bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

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buxtebrawler
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Rollerball

„Was willst du mit Büchern?“

Die US-Sportaction-Dystopie „Rollerball“ aus dem Jahre 1975 basiert auf einer Kurzgeschichte William Harrisons, der auch das Drehbuch zu diesem von Norman Jewison („In der Hitze der Nacht“) inszenierten Film verfasste.

„Es spielt keine Rolle, was du willst!“

Wir schreiben das Jahr 2018: Es gibt keine Staaten und keine Parteien mehr, stattdessen haben sich globale Konzerne die Welt untereinander aufgeteilt und stehen auch nicht mehr in Konkurrenz zueinander. Dem Volk geben sie Brot und Spiele, letzteres in Form des Rollerball-Sports, der sich aus Elementen aus Hockey mit schwerer Metallkugel, Rollschuhlauf und Motorradrennen zusammensetzt – ein Sport, der regelmäßig schwere Verletzungen bis hin zu Toten fordert. Zudem herrschen die Konzerne über das Wissen der Menschheit, das zentralisiert und in ihrem Sinne bereinigt wurde. All dies funktioniert auch deshalb prächtig, weil die Menschen zwangskollektiviert und jeglicher Individualität beraubt wurden. Damit einher geht, dass sich auch im Sport keine Idole und Stars herausbilden, sondern die Spieler als ebenso entindividualisiert und austauschbar gelten. Eine Ausnahme bildet Jonathan E. (James Caan, „Der Pate“) aus dem Houstoner Team, der zu einem der erfolgreichsten und langjährigsten Rollerball-Spieler avancierte und auf entsprechende Publikumsreaktionen stößt, was den Mächtigen ein Dorn im Auge ist. Konzernchef Bartholomew (John Houseman, „Die 3 Tage des Condor“) fordert ihn daher zum Rücktritt auf, dem sich Jonathan jedoch verweigert. Auf die Obrigkeit ist er ohnehin nicht sonderlich gut zu sprechen, seit man ihm seine Frau wegnahm. Bartholomews Gesuch bringt ihn erst recht dazu, die Verhältnisse infrage zu stellen und Nachforschungen anzustellen, die ihm nach und nach die Augen öffnen. Um Jonathan doch noch loszuwerden, ändert man die Regeln des Sports, um ihn zu zermürben oder gar zu töten…

Worauf die USA derzeit hinarbeiten, ist in „Rollerball“ bereits abgeschlossen. Jewison beginnt seinen Film mit einem fast in Echtzeit ablaufenden Rollerball-Match, in das viel inszenatorische Finesse gelegt wird. Eine Duschszene zeigt uns die Spieler ohne ihre martialischen Rüstungen (und auch ohne alles andere), bevor sich die eigentliche Handlung entfaltet. Deren langsames Erzähltempo steht im Kontrast zu den rasanten Sportszenen, die in einem brutalen, aber mitreißenden Spiel gegen Tokio wiederaufgenommen werden. Natürlich ist auch Finalspiel wirklich heftig, zwischen den Partien herrscht aber vornehmlich lahmes Drama vor.

Das ist unverständlich, denn mit seiner Prämisse bietet der Film eigentlich mehr als genug Ansätze, seine Dystopie mit einem gewissen Tiefgang zu erzählen. Das bestehende System wird jedoch mehr behauptet als gezeigt, und auch Jonathans reizvolle Hintergrundgeschichte verharrt in vielen Andeutungen, nichts wird emotional ausgekostet. „Rollerball“ verspielt viel Potential. Dass es ihm in seiner Ausrichtung um (von den Konzernen garantierten) Wohlstand und individuelle Freiheit als entgegengesetzte Pole geht, lässt er immerhin durchblicken und macht damit deutlich, dass er vor der Gefahr durch Zwangskollektivierung warnt statt durch Solidarität untergrabenden Hyperindividualismus. Wohlstand und Individualismus als Widerspruch zu definieren, ist natürlich Teil der autoritären Konzernpropaganda; wie gut (vermeintlicher) Individualismus Herrschenden im Kapitalismus in die Hände spielen kann, sollte die Realpolitik vermutlich erst ein paar Jahre später unter Beweis stellen.

