blue light gefallen wird, ob das Album mit den Vorgängern halbwegs Schritt halten kann.

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Do 20. Nov 2025, 05:04
von Maulwurf
McBrewer hat geschrieben: Do 20. Nov 2025, 04:56
Maulwurf hat geschrieben: So 6. Jul 2025, 15:21 Danzig
Ich weiß, ich bin hier etwas spät dran mit dem Thema, aber beim Threads durchstöbern bin ich auf den DANZIG Faden gestoßen & greife daher gerne das Thema noch einmal auf, da ich sie doch noch immer wieder sehr gerne höre...
Danke für die Erinnerungen und die Bilder! Du machst mir gerade richtig Lust, die älteren Sachen nachzuholen. Und bei JPC ist versandkostenfreies Wochenende ... :D

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: So 23. Nov 2025, 17:36
von Maulwurf
Deep Purple
Fireball

LP – 1971 - Reissue 1984

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Und weiter geht es mit erdigem und satten Rock aus dem 1970ern. Starke Riffs, gute Tanzmucke für harte Männer, großartige Musiker, erstklassige Kompositionen - Kein Wunder, das FIREBALL zu den großen Klassikern der Band gehört. Fools kommt zeittypisch mit einem starken atmosphärischen Part rüber, Anyone's daughter rutscht ins countryesk-groteske ab, und der Opener Fireball bläst sowieso alles weg, was bei drei nicht auf der Tanzfläche ist. Plus: Das zweite Album in Folge ohne Ballade! Einfach nur genial das!!


Deep Purple - Demon's eye

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Sa 29. Nov 2025, 11:45
von Maulwurf
Deep Purple
Machine head

LP – 1972

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Zu diesem Album gibt es viele richtig wilde Geschichten. Vor allem natürlich über die ganzen Querelen mit den Aufnahmesession, über den Brand des Montreux Casinos, in dem die Aufnahmen hätten stattfinden sollen, und dem aus diesen Erlebnissen entstandenen Megahit Smoke on the water.

Besser finde ich aber die Story, wie Highway star entstanden ist: Auf einer England-Tournee 1971 wurde Ritchie Blackmore von einem mitreisenden Journalisten gefragt, wie er eigentlich Lieder schreibe. "Etwa so", antwortete er, nahm seine Gitarre, und spielte das Einstiegsriff. Ian Gillan improvisierte dazu ein paar Textzeilen "We're on the road, we're a rock'n'roll band". Der Rest der Band komplettierte den Song beim Üben, und am gleichen Abend wurde Highway star das erste Mal live gespielt. Das Gitarrensolo wurde um ein Lick herumgebaut, dass Blackmore von Johnny Burnette gelernt hat, und dass Blackmore wegen seiner Ähnlichkeit zur Musik von Johann Sebastian Bach sehr gern mochte.

Machine head ist erdig, ist saftig, ist vorwärtstreibend (und enthält wieder keine einzige Ballade - When a blind man cries wurde zwar aufgenommen, aber erst zur 50 Jahre-Jubiläumsausgabe draufgepackt), ist fette geile Rockmucke ... :wix: Ich glaube, wir reden hier von DEEP PURPLEs bestem Studioalbum ... :nick:


Deep Purple - Highway star

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Sa 29. Nov 2025, 11:59
von sid.vicious
Maulwurf hat geschrieben: Sa 29. Nov 2025, 11:45 Deep Purple
Machine head
Ich glaube, wir reden hier von DEEP PURPLEs bestem Studioalbum ... :nick:
Ich besitze alle PURPLE-Alben bis 1975, und ich kann bestätigen, dass "Machine Head" ihr bestes ist.

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Do 11. Dez 2025, 21:05
von Maulwurf
Deep Purple
Made in Japan

Doppel-LP – 1972 - Reissue

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Die Steigerung von Machine head? Ich habe mal gelesen, dass Made in Japan als eines der besten Live-Alben aller Zeiten gilt. Ich kenne nicht so viele Live-Alben, aber neben It's alive von den RAMONES würde ich dieses hier ganz ganz hoch halten. DEEP PURPLE auf dem Höhepunkt ihrer Kraft und ihres kreativen Schaffens. Das Album beginnt mit Higway star und bläst damit erstmal alles weg was auf dem Highway noch rumstehen könnte. Child in time ist lässt sowieso jede Konkurrenz hinter sich, Smoke on the water ebenfalls, und erst The mule schwächelt etwas mit einem nicht so aufregenden Schlagzeugsolo. Strange kind of woman beinhaltet ein Duell zwischen Ritchie Blackmore und Ian Gillan, dass der Sänger ganz klar für sich entscheidet, Lazy ist genial, und Space truckin' nervt irgendwann, schafft es aber tatsächlich, Impressionen des Weltalls vor das geistige Auge zu zaubern.

