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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 22. Mär 2026, 19:42
von jogiwan
Breakdown

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Jeff und seine Frau Amy sind im neuen Jeep durch Amerika unterwegs, um in einem anderen Bundestaat ein neues Leben zu beginnen. Auf einer abgelegenen Route in einem Nationalpark hat das Auto eine Panne und ein zufällig vorbeifahrender Truck-Fahrer macht das Angebot, Amy bis zum nächsten Diner mitzunehmen, von wo aus sie einen Abschleppwagen verständigen soll. Kurze Zeit später kann Jeff den Wagen selbst wieder in Gang setzen und beim vereinbarten Treffpunkt angekommen will niemand seine Frau gesehen haben. Selbst als er mit einem Polizisten den Truck-Fahrer mit seiner Aussage konfrontiert, beteuert dieser, den Mann noch niemals gesehen zu haben und auch die Frau nicht zu kenne. Als Jeff zum Diner zurückkehrt bekommt er jedoch von einem Zeugen die Info, dass dieser die Frau gesehen hat, bei diesem Komplott alle gemeinsam unter eine Decke stecken und beim verzweifelten Versuch seine Frau zu finden geht der Alptraum erst richtig los…

Nanu, noch gar kein Fred hier? „Breakdown“ ist jedenfalls eine spannungsgeladene Mischung aus Roadmovie und Thriller, der entfernt etwas an den ähnlich gelagerten „Spoorlos“ erinnert, dann aber statt der psychologischen Ebene mehr in Richtung handfester Action abdriftet. Hier geht es um einen Ehemann, der nach seiner Frau sucht, die von gewaltbereiten Truckern entführt wurde und dabei auch wenig zimperlich zur Sache gehen. Kurt Russell ist aber ebenfalls zu allem bereit und seine Fitness kommt bei den körperlich fordernden Ereignissen ebenfalls sehr entgegen. Zwar wirkt dass Geschehen mitunter nicht immer ganz logisch, ist aber vor allem im Finale wirklich sauspannend gemacht und der Puls des Zuschauers geht ganz schön nach oben, wenn am Ende neben viel verbeultes Blech auch der Bodycount nach oben geht. Ich hab den seinerzeit sogar mal im Kino gesehen und umso ärgerlicher, dass alle alten DVD-Auswertungen auch eine dreisekündige Szene vermissen lassen, die doch auch den Charakter des Endes leicht verfälscht bzw. abmildert. Aber dafür kann der Film ja nix und der ist wirklich sehr spannend und auch sehr gelungen.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 23. Mär 2026, 19:24
von jogiwan
Unter Mordverdacht

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Rick ist der größte Action-Star seiner Zeit und hat gerade einen fulminanten Action-Film abgedreht, der in die Kinos kommen soll, als er seinen verblüfften Produzenten sein überraschendes Karriereende verkündet. Anstatt Action-Held zu sein, will Rick in Zukunft lieber mit seiner Freundin Stephanie in Frankreich ein ruhiges Leben führen. Die Produzenten sind wenig begeistert und wenig später befindet sich Rick auch noch mitten in einem erbitternden Scheidungskrieg, als dessen Noch-Ehefrau aus einer Boulevard-Sendung von Ricks Freundin erfährt. Michelle ist wenig später tot und Rick der Hauptverdächtige, der neben der Flucht vor der Polizei aber immer noch die Zeit findet, mit der investigativen Journalistin Dana anzubandeln, die ursächlich für seine missliche Lage verantwortlich ist.

