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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 9. Aug 2015, 17:17
von jogiwan
Mundo Verde

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Eigentlich ist durch meine Vorredner ja bereits alles über diesen desaströsem Akt von Ressourcenverschwendung gesagt und es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit in dem ohnehin nicht sonderlich anspruchsvollen Genre des Mondo-Kannibalen-Eingeborenen-Films und mit einer Laufzeit von knapp 70 Minuten ein derart langatmiges und nerviges Werk abgeliefert wird. Normalerweise genügen neben einer Alibi-Geschichte ja ein paar hübsche Naturbilder, bedrohliche Tiere, halbnackte Wilde und eine Handvoll Ideen und fertig ist das systemerhaltende Werk für den sensationsgierigen Zuschauer, aber auch hier versagt „Mundo Verde“ vollends und langweilt den Zuschauer mit einer wankelmütigen Hauptdarstellerin und einer lahmen Geschichte über das Balzverhalten von irgendwelchen halbwilden Indios. „Mundo Verde“ kommt auch nie in Fahrt und wirkt auch wie ein wirres und nach dem Zufallsprinzip vom Ferialpraktikanten zusammengeschnippeltes Werk, das im Vorfeld schon seiner Schauwerte beraubt wurde und ist dann irgendwie auch die gerechte Strafe für jemanden wie mich, der sich bei Filmen mit ultraschlechten Kritiken – warum auch immer - nie zurückhalten kann. Ein Satz mit zwei X – das war wohl nix, Kapax!

Evils of the Night

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Eine Gruppe von sexgeilen Studenten campiert in der Nähe eines Sees und ahnt nicht, dass nur ein paar Meilen weitere feindselige Aliens gelandet sind, die nun in einem vermeintlichen Spital jungen Leuten das Blut abzapfen um daraus einen Wirkstoff zu gewinnen, der die eigene Sterblichkeit rapide verlangsamen soll. Um genügend menschlichen Ausgangsmaterial zu haben werden von den Aliens in dem ansonsten recht beschaulichen Ort zwei tumbe Mechaniker angeworben, die sich um das Kidnappen der Teenies kümmern und denen die Arbeit aufgrund der bevorstehenden Abreise der Aliens auch nicht ausgeht. Als der Campingplatz jedoch immer leerer wird, macht sich zunehmend Panik unten den ansonsten eher naiven Studenten breit und schon wenig später entbrennt ein verzweifelter Kampf um Leben und Tod…

Alien-Abduction-Teenie-Softsex-Slasher-Gurke der langweiligen Sorte, die gleich an mehreren Fronten gravierende Fehler begeht. So wirken die Aliens in Form von Julie „Catwoman“ Newmar, Tina Louise und John Carradine trotz futuristischer Anzüge wenig außerirdisch und das Motiv wird auch gleich zu Beginn verraten um ja die Spannung so gering wie möglich zu halten. Wer sich gerne darüber aufregt, dass junge Leute in Teenie-Slasher und Softsex-Filmen immer so doof agieren und Stumpfsinn von sich geben, bekommt hier auch ausreichend Bestätigung dafür und es gibt trotz freizügigem Cast und dauerndem Gequassel über körperliche Vereinigungen kaum eine Figur in dem Streifen, der man das zeitnahe Abnippeln nicht an den Hals wünschen würde. Bleiben noch Aldo Ray und Neville Brand als böse Kidnapper, die aber ebenfalls alles andere als effektiv agieren und selbst der flockige Synthie-Soundtrack mit schmalzigen Songs, unmotivierte Laserstrahlen und ein wenig Schmodder im Finale können „Evils of the Night“ nicht vor dem totalen Bauchfleck bewahren. Die Kollegen von Badmovies dürften mit Mardi Rustams Kreuzung aus "Eis am Stiel" und Diskont-Alien-Entführungshorror aus den Untiefen der Achtziger sicherlich ihre helle Freude haben, aber alle anderen seinen an dieser Stelle vor diesem kostengünstigen Werk aus der unteren Schublade des Sci-Fi-Horror-Genres ausdrücklich gewarnt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 10. Aug 2015, 20:26
von jogiwan
Das Relikt