Doch zurück zum Film: Dieser wurde interessanterweise zu großen Teilen in München gedreht, nämlich in der 1972 für Olympia errichteten Rudi-Sedlmayer-Halle und zumindest für Außenszene an der BMW-Konzernzentrale und dem BMW-Museum. Für die musikalische Untermalung wählte man hauptsächlich klassische Musik, die überraschend stimmig ausfällt und dem Film einen großen Teil seiner Atmosphäre sichert. Schauspielerisch hat inszenierungsbedingt kaum jemand die Gelegenheit, besonders hervorzustechen, im Mittelpunkt steht quasi durchgehend James Caan. Mit dem Gefühl, dass etwas fehlt, erinnert mich „Rollerball“ ein wenig an „Soylent Green“, mit seiner Schwerpunktsetzung auf die Inszenierung des eigentlich kritisierten Sports an „Running Man“, mit seiner Autoritäts- und Totalitarismuskritik aber natürlich auch positiv an „1984“ und Konsorten.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Ready Player One

„Zieht das Leben dich runter?“

Nach „Die Verlegerin“ verfilmte US-Blockbuster-Regisseur Steven Spielberg („E.T. – Der Außerirdische“) Ernest Clines dystopischen Science-Fiction-Roman „Ready Player One“, der voller popkultureller Referenzen steckt und zum Bestseller avancierte. Cline hat zusammen mit Zak Penn seinen eigenen Roman zum Drehbuch für Spielbergs mit 140 Minuten überlange Verfilmung adaptiert, die im Jahre 2018 als 3D-Film in die Kinos kam und sich in einigen Punkten recht stark von der literarischen Vorlage unterscheidet.

„Scheiße, das ist Chucky!“

Im Jahre 2045 hat die Menschheit es geschafft, ihre irdische Heimat derart zu zerstören und soziale Zerwürfnisse zu produzieren, dass die Menschen größtenteils in eine virtuelle Online-Alternative zur Realität fliehen, in ein Netzwerk namens OASIS. Man gibt sich Pseudonyme und Avatare und verbringt dort seine Freizeit, entwickelt Freund- und Feindschaften und erlebt Abenteuer. Erschaffen wurde OASIS vom vor fünf Jahren verstorbenen Nerd James Halliday (Mark Rylance, „Intimacy“), der ein Easter Egg implementierte: Wem es gelingt, drei virtuelle Schlüssel zu finden, erbt OASIS. Dessen Nutzerinnen und Nutzer verbünden sich zu Clans oder suchen auf eigene Faust nach jenen verheißungsvollen Items. Einer von ihnen ist der in einem Trailerpark in Columbus, Ohio lebende Waisenjunge Wade Watts (Tye Sheridan, „Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse“), der sich in OASIS Parzival nennt, und mit seinen Freunden Art3mis (Olivia Cooke, „Vollblüter“) und Aech (Lena Waithe, „Master of None“) OASIS erkundet. Als es Wade tatsächlich gelingt, des ersten Schlüssels habhaft zu werden, schreckt er große Teile des Netzwerks auf, unter anderem die finstere Organisation IOI um den skrupellosen Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn, „Das Jahr meiner ersten Liebe“), die aus unlauterem Interesse nach der Macht über die virtuelle Realität strebt. Und IOI ist durchaus bereit, kurzen Prozess mit ihrer Konkurrenz zu machen – nicht nur virtuell…

„Jeder, der gewinnt, verliert...“

Ich habe Clines 2011 erschienenes Buch nie gelesen, aber es scheint im Literatursegment zu den herausregenden Vertretern der Retrowelle zu gehören, zugleich aber weit mehr als das, nämlich eine dystopische Warnung vor einer alles andere als weit entfernt scheinenden Zukunft zu sein. Als Kinofilm sei letzteres etwas abgeschwächt worden, heißt es, der Film sei auch weit weniger düster als der Roman, das Protagonisten-Figurenensemble sei anders und die Handlung weiche mal mehr, mal weniger ab. Nun gut.

„Die Realität ist das Einzige, was real ist.“

Wir finden eine Postapokalypse light vor, light im Sinne einer (noch) nicht beinahe ausgerotteten Menschheit, auch wenn vieles andere längst komplett im Dutt ist. Wade alias Parzival erläutert zu Beginn die Hintergründe aus dem Off. So viel zur filmischen Realität. OASIS hingegen steht für den totalen Eskapismus, die Fluchtmöglichkeit aus der realen Welt. Und in dieser spielt der Film hauptsächlich. Durch den CGI-Einsatz in der Kino-Neuzeit sahen Filme immer mehr aus wie Videospiele; „Ready Player One“ ist quasi die Endstufe dieses Phänomens, ernennt es gar zu seiner Prämisse. Und das macht es tatsächlich leichter, es zu akzeptieren. Eine nicht ungefähre Rolle spielt dabei sicherlich auch, dass der Film dabei wahrlich fantastisch aussieht. Was Zuckerberg mit seinem Metaverse vorschwebt, ist im Jahre 2045 Normalität geworden, de facto auch eine Art Allmacht böser, skrupelloser Techkonzerne, die sich eben nur noch nicht OASIS, dessen Entwickler leicht komödiantisch karikiert wird, einverleiben konnten. Doch auch nerd’sche Allmachtsfantasien verarbeitet der Film, zumal es bei der Suche nach dem Easter Egg ja nun auch nicht darum geht, OASIS zu vergesellschaftlichen.

