Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Der Schrecken der Medusa

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In Memoriam Jack Gold! Ganz großartiger Streifen irgendwo zwischen Thriller, Drama, Mystery und Katastrophenfilm, an dessen Ausgangspunkt ein missglückter Mordversuch an einem zurückgezogen lebenden Schriftsteller Morlar steht, dessen Aufklärung aus unbekannten Gründen jedoch höchste Priorität zu scheinen hat. Als der französischer Ermittler Brunel den Fall bekommt, erfährt dieser durch Tagebücher und dessen Umfeld, dass sich Morlar Zeit seines Lebens für Katastrophen und Unfälle in seinem Umfeld verantwortlich fühlte während er im Koma um sein Überleben kämpft, häufen sich auch andere Verdächtige, die mit dem Mann so seine Probleme hatten. Doch je länger der Brunel und sein Team ermitteln, umso mehr fügt sich ein Bild zusammen, dass nur noch eingeschränkt mit rationalen Argumenten erklärt werden kann und schon bald stellt sich nicht nur der Kommissar die Frage, ob ein Mensch allein mit seinen Gedanken Unheil anrichten kann. Dabei wird die Geschichte und die Gründe, die zum Mordversuch führen in „Die Schrecken der Medusa“ eher langsam aufgerollt und dennoch sehr spannend erzählt, bis sich am Ende dann ein bestimmtes Gesamtbild zusammenfügt und der Streifen des kürzlich verstorbenen Regisseurs Jack Gold in die Vollen geht. Perfektes und intelligentes Filmvergnügen mit übernatürlichen Einschlag und großartigen Darstellern, das die Spannungsschraube langsam aber unerbittlich anzieht und einem Ende, das mit seiner bösartigen Natur auch lange in Erinnerung bleibt.

Kalifornia

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Flügellahmes Roadmovie über ein abgebranntes, abgeklärtes aber künstlerisch ambitioniertes Yuppie-Pärchen, dass mit dem Cabrio eine Reise zu Schauplätzen von Serienkillern unternimmt und aus Geldgründen ein tumbes White-Trash-Pärchen mitnimmt, bei dem sich der Typ dummerweise als Serienkiller entpuppt. Die Idee und die Geschichte wäre vielleicht gar nicht so schlecht, würde man in dem Streifen nicht andauernd so derart bemüht vier charakterlich derart unterschiedliche Personen aneinander reiben zu lassen. Normalerweise würden sich der besonnene Autor und der impulsive Serienkiller, sowie die selbstbewusste Fotografin und das strunzdoofe Mädel auf beengten Raum wohl binnen kürzester Zeit an die Gurgel gehen, aber hier wird brav abgewartet, damit man dann nach viel zu langer Anlaufzeit in einem nuklearen Sperrzone zu einem coolen Showdown hinarbeiten kann. Brad Pitt ist meines Erachtens sowieso kein guter Schauspieler und seine prollige Darbietung des Serienmörders ist so klischeebeladen, dass man ihm am liebsten die Fernbedienung an den Kopf donnern möchte und über die Rolle von Juliette Lewis hülle ich mal sowieso lieber den Mantel des Schweigens. Der Rest ist am Reißbrett entstandenes, unterkühltes und pseudo-cooles Neunziger-Jahre-Kino im typisch-abgefuckten „Chappy-Chic“-MTV-Videoclip-Look, das trotz seiner überzeichneten Charaktere auch viel zu brav ausgefallen ist und heutzutage auch so gar nicht mehr überzeugen kann.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