Nach den ganzen guten Thrillern aus den Neunzigern war es nun auch mal Zeit, das Pferd etwas von hinten aufzuzäumen und „Unter Mordverdacht“ von Donald Farmer ist natürlich der erwartbare Fremdschäm-Thriller, der inhaltlich auch völlig indiskutabel ausgefallen ist. Die Geschichte ist völlig gaga und Darsteller und Locations passen auch nie so wirklich zum Charakter der Geschichte, die in Hollywoods höchsten Kreisen spielen soll. Zudem ist die Krimi-Handlung mindestens so spärlich wie die Bekleidung der weiblichen Darstellerinnen aus der zweiten Reihe, mit denen sich der etwas farblose Danny Fendley vergnügt, der sich als Action-Star durch seine Rolle und viele Betten quält. Herausgekommen ist natürlich ein schwer unterhaltsamer Streifen mit vielen Mängeln, der schon in der völlig haarsträubenden Action-Sequenz am Anfang die Marschrichtung vorgibt und viel Raum für das Unvermögen der Leutchen vor und hinter der Kamera Platz lässt. Für aufgeschlossene Zuschauer, die ab und an auch so etwas schätzen ist „Body Instinct“ auch sicher ein Spaß, während der Rest der Zuschauer dem Treiben eher fassungslos folgen - oder gleich nach ein paar Minuten die Stopp-Taste betätigen wird. Der Name Donald Farmer bürgt wie üblich für Qualität, wenn auch für die Falsche.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 24. Mär 2026, 00:10
von Reinifilm
Oh, der hatte seinerzeit ja eine Spitzenbewertung vom werten Dr. Acula bekommen!
:kicher:
Muss ich mir auf jeden Fall mal zulegen…

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 24. Mär 2026, 19:24
von jogiwan
Morbus

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Ein Pharmazeut entwickelt eine Substanz, mit der man Tote zum Leben erwecken kann, was dieser auch sogleich in der Leichenhalle eines Krankenhauses mit fatalen Folgen ausprobiert. Zur gleichen Zeit trifft sich in der Nähe des Krankenhauses die Prostituierte Anna und ihre Freundin mit einem Freier im Wald und werden dabei unsanft von den Zombies gestört. Anna kann fliehen und wird von dem Schriftsteller Juan aufgelesen, mit dem sie bereits in der Vergangenheit eine Beziehung hatte und so bleibt das Wiedersehen nicht ohne kleinere Konflikte. Juan ist in seiner Blockhütte im Wald gerade mit dem Schreiben eines Romans beschäftigt und versucht Anna gleichermaßen zu beruhigen wie auch zu verführen und wenig später finden sich noch weitere Besucher eines satanischen Kults ein, die der Zombie-Attacke entfliehen wollen und alles läuft endgültig aus dem Ruder…

„Morbus“ ist eine schräge Mischung aus Zombie-, Sexfilm und Komödie und verbindet alle drei unterschiedlichen Richtungen auf eher arg konfuse Weise miteinander. Das Drehbuch von Isabel „Mein Leben ohne mich“ Coixet ist jedenfalls mehr als sonderbar und auch bei der Regie von Ignasi P. Ferré weiß man nie, ob man sich als Zuschauer nicht verarscht fühlen muss. 1983 hatte die europäische Zombie-Welle ihren Zenit ja auch bereits weit überschritten und im Vergleich zu italienischen Vertretern wirkt hier auch alles eher zahm, würden sich hier nicht ständig alle Darsteller nackig machen und miteinander in die Kiste steigen. Die Figuren wirken so sonderbar wie das zufällige Aufeinandertreffen und auch wenn sich am Ende alles etwas relativiert, so ist „Morbus“ doch ein mehr als seltsamer Film, der über die Jahre wohl Kultstatus in seinem Entstehungsland generieren konnte. Ich würde meinen, dass sich meine Begeisterung nach der ersten Sichtung etwas in Grenzen halt und die doch etwas bemüht wirkende Mischung hat mich zumindest beim ersten Mal nicht so richtig abholen können. Unterhaltsam und lustig ist das zwar allemal, aber für einen Zombiefilm ist mir „Morbus“ zu harmlos, für eine Komödie zu unlustig und für einen Sexfilm war mir die satanistische Orgie zu züchtig. Doof, lustig, spanisch…

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 25. Mär 2026, 19:06
von jogiwan
Faces / Rostros

