Seite 143 von 454

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 16. Feb 2015, 17:41
von jogiwan
Traumstadt

Bild

Johannes Schaafs Adaptierung eines Romans von Alfred Kubin präsentiert ein vom Alltag frustriertes Ehepaar der gehobenen Gesellschaft und künstlerischen Anspruch, dass eines Tages auf Einladung eines Jugendfreundes in „Traumstadt“ landet, in dem die Entfaltung des persönlichen Individuums höchste Priorität hat. Das so etwas nicht gut gehen kann, liegt aber leider in der Natur des Menschen und „Traumstadt“ ist dann auch ein Abgesang auf die Menschheit und einer Gesellschaft an Egoisten, die eigene Bedürfnisse über die der anderen stellt. Als die zweifelhafte Harmonie in der fiktiven Stadt kippt, ist es auch bis zur kollektiven Gewalt und Zerstörung als scheinbar einzige Lösungsmöglichkeit auch nicht mehr weit. Dabei ist „Traumstadt“ nicht nur erzählerisch sehr interessant aufbereitet und bietet metaphorische Szenen am laufenden Band, sondern gefällt auch durch seinen Look, der an die Nachkriegsjahre und Sci-Fi gleichermaßen erinnert. Irgendwo zwischen Alejandro Jodorowsky, Pasolini, Rabal und Peter Fleischmann ist dem „Momo“-Regisseur jedenfalls ein sehr außergewöhnlicher, anspruchsvoller und mutiger Film gelungen, der zugleich nachdenklich und betroffen macht.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 17. Feb 2015, 17:18
von jogiwan
Sweet Movie

Bild

Ein hübsches Mädchen, tritt bei einer etwas sonderbaren Miss-Wahl an, bei dem die Jungfräulichkeit der Teilnehmerinnen bewertet wird. Als Gewinn des Wettbewerbes wartet die Ehe mit einem schwerreichen und kanadischen Industriellen, der sich in der Hochzeitsnacht jedoch als Perversling entpuppt. Als Fluchtversuche verhindert werden und das Mädchen daraufhin in eine Lethargie verfällt, landet sie in einem Koffer in Paris, verliebt sich in einen schwülstigen Schlagersänger und landet letzten Ende in einer Kommune in Wien, in der ebenfalls sonderbare Dinge geschehen. Zur gleichen Zeit fährt auch ein Schiff durch die Kanäle Amsterdams und ein junger Seemann auf Landurlaub verliebt sich in die singende und kommunistische Kapitänin, die jedoch unter Deck ebenfalls ein dunkles Geheimnis hütet.

Anfang der Siebziger gab es ja anscheinend einen Konkurrenzkampf unter den europäischen Autorenfilmer, wer wohl den krassesten Arthouse-Schocker fabrizieren konnte und der jugoslawische Regisseur Dusan Makavejev war in diesem Wettbewerb vorne dabei und liefert mit „Sweet Movie“ einen Streifen, der gleich an mehreren Fronten aneckt. Mit viel Sex, Pipi, Kotze, Kacka und auch Mord und sonstige Tabu-Themen bietet der Streifen mit dem etwas irreführenden Titel auch zahlreiche Dinge, die internationalen Zensoren natürlich wenig gefallen haben und auch das Publikum bekommt bei der ungekürzten Fassung auch so einige Dinge präsentiert, die man heutzutage nicht mehr so bringen könnte. Die sexuelle Odyssee einer hübschen Frau und einer Kommunistin ist in der mehrsprachigen Koproduktion das Handlungsgerüst für allerlei sonderbare Ereignisse und vor allem was in Otto Mühls Kommune in Wien so abgeht, verlangt einen guten Magen und sollte später wegen anderer Dinge auch noch die Gerichte beschäftigen. Der Film selbst ist mal witzig, mal grotesk, politisch, sozialkritisch, durchaus interessant gefilmt bzw. erzählt, stets brachial und mit seiner teils surrealen und dennoch durchaus fragwürdigen Mischung aus Sex, Musik, Gewalt und Köperausscheidungen völlig Massen-inkompatibel ausgefallen und setzt bei einer etwaigen Sichtung auch ein entsprechendes Wohlwollen des geeichten Publikums voraus. Wer kontroverse Skandalstreifen mag, ist hier jedenfalls an der richtigen Adresse.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 18. Feb 2015, 18:45
von jogiwan
Der Käfig

