Da steht ein Ferd auf´m Flur.... Jogiwans semi-unterhaltsamer Westernabend #1
Yankee
Ein ambitionierter Kopfgeldjäger, der wegen seiner Herkunft von allen nur Yankee genannt wird, kommt eines Tages in ein Dorf an der mexikanischen Grenze, in dem der sogenannte "große Concho" mit seinem treuen Gefolge eine Art Gangster-Dikatur aufgebaut hat. Als der Yankee mit dem "großen Concho" in dessen zur Galerie umfunktionierten Gangster-Zentrale zusammenkommt, macht er diesem unmißverständlich klar, dass er am Kopfgeld seiner Getreuen großes interesse hat. Dafür wird er zuerst vor versammelten Mannschaft noch belächelt und als er seine Drohung wahr macht, allerlei Baddies von Conchos Gefolge unter die Erde bringt und auch noch mit die dralle Braut des Obergangsters entführt, platzt diesem der Kragen und es kommt zu einem mehrstündigen Finale...
Tja, Tinto Brass - Italiens Russ Meyer - ist ja eher wegen seiner erotischen Tittenfilme, als für seine Western bekannt und wenn man sich "Yankee" ansieht, verwundert das kaum. Die Story fand ich ja ziemlich mau, die Dialoge so hölzern wie der Saloon und irgendwelche tiefergehende Charakterisierung findet ja gleich gar nicht statt. Die Figuren sind allesamt eindimensional und es wird abwechselnd geritten, blöd gequatscht und geschossen, bevor die Szenerie wieder von Neuem beginnt und sich dann bis zum Finale ständig wiederholt. Dabei wäre "Yankee" von den Bildern her gar nicht mal so schlecht und irgendwie kommt der Streifen teils mit netten Einfällen, Pop-Art-Touch und ungewöhnlichen Kamera-Perspektiven daher - aber vom Hocker reißt mich das alles nicht... 3-4/10
Für einen Sarg voller Dollar
Als der größenwahnsinnige Hagen entdeckt, dass seine Brüder bei einem mißglückten Überfall erschossen wurden, ordnet er die systematische Auslöschung der dafür verantwortlichen Familie an. Diese werden auch prompt mitsamt ihrem Haus abgefackelt und nur ein Bediensteter des Haus überlebt das grausige Szenarie. Dieser petzt aber prompt alles dem ebenfalls nach Hause gekehrten Sohn des Hauses, der nun seinerseits grausame Rache schwört und unter dem Tarnnamen "Nevada Kid" gemeinsam mit einem gewaltbereiten Kopfgeldgeldjäger den Kampf gegen die Triaden von Gangstern aufnimmt und dabei recht erfolgreich zu Werke geht...
Du meine Güte! Ein Bodycount jenseits der Hundert ohne auch nur einen Tropfen Blut zu sehen? Das sind ja Verhältnisse - ärger als bei "American Fighter" und irgendwie geht es in dem Streifen auch ähnlich trashig zu. Alles ist total billig, im örtlichen Western-Erlebnispark unprofessionell umgesetzt und auch die Geschichte macht da keine Ausnahme. Allerdings hat "Für einen Sarg voller Dollar" für den Trashfreund doch einen erhöhten Unterhaltungswert und bietet neben dem farblosen Hauptdarsteller und einem herrlüsch dürschgeknallten Kinski auch die solide Kamera-Arbeit von Aristide Massaccesi, der ja später unter Joe D´Amato selber den Regie-Sessel erklimmen durfte. Neben dem vorhersehabaren Handlungsverlauf punktet aber in dem sehr durchschnittlichen Streifen auch Simone Blondell als blondes Eye-Candy, die sogar ein bissl tough sein darf. Mit 3-4 Bieren intus gibts wohlwollende: 4-5/10
Fazit:
Naja, Western... wir werden wohl keine Freunde mehr... Okay, beim Gialli ist es im Grunde auch immer dasselbe Handlungsgerüst, aber da gibts wenigstens noch hübsche Menschen in schicken Klamotten und noch hübscherer Umgebung. Wer will denn schon andauernd unrasierte, hässliche und schwitzende Menschen in dreckigen Klamotten (einzige stylishe Ausnahme: der lindgrüne Poncho von Tamayo) auf Pferden sehen, die pseudo-coole One-Liner-Kacke labern und dann größtenteils auch nur nach geografischer Herkunft benannt werden? Irgendwie scheint es im Wilden Westen ja ein kleines Namensproblem gegeben zu haben, was wohl erklärt, dass ich gestern in zwei Filmen einen Yankee, Texaner, Portugiesen, Nevada Kid und sonstige Landsleute aus allen Teilen der Erde begutachten durfte...
Und das andauernde Gereite auf den Pferden und Dauer-Geballere (Nachladen muss man ja anscheinend ohnehin nie?) dient wohl auch nur dazu, dass man die Zeit zwischen den hölzernen Dialogen nicht mit einer tiefergehenden Charakterisierung verschwenden muss. Ein richtiger Mann hat ja auch ausser Rachedurst keine weiteren Gefühlsregungen zu zeigen und Frauen sind (sofern sie überhaupt vorkommen) maximal hübsches Beiwerk, dass die Klappe zu halten hat. Hätte ich seinerzeit nicht Pony-Reiten als Ferialjob gemacht und am eigenen Leib erleben müssen, wie durchtrieben alle Viecher mit Sattel sind - vielleicht hätte sich meine Filmleidenschaft vielleicht anders entwickelt - aber so wünsch ich mir die Viecher statt auf dem Bildschirm lieber in die Wurst!