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Juan – ein Bildhauer in der Schaffenskrise – trifft auf seinem Flug nach Lanzarotte auf eine unbekannte Frau, deren Gesicht und mysteriöse Aura ihn sofort fasziniert. Er überredet die Frau, die ohne Gepäck reist, ihn auf sein Haus an der Küste zu begleiten, wo sie ihm Model für eine Skulptur stehen soll. Die Frau willigt ein und während Juan mit seiner Arbeit beginnt, bleibt die Frau schweigsam, was ihre Vergangenheit betrifft. Wenig später taucht ein Mann auf, der behauptet ein Verwandter der Frau zu sein und Juan mit seinen Aussagen weiter verunsichert. Später hat er blutige Halluzinationen und auch sonst geschehen in seinem Umfeld zunehmend seltsame und unerklärliche Dinge, sodass er seine Freundin Teresa beauftragt, mehr über die mysteriöse Frau herauszufinden…

Der nächste, hochgradig seltsam daherkommende Film über einen Bildhauer in der Krise, einer namenlosen Frau und eine Beziehung, die nie so wirklich ausformuliert wird. Lanzarote biete mit seiner kargen wie seltsam erscheinenden Landschaft den idealen Rahmen für die Geschichte, die stets vage bleibt und die auch auf vielseitige Weise interpretierbar bleibt. Ist die Frau ein Vampir, ein Alien, ein Unglücksbote oder Todesengel – im Verlauf der Geschichte wird dieses nie so richtig geklärt und anstatt eine herkömmliche Geschichte mit Spannungsbogen zu erzählen, verlässt sich „Rostros“ auch eher auf seine entrückte Atomsphäre und Figuren, deren Intention und Funktion unklar bleiben. Man muss sich als Zuschauer auch auf die Geschichte einlassen können und sich wie der Bildhauer durch die mysteriösen Ereignisse treiben lassen, die sich gegen Ende nur wenig zuspitzen. Dazwischen gibt es wie üblich viel nackte Haut von beiden Geschlechtern, einen tollen Soundtrack, eine entrückte Atmosphäre und vor allem viel Lanzarote, dass ich auch einmal besuchen muss. Ein kleiner, feiner und ambitionierter Film, der auch in seinem Entstehungsland untergegangen ist, dessen Handlung und Genre-Zugehörigkeit sich nie wirklich festmachen lässt und der gerade aus diesem Grund eigentlich ganz toll geworden ist.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 26. Mär 2026, 19:58
von jogiwan
Triangle of Lust / Teufelscamp der verlorenen Frauen