True Romance

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Ein für den männlichen Nerd zugeschnittenes Gewalt-Märchen über die große Liebe, bzw. ehemalige Callgirls, die Martial-Arts-Filme mögen und Comicläden cool finden und einem vermeintlich herzensguten Christian Slater, dem überraschenderweise ein Koffer voller Heroin in die Hände fällt. Daraufhin sieht das frisch verheiratete Pärchen seine große Chance gekommen und hat die Rechnung jedoch ohne den Wirt bzw. dem Mob gemacht, der den Koffer natürlich wieder zurückhaben möchte und sich den Beiden auf ihrem Weg nach Los Angeles auf die Fersen heftet. Neben drei gewaltvollen Konfrontationen, die auch recht herb in Szene gesetzt werden besteht der Streifen aber auch aus jeder Menge Laber-Material und Szenen, die es wohl nur in den Film geschafft haben, weil es jemand besonders lustig fand, Brad Pitt als verpeilten Drogenkonsumenten und Christopher Walken als im stolz gekränkten Sizilianer zu zeigen und dazu düdelt unerbittlich die furchtbar unpassende Musik von Hans Zimmer. Mit einer Laufzeit von knapp 2 Stunden ist der sprunghafte „True Romance“ dann trotz seinem Allstar-Cast auch zu lange ausgefallen, findet kein Ende und driftet irgendwann mit diesem verhunzten Drogendeal auch eher in die eher unglaubwürdige Ecke ab. Wer es mag wird bestens bedient und zumindest hab ich den jetzt endlich mal zur Gänze gesehen, auch wenn mich diese Art von Hochglanz-Grindhouse und Big-Budget-B-Movie einfach nicht so wirklich anspricht.

A Gun for Jennifer

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jogiwan hat geschrieben:Rabiates und wütendes Underground-Kino über eine feministische Frauengang, die männlicher Gewalt den Kampf angesagt hat und sehr effektiv gegen freigesprochene Vergewaltiger und sonstiges Gesocks losgeht. Das so etwas nicht immer Geschmackssicher daherkommt liegt zwar auf der Hand, aber Todd Morris hat zweifelsfrei einen sehr beeindruckenden und kurzweiligen Film geschaffen, der nicht von ungefähr an die Exploitation- und Rape´n Revenge-Filme aus den Siebzigern erinnert. Obwohl das Budget sicherlich überschaubar war, wurde hier das Maximum rausgeholt und auch die feministische Message des Filmes wird sehr eindeutig vermittelt. "A Gun for Jennifer" ist wahrlich ein rauer Genre-Diamant, der dem männlichen Publikum schick einen vor den Latz knallt! Sehr schön!
Wie polarisierend der Streifen sein kann, hab ich gestern wieder gemerkt, als ich nach „True Romance“ dann „A Gun for Jennifer“ in den Player gepackt hab und der einen Platz weiter so gar nicht gut angekommen ist. „A Gun for Jennifer“ ist wütendes, krachendes und unvorhersehbares Exploitation-Underground-Kino mit ruppigem Charme und Punk-Attitude, das auf männlicher Seite auch keine Gefangenen macht. Mäßig ist einzig die deutsche Synchro, die man meiden sollte, aber ansonsten ist „A Gun for Jennifer“ ein cineastischer Tritt zwischen die Beine des männlichen Publikums, der auch hübsch den Stinkefinger in Richtung Mainstream-Action mit Tarantino-Coolness zeigt. Sehr schön!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Wie die Karnickel

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Ralf König ist ja schon ein Guter und bereichert die Welt seit vielen Jahren mit seinen lustigen Comic-Büchern voller sympathischer Figuren, pointierter Alltagsbetrachtung und Witz, die naturgemäß im Laufe der Jahre auch den Weg auf die große Leinwand gefunden haben. Mal gelungen, mal weniger gelungen pendelt sich „Wie die Karnickel“ irgendwo in der Mitte ein und präsentiert eine humorvolle Geschichte über einen heterosexuellen Orchestermusiker und seinem schwulen Nachbarn, die gemeinsam mit Vorurteilen und sexuellen Problemen aller Art zu kämpfen haben. Technisch gibt es ja nicht viel zu meckern und Regisseur Sven Unterwald Jr. präsentiert den Streifen nach einem Original-Drehbuch von Ralf König, das erst später auch als Comic umgesetzt wurde ja sehr routiniert und kurzweilig. Andreja Schneider von den „Geschwistern Pfister“ als Operndiva Krimhild Nastrowa ist ein richtiges Ereignis, dass man schon gesehen haben sollte – der Rest ist etwas blasser ausgefallen und obwohl es vorwiegend um Sex geht, bleibt die Darstellung desselben doch auch für meine Verhältnisse etwas zu bieder und brav. Mit etwas mehr Mut und weniger Rücksicht auf den heterosexuellen Mainstream-Zuschauer wäre zwar sicherlich mehr möglich gewesen, aber auch so ist „Wie die Karnickel“ ein lustiger Film voller sympathischer Figuren und zwischenmenschlichen Problemchen, der 90 Minuten gute Laune verbreitet.