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Solider und durchaus gelungener Monster- und Fantasy-Horror, der vor allem mit seiner Museums-Location und origineller Geschichte punkten kann und auch ansonsten wenig Anlass zur Kritik bietet. In bester Katastrophenfilm-Manier werden zuerst die unterschiedlichsten Charaktere eingeführt und im etwas lahmeren Mittelteil der Grundstein für eine etwas abstrakte Geschichte über Aberglaube und okkulte Wesen gelegt, bis es im Finale dann ganz ordentlich in der Kiste rappelt. Mag schon sein, dass die Effekte zum Schluss vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß wirken und manche Stellen im Film eher zu erahnen, als zu ersehen sind, aber das stört in dem durchaus spannenden und atmosphärischen Werk gar nicht so sehr und wer derartige Filme mag, bekommt mit Peter Hyams Streifen und seinen sympathischen Figuren ein tolles Monsterhorror-Rundum-Paket im mittleren Härtebereich präsentiert.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 11. Aug 2015, 20:45
von jogiwan
Meine teuflischen Nachbarn

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Eigentlich ganz lustiges und unterhaltsames Filmchen über biedere Eigenheimbesitzer aus der Vorstadt, die Argwohn gegen ihre neuen Nachbarn hegen, die sich mit ungepflegten Rasen und eigenbrötlerischem Verhalten gleich einmal von allen restlichen Nachbarn unter Generalverdacht gestellt werden. Als dann auch noch ein weiterer Nachbar verschwindet sind Paranoia Tür und Tor geöffnet und schon bald nehmen Verschwörungstheorien überhand. Dennoch ist „Meine teuflischen Nachbarn“ aber eine lustige Komödie mit sympathischen Leutchen, der auch heutzutage noch großen Spaß macht, auch wenn die Wirklichkeit den Film schon längst überholt hat. Über das Ende kann man zwar noch immer geteilter Meinung sein, aber die gestrige Sichtung bietet sonst keinen großen Anlass zur Kritik und Joe Dante hat mit „The `Burbs“ eine augenzwinkernde und temporeiche Sache abgeliefert, Spießbürgerlichkeit, Vorurteile und Xenophobie hübsch auf die Schippe nimmt und mit Verweise auf andere Horrorklassiker und seinem gut-gelaunten Cast und trotz Tom Hanks auch 100 Minuten perfekt zu unterhalten weiß.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 13. Aug 2015, 20:47
von jogiwan
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

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Der 13jährige Momo lebt mit seinem depressiven Vater in einem jüdischen Viertel in Paris und kümmert sich, nachdem die Mutter die Beiden verlassen hat, neben der Schule auch um den Haushalt. In seiner Freizeit beobachtet er die Menschen in seinem Viertel und lenkt sich mit Besuchen bei Prostituierten von seinem tristen Alltag ab. Als er Geld für seine Abenteuer benötigt, zweigt Momo nicht nur etwas vom Haushaltsgeld ab, sondern begeht auch kleinere Diebstähle im Laden von Monsieur Ibrahim. Doch dieser bemerkt die Diebstähle und als er Momo fast beiläufig darauf aufmerksam macht, schämt sich der Junge und hört damit auf. Doch Ibrahim versteht die schwierige Lage des Jungen und die Beiden freunden sich in den folgenden Wochen an. Ibrahim gibt dem Jungen Tipps und erzählt von seinem Koran, während Momo den weisen Ausführungen des türkischen Kaufmanns lauscht. Als auch noch Momos Vater spurlos verschwindet und wenig später Selbstmord begeht, ist es abermals Ibrahim, der den Junge in der schwierigen Zeit mit Rat und Tat zur Seite steht…

