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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Do 11. Dez 2025, 20:20
von jogiwan
Todeloo

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Germaine arbeitet als Toilettenfrau in einem belgischen Bahnhof und wird neben der Unpünklichkeit der Bahn auch jeden Tag Zeuge von den großen und kleinen Bedürfnissen ihrer Kundschaft, die oftmals nur widerwillig die 50 Cent Gebühr bezahlen möchte. Eines Tages bekommt sie Besuch von einem Finanzbeamten, der ihr Steuerbetrug nachweisen möchte und ihr eine saftige Nachzahlung schickt. Doch auch Dealer, Drogensüchtige und Betrunkene machen ihr das Leben schwer und zu allem Überfluss ist auch noch ein Serienkiller unterwegs, der seine Leichenteile ebenfalls in Germaine Toilette entsorgen möchte. Wie so oft im Leben kommt natürlich alles zusammen, während die resolute Frau mit Wischmopp, Febreze-Spray und bestimmten Auftreten die Kontrolle und Sauberkeit bewahrt.
Belgien ist bekannt für Schokolade, Pommes und Bürokratie, aber weniger für ihren landestypischen Humor und gelungene Genre-Produktionen. Also nicht die besten Voraussetzungen für eine splättrige Komödie über eine Toilettenfrau, die uns in dem semi-amateurhaften Low-Budget-Werk „Todeloo“ von Regisseur Johan Vandewoestijne präsentiert werden. Die Geschichten rund um die Toilettenfrau Germaine sind ja recht episodenhaft gestaltet und auch der – haha – Toiletten-Humor ist jetzt nicht unbedingt so meins. Dazu gibt es vorhersehbare Ereignisse, Nonsens-Durchsagen und überzogene Aktionen und Figuren, die jetzt auch nicht sonderlich kreativ daherkommen. Sagen wir es so, „Todeloo“ ist jetzt kein sonderlich guter Film geworden und auch wenn es gegen Ende etwas blutiger wird, so ist der Großteil weder witzig, noch sonderlich interessant ausgefallen. Ich mag ja kleine Genre-Produktion und geben auch solchen Filmen gern eine Chance, aber „Todeloo“ ist doch eher ein – nochmals haha – ein kleiner Griff ins Klo, der doch ziemlich lahm und lieblos daherkommt und mich bis zum finalen Gag eher gelangweilt, als überzeugt hätte. Danke dennoch an meinen lieben Wichtel, der mir diesen mir bislang völlig unbekannten Film vermacht hat.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Sa 13. Dez 2025, 19:33
von jogiwan
Der Kontrakt des Zeichners

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Im Jahre 1694 kommt der talentierte, wie aufstrebende Maler Neville auf das Anwesen eines britischen Aristokraten, wo dieser ein Bild der Liegenschaft erstellen sein. Doch der arrogante Maler ist ablehnend und wenig begeistert, sodass die Frau des Besitzers einen Pakt mit ihm eingeht. Während der Abwesenheit des Mannes soll der Maler gegen Geld und sexuelle Gefälligkeiten 12 Zeichnungen mit unterschiedlichen Ansichten der Liegenschaft anfertigen. Neville willigt ein und zeichnet daraufhin minutiös durchgetaktet seine Bilder, bei denen er auch die Perspektive vorgibt und was darauf zu sehen sein darf. Doch bald tauchen an den verschiedenen Tagen auch Veränderungen auf und gesammelt ergeben die Bilder auch den Hinweis, dass etwas auf der Liegenschaft nicht mit rechten Dingen zugeht…
„Der Kontrakt des Zeichners“ gilt ja als Peter Greenaways bester Film und präsentiert sich der Zuschauerschaft als schön fotografiertes und hochgestochenes Rätsel. Die Ankunft des Malers auf einem wunderbaren Gut offenbart die zahlreichen Abgründe der vermeintlich feinen Gesellschaft und ehe sich der selbstverliebte Maler versieht, ist er auch schon mittendrin in einer Intrige aus Mord und Neid, in der er sich aber als neutraler und moralisch erhabener Beobachter wahrnimmt. Später wird eine Leiche gefunden und der Maler unsanft von seinem hohen Ross geholt. Dabei ist der Film aber nie so, wie man einen klassischen Kostüm- oder Kriminalfilm erwarten würde und wirkt irritierend, weil er mit klassischen Erzählstrukturen auch nicht viel am Hut hat. So ergibt sich der Kriminalfall eher nebenbei und während die musikalische Untermalung viel zu fröhlich erscheint, sind die Dialoge völlig hochtrabend und gestelzt. Dennoch ist „Der Kontrakt des Zeichners“ bei all seiner Abgehobenheit und Verschrobenheit ein wunderbar unterhaltsames Arthouse-Werk, auf das man sich als aufgeschlossener Zuschauer gerne einlassen mag. Auch wenn am Ende die eigentliche Lösung des Kriminalfalls versagt bleibt, so darf sich jeder Zuschauer selbst einen Reim auf Verdächtige und Motive machen. Schade, dass nach 108 Minuten schon wieder Schluss war. Elitär mit Augenzwinkern und so macht Arthouse auch Spaß!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: So 14. Dez 2025, 20:15
von jogiwan
Ein Z & zwei Nullen