Die Produktion ist hervorragend. Bass und Schlagzeug legen einen warmen und luxuriösen Basis-Soundteppich aus, auf dem die Gitarre auf dem linken Kanal und die Orgel rechts zeigen können, wie man im Metal das Wort Power buchstabiert. Ich habe das Album unter Kopfhörern gehört, habe dabei rumgezappelt wie vor 45 Jahren, und bin gleichzeitig in die (geistigen) Knie gegangen vor dieser unglaublichen Wucht. Und dass DEEP PURPLE damals gleichzeitig als hervorragende Improvisationskünstler galten, ist hier so ganz nebenbei auch nachzuverfolgen.

Ein Meisterwerk! 20 von 10 Punkten! Was für eine Band das damals war ... :sabber:


Deep Purple - Lazy

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Fr 12. Dez 2025, 14:05
von Maulwurf
Deep Purple
Who do we think we are

LP – 1973 - Reissue

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Dass solche musikalischen Höhenflüge wie auf den letzten Alben der Band nicht ewig dauern können muss klar sein. Vielleicht ist Who do we think we are aber auch einfach dem Umstand geschuldet, dass DEEP PURPLE in der extrem erfolgreichen und kreativen Mk II-Besetzung am Ende war. Dass Ian Gillan und Ritchie Blackmore mittlerweile spinnefeind geworden waren konnte man sogar auf Made in Japan hören, und Gillan hatte im Dezember 1972 bereits angekündigt, dass seine Zeit bei DEEP PURPLE um sei, und er nur noch vertragliche Verpflichtungen erfülle. Tatsächlich reiste er auf Tourneen bereits nicht mehr mit der Band und kam bei Konzerten 10 Minuten vor Beginn zur Gruppe. Who do we think we are wurde auch angeblich nicht mehr gemeinsam als Band aufgenommen, sondern die Musiker waren einzeln im Studio. Was man meines Erachtens auch deutlich hört - Die allermeisten Stücke lassen die kompositorischen Ideen vermissen, das Tempo ist bis auf Smooth dancer, welches sowieso klingt wie eine Kopie von Speed king, verhalten, und es fehlt von vorn bis hinten einfach der berühmte Funke. Und irgendwie hört man auch, dass Ian Gillan nur noch Dienst nach Vorschrift gemacht hat. Es fehlt der Groove, es fehlt der Esprit.

Who do we think we are ist ein gutes Rockalbum, das manch andere Band so gerne in ihren Annalen stehen hätte, und das Material ist beileibe nicht schlecht. Aber für DEEP PURPLE ist das hier schon sehr gebremster Schaum.


Deep Purple - Super trouper

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: So 14. Dez 2025, 21:15
von Maulwurf
Deep Purple
Burn

LP – 1974 - Club Edition

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DEEP PURPLE haben sich in ihrer gesamten Lebensdauer immer wieder neu erfunden und neu orientiert. Das ist auch gut und richtig, dass ein Künstler neue Wege sucht und geht, selbst STATUS QUO haben mit In the army now mal irgendwann was komplett anderes gemacht. Ob man als Zuhörer diese Wege dann mitgeht, das bleibt jedem selber überlassen. Mit einer veränderten Besetzung (David Coverdale löste Ian Gillan ab, und Glenn Hughes folgte auf den von mir sehr verehrten Roger Glover) und dem Album Burn haben DEEP PURPLE die Mk III-Besetzung erfunden. Stilistisch wurde es deutlich bluesiger, und tatsächlich höre ich auch einige Funk-Einflüsse. Die Frage, die ich mir persönlich stelle: Will ich das bei DEEP PURPLE hören?

Für mich klingt Burn an vielen Stellen wie eine beliebige Hard Rock-Gruppe der Mitt-70er. Das könnten oft auch genauso gut LITTLE FEET sein, oder LYNYRD SKYNYRD, und die konnten es dann meistens auch noch besser. Sachen wie der Titeltrack oder Mistreated ragen aus dem Einerlei massiv heraus, auch Sail away ist stark, aber gleichzeitig höre ich dann bei einigen Passagen bereits die herannahenden RAINBOW, und denke mir, dass Dio das um Längen besser gemacht hätte als Coverdale. Somit ist Burn für mich persönlich(!) ein eher durchwachsenes Album, mit Höhen und Tiefen, gut zum Autofahren geeignet, aber dass dies die Band ist, die Child in time geschrieben hat, das höre ich hier nicht heraus ...