„Monsieur Ibrahim“ ist ein in mehrfacher Hinsicht sehr schöner Film in bester europäischer Arthouse-Tradition, der wie ein „Coming-of-Age“-Streifen beginnt, auf humorvolle Weise eine eigentlich sehr traurige Geschichte erzählt, am Ende in Richtung Roadmovie driftet und dabei neben Lokal- und Zeitkolorit vor allem durch seinen wunderbaren Hauptdarsteller Omar Sharif punkten kann. Dabei erzählt die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft des dreizehnjährigen Juden und dem muslimischen Kaufmann von Toleranz, Nächstenliebe und dem Glück, dass nicht in Reichtum und materiellen Dingen, sondern in jeden Moment zu finden ist, der zwei Menschen miteinander verbindet. In Zeiten denen in sozialen Netzwerken zunehmend nur noch Oberflächlichkeit gehuldigt wird und gesellschaftspolitisch wieder zunehmend Gräben aufgerissen werden, ist „Monsieur Ibrahim“ jedenfalls ein schönes, unaufdringliches und bescheidenes Statement zu mehr Menschlichkeit.

Graf Dracula in Oberbayern

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Carl Schenkels unter dem Pseudonym Carlo Ombra gedrehtes Werk ist eigentlich eine typische, sommerliche Lisa-Film-Sexkomödie mit viel nackter Haut und hübschen Frauen, die statt auf einer Mittelmeerinsel oder sonstigen, exotischen Ferienorten aber in einem verschlafenen, oberbayrischen* Ort spielt. Dort wird von dem sympathischen Stani und seinen Freunden in dem alten Schloss seiner Ahnen eine hippe Diskothek eröffnet, ohne zu ahnen, dass in der Familiengruft im finsteren Keller ein ausgehungertes und im Streit lebendes Vampir-Ehepaar nur darauf wartet, sich am roten Lebenssaft des zahlreichen Publikums zu laben. Erwartungsgemäß ist „Graf Dracula in Oberbayern“ nach seinem überraschenden Auftakt im Sado-Maso-Keller natürlich mehr Sex-Klamauk als Gruselstreifen und eine etwaige Vampir-Thematik dient ja nur als Aufhänger für jede Menge Verwicklungen. Trotzdem bietet der 1979 gedrehte Streifen alle Figuren, die man in einem Vampirfilm erwartet und nutzt die Mythen der Blutsauger, seinen gut-gelaunten Cast und biederen Handlungsort für lustige Verwicklungen am laufenden Band, schlüpfrigen Gags aus der Verwechslungs-Ecke und jeder Menge Disco-Feeling und nackter Haut. Die durchwegs schlechten Kritiken im Netz müssen dann wohl von humorlosen Menschen stammen, da der kurzweilige und freizügige „Graf Dracula in Oberbayern“ ja sonst nicht viel Anlass zur Kritik bietet, sich gut gucken lässt und auch mit vielen bekannten Gesichtern jedenfalls sehr unterhaltsam und spaßig um die Ecke beisst ähm... biegt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 14. Aug 2015, 20:50
von jogiwan
Torso

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Über "Torso" hab ich ja schon zweimal was getippelt, dann erspar ich mir großartige und weitere Worte. Zwar sicher nicht Martinos Bester, aber doch ein besonderer Film in meinem Herzen. Je öfter man den guckt, desto mehr fallen einem aber bei aller Liebe zum Genre doch die doch etwas holprigen Erzählstrukturen auf. Spannend wirds eigentlich auch erst im Finale und die männlichen Figuren... naja! Egal, ich mag den einfach und auf Blu-Ray ist "Torso" dann noch schöner zu gucken.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 16. Aug 2015, 00:52
von jogiwan
El Mariachi

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Ich kenn ja die beiden Nachfolger nicht, aber „El Mariachi“ ist jedenfalls schon einmal ein Streifen, der mir wie ein feuriges Fajita durchaus sehr gut gemundet hat, obwohl derartige Werke ja normalerweise nicht so meine Baustelle sind. Ein feines Low-Budget-Movie mit viel Mexiko und noch mehr Überraschungen, das vor allem sehr flott und temporeich geschnitten ist und elegant zwischen Action, Drama und Komödie dahin schlittert, ohne in irgendeiner Weise aufgesetzt oder unglaubwürdig zu wirken. Dass dieser Streifen 1992 entstanden ist, überrascht ja doch ein bisschen und auch wenn man „El Mariachi“ sein sehr schmales Budget auch ansieht, macht er einfach Spaß, hält mit seiner unvorhersehbaren Geschichte auch den Zuschauer immer hübsch bei Laune und ist sich zum Glück auch für eine Musik-Nummer im Mariachi-Stil nicht zu schade. Alles in allem ein schönes und augenzwinkerndes Debüt von Roberto Rodriguez, dass sich nicht großartig um seine Limitierungen schert und mit seiner verspielten und „wir-machen-jetzt-einfach-mal-was-Großartiges“-Mentalität auch ein sehr unterhaltsames Action-Filmchen geworden ist.

