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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mi 19. Sep 2012, 07:31
von jogiwan
Achterbahn
Eher etwas behäbig erzählter, aber dennoch sehr spannende Mischung aus Thriller und Katastrophenfilm aus dem Jahre 1977, der auch heutzutage noch begeistern weiß. Alle Welt ist fasziniert von gigantischen Achterbahnen und Goldstone nimmt das als Ausgangspunkt für ein ungleiches Duell zwischen jungen Soziopathen mit Hang zum Perfektionismus und einem emotionalen Sicherheitsinspektor, der nicht gerade die beste Zeit seines Lebens durchmacht. Das viele Sequenzen des Films nahezu in Echtzeit präsentiert werden, macht die ganze Sache gerade im finalen Katz-und-Maus-Spiel sehr spannend und auch wenn das Ende gar so abrupt daherkommt und unverständlicherweise auch noch eine klitzekleine Szene fehlt, so ist "Achterbahn" doch ein sehr gelungener Streifen, der uneingeschränkt empfohlen werden kann. Supi!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Do 20. Sep 2012, 07:27
von jogiwan
Insel der Verdammten
Nach einem anstrengenden Tag im Büro hätte ich ja eigentlich zu "Ein Mann sieht rot" tendiert - letztendlich ist es doch "Insel der Verdammten" geworden. Herrlich ernste, harte und dennoch trashige Mischung aus politischem Sci-Fi-Lagerfilm und Manhunt, bei der dem Zuschauer aufgrund grandioser Momente nie langweilig wird und es am Ende auch ordentlich rummst. Schade nur, dass sich eine der Hauptdarstellerinnen im Making-Of so derart negativ über das Teil äußert. Tja Lynda-Schätzchen... Filmgeschichte wurde zwar nicht geschrieben, aber "Insel der Verdammten" ist verdammt immer noch einer der besten und unterhaltsamsten Filme, die jemals aus Down Under zu uns geschwemmt wurden.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Fr 21. Sep 2012, 07:40
von jogiwan
Delicatessen
Herrlich skurriler, origineller und abgedrehter Film über schlechte Zeiten und ein Mietshaus mit angeschlossener Metzgerei, dass mancher Mieter nur noch scheibenweise verlässt. Die Sepia-Optik ist (für damalige Verhältnisse) sehr gelungen und der Film von Mar Caro und Jean-Pierre Jeunet sprüht nur von bösen Einfällen, witzigen Momenten und seltsamen Entwicklungen. Am besten ist sicherlich die verhinderte Selbstmörderin, die nichts unversucht lässt, aus dem Leben zu scheiden und dennoch (fast) immer scheitert. Alles in "Delicatessen" ist immer hübsch überdreht und schwarzhumorig, dass selbst die zarte Liebesgeschichte zwischen Ex-Clown und Tochter des Hauses das gute Gesamtbild nicht mehr trüben kann. Zwar schon etwas speziell und nicht für jeden geeignet, aber deswegen nicht minder empfehlenswert. Angucken!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: So 23. Sep 2012, 10:12
von jogiwan
The Sect
Dank eines sehr netten Menschens bin ich nun auch in den Genuß der ungekürzten Scheibe mit englischer Tonspur gekommen. Mich hat "The Sect" jedenfalls gleich einmal in seinen Bann gezogen und auch gar nicht gestört, dass die Geschichte in seiner Mischung aus "Rosemary's Baby" und "Manson-Family" nicht sonderlich logisch um die Ecke biegt. Die zahlreichen Kamerafahrten erinnern eindeutig an die besseren Tage von Argento und zeigen, dass Herr Soavi als Regie-Assistent gut aufgepasst hat. Die deutschen Locations und Settings - vom Frosch-Reiniger bis zum deutschsprachigen Hasen-Buch - fand ich auch recht witzig und was dem Streifen Story-technisch an Orginalität fehlt, macht er duch seine hübsche Optik und den bekannten Gesichtern wieder mehr als wett. Schade nur, dass die deutsche DVD für die Tonne ist! Hier wäre eine vernünftige VÖ wirklich wünschenswert!
Wicked Lake
Der etwas zurückgebliebene Kuststudent Caleb verliebt sich im Unterricht in ein Aktmodell, welches mit ihren drei Freundinnen in einer freizügigen WG lebt. Als die Mädels ein entspanntes Wochenende an einem Bergsee verbringen möchten, werden sie jedoch von Calebs degenerierter Familie verfolgt, die die Mädels schon bald in ihre Gewalt bringen. Während auch bald örtliche Hillbillies hinter den Mädchen her sind, verwandeln sich diese nach Mitternacht in Vampir-ähnliche Monster und haben ihrerseits Spaß, sich an den Peinigern zu rächen.
