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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Fr 1. Jun 2012, 10:15
von jogiwan
Nothing underneath

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Grundsympathische Mischung aus Giallo und Mystery-Thriller über "empathische Telepathie" bei Zwillingen und einen Mörder im Model-Milieu. Irgendwie sehr Achtziger, was ja normalerweise nicht mein Ding ist und auch der Soundtrack ist abseits von Pino Donaggio ist nicht immer geschmackssicher, aber andererseits bietet "Nothing underneath" ein paar nette Momente und ein erinnerungswürdiges Finale, dass zwar nicht ganz logisch ist, aber mich persönlich stark an "4 Fliegen an grauen Samt" erinnert. Sicherlich kein Highlight aus der Italo-Kiste aber bei den Spät-Giallos dank der hübscher Darstellerinnen trotz Donald Pleasance und etwas farblosen Hauptdarsteller vorne dabei. I like!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Sa 2. Jun 2012, 10:06
von jogiwan
Deathdream

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Anfänglich eher ruhiger US-Horrorfilm aus dem Jahre 1974 über einen für tot erklärten jungen Mann, der plötzlich quicklebendig, aber emotional verändert auf der Veranda seines Elternhauses steht. Die Geschichte ist nicht nur spannend, sondern entwickelt sich zum Ende hin zu einen recht düsteren Ereignis, dass seine schockierende Wirkung auch nicht verfehlt. Die Parabel auf den vermeidbaren Krieg und seine zumeist jungen Opfer ist unuübersehbar und das Finale ist schlichtweg der Hammer. Angeblich hätte der Streifen ja auch einmal auf Deutsch kommen soll, was bislang aber leider ausgeblieben ist. Die Ami-DVD von Blue Underground unter dem Titel "Deathdream" ist aber auch schon für kleines Geld zu haben und sollte in jeder gut sortierten Sammlung stehen. Tipp!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Mo 4. Jun 2012, 07:06
von jogiwan
Doppelgänger

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Wissenschaftler Hayasaki forscht an der Entwicklung einer Maschine, die es Querschnittgelähmten ermöglichen soll, aufgrund ihrer Gedanken bestimmte Tätigkeiten auszuüben. Als die Investoren endlich Erfolge sehen möchten und auch sein eigener Chef ihn zunehmend unter Druck setzt, sieht er auf einmal seinen Doppelgänger. Zuerst ist Hayasaki schockiert und glaubt an sein baldiges Ableben, aber als sein Doppelgänger überall auftaucht, mit ihm spricht und mit seiner forschen und bisweilen brutalen Art Hayasakis Probleme aus dem Weg räumt, beginnt Hayasaki und sein Umfeld sich mit seinem mysteriösen Doppelgänger zu arrangieren. Sein Doppelgänger sucht ein neues Team, organisiert die finanziellen Mittel und bringt Hayasaki dazu, mit weiteren Forschungen zu beginnen und die Zügel in seinem Leben endlich selbst in die Hand zu nehmen...

Kiyoshi Kurosawa macht es seinen Fans ja ohnehin nie einfach und auch "Doppelgänger" aus dem Jahr 2003 ist da keine große Ausnahme. Was wie ein Horrorfilm beginnt, entwickelt sich irgendwie in Richtung Burn-Out- und Selbstfindungs-Drama und ist dabei nicht nur ihnhaltlich stets ziemlich strange ausgefallen. Zuerst sind einige Szenen mit dem Doppelgänger durch Wechsel der Kameraperspektive ziemlich einfach getrickst, während in der Mitte des Films auf einmal ständig zwei identische Personen im Bild sind und am Ende die Grenzen zwischen ihnen gänzlich verschwinden. Das es da nicht unbedingt einfach ist, der ebenfalls seltsamen Handlung zu folgen, liegt auf der Hand. Trotzdem ist das sperrige Werk wie üblich interessant und Fans von Kiyoshi Kurosawa werden kaum enttäuscht sein.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Di 5. Jun 2012, 08:35
von jogiwan
Charisma

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Nach dem blutigen Ende einer Geiselnahme wird der Burn-Out-gefährdete Polizist Yabuike in Urlaub geschickt. Er fährt in den Wald und trifft dort bald auf sehr seltsame Menschen und einen Baum, um den herum alle Pflanzen gestorben sind. Während der einsame Kiriyama den Baum mit allen Mitteln pflegt, versuchen andere, diesen zu zerstören, da durch dessen Wurzeln ein Gift abgesondert wird. Dadurch ist nicht nur das Gleichgewicht der Natur bedroht, sondern macht den Baum auch bald zum begehrten Objekt. Und während bald einige Gruppen in den Wald gegeneinander arbeiten und auch Gewalt nicht ausbleibt, macht sich Yabuike auf um in dem Wald wieder für Ruhe und Frieden zu sorgen...

