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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 16. Nov 2015, 20:19
von jogiwan
Creep (Netflix-1-Star-Collection)

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Der junge Filmemacher Aaron bekommt eines Tages über eine Internet-Plattform den Auftrag, einen Typen namens Josef in den Bergen einen Tag lang zu begleiten. Mit seiner Kamera macht er sich auf den Weg und findet Josef als aufgedrehten Spaßvogel, der Aaron erklärt, dass er aufgrund einer Krebserkrankung nur noch wenige Monate zu leben hat und seinem noch ungeborenen Sohn ein Video hinterlassen möchte, dass ihn so dokumentiert, wie er zu Lebzeiten war. Aaron in gerührt und folgt Josef, obwohl dieser bisweilen einen seltsamen Humor an den Tag legt und sich einen Spaß macht, den jungen Filmemacher zu verunsichern. Am Abend des Tages ist Aaron Autoschlüssel verschwunden und Josef versucht Aaron mit allen Mitteln zum Bleiben zu überreden…

Amerikanischer „Found-Footage“-Streifen der Drünfzigste, der irgendwie sehr schwarzhumorig daherkommt und aus seiner Grundsituation trotz limitierter Genre-Spielregeln auch recht viel herausholt und überraschend „creepy“ ausgefallen ist. Josef ist ja von Beginn an irgendwie auf eine ungute Weise schräg und verhält sich von Minute zu Minute merkwürdiger, sodass man als Zuschauer schon ahnt, wohin die Reise gehen könnte. Nach ca. 45 Minuten Einleitung nimmt der Streifen dann eine kleine Wendung und ist ab diesen Zeitpunkt auch recht gut gelungen. Die ausgewogene Mischung aus Schreckmomenten und unheilvoller Grundstimmung fand ich jedenfalls recht gelungen und die doch etwas ungewöhnliche Stalking-Thematik fand ich ebenfalls überraschend originell. Inszenatorisch gibt es auch nichts zu meckern und die beiden Darsteller, die auch hinter dem Drehbuch stecken, machen ihre Sache ebenfalls sehr gut auch wenn man sich mit dem Ende für mein Empfinden fast schon etwas zu sehr an ein Genre-Publikum anbiedert. Wer diese Art von Streifen mag, bekommt mit „Creep“ jedenfalls einen netten, originellen und kleinen Indie-Streifen präsentiert, der sich positiv von den ganzen „Paranormal Activity“-Klonen abhebt und den es hierzulande im englischen Original mit deutschen Untertiteln auf Netflix* zu bestaunen gibt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 17. Nov 2015, 19:45
von jogiwan
Beim Sterben ist jeder der Erste

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Behäbig erzählte Abenteuerfilm-Parodie, die vier naive Sonnenschein-Wochenendausflügler portraitiert, die in der unberührten Natur während eines Kanu-Trips in einem wilden Fluss in einer abgelegenen Gegend an ein paar Hinterwäldler geraten. Wie bei fast allen Culture-Clash-Komödien lebt der Streifen dann auch von stark gegensätzlichen Figuren, die hier auch bis aufs Äußerste überzeichnet und präsentiert werden und „Bei Sterben ist jeder der Erste“ langweilt den Zuschauer neben inzestuösen und ungepflegten Rednecks dann auch mit einer oberflächlich gehaltenen Auswahl mittelständischen Charakterverhaltens vom vermeintlichen Alpha-Tier bis zum angepassten Mitläufer, die jedoch allesamt den Schwanz einziehen, wenn es ans Eingemachte oder es um das Einstehen von Konsequenzen geht. Das Herzstück des Filmes ist dabei die Konfrontation von hinterwäldlerischen Hormonschüben und städtischen Hochmut in der Ned Beatty den Tierimitator gibt und die auch recht plump auf männliche Urängste abzielt und das weitere Handeln der Eindringliche legitimieren soll. Der Rest ist eine mäßig gelungene Mischung aus Naturfilm lahmes Stammtisch-Gelabere mit überraschend schlechten visuellen Effekten, der irgendwie auch kein Ende findet und auf ein konservatives Publikum zugschnitten ist, dass sich dankbar und zustimmend mit recht simplen Lösungsvorschlägen zu Konfliktsituationen zufrieden gibt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 18. Nov 2015, 19:30
von jogiwan
Der Kreis (Netflix-One-Star-Collection)

