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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 13. Okt 2015, 19:51
von jogiwan
Pudelmützen Rambos

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Nach ca. 10 Jahren mentaler Vorbereitungszeit fühlte ich mich gestern stark genug, um mich an „Die Pudelmützen Rambos“ heranzuwagen und wie erwartet ist Jochen Tauberts Streifen dann auch das vollkommen unerträgliche Werk aus der deutschen Amateur-Ecke, dass sich nicht einmal die Mühe macht, so etwas wie eine Geschichte zu erzählen und mit geballter Inkompetenz die Befindlichkeiten jedes mündigen Zuschauers beleidigt. Das bewusst auf Trash gebürstete Epos erzählt von den Erlebnissen eines jungen Mannes, der nicht nur unsterblich in Lara Croft verliebt ist, sondern auch mitansehen muss, wie ein Vampir junge Frauen aus seinem Umfeld entführt und schließlich von der Gang der Pudelmützen-Rambos zur Strecke gebracht wird. Mehr Inhalt braucht es auch gar nicht um auf 130 Minuten Laufzeit zu kommen, wenn man sich dabei kräftig an Archivmaterial und Musikvideos bedient. Die „Stars“ mit denen der Film beworben wird, sind teils nur in kurzen Momenten zu sehen und Ralf Möller wurde wohl bei der Premiere eines anderen Filmes abgefangen, während Frank Zanders „Auftritte“ als Vampir sich auf drei Musikvideos aus den Archiven beschränken und ansonsten in bester Ed Wood-Manier ein Bodydouble herhalten muss.

Wie der Rest überredet wurde, kann man nur erahnen, aber ein Auftritt in einem Jochen Taubert Film ist der Karriere wohl eher nicht sonderlich förderlich. Der langatmige Rest ist eine witz- und charmelose Aneinanderreihung von dümmlichen Dialogen, pubertären Fäkal-Humor aus der untersten Schublade und Diskont-Genre-Momenten wie etwas Splatter und Auto-Stunts, die ebenfalls scheinbar wahllos aneinandergereiht wurden, wobei wie bei dem Käsebrot-Moment auch mal die Reihenfolge vertauscht sein darf. Deutsche Amateur-Werke und ihre Macher haben ja ohnehin keinen guten Ruf und irgendwie will man nicht auch noch zusätzlich rumhacken, aber Tauberts Talent in Sachen Filmemachen beschränkt sich wohl auf die etwas zweifelhafte Gabe, jede Menge Leute für sein Projekt motivieren und gewinnen zu können. Dem Zuschauer hilft das aber letztendlich wenig und auch bei einer Erwartungshaltung die gegen Null tendiert ist „Pudelmützen Rambos“ ein witzloser Fall von beispielloser Ressourcen-Verschwendung, die in einem Aufwischen auch gleich sämtliche Vorurteile bezüglich deutscher Amateurfilme auf fast schon bedrückende Weise bestätigt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 14. Okt 2015, 19:06
von jogiwan
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Ben, der Mann von Maria wird beim Versuch, sein rechtmäßiges Eigentum vor der Rogers Familie zu verteidigen von Mitgliedern der korrupten Farmern vor den Augen der entsetzten Gattin erhängt und seine Farm in Brand gesteckt. Die trauernde Maria sucht daraufhin ihren ehemaligen Geliebten Manuel auf, der in ihrem Namen Rache nehmen, und die Ehre des verstorbenen Gatten wieder herstellen soll. Manuel willigt ein und gewinnt mit seinem vermeintlich loyalen Verhalten und seinen eindrucksvollen Zielgenauigkeit am Colt auch rasch das Vertrauen der Familie. Doch als es darum geht, Marias unblutigen Racheplan auszuführen, durchkreuzen Habgier und Hass seine Pläne und es setzt sich eine Spirale von Gewalt in Gang, die schon bald weitere Opfer fordert.

