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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: So 6. Dez 2015, 20:03
von jogiwan
Morbid
Nach einem mysteriösen Fall von zwei Toten geht die örtliche Polizei der beschaulichen Kleinstadt von Grundy von einem Doppelselbstmord aus und konzentriert sich die wie der Rest der Bewohner auch lieber wieder auf den jährlichen Vergnügungsmarkt und das gute Ergebnis des Spiels der örtlichen High School Football Mannschaft. In Wirklichkeit schleicht jedoch ein maskierter Mörder in der Stadt herum, der es mit allerlei Mordwerkzeug vor allem auf Jugendliche abgesehen hat. Unbarmherzig mordet der mysteriöse Killer durch die Straßen der Stadt um letzten Endes bei der Party des örtlichen Star-Quarterbacks zu landen, um dort auch erst so richtig aufzudrehen…
Neben seinem blutig-bunten Cover versucht auch der Covertext den 2013 gedrehten Streifen in Richtung Slasher-Hommage vergangener Jahrzehnte zu drücken. Leider bleibt es jedoch nur bei dem Versuch und das No-Budget-Werk von Chuck Conry ist trotz passabler Benotung auf der IMDB in allen Belangen so unterdurchschnittlich ausgefallen, dass der Streifen sich selbst mit einer Laufzeit von knapp 75 Minuten zur absoluten Geduldsprobe herausstellt. „Morbid“ ist in allen Belangen immer auf die denkbar ungünstigste Weise mies und nervt den Zuschauer neben seiner unausgegorenen Geschichte mit furchtbaren Darstellern, miesen Dialogen und ein paar ultrabillig getricksten Schmoddermomenten. In den ersten Minuten dachte ich ja noch an ein sympathisches Werk von und für Film-Nerds und der Auftakt geht ja noch, aber was danach folgt spottet jeglicher Beschreibung und Regisseur Chuck Conry fehlt nicht nur jegliches Gespür für Dialoge, Tempo und Spannung, sowie alles weitere, dass ein Filmemacher eigentlich besitzen sollte, sondern er macht auch falsch, was man nur falsch machen kann. Jedes weitere Wort für diesen Mist ist auch eines zu viel und ich kann mir nicht vorstellen, dass abseits der Beteiligten irgendjemand Spaß an diesem ultramiesen Werk finden könnte.
Aerobicide
Valerie ist ein junges Fitness-Model mit einer großartigen Karriere vor sich, die eines Tages durch ein unsachgemäß gewartetes Solarium in einem Fitness-Center ein jähes Ende findet. Jahre später wird das Fitnesscenter, in dem das tragische Unglück passierte von einer mysteriösen Mordserie eingeholt und ein Killer ermordet die hübsche, wie sportliche Kundschaft der resoluten Besitzerin und Aerobic-Lehrerin Rhonda. Diese ist wenig erfreut, dass sich neben dem Killer auch bald ein nicht minder energischer Polizist in ihren Sporthallen herumtreibt und seine Nase in allerlei ungelöste Konflikte zwischen Belegschaft und Kunden steckt, während auch der Killer unvermittelt an seinem Treiben festhält.