Die Horror-Party

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Die junge Millionärserbin Muffy lädt am 1. April ihre Studienkollegen und Freunde zu einer sogenannten „Spring-Break“-Feier in ein geräumiges Haus auf einer abgelegenen Insel, dass nur mittels Fähre erreichbar ist. Doch schon bei der Überfahrt kommt es zu einem tragischen Unglück, als sich durch einen missglückten Aprilstreich zweier Gäste ein Fährmann schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht werden muss. Am Abend scheinen jedoch alle tragischen Vorkommnisse vergessen und neben allerlei Scherzen steigt auch die Stimmung unter den Gästen wieder. Am nächsten Tag ist jedoch ein weiterer Gast spurlos verschwunden und auch die ansonsten so lebensfreudige Muffy scheint sich zu verändern. Als die Gruppe in den folgenden Stunden weiter dezimiert wird, macht sich Panik breit und als die ersten Leichen gefunden werden, versucht der Rest der Gäste verzweifelt von der Insel zu kommen, während auch der unbekannte Killer weiter seinem blutigen Treiben nachgeht.

Kurzweiliger Slasher im Fahrwasser von „Freitag der 13.“ von Regisseur Fred „Das-Grauen-kommt-um-10“ Walton, der mit sympathischen Darstellern und überraschenden Twist auch gut zu unterhalten weiß. Zwar kommt „Die Horror-Party“ etwas langsamer im Gang und hätte vielleicht auch etwas mehr Tempo und Schmodder vertragen, aber auch so bekommt man in dem 1986 gedrehten Werk alles, was man sich in einem Slasher erwartet. Zuerst wirkt das Szenario mit den Aprilscherzen noch recht harmlos und es wird gescherzt und gefeiert - am Ende spitzt sich die Lage dann dramatisch zu und auch wenn man Genre-technisch einiges an Erfahrung mitbringt, wird man das überraschende Ende wohl nicht so einfach erraten können. Jedenfalls bietet „April Fool’s Day“ grundsolide Achtziger-Unterhaltung im oberen Bereich und wer diese Art von Filmen mag, bekommt hier auch einen Vertreter präsentiert, der sich zu einem gewissen Zeitpunkt wohlwollend von gängigen Strickmustern abhebt und auch mit dem Zuschauer sein augenzwinkerndes Spiel treibt. Ob man das jetzt positiv oder negativ erachtet, bleibt dabei wohl dem Zuschauer überlassen, aber ich fand „Die Horror-Party“ jedenfalls schwer okay und würde mich jederzeit wieder auf die Gästeliste setzen lassen

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 16. Aug 2015, 18:21
von jogiwan
Born Again

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Mark kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Fernsehprediger Reverend Hartley ein Wunder für seine Show braucht. So trainiert er mit Volontären angebliche Heilungen, die publikumswirksam vorgeführt werden und ist auch sonst zur Stelle, wenn ein Mann fürs Grobe benötigt wird. Als die Macher der Show eine Frau namens Maria in Italien ausfindig machen, die an Stigmata leidet wird ein Deal ausverhandelt und Mark soll die Frau in die Staaten begleiten. Doch Marias Wunder sind echt und die Begegnung der Beiden bleibt ebenfalls nicht ohne Folgen. Während Maria aber ein Teil der Show wird und schon bald Menschenmassen anlockt, versucht Mark die sensible Frau aus den Fängen des immer grotesker agierenden Predigers und dessen Firma zu befreien, die aber nicht bereit sind, die gewinnträchtige Show-Einlage so einfach gehen zu lassen…

