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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Mo 9. Apr 2012, 10:09
von jogiwan
Peter Fleischmann Abend:
Die Hamburger Krankheit
Sehr seltsame Mischung aus Katastrophenfilm und Drama mit Heimat-Einschlag, der teils surreal, teils grotesk die Geschichte einer mysteriösen Krankheit erzählt, die die Bevölkerung von Deutschland sterben lässt. Mittendrin sind eine Handvoll Protagonisten, die auf ihrer Flucht immer wieder auf die unterschiedlichsten Befindlichkeiten der deutschen Bevölkerung stößt und sich dennoch nicht beirren lässt. Irgendwie ist der Streifen schon sehr strange, aber auf eine positive Art und Weise und auch wenn mir "Die Hamburger Krankheit" einen Ticken zu lang erscheint, so bleibt die ungewöhnliche Reise durch das kontaminierte Deutschland mit seinen skurrilen Figuren und der Musik von Jean Michel Jarre doch immer interessant.
Herbst der Gammler
Im Jahre 1967 begleitet Regisseur Peter Fleischmann in seinem Dokumentarfilm „Herbst der Gammler“ jugendliche Herumstreuner und Beatniks in München mit seiner Kamera und fangt dabei auch allerlei Meinungen von Passanten ein, die sich von der Anwesenheit und Einstellung der sogenannten „Gammler“ (= Vorläufer zum Punk) provoziert fühlen. Dabei lassen sich junge, wie auch ältere Menschen zu recht drastischen Kommentaren verleiten und die sehr feindselige Stimmung gegenüber dieser alternativen Lebensform auch in der Masse offen und unter Beifall präsentiert.
Vom „kleinen Hitler“, der zum Aufräumen benötigt würde, bis hin zur „Verfrachtung in Arbeitslager“ für Schmarotzer und Arbeitsverweigerer bietet die Dokumentation dann auch einen erschreckenden Einblick in die finsteren Abgründe der deutschen Gesellschaft, die aus ihren Vergangenheit scheinbar nichts gelernt hat. Der fürs TV entstandene, schwarzweiße Streifen mit seinen grobkörnigen Bildern ist dabei aufgrund seinem distanzierten Blick sehr gelungen und hat bei seinem Erscheinen wohl auch einige Kontroversen ausgelöst. Fleischmann ist ja auch danach der Thematik treu geblieben und hat diese feindseelige Stimmung gegenüber Andersartigen in dem Streifen "Jagdszenen aus Niederbayern" wiederholt.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Di 10. Apr 2012, 07:53
von jogiwan
The Breed
Netter, wenn auch etwas durchschnittlicher Tierhorror mit bösen und genetisch-veränderten Wuffis auf einer abgelegenen Insel, die sich alsbald für eine Handvoll Teenies als Todesfalle entpuppt. Der Film startet recht beschaulich und nach und nach wird die bedrohliche Präsenz der Hunde gesteigert. Die Hundeangriffe sind jedenfalls recht flott gemacht und so gut getrickst, dass alles recht natürlich aussieht. "The Breed" ist dann auch der erste Film, in dem Michelle Rodriguez ganz sympathisch rüberkommt, nur das gar so abrupte Ende war dann doch etwas enttäuschend. Popcorn-Horror für zwischendurch und 6/10 Punkten!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Mi 11. Apr 2012, 07:46
von jogiwan
Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs
Almodovars Hommage an Screwball-Komödien, der sehr bunt und immer etwas neben der Spur daherkommt. Aufgebrachte Frauen, untreue Männer und andere Terroristen, eine Gazpacho mit Schlaftabletten und eine Wohnung in Madrid, in der alles zusammenläuft. Obwohl der Streifen unverkennbar in den Achtzigern entstanden ist und das auch zu keiner Sekunden leugnen kann, macht Almadóvars Achterbahnfahrt der Gefühlle und Emanzipation einer Betrogenen inklusiver zahlreicher Filmzitate tierischen Spass!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Do 19. Apr 2012, 10:18
von jogiwan
Vier Frauen und ein Todesfall:
Folge #1: Herzkasper
Folge #2: Nebelsuppe
Folge #3: Naturtrüb
Herrliche Krimserie aus Österreich mit bitterbösen Schmäh, schönen Landschaften und unorthodoxen Hobby-Ermittlerinnen, die immer wieder verzwickte Mordfälle lösen müssen. Die Idee zur Serie stammt aus der Feder von Wolf Haas ("Der Knochenmann") der hier auch die ländliche Dorfgemeinschaft satirisch überzeichnet und so die skurrilsten Momente kreiert. Adele Neuhauser und Brigitte Krenn sind sowieso zum Schreien und die erste Staffel von "Vier Frauen und ein Todesfall" ist einfach eine der besten Serien, die jemals vom ORF produziert wurde.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Fr 20. Apr 2012, 11:05
von jogiwan
L.A. Zombie
Ein (außerirdischer) Zombie entsteigt dem Meer und wird als Anhalter von einem Autofahrer mitgenommen. Als dieser wenig später bei einem Verkehrsunfall getötet wird, vögelt der Zombie mit seinem Riesen-Penis das Leben in den toten und entstellten Körper, lässt den verdutzten Reanimierten zurück und macht sich weiter auf den Weg in die MIllionenmetropole. Dort angekommen streift der Zombie durch das heruntergekommene Los Angeles und trifft dabei auf Menschen, mit denen es einerseits das Leben nicht so gut gemeint hat und die andererseits auch die ungewöhnliche Gabe des Zombies aufgrund ihres vorzeitigen und teils gewaltvollen Ablebens auch gerade gut gebrauchen können...
