
Was hab ich im Vorfeld nicht alles über diesen Film gehört, aber vielleicht war am Ende meine Erwartungshaltung dann doch etwas zu hoch. Sicherlich ist der Film nicht schlecht, politisch inkorrekt, skurril und manchmal auch witzig, aber andererseits auch zu lange und zu labrig und der Humor der Coen-Brüder ist auch irgendwie nicht der meinige. Bei den Dauergesprächen über "Rugs" und "Dudes" musste ich auch ständig an die "Quarterpounder"-Diskussion aus "Pulp Fiction" denken und der "Dude" ist mir dann doch etwas zu sehr als Wunsch-Identifikations-Figur für das männliche Publikum ausgefallen.
Ich will ja nicht schon wieder mit der Euro-Kino-Keule kommen, aber die Art und Weise schrullige, aber liebenswerte Charaktere von einer skurrilen Situation in die nächste zu schicken hat, die Musik zum Bestandteil der Handlung zu machen und das Ganze mit witzigen Inserts aufzupeppen hat ja schon Pedro Almodovar in seiner frühen bis mittleren Schaffensweise origineller und undergroundiger gemacht. Und "The Big Lebowski" ist dann auch eine Art männlicher Gegenentwurf zu "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs", wobei man dort nicht das Gefühl hat, das Figuren entworfen werden, die für den Verlauf der Handlung keine Bedeutung haben und für einen Gag herhalten müssen.
Mir ist "The Big Lebowski" als Verfechter des Euro-Kinos schlicht und ergreifend zu amerikanisch, zu wenig originell und auch wenn die Coen-Brüder wie schon Tarantino in "Pulp Fiction" den scheinbar perfekten Spagat zwischen Mainstream und Underground finden, so wenig erfindet der Film das Rad gleichzeitig neu. Hat man alles irgendwo schon mal gesehen und kommt auch recht gut zusammen, doch am Ende hat mir das Ganze einfach zu wenig Ecken und Kanten und auch das ungewohnt Selbstironische, dass man ja sonst in Ami-Filmen vergeblich sucht, bleibt im Falle von "The Big Lebowski" doch stets oberflächlich oder zu überzeichnet. Am besten fand ich da noch den "Kraftwerk"-Gag! 7/10