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In einen dunklen Raum mit Kreis-artigen Symbolen am Boden kommen fünfzig unterschiedlichen Menschen wieder zu Bewusstsein, ohne zu wissen, wie sie in diese Situation gekommen sind. Wer den Kreis verlässt wird oder eine andere Person berührt wird von einer Apparatur in der Mitte mit dem Tode bestraft und bald wird klar, dass alle paar Minuten jemand sterben muss. Entweder nach dem Zufallsprinzip, freiwillig oder eine Person, die von den Verbliebenen gewählt wird. Während versucht wird, die ersten Entscheidungen noch aus Vernunft zu treffen und sich Panik ausbreitet, entsteht bald ein Wettkampf der Sympathien und Vorurteile, in dem auch sehr unschöne Charakterzüge zum Vorschein kommen, während sich die Zahl der Überlebenden im Minutentakt reduziert…

Origineller Indie-Horror aus den Staaten über fünfzig Menschen, die in einem Raum erwachen und in einer schier unmöglichen Wahl alle paar Minuten jemanden wählen müssen, der daraufhin stirbt und am Ende ein Überlebender übrig bleibt. Wie zu erwarten kippt die Situation natürlich schneller als man denkt und es kommt zu den üblichen Psychospielchen, in der so mancher versucht, mit allerlei Tricks und vermeintlichen Tatsachen seinen eigenen Hintern zu retten, während die Allgemeinheit über den Wert des jeweiligen Lebens entscheiden muss. „Der Kreis“ spielt dabei 95 % seiner Laufzeit in einem einzigen Raum, in denen sich die höchst unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen gegenüberstehen und ist trotzdem stets spannend, auch wenn im Verlauf auch so manch überstrapaziertes Klischee bemüht wird. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird es auch etwas verwirrend und aufgrund der relativ hohen Personenanzahl kann man schon bei den unblutigen Ereignissen auch mal die Übersicht verlieren, während das Ende ebenfalls nur Bruchstücke des Ganzen erklärt und hauptsächlich dem Zuschauer die Interpretation der Ereignisse überlässt. Dennoch fand ich „Der Kreis“ doch sehr interessant gemacht und aus der ungewöhnlichen Ausgangssituation und dem beschränkten Handlungsort entsteht doch ein überraschend dynamischer Streifen, der den Zuschauer sicherlich auch zum Nachdenken anregt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 19. Nov 2015, 19:34
von jogiwan
Bloodmoon

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Arg durchschnittlicher Slasher aus Down Under, der im Jahr 1990 als angestaubter Beitrag zum Slasher-Genre wohl auch ein paar Jahre zu spät kam und mich als Slasher-Fan nicht so wirklich überzeugt hat. Zwar gibt es ab und an ein paar brutale Morde und das Finale ist ebenfalls gelungen, aber zwischendurch verzettelt sich Alec Mills ganz schön in Nebensächlichkeiten, wie z.B. den Konkurrenzkampf der Internatsschüler gegen die örtlichen Boys, der in der zweiten Hälfte auch überhaupt keine Rolle mehr spielt und auch die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen der Sympathieträgerin und dem David-Hasselhoff-Imitat fand ich auch nicht so wirklich prickelnd. Zwar schafft es „Bloodmoon“ am Ende doch noch in die Puschen zu kommen, aber insgesamt betrachtet ist der Streifen doch auch ein Beweis, warum diese Ironie-freien Slasher1.0-Filme mit ihren Figuren und Entwicklungen nach über einem Jahrzehnt mit dem gleichen Konzept dringend neue Impulse benötigten, die sie mit Wes Cravens „Scream“ ein paar Jahre darauf erhalten sollten. Als Ozploitation-Streifen zwar nett und guckbar, aber auch nicht mehr!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 20. Nov 2015, 20:00
von jogiwan
Elvira - Herrscherin der Dunkelheit