Holladrio... Kiyoshi Kurosawa ist ja durchaus bekannt, dass er teils sperrige, seltsame und vor allem etwas kopflastige Filme abliefert. Mit "Charisma" hat er angeblich ein sehr persönliches Projekt verwirklicht, dass in erster Linie große Fragezeichen zurücklässt. Der seltsame Baum bzw. der ganze Wald ist natürlich eine Parabel auf die Vorgänge der Welt. Doch für was steht der Baum? Ist es das Individuum? Macht? Politik? Glaube oder einfach nur eine Idee, deren Zeit gekommen ist? Eine Antwort wird nicht geliefert und selbst die zahlreichen Figuren bleiben sperrig und Kurosawa verzichtet darauf, ihre Intention oder den Wahrheitsgehalt ihrer Worte näher zu beschreiben. Das macht den Konsum von "Charisma" nicht unbedingt einfach und trotzdem schafft es Kurosawa immer wieder, mich weit über das Schauen seines Filmes hinaus zu beschäftigen. Von "interessant und ungewöhnlich" bis "langweilig und doof" ist hier beim Seher aber wohl alles möglich. Eines steht aber fest! Prädikat: besonders seltsam!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Mi 6. Jun 2012, 07:30
von jogiwan
Perfect Blue

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Die 21jährige Mima ist erfolgreiche Sängerin in der japanischen Girl-Group “Cham”. Da jedoch der Markt für Girl-Groups und Plastik-Pop ziemlich ausgereizt ist, verlässt sie am Höhepunkt ihrer gesanglichen Karriere die beiden Kolleginnen, um sich in Zukunft einer schauspielerischen Karriere zu widmen. Dieser Wechsel stößt jedoch nicht bei allen Fans auf Gegenliebe und schon bald sieht sich Mima mit einem Stalker konfrontiert, der auch vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckt. Mima zweifelt jedoch zunehmend auch an ihrem Verstand und Realität, TV-Rolle und Traum scheinen zu verschwimmen und letztendlich weiss selbst Mima nicht mehr genau, ob sie nicht selbst die Täterin der furchtbaren Morde ist.

"Perfect Blue" war nicht nur einer meiner ersten Berührungspunkte mit dem Anime-Genre, sondern dann auch gleich ein Streifen, der mich restlos begeistert hat. Kein Cyberpunk, keine Tentakelmonster - dafür eine Geschichte, die auch Hitchcock, Lynch und Brian de Palma nicht besser hinbekommen hätten und die Schattenseiten des Star-Seins wie Stalking, Einsamkeit und Leistungsdruck mit einer Suspense-Thriller-Handlung vermengt. Technisch ist das Werk zwar alles andere als perfekt, aber die Geschichte mit seiner Vermischung von Identitätsproblemen, popkulturellen Bezügen, alptraumhaften Sequenzen, Film-im-Film-Thematik und mehreren Realitätsebenen ist genau, aber sowas von genau mein Dings. 10/10

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Do 7. Jun 2012, 11:08
von jogiwan
State of Mind

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Eines Nachts erleiden die drei Insassen eines Autos vor dem abgelegenen Anwesen der Ex-Krankenschwester Barbara einen schweren Autounfall. Während sich Ruth und ihr alkoholisierter Mann Jack aus dem brennenden Auto retten können und bewußtlos neben dem Wrack zum Liegen kommen, verbrennt die dritte Person. Da Ruth um den Ruf und Karriere ihres Mannes fürchtet und die dritte Person eine unbekannte Autostopperin in, bittet sie Barbara nicht sofort einen Arzt und die Polizei zu informieren. Als sich Barbara jedoch zunehmend seltsam verhält und auch noch die Polizei auftaucht, da in einer nahen Irrenanstalt eine Psychopathin ausgebrochen ist, spitzt sich die Lage in dem abgelegenen Landhaus zu...