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Die beiden Zoologen und Brüder Oswald und Oliver verlieren ihre beiden Gattinnen bei einem bizarren Autounfall mit einem verirrten Schwan. Daraufhin beginnen die Beiden in ihrer tiefen Trauer nicht nur die Abläufe des Lebens zu hinterfragen, sondern auch mit einem besonderen Interesse an Evolution und Verwesung, welches mittels Zeitraffer dokumentiert wird. Der Unfalllenkerin Alba, die zwar überlebt, aber ein Bein verloren hat, machen die beiden zuerst Vorwürfe, wenig später ist sie aber die Geliebte von Beiden und ebenfalls mittendrin in surrealen Ereignissen, die für alle Beteiligten zu keinem guten Ende führen wird…
Herrlich schräge Mischung aus surrealem Drama und schwarzhumoriger Groteske über zwei Brüder und einem zweifelhaften Interesse an Tod und Verwesung. Was in der Inhaltsangabe schon schräg klingt, wird unter der unvergleichlichen Regie von Peter Greenaway zur unterkühlten Reflektion über Leben, Tod, Liebe und ungesunder Obsession. Mancher mag „Ein Z & zwei Nullen“ ja für verkopft und intellektuell abgehoben halten, aber andererseits ist der Streifen aus dem Jahr 1985 auch schwer unterhaltsam, spannend, durchaus kontrovers und nicht immer schön anzuschauen. Die Protagonisten verhalten sich mehr als seltsam und auch die Ereignisse spitzen sich immer weiter zu, bis das Interesse am Themenkreis Leben und Tod immer ungesundere Züge annimmt. Dazu gibt es wunderbar komponierte Bilder, tolle Darsteller, Kunzst-Bezüge, Achtziger-Architektur und Interior und einen stimmigen Soundtrack von Michael Nyman, der mit seinen schönen Klängen im ständigen Kontrast zu den Bildern steht. Auch dieser Streifen wieder ein Gewinner!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mo 15. Dez 2025, 19:59
von jogiwan
Krabat