Auch der Handlung geht es um etwas anderes. Da wäre zum einen die Avatar-Romanze, eine zunächst rein virtuelle Liebelei, die wie so vieles in diesem Film handfester werden wird – denn auch die Gefahr verlagert sich aufgrund von zu hoher Datenfreigiebigkeit vom Netz in die Realität –, zum anderen ein popkultureller Referenzen- und Zitate-Overkill, der damit begründet und gerechtfertigt wird, dass sich durch die Auseinandersetzung mit Hallidays Interessen und Sozialisation die Schlüssel finden lassen, der durch Spielbergs Regie gar eine selbstreferenzielle Ebene erhält und der nicht zuletzt als von der Handlung losgelöst funktionierender Nostalgie-Trip durch vor allem Kino und Videospiele von den 1970ern bis in die 1990er-Jahre und in Teilen sogar darüber hinaus funktioniert – womit dieser Film auch gut zum ‘80er-Rollback-Trend passte.

Das Besondere aber: „Ready Player One“ funktioniert auch umgekehrt, also losgelöst von aller Nostalgie, theoretisch selbst wenn man (wie vielleicht der/die eine oder andere ganz junge Zuschauer/in) keine einzige Referenz erkennt und keines der Zitate zuordnen kann. Das spricht für den Stoff und für Spielbergs Regie, wenngleich diese einmal mehr nicht frei von Kitsch und Pathos ist. Ähnlich wie man in einem Adventure-Spiel nicht alle Anspielungen wahrnehmen oder begreifen muss, fesselt „Ready Player One“ über seine volle Laufzeit, macht Spaß und hält mit Überraschungen – beispielsweise jener angenehm progressiven Idee, dass sich Wades Online-Kumpel Aech im wahren Leben als Mädchen entpuppt – bei der Stange. Seine Kritik an der in dieser nahen Zukunft weitestgehend abgeschlossenen Entwicklung wechselt zwischen Plakativität und Subtext. Vieles ist eindeutig zu sehen und somit klar; wie genau es dazu kommen konnte und welche antidemokratischen und wenig humanistischen Verwerfungen damit einhergingen, findet sich angesichts all des Spektakels eher zwischen den Zeilen, bildet aber zugleich das Fundament des Films.

Diese Gewichtung zugunsten eines knallbunten Science-Fiction-Abenteuer mit all seinen Schauwerten mag nicht jedem schmecken, zählt aber zum Konzept dieses Films. Eine zugleich futuristische und nostalgische Blockbuster-Dystopie eben, die Vergangenes hegt und pflegt und (leider vergebens) davor warnt, falsch abzubiegen, ohne die virtuellen Verlockungen kleinzureden. Alle popkulturellen Bezüge aufzulisten, würde den Rahmen sprengen, daher hier nur jene, die mir besonders positiv aufgefallen sind: „Zemeckis‘ Zauberwürfel“, der die Zeit um 60 Sekunden zurückdreht, eine ganze „Shining“-Zitatesequenz sowie die Erwähnung das Paradoxons, dass Stephen King Kubricks Verfilmung nicht leiden kann, die Vermittlung von Wissen zur Atari-2600-Spielkonsole, eine schöne Anspielung auf die absurde Comicregel, dass niemand Superman erkennt, wenn er sich eine Brille aufsetzt und einen Anzug anzieht, eine an „Tron“ erinnernde Szene und nicht zuletzt die Ehrerbietung an „Adventure“-Programmierer Warren Robinett, der das erste Easter Egg in einem Videospiel versteckte. Schade nur, dass „Masters of the Universe“ überhaupt nicht vorkommen.