Eigentlich gut guckbare Mischung aus kammerspielartigem Thriller und Identitäts-Drama, das zwar nicht immer ganz logisch ist, aber dank überraschender Wendungen bis zum Schluss doch gut unterhält. Die Rolle vom ollen Naschy zu Beginn ist leider superkurz und auch von geringer Relevanz für den Rest, während Fred Williamsen und Jill Schoelen wenigstens ein bissl öfters zu sehen sind. Die restlichen Darsteller sind aber auch sehr okay, auch wenn sich Lisa Gayne im Bonus der Ami-DVD über das affektierte Verhalten von Jill Schoelen auslässt. Für einen Troma-Film ist "State of Mind" jedenfalls überraschend ruhig und ernst geraten und mit ein bissl mehr Budget und etwas strafferer Inszenierung hätte durchaus noch was Größeres werden können. Sympathische 5-6/10

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Fr 8. Jun 2012, 08:45
von jogiwan
Double Feature:

28 Days Later

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Hmmm... irgendwie kann ich mich mit dem einfach Film nicht anfreunden. So sehr ich den Anfang des Streifens mag, so sehr geht mir der "militärische" Zweitteil auf die Nerven. Was zweifelsfrei sehr bedrückend beginnt, verkommt zur üblichen "der Mensch ist das wahre Tier"-Dingens, dass gegen Ende dann doch eher langweilt und sich zu sehr auf die Spannung innerhalb der Überlebenden in einer Ausnahmesituation konzentiert. Meines Erachtens wird dadurch dann auch viel eines möglichen Potentials verschenkt und nach dem starken Auftakt geht die Stimmungskurve zunehmend in den Keller. Da helfen selbst die Darsteller und die funktionierenden Schocks nicht mehr viel. Da hat mit der Nachfolger doch wesentlich besser gefallen: 4-5/10

28 Weeks Later

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Imho wesentlich stimmigerer Nachfolger zu dem etwas drögen "28 days later" bei dem Danny Boyle als Produzent agierten und dem Spanier JC Fresnadillo ("Intacto") den Regie-Stuhl überließ. Die Geschichte über eine auseinandergerissene Familie in Zeiten der Wiederansiedelung fand ich sehr gelungen und auch die (oftmals aus dem Rechner stammenden) Bilder überzeugen. Teils ist der Streifen sogar richtig bedrückend ausgefallen, die auch dank der tollen Darsteller bis zum Schluss aufrecht erhalten wird. Jedenfalls geht "28 weeks later" im Gegensatz zum Vorgänger nicht gleich einmal die Puste aus, sondern bietet düstere Endzeitstimmung im oberen Härtegrad, dass sicherlich zu dem Besten der 00er-Jahre zählt. 8/10

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Sa 9. Jun 2012, 09:38
von jogiwan
Car Chase Double Feature:

Drive

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Der "Driver" ist Mechaniker, jobbt nebenher als Stuntman für Auto-Szenen und lenkt in der Nacht Fluchtfahrzeuge, in denen nach Einbrüchen und Überfällen die Gangster rasch vor dem Zugriff der Polizei geschützt werden sollen. Doch das einsame Leben des "Drivers" ändert sich, als er eines Tages auf die alleinerziehende Irene trifft und sich in sie verliebt. Deren Gatte Standard wird kurz darauf aus dem Gefängnis entlassen und nachdem dieser von Schuldeneintreibern zusammengeschlagen wird, schlägt der "Driver" vor, ein gemeinsames Geschäft zu machen um die Schulden zu tilgen und auch Irene und ihren Sohn vor den Gangstern zu schützen. Als die beiden jedoch in eine Falle tappen und Standard erschossen wird, gerät auch der "Driver" ins Visier von Verbrechern und nimmt den Kampf gegen übermächtige Gegner auf...

Unterkühlter und technisch perfekter Film, der für amerikanische Verhältnisse sicherlich ungewöhnlich ausgefallen ist. Nach einem fulminaten und spannenden Start wird das Tempo komplett herausgenommen und erst im letzten Drittel bricht die rohe Gewalt umso unvermittelter wieder aus ihm heraus. Irgendwie ist "Drive" dann auch wie eine gelungene Symbiose aus europäischem und entschleunigten Arthouse-Drama, Film-Noir und amerikanischen Car-Chase-Action, das aber sicherlich nicht allen gefallen wird. Darstellerisch gibt es in den wortkargen Werk sicherlich nichts zu bemängeln und die durchkomponierten Bilder sind einfach großartig. Der hohe Gewaltpegel gegen Ende und aus dem Rechner ist sicherlich Geschmackssache und auch die etwas vorhersehbare Geschichte des "lonesome Riders" hat mich nicht wirklich vom Hocker gerissen. Insgesamt sicherlich ein guter Film, aber nicht das erwartete Über-Highlight, dass derzeit alle Welt zu Begeisterungsstürmen hinreisst. 8/10