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Im Gegensatz zum Räuber Hotzenplotz und dem kleinen Gespenst war mir Otfried Preußlers „Krabat“ bis gestern nicht bekannt und irgendwie war ich doch etwas über die düstere Geschichte verwundert. In Erwartung eines eher herzlichen Films über einen Zauberlehrling, wurde ich doch einigermaßen überrascht, als es auf einmal um Unterdrückung, Fremdbestimmung und Tod ging. Wenig überraschend aber die Umsetzung von Karel Zemann, der die Geschichte mit wunderbaren Bildern auf die Leinwand bringt. Den Scherenschnitt-Stil und Kupferstich-Stil dieser tschechischen Animationswerke finde ich ja generell super und hier wird den Augen auch sehr geschmeichelt. Der Inhalt hingegen stimmt weniger froh und ist überraschend ernst, auch wenn sich am Ende alles positiv auflöst. Der Weg bis dahin ist schon mit Entbehrung, Schmerzen und Verlusten geprägt. Wenn man dann auf Wikipedia liest, dass Otfried Preußler die an eine Sage angelehnte Geschichte als Aufarbeitung seiner Jugend im Dritten Reich sah, dann wirkt das insgesamt schon nicht sonderlich stimmungserhellend, auch wenn die „Krabat“ zeigt, dass man die Hoffnung und den Glauben an das Gute im Menschen nicht aufgeben darf.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Di 16. Dez 2025, 19:21
von jogiwan
Surviving Life (Theory and Practise)

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Evzen ist seit Jahrzehnten mit seiner Frau verheiratet, hat einen langweiligen Job. einen routinierten Alltag und auch ansonsten scheint ihm sein Leben nicht viel Freude zu bereiten. Nachts träumt er jedoch immer wieder von einer hübschen Frau namens Evzenie im roten Kleid, mit der er zusammenkommt und wenig sogar verheiratet ist. Als er beginnt diesem Traum nachzujagen, um ihn immer und immer wieder zu erleben, landet er in der Praxis einer Psychoanalytikerin, die versucht, diesen Traum zu deuten. Doch Evzen will den Traum nicht gedeutet wissen, sondern ihn immer und immer wieder zu erleben. Als er im Lotto gewinnt kündigt er seinen Job und mietet sich eine Art Schlaf-Atelier, was jedoch auch seinem Umfeld nicht verborgen bleibt.
„Surviving Life“ wird ja im Prolog von Jan Svankmajer selbst als „psychoanalytische Komödie“ angekündigt, bei der es aber nicht viel zu lachen gibt. Außerdem wurde aufgrund budgetärer Gründe auf Animationstechniken zurückgegriffen, die man aus tschechischen Kinderfilmen vergangener Jahrzehnte kennt. Und mit beiden hat Svankmajer recht, wenn sich der Inhalt dieses Films als doch etwas seltsam entpuppt. Es geht um Träume und wie sie auf unser Leben wirken und für unseren Protagonisten bedeuten diese auch die Flucht vor dem tristen Alltag und die Aufarbeitung unterbewusster Erlebnisse, die damit verbunden sind. So sehr ich Svankmajers Arbeiten aber auch schätze, so richtig mochte „Surviving Life“ aber nicht bei mir zünden. Technisch ist er natürlich super gemacht und die Mischung aus Scherenschnitt-Animation und Spielfilmszenen ist zweifelsfrei toll gemacht, aber die Geschichte mit ihrer Mischung aus tristen Alltag und sonstigen Banalitäten fand ich doch etwas mau und nicht sonderlich prickelnd. Das wohl jeder irgendwie ungelöste Konflikte unterschiedlichster Ausprägungen in sich trägt und Träume ein probates Mittel sind, um diese für sein Seelenheil zu verarbeiten ist wohl die Essenz dieses surrealen Films, den ich auch gerne wesentlich toller finden würde, als ich es tatsächlich tat.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mi 17. Dez 2025, 19:17
von jogiwan
Private House of the SS Girls

