Seite 151 von 454

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 22. Mai 2015, 19:44
von jogiwan
Griechische Feigen

Bild

Sommerliche Mischung aus Roadmovie, Urlaubsvideo, Teenie- und Erotikstreifen bzw. Selbstfindungsfilmchen einer Neunzehnjährigen, die (sich) auszieht um das sich und die Welt der Erotik kennen zu lernen. Herausgekommen ist ein an hübschen Orten gedrehtes, episodenhaftes und teils auch etwas langatmiges Werk, das natürlich wieder einmal ein total fragwürdiges Sittenbild einer jungen Generation vermittelt, die sich aus sexueller Neugier und Abenteuerlust von einer fragwürdigen Situation in die nächste manövriert. Die Titelheldin und ihr provokantes Auftreten wirken ja nicht sonderlich sympathisch und dass die Männer allesamt als triebgesteuerte Affen dargestellt werden, die ein Nein unserer Titelheldin nicht einmal zur Kenntnis nehmen und unsere Patricia auf ihrer Reise durch die Ägäis auch andere Dinge erlebt, die nicht in Ordnung sind, schmälern aber die sommerliche Leichtigkeit. Für einen Film, der sich und seine Titelfigur wohl gerne als unbefangen, selbstbestimmt und aufgeschlossen präsentieren möchte, bietet der 1976 entstandene Streifen für meinen Geschmack doch ein, zwei fragwürdige Momente zu viel und auch wenn es zumindest in Punkto weiblicher Nacktheit nix zu meckern gibt und Patricia am Ende ihrer turbulenten Reise mit ihrem Tom zumindest kurzfristig glücklich vereint scheint, bleibt beim Genuss dieser „Griechischen Feigen“ für mich als großer Deutschploiation-Fan doch aufgrund der unausgewogenen Mischung auch ein bisweilen seltsamer Nachgeschmack zurück.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 23. Mai 2015, 20:02
von jogiwan
Das finstere Tal

Bild

Ziemlich düsterer Heimatfilm über ein entlegenes Dorf mit düsterem Geheimnis und einem brüchigen Dorf-Frieden, die durch die Ankunft eines mysteriösen Fremden nachhaltig gestört wird. Dabei beeindruckt der wortkarge Streifen „Das finstere Tal“ vor allem durch seine winterlichen Bilder, sehr gelungenen Settings und der spannende Geschichte, die Stück für Stück aufgedeckt wird. Einziges Manko ist der eher schlampig gesprochene Tiroler-Dialekt der Voice-Over-Erzählerin, der mir selbst als Österreicher arge Probleme bereitet hat und in der Schlüsselszene musste ich doch glatt die Untertitel (!!!) bemühen um zu wissen, was da so alles daher gemurmelt wird. Mit einem Western hat Prohaskas sehr gelungener Drama auch weit weniger zu tun als weitläufig angenommen, aber der Begriff klingt im Bewusstsein vieler Filmfans wohl einfach besser als das vielfach geschmähte Wort „Heimatfilm“, mit dem viele noch ein vollkommen verfälschtes Bild mit Wald-, Wiesen-, Alpen- und Jodelromantik verbinden. Jedenfalls hat Prohaska in seinem Streifen bis zum brutalen Showdown alles richtig gemacht und auch aufgrund der tollen Besetzung ist „Das Finstere Tal“ ein rundum gelungener Film, der auch Nicht-Western-Fans hiermit sehr ans Herz gelegt sei.

Maraschino Cherry

Bild

Die elegante Maraschino Cherry führt in New York ein erfolgreiches Nobel-Bordell, das sich darauf spezialisiert hat, auch die ganz besonderen Wünsche der finanzkräftigen Kundschaft aus der Upper Class des Big Apples zu erfüllen. Als Maraschino eines Tages überraschend Besuch von ihrer kleinen Schwester bekommt, die in der Provinz ebenfalls ein Bordell eröffnen möchte, erzählt sie dieser süffisante und kurzweilige Episoden aus dem aufregenden Leben einer Puff-Besitzerin und gibt ihr so auch wertvolle Tipps um selbst ein derartiges Etablissement erfolgreich führen zu können.