Monster Man

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Du meine Güte... "Monster Man" ist ja wirklich doof. Irgendwie hatte ich den wesentlich flotter und humorvoller in meiner von Alkohol benebelten Erinnerung, aber bei meiner gestrigen Sichtung empfand ich den Streifen dann eher ziemlich nervig und pubertär. Die geschmacksfreien Gags zünden ja nicht wirklich und auch das splattrige Ende kann nicht über labbernde Langeweile hinwegtäuschen. Der Streifen ist sicherlich auf Party gebürstet und bietet sich an, ihn unter Gleichgesinnten zu gucken, aber im kleineren Rahmen und ohne Beigabe von hochprozentigen Getränken verkommt "Monster Man" ja schon eher zu einem kleinen Rohrkrepierer, den auch einige groteske Momente nicht mehr retten können. Ab jetzt geh ich wohl in den Keller... ;)

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: So 10. Jun 2012, 09:34
von jogiwan
Das Haus mit den lachenden Fenstern

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Irgendwann vor langer Zeit hab ich "The House with the laughing Windows" in der italienischen Fassung und englischen Untertiteln gesehen und war wohl aufgrund einer falschen Erwartungshaltung dann doch etwas enttäuscht. Als Giallo würde ich den Streifen auch nicht unbedingt führen, da seine Geschichte ja schon eher in Richtung Mystery-Thriller geht. Mit der deutschen Fassung hat sich der Film in meinen Augen aber vollkommen rehabilitiert. Spannende Geschichte, tolle Darsteller und eine stets etwas seltsame Atmosphäre, die auch dank skurriler Charaktere bestens rüberkommt. Das Ende ist unerwartet und ein kleiner Schocker und dank der äußerst gelungenen Synchro sollte das Teil auch in jeden guten Haushalt stehen. Und wenn mich nicht alles täuscht, gibt es auch noch eine junge Zora Kerova uncredited in einer ihrer ersten Rolle als Kellnerin zu sehen.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb

Verfasst: Mo 11. Jun 2012, 09:21
von jogiwan
Helden des Polarkreises:

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Da in Finnland das analoge TV abgedreht wird, legt die hübsche Inari ihrem arbeitslosen Freund Janne an einem Freitagmorgen einen 50 Euro-Schein auf das Nachtkästchen, damit dieser im Laufe des Tages im örtlichen Elektrowaren-Laden einen DBTV-Receiver kaufen kann. Doch der antriebslose Janni kommt zuerst nicht aus den Federn und hängt nachmittags auch lieber mit seinen Freunden Kalle und Ralle im Pub ab und als er sich wieder seines Auftrages besinnt, reicht die Kohle nicht mehr, um den Digitalempfänger zu kaufen. Als Janne daher mit Kalle und Ralle, dafür jedoch ohne Receiver nach Hause kommt ist Inari fuchsteufelswild, setzt die drei Männer vor die Tür und stellt ihrem Freund ein letztes Ultimatum. Entweder er besorgt bis am nächsten Morgen ein entsprechendes Gerät, oder Inari packt ihre Sachen und verlässt ihren Loser-Freund ein und für alle mal. Gemeinsmam macht man sich auf den Weg in eine Nacht voller unglaublicher Ereignisse...

Herrlich sympathische Mischung aus Loser-Komödie und Road-Movie über drei norwegische Freunde im abgeschiedenen Lappland, die sich in einer winterlichen Nacht auf den Weg machen um einen DBTV-Receiver zu organisieren und dabei seltsame Dinge erleben. Schon der Prolog ist herrlich und auch der Rest des Filmes ist trotz einiger konstruierter Momente imho absolut gelungen. Ich hab mich jedenfalls während der 96 Minuten köstlich amüsiert und durch den lappländischen Handlungsort inklusive Polarlichter wirkt das Ganze auch zusätzlich exotisch. Freunde von halbwegs intelligenten Komödien abseits der Teenie-Schiene sollten sich diesen schwarzhumorigen und trockenen Spass dann auch nicht entgehen lassen. 7-8/10