Liebegrüße aus der Lederhose

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Nachdem es hier viele Meinungen, aber wenig zum Film zu lesen gibt, wird es mal Zeit das zu ändern. Klar ist „Liebesgrüße aus der Lederhose“ objektiv betrachtet alles andere als ein guter Film, aber der Streifen hat mit seiner Mischung aus augenzwinkernden Reportfilm, verklärter Wald- und Wiesenromantik, volkstümlichen Charme, zotigen Witzen und nackter Haut den Nerv seiner Zeit getroffen und irgendwo zwischen Fremdschämen, Schmunzeln und Kopfschütteln werden sich in den episodenhaften Werk wohl viele in irgendeiner Weise wiederfinden. Wenn vom „Saisongockel“ und „Kurschatten“ die Rede ist und die „Buam“ zum „Fensterln“ kommen, der Heuboden kracht und das Bier schon vor dem Gast auf dem Tisch steht, dann stillt das auch die Sehnsucht nach Natur, Sommerfrische und einem unkomplizierten Lebensstil ohne den einschränkenden Regeln der technisierten Großstadt und lässt erahnen, warum auch heute noch selbsternannte „Volks-Rock’n Roller“ mit musikalischem Mist und Lederhose beim Publikum so gut ankommen. Böse Zungen würden wohl von Realitätsflucht sprechen und „Liebesgrüße aus der Lederhose“ wirft auch alles, was in der deutschen Filmlandschaft bis zur Zeit seines Entstehens kommerziell gut angekommen ist, in einen Topf und lässt dieses auf sehr niedrigen Niveau köcheln. Bei all seiner Zotigkeit zeugt Marischkas Kinoerfolg aus dem Jahr 1974 aber auch immer wieder von einer selbstironischen Betrachtungsweise und präsentiert überspitzte bayrische und ländliche Klischees am laufenden Band und selbst wenn die meisten Witze natürlich unterhalb der Gürtellinie platziert sind und am Ende sogar noch der Slapstick-Kasper ausgepackt wird, so wirkt das Ganze bei all dem präsentierten Nonsens doch auch sympathisch und auf unbedarfte Weise liebenswert.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Shampoo

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„Shampoo“ war anscheinend zur Zeit seiner Entstehung wohl als bissiges Statement zu seiner Zeit gedacht und wurde ein sehr erfolgreicher Film, der vielfach mit Preisen (u.a. Oscar für die beste Nebendarstellerin) ausgezeichnet wurde, doch wenn man ihn heutzutage sieht, funzt er nur noch sehr eingeschränkt. Die Geschichte des oberflächlichen Friseurs, der hinter jedem Rockzipfel her ist, in Los Angeles den schönen Dingen des Lebens frönt und sorglos in den Tag hinein lebt ist wohl als Abgesang auf die Unbeschwertheit der Sechzigerjahre gedacht und präsentiert einen egozentrischen und genusssüchtigen Menschen, der ohne Rücksicht und ohne Plan, seinen „American Dream“ lebt und sich auch wenig um andere Menschen aus seinem Umfeld kümmert.
Dennoch lässt einem die Geschichte und seine Figuren irgendwie völlig kalt und außer schönen Bildern und hübschen Menschen hat auch „Shampoo“ nicht wirklich viel zu bieten. Hollywood-Hochglanz-Filmchen mit Starbesetzung, das sich gerne tiefgründig geben würde und dennoch nur an der schimmernden Oberfläche verharrt und nur durch die gravierende Fehlbesetzung von Warren Beatty als Friseur ein wenig in Erinnerung bleibt.