„Maraschino Cherry“ ist der letzte reguläre HC-Spielfilm den Radley Metzger unter seinem Pseudonym Henry Paris realisiert hat und bietet einen Allstar-Female-Cast und die typischen Zutaten wie hübsche Handlungsorte, schöne Settings und süffisanten Wortwitz in einer episodenhaften Handlung über eine erfolgreiche Bordell-Besitzerin in Form von Gloria Leonard, die ihrer kleinen Schwester lustige und lehrreiche Episoden aus ihrem Leben erzählt. Dabei kommt natürlich auch das Körperliche nie zu kurz und es geht auch ordentlich zur Sache und selbst den ein- oder anderen Kalauer kann sich Herr Metzger nicht verkneifen. Optisches und inhaltliches Highlight ist dabei wohl der Akt zwischen Annette Haven und Alan Marlow auf dem Klavier einer Space-Age-Jazz-Bar und eine Klavierspieler und Barbesucher, die sich dennoch nicht beirren lassen. Vieles inklusive dem Cast erinnert an vorangegangene Filme und „Maraschino Cherry“ ist dann wohl auch eine Art „Best Of“, dass zwar nicht die Qualität seines "The Opening of Misty Beethoven" erreicht, aber dennoch auch einen würdigen Abschluss der goldenen Ära des Erwachsenenfilms bietet, ehe es dank Videokamera und Videotheken mit den Business künstlerisch bergab ging.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 25. Mai 2015, 19:29
von jogiwan
Blue Movie

Bild

Alberto Cavallone erzählt in „Blue Movie“ eine Geschichte, für die sich nur schwerlich die passenden Worte finden lassen, die neben zahlreichen persönlichen Einflüssen wohl stellvertretend für (gesellschafts-)politische Dinge der damaligen Zeit stehen und die wohl nur der Regisseur zur Gänze klären könnte. In scheinbar willkürlicher Anordnung erleben wir Auszüge aus dem Leben eines Fotografen, der sich der Menschlichkeit abwendet und in dessen Bann drei Frauen aus unterschiedlichen Gründen geraten. Die Erste liebt ihn, die Zweite ist aus wirtschaftlichen Dingen auf ihn angewiesen und die dritte Frau sucht Schutz und endet alsbald als Gefangene. Aber das ist lediglich meine Interpretation der merkwürdigen Bilderfolge und Cavallone irritiert den Zuschauer zusätzlich mit Bildern, die nicht zum Ton passen, seltsamen Begebenheiten, die sich schwerlich deuten lassen, farbverfremdeten Archiv-Aufnahmen, HC-Sexszenen und weiteren Momenten, bei denen sich der Großteil des Publikums mit Grausen abwenden wird. Und ist „Blue Movie“ dann auch ein politischer, kontroverser und sperriger Arthouse-Schocker im Stil von „Salo“, „Gloria Mundi“ oder „Sweet Movie“ das den Zuschauer mit drastischen Bildern (über-)fordert und auch sicherlich zu den ungewöhnlichsten und zugleich anstrengendsten Werken der italienischen Filmgeschichte zählt, die ich jemals sehen durfte.