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jogiwan hat geschrieben: Do 26. Feb 2015, 07:32 Mit „Teufelscamp der verlorenen Frauen“ bzw. „Unschuldig durch die Hölle“ hat sich Hubert Frank wohl nicht gerade mit Ruhm bekleckert und liefert einen Film ab, der sich vor allem durch ein sehr wackliges und dramaturgisches Grundgerüst auszeichnet. Die Geschichte einer jungen Frau, die durch ein teuflisches Komplott und einen noch blöderen Zufall in den Händen von zwei weiblichen und zwei männlichen Gangstern gerät bietet zwar viel Potential, welches aber größtenteils gnadenlos verschenkt wirkt. Eine Polizei-Offensive findet da gleich vollkommen im Off statt und offensichtlich reichte das schmale Budget ja nicht einmal für Klamotten, sodass die weiblichen und männlichen Darsteller die meiste Zeit spärlich bekleidet bis nackt herumlaufen müssen. Neben einem sehr kreativen Umgang mit der deutschen Sprache und einem sehr lustigen und hochdramatischen Monolog über einen Aasfresser bietet „Unschuldig durch die Hölle“ aber auch zwei größere und eigentlich unerwartete Wendungen, die den Trash-affinen Zuschauer dann wieder aus seiner Lethargie reißen. Die weiblichen Darstellerinnen heißen Susi, Brit und Silvia und sehen auch genauso aus, während José Antonio Ceinos als Henno wie eine Kreuzung aus Rene Weller und einer haarigen Bestie daherkommt. Der große Höhepunkt kommt kurz nach einer Stunde und danach wurde noch ein weiterer Handlungsstrang hinzu getackert, der aber nochmals zwanzig Minuten dauert. Teufelscamp hab ich jedenfalls keines gesehen und die Hölle stellt man sich wohl auch anders vor. Insgesamt herrlich obskur und nicht wirklich gut, vermischt sich hier Soft-Sex mit Exploitation, viel nackte Haut mit noch mehr Nonsens und lustige Dialoge mit einem stets sehr fragwürdigen Handlungsverlauf. Wer sich für kuriose Filme aus deutscher Produktion interessiert bekommt bei dem offensichtlich nach wie vor indizierten Werk aber die volle Breitseite serviert.
...und dann taucht dieser Film ganz unvermittelt als "Triangle of Lust" in der der "Exorcismo"-Box auf, wobei sich der Film ja recht gut zu den anderen Filmen aus derselben Entstehungszeit fügt. Auf die wunderbare deutsche Synchro muss man leider verzichten, aber auch sonst bietet der Film immer genug Überraschungen und Schauwerte um die Zuschauerschaft bei Laune zu halten. Die Geschichte ist schräg, die Darsteller freizügig, der Handlungsverlauf nicht immer nachvollziehbar und Teneriffa ein prinzipiell schöner Ort, wenn man nicht gerade gewaltbereiten Verbrechern oder Bikern in die Hände fällt. Nachdem es davon nun auch eine halbwegs schöne Fassung im Ausland gibt, habe ich ja auch noch die leise Hoffnung, dass der irgendwann in Deutsch kommt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 27. Mär 2026, 19:49
von jogiwan
Aquella casa en las afueras / That House in the Outskirts

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Um seiner jungen Frau Nieves die Schwangerschaft zu erleichtern, mietet Geschäftsmann Joaquin das Erdgeschoß eines geräumigen Hauses am Stadtrand von Madrid. Dort angekommen, erkennt Nieves das Gebäude jedoch als Ort, an dem sie vor fünf Jahren eine Abtreibung vorgenommen hat und fühlt sich von Beginn an unwohl, obwohl ihr Mann, wie auch die neue Besitzerin des Hauses, die im ersten Stock wohnt, alles möglich tun, damit sich Nieves wohl fühlt. Diese wird jedoch von Schuldgefühlen geplagt, nichts ihrem Mann gesagt zu haben und steigert sich zunehmend in den Wahn, dass irgendetwas oder irgendjemand in dem Haus ihrem ungeborenen Kind etwas Böses antun möchte, was sich wenig später auch bewahrheiten soll…

Im katholischen Spanien waren Abtreibungen bis 1985 strafbar und „That House in the Outskirts“ behandelt die Thematik anhand einer jungen Frau, die in ihrer Schwangerschaft an den Ort zurückkehrt, wo fünf Jahre zuvor eine Abtreibung vorgenommen wurde. Teil aus Schuldgefühlen, teils auch realer Bedrohung entwickelt sich die Mischung aus Thriller, Drama und einer Prise Horror auch eher gemächlich und steuert erwartungsgemäß auf ein spannendes Finale zu. Dabei lässt sich Eugenio Martin viel Zeit mit seiner jungen Protagonistin, die sich nicht nur an dem Ort unwohl fühlt, sondern sich auch um das ungeborene Kind sorgt. Zuerst weiß man ja wieder einmal nicht, in welche Richtung sich der Film entwickelt, ehe es in der Mitte einen kleinen Twist gibt, der dann dafür sorgt, dass sich auch die Spannungsschraube zunehmend anzieht. Im Rahmen der „Exorcismo“-Box ist Eugenio Martins Beitrag mit seiner tollen Hauptdarstellerin und Alida Valli und Carmen Maura in Nebenrollen sicher einer der ruhigeren Beiträge, der auch auf Nacktheit und plakative Elemente verzichtet, aber auf eindringliche Weise zeigt, wie sehr Frauen seinerzeit unter den restriktiven Vorgaben der Gesellschaft gelitten haben. Dabei ist „Aquella casa en las afueras“ weder plakativ, noch grell, sondern überraschend dramatisch und solide ausgefallen und schwimmt auch eher auf der dramatischen Euro-Arthouse-Welle über Frauen in Ausnahmesituationen, als in Sexploitation-Gefilden.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 28. Mär 2026, 19:32
von jogiwan
Icebreaker