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„Elvira – Herrscherin der Dunkelheit“ mag ich ja schon seit ich den Streifen vor vielen, vielen Jahren in der Videothek ausgeliehen hab und auch wenn die Dame hierzulande vielleicht nicht ganz so bekannt ist, so muss man die grell überzeichnete Kunstfigur von Cassandra Peterson als Genre-Fan wohl einfach gern haben. Horror-Moderatorin Elvira ist mit ihrer selbstbewussten, resoluten und vor allem moralisch höchst fragwürdigen Erscheinung auch allen Spießbürgern ein Dorn im Auge und mischt in dem gleichnamigen Horrorkomödie auch eine Kleinstadt ganz ordentlich auf. Die Geschichte ist mit zahlreichen Verweisen auf B-Movies jedenfalls recht spaßig und ist voll und ganz auf die schrille Hauptdarstellerin zugeschnitten, die auch nie um einen Spruch verlegen ist und durch eine unerwartete Erbschaft auch erst der eigenen Vergangenheit auf die Spur kommt. Der Humor ist dabei natürlich nie ganz geschmackssicher und voller Anzüglichkeiten, aber auch der Horroranteil kann sich durchaus sehen lassen. Insgesamt eine sehr sympathische Sache für Freunde von Gruselkomödien aus den Achtzigern, der mir immer wieder große Freude bereitet und daher auch regelmäßig im Player landet.

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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 22. Nov 2015, 10:13
von jogiwan
The Final Girls

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Originelle Horrorfilm-Parodie bzw. Komödie mit einer Gruppe von Jugendlichen, die während einer Nerd-Kino-Veranstaltung unvermittelt in der Handlung eines Achtziger-Jahre-Slasher landen und denen nichts anderes übrig bleibt, sich mit den ihnen unbekannten Regeln des Genres zu arrangieren um in dem Streifen zu Überleben. Der in Anlehnung an Werke wie „Freitag der 13.“ und „Sleepaway Camp“ entstandene Streifen ist dabei überraschend unterhaltsam, auch wenn er auf ein (zu) jugendliches Publikum zugeschnitten ist neben dem Einsatz von CGI auch Titten und Gore leider gänzlich vermissen lässt. Abgesehen von diesem gravierenden Kardinalfehler macht „The Final Girls“ aber großen Spaß und bietet liebenswert-sympathische Figuren und lustige Ideen, so dass man sich fast wundert, dass da noch niemand früher draufgekommen ist, einen derartigen Film zu drehen. Wer Slasher mag, bekommt hier jedenfalls ein charmantes und augenzwinkerndes Werk mit viel Retro-Optik serviert, dass auf intelligente und erfrischende Weise das Achtzigerjahre-Slasher-Genre auseinandernimmt, ohne dabei respektlos zu sein und dieses einem jungen Publikum näherbringt und auch alte Hasen gefallen dürfte. Einen „Directors Cut“ mit Titten und Gore würde ich dennoch begrüßen. Spaßig!

The Farmer's Daughters

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Die drei Mädchen Martha, Jane und Beth beobachten durchs Fenster ihre Eltern beim Sex und werden vom Knecht Fred dabei erwischt. Als er diese in weiterer Folge zur Rede stellt, nehmen die drei vorlauten Mädchen das Geschehen zum Anlass über den leicht tumben Fred herzufallen und ihn in einer Hütte sexuell ordentlich zu demütigen. Zur gleichen Zeit schleichen sich aber auch drei Gefängnisausbrecher auf das Anwesen und in das Haus der Eltern, die nichts Gutes im Schilde führen und als Erstes auch mächtig Druck ablassen möchten…