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Bruno Matteis Version von „Salon Kitty“, der in allen Belangen recht überzeichnet und episodenhaft, aber auch nicht gerade großartig daherkommt. Damit man sich der unliebsamen und revoltierenden Führungsriege der Wehrmacht entledigen kann, wird ein Bordell eröffnet, in dem sich die Opfer recht redselig präsentieren und hinterher ermordet werden. Das passiert zweimal, ehe auch der Krieg verloren und der Leiter des Etablissements in Ungnade fällt. Die Figuren sind dabei so ungefähr das Gegenteil von nur ansatzweise sympathisch und vor allem Hauptdarsteller Gabriele Carrara und seine Grimassen bleiben dank völligen Overacting nachhaltig im Gedächtnis. Nackte Haut wird zwar geboten, aber auch das ist wenig erotisch, sondern hat auch eher einen gegenteiligen Effekt. Gar so schlecht wie manche hier, würde ich das sonderbare Treiben aber nicht beurteilen, weil ja auch andere Werke aus ja nicht anders funktionieren und der Verzicht auf sadistische Grausamkeiten und Schmodder muss man Bruno Mattei ja auch nicht negativ ankreiden. Filme aus der N-Ploitation-Ecke sollen und wollen ja auch keinen Spaß machen und dieses Ziel erfüllt der Film ja mit Bravour. Danke an meinem Wichtel für die deutsche DVD und die Auffrischung meiner Eindrücke!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Do 18. Dez 2025, 19:30
von jogiwan
Die Blutige Dame / Krvavá pani

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Einst war Lady Bathory eine von allen geschätzte und bescheidene Prinzessin, die von Menschen und Tieren gleichermaßen umworben und geliebt wurde. Als sie eines Tages im Regen die Orientierung verliert, krank wird und von einem Holzfäller gerettet wird, beschließt sie zum Dank ihm ihr Herz zu schenken. Daraufhin verändert sich jedoch das Wesen von Lady Bathory und zurück in ihrem Schloss, stößt sie ehemaligen Weggefährten vor den Kopf und entdeckt die verjüngende Kraft von menschlichem Blut. Aus der gutherzigen Prinzessin wird eine mordende Frau ohne Gewissen, während auch dem Holzfäller nicht verborgen bleibt, dass er und sein Geschenk dabei eine tragende Rolle spielen.
Der mir bislang unbekannte Viktor Kubal hat über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten dutzende kurze wie lange Animationswerke geschaffen, wobei „Die Blutige Lady“ und „The Story of the Higwayman“ seine bekanntesten Filme darstellen. Beide sind auf der amerikanischen Blu-Ray von Arbelos Film und laden nun zum Entdecken ein. Der Stil von Viktor Kubal ist ja eigentlich ziemlich naiv und einfach und seine Figuren werden mit wenigen Strichen und farbigen Flächen zum Leben erweckt. Die Geschichte beginnt auch recht lieblich, wenn sich die junge Lady Bathory mit Mensch und Tier gleichermaßen versteht und dabei surreal-fantastische Elemente gezeigt werden. Doch mit dem Verschenken ihres Herzens kippt die Szenerie und auch der Film wird auf einmal ziemlich düster. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass mich der ganze Film doch auch etwas irritiert hat, weil der naive Zeichenstil meines Erachtens auch im Widerspruch zum Inhalt steht und ich weiß auch einen Tag später noch immer nicht, was ich davon halten soll. Andererseits ist der dialogfreie Streifen mit seinem kurzen Voice-Over-Kommentar zu Beginn schon auch recht interessant, und zeigt recht eindrucksvoll, was seinerzeit so alles in Europa entstanden ist. Hierzulande scheint das Werk ja ohnehin völlig unbekannt zu sein und auch ich muss ehrlich gestehen, dass „Die Blutige Lady“ auch für mich eher ein Zufallsfund und Blindkauf gewesen ist. Schön, dass es so gekommen ist.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Fr 19. Dez 2025, 20:20
von jogiwan
Zbojník Jurko