Die schönen Wilden von Ibiza

Bild

„Die schönen Wilden von Ibiza“ ist eine deutsche Erotik-Dramödie mit viel Musik, wenig Handlung und noch weniger Textilien, das wohl die Vorzüge der Balearen-Insel als Aussteiger-Paradies hervorheben soll und dabei eigentlich das Gegenteil tut. Die Handlung ist ja sehr episodenhaft und zeigt ein frisch vermähltes Pärchen auf der Hochzeitsreise, das aufgrund eines überbuchten Hotelzimmers und zweier deutschen Kleinkriminellen auf der Straße bzw. Stand landet und dort nach einigen Anlaufschwierigkeiten die Vorzüge eines unbekümmerten Lebensstils kennen und schätzen lernt. Dabei wird viel in der Sonne gelegen, Motorrad gefahren, in der Disco abgehopst und am Ende geht es dann sogar um etwas kontroversere Dinge wie Homosexualität und Stierkampf. Einen großen Sinn ergibt das trotzdem alles nicht und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass diese sonnige Ode an die Oberflächlichkeit tatsächlich die Jugend in die deutschen Kinos gelockt haben soll. Dennoch verbreitet der Streifen sommerliches Feeling, Kopfschütteln und bisweilen Ratlosigkeit und lässt sich aufgrund seiner unbedarften Herangehensweise und zelebrierten Textilboykott als etwas fragwürdiges Zeitdokument mit viel Lokalkolorit und Musik auch ganz gut gucken.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 26. Mai 2015, 19:57
von jogiwan
Solamente Nero

Bild

Jetzt auch erstmals in deutscher Sprache gesehen bestätigen sich die Eindrücke vorrangegangener Sichtungen, dass Antonio Bido zwar ein durchwegs solider, aber auch kein sonderlich herausragender Vertreter innerhalb des Giallo-Genre gelungen ist. Die Geschichte über eine seltsame Mord-Serie und Erpressung auf einer venezianischen Insel ist zwar bis zum Ende unvorhersehbar, aber lässt sich auch viel Zeit und die Handlungen der Protagonisten inklusive der Liebesgeschichte der beiden Hauptakteure wirkt für meine Begriffe doch etwas arg konstruiert. Ansonsten ist aber alles recht gelungen und die Handlungsorte abseits touristischer Werbung wirken stimmig, die Musik von Stelvio Cipriani erinnert ständig etwas zu sehr an Goblins musikalischer Untermalung zu „Suspiria“ und auch bei den Darstellern gibt es nicht viel zu meckern. Trotzdem ist „Solamente Nera“ irgendwie bis zum Finale auch immer einen Tacken zu unspektakulär und bietet im Verlauf auch belanglose Szenen, die man in einem 100Minüter auch genauso gut hätte weglassen können und angesichts übermächtiger Konkurrenz ist „Blutiger Schatten“ trotz aller notwendigen Trademarks maximal mittelprächtig.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 27. Mai 2015, 19:53
von jogiwan
Madman

Bild
jogiwan hat geschrieben: Naja, naja... "Madman" mag meines Erachtens dann "Freitag der 13." doch nicht das Wasser reichen. Die Geschichte um den verrückten Farmer, der im Wald und Hütte Jagd auf die Aufseher eines Jugendcamps macht, ist dann doch eigentlich alles andere als gelungen. Die Opfer lassen ja auch keine Gelegenheit aus, um sich dem Psychopathen anzubiedern und verhalten sich mehrfach ziemlich dämlich. Aber sonst kann man das trashige Teil mit seinen gelungenen Effekten schon gut gucken, auch wenn man sich kein Highlight erwarten sollte. Gekreische und nervenstrapazierendes Synthiegefiepe sollte man allerdings schon aushalten können: 5-6/10
Die Zweitsichtung auf der neuen Blu-Ray-Disc aus dem Hause „Vinegar Syndrome“ bestätigt zwar die Eindrücke der Erstsichtung bis auf das nervenstrapazierendes Synthiegefiepe (hmm... muss wohl nochmals die DVD anchecken) und irgendwie hat der Streifen gestern wohl etwas besser gepasst. Schön ist ja die Tatsache, dass in „Madman“ nicht irgendwelche Teens, sondern etwas ältere Leutchen von einem mysteriösen Psycho verfolgt werden und die auch irgendwie sympathisch rüberkommen, sodass es einem fast leid tut, wenn der Bodycount nach oben geht. Die Geschichte ist aber immer noch kein Burner und mehr als klassisches "Stalk`n Slash" ist in Giannones Streifen auch nicht. Überraschungen sucht man ebenfalls vergebens, aber ansonsten ist alles recht hübsch gemacht und die Effekte teils auch recht herb. Insgesamt funktionales Slasher-Mittelmaß, welches man wohl aber mit jeder Sichtung und etwas Wohlwollen mehr und mehr in sein Herz schließen wird.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 28. Mai 2015, 19:55
von jogiwan
Russell Wahnsinn [Netflix]