Lustig-trashige Mischung aus Musik-, Tanz- und Slasher-Film mit einem sportlichen Cast und einem fleißigen Killer, der die Kunden eines Fitnessclubs auf drastische Weise dezimiert. David A. Prior legt das Augenmerk ja neben drastischen Morden auch brav auf die damalige Trendsportart Aerobic und lässt seinen Cast in knappen Lycra-Outfit ganz ordentlich für die jeweilige Gage abzappeln. Alles in dem schwer unterhaltsamen Streifen ist größtmöglich Achtziger-Kiste, die Klamotten und Frisuren dementsprechend ausgefallen und auch die flotte Musik peitscht stets nach Vorne, während man sich als Zuschauer bald vor Tatverdächtigen und Opfern fast nicht mehr retten kann. „Aerobicide“ ist mit seinem erhöhten Tanzanteil zweifelsfrei kein Streifen für Slasher-Puristen, aber meinen Geschmack hat der leider kürzlich verstorbene Regisseur David A. Prior mit der unkonventionellen Mischung ja perfekt getroffen und auch die Auflösung der spaßigen Sause ist überraschend solide ausgefallen. Wer „Flashdance“ und Fulcis „Murder Rock“ mag wird das „Killer Workout“ lieben und der Streifen rockt jedenfalls ganz ordentlich die Hütte und eignet sich wohl perfekt als Höhepunkt für jede 80er-Retro-Party mit viel Cola-Rum und Blue Curacao.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Di 8. Dez 2015, 20:01
von jogiwan
Scary Movie 2
Den ersten Teil von „Scary Movie“ finde ich als Slasher-Fan ja eigentlich schon sehr lustig, auch wenn er im Grunde dreist Wes Cravens „Scream“ nacherzählt und sich der Einfachheit halber an dessen Potential bedient. In Teil 2 hingegen ist die Unfähigkeit der Wayans-Brüder eine eigene Geschichte zu erzählen sehr offensichtlich und der rasch heruntergekurbelte Nachfolger bietet nicht nur wenig bzw. eine dämliche Handlung die sich plump an allerlei Klassikern vergreift, sondern vor allem viel unsäglichen Fäkal-Humor aus der untersten Schublade und sonstige maue Gags und Spoofs, die allesamt nicht so richtig zünden wollen. „Scary Movie 2“ ist dann leider für den Genre-Fan auch eine ziemlich unbefriedigende Sache, der das Blut und den Horror seines Vorgängers durch eklige Körperausscheidungsmomente vertauscht und mit seiner sehr simplen Herangehensweise den Weg für Dutzende Spoof-Movies ebnete, die sich alle am gleichen Gerüst bedienen um beim Komödienpublikum ein paar Dollars abzustauben. Dass der Nachfolger ziemlich mies ist, hab ich ja schon im Vorfeld gewusst, aber meine ohnehin schon sehr niedrige Erwartung nochmals zu unterbieten ist auch nicht schlecht. Leider mies!
American Horror Story: Freak Show [Serie]
Nach dem großen Staffelfinale von „Freak Show“ bleibt doch ein etwas mittelprächtiger Gesamteindruck zurück und gleich vorweg: so unterhaltsam wie „Coven“ ist die vierte, neuerlich in sich abgeschlossene Staffel trotz interessanter Ausgangslage nicht gelungen. Irgendwie seltsam, dass die an Ted Brownings „Freaks“ angelegte Geschichte vom menschlichen Kuriositäten-Kabinett nicht besser zündet, aber meines Erachtens wurde extrem viel Potential nicht genutzt, während im Verlauf der letzen Sendungen immer neue Leute mit noch tiefgreifenderen Problemen aus dem Ärmel geschüttelt, als die eigentlichen Hauptattraktion, die Freaks näher zu beleuchten. Während Ted Browning ihnen eine Seele und ein Leben gegeben hat, bleiben diese im Falle von „American Horror Story“ seltsam blass, während die sogenannten „Normalos“ ihre Exzentrik bis zum Anschlag zelebrieren. Einige der zahlreichen Handlungsstränge wirken bemüht und etwas überflüssig, die Geschichte findet meines Erachtens kein rundes Ende und man merkt schon deutlich, wie sehr versucht wird, das Ganze mit bekannten Gesichtern und Stars in die dramatische Ecke zu drücken. Im Vergleich zu „Coven“ ist „Freak Show“ trotz hübscher Ausstattung auch wieder ein Schritt zurück und pendelt sich irgendwo auf den eher durchschnittlichen Niveau von „Asylum“ ein, das sich zwar gut gucken lässt, aber doch auch etwas hinter meinen Erwartungen zurückbleibt.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mi 9. Dez 2015, 18:59
von jogiwan
Scary Movie 3