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Die idealisierte und mit fantastischen Elementen behübschte Lebensgeschichte des slowakischen Volks-und Nationalhelden Juraj Janosik, der mit seinen Räuber-Kollegen in bester Robin Hood-Manier von den Reichen genommen und den Armen gegeben haben soll. Hier wird er als Kind von einer mystischen Figur in Obhut genommen, die ihn später auch am Tiefpunkt seines Lebens mit einem magischen Gürtel versieht, der ihm übermenschliche Kräfte verleiht. Diese nutzt er um die geknechtete Bevölkerung vom tyrannischen Herrscher und seiner Armee zu befreien, ehe eine Intrige seiner Macht ein Ende bereitet…
Nach dem ungewöhnlichen „The Bloody Lady“ ist nun auch der zweite und vorher entstandene Langfilm von Viktor Kubal im Player gelandet. Der hat zwar einen ähnlichen Stil, aber leider eine Geschichte irgendwo zwischen Folklore-Sage und reichlich verblendeter Helden-Verehrung, wie man sie leider schon zur Genüge kennt und eigentlich auch gar nicht mehr sehen mag. Juraj und sein magischer Gürtel ist wohl der „starke Mann“ den sich so viele wünschen und der die Mächtigen entmachtet und das Geld den Armen zurückgibt. Alles altbekannte Robin-Hood-Motive und abgesehen von den übermenschlichen Kräften gibt es in dem dialogfreien Werk, in dem aber brav gesungen wird, nicht viel Überraschungen zu entdecken. Außerhalb von der Slowakei stößt die Geschichte wohl auch auf weniger Interesse, sodass „Zbojnik Jurko“ auch außerhalb seines Kulturkreises wenig Verbreitung fand. Mit knapp 80 Minuten ist das Werk auch recht kurz, aber selbst da machen sich ein paar Längen bemerkbar. Unreflektierte Heldenverehrung ist auch nicht meine Baustelle und da hat mir „The Bloody Lady“ doch bedeutend besser gemundet.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mo 22. Dez 2025, 16:39
von jogiwan
Weapons

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jogiwan hat geschrieben: ↑Sa 15. Nov 2025, 07:49
Nun endlich den Hype-Film des Jahres gesehen, bei dem man gleichzeitig auch immer hört, dass er dem Hype ja dann doch wieder nicht gerecht wird. „Weapons“ beginnt ja mit einem Paukenschlag und berichtet vom spurlosen Verschwinden einer ganzen Schulklasse, die um Punkt 2:17 Uhr ihre Häuser verlassen haben und in die Dunkelheit verschwanden. Danach folgt man unterschiedlichen Personen und ihren Blickwinkeln auf das Geschehen, dass gleichzeitig wie die Lösung eines Puzzles aufbereitet wird. Man fühlt sich an Stephen King und auch an Sion Sono erinnert, wobei heimeliger Horror, atmosphärischer Grusel mit einer großen Portion Verrücktheit und Terror, aber auch Humor gemischt werden und immer wieder Dinge passieren, die den Zuschauer doch überraschen oder die man sich so nicht erwarten würde. Ich habe mich vorher bewusst nicht groß über den Inhalt informiert und werde daher auch an dieser Stelle nichts von den Ereignissen spoilern oder analysieren. Aber „Weapons“ ist schon ein guter Film und sicherlich einer der wenigen originellen Genre-Streifen der letzten Zeit, der vor allem auch noch schwer unterhaltsam ist.
Bei der Zweitsichtung fehlen zwar die Überraschungen, aber auch so funktioniert Zach Creggers Streifen recht gut. Irgendwie die beste Stephen-King-Verfilmung, die nicht von Stephen King ist
Heart Eyes

