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Re: Wednesday [Serie] - Burton, Marhall, Monteiro [2022 - ]

Verfasst: Do 16. Okt 2025, 13:26
von Reinifilm
Blap hat geschrieben: Do 16. Okt 2025, 10:17 Staffel 3 ist offiziell bestätigt, ich freue mich darauf!
:thup:

Re: Wednesday [Serie] - Burton, Marhall, Monteiro [2022 - ]

Verfasst: Do 27. Nov 2025, 08:38
von buxtebrawler
„Wednesday“: Ehemaliges „Bond“-Girl als Morticias Schwester Ophelia engagiert
Neuverpflichtung für größere Rolle in Staffel 3

Die Netflix-Erfolgsserie „Wednesday“ hat einen weiteren Hollywood-Star an Land ziehen können: Eva Green wird in der dritten Staffel als Wednesdays (Jenna Ortega) Tante Ophelia zu sehen sein. Deren Auftreten war bereits in den letzten Szenen der zweiten Staffel angedeutet worden, wobei der Charakter damals nur von hinten zu sehen war.

Quelle und weitere Infos:
:arrow: https://www.fernsehserien.de/news/wedne ... -engagiert

Re: Wednesday [Serie] - Burton, Marhall, Monteiro [2022 - ]

Verfasst: Fr 16. Jan 2026, 16:03
von buxtebrawler
Wednesday
Staffel 1

„Deine versnobbte Gruftie-Art zog vielleicht in deiner normalen Schule – aber hier ist das anders.“

Der jüngste „Addams Family“-Spin-off, ursprünglich ein Comic-Strip in den 1930er-Jahren, erstverfilmt in den 1960ern als SitCom-Serie, ist die Serie „Wednesday“, deren erste Staffel im Jahre 2022 auf dem Video-on-Demand-Dienst Netflix zum Streaming bereitgestellt und zu einem großen Erfolg wurde. Die von Alfred Gough und Miles Millar entwickelte Serie spielt zeitlich in der Gegenwart und vereint in Staffel 1 in acht knapp einstündigen Episoden einen Mystery-Detektivkrimi mit Fantasy-Horror-Anleihen und typischen Teenie-Serie-Elementen. Niemand Geringerer als der auch als ausführender Produzent fungierende Tim Burton („Edward mit den Scherenhänden“) übernahm die Regie der ersten vier Episoden, Gandja Monteiro („Panic“) und James Marshall („The Shannara Chronicles“) inszenierten die übrigen vier.

„Du musst die neue Psychopathin hier sein!“

Die Gothic-Teenagerin Wednesday (Jenna Ortega, „Scream V“) ist ein Spross der morbide veranlagten Gruselfamilie Addams und besitzt übernatürliche Fähigkeiten. Nachdem sie das Schwimmbad ihrer Schule in ein blutiges Piranhabecken verwandelte, um ihren kleinen Bruder Pugsley (Isaac Ordonez, „Das Zeiträtsel“) zu verteidigen, wird sie an die Nevermore Academy für ähnliche Außenseiterinnen und Außenseiter in Jericho versetzt, die bereits ihre Eltern Morticia (Catherine Zeta-Jones, „High Fidelity“) und Gomez (Luis Guzmán, „Traffic – Macht des Kartells“) besuchten. Diese wird mittlerweile von Larissa Weems (Gwendoline Christie, „Star Wars: Das Erwachen der Macht“) geleitet. Während sie sich mit ihrer pubertierenden Zimmerkollegin Enid Sinclair (Emma Myers, „Girl in the Basement“), einer Kitsch- und bunte Farben liebenden Werwölfin in spe, herumplagt und ihren Platz im Schulgefüge zu finden versucht, wird sie mit einer Mordserie konfrontiert, die sie aufzuklären gewillt ist. Ihr zur Seite steht das eiskalte Händchen, das ihr ihre Eltern als Aufpasser entsandten.

„Irgendetwas stimmt mit diesem Ort nicht – und das nicht nur, weil es eine Schule ist.“

Wednesday führt als Off-Erzählerin durch die Episoden, was sich dadurch erklärt, dass sie ihre Erlebnisse als Roman-Manuskript aufschreibt – interessanterweise auf einer deutschen Schreibmaschine. Musik hört sie dazu per Grammophon. Diese Anachronismen sollen vermutlich ihr Gothic-Image unterstreichen. Ihren Bruder Pugsley lernt man zu Beginn kennen, als sie Rache an dessen Mobbern verübt, fortan wird er aber keine Rolle mehr spielen. Sie hat neuerdings so etwas Ähnliches wie das Shining, mit dem sie noch umzugehen lernt. An der Academy können sie manche nicht leiden und wollen ihr ans Leder, manche halten ihren Vater gar für einen Mörder – eine Nebenhandlung, die bereits in dieser Staffel aufgelöst werden wird.