Cindy Campbell ist mittlerweile als Nachrichtenjournalistin unterwegs und immer auf der Suche nach einer guten Story. Durch ihre Freundin wird sie auf ein Video aufmerksam, dass Leuten den Tod bringen soll und tatsächlich ist besagte Freundin wenig später tot und auch Cindy erhält einen Anruf, dass sie nur noch sieben Tage zu leben hat. Als sie daraufhin die Hintergründe des verstörenden Videos recherchiert wird sie auch auf einen Farmer aufmerksam, der vermutet, dass eine Alien-Invasion kurz bevorsteht und die Menschheit ins totale Chaos stürzen wird. Als sich auch noch der Präsident der Vereinigten Staaten ins Geschehen mischt, ist das aber schon weit früher der Fall und gemeinsam versucht man hinter die Geheimnisse des Clips zu kommen und auch noch vermeintlich feindliche Aliens abzuwehren…
Nach dem Totalausfall von Teil 2 geht der dritte Aufguss wieder in die richtige Richtung und präsentiert unter der Regie von Komödien-Urgestein David Zucker eine lustige Persiflage auf die Mystery-Filme seiner Entstehungszeit in der sich alle Beteiligten auch redlich Mühe geben, dass man die Gag-Revue auch nicht sonderlich ernstnehmen muss. Die unterhaltsame, aber auch etwas harmlose Geschichte, die sich bei „The Ring“ und Filmen aus dem M- Night Shyamalan-Kosmos orientiert, hält alles gut zusammen und macht auch Spaß, selbst wenn man nicht alle persiflierten Filme kennt. Neben zahlreichen bekannten Gesichtern gibt es auch haufenweise Cameos von Hip-Hop-Stars, die dann auch gleich gnadenlos verheizt werden und selbst Leslie Nielson schaut als Präsident kurz vorbei um am Ende für Ordnung im Chaos zu sorgen. Alles in allem anspruchslose, aber zweifelsfrei sehr unterhaltsame Komödienware, die überraschend gut funktioniert und sich – wenn man einen Hang zu derartigem Blödsinn hat – auch ganz gut gucken lässt.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Do 10. Dez 2015, 20:05
von jogiwan
Schrottwichtel-Filmabend: April, April - Tote scherzen nicht
„April, April – Tote scherzen nicht“ ist ja einer der Filme, den kaum einer hier zu kennen scheint und der auch auf der OFDB in seinen wenigen Reviews sehr, sehr schlecht weg kommt. Für das Werk der „Butcher Brothers“ scheint sich ja weder die Teenie-Slasher, noch die Trash-Fraktion, noch sonst jemand besonders erwärmen zu können und dabei ist der überraschenderweise gar nicht mal so übel und als netter Auftakt meiner Schrottwichtel-Filmabende des heurigen Jahres. Was als Remake des Slashers „Die Horror-Party“ angekündigt wird, hat mit der Vorlage aber nur sehr entfernt etwas zu tun und präsentiert sich als etwas durchschnittliches, aber doch gut guckbares Slasher-Filmchen aus den Nuller-Jahren, dass vor allem durch seinen speziellen und fast schon originellen Look aus der Masse vergleichbarer Werke heraussticht. Die weiblichen Darsteller sehen in der Tat teils extrem künstlich aus und auch die Settings des Streifens wirken so seelenlos und steril wie aus einer 80er-Soap über reiche Schnösel, was zur Folge hat, dass das ganze Szenario für einen Teenie-Slasher nicht nur inhaltlich total unglaubwürdig, sondern fast schon entrückt wirkt. Auch die Story über manipulative Society-Schlampen und Berufs-Erben ist eher haarsträubender Natur und auch der mühsam konstruierte Kriminalfall inklusive Rache aus dem Jenseits kommt erst relativ spät in die Puschen. Aber er kommt zumindest und würde der eher unnötige Verweis auf die Vorlage nicht schon im Vorfeld den Schluss-Gag versauen, hätte ich das irgendwie liebenswert-trashige Teil mit seiner unbeholfenen Hochglanz-Optik sicher noch einen Ticken unterhaltsamer empfunden.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Fr 11. Dez 2015, 20:38
von jogiwan
Schrottwichtel-Filmabend: Sudden Death
Actionfilme sind ja in meinem kleinen Haushalt eher ein sehr unterrepräsentiertes Genre und da trifft es sich gut, dass mein Kawumm-Regal durch die heurige Wichtel-Action prominenten Zuwachs bekommen hat. „Sudden Death“ von Regisseur Peter Hyams ist ja ein unterhaltsamer und überraschend funktional erzählter Streifen, in der es ein einzelner Mann während eines wichtigen Eishockey-Spiels in einer hermetisch abgeriegelten und rammelvollen Halle gleich mit einer Horde gewaltbereiter Terroristen aufnimmt. Natürlich sollte man die Geschichte dabei nicht unbedingt nach Logik abklopfen, aber das Tempo und die Spannungsschraube werden ja nach einem