Slumber Party Massacre

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Schöner Achtziger-Slasher in der Tradition von Carpenters „Halloween“ mit allem was dazu gehört und einem geistesgestörten Killer, der mit der Bohrmaschine Jagd auf junge Mädels einer Pyjamaparty macht. Statt nur auf ein blutige Finale hinzuarbeiten, sind die wirklich sehr zahlreichen Morde gut auf die knappe Laufzeit von 76 Minunten aufgeteilt und auch wenn die Spannung nicht durchgehend gehalten werden kann und der Streifen augenscheinlich für ihre Teenie-Rollen zu „alte“ Mädchen präsentiert, so entschädigt das turbulente Ende über manch kleineren Durchhänger davor. Sehr schade, dass es „The Slumber Party Massacre“ nie zu einer Veröffentlichung in Deutsch geschafft hat, da der Streifen wirklich alles bietet, was man sich in einem derartigen Streifen erwartet und das Ganze neben etwas nackter Teenie-Haut auch noch mit einem Augenzwinkern versieht. Das amerikanische Set mit allen drei Teilen gibt es aber mittlerweile auch ganz günstig und hat auch noch die dreiteilige Doku über die Serie mit dabei. Mit Nostalgie-Bonus und Fanbrille ist „The Slumber Party Massacre“ eigentlich ein unverzichtbarer Film, ohne aber auch noch immer ein sehr funktionales, kleines und sympathisches B-Movie.

Das Lieder der Balalaika

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Der junge Russe Sascha Voronin verzaubert mit seiner Stimme die ganze Welt und steht an der Schwelle zu einer ganz großen Karriere. Als er auch noch mit dem Top-Model Nathalie seine ganz große Liebe findet, scheint das Glück auch perfekt, doch eine Zufallsbekanntschaft namens Darow macht Sascha und all seinen Zukunftsplänen einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Dieser entpuppt sich auf einer gemeinsamen Fahrt auf dessen Yacht als gemeiner Gangsterboss und als Sascha Zeuge wird, wie dieser einen Mordauftrag erteilt, wird er von Darow niedergeschlagen, von Bord geschmissen und seinem Schicksal überlassen. Doch der spurlos verschwundene und für Tod erklärte Sascha überlebt den feigen Anschlag und landet wenig später mit verlorenem Gedächtnis bei einem Wanderzirkus, wo er abermals sein Publikum mit seiner imposanten Stimme zu Tränen rührt. Als ein französischer Radiosender auf das Stimmwunder aufmerksam wird und er live im Studio eine Arie zum Besten gibt, erweckt er jedoch damit alte Geister und bringt so nicht nur sich, sondern auch sein Umfeld in größte Gefahr…

Da lebt man vierzig Jahre in dem Glauben, dass es sich bei Ivan Rebroff um einen russischer Sänger handelt und dann entpuppt sich der doch nach kurzer Wikipedia-Recherche doch glatt als Hans Wolf Rippert geborener und in Halle (Saale) aufgewachsener deutscher Sänger, der mit falschem Akzent und Fake-Bibermütze auch nur so getan hat, als würde er aus dem hintersten Ural stammen. Ist aber auch egal und der cineastische Schnellschuss und deutsch-französische Ko-Produktion „Das Lied der Balalaika“ ist jedenfalls voll und ganz auf den grobschlächtigen Sänger zugeschnitten und bietet neben zahlreichen Songs in deutscher, französischer und natürlich russischer Sprache auch noch eine Rahmenhandlung über böse Gangster, die dem herzensguten Mann nach dem Leben trachten. Dabei ist der lustige Streifen aber doch etwas seltsam gestaltet und nach dem psychedelisch-bunten Titel-Credits kommt immer wieder unterschiedlichstes Archiv-Material zum Einsatz, dass in der sehr sprunghaft erzählten Geschichte über die größten Logiklöcher hinweghelfen muss. Irgendwann schaut auch Katja Ebstein vorbei und singt „Wunder gibt es immer wieder“ und ist so schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht ist um dem theatralischen und Diven-haften Singbären nicht die Wurst vom Brot zu ziehen. Dabei agiert der sympathische Ivan überraschenderweise auch sehr passabel und am Ende gibt es auch noch eine packende Verfolgungsjagd durch Monaco und eine geschickt choreografierte Prügelei, ehe der Streifen überstürzt beendet wird. Unterm Strich bleibt zwar kein sonderlich guter Streifen, aber ein unterhaltsames Flickwerk mit viel Musik und ein paar bösen Buben, das sich geschickt den damaligen Hype um den charismatischen Mann zu Nutze gemacht hat um ein paar Zuschauer in die Kinosäle zu locken und mit seiner Mischung aus Schmalz, Action und Operetten-Arien auch zu den kuriosesten Musikfilmen der Filmgeschichte zählt.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Scary Movie