Berüchtigter Hardcore-Roughie im Stil von „Last House on the Left“ von Regisseur Zebedy Colt aus dem Jahr 1976, der hier auch in der Rolle des Landwirten Shep zu sehen ist. Was ja noch recht unbeschwert beginnt, läuft ja binnen weniger Minuten gänzlich aus dem Ruder und am Ende gibt es für den Zuschauer zwar jede Menge sexueller Akte, die aber allesamt fernab jeglicher Erotik inszeniert sind. Ganz so schlimm wie vielleicht erwartet wird es ja zum Glück nicht und die vielen Anschlussfehlern, die zu „alten“ Töchter und das Ende relativieren die eigentlich recht herbe und roh ins Szene gesetzte Geschichte fernab jeglicher ländlicher Idylle voller sexueller Gewalt, die durch die nachbearbeitete Tonspur verstärkt wird. Fleischfilm-Legende Gloria Leonard als Mutter ist hier ja in einer ihren ersten Rollen zu sehen und startete im gleichen Jahr mit Radley Metzgers „The Opening of Misty Beethoven“ erst so richtig durch und Spalding Gray als sadistischer Ausbrecher George schaffte es später auch als Schauspieler später sogar in seriösere Werke. „The Farmer’s Daughters“ ist aber sicher kein Streifen den man gut finden muss, aber ein weiterer HC-Schocker des umtriebigen Zebedy Colt, der hier dem sensationsgeilen Publikum mit einem sehr unangenehmen Werk wieder einmal ordentlich eins vor den Latz knallt.

Pledge Class

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Mäßig gelungener Horror-Slasher über eine Studentenverbindung, die in einer sogenannten „Höllenwoche“ eine Handvoll Anwärter prüft und dabei auch mal etwas über das Ziel hinaus schießt. Gänzlich aus dem Ruder läuft die ganze Sache aber, als sich auch noch der Geist eines vor Jahrzehnten bei einem ähnlichen Treiben im Säurebad zu Tode gekommenen Studenten ins Geschehen mischt und einen nach dem anderen auf grausame Weise killt. Anthrax-Sänger Joey Belladonna darf den entstellten Killer spielen und seine Gruppe steuert auch ein paar Songs zum Soundtrack bei, aber dennoch ist „Pledge Class“ leider alles andere als gelungen und langweilt den Zuschauer in der ersten Hälfte mit dumm-dämlichen Aufnahme-Riten, unsympathischen Figuren und einer Geschichte, die auch nie richtig in Fahrt kommt. Zwar gibt es im Finale den ein oder anderen gorigen Effekt zu bestaunen, aber auch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass in dem B-Movie die Geschichte nix taugt und alles recht billig in Szene gesetzt wurde. So bleibt unterm Strich ein beliebiges, wie entbehrliches Werk, das wohl schon 1988 entstand, aber erst zwei Jahre später verwertet wurde und abgesehen von Anthrax-Fans, Horrorfilm-Masochisten und Allesguckern wohl kaum jemanden wirklich interessieren dürfte.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 25. Nov 2015, 21:06
von jogiwan
Jutta

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Kurzfilm von Regisseur Sven Johne, der anhand von biografischen Begebenheiten aus der Sicht von Mutter Jutta Furhken das Bild eines Mannes zeichnet, der einmal zu den reichsten Menschen der Welt gehörte. Das dieses nicht mehr der Fall ist und sich des Selfmade-Millionär Eike Batista mittlerweile zahlreichen Gerichtsverfahren stellen musste, wird im Verlauf des Streifens nicht klar – auch nicht, wie weit die Figur im Film dem realen Vorbild entspricht oder der künstlerische Interpretationsspielraum, den sich der Regisseur erlaubt. Mir war der Name Eike Batista ja bislang kein Begriff, der ja anscheinend doch ein sehr öffentliches Leben führte und in den letzten Jahren und nach dem Niedergang seines Imperiums in Brasilien offensichtlich nur noch negativ in den Schlagzeilen präsent ist. Dennoch ist der ansprechend gefilmte und von Tatja Seibt wunderbar gespielte Kurzfilm ein interessantes Beispiel, wie glaubhaft man eine scheinbar autobiografische Geschichte vermitteln kann, ohne dass man als Zuschauer die Möglichkeit hat, dieses mit der Realität abzugleichen.