Bild

Als der kleine Terrier Russel wegen Unverkäuflichkeit ins Tierheim kommen soll, büxt der kleine Hund kurzerhand aus der Tierhandlung aus und landet wenig später zufällig bei der Familie Ferraro, die gerade mehr schlecht als recht dabei ist, eine kleine nostalgische Wrestling-Arena mit lahmen Kampfdarbietungen zu reaktivieren, die einst der Großvater begründete. Durch einen beherzten Move überwältigt der kleine Hund einen Wrestler und ein Clip davon landet natürlich bei Youtube, wo dieser binnen einer Nach mehrere Millionen Klick erhält. Am nächsten Tag ist Russell berühmt und die Ferraros bekommen durch einen Deal mit einer etwas zwielichtigen Wrestling-Liga ebenfalls die Möglichkeit, ihre Arena wieder auf Vordermann zu bringen. Gemeinsam mit einem sprechenden Äffchen als Trainer macht sich das beherzte Hündchen auf dem Weg, die Wrestling-Landschaft für immer zu verändern…

Gestern zufällig von der schlechteren Hälfte auf Netflix entdeckt klingt die auf die ganze Familie zugeschnittene Tier- und Sport-Komödie, die nicht einmal in der OFDB eingetragen ist und anscheinend nur online verfügbar ist, nicht nur in der Inhaltsangabe schon komplett schräg, sondern ist es dann auch. Ein vorlautes Äffchen, ein mutiges Hündchen und die glitzernde Parallel-Welt des professionellen Wrestlings, dazu ein paar nette Gags und eine absurde Situation, die die nächste jagt. Regisseur Robert Vince hat ja anscheinend schon ein paar dieser CGI-unterstützten Hunde-Sportfilme realisiert, die mir aber unbekannt sind, aber „Russell Madness“ war gestern schon ein lustiger, harmloser und herzerwärmender Spaß, irgendwo zwischen unterhaltsam, trashig, absurd und fremdschämen, der auch wie im Flug vergeht und auch mal eine gänzlich andere Alternative zum sonstigen Filmprogramm darstellt. Manchmal darf es auch mal harmlos sein und für Trash-Freunde ist „Russell Madness“ ja eigentlich absolut unverzichtbar und selbst „Sharknado“ und sonstiger Tier-Horror aus der Diskont-Ecke kann angesichts des wrestlenden Terriers und seinem Sprüche-klopfenden Affentrainers in dieser Sport-Satire für die ganze Familie ohnehin einpacken. Reini, übernehmen sie! ;)

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 29. Mai 2015, 19:16
von jogiwan
Shrek [Netflix]

Bild
jogiwan hat geschrieben:Immer noch einer der besten Animationsfilme, der jemals realisiert wurde und dank seiner schwarzhumorigen Geschichte über einen nicht ganz alltäglichen Helden auch ein Jahrzehnt nach seinem ursprünglichen Erscheinen noch immer überzeugen kann. Zwar hat die Technik auch hier mittlerweile wieder große Fortschritte gemacht, aber "Shrek" hat eindeutig das Herz am rechten Fleck und ist neben einer temporeichen Inszenierung auch stets noch herrlich selbstironisch. Der Start mit dem Fabelwesen ist ja sowieso der Kracher und sowieso und überhaupt kann "Shrek" nur empfohlen werden, auch wenn die nachfolgenden Teile ab dem dritten nicht mehr so richtig zünden wollten. Der Auftakt ist aber ein großartiger Film für große und kleine Kinder, der auch bei mir immer wieder gerne im Player landet.
ja, genau! :nick:

