Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Frankie Freako

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Conor ist zwar im Job erfolgreich und hat eine wunderbare Ehefrau namens Kristina, aber ansonsten ist sein Leben eher berechenbar und ohne Überraschungen. Das ändert sich eines Tages, als Kristina übers Wochenende wegfährt und er im Job wieder einmal den Vorwurf bekommt, spießig zu sein. Kurzerhand wählt er die Nummer einer Telefonhotline namens „Frankie Freako“ und holt sich so drei freakige kleine Gesellen ins Haus, die nicht nur sein Eigenheim, sondern auch sein Leben grundlegend auf den Kopf stellen. Nach einer Nacht voller Party brummt nicht nur der Schädel, auch die kleinen Freaks machen keine Anstalten Conors Haus wieder zu verlassen und als er mehr über das Leben der drei exzentrischen Freaks erfährt, beginnt erst recht das Abenteuer seines Lebens…

„Frankie Freako“ ist eine sympathische Verbeugung oder Hommage an Filme wie „Puppet Master“ oder auch „Garbage Pail Kids“ und im Grunde eine recht turbulente Angelegenheit mit viel Witz, überdrehten Blödsinn und dem Mut auch mal etwas zu schmoddern. Doch irgendwas scheint hier falsch gelaufen zu sein, da der Film zumindest bei mir nicht gezündet hat und stets auch etwas bemüht wirkt. Abgesehen von den Puppentricks und den lustigen Effekten ist die Geschichte und vor allem die sehr überschaubaren Figuren ziemlich mau und vor allem Conor als Hauptfigur war mir einfach viel zu unsympathisch, als das mich sein erwartbarer Weg vom Spießer zum Helden interessiert hätte. Auch die Chemie zwischen den menschlichen Figuren fand ich nicht so gut und vor allem am Anfang kommt der Film so überhaupt nicht richtig in die Gänge. Jedenfalls fand ich „Frankie Freako“ auch in der englischen Sprachfassung weit nicht so gut, wie ich es mir eigentlich erwartet hätte und ich finde auch, dass hier doch recht viel Potential liegen gelassen hat. Etwas mehr Fokus auf Storytelling statt auf Effekte hätte dem Streifen aus der Astron-6-Schmiede meines Erachtens jedenfalls nicht geschadet, auch wenn es sicherlich schön ist, dass so ein kleiner B-Streifen mit Puppen überhaupt existiert.

Schaurige Geschichten [Serie]

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Nachdem ich die Serie nun durch und Zeuge von 13 wirklich sehr seltsam anmutenden Episoden geworden bin, kann ich behaupten, dass „Schaurige Geschichten“ dem Zuschauer wirklich schaurig schlechte Geschichten bietet. Am Anfang war ich ja noch etwas von der Spießigkeit der Geschichten begeistert und teilweise wirkt alles arg naiv präsentiert und man ist angesichts des Titels verwundert, dass hier nichts Übernatürliches, nichts Schauriges oder Sonstiges in Richtung Genre geht. Eher als hätte Fassbinder eine triste Teenie-Serie aus dem Arbeitermilieu gemacht. Ist man erst mal alle Folgen durch merkt man aber den gemeinsamen Nenner und der ist leider ziemlich konservativ ausgefallen. Alle Episoden handeln von jugendlichen Protagonisten, die das erste Mal auf eigenen Beinen stehen, der ersten Urlaub ohne Eltern machen oder sonst irgendwie etwas in Abwesenheit von Erziehungsberechtigten machen und sich dabei in Schwierigkeiten manövrieren. Zwar lösen sich alle Episoden harmlos auf, aber der moralische Zeigefinger ist hier omnipräsent, wenn es darum geht Jugendlichen die erste Selbständigkeit, den Urlaub, das Trampen oder einfach nur die Abenteuerlust zu vermiesen. Das steigert sich dann in einer Folge, in der zwei Jugendliche von einem alkoholisierten Mann bedroht, genötigt und eingesperrt werden und das trotz eindeutig strafrechtlicher Komponente mit einer Opfer/Täter-Umkehr einhergeht, die man heutzutage nur noch mit Verwunderung hinnehmen kann. „Schaurige Geschichten“ ist eine deutsch-schwedische Serie mit Zeit- und Lokalkolorit, die wirklich sehr schlecht gealtert ist und die man auch nur als Kuriosum sehen und durchstehen kann.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Cat Sick Blues

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Haustiere und ihre Besitzer sind oft ein Kapitel für sich und wie bei richtigen Kindern ist das eigene Tier immer das Liebste, Netteste und Bravste, auch wenn sich das für Außenstehende nicht immer erschließt. Katzen und Hunde haben aber nun mal andere Lebenserwartungen als Menschen und irgendwann kommt wohl oder übel auch der Zeitpunkt, wo man von seinem Tier Abschied nehmen muss und doch überraschend sehr viele damit so gar nicht klarkommen. „Cat Sick Blues“ handelt von Menschen, die mit dem Tod des geliebten Tieres gar nicht mehr in die Spur finden und im Falle von Ted sogar dafür sorgt, dass dieser als Killer mit Katzenmaske und Katzenpenisattrappe junge Frauen durch die Gegend meuchelt. Klingt schräg und ist es auch, wenn hier ohne Rücksicht auf Verluste das volle Panoptikum seelischer und menschlicher Abgründe aufgefahren wird. „Cat Sick Blues“ ist dann auch irgendwo zwischen Psychogramm, Splatter und Experimentalhorror, dass auch sicherlich nicht für die breite Horrormasse konzipiert wurde. In jungen Jahren hätte ich diese Radikalität und Mut des Regisseurs vermutlich mehr abgefeiert, als heutzutage und so richtige Begeisterung hat „Cat Sick Blues“ nicht ausgelöst, auch wenn man Herrn Jackson sicher Respekt zollen muss, so ein Werk gegen – vermutlich – viele Widerstände zu realisieren. Herausgekommen ist ein sperriges Werk für aufgeschlossene ZuschauerInnen, dass aber wie auch beim werten Sergio vermutlich nicht nochmal so schnell im Player landen wird.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Bugie Rosse / The Final Scoop