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Genau ein Jahr nach einem Unfall, bei dem Cindy und ihre Freunde auf einer Landstraße mit ihrem Van einen Mann überfahren und danach im Meer entsorgt haben, beginnt auf dem Campus der Schule eine schreckliche Mordserie. Zuerst ist es die hübsche Drew, die nach einem Telefongespräch mit dem Killer auf grausame Weise vor ihrem Elternhaus abgeschlachtet wird und wenig später geraten auch die zurückhaltende Cindy und ihr Bekanntenkreis ins Visier des unberechenbaren Mörders. Doch diese sind ohnehin mit anderen Problemen beschäftigt und als sich auch noch eine profitgeile Autorin und ein unfähiger Polizeibeamter ins Geschehen einmischen, bricht wenig später am Campus die Hölle los...

Turbulente und wenig geschmackssichere Persiflage auf das Slasher2.0-Genre in dem „Scream 1 & 2“ und „Ich weiß was du letzten Sommer getan hast“ eigentlich inhaltlich eins zu eins übernommen werden und ganz ordentlich durch den Humor-Fleischwolf gedreht werden. Das „N“ in „Scary Movie“ steht dabei für Niveau und auf jeden gelungenen Gag kommen mindestens zwei, die nicht so wirklich zünden oder humortechnisch in eher niedrigeren Körperregionen angesiedelt sind. Zum Glück ist die Dichte an Witzen aber so derart hoch, dass der Streifen dennoch zündet und kennt man die Vorbilder ist „Scary Movie“ auch ein großer Spaß. Die Parodie auf gängige Slasher-Muster, die ja irgendwie schon in den Vorbildern auf die Schippe genommen wurden, ist jedenfalls genau auf den Fan derartiger Werke zugeschnitten und war auch derart erfolgreich, dass es der Franchise mittlerweile auf fünf Teile gebracht hat. Die kann man sich zwar wohl getrost schenken, aber Teil 1 ist auch 15 Jahre nach Erscheinen immer noch ein Spaß, der mit seinen etwas pubertären Holzhammer-Humor zwar sicher kein Werk für Feingeister geworden ist, aber dennoch ein paar grandiose Momente beinhaltet, die ein erwachsenes Publikum auch für die weniger gelungenen Momente entschädigt.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

A Rough(ie) Night:

The Story of Prunella

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Die junge Ambrosia ist die Tochter eines Gefängnisdirektors und glücklich in den Polizisten Paul verliebt, den sie auch in Kürze heiraten möchte. Dieser hat jedoch auch eine Affäre mit ihrer Mutter und auch eine Geschenks-Party anlässlich der bevorstehenden Hochzeit entwickelt sich anders als geplant, als drei gewaltbereite und sexuell ausgehungerte Gefängnisausbrecher Ambrosia und ihre Mutter mit einem Trick entführen. Als diese auch noch erfahren, dass es sich dabei um die Tochter und Ehefrau des verhassten Gefängnisdirektors handelt, verwandeln diese die Party in einen Ort des Schreckens und als auch Paul ein ungutes Gefühl beschleicht und er sich auf den Weg zur Party macht, steuert alles einem schrecklichen Höhepunkt entgegen…