Immer wenn man glaubt, dass es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen kann, taucht von irgendwo ein Filmchen auf, dass es scheinbar mühelos schafft, das ohnehin nicht vorhandene Niveau von cineastischem Bodensatz noch einmal zu unterbieten. "Wicked Lake" ist masochistische Zeitverschwendung der übelsten Sorte, bei der ich auch nicht das Geringste abgewinnen kann. Die Geschichte über Vampir-Hexen und Anleihen beim Rape'n Revenge ist absoluter Müll, dilettantisch und mit schrecklichen "Humor" in Szene gesetzt und die Hälfte der unfähigen Darsteller scheint auch noch am Zappelphillip-Syndrom zu leiden. Auch die Musik von Al Jourgensen ("Ministry") ist nicht der Rede wert und seine einleitenden Worte auf der DVD laden eher zum Fremdschämen ein. Das bisschen verklemmte Nacktheit und die eher billig getricksten Gore-Effekte reißen jedenfalls nichts heraus und auch jede weitere Zeile über dieses zutiefst entbehrliche Machwerk reine Verschwendung!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Di 25. Sep 2012, 07:15
von jogiwan
Take Shelter
Der Bauarbeiter Curtis lebt mit seiner Frau Samantha in einem kleinen Häuschen in Ohio ein recht beschauliches Leben und seine größte Sorge gilt seinem taubstummen Kind, dass sich sozial von anderen Kindern zurückzieht. Eines Tages hat Tom jedoch eine Vision, in der ein gigantischer Sturm sein Leben bedroht und das ist erst der Auftakt einer ganzen Reihe von apokalyptischen Visionen. Aus Angst um das Leben seiner Lieben beginnt er einen alten Luftschutzbunker auszubauen und beginnt sich zunehmend für seine Umgebung sonderbar zu verhalten. Doch droht tatsächlich eine Katastrophe, oder ist er geradewegs dabei, zunehmend den Verstand zu verlieren?
"Take Shelter" ist ein eigentlich sehr interessanter Film über einen durchschnittlichen Menschen, der ab einem bestimmten Punkt die Kontrolle über sein Leben verliert. Der Streifen lässt den Zuschauer auch weitgehend im Dunkeln, ob Curtis tatsächlich seherische Fähigkeiten hat oder an paranoider Schizophrenie leidet. Das Abgleiten in die Hilflosigkeit und die drastische Wucht der bedrückenden Visionen ist dabei in recht ruhigen und schönen Bildern erzählt und auch der Einsatz von CGI ist in Falle von "Take Shelter" recht gut gelungen. Trotzdem ist der Streifen mit zwei Stunden Laufzeit dennoch etwas zu lange und Leutchen, die mit langsamen Erzähltempo generell ein Problem haben, werden Jeff Nichols' Film wohl auch als langweilig empfinden. Ich mochte den.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Di 25. Sep 2012, 07:16
von jogiwan
Die haarsträubende Reise in einem verrückten Bus
Ich bin mir ja nicht sicher, aber "The Big Bus" dürfte wohl einer der ersten Genre-Spoof-Movies aller Zeiten sein. Herrlich, wie hier die eigentlich immergleiche Systematik von Katastrophenfilmen mit der obligatorischen Figurenkonstellation durch den Kakao gezogen wird. Toughe Helden, Techniker am Rande des Nervenzusammenbruchs und bunt zusammengewürfelte Passagiere geben sich hier ein fröhliches Stelldichein. Zwar sitzt im Film nicht jeder Gag, aber manche Entwicklungen sind so absurd, dass man aus dem Schmunzeln nicht mehr herauskommt. Wer so wie ich Katastrophenfilme sehr mag, kommt bei dem überdrehten Werk auch sicherlich auf seine Kosten. Spaßig!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mi 26. Sep 2012, 07:24
von jogiwan
Symbol
In Mexiko bereitet sich der alternde Wrestler "Escargot Man" auf einen Kampf vor, während am anderen Ende der Welt ein Mann im grellbunten Pyjama scheinbar ohne Erinnerung in einem abgeschlossenen weißen Raum erwacht, der mit kleinen Engels-Penissen an der Wand geschmückt ist. Mit jedem Drücken dieser Penisse erscheint ein Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens oder wird für kurze Zeit sichtbar. Als auch ein Schacht mit einer Türe erscheint, die sich jedoch nach Sekunden wieder schließt, versucht der Mann mit einer Kette von Tricks aus seinem Gefängnis zu entfliehen, während schon bald auch der Kampf in Mexiko eine unerwartete Wendung nimmt...