Hier ist er nun der große und skandalträchtige Homo-Zombie-Film von dem kanadischen Underground-Filmer Bruce La Bruce, der in der vorliegenden Form nicht in Australien gezeigt werden durfte. Gar so zimperlich geht La Bruce auch nicht um und wer vor Schwänzen Paranoia hat, sollte sich vor dem knapp 62 minütigen ähm... Softcore-Version wohl ebenso wie von der Pornoversion hüten, die es über einschlägige Versandhäuser ebenfalls zu beziehen gilt. Wenn ich oben schreiben, dass das Leben zurück in tote Körper gevögelt wird, dann meine ich das in diesem Fall auch nicht metaphorisch, sondern explizit, auch wenn der Dornenpenis des Außerirdischen eine sehr offensichtliche Attrappe ist.
Ansonsten ist der Streifen aber auch aufgrund seiner teils recht drastischen Make-Up-Effekte und überzeichneten Figuren irgendwie doch recht gelungen, auch wenn er als Art wütender Kunstfilm auch eher der Experimentalschiene zuzurechnen ist. Herkömmliche Dialoge und klare Erzählstrukturen gibt es in dem episodenhaften Werk jedenfalls nicht und abgesehen von einer Queerpunk-Nummer von France von Griessen bleibt der Soundtrack im Gegensatz zu den teils recht heftigen Bilder eher ruhig und untermalt perfekt die Bilder eines herunter- und verkommenen Los Angeles.
Aufgeschlossene Fans von experimentellen Zombie-Werken können durchaus einen Blick riskieren und finden neben Blut und Gore auch eine Art düstere Bestandsaufnahme und Abgesang auf die Welt, in der ein Zombie nicht von Menschen verfolgt und getötet wird, sondern seinerseits tote Menschen wieder zum Leben erfickt ähm... weckt! Warum das so ist, darf sich der Zuschauer dann selbst ausmalen und sich währenddessen an gestählten Körpern, krassen Make-Up-Effekten, viel rotem Lebenssaft und Riesenschwänzen erfreuen. Statt irgendwelchen Punkten gibts aber lieber ein paar Bilder!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Fr 20. Apr 2012, 11:06
von jogiwan
Last House in the Woods
Wie unser werter Arkschi an anderer Stelle schon einmal anmerkte, neigen Nachwuchs-Regisseure bei ihrem Debüt oftmals dazu, etwas überambitioniert zu Werke zu gehen. Auch Gabriele Albanesi begeht den Fehler, statt einer ordentlich Charakterzeichnung gleich mal in die Vollen zu gehen, zu viel in seinen Film zu packen und bietet dem Zuschauer dann auch jede Menge Gewalt, Rape, Kannibalismus, Kettensegen, degenerierte Menschen und ähnliches, ohne dabei jedoch auf ein vernünftiges Drehbuch zu achten. Statt Terror gibts in dem Low-Budget-Werk dann auch nur ein paar blutige Effekte von Herrn Stivaletti für Gore-Landwirte und jede Menge nerviger Charakte, die nacheinander hops gehen. Dass der lahm Schlussgag dann auch noch bei dem Klassiker "Freaks" geklaut ist, passt hervorragend zu dem Werk, dass sich auch recht fleissig bei den großen Vorbildern bedient, ohne auch nur annähernd dessen Klasse zu erreichen. Unterdurchschnittliche 4/10
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Sa 21. Apr 2012, 11:04
von jogiwan
The Cottage:
Nach all der Lobhudelei hab ich mich ja schon auf ein schwarzhumoriges Filmchen gefreut, dass aber in meinem Falle nicht so richtig gezündet hat. Die Charaktere sind ja größtenteils sehr nervig angelegt und das ewige Gefluche und Geschrei fand ich auf Dauer auch sehr ermüdet. Dass die Sache der Entführung zunehmend aus dem Ruder läuft ist ja von der Idee recht nett, nur irgendwie ist der Anfang zu öde, das Ende zu abrupt und auch zwischendurch wird viel Potential einfach gar nicht genutzt. Kann man gucken, muss man aber nicht und "Severence" fand ich persönlich dann um Längen unterhaltsamer. 6/10
Vier Frauen und ein Todesfall:
Folge #4: Vatermord
Folge #5: Warm abgetragen

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Sa 21. Apr 2012, 13:22
von untot
Vier Frauen und ein Todesfall ist wirklich ne richtig klasse Serie!!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Sa 21. Apr 2012, 14:14
von jogiwan
untot hat geschrieben:Vier Frauen und ein Todesfall ist wirklich ne richtig klasse Serie!!

Jupp, ich kenn zwar die neuesten Staffeln noch nicht, aber vor allem die erste strotzt ja nur so von Seitenhiebe auf die österreichische Bevölkerung und ihre ähm... liebenswerten Eigenschaften und -heiten. Wer die drei Wolf Haas-Verfilmungen mag, kommt an der Serie nicht vorbei...

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtageb
Verfasst: Sa 21. Apr 2012, 15:34
von Arkadin
Kenne ich gar nicht. Worum geht's denn da?