Bild

Im Haus seiner Freundin Helene trifft der Werbedesigner Michael um die Weihnachtszeit zufällig auf die vermögende und attraktive Witwe Marie Colbert, die er vor vielen Jahren am Strand verführte und dann auf Nimmerwiedersehen verschwand. Während bei Michael die Freude über das Wiedersehen hoch ist und er eine urlaubsbedingte Abwesenheit von Helene dazu nützt, bei Marie unter ihrer heranwachsenden Tochter vorbeizuschauen, lässt die scheinbar zufällige Zusammenkunft verdrängte Traumata aus dem Unterbewusstsein der hübschen Witwe wieder hervorbrechen und nach einem kurzen Techtelmechtel betäubt sie Michael, fesselt ihn an ein Bett und stellt unmissverständlich klar, dass sie nicht dazu bereit ist, den smarten Mann nochmals zu verlieren. Dieser glaubt zuerst an einen Scherz und muss später erkennen, dass Marie wirklich zu allem bereit ist und als er versucht, an die Vernunft deren Tochter appelliert muss er erkennen, dass diese ihrer Mutter in Sachen verwirrten Geisteszustand um nichts nachsteht…

Gut guckbarer, aber auch nicht übermäßig auf- und erregender Erotik-Thriller mit Giallo-Einschlägen aus dem Jahr 1985, der vor allem mit seinem Cast begeistern kann und neben der Musik von Ennio Morricone mit einem Drehbuch aufwarten kann, an dem sich auch Lucio Fulci und Francesco Barilli austoben konnten. Die Geschichte über einen Lebemann, der gegen seinen Willen von einer Ex-Geliebten und deren Tochter festgehalten wird, ist aber über weite Strecken immer auch etwas unspektakulär ausgefallen und in Punkto Sex und Gewalt sollte man sich nicht zu viel erwarten, auch wenn „Der Käfig“ am Ende mit ein paar wilderen Szenen aufwarten kann. Tony Musante ist auch nicht mehr ganz so knackig wie in „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ und auch bei Laura Antonelli und Florinda Bolkan wird in Griffis Streifen wieder einmal ersichtlich, wie sehr Schulterpolster und die Mode der Achtziger selbst die hübschesten Frauen mühelos entstellen konnten. Andererseits macht der verfilmte Männeralptraum aber auch Spaß und während es im Jahrzehnt zuvor eher üblich war, junge Mädchen zu entführen um sie sexuell gefügig zu machen, wird hier der Spieß auf erfrischende Weise umgedreht. Ein feministisches Werk ist „La Gabbia“ aber natürlich nicht geworden, sondern vielmehr ein Kammerspiel-artiges Drama für die Freunde gepflegten Schmuddels mit schmissiger Musik und bekannten Gesichtern.

Emanuella - Dein wilder Erdbeermund

Bild

Nachdem sie jahrelang unter ihrem sadistischen Millionärsgatten gelitten hat, kehrt Emanuela nach dessen Tod mit ihrer blutjungen Sekretärin und Geliebten Anna in ihr geerbtes und luxuriöses Anwesen in Tunesien zurück um so auch ihre schreckliche Vergangenheit aufzuarbeiten. Diese hat aus der eigentlich hübschen Emanuela eine verbitterte Frau gemacht, die von Männern nichts mehr wissen will und nun ihrerseits ihre Umgebung schlecht behandelt und mit Verachtung straft. Als Emanuela in dem exotischen Urlaubsort immer wieder auf den umtriebigen Lebemann Peter Smart stößt entwickelt sich zwischen den Beiden eine Art Konkurrenzkampf und während der Spieler unvermittelt um die Liebe der reichen Frau buhlt, fühlt sich diese in ihrer Meinung bestätigt und macht auch gar keinen Hehl aus ihrem ablehnenden Verhalten und sorgt mit ihren zunehmend egoistischen Eskapaden auch dafür, dass sich ihre junge Geliebte immer weiter von ihr entfernt.

In den Siebzigern war die Welt noch in Ordnung und dank der verfilmten Erotik-Fantasien von Emmanuelle Arsan und deren zahllosen Nachzügler wusste der vorwiegend männliche Zuschauer bestens darüber Bescheid, dass die reichen Frauen des Jetsets immer ein bisserl lesbisch und auch nie darum verlegen waren, ihr Sexualleben entsprechend ausschweifend auszuleben. Auch im Falle von „Inhibition“ heißt die Protagonistin in der deutschen Synchronfassung natürlich wieder einmal Emanuela und erlebt und beobachtet in der sommerlich-exotischen Kulisse von Tunesien allerlei erotische Abenteuer. Obwohl es sich bei Claudine Beccarie und Ilona Staller um Schauspielerinnen handelt die vorher und später auch der HC-Branche nicht abgeneigt waren, bleibt Poetis Streifen aber überraschend harmlos und konzentriert sich auch eher auf seine eher dramatische Geschichte einer verbitterten Frau, die sich aus den unsichtbaren Fesseln ihres sadistischen und verstorbenen Gatten befreit. Neben exotischen Kulissen und hübsch in Szene gesetzten Frauenkörpern fehlt aber natürlich auch nicht der übliche pseudo-philosophischer Charakter, der diesen immer auch ansprechend gefilmten Schmuddelfilmchen zusätzlichen Anspruch verleihen sollte. Insgesamt zählt auch „Emanuella – Dein wilder Erdbeermund“ trotz fragwürdiger Titelgebung im deutschen Sprachraum zu den besseren und unterhaltsameren Vertretern seiner Zunft und lässt sich dank hübscher Damen, exotischen Kulissen, fragwürdiger Geschichte und lustigen Dialogen auch heutzutage noch sehr gut gucken.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 19. Feb 2015, 17:31
von jogiwan
Predator