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 30. Mai 2015, 21:00
von jogiwan
The Guest

Bild

Die Lobeshymnen angesichts meiner Vorredner kann ich ja nicht nachvollziehen. Sicherlich ist „The Guest“ ganz hübsch gemacht und erinnert mit seinen 80er Soundtrack (u.a. „DAF“), dem Gosling-Klon als Hauptdarsteller und seinen unterkühlten Bildern an Nicolas Winding Refn, aber die Geschichte ist ja nicht wirklich der Burner. Während sich in der ersten Halbzeit dem Zuschauer ein ungutes Gefühl beschleicht und der Film wirklich sehr gelungen scheint, wird dieses mit seiner zweiten Halbzeit und der eher haarsträubenden Auflösung wieder einfach zunichte gemacht. Dann ist es auch mit der Spannung vorbei und der Film biegt in eine scheinbar völlig falsche Richtung ab, die guten Ansätze werden mit der MP niedergemäht und auch der Rest nervt bis zum obligatorischen Ende eher mit seiner aufgesetzten Coolness und vollkommen Ironie-freien Herangehensweise. Nö, da doch lieber noch einmal „You’re next“ der viel gelungener zeigt, das Adam Wingard Fan von Genre-Werken vergangenen Jahrzehnte ist und ihnen im Gegensatz zu „The Guest“ auch neue und originelle Facetten abgewinnen kann.

Hot Dogs auf Ibiza

Bild

Französisch-deutsch-italienische Co-Produktion auf unterstem Niveau über einen ehemaligen Klinkenputzer , der als Animateur in einem „All-Inclusive-„ und „All-you-can-Rammel-Club“ auf Ibiza landet und dabei auch auf seinen Ex-Chef samt Familie trifft und sich daraufhin den ein- oder anderen Spaß erlaubt, während er das Leben auf der Balearen-Insel in vollen Zügen genießt. Dabei reiht „Hot Dogs auf Ibizia“ eine halblustige Szene an die nächste und ist in der deutschen Fassung auch noch auf 77 Minuten zusammengekürzt, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass der in einer anderen Fassung erträglicher wird. Die Gags zünden nur in den seltensten Fällen, Locations der Insel nur in Ausnahmefällen genutzt und auch in Punkto nackter Haut präsentiert sich das Werk eher züchtig. Im Gegensatz zur allemanischen Covergestaltung der DVD ist „Hot Dogs auf Ibiza“ dann auch eher ein französisches Werk und Pluspunkte bieten nur das Auftauchen bekannter Gesichter wie Uschi Buchfellner, Alexandra „New York Ripper“ delli Colli und Venantino Venantini in kleineren Nebenrollen. Der Rest ist unerträglicher Sommer-Komödien-Mist aus der Diskont-Witze-Ecke, der die Geduld des Zuschauers ganz ordentlich auf die Probe stellt und im Großen und Ganzen ein Werk, dass man eigentlich nicht einmal seinen ärgsten Feinden in den Player wünscht.

Kung Fury

Bild

Ein Cop, der während eines Einsatzes vom Blitz getroffen und von einer Schlange gebissen wurde mutiert zu einer Kampfmaschine namens Kung Fury, der fortan im Miami der Achtziger eindrucksvoll das zahlreich vorhandene Böse bekämpft. Als eines Tages ein wildgewordenes und außer Kontrolle geratenes Arcade-Game bekämpfen muss und sich danach in seinem Polizei-Revier einfindet, wird dieses von Hitler attackiert und Kung Fury beschließt durch die Zeit zu reisen um dem größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte endgültig das Handwerk zu legen. Mangels Verfügbarkeit einer Zeitmaschine verlässt sich Kung Fury dabei auf einen jungen Hacker, der den ambitionierten Cop aber dummerweise in eine gänzlich falsche Zeitepoche befördert, was seine wichtige Mission nicht unbedingt einfacher macht…