Sehr seltsamer und zwiespältiger Film des spanischen Regisseurs Bigas Luna, der einen amerikanischen Fernseh-Prediger und dessen Umfeld zeigt, der mit vermeintlichen Wunderheilungen und eindrucksvollen Predigen das große Geld macht und auf eine Frau stößt, die tatsächlich Wunder vollbringen kann. Statt die ganze Sache mit den TV-Predigern zu entzaubern, präsentiert Luna dem Zuschauer aber eine halbgare Mystery-Geschichte über christliche Wunder und lässt auch sonst keine Gelegenheit aus um sich auf die falschen Dinge zu konzentrieren. Herausgekommen ist dabei so etwas wie ein christlicher Genre-Film, in dem nichts zusammenpassen will und bei dem ich auch wie schon bei Eckhart Schmidts „Das Wunder“ keine Ahnung habe, was uns die Macher damit eigentlich sagen möchte. Filme, die den kirchlichen Betrieb mit Samthandschuhen anfassen und mit unterschwelligen oder direkten Botschaften, dass derartige Wunder in der heutigen Zeit sehr wohl möglich sind und eventuell auch schon der Heiland schon wieder unter uns weilt, finde ich dann auch ziemlich doof und auch „Born Again“ ist da keine Ausnahme. Entweder hab ich den Witz nicht verstanden, oder Bigas Lunas Streifen ist ein langweiliger und bisweilen ärgerlicher Film mit überbordender Symbolik und fragwürdiger Botschaft, der sich zwischen alle Stühle setzt und so etwas dem mündigen Zuschauer vorzusetzen grenzt schon an eine ziemliche Frechheit.

Mondo Cannibale 4 - Nackt unter Wilden

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Dilettantischer und blutarmer Abenteuer-Bockmist von Jess Franco mit Katja Bienert und seinen üblichen Stamm-Schauspielern, über den jedes geschriebene Wort eigentlich eines zu viel ist. Aufzuzählen was hier alles falsch gemacht wurde, würde auch eindeutig den Rahmen sprengen und so etwas wie exotisches Dschungel-Feeling und abenteuerliche Spannung kommt in „Nackt unter Wilden“ auch erst gar nicht auf. Kannibalen gibt es ebenfalls keine und statt eine Geschichte zu erzählen, wird lieber gezoomt: einmal aufs Wasser, dann wieder auf einen Strauch und ab und an gibt es Fremdmaterial über ein paar exotische Tierchen, die im Ferienclub und den in späteren Filmen dutzendfach recycleten Drehorten wohl nicht verfügbar waren. Da gibt es dann auch nichts mehr zu beschönigen und 1983 scheint ohnehin ein Jahr gewesen zu sein, in denen Franco eine Gurke nach der anderen fabriziert hat, die nur darauf warten von der Welt für immer vergessen zu werden. „Mondo Cannibale 4 – Nackt unter Wilden“ ist von Anfang bis Ende ein schlechter Witz und auch wenn ich an Franco-Filme mittlerweile wenig bis gar keine Ansprüche mehr habe, schafft es der olle Jess doch jedes Mal aufs Neue, diese ohnehin schon niedrigsten Erwartungen mit einer fast schon verwundert stimmenden Mühelosigkeit weit zu unterbieten.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 17. Aug 2015, 20:18
von jogiwan
Besser gehts nicht

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Oscar-prämierte Hollywood-Komödie für die breite Masse über einen grantigen Misanthropen mit psychischen Problemen, der durch eine Verkettung besonderer Umstände mit Hilfe eines kleinen Hundes, einem schwulen Nachbarn und einer resoluten Kellnerin die Wandlung zu einem etwas umgänglicheren Menschen durchlebt. „Besser geht’s nicht“ ist dabei wohl so etwas die „Mutter“ aller nerdigen Charaktere, die seit dem Erfolg des Werkes zuhauf in Film, Funk und Fernsehen auf den Zuschauer losgelassen werden und auch wenn die Geschichte nicht sonderlich glaubwürdig erscheint, so ist der Streifen doch eine sehr sympathische Sache. Auch knapp 18 Jahre nach Erscheinen später funzt der Streifen noch immer ganz gut, was wohl vor allem daran liegt, dass Jack Nicholson die Rolle des Melvin auf den Leib geschrieben wurde und auch Greg Kinnear und Helen Hunt mit großer Freude bei der Sache sind. „Besser geht’s nicht“ ist dann auch eine zeitlose Komödie mit dramatischen Einschlag, märchenhaften Verlauf und warmherziger Botschaft, bei dem auch die vereinfachte Darstellung psychischer Erkrankungen und das verkitschte Ende bei entsprechenden Wohlwollen nicht sonderlich stören.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 18. Aug 2015, 20:28
von jogiwan
Die stählerne Stadt