Berüchtigter "Roughie" vom nicht minder berüchtigten New Yorker Regisseur Phil Prince, der jedoch nicht nur sehr kurz, sondern auch eher mehr sexuell als herb ausgefallen ist. Die Geschichte über die junge Ambrosia, die am Tag ihrer „Wedding-Shower-Party“ mit ihrer Mutter in die Hände von drei gewaltbereiten Ausbrechern fällt ist ja im Roughie-Genre ein beliebtes Szenario und auch eher der lose Aufhänger für jede Menge Rammelei . Der Handlungsanteil ist eher gering und obwohl die Ausbrecher inklusive George Payne versuchen sich lautstark und psychopathisch zu geben, sind die Frauen im Film ja eher aus der Kategorie „dankbare Opfer“, die auch leicht zu sexuellen Handlungen zu überzeugen sind. Was den billig heruntergekurbelten aber interessant macht, ist der vollkommen überaschende Schocker am Ende, der wirklich sehr überraschend auf den Zuschauer losgelassen wird und diesem im letzten Moment noch zusätzlich eins vor den Latz knallt. Kein Film zum gut finden, aber welcher "Roughie" ist das schon?

Prisoner of Pleasure

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Liz ist eine gelangweilte Hausfrau in New York, die sich längst daran gewöhnt hat, ihre abgründigen und sexuellen Fantasien ihrem langweiligen Leben und biederen Gatten unterzuordnen. Dass ändert sich schlagartig, als sie eines Tages nach einem Treffen mit ihrer Freundin Marjorie auf dem Weg nach Hause auf offener Straße entführt wird. Gefesselt und erniedrigt findet sie sich wenig später in einem finsteren Lagerhaus wieder, in dem sie von einer Gruppe von Männer und Frauen zu wilden Sado-Maso-Spielen genötigt wird. Zur gleichen Zeit erhält der verzweifelte Gatte eine hohe Lösegeldforderung, die er jedoch nicht bezahlen kann und während sich später herauskristallisiert, wer eigentlich hinter der Entführung steckt, beginnt auch Liz ihre Rolle als Opfer und die wüsten Spiele immer mehr zu genießen…

Liz ist eine gelangweilte Hausfrau in New York, die sich längst daran gewöhnt hat, ihre abgründigen und sexuellen Fantasien ihrem langweiligen Leben und biederen Gatten unterzuordnen. Dass ändert sich schlagartig, als sie eines Tages nach einem Treffen mit ihrer Freundin Marjorie auf dem Weg nach Hause auf offener Straße entführt wird. Gefesselt und erniedrigt findet sie sich wenig später in einem finsteren Lagerhaus wieder, in dem sie von einer Gruppe von Männer und Frauen zu wilden Sado-Maso-Spielen genötigt wird. Zur gleichen Zeit erhält der verzweifelte Gatte eine hohe Lösegeldforderung, die er jedoch nicht bezahlen kann und während sich später herauskristallisiert, wer eigentlich hinter der Entführung steckt, beginnt auch Liz ihre Rolle als Opfer und die wüsten Spiele immer mehr zu genießen…

Slave of Pleasure

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Eileen führt eine eher unglückliche Ehe mit Richard, der hinter ihrem Rücken auch eine Affäre mit dessen bester Freundin Barbara hat. Als diese ihre Nebenbuhlerin aus dem Weg haben möchte, trifft es sich ganz gut, dass Henri Picard, der Boss eines internationalen Mädchenhändlerrings in New York nach einem hübschen Opfer für einen finanzkräftigen Kunden sucht. Nach einem Tipp von Barbara wird Eileen von dem Syndikat entführt und mittels neuartiger Droge zu einer gefügigen Sexsklavin gemacht. Doch Richard vermisst seine treusorgende Gattin und beauftragt den Privatdetektiv McCord um nach seiner Gattin zu suchen, der dank seiner Kontakte auch bald Picard und seiner Bande auf die Schliche kommt...