Eigentlich sensationeller und über Crowdfundig finanzierter Kurzfilm des schwedischen Regisseurs David Sandberg, der in sein halbstündiges Ereignis von einem Film auch alles (und noch viel mehr) hineinpackt, was das Genre-Kino der Achtziger so besonders macht. Zwar ist „Kung Fury“ nicht unbedingt geschmackssicher und auch überraschend blutig, aber dabei auch ein riesiger Spaß in der Tradition von Retro-Action und Trash mit dem Herz am rechten Fleck und dem Kick an die richtige Stelle. Erinnert zwar teilweise an die australische Serie „Danger 5“ aber ist fast noch einen Ticken abgedrehter und am Ende gibt’s auch noch einen Song von „The Hoff“, der ja schon vor einiger Zeit die Internetgemeinde zur Verzückung trieb. Da bleibt kein Auge trocken und kein Knochen ganz und das Beste ist, dass man sich das Ganze auf DuRöhre auch noch gratis angucken kann. Es würde mich aber nicht wundern, wenn der Kurzfilm demnächst auch auf Datenträger erscheint und uns das Ganze demnächst auch als Langfilmvariante beglücken wird. David Sandberg ist wohl ein Name, den man sich merken muss. 11 Millionen Klicks* lügen nicht!

* Stand: 30.05.2015

[BBvideo][/BBvideo]

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 31. Mai 2015, 20:40
von jogiwan
Satan's Blade

Bild

Als zwei Verbrecherinnen kurz nach einem erfolgreichen Bankraub in einem Ferien-Bungalow auf grausame Weise ermordet werden, geht die Polizei trotz seltsamer und mit dem Blut der Opfer gezeichneten Symbolen an der Wand von einem Mittäter aus. Zur gleichen Zeit erreichen auch zwei Pärchen und eine Gruppe von fünf Frauen den eher abgelegenen Ort um ein paar Tage in der winterlichen Gegend auszuspannen und lauschen eher amüsiert den Ausführungen der Vermieterin, dass es sich bei dem Mörder der Legende nach um einen Waldmenschen handeln könnte, der durch die Zivilisation und Tourismus verdrängt wurde und nun auf grausame Rache sinnt. Die turbulenten Ereignisse im Vorfeld trüben jedoch die sonnigen Urlaubstage der neun Leute und während es unter den Leuten zu ersten Konflikten kommt, geschehen bald auch weitere Morde…

Diskont-Slasher von Regisseur L. Scott Castillo Jr. Bzw. aus amerikanischer Produktion, der jedoch besser und sympathischer als sein Ruf ist. Die deutschen VHS-Fassungen scheinen ja nicht nur grob gekürzt und inhaltlich verändert, sondern auch stark abgedunkelt, während die Ami-Blu-Ray (leider nicht codefree) die ganze Sause in durchaus passabler Qualität präsentiert. Zwar gibt es nach den Auftaktmorden ein bissl Leerlauf und Beziehungs-Blabla, aber dafür entschädigt „Satan’s Blade“ gegen Ende mit blutigen Morden, einer nihilistischen Grundstimmung und der ein- oder anderen Überraschung. Lustig auch die Tatsache, dass die Leutchen im Film für ihre teils tief-winterliche Umgebung auch immer viel zu luftig angezogen sind und sich im Verlauf des eher kurz gehaltenen Streifens mehr als nur einmal das Mikrofon in das Bild drängt. Wer Backwood-Slasher mit einer Prise Mystery mag und auch nicht gegen eine eher kostengünstige Inszenierung hat, wird mit dem 1984 gedrehten Indie-Streifen jedenfalls durchaus gut bedient.