eher unspektakulären Start so geschickt angezogen, dass man mit entsprechendem Wohlwollen sehr gut unterhalten wird. Die Fights sind kurz und knackig inszeniert, die Story voller kleiner Überraschungen und am Ende rappelt es ja ganz ordentlich in der Kiste bzw. im Stadion. Natürlich kommt in „Sudden Death“ ja doch so einiges zusammen und heutzutage könnte man die Geschichte wohl nicht mehr so bringen, aber vor 20 Jahren sah die Welt auch noch etwas anders aus und der um seine Kinder besorgte Jean-Claude Van Damme macht als Held wider Willen seine Sache auch ganz gut. Alles in allem ein unterhaltsames und solide gemachtes "Man-on-a-Mission"-Actionfilmchen, das zwar das Rad nicht neu erfindet, aber bis zum finalen Showdown zweifelsfrei passabel unterhält.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Sa 12. Dez 2015, 19:06
von jogiwan
Scary Movie 4
Nach dem durchaus unterhaltsamen dritten Teil geht es für die Reihe wieder ein paar Schritte zurück und Teil 4 präsentiert sich als lahme und vor allem gnadenlos unwitzige Nummernrevue, die sich vor allem über die Filme „Ju-On – The Grudge“, „Saw“, „Krieg der Welten“ und „The Village“ lustig macht. Der Humor äußert sich im Falle der Macher aber dadurch, dass ständig unbeteiligte Personen, Kinder oder Frauen eine Faust, einen Ball oder einen Türpfosten ins Gesicht bekommen. Auch die „Saw“-Parodie als Intro ist ziemlich lahm und am Ende gibt es breit ausgewalzt den seltsamen Tom Cruise-Talkshow-Auftritt bei Oprah, an den sich ja wohl auch nur noch die wenigsten erinnern werden oder möchten. Insgesamt betrachtet eine ziemlich unlustige Sache, die nicht einmal zum Schmunzeln anregt, sondern sich für den Zuschauer der nicht auf Fakäl- und Doof-Humor abfährt durchaus als Geduldsprobe herausstellt – auf Teil 5 wird dann daher auch gerne verzichtet.
Storage 24
Englischer Sci-Fi-Horror der funktionalen, aber auch etwas durchschnittlichen Sorte über eine Gruppe von Beziehungsproblemen geschüttelten Leuten, die in einem Self-Storage-Laden eingesperrt werden, in dem sich dummerweise ein außerirdisches Monster tummelt. Der Film bietet eingangs aber viel Beziehungs-Blabla und die durchaus sympathischen Figuren sollen einmal wohl ans Herz wachsen, aber irgendwie bleiben diese doch etwas blass und auch die klaustrophobische Stimmung in dem abgeriegelten Gebäude mag sich nicht so recht auf den Genre-erfahrenen Zuschauer übertragen. Ansonsten lässt sich „Storage 24“ dank seiner Darsteller zwischendurch aber gut gucken, bietet inhaltlich ein paar nette Überraschungen und ein paar gorige Momente, die den aufgeschlossenen Zuschauer trotz mäßig originellen und tausendfach durchgelutschten Story-Grundgerüst durchaus bei Laune halten. Für eine kleine Euro-Produktion und DVD vom Grabbeltisch geht Johannes Roberts Streifen durchaus okay und aus der Ecke hat man schon weit lahmere Teile als „Storage 24“ gesehen.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: So 13. Dez 2015, 20:47
von jogiwan
A Black Veil for Lisa
Obwohl der erste Mord gleich zu Beginn des Streifens in bester Giallo-Manier daherkommt, ist Massimo Dallamanos italienisch-deutsche Koproduktion aus dem Jahr 1968 aber eher ein Drama, dass neben seinem Darsteller-Trio auch mit viel Hamburger Lokalkolorit überzeugen kann. Eine mysteriöse Mordserie an Informanten im Drogenmilieu lässt einen ermittelnden Beamten Bülow an seiner eigenen Arbeit zweifeln, was sich später auch auf das Vertrauen in die eigene Ehefrau auswirkt, die – einige Jahre jünger - möglicherweise ebenfalls über einen kriminellen Background verfügt. Als Bülow auf eigene Faust dem Mörder auf die Spur kommt und diesen fassen kann, ist das Vertrauen in die Treue seiner Gattin gerade auf dem Tiefpunkt und fragwürdige Möglichkeiten tun sich auf. Aus dieser interessanten Grundkonstellation entwickelt Dallamano ein interessantes Drama mit Hitchcock-Zügen, dass sich stets auch immer etwas anders entwickelt, als ich es mir erwartet habe. Dabei ist „A Black Veil for Lisa“ aber sehr hübsch und „on location“ gedreht und als Italo-Fan gibt es dann auch trotz eher ruhigen Erzähltempos bei dem gelungenen Brückenschlag zwischen italienischem Genre-Film und deutschem Milieu-Krimi auch nicht viel zu bemängeln.