Sorority Row - Schön bis in den Tod

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Überraschend herber und auch gelungener Slasher 2.0 mit eigentlich allem, was sich der Fan von einem derartigen Werk erwartet. Die Geschichte startet ja nach der obligatorischen Einführung der Charaktere auch gleich mit einer ziemlichen Paukenschlag, wenn ein böser Scherz von ein paar oberflächlich-verzickten Verbindungs-Tussis ganz ordentlich schief geht und eines der Mädchen tot in einem Minenschacht landet. Ein paar Monate nach der von allen Beteiligten verschwiegenen Tat beginnt dann eine ominöse Mordserie, die weite Kreise zieht und auch sehr spannend inszeniert ist und die auch den Zuschauer zum fröhlichen Rätseln einlädt. Diese Morde sind bisweilen auch recht brutal und sehr detailfreudig in Szene gesetzt und bei dem Tempo und Bodycount haben mich auch etwaige klischeehafte Ereignisse und Figuren gar nicht gestört. Ich fand dem temporeichen und kurzweiligen „Sorority Row“ jedenfalls ganz ordentlich und mit meiner Täter-Theorie auch daneben, doch wer diese Art von modernen Slasher-Streifen mag, sollte sich diesen Streifen mit Carrie Fisher in einer kleinen Rolle keinesfalls entgehen lassen. Macht Spaß!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 27. Nov 2015, 20:09
von jogiwan
Das düstere Haus

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Eigentlich schöner Streifen mit guten Darstellern, der mich aber leider nicht gepackt hat, da mir derartige Geschichten (sympathisches Mädel gerät in die Hände einer erzkonservativen Psychopathin) einfach nicht so liegen und ich derartige Inhalte nicht so mag.
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Aber das sind lediglich kleinere Kritikpunkte und sehr subjektives Empfinden, welches niemanden davon abhalten sollte, diesen ansonsten eigentlich durchaus sehenswerten und ungewöhnlichen Film aus der englischen Hammer-Schmiede zu sehen, der auch von den Farben her äußerst hübsch in Szene gesetzt wurde. Die grundsympathische und hübsche Stephanie Powers hätte ich mir aber dennoch mehr „Hart, aber herzlich“ gewünscht, während man Tallulah Bankhead als tyrannische Fuchtel wohl schon in der ersten Szene das Schlimmste an den Hals wünschen möchte und diese auch so richtig in ihrer Rolle als Psychopathin aufgeht.

Der blaue Diamant

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Sympathischer Action-Film über eine Handvoll Abenteurer auf der Suche nach einem riesigen Diamanten aus deutscher Lisafilm-TV-Produktion, der eigentlich alles bietet, was man sich von einem derartigen Streifen aus dieser Schaffensperiode erwartet. Bekannte Schauspielgesichter aus aller Herren Ländern, die ihre beste Zeit auch schon hinter sich haben, machen gemeinsam auf Urlaub in Thailand und drehen mit weiblichen Aufputz einen durchaus kurzweiligen Film über zerbrochene Männerfreundschaft, Loyalität, Habgier und jede Menge Verschwörungen. Herausgekommen ist eine Art Indiana Jones-Variante nach der Midlife-Crisis, der bestens unterhält und seine Herren im fortgeschrittenen Alter in Thailand auch stets so behandelt, als wären sie junge und begehrenswerte Actionstars. Pierre Brice mimt den sympathischen Abenteurer in Sorge um seine entführte Frau, Harald Leipnitz und Wilfried Baasner geben die Bösewichte und sogar für Brent „Gwendoline“ Huff ist sich noch eine kleine Rolle ausgegangen. Inszenatorisch gibt es auch nicht viel zu meckern und das routiniert in Szene gesetzte Teil macht Laune auch wenn man auf ein Cameo des Regisseurs leider verzichten muss. Ein unterhaltsamer Film mit deutschen Serienstars, der mit einem Drittel Action, Soap und Urlaubsvideo auch inhaltlich an die Erfolge aus den Siebzigern anknüpft und den Lisafilm- und Deutschploitation-Fan auch nicht enttäuschen wird.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 1. Dez 2015, 19:53
von jogiwan
Return to Horror High