Deep Purple -What's goin' on here

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Do 18. Dez 2025, 06:29
von Maulwurf
Deep Purple
Made in Europe

LP – 1976

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Made in Europe ist auf den ersten Blick ein typisches Produkt der Plattenfirma, aus einer zu diesem Zeitpunkt nicht mehr existierenden Band noch Geld zu schlagen. Tatsächlich brachte die kurzlebige Mk IV-Besetzung mit Tommy Bolin an der Gitarre zwar noch ein Album an den Start, Come taste the band, das aber kommerziell nicht mehr wirklich erfolgreich war (im Vergleich zu den früheren Alben der Band), und da auch die musikalische Richtung nicht klar war, löste sich die Band im Herbst 1975 unwiderruflich auf. Zum ersten Mal.

1976 dann eben Made in Europe. Ausschnitte aus drei Konzerten der letzten Tournee in der MK III-Besetzung, Graz, Saarbrücken und Paris, wobei Richie Blackmore direkt nach dem Pariser Konzert ausstieg und damit einen großen Grabstein für DEEP PURPLE setzte. Entsprechend wirbt Made in Europe schon gleich mal mit den Namen der Musiker auf dem Cover, um klarzustellen, dass hier noch die erfolgreichere Band am Start war, und in einem kleinen Text im Klappcover wird mit einem fiesen Seitenhieb auf das MK IV-Album eingedroschen. Das Album selber bietet das, was man von der Band im Frühjahr 1975 auch erwarten konnte: Satte Rockmusik, Heavy Rock nannte man das damals, mit Power, mit Soli, mit großartigen Improvisationen, und viel viel Spaß an der Sache. Selbst das soulige You fool no one kommt hier stark und gradlinig rüber, und der Höhepunkt ist natürlich Mistreated in einer umwerfenden 11 Minuten-Fassung, wo die Band ihrer Liebe zum Blues so richtig Zucker gegeben kann.

Ein starkes Live-Album, wenngleich deutlich zu hören ist, dass kompositorisch die MK II-Zeiten vorbei sind. Macht aber nichts, Made in Europe ist der gelungene Abschied einer großartigen Band, auch wenn die Band selber zu diesem Album nichts kann. Und die Live-Shots auf dem Cover sind außerdem gigantisch, da wünscht man sich auch heute noch, dabei gewesen zu sein …



Deep Purple - Mistreated

Re: Maulwurfs Hör-Bar

Verfasst: Sa 20. Dez 2025, 11:10
von Maulwurf
Deep Purple
The house of blue light

LP – 1987

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Aus einem Sammlungsaufkauf habe ich The house of blue light genau einmal gehört in den letzten 30 Jahren, und danach auch nicht einmal darüber nachgedacht. Große Überraschung heute, dass das ja tatsächlich die wiedervereinigte Mk II-Besetzung ist :shock: Aber irgendwie klingt das Album, als ob es in der Reihenfolge der Pressung aufgenommen wurde, die Band erst kurz vorher wieder zusammenkam, und sich nun zuerst aufeinander einspielen musste. Die ersten Stücke der ersten Seite klingen nach typischem 80er Hard Rock, das Wort billig würde ich in dem Zusammenhang gerne vermeiden, und erst mit dem letzten Stück der ersten Seite, Black & white, kommt Stimmung auf, rollert und bollert die DEEP PURPLE-Rhythmus-Maschine wie in den alten Tagen. Seite zwei macht an der Stelle weiter, das Tempo wird erhöht, die Melodien werden kniffiger und abwechslungsreicher, und ganz am Ende kommt mit Dead or alive sogar noch ein richtig schneller Kracher, der sehr wohl Lust machen kann auf mehr. Schade, dass Ian Gillan gleich danach die Band wieder verließ, auf dem Niveau werden zwar keine Bäume ausgerissen, aber gut ist der Stoff durchaus.

Sicher nicht mein Lieblingsalbum von DEEP PURPLE, aber deutlich besser als ich dachte. Zumindest auf der zweiten Seite ...


Deep Purple - Strangeways