Ich kenne ja nur eine Handvoll Western und trotzdem hatte ich gestern schon wieder das Gefühl, alles in „Friedhof ohne Kreuze“ schon einmal irgendwo anders gesehen zu haben. Der wortkarge Rächer, die trauernde Witwe, Habgier unter Freunden und eine Kleinstadt mit hilflosem Sheriff, in der die Lebenserwartung friedvoller Menschen gegen Null tendiert gehört wohl zur Grundausstattung eines jeden Italo-Westerns. Trotzdem ist „Friedhof ohne Kreuze“ vor allem durch seine düster-ausweglose Grundstimmung, dem eindrucksvollen Cast und dramatischen Entwicklungen durchaus okay, auch wenn der sich der Streifen dabei stetig so entwickelt, wie zumindest ich es mir erwartet habe. Ein bisschen reiten, ein bisschen grimmig gucken und irgendwann löst sich nach Minuten der Anspannung ein Schuss und jemand wird mit den Füssen voraus aus dem Haus getragen bis am Ende aufgrund des erhöhten Bodycounts dem örtlichen Totengräber wohl sogar die Kreuze ausgehen. Was mir an diesem Genre ja generell nicht gefällt die Tatsache, dass spannende Figurenkonstellationen und vielschichtige Inhalte immer so stark vereinfacht, mit viel Pathos und klar abgesteckten Fronten erzählt werden und dabei der Zuschauererwartung jegliche Vielschichtigkeit geopfert werden. Inhaltliche Überraschungen sucht man daher auch in dem passabel inszenierten „Friedhof ohne Kreuze“ weitgehend vergeblich und so bleibt am bitteren Ende statt der tiefschürfenden Erkenntnis, dass Rache niemals befriedigt, auch eher das schmissige Titellied von Scott Walker im Ohr.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 15. Okt 2015, 20:02
von jogiwan
Slumber Party Massacre III

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Die junge Jackie organisiert für ihre Freundinnen während der Abwesenheit ihrer Eltern eine Pyjamaparty um mit Alkohol und jeder Menge Kalorien ein bisschen zu feiern. Doch die Jungs aus dem Umfeld der kalifornischen Mädels wollen sich diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und bald stehen neben ihren sechs Freundinnen auch eingeladene und uneingeladene Personen auf der Matte. Die Party gerät völlig aus dem Ruder, als sich unter die Besucher auch ein gewaltbereiter Psychopath mischt, der mit einer Bohrmaschine Jagd auf die unbedarften Jugendlichen macht und Jackies Party in ein unbeschreibliches Massaker verwandelt.

Nach dem zweiten Teil, der ja immerhin doof, aber lustig war, ist der dritte Aufguss der Slasher-Reihe aus weiblicher Hand leider nur noch doof und krankt gleich an mehreren Baustellen. Die Teenies sind absolut nervig, für ihre Rollen viel zu alt und auch die Motivation des Killers ist mehr als fragwürdig. Gänzlich ärgerlich wird es aber, wenn das geräumige Haus mit vielen Türen und Fenstern als Todesfalle verkauft wird und der Killer gleich ein dutzend Mal außer Gefecht gesetzt wird und keiner auf die Idee kommt, den vielleicht mal ein paar Fesseln anzulegen oder anderweitig für Ruhe zu sorgen. So steht dieser dann auch immer und immer wieder auf und darf mit seliger Ruhe weiter morden, bis der Bodycount in lichte Höhen steigt. Bei „Slumber Party Massacre“ hat sich jedenfalls niemand mit Ruhm bekleckert und nur wer seine Ansprüche auf ein paar Titten und Schmodder reduziert und den Rest auszublenden vermag, kommt vielleicht noch auf seine Kosten – der Rest wird sich angesichts des unlogischen Inhalts und furchtbaren Dialogen wohl eher mit Grausen abwenden. Pyjama-Party beendet, Licht aus und hops ins Bettchen!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 16. Okt 2015, 07:42
von jogiwan
Class of 1999