„Die Pflanzen, die im Schatten wachsen, sind die interessanten.“

Vornehmlich geht es um ein wie Gollum aussehendes, „Hyde“ genanntes Monster, das einen Jungen am Ende der ersten Episode tötet, der jedoch in Episode 2 plötzlich wieder quicklebendig ist. Während Wednesday dahinterzukommen versucht, erfährt die Zuschauerschaft schon sehr bald, dass der vermeintliche Rowan (Calum Ross, „Kill“) lediglich die aktuelle Form eines Gestaltenwandlers ist. Die mehr oder weniger spannende Frage ist aber, was das alles soll. Freude bereiten Wednesdays antireligiöse Sprüche bei ihrer Begegnung mit Pilgern, die sie in der dritten Episode mit fundierten Aussagen zum Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern einmal mehr rundmacht. In einer ihrer Visionen sieht sie zudem einen weit in der Vergangenheit liegenden Massenmord durch christliche Fanatiker. Ein Mädchen konnte sich damals retten – eine ihrer Vorfahrinnen. Diese unter der derzeitigen US-Regierung ja als höchst politisch unkorrekt geltenden Stiche gegen Hurra-Patriotismus und gefährlichen evangelikalen Humbug wissen sehr zu gefallen.

Bald entwickelt sich auch eine Teenie-Serien-typische Romanze, denn Wednesday hat sich mit Sheriffsohn Tyler (Hunter Doohan, „Your Honor“) angefreundet, der sich in sie verknallt. In der vierten Episode führt sie ihren zum Web-Hype avancierten, an Siouxsie Sioux angelehnten Rabentanz auf. Episode 5 beginnt mit einer Rückblende ins Jahr 1990, zum vermeintlich von Gomez begangenen Mord, in den nun auch so richtig Bewegung kommt. In der darauffolgenden Episode geht’s in ein Gruselhaus und in Episode 7 taucht Onkel Fester (Fred Armisen, „Jay & Silent Bob Reboot“) auf. Wer das Monster ist, wird nun auch geklärt – jedoch noch nicht, wer es steuert. Dies bleibt dem Staffelfinale vorbehalten, in dem ein Überpilger alle Außenseiter ausrotten will, was unschwer als politische Parabel zu verstehen ist. Das Ende avisiert bereits die Fortsetzung.

Wie die klassische TV-Serie und die Spielfilme aus dem 1990ern bricht auch „Wednesday“ eine Lanze sowohl für Andersartigkeit als auch für das Makabre, legt es aber weniger darauf an, das Spießbürgertum mit all seinen Marotten zu veralbern – wenngleich die Nicht-Außenseiter hier Normies heißen, was wiederum vielmehr an die Muggles aus dem Harry-Potter-Universum erinnert. Größere Teile der Handlung (wie auch Potters Hogwarts-Schule) scheinen wiederum Parallelen zu Tim Burtons (von mir noch ungesehenem) „Insel der besonderen Kinder“ aufzuweisen, der wiederum auf den Romanen Ransom Riggs‘ beruht. Die Originalität dieser Serie ist demnach zumindest mit einem Fragezeichen zu versehen.

So süß anzusehen Ortega als Teenie-Gruftie auch ist: Dass Wednesday quasi eine Alleskönnerin ist, mag für kleine Mädchen ein ähnliches Faszinations- und Identifikationspotential wie einst Superman für kleine Jungen aufweisen, ist als erwachsener Zuschauer aber etwas schwer zu akzeptieren. Und darüber hinaus ist die Gute auch noch überaus schlagfertig, intelligent, belesen und selbstbewusst, daraus resultierend leider auch zuweilen recht unangenehm arrogant. Wednesday blinzelt nie, verfügt stets über denselben stoischen Gesichtsausdruck (erst als Blut durch die Sprinkleranlage beim Rabentanzball gejagt wird, huscht ihr tatsächlich mal ein Lächeln übers Gesicht) und den immer gleichen abgeklärt-gelangweilten Tonfall. Da sie auch als Voice-over-Erzählerin fungiert, ist ihr Geplapper permanent zu hören, was irgendwann zu nerven beginnt.

Die Handlung eröffnet ständig Nebenschauplätze und -handlungen, bis die Übersicht flöten geht, und wird dabei immer egaler, denn wird jemand tatsächlich einmal schwer verwundet, wird er mir nichts, dir nichts magisch geheilt. Das wiegt umso schwerer, als „Wednesday“ seinem Mystery-Whodunit? zum Trotz eine ohnehin sehr artifiziell anmutende Teenie-Serie (inklusive oberflächlich abgehandelten Teenie-Problemen und -Problemchen) ist, in die wirklich einzusteigen mir schwerfiel. Christina Ricci, die grandiose Wednesday aus den Kinofilmen, ist als Lehrerin Marilyn Thornhill mit von der Partie, leider jedoch bis zur Unkenntlichkeit maskiert und chargierend, damit ziemlich verschenkt.

Positiv verbuchen kann die Serie das junge Schauspielensemble inklusive Emma Myers als zuckersüßer Werwölfin, die einen tollen Kontrast zu Wednesdays Gothic-Schick bildet und vielleicht die Entdeckung der Serie ist. Äußerst sympathisch ist zudem die Grundausrichtung der Serie, ihre Glorifizierung des Außenseitertums und ihr Plädoyer für gegenseitige Akzeptanz und Zusammenhalt, insbesondere in Krisensituationen. Wenn das Jungvolk also so etwas auf Netflix bingt, die hektische und sprunghafte Handlung goutiert und sich eventuell gar positiv beeinflussen lässt, bin ich der letzte, der etwas dagegen hätte.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass meine bessere Hälfte wesentlich mehr Spaß mit „Wednesday“ zu haben schien als ich. Was weiß also ich schon...