Gelungene Mischung aus Exploitation- und Fleischfilm mit S&M-Einschlag und bekannten Gesichtern wie Jamie Gillis, C.J. Laing und Robert „Cannibal Holocaust“ Kerman, der ohne HC wohl auch als Sexploitation-Film aus europäischer Produktion gut funktionieren würde. Die Story über Privatdetektive, Mädchenhändler, Intrigen und Sexdrogen ist hübsch over-the-Top und hält den Zuschauer mit lustigen Ideen bis zum bitteren Ende hübsch bei Laune und leistet sich auch keine Durchhänger. Außerdem überzeugt der 1978 gedrehte „Slave of Pleasure“ neben seiner Darsteller und hübschen Ausstattung auch mit jeder Menge Aussendrehs in New York und hat mit dem verlassenen Coney Island im November auch sehr beeindruckende Locations zu bieten. Insgesamt betrachtet zählt „Slave of Pleasure“ dann auch zu den gelungeneren Streifen aus der Ecke, der dank ausgewogener Elemente auch als Spielfilm funktioniert und dem man auch ansieht, dass hier ein größeres Budget zur Verfügung stand.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Millenium - Die 4. Dimension

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Zeitreisefilme mag ich ja generell sehr gerne, alles was mit Flugzeugabstürzen zu tun hat ebenfalls und düstere Zukunftsszenarien haben generell bei mir ein Stein im Brett. „Millenium – Die 4. Dimension“ von Regisseur Michael Anderson aus dem Jahr 1989 ist dann auch ein Streifen, der alles voran Genannte in einem Streifen versammelt, den ich in jungen Jahren gesehen habe und auch als sehr gelungen in Erinnerung hatte. Der Streifen mit Kris Kristofferson und Cheryl Ladd beginnt ja auch sehr düster und spannend und zeigt den Flugzeugkatastrophenexperten Bill, der bei der Suche nach der Absturzursache eines Passagierflugzeuges ein paar Ungereimtheiten auf die Spur kommt. Des Rätsels Lösung ist aber weit komplexer als gedacht und präsentiert mit Zeitreisenden aus der Zukunft eine etwas ungewöhnliche Auflösung. Zugegeben, die Story des Streifens ist etwas gaga und die Effekte heutzutage auch nicht mehr ganz so zeitgemäß, aber die Story von „Millenium“ ist zweifelsfrei sehr originell und auch sehr spannend erzählt, bietet zwei sympathische Darsteller in den Hauptrollen, die sehr gut miteinander harmonieren und ist auch recht passabel inszeniert. In der Zeit wird auch fleißig hin- und hergereist und der Lauf der Zeit geändert und am Ende ist sogar noch Platz für Kritik an der Sorglosigkeit der Menschheit und einer kleinen Love-Story. Ein trashig-liebenswertes Sci-Fi-Katastrophenfilm-Drama und eigentlich ein Film genau nach meinem Geschmack.

A Nightmare on Elm Street

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In Memoriam Wes Craven: Kaum ein Regisseur hat sich im Verlauf seiner Karriere so derart oft neu erfunden wie der amerikanische Filmemacher Wes Craven, in dessen Filmografie sich ja gleich eine Vielzahl von Genre-Filmen tummeln, die aus dem kollektiven Bewusstsein der Horrorfilmfans gar nicht mehr wegzudenken sind. Freddy Krüger aus „A Nightmare on Elm Street“ zählt ja neben Michael Myers und Jason Voorhees popkulturell zu den Top 3 der ganz großen Bösewichten aus Horrorfilmen und der filmische Auftakt zu bislang sieben Filmen, Serie, Remake und Spin-Off ist einfach ein sehr funktionaler Horrorfilm, der Mitte der Achtziger dem Genre auch gleich neue Impulse verlieh. „Nightmare“ spielt geschickt mit menschlichen Urängsten, hat junge Protagonisten, ohne ein Teenie-Film zu sein und ist auch in Punkto Horror überraschend zeigefreudig, ohne selbstzweckhaft zu erscheinen. Hier stimmt dann auch einfach (fast) alles und Wes Craven gelingt ein wunderbarer und rasiermesserscharfer Spagat zwischen düsteren Horror und kommerzieller Verwertbarkeit und das Endergebnis überzeugt dann auch noch 30 Jahre später. Mach’s gut Wes und danke für alle deine Filme!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Feuerteufel