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demnächst mehr!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 18. Okt 2015, 19:49
von jogiwan
Mad Scientist Double Feature:

Nightmare Weekend

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Professor Brake hat einen Computer namens „Apache“ entwickelt, mit dem man neben telepathischen Möglichkeiten auch eine Umkehr von psychischen Befindlichkeiten erreichen kann, was in ferner Zukunft einmal zur Heilung von Geisteskrankheiten genutzt werden soll. Seine Assistentin Julie hat jedoch andere Pläne im Schilde und möchte die Entwicklung einer ominösen Organisation verkaufen und zu diesem Zwecke auch erstmals ohne das Wissen von Brake am Menschen testen. Dazu lädt die dralle Julie drei hübsche und feierfreudige Frauen in ein geräumiges Haus ein, wo diese und ihr Umfeld nichtsahnend als Versuchskaninchen herhalten sollen, was kurz darauf bereits fatale Folgen hat…

Ein guter Regie-Kniff ist ja einen Film mit einem wilden Moment zu beginnen, um sich so das Interesse des Zuschauers zu sichern. In „Nightmare Weekend“ beginnt der Film aber so derart strange, dass man als Zuschauer erst einmal Bahnhof versteht und das geht dann den Rest des Streifens auch immer munter so weiter. Die vollkommen haarsträubende Geschichte über Telepathie, sprechende Handpuppen, fliegende Silberkugeln, fröhliches Vögeln, erste Liebe und mutierte Monster ist ein einziger Angriff auf die Zurechnungsfähigkeit des Zuschauers und läuft am Ende vällig aus dem Ruder. Hier passt irgendwie nichts zusammen und Henry Salas Streifen ist eine Aneinanderreihung von WTF- und Softsex-Momenten, die selbst aufgeschlossene Zuschauer fassungslos zurücklassen und dennoch kann man den Blick bis zum bitteren Ende kaum abwenden. Was zum Teufel habe ich da gestern wirklich gesehen und ich bin mir noch immer nicht sicher, ob mein Player Amok gelaufen ist, und/oder mir irgendjemand halluzinogene Tropfen in den Kakao gemischt hat. „Nightmare Weekend“ ist ein unglaublicher Alptraum für den Zuschauer, ein unpackbares Stück von einem Genre-Bastard und ein Streifen, der mühelos auch den geeichten Filmfan verstört und ratlos zurücklässt.

Metamorphosis

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Auf „Metamorphosis“ und die einzige Regie-Arbeit von George Eastman a.k.a. Luigi Montefiori hab ich mich ja schon lange gefreut, doch leider sind schon die ersten Minuten des 1990 entstandenen Werks eher ernüchternd und auch der Rest mehr als mau. Der Look des völlig auf amerikanische Verhältnisse getrimmten Werks ist furchtbar und auch die Story über den Genforscher, der die Zellalterung stoppen möchte und nach einem Selbstversuch zum mordenden Monster mutiert, krankt neben seinen – bis auf die weibliche Hauptdarstellerin - durch die Bank unsympathischen Figuren vor allem an der schleppenden Erzählweise. „Metamorphosis“ macht trotz aller bekannten Zutaten einfach keinen Spaß und der italophile Zuschauer wird maximal mit dem Mitwirken von Laura Gemser in einer ihrer letzten Rollen und als Kostümbildnerin, ein paar blutigen Momenten und dem haarsträubend trashigen Ende entschädigt, während der Rest leider so gar nicht überzeugen kann. Aus der Italo-Genmonster-Ecke ist der kurz davor entstandene „Primal Rage“ sicher die bessere Wahl und es ist schade, dass Herr Eastman hier ein so ein lahmes und uninspiriert erscheinendes Auftragswerk abgeliefert hat, dass so gar nicht in die Puschen kommt und selbst in seinem Finale eher unfreiwillig erheiternd, als in irgendeiner Weise schockierend wirkt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 18. Okt 2015, 19:52
von jogiwan
Snake Eater