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Ausgerechnet am Tag, an dem der etwas schusselige Ski-Retter Matt vor den gestrengen Augen des Vaters um die Hand seiner Freundin Meg anhalten möchte, kommen eine Horde Terroristen unter der Leitung von Carl in das Ski-Resort Killington um dort atomares Sprengmaterial zu bergen, dass in einer Propellermaschine verunglückt ist. Während bereits das FBI hinter den gewaltbereiten Gangstern her ist, nehmen diese kurzerhand die Gäste und Belegschaft einen Gipfel-Restaurants als Geisel, worunter sich auch Meg und ihr Vater befinden. Matt hat zwischenzeitlich das gesuchte Material aber bereits gefunden, versucht gemeinsam mit einem Park-Ranger das Schlimmste zu verhindern und entpuppt sich dabei als durchaus unerwarteter und zäher Gegner.

Lustiger Action-Blödsinn mit haarsträubender Geschichte, die ständig zwischen Ernsthaftigkeit und Parodie schwankt und bei der man sich wirklich fragen muss, wie die Macher den Tourismusverband des Killington Ski-Resorts in Vermont davon überzeugen konnten, ihren Film samt seltsamer Figuren dort zu realisieren. Gute Werbung geht wohl anders und hier reihen sich merkwürdige Szenen mit merkwürdigen Menschen samt katastrophalen Krisen-Management aneinander, sodass man dort seinen Schi-Urlaub wohl eher weniger verbringen möchte. Hauptdarsteller Sean Astin bleibt überraschend farblos, während Bruce Campbell hübsch aufdrehen darf und als psychopathischer Terrorist mühelos alle mit Ausnahme von Stacey Keach an die Wand spielt. Die locker anmutende Inszenierung voller Anschlussfehler bietet ebenfalls jeden Menge Grund zur Verwunderung und viele Schmunzler, wenn z.B. im Finale eine Bombe in 4 Minuten hochgehen soll und diese Szene in Echtzeit-Action knapp 15 Minuten dauert oder die Protagonisten doch recht lange miteinander in Sichtweite kommunizieren, während einer am Boden ist und sich die andere Person in einer fahrenden Gondel befindet. Spätestens dann, wenn eine Bösewichtin am Skidoo einen Pez-Dispenser und VHS-Kassette an den Kopf gedonnert bekommt, weiß man, dass man sich ruhigen Gewissens amüsieren darf, selbst wenn hier alles durch die Decke gehen sollte. Ich hab mich überraschend gut amüsiert.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 30. Mär 2026, 20:07
von jogiwan
Braunschlag 1986
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Vierzehn Jahre nach einem nuklearen Unfall leben nur noch Tschach und Pfeisinger in dem Ort Braunschlag, der von den Behörden wieder als bewohnbares Gebiet erklärt wird. Um die Bewohner zurückzubringen, hat Tschach die Idee, mittels Gemeindebeschluss das Jahr 1986 auszurufen, um so auch den Nostalgie-verklärten Menschen eine Art Sehnsuchtsort zu bieten, der nicht von aktuellen Schreckensnachrichten geprägt ist. Ohne Handy und Internet und viel Retro geht die Idee auch auf und bald finden sich alte und neue Gesichter in Braunschlag ein, wo ein unbeschwerter Lebensstil ohne Wokeness und Gendern betrieben wird. Doch auch wenn man es nicht wahrhaben will, auch in den Achtzigern war nicht alles eitel Wonne und wenig später häufen sich auch in Braunschlag 1986 die Probleme…