Ticked-off Trannies with Knives

Bild

Als die junge Drag-Queen Bubbles eines Tages mit einem blauen Auge zu ihrem Auftritt erscheint, verdächtigen ihre Kolleginnen ihren neuesten Lover der Tat und versuchen die Künstlerin aufzumuntern. In Wirklichkeit steckt jedoch ein psychopathischer und homophober One-Night-Stand Boner dahinter, der Bubbles mit ihren Freundinnen noch am selben Abend in ein Lagerhaus lockt, wo er mit Baseballschläger und gewaltbereiter Verstärkung noch eine Rechnung begleichen möchte. Wenig später sind zwei der Drag-Queens tot und Bubbles ins Koma geprügelt, während die Verbrecher trotz dem Eintreffen der Polizei fliehen können. Als Bubbles etwas später aus dem Koma erwacht ist sie fest entschlossen mit ihren Freundinnen an den Schlägern Rache zu üben, erlernt Selbstverteidigung und obwohl Boner neuerlich ihr Vorhaben kurzfristig durchkreuzt, lässt das Blutbad nicht lange auf sich warten...

Der Titel verspricht ja in diesem Falle nicht zu viel und Regisseur Israel Luna präsentiert uns hier wohl den bislang einzigen Rache-Thriller mit Drag-Queens, der noch dazu recht humorvoll daherkommt und dennoch durchaus brutal ausgefallen ist. Ganz in der Tradition neuerer Grindhouse-Werke geht es in „Ticked-off Trannies with Knives“ ja Genre-übergreifend durchaus herb zu Sache, sodass es kein Wunder ist, dass die amerikanische GLAAD mit dem Werk keine Freude hatte. Da werden mit Baseball-Schläger Köpfe eingeschlagen, High-Heels zu Waffen umfunktioniert und am Ende bekommen die Bösen von den Transen auch ordentlich einen vor den Latz geknallt. Wenn Liebe und Verständnis nicht mehr ausreichen, muss man halt ab und an auch mit dem Küchenmesser seine Standpunkte verteidigen. Toleranz geht zwar anders, aber das kann einem als Zuschauer dieses kurzweiligen und farbenfrohen Streifens ja auch herzlich egal sein, auch wenn für meinen Geschmack ruhig noch etwas heftiger zur Sache hätte gehen können. Trashig und unterhalb vom etwaigen Geschmacksgrenzen unterwegs ist Israel Luna jedenfalls ein richtiges Midnight-Movie mit sympathischen Darsteller(innen) in der Tradition von Genre-Werken vergangener Jahrzehnte gelungen, dass überraschend blutig, lustig und für konservative Gemüter auch sicherlich kontrovers ausgefallen ist.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 1. Jun 2015, 19:55
von jogiwan
Shakka - Die Bestie aus der Tiefe

Bild

Joe D’Amatos Hai-Horror zählt eher zu den zahnlosen Vertretern des Tier-Horrors und „Deep Blood“ schrammt imho auch nur haarscharf beim Gurkenalarm vorbei und langweilt den Zuschauer mit der üblichen, ausgelutschten Story, austauschbaren Figuren und schlecht in Szene gesetzten Angriffen. Die Geschichte ist ja wie immer dieselbe und hier kommt noch eine Prise Indianer-Mystery ins Spiel. Trotz verschwundener Leutchen nimmt außer einer Handvoll Jugendlichen aber niemand die Bedrohung ernst, sodass unsere jugendlichen Helden die Sache selbst in die Hände nehmen müssen. Alles in „Deep Blood“ ist dabei aber so unspektakulär wie nur möglich in Szene gesetzt, voller Anschlussfehler und selbst im Finale kommt kaum so etwas wie Spannung auf. Statt Shark-Terror gibt es lediglich Hallenbad-Feeling und Wassersprudel mit roter Farbe und ein bisschen Schmodder hätte dem trögen Filmchen sicher nicht geschadet. So bleibt „Shakka – Die Bestie aus der Tiefe“ ein lahmes und rasch heruntergekurbeltes Filmchen, dass die Welt wohl nur für eingefleischte D’Amato-Fans und Haifilm-Allesgucker bereichern wird.