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Netter kleiner und kostengünstig produzierter Action-Spaß aus der goldenen Videotheken-Ära, der irgendwie wie eine Mischung aus „Rambo“, „Wrong Turn“ und „Hot Shots“ daherkommt. „Snake Eater“ ist jedenfalls mit einem Fuß in der Parodie, nimmt sich selber auch gar nicht ernst und verbreitet gerade deswegen trotz der eher ernsten Ausgangslage gute Laune und augenzwinkernde Situationen. Lorenzo Lamas ist auch eine verdammt coole Socke, Womanizer und kreativer Fallenstellen und der sympathische Ex-Elite-Soldat verliert auch angesichts der Übermacht an degenerierten und überzeichneten Hinterwäldlern, die seine Schwester entführt und Eltern ermordet haben, nie den Mut und räumt ganz ordentlich unter dem gewaltbereiten Inzest-Gesindel auf. Statt tiefergehender Figurenzeichnung gibt es aber lieber ein paar flotte Sprüche, klar verteilte Fronten und Explosionen und im Finale geht es mit ein paar kostentechnischen Einschränkungen auch ganz hübsch zur Sache. Objektiv gesehen ist Georg Erschbamers Werk mit seinen doof-charmante Mischung aus Action, Humor und bekannten Elementen sicher keine Glanzleistung und auch eher ein harmloses Vergnügen, aber für Endachtziger-Videotheken-Ware aus der Diskont-Ecke funzt der Streifen auch heutzutage noch ganz gut und lässt sich mit Bier und Chips auch ganz gut gucken.

Snake Eaters Revenge

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Der erste Teil der „Snake Eater“-Trilogie ist ja ein charmantes, kleines B-Filmchen mit dem Herz am rechten Fleck und aufgrund des Erfolgs hat man wohl rasch einen zweiten Teil hinterher geschoben. Für „Snake Eaters Revenge“ stand zwar augenscheinlich mehr Budget zur Verfügung, aber ansonsten wirkt das eher lahme Teil mit seinen dämlichen Verlauf so überhaupt nicht überzeugend. Nach einem missglückten Rachefeldzug mit vier toten Dealern wird der noch immer sympathische Soldier wegen vermeintlicher Unzurechnungsfähigkeit ins Irrenhaus eingeliefert, wo es aber trotz durchgeknallter Insassen mit der Anwesenheit recht locker zu geht und auch Zeit bleibt, den privaten Rachefeldzug gegen Dealer und anderes Gesocks fortzuführen. Wo der erste Teil ja noch humorvoll um die Ecke biegt, ist der Nachfolger aber eher eine eigentlich ziemlich langweilige Angelegenheit und vor allem der schwarze Buddy an Soldiers Seite nervt nicht nur mit seiner fiepsigen Synchron-Stimme. Unterm Strich bleibt ein aus bewährten Zutaten aufgewärmter Action-Schnellschuss ohne viel Herz und Verstand, der auch nie so richtig zünden mag und im Vergleich zum augenzwinkernden und spaßigen Erstling auch weit weniger unterhaltsam ausgefallen ist.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 19. Okt 2015, 19:16
von jogiwan
Der tödliche Freund

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„Der tödliche Freund“ ist wirklich ein etwas zwiespältiger Film und im Grunde erscheint der 1986 gedrehte Streifen anfänglich wie eine harmlose und naive Teenie-Komödie über einen Technik-Nerd, der irgendwann mal einen gänzlich anderen Verlauf nimmt und sein Publikum im letzten Drittel recht unvermittelt mit einer vollkommen überzeichneten Splatter-Effekt überrumpelt. Die Geschichte über einen Computer-Freak mit seinem Cyborg-Buddy, der mittels im Hirn implantierten Chip seine tote Freundin reanimiert, erscheint aber dennoch arg unglaubwürdig und schrammt nur haarscharf an der Lächerlichkeit vorbei und auch ansonsten kommen hier Dinge zusammen, die aber nicht so recht zusammenpassen wollen. Dass sich Craven in einer Traumszene auch noch ausgiebig selber zitiert, wirkt ebenfalls etwas seltsam und insgesamt erscheint „Der tödliche Freund“ dann auch wie eine Auftragsarbeit nach strengen Vorgaben, die zwar routiniert abgeliefert wurde, aber weitgehend die Originalität und der Witz von Cravens sonstigen Arbeiten fehlen. Das ist dann zwar meckern auf hohem Niveau und der Streifen ist für einen Horrorstreifen aus der Achtziger-Kiste auch immer noch gelungen, aber im Vergleich zum sonstigen Output des Regisseurs fällt dieser hier doch etwas ab.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 21. Okt 2015, 19:16
von jogiwan
Snake Eater III