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Auf der Suche nach einer großen Story landet der mit der hübsch Adria verheiratete Journalist Marco in der Schwulenszene von Bologna, die seit einiger Zeit von Serienmorden erschüttert wird. Sein erster Besuch bei einem Mann, der sich als angesehener und ebenfalls verheirateter Professor entpuppt, endet jedoch ohne das etwas passiert und wenig später wird dieser auch ermordet aufgefunden. Marco gerät in Verdacht gerät und taucht weiter ab in die homosexuelle Subkultur und lernt dort auch Andrea kennen, der sich mit Prostitution in einem Nachtclub seinen Lebensunterhalt verdient. Das Interesse des Journalisten geht bald über ein journalistisches Maß hinaus und er und auch Adria entdeckt eine Seite an Marco, die er bislang verborgen hielt, ehe weitere Morde geschehen und das Leben aller Beteiligten auf den Kopf gestellt wird.

„Bugie Rosse“ entpuppt sich doch tatsächlich als schwuler-schwüler Giallo, der inhaltlich etwas an Friedkins „Cruising“ erinnert, da beide Protagonisten nach dem Abtauchen in die schwule Subkultur Seiten an sich entdecken, die bislang im Geheimen verborgen waren. Im Falle von Regisseur Pierfrancesco Campanella ist das aber nicht sonderlich explizit, auch wenn es viel nackt Haut zu betrachten gibt, für die sich jedoch eher die weiblichen Darsteller verantwortlich zeigen. Die Story über einen Killer im Schwulenmilieu wird auch eher nebenher abgehandelt und das Ende mangels potentieller Verdächtiger absehbar. Aber „Bugie Rosse“ macht irgendwie Laune, wenn hier die Anfänge des Online-Datings gezeigt werden, genauso wie das Cruising im Park oder der Besuch eines Sexkinos, der in sehr realen Bahnen verläuft. Auch beim Cast hat man sich nicht lumpen lassen und neben Tomas Aran, den ich erst letzten in „L.A. Confidential“ gesehen habe, geben sich hübsche Damen wie auch Alida Valli in einer kleinen Rolle die Ehre. Im ebenfalls mitgelieferten Interview mit dem Regisseur erzählt dieser auch von den Vorgaben, die den Charakter seines Films doch maßgeblich geändert haben, da die Welt im Jahre 1993 wohl noch nicht so wirklich mit einem schwulen "Happy-End" klargekommen wäre und man den Film natürlich auch kommerziell an ein breiteres Publikum vermarkten wollte, was in einem Finale mündet, dass auch etwas zum Schmunzeln animiert. Vielleicht ist „The Final Scoop“ mit all seinen Produzenten-Vorgaben Richtung Mainstream nicht mehr der Film, der er hätte sein können, aber als Giallo-Fan gibt es hier nicht viel zu meckern und schon aufgrund seiner Figuren und seines Themas, ragt der Spät-Giallo aus der Maße vergleichbarer Werke heraus.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

After... Part Two: Tied Up and Tied Up Well

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Auch der zweite Teil der Doku „Después de…“ ist angesichts der weltpolitischen Lage starker Tobak und beschreibt die unterschiedlichen Kräfte, die nach dem Tode Francos und dem Macht-Vakuum, dass er hinterlassen hat an die Macht kommen wollen. Und sie stehen Gewehr bei Fuß, die Faschisten, Separatisten und Nationalisten, die teils offen demokratische Strömungen bekämpfen oder diese als Vorwand für terroristische Ziele hernehmen. In Teil zwei geht es auch weniger um liberale Kräfte, Feminismus oder das Ziel Spanien zu vereinen, sondern viel mehr um das genaue Gegenteil: die Rückkehr in die Diktatur oder der Abspaltung von der zentralen Führung, zu mehr Autonomie. Teils wird es wild und auch sehr laut, wenn Parolen geschrien werden und Steine fliegen oder die Überreste terroristischer Akte gezeigt werden. Die Doku ist sicherlich für politisch interessierte Menschen nicht ganz einfach zu schauen, aber so wie Teil zwei recht abrupt endet, so hat sich in Spanien letztendlich die liberale und freiheitliche Demokratie durchgesetzt, Im Gegensatz zum ersten Teil wirkt hier alles recht unversöhnlich und die Gefahr wird spürbar, dass in Spanien auch alles in eine andere Richtung hätte gehen können. Und wie wichtig es ist, stets wachsam zu sein, wenn diese Parteien und ihre vermeintlich starken Männer wieder ihre Stunde gekommen sehen und mit kleinen Schritten die Demokratie aushöhlen und Menschen für ihre Zwecke mittels Feindbilder auseinanderdividieren. Es funktioniert leider immer noch.
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