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„Feuerteufel“ war einer der ersten King-Romane, die ich in jungen Jahren gelesen habe und daher hat mich seinerzeit die extrem maue und enttäuschende Verfilmung der eigentlich sehr spannenden Vorlage umso härter getroffen. Was bei der Leinwand-Adaption tatsächlich schief gelaufen ist, kann man wohl nur mit „alles“ beantworten und der Streifen kommt mit seinen schlechten Figurenzeichnung und behäbigen Erzählweise auch nie so richtig in die Puschen und selbst das pyromanische Finale ist zäh wie Kaugummi und lahmer als ein Tischfeuerwerk inszeniert. „Firestarter“ versucht sich über weite Teile auch als Drama mit Horror-Einschlag und scheint sich dabei immer auf die falschen Dinge der Vorlage zu konzentrieren und schafft es auch nicht, seine Hauptfiguren so zu präsentieren, dass Mitgefühl und Interesse beim Zuschauer geweckt wird. Das ganze Szenario wirkt daher auch immer arg unglaubwürdig und der Streifen wie eine lustlose Fingerübung und Auftragswerk eines Regisseurs, in der zwar alle Vorgaben erfüllt werden, aber Herzblut und Seele fehlen und der hinsichtlich der Story obligate und zündende Funke nicht auf den Zuschauer überspringen mag.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Die Goonies

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Über „Die Goonies“ muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren und jeder, der die Achtziger auch nur ansatzweise mitbekommen hat, kennt wohl den turbulenten Film über eine Handvoll Jugendlicher auf der Suche nach einem sagenumwobenen Piratenschatz. Richard Donners und von Steven Spielberg produzierter Abenteuer-Spaß für die ganze Familie ist im Grunde eine „Indiana Jones“-Variante für das jüngere Publikum und dennoch ist „Die Goonies“ trotz alberner Momente nicht so harmlos wie vielleicht erwartet und präsentiert auf augenzwinkernde Weise und mit positivem Grundton auch durchaus Dinge, die man sich in einem derartigen Film vielleicht nicht unbedingt erwarten würde. Ich fand diesen temporeichen Streifen ja schon immer liebenswert und auch dreißig Jahre nach Erscheinen funzt der damalige Kassenerfolg noch immer sehr gut, nimmt seine jugendlichen Figuren ernst und ist zum Glück auch weit entfernt von irgendwelcher glattgebügelter und seelenloser CGI-Unterhaltungswerke, die heutzutage auch immer eine Spur zu sehr auf Nummer sicher gehen. „Die Goonies“ ist ein großer Spaß für Nerds und Normalos, weckt mühelos das Kind im Manne und präsentiert 100 Minuten temporeiches und sympathisches Abenteuerkino für humorvolle Menschen von jung bis alt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Hole

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„The Hole“ hab ich ja auch zur Zeit seines Erscheinens gesehen, wobei mir bis auf die finale Auflösung nicht allzu viel in Erinnerung geblieben ist, obwohl ich den seinerzeit auch nicht schlecht fand. Wenn man das Ende kennt kann man sich auf mehr auf den Rest konzentrieren und irgendwie fand ich die Ereignisse bei meiner gestrigen Sichtung doch sehr arg konstruiert und auch der unbedarfteste Thriller-Fan wird ahnen, dass man als Zuschauer den unterschiedlichen Angaben über das Verschwinden von vier Jugendlichen nicht uneingeschränkt Glauben schenken kann. Irgendwie sind gleich einige Dinge an dem Streifen extrem unglaubwürdig ausgefallen und das fängt schon einmal daran, dass sich wohl niemand freiwillig und im Geheimen für drei Tage in einem Bunker einschließen lassen würde, ohne die Kontrolle darüber zu haben, auch wieder rauszukommen. Ansonsten ist der Streifen aber hübsch gemacht und mit hippen Teens auch auf ein eher jugendliches Publikum zugeschnitten, ehe er sich mit dem haarsträubenden Ende dann nochmals gehörig ein Bein stellt. Ich persönlich hätte ja noch eine weitere Variante bevorzugt, die sich vielleicht irgendwo in der Mitte einpendelt, aber so bleibt „The Hole“ doch ein Reißbrett-Thriller mit schöner Optik und unglaubwürdiger Geschichte, die beim zweiten Mal auch nicht mehr so richtig zündet und/oder zu überraschen vermag.
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