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Nach dem schwachen, zweiten Teil versöhnt der dritte Teil einer der wohl unzusammenhängendsten Action-Trilogie aller Zeiten den geneigten Fan wieder mit allen Zutaten, die ein derartiger Film braucht. Action,Titten, Bier, etwas Humor und jedem Menge Kawumm machen Lorenzo Lamas dritten Auftritt als Soldier auch zu einer durchwegs gelungenen Action-Angelegenheit, der sich wie die vorangegangenen beiden Teile auch nicht allzu ernst nimmt und mit bösen Harley-Rockern wieder an die überzeichneten Figuren des Erstlings anknüpft. Auch das Konzept des Buddy-Movies vom zweiten Teil wird wieder aufgenommen und mit „Cowboy“ ein Partner präsentiert, der weit weniger nervig als Herr „Speedboat“ vom Zweitling daherkommt und dem Soldier bei seinem fragwürdigen Rachefeldzug mit Rat und Tat zur Seite steht. Dazwischen gibt es augenzwinkernde Fights und lustige Ideen und auch der Bodycount und Alkoholkonsum kann sich durchaus sehen lassen. Insgesamt betrachtet ein guter Abschluss einer durchwachsenen Reihe, die dank des sympathischen Hauptdarstellers und augenzwinkernder Ereignisse auch heutzutage noch Spaß bereitet.

Mache alles mit

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Die 17jährige Daggi stürzt sich neugierig in sexuelle Abenteuer, die sich durch entsprechende Kleinanzeigen in den Zeitungen auch massig bieten. Als die Minderjährige eines Tages von der Kriminalpolizei fast in flagranti bei einem aufgeschlossenen Pärchen erwischt wird, flüchtet sie auf Anraten ihrer schockierten Mutter zu ihrer streng katholischen Tante, die von dem lasterhaften Leben ihrer Nichte naturgemäß wenig hält. Es kommt zu weiteren Konfrontationen und nur in dem zurückgezogen lebenden Studenten Thomas findet Daggi so etwas wie einen Seelenverwandten, der jedoch ebenfalls am freizügigen Lebenswandel der Schülerin kein gutes Haar lässt und dem Mädchen beweisen möchte, dass in Zeiten der sexuellen Revolution den jungen Leuten das Gefühl der Liebe abhandengekommen ist.

Im Jahr 1971 drehte Regisseur Kurt Nachmann ja nicht nur das erotische Meisterwerk „Die nackte Gräfin“, sondern auch „Mache alle mit“, der trotz ähnlicher Thematik in eine andere Richtung driftet und weit weniger begeistert. Als moralisches Werk mit erhobenen Zeigefinger und Report-Charakter beschreibt Nachmann die Jugend seiner Zeit als sexuell überstimmulierte Menschen, deren Unschuld und Fähigkeit zu lieben in Zeiten der sexuellen Revolution längst unter die Räder gekommen ist. Auch die junge Daggi ist ihren Trieben scheinbar hilflos ausgeliefert und stürzt sich dem Zeitgeist entsprechend wahllos in sexuelle Abenteuer, die die junge Frau aber eher verstört als verzückt zurücklassen. Die Konfrontation mit ihrer bigotten Tante bringt ebenfalls keine Antworten auf die Fragen der jungen Frau und selbst der aufgeschlossene Student scheint ein Problem mit Körperlichkeiten zu haben. „Mache alles mit“ versucht auch erst gar nicht einen Konsens zu finden, sondern ist auch in seinen eher fragwürdigen Episoden offen lustfeindlich, erzkonservativ und stellt auch dem damaligen Bestreben nach mehr körperlicher Selbstbestimmung kein gutes Bild aus. Insgesamt betrachtet ist Nachmanns Streifen dann auch eher ein entbehrliches Propagandawerk für Sittenwächter, der sehr tendenziös einen modernen Lebensstil kritisiert und so am Ende nicht nur seine Protagonisten ratlos zurücklässt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 22. Okt 2015, 19:34
von jogiwan
Das stumme Ungeheuer