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Ein Serienkiller mit ungewöhnlichem Verhaltensmuster hält Amerika in Atem und der auf „Heart Eyes Killer“ getaufte Mörder ermordet jedes Jahr am Valentinstag gleich mehrere verliebte Pärchen, um dann wieder unerkannt unterzutauchen. Dummerweise gerät durch eine Verkettung von Zufällen auch die abgeklärte und von der Liebe enttäuschte Ally und ihr Geschäftspartner Jay ins Visier des Killers, obwohl die Beiden im Grunde nicht zusammen sind. Während es die Beiden im Gegensatz zu anderen schaffen, dem Killer zu entkommen, entsteht zwischen den beiden unterschiedlichen Menschen aber tatsächlich so etwas wie eine aufkeimende Liebesbeziehung, was die Beiden aber erneut ins Blickfeld des ominösen Killers rücken lässt, der auch ansonsten wenig Rücksicht auf Verluste nimmt…
Augenzwinkernder Slasher neuerer Ausprägung, der zwar ebenfalls den Valentinstag als Aufhänger hat, aber gleich gar nicht probiert „Blutiger Valentingstag“ den Rang abzulaufen. Viel mehr ist der durchaus blutige Streifen zwar prinzipiell ein Slasher im Stil von „Scream“ und seinen Ablegern, aber auch eine turbulente Liebeskomödie, die auch gezielt ein breiteres Publikum anspricht. Teilweise vermutet man sich als Genre-Fan wirklich im falschen Film, wäre dieser nicht durchaus blutig, rigoros überzeichnet und vor allem verdammt unterhaltsam. Die Figuren wirken zwar wie frisch aus der Klischeekiste, sind aber dennoch sympathisch und irgendwie macht das Treiben auch großen Spaß, wenn man es nicht zu ernst nimmt. Die Kills sind blutig, die Entwicklungen haarsträubend, die Ereignisse beim Autokino herrlich überdreht, die Auflösung doof und auch ansonsten passen Witz, Tempo und Gore in einer ausgewogenen Mischung, die vor allem viel Spaß bereitet „Blutiger Valentinstag“ ist zwar unangefochtene Nummer 1 in der Valentins-Slasher-Hitliste, aber „Heart Eyes“ kommt dann von mir aus gleich hinterher. Ein romantischer, herzerwärmender Pärchenfilm mit Herz, Schmodder und Serienkiller!
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Di 23. Dez 2025, 19:33
von jogiwan
Controlled - Bewahren Sie Ruhe

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Nick hat vor einigen Jahren den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen und besucht auf Wunsch seiner indischen Freundin Annji seine dysfunktionale Familie zu Weihnachten. Der Frieden hält auch nicht lange, da alte Konflikte aufbrechen und die Stimmung durch den rassistischen Großvater rasch ins Feindselige kippt. Als Nick daher mit Annji am nächsten Morgen das Haus verlassen möchte, ist diese mit einem seltsamen Metall umschlossen und alle Ausgänge verriegelt. Sein Vater vermutet rasch einen Angriff einer feindlichen Macht und als auch noch seltsame Instruktionen am Bildschirm des TV-Gerätes erscheinen, scheint sich die Vernunft endgültig verabschiedet zu haben und die Stimmung eskaliert zunehmend.
Britischer Horrorstreifen mit Weihnachtsthematik und einer unbekannten Invasion, die über eine zerstrittene Familie hereinbricht. Dabei krankt „Controlled – Bewahren Sie Ruhe“ einerseits an den furchtbaren Figuren und andererseits an den wenig nachvollziehbaren Handlungen, die sie vornehmen. Der Film möchte wohl britische Befindlichkeiten wie latenter Rassismus, Pflichtbewusstsein und Obrigkeitshörigkeit portraitieren, doch was sich hier vor den Augen des Zuschauers bietet, ist doch zunehmend nervig, wenn es vom brüchigen Weihnachtsfrieden bis zur absoluten Eskalation gerade mal ein paar Stunden dauert und sich fast alle Figuren in dem kammerspielartigen Sci-Fi-Paranoia-Drama total dämlich verhalten. Ich fand „Controlled“ ja bereits nach ein paar Minuten schon ziemlich daneben und das hat sich leider bis zum Ende nicht gewandelt. Technisch und darstellerisch geht das schon alles klar und bei den Effekten hat man sich auch nicht lumpen lassen, aber bei den Figuren gibt es sehr wenig Anknüpfungspunkte und etwas weniger Überzeichnung hätte dem Streifen sicher besser getan. Als 40minütige Episode im „Black Mirror“-Kosmos hätte ich das noch geschluckt, aber als 90minütiger Spielfilm war mir das dann ehrlich gesagt doch zu doof.