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Von Jules Verne kenne ich ja eigentlich nur die sympathischen und leicht trashigen Abenteuerfilme über Reisen unter die Meeresoberfläche oder zum Mittelpunkt der Erde, sodass mich der überraschend düstere „Die stählerne Stadt“ doch etwas überrascht hat. Hier geht es um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, Spionage bzw. zwei zeitgleich entstandene Städte namens Futura, in der die Menschen glücklich und zufrieden leben und der sogenannten „stählernen Stadt“, die sich der Waffenindustrie und dem industriellen Fortschritt verschrieben hat und in der die Menschen zur Arbeit verpflichtet werden. Als in der „stählernen Stadt“ die Ressourcen knapp werden planen größenwahnsinnige Forscher mit einer teuflischen Waffe die feindliche Übernahme von Fortuna und nehmen dabei wissentlich den Tod unschuldiger Menschen in Kauf. Der tschechische Abenteuerfilm macht dabei auch keine Gefangenen und wirft den Zuschauer gleich unmittelbar ins Geschehen, wobei zumindest ich am Anfang den Faden irgendwie verloren hab. Ehe man sich versieht ist man wenig später aber schon mittendrin in einem sehr abenteuerlichen und düsteren Streifen über Industriespionage, Intrigen, Mord und Totschlag, der ein sehr hohes Tempo vorlegt und zwar optisch an tschechische Märchenfilme erinnert, aber inhaltlich in eine völlig andere Richtung geht. Zwar war „Die stählerne Stadt“ gestern dann auch nicht das unbeschwerte Abenteuer, das ich mir erwartet habe, aber doch ein ungemein fesselnder und überraschend ernsthafter Streifen, der die Neugier auf weitere Streifen aus der Ecke geweckt hat.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 19. Aug 2015, 19:45
von jogiwan
Killing Zoe

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Brutaler Gangster-Streifen von Tarantino-Spezi Roger Avery mit europäischem Handlungsort und einer Gruppe zugedröhnter Verbrecher, die in Paris eine Bank ausrauben möchten. Zuerst wird wie üblich viel gelabert, Drogen konsumiert und in finsteren Kellerlokalen ein vermeintlicher Gruppengeist beschworen, danach geht’s schwer bewaffnet in die Bank und alles läuft schief. Dabei versucht Avery mehr schlecht als recht seine zu zahlreichen Figuren aus der Multi-Kulti-Fraktion schon von Anfang an schon als ziemlich kaputt und unzurechnungsfähig einzuführen und auch die aufkeimende Liebesgeschichte ist eher naja. Für die durchaus mittelprächtige erste Hälfte und den unerträglichen Akzent des Hauptdarstellers (wtf?) in der deutschen Synchro wird man spätestens beim Banküberfall entschädigt und dieser läuft auch vollkommen aus dem Ruder und von den Gangstern werden keine Gefangenen gemacht. Dabei ist „Killing Zoe“ doch sehr herb inszeniert und dass dürfte gemeinsam mit „Reservoir Dogs“ und „Natural Born Killers“ die Gewaltdarstellung im Mainstream-Kino neu definiert haben. Irgendwie muss man diese auf cool getrimmten Actionwerke mit eher menschenverachtenden Grundton mit fortgeschrittenem Alter wohl auch nicht mehr ganz so gut finden, wie zur Zeit seines Erscheinens, selbst wenn „Killing Zoe“ im Gegensatz zu „Reservoir Dogs“ durch seine überzeichneten Figuren und turbulenten Ereignisse dann doch noch die Kurve kriegt.