Wichtel-Filmabend: A Hard Day`s Night
Musikfilme und Musikfilme im Mockumentary-Stil haben bei mir ja ohnehin einen Stein im Brett und dank derartiger Werke kommt man ja auch mit Genres und Gruppen in Berührung, mit denen man sonst nicht so viel am Hut hat. Ich bin jetzt auch nicht der große Beatles-Fan, aber der turbulente und wirr erzählte Streifen macht ja großen Spaß und präsentiert die vier Mitglieder von der sympathisch-ironischen Seite. Diese sorgen mit ihrem Erscheinen auch überall für Chaos und die Geschichte über den beschwerlichen und hürdenreichen Weg einer Band zu einem gefeierten Auftritt mit viel Zeitkolorit ist ja so etwas wie die Blaupause eines jeden erfolgreichen Musikfilms. Auch „A Hard Day`s Night“ ist im OmU dann ein gelungenes Beispiel mit viel Musik, dass die Beatles auch am Höhepunkt ihres Erfolges zeigt und ihr Bild in der Öffentlichkeit auf humorvolle Weise persifliert. Über die Musik muss ja ebenfalls nicht mehr viel gesagt werden und wer sich für generell für Popkultur und Musikfilme interessiert, kommt an diesem Werk ja ohnehin nicht vorbei.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Mo 14. Dez 2015, 20:41
von jogiwan
Last Supper - Die Henkersmahlzeit
„Last Supper“ hab ich 95/96 im Kino gesehen und da fand ich die Idee der linksliberalen Idealisten, die zu drastischen Mitteln greifen um die Welt ein bisschen besser zu machen, ja ganz originell. Nach meiner gestrigen Sichtung muss ich aber doch gestehen, dass der Streifen irgendwie doch schlecht gealtert ist, was wohl daran liegt, dass meine eigenen Standpunkte über die Jahre etwas geändert haben und sich Populisten und Menschen mit fragwürdigen Gedankengut dank Internet ohnehin im Aufwind befinden und hier leider auch kein Ende in Aussicht ist. Wenn man da anfängt auszumisten gibt es ja ohnehin kein Ende und dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs an Dingen, die eine offene und liberale Gesellschaft bedrohen. Abgesehen davon ist „Die Henkersmahlzeit“ aber eine eher durchschnittliche US-Indie-Dramödie mit Frau Diaz in einer ihrer ersten Rollen, das vermeintliches Gutmenschentum entlarvt, dem Zuschauer dabei auch etwas viel an unlogischen Momenten und Entwicklungen zumutet und dabei für meinen Geschmack auch etwas zu tendenziös zu Werke geht.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Do 17. Dez 2015, 19:04
von jogiwan
Massenmord in San Francisco
Nachdem ich mir „Massenmord on San Francisco“ aufgrund der Empfehlung von unserem werten Serschio ja schon zugelegt hatte, bin ich gestern endlich zum Schauen gekommen und natürlich nicht enttäuscht worden. Nach einem doch recht herben Auftakt entwickelt sich der Streifen aber in etwas ruhigere Bahnen und zeigt mit viel Zeit- und Lokalkolorit die oftmals mühsame Ermittlungsarbeit unterschiedlicher Beamten zu einem doch recht ungewöhnlichen Mordfall, bei dem ein Unbekannter mit einer Maschinenpistole die Insassen eines Frühbusses meuchelt. Dabei hat Tempo und Spannung in dem Streifen nicht oberste Priorität und Stuart lässt sich auch viel Zeit die Geschichte zu erzählen und zieht die Schlinge um den Verdächtigen auch sehr langsam zusammen. Interessant ist dabei auch die Tatsache, dass die Polizisten ohne Forensik-Teams und DNA-Analyse den Fall lösen müssen, während heutzutage ja die meisten Kriminalfälle im Labor gelöst werden und so liegt es auch an der Kombinationsgabe der Polizisten das Puzzle richtig zusammen zu setzen. Alles in allem ein schöner und gelungener Kriminalfilm aus vergangenen Tagen, der inhaltlich und erzählerisch etwas aus der Zeit gefallen scheint und sich mit seinen abgeklärten und nicht immer gesetzeskonform agierenden Figuren und wunderbaren Locations inklusive kleinen Ausflug in die Gay-Szene von San Francisco vergangener Tage gerade deswegen auch heute noch sehr gut gucken lässt.
Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch
Verfasst: Fr 18. Dez 2015, 19:06
von jogiwan
Franz Novotny Doppelausgang-Spezial:
Exit... nur keine Panik
Franz Novotnys turbulente und ruppige Anarcho-Komödie/-Milieustudie „Exit… nur keine Panik“ ist wirklich der totale Wien-Film mit viel Zeit- und Lokalkolorit, dass der Wurschtigkeits-Mentalität der Bewohner der österreichischen Bundeshauptstadt ein kleines Denkmal setzt. Der Plan ein Kaffeehaus zu eröffnen und dafür Einrichtung und Geld zu ergaunern ist ja nur ein Teil der Geschichte über nicht ganz so sympathische Gesellen, die auch keinem Raufhandel oder Rockzipfel abgeneigt sind. So etwas wie eine durchgehende Geschichte ist in „Exit“ ja nicht unbedingt auszumachen und wie auch im später entstandenen „Coconuts“ treffen in dem episodenhaft gestalteten Film zwei klein-kriminelle Männer aufeinander, die vor Schuldnern flüchten und gleichzeitig überall für Wirbel sorgen, wo sie auftauchen. Franz Novotny ist ja so etwas wie der einsamer Regie-Revoluzzer des Alpenlandes der hier auch einen wilden Gegenentwurf zu deutschen Krüger/Gottschalk-Komödien geschaffen hat und ich keinen Film aus Österreich in dem so derart ordinär gesprochen und geflucht sind und auch alle nur ans „pudern“ und „audrahn“ denken. Zwar ist der auch hierzulande eher geschmähte Kultfilm „Exit… nur keine Panik“ sicher kein Kandidat für den Titel „Lieblingsfilm“, aber interessant und unterhaltsam ist er allemal.
Exit II - Verklärte Nacht
Nach fünfzehn Jahren treffen die beiden mittlerweile von der Midlife-Krise geplagten Antihelden aus „Exit… nur keine Panik“ zufällig wieder aufeinander. Der Ex-Playboy Kirchhoff träumt noch immer vom eigenen Kaffeehaus und plagt sich mit Schulden, der andere ist mittlerweile erfolgloser Versicherungsvertreter, der gerade seinen Job verloren hat und sich wohl nie so richtig abfinden konnte, mitten in der Spießbürgerlichkeit gelandet zu sein. Gemeinsam besinnt man sich der alten Tage und zieht ziellos durch das nächtliche Wien, um dieses abermals im Chaos versinken zu lassen.
Fünfzehn Jahre nach seiner Anarcho-Komödie „Exit… nur keine Panik“ drehte Franz Novotny den Nachfolger, der seine mittlerweile erwachsenen aber nicht minder tragischen Figuren in der Lebenskrise zeigt. Kirchhoff versucht als Ex-Playboy sich mittels wohlhabenden Damen sein Leben zu finanzieren, während Plachinger als Klinkenputzer sein spießiges Leben mit Frau und Eigentumswohnung finanziert. Als beide aufeinander treffen wird im Verlauf einer Nacht noch einmal groß ausgeholt, auch wenn der rabiate Ton des Vorgängers mittlerweile leiseren Tönen gewichen ist und Novotnys Figuren erkennen müssen, dass sie sich von ihren einstigen Träumen wohl endgültig verabschieden müssen. „Exit II – Verklärte Nacht“ ist dabei wieder ein typischer Novotny-Film mit Sex, Gewalt, bösen Humor und derben Sprüchen, der zwar weniger zornig, aber dennoch alles andere als harmlos ausfällt. Schade nur, dass der Streifen wohl nicht sehr erfolgreich war und für die breite und Harmonie-süchtige Masse sind Franz Novotnys Werke wohl nie gewesen, was aber niemanden vor der Sichtung dieses ebenfalls sehr interessanten und weithin unterschätzten Ösi-Werks abhalten soll –am besten ergänzend zum Vorgänger.