Episodenhaftes Arthouse-Kino mit geografisch unterschiedlichen Schauplätzen, die am Ende doch irgendwie zusammenlaufen kennt man normalerweise ja eher von Alejandro González Iñárritu. Das die Japaner da jedoch um nichts nachstehen, beweist Multitalent Hitoshi Matsumoto in seinem durchgeknallten "Symbol" der mich bei der Sichtung mit der torpedierten Erwartungshaltung doch etwas an Quentins Dupieux' "Rubber" erinnert hat. Die Geschichte ist hochgradig strange und bizarr, die beiden Handlungsorte gänzlich unterschieden und dennoch kratzt Mr. Matsumoto am Ende doch noch irgendwie die Kurve und lässt den Zuschauer überrascht, beeindruckt, verarscht und doch berührt zurück. "Symbol" ist nicht nur hysterisch, ungewöhnlich und eigentlich komplett neben der Spur, sondern zugleich auch humorvoll, sympathisch und unterhaltsam und hat die FSK wohl ebenfalls etwas ratlos zurückgelassen, die doch glatt die gelbe "Freigabe ab 6 Jahren"-Plakette gezückt hat. Das ist dann wohl noch schräger als der Film selbst! Prädikat: Besonders gaga!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Do 27. Sep 2012, 07:20
von jogiwan
Der Mann mit der Stahlkralle
Etwas unausgegegorene, aber nicht unsympathische Mischung aus Kriegsheimkehrer-Drama und Selbstjustiz-Thriller aus der Feder von Paul Schrader ("Taxi Driver"), dessen Drehbuch offensichtlich umgeschrieben wurde und der sich später auch von dem Werk distanzierte. Der Streifen über einen amerikanischen Major, der bei einem Überfall seinen Familie verliert und daraufhin zum eiskalten Rächer wird ist in den ersten 30 Minuten eher ruhig und dramatisch erzählt und handelt von Entfremdung und psychischer Belastung, die den Mann grundlegend verändert haben. Der anschließende Überfall und der Rachefeldzug wirkt dann aber recht plump und passt irgendwie nicht so richtig zum eher vielschichtigen Beginn und hat wie üblich eine etwas fragwürdige Botschaft. Für meine Verhältnisse hätte "Der Mann mit der Stahlkralle" aber ruhig noch ein bissl härter und fieser ausfallen können und die 16er-Freigabe der neuen Blu-Ray aus dem Hause Koch Media geht da schon in Ordnung. Politisch und moralisch ziemlich unkorrekt, klein und fein, sollten B-Movie und Exploitation-Fans da schon zugreifen.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Fr 28. Sep 2012, 07:01
von jogiwan
La Mala Educación - Schlechte Erziehung
Ich muss ja ehrlich gestehen, dass ich mit dem Film bislang irgendwie doch etwas auf Kriegsfuß gestanden bin. Bei Almodóvar erwarte ich mir eigentlich große Gefühle und starke Frauenfiguren und dann biegt der im Jahre 2004 auf einmal mit diesem doppelbödigen "Film Noir" mit reinem Männer-Ensemble um die Ecke, dass den Zuschauer mit verschachtelten Erzählebenen und noch ungewöhnlicheren Figuren konfrontiert. Mittlerweile mag ich den Streifen aber sehr, sehr gerne und die Art und Weise, wie diese Geschichte auf mehreren Ebenen und in Rückblenden erzählt wird und das Spiel mit Identitäten ist schon sehr beeindruckend. Nichts ist in dem teils autobiografisch erscheinenden Werk wie es scheint und dennoch drängt sich eine Frage auf: wie kann ein Film eigentlich nur so bunt und zugleich so düster sein?
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Sa 29. Sep 2012, 10:25
von jogiwan
Das Ding aus einer anderen Welt
Obwohl ich ja erklärter Körpermutationshorrorphobiker bin, hab ich den jetzt endlich auch mal gesehen. Technisch schon sehr gut gemacht, aber der mäßig spannende Streifen verlässt sich für meine Verhältnisse dann schon etwas zu sehr auf seine ekligen Effekte, anstatt auf klaustrophobische Atmosphäre zu setzen und/oder eine Geschichte zu erzählen. Der Anfang mit dem Doggie ist ja recht gelungen und lässt gleich einmal erahnen, dass hier noch was ganz Böses geschieht. Der Rest ist dann jedoch eher pragmatisches Endlos-Gerenne durch Gänge, Product-Placement und fröhliches und kollektives "In-die-Luft-jagen" der eigenen Station. Die (viel zu vielen) Figuren bleiben bewusst allesamt blass und hat die Folge, dass man eigentlich nur darauf wartet, wen und vor allem wie es als nächstes erwischt. Zwei, drei Effekt-Höhepunkte, aber das wars dann auch schon. Kann man gucken und so eklig ist das Ganze eigentlich auch gar nicht, aber von einem Genre-Klassiker hätte ich mir eigentlich schon mehr erwartet...
One Way Trip
Eigentlich recht nettes Filmchen und sympathische Slasher-Hommage als schweizerisch-österreichische 3D-Koproduktion. Funzt auch in 2D recht gut und bietet sympathische Darsteller, recht blutige Momente und eine kleine, aber feine Überraschung am Ende. Die Lokations sind - wie von untotschi bereits angemerkt - recht hübsch gewählt und zwischendurch kommt immer wieder recht nettes Terrorfeeling auf. Dass "One Way Trip" auch dank gemeinsamer Hauptdarstellerin da arg an die beiden "In 3 Tagen bist du tot" erinnert, fällt nicht besonders ins Gewicht und der Buxti sollte sich den Streifen auch gleich mal auf den Einkaufszettel schreiben. Keine Highlight, aber mehr als solide Unterhaltung, der viele seiner vor allem amerikanischen Genre-Kollegen locker in die Tasche steckt.