„Braunschlag“ war 2012 ja ein großer Erfolg und David Schalko hat mit seiner Serie auch den Nerv der damaligen Zeit getroffen. Die Ereignisse in dem kleinen Ort Braunschlag waren ja unschwer als Abhandlung auf österreichische Befindlichkeiten zu erkennen. Zwölf Jahre später war es wohl wieder an der Zeit ein kleines Update zu bieten und mit „Braunschlag 1986“ trifft Schalko ja auch wieder wunde Punkte und rechnet dabei auch mit all den Nostalgie-verklärten Menschen ab, die stets behaupten, dass früher alles besser war. Im Gegensatz zu der ersten Staffel sind es hier aber nur fünf Folgen mit knapp 200 Minuten Laufzeit, in denen auch wieder sehr viele bekannte Gesichter von der ersten Staffel am Start sind. Die Grundidee ist lustig und es passiert auch sehr viel, allerdings vermisste ich irgendwie etwas den roten Faden, wenn hier sehr viele Charaktere gleichberechtigt nebeneinander präsentiert werden. Statt einer Geschichte zu erzählen, wirkt „Braunschlag 1986“ auch eher wie eine Nummern-Revue mit Retro-Charme, dass zwar immer noch bitterböse daherkommt, aber nicht mehr ganz so bissig wirkt. Was im Jahre 2012 noch überzeichnet war, wurde ja mittlerweile längst von der Realität überholt und Korruption, Populisten und allerorts schlechte Menschen in der Politik mit fragwürdigen Moral-Empfinden sind ja nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Aber abseits davon ist „Braunschlag 1986“ lustig, flott erzählt und gut gemacht, sodass man nicht viel meckern möchte.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 31. Mär 2026, 19:48
von jogiwan
Dirty Money - In Tödlicher Gefahr

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Die Ehe von Terry und Scott steht nicht mehr zum Besten, da die Finanzen aufgebraucht sind und letzterer dringend eine Knie-OP benötigt, für das das vorhandene Geld nicht reicht. Durch Zufall kommen die Beiden zu einer Karte, auf der das Versteck gestohlenen Geldes vermerkt ist, dass durch das Öffnen einer Kraftwerkschleuse jedoch nur für wenige Stunden zu bergen ist. Beim Versuch das Geld zu bergen, verunglückt Scott und ist in einem unterirdischen Loch gefangen, dass sich durch das Öffnen besagter Schleuse langsam mit Wasser füllt. Bei Terrys verzweifelten Versuch Hilfe für ihren Mann zu finden, landet sie jedoch ausgerechnet in den Armen eines entflohenen und gewaltbereiten Psychopathen, der die Frau kidnappt und auch keine Anstalten macht, diese wieder gehen zu lassen…

Nach dem spaßigen „Icebreaker“ der nächste Streifen von Regisseur David Giancola, der ebenfalls mit einer recht haarsträubenden Geschichte aufwarten darf. Hier gibt es Morgan Fairchild, die auf einen aus einer Anstalt entflohenen Psychopathen trifft, während ihr Mann in einer Lehmgruppe mit einem Patzen Geld auf Hilfe wartet und der Flusspegel steigt. Unter einem talentierten Regisseur hätte das durchaus spannend werden können, aber hier werden wie schon bei „Icebreaker“ seltsam anmutende Momente an seltsam anmutende Momente gereiht und ab und an wird es so abstrus, dass man sich wirklich fragen muss, wer Herrn Giancola seine Moralin-saure Geschichte überhaupt abkaufen soll. Mit Michael Paré und Morgan Fairchild hat man aber zwei durchaus zugkräftige Stars vergangener Jahrzehnte am Start und auch sonst ist „Dirty Money“ mit allerlei schrägen Ideen und einem turbulenten Finale auch immer unterhaltsam genug, sodass man mit viel Wohlwollen auch neunzig spaßige Minuten erleben darf, wenn man sich über das Gesehene nicht allzu viel Gedanken macht.