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Mein erster Streifen mit Chuck Norris in einer Hauptrolle und dann gleich so ein nettes Teil. „Das stumme Ungeheuer“ ja eine recht krude Mischung aus Mad-Scientist-Drama, Horror, Slasher und einer Prise Martial Arts, dass wirklich stark an D‘Amatos „Absurd“ erinnert und mit hübscher Ausleuchtung und leicht trashiger Note auch den kritischen Italo-Fan mühelos begeistern sollte. Zwar ist Chuck Norris hier doch auch etwas sehr blond, darf sich auch auffallend oft ohne Shirt präsentieren und muss natürlich auch gleich ein ganzes Lokal mit bösen Rockern vermöbeln, aber ansonsten ist er als besonnener Cop mit dem Herz am richtigen Fleck überraschend sympathisch und nie um einen Roundhousekick und Rat an die Kollegen verlegen. Für meinen persönlichen Geschmack hätte der Streifen ja noch viel mehr in Richtung Horror und Slasher gehen dürfen, aber auch der erhöhte Action-Anteil stört hier gar und lässt auch über ein paar kleinere Längen hinwegsehen, die sich aufgrund der ungewöhnlichen Genre-Mischung im Verlauf des Streifens eingeschlichen haben. Ich fand „Silent Rage“ auch dank der Darsteller sehr unterhaltsam und kurzweilig und jetzt heißt es wohl bestehende Vorurteile zu überdenken, Vorbehalte abzubauen und noch ein paar weitere Chuck Norris-Filme gucken.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 24. Okt 2015, 19:04
von jogiwan
Hölle im Frauengefängnis

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Typischer WIP-Film aus italienischer Produktion mit Schwerpunkt Sleaze, der aber inhaltlich eher durchschnittlich ausgefallen ist und nicht nur in der deutschen Video-Fassung auf gröbere Geschmacklosigkeit größtenteils verzichtet. Die Geschichte über die kriminelle Conchita alias Laura ist ja nur ein loser Aufhänger für die üblichen Entwicklungen aus Intrigen, Cat-Fights und Lesbeleien bzw. wie man sich als männlicher Zuschauer den harten Alltag in einem Frauengefängnis nun einmal so vorstellt. Die Kleidervorschriften sind wie immer sehr liberal und neben kurzen Miniröcken scheinen verurteilte Straftäterinnen ohnehin den ganzen Tag am liebsten nackt durch die Gefängnisflure zu schlendern und sich gegenseitig zu befummeln. Ajita Wilson ist wie üblich einen Kopf größer wie ihre Leidensgenossinnen, die Direktorin macht auf Ilsa und bedient sich gerne selbst am männlichen Personal und irgendwann gibt es von den Insassen die obligatorische Flucht, die wie üblich nicht ganz so wie geplant über die Bühne geht. Insgesamt lässt sich „Hölle im Frauengefängnis“ dann natürlich auch gut gucken und der Streifen befriedigt mit seiner Mischung aus Sex und Gewalt auch mühelos die ohnehin niedrigen Erwartungen des Fans, auch wenn die schmuddelige Kiste der WIP-Filme sicherlich Besseres zu bieten hat.