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Turbulente und vermeintlich augenzwinkernde Slasher-Film-Parodie, die den beliebten und den mittlerweile etwas überstrapazierten „Film-im-Film-Gag“ der normalerweise zu Beginn eines Films passiert, breit auf 90 Minuten auswalzt und so insgesamt auch nur mäßig originell daherkommt. Im Fall von „Return to Horror High“ weiß man ja von Beginn an ohnehin nie so genau, wie man das Gesehene einordnen soll und nahezu jeder Moment der Spannung oder Gewalt wird wenige Minuten später als Set und/oder Teil des Films entlarvt, ehe das Spiel wieder von Vorne beginnt. Das hatte zumindest bei mir zur Folge, dass der Streifen als Slasher nicht mehr funktioniert, man mit den durchaus sympathischen Charakteren/Schauspielern auch gar nicht mit-fiebern mag und so etwas wie eine Whodunnit-Stimmung auch erst gar nicht aufkommt. Zahlreiche Film-, Logik- und Anschlussfehler werden innerhalb des Kontextes mit der Art der Produktion und Produktionsumstände gerechtfertigt und der mäßig unterhaltsame und für Slasher-Fans dann auch eher unbrauchbare Streifen verkommt so dann auch zu einer reinen Nummern-Revue mit teils recht herben Szenen und hat mit eher lahmen Gags inklusive dem Gaga-Finale trotzdem nicht meinen Geschmack getroffen.


Freaks

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Großartiger Streifen und einer meiner allerersten Horror-Erfahrungen, auch wenn der Film in der Horrorecke eigentlich gar nichts zu suchen hat. Aber man kann sich schon gut vorstellen, dass Tod Browning mit seinem 1932 gedrehten Streifen das Publikum und seinen Freaks gleich ganz ordentlich verschreckt hat und „Freaks“ seinerzeit doch recht verstörend gewesen sein muss. Doch wer glaubt, dass die missgestalteten Menschen vorgeführt werden irrt und der Streifen ist vielmehr ein Dokument der Menschlichkeit, das diesen damals geschmähten und der Sensationslust des Publikums preisgegebenen Außenseiter als Menschen mit Gefühlen und natürlichen Bedürfnissen präsentiert. Dennoch musste der Streifen laut Wikipedia seinerzeit um ein Drittel gekürzt werden, da er mit seinen Figuren und drastischem Ende das Publikum zu sehr schockierte und sich der Streifen mit den damalig geltenden Moralvorstellungen der Gesellschaft nicht vereinbaren ließ. Das hat sich ja mittlerweile geändert und „Freaks“ hat mittlerweile den Ruf, den er auch verdient und in „American Horror Story: Freak Show“ wird der Film auch ausreichend gehuldigt. Ein wirklich sehenswertes Plädoyer für mehr Menschlichkeit und vielleicht findet man ja irgendwann in verstaubten Archiven oder in einer russischen Salzmine die ursprüngliche Fassung des Streifens.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 5. Dez 2015, 20:40
von jogiwan
Cabin in the Woods

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Nachdem ich „Cabin in the Woods“ beim ersten Mal ohne jeglichem Vorwissen im englischen Original gesehen hab und als sehr originell, unkonventionell und unterhaltsam empfand, hat mich meine gestrige Sichtung diesbezüglich doch etwas ernüchtert. Da fand ich den ironisch- augenzwinkernden Streifen ja leider nur noch mäßig spaßig und anscheinend lebt der Streifen doch stark von dem Überraschungs-/Überrumpelungseffekt und seinen unerwarteten Richtungen, in die der Streifen im Verlauf seiner turbulenten Handlung geht. Weiß man als Zuschauer, wie der Hase läuft ist Drew Goddards Streifen irgendwie gar nicht mehr so prickelnd und irgendwie empfand die die abgeklärte Arroganz der zweiten Seite sogar zunehmend als etwas nervig und auch das Figuren- und Set-Design gar nicht mehr gelungen. Zwar ist der Streifen sicher noch immer irgendwie orginell, aber wie bei so manch anderen Streifen funzt die Sache wohl nur einmal und am Ende wird es mir persönlich wirklich zu CGI-lastig, als dass ich mich längerfristig und auch in Zukunft dauerhaft an dem Werk erfreuen könnte.