Das Ende ist ziemlich dick aufgetragen, Spielberg eben, und insgesamt wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen, denn in dieser Form rauscht doch vieles an einem vorbei. Dennoch finden sich ruhige, emotionale Momente und durchaus auch Tiefgang in „Ready Player One“, sodass der positive Eindruck bei Weitem überwiegt.
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Haunter – Jenseits des Todes

„Hör auf, Türen zu öffnen, die geschlossen bleiben sollten!“

Mit dem kleinen, französisch-kanadisch koproduzierten Mystery-Thriller „Haunter – Jenseits des Todes“, die US-Regisseur Vincenzo Natali („Cube“) inszenierte, integrierte man im Veröffentlichungsjahr 2013 die 1980er geschmackvoll in ein Zeitschleifensujet und gab damit einen Vorgeschmack auf den kurz darauf um sich greifenden Retro-Filmtrend.

Die Teenagerin Lisa (Abigail Breslin, „Little Miss Sunshine“) sieht sich in einer Zeitschleife gefangen: Sie erlebt ein und denselben Tag des Jahres 1985 im Haus ihrer Familie täglich aufs Neue, ist aber die Einzige in ihrer Familie, die dies bemerkt. Mutter Carol (Michelle Nolden, „RED - Älter. Härter. Besser.“) und Vater Bruce (Peter Outerbridge, „Land of the Dead“) sowie Bruder Robbie (Peter DaCunha, „Jersey Devil“) gehen den immergleichen, wenig aufregenden Tätigkeiten nach, wobei mit Edgar (David Knoll, „The Strain“) Robbies imaginären Freund mit am Esstisch sitzt. Damit nicht genug: Sobald Lisa für sich allein ist, wird sie Zeugin gruseliger Phänomene. Mit einem Oiuja-Brett versucht sie einer möglichen Spur nachzugehen, und tatsächlich ändert sich plötzlich der gewohnte Ablauf – und jemand nimmt Kontakt zu ihr auf…

Das nebelverhangene Haus riecht bereits optisch zehn Meter gegen den Wind nach haunted, während Postpunk-Fan Lisa in ihrem Siouxsie-and-The-Banshees-Pulli im Hausinnern erst unter den ständigen Wiederholungen und schließlich den unheimlichen Erscheinungen leidet. Diese fallen wohlig-gruselig aus, Jumpscares sind die Ausnahme. Ich hoffe, dass ich nicht zu viel vorweggreife, wenn ich eine inhaltliche Nähe nicht nur zu „Und täglich grüßt das Murmeltier“, sondern auch zu „The Others“ attestiere. Letztere wird variiert und ergänzt um diverse Bekanntschaften, die Lisa nach und nach macht (und den Murmeltier-Aspekt zurückdrängen), einen Identitätswechsel und die Einführung einer neuen, zukünftigen Zeitebene. Lisa kommt einer Mordserie auf die Spur und wird sich schließlich ihrer Aufgabe in diesem unheimlichen Spiel bewusst, die alles andere als leicht zu erfüllen ist.

Die Populärkultur des Jahres 1985 äußert sich in Form eines The-Smiths-Plakats sowie durch Pacman, Walkie Talkies, die bereits genannte Postpunk-Ikone Siouxsie, den unvermeidlichen Zauberwürfel, die TV-Serie „Mord ist ihr Hobby“, Ronald Reagan, Joy Division, The Cure und, äh, Peter und der Wolf, das sich auch im Soundtrack wiederfindet. Nettes Detail: Lisas Familie besitzt einen Beta- anstelle eines VHS-Rekorders. Wer jene Dekade miterlebt hat, dürfte (trotz Reagan) nostalgische Gefühle entwickeln.

Atmosphärisch punktet „Haunter“ hauptsächlich mit einer mal mehr, mal weniger stark betonten und ausgespielten Melancholie, angereichert mit sanften Schauern und geheimnisvoller Spannung. Unterm Strich ergibt das eine schön durchdachte und konstruierte Variation des Zeitschleifenthemas, die sich mit Haunted-House-Charakteristika zu einem großen Puzzle zusammensetzt, zu dem auch Stephen McHattie („Watchmen“) und Eleanor Zichy („Skins“) ihr schauspielerisches Scherflein beitragen. Mit Abigail Breslin konnte man eine tolle Hauptdarstellerin gewinnen, die ihre Rolle prima meistert. Für Natali-Verhältnisse – der Regisseur ist eher für originelle Stoffe bekannt – ist „Haunter“ allerdings beinahe nicht mehr als gut gemachte Konfektionsware. Die Verquickung von ‘80er-Rollback, Zeitschleife und Haunted House ist vermutlich das einzig wirklich Neue, aber da ich alle drei Sujets mag, gefällt mir auch dieser Film gut.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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