Bild

„Predator“ wird ja von der Action-Gemeinde seit seinem Erscheinen im Jahr 1987 abgefeiert und gilt als vielfach kopierter Klassiker des Testosteron-Kinos aus den Achtzigern. Die sehr simple Geschichte über einen Trupp Söldner, der in einem Dschungeln von Jägern zur Beute eine außerirdischen Wesens wird, ist auch rasch erzählt und bietet jede Menge Action und belastet das Publikum nicht mit unnötiger Tiefe, Erklärungen oder sonstigen Ballast, der von Muskeln, Kanonen und Explosionen ablenken könnte. Leider ist John McTiernans Action-Feuerwerk aber arg einfach gestrickt, optisch und inhaltlich schlecht gealtert und vor allem auch noch ziemlich langweilig ausgefallen und im Grunde auch ein einziges Werbefilmchen für die amerikanische Rüstungsindustrie mit einer pseudo-patriotischen und ziemlich fragwürdigen Botschaft die hier die ganze Zeit unterschwellig transportiert wird. Ansonsten bleibt außer zwei Sprüchen von unserem Arni, der Szene mit Carl Weathers und dem furchtbar schwülstigen Soundtrack wenig zurück und die Momente, in der die Bedrohung auch für den Zuschauer spürbar wird, sind mehr als rar gesät und auch ansonsten nimmt sich „Predator“ für ein Werk aus der Action-Unterhaltungskiste für mein Empfinden auf Dauer einfach viel zu ernst.

PS: die Blu-Ray der neugeprüften "Ultimate Hunter Edition" ist übrigens nicht empfehlenswert und liefert ein für den Filmfan grauenhaft-verhunztes und angesichts des Charakter des Films ziemlich unpassendes und unnatürlich aussehendes Bild mit Weichzeichner-Optik, dass feine Details völlig verschluckt und vor allem Carl Weathers in den Anfangsszenen so aussehen lässt, als würde er eine Maske tragen. Ich bin ja wirklich nicht sonderlich penibel was die Bildqualität darstellt, aber hier ist die Nachbearbeitung doch ziemlich in die Hose gegangen.

Der Tote kehrt zurück

Bild

Wunderbar atmosphärischer Streifen aus mexikanischer Produktion und dem Jahr 1959, das den Zuschauer gleich in mehrfacher Hinsicht positiv zu überraschen vermag. „Der Tote kehrt zurück“ startet ja gleich ordentlich durch und präsentiert einen ambitionierten Arzt, der mit Hilfe eines versterbenden Kollegen das Geheimnis lüften möchte, was mit der Menschheit nach dem Tode passiert. Ganz klar, dass so eine frevelhafte Vermessenheit nicht ungesühnt bleiben darf, aber was hier im Verlauf der abwechslungsreichen Geschichte alles geschieht ist nicht nur angesichts des Entstehungsjahres unglaublich düster, sondern hat mit einer Überraschung am Ende auch heutzutage noch das Potential dem Zuschauer den Atem gefrieren zu lassen. Regisseur Fernando Méndez hat auch sichtlich eine große Freude daran den Zuschauer eine fantastische Geschichte mit wilden Zutaten zu präsentieren, die lange Zeit in vielerlei Hinsicht offen bleibt um dann den Zuschauer ein bitterböses Finale zu präsentieren , in der auch alle Handlungsstränge wieder zusammenlaufen. In einer guten Welt und anderem Produktionsland würde der Streifen auch längst als absoluter Klassiker des Genres gelten, aber so bietet sich zumindest dank der empfehlenswerten Scheibe von "Motion Pictures" noch jedem interessierten Filmfan die Möglichkeit, diese unterschätze und vergessene Perle noch für sich zu entdecken. Es lohnt!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 20. Feb 2015, 18:31
von jogiwan
Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten

Bild

Unterhaltsamer Dokutainment-Streifen und Auftakt einer ganze Reihe gleichartig gelagerter Report-Filme, der die sexuelle Verfehlung einer Achtzehnjährigen Schülerin während einer Klassenfahrt zum Anlass nimmt, dem Zuschauer mehr über das aktuelle Weltbild der weiblichen Jugend von heute zu präsentieren. Dieses ist nach der sexuellen Revolution in den Sechzigern nun auch ganz anders als noch das Bild der Eltern und ein Schulpsychologe erzählt während der danach Disziplinarverhandlung, der über den Verweis der Schülerin entscheiden soll den entsetzten Professoren und Elternbeirat unterschiedlichste Episoden aus seiner Praxis und wird dabei von einem Straßenreporter unterstützt. Dabei ist der Streifen natürlich relativ harmlos ausgefallen, auch wenn sich der Streifen mit seinen präsentieren und größtenteils unkommentierten Gedanken der Jugend teils auf sehr fragwürdiges Terrain begibt. Augenzwinkernd betrachtet und als Zeitdokument für moralische Befindlichkeiten, dass teils über das Ziel und den guten Geschmack etwas hinausschießt macht „Schulmädchen-Report – Was Eltern nicht für möglich halten“ aber großen Spaß präsentiert neben schmissiger Musik und viel nackten Tatsachen auch eine herrlich antiquierte Jugendsprache, mit Wörtern und Sprüchen, die man so heute gar nicht mehr kennt. Dufte!

Champage for Breakfast

Bild

Harry ist in San Francisco nicht nur der Schwarm der Damenwelt, sondern aufgrund einer Fehlinvestition auch chronisch pleite und dringend auf der Suche nach einem Job. Als er eines Tages gerade die Angestellte einer Job-Agentur vernascht entdeckt er das Angebot als Chauffeur der erfolgreichen PR-Beraterin Champagne anzuheuern, die für eine erotische Rundreise einen loyalen Fahrer benötigt. Kurzerhand mimt Harry den Schwulen und bekommt den Job, der ihn gemeinsam mit seiner Chefin an die unterschiedlichen Plätze führt, in denen die umtriebige Champagne sexuelle Eskapaden am laufenden Band erlebt. Doch mit der Zeit wird auch das sexuelle Verlangen von Harry immer stärker und auch Champagne hat keine Skrupel, wenn es darum geht, von Harry mehr als nur seine Fahrkünste einzufordern…

Ziemlich lahmer Erwachsenenfilm der sich zwar in der Inhaltsangabe noch recht lustig anhört, aber in allen Belangen eher unterdurchschnittlich ausgefallen ist. Die ohnehin etwas seltsam anmutende Story wird ja auf die denkbar undankbare Weise erzählt und das Potential, dass die Geschichte gehabt hätte, verpufft zwischen den zahlreichen Sexszenen, in denen Champagne - wie auch in Personalentscheidungen - stets einen denkbar schlechten Männergeschmack beweist. Einige Handlungsstränge ergeben gleich überhaupt keinen Sinn und/oder sind wohl am Boden des Schneideraums gelandet und die Szenen, die witzig und augenzwinkernd gemeint sein sollen, sind es leider so überhaupt gar nicht. Mit seiner eher wahllosen Aneinanderreihung von diversen Sexszenen ist der sicherlich höher budgetierte „Champage for Breakfast“ leider auch eher „nur“ Porno als Erwachsenfilm mit Handlung und dennoch eine ziemlich enttäuschende Sache, die von „Vinegar Syndrome“ aber wenigstens eine hübsche Restaurierung erfahren hat.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 21. Feb 2015, 19:13
von jogiwan
Katakomben

Bild

„Katakomben“ scheint die Gemüter der Filmfans ja ordentlich zu spalten und auf Amazon kommen derzeit 19 Fünf-Sterne-Bewertungen auf fast genauso viele mit nur einem Stern. Ich mag „Found Footage“ ja aber sowieso recht gerne und wusste im Vorfeld ja genau gar nichts über den Verlauf, den die doch sehr ungewöhnliche Geschichte im Verlauf des kurzweiligen und höchst effektiven Films so nehmen wird. Der Horror-Trip in die Katakomben unter der Stadt Paris geht ja dann auch in eine völlig unerwartete Richtung und obwohl sich John Erick Dowdles Film wieder einmal den üblichen Mechanismen dieser Werke bedient, bleibt er dennoch sehr originell und bietet neben sympathischen Figuren auch eine ausgewogene Mischung aus Schreck- und WTF-Momenten. Ein Hang zu Blödsinn kann bei derartigen Werken ja natürlich nie schaden und dennoch beweisen alle Beteiligten genügend Ernst an der ganzen Sache, sodass ein hübscher kleiner B-Film daraus geworden ist, der neben erhöhtem Puls auf für neunzig Minuten spaßige Unterhaltung sorgt.

Der Exterminator

Bild

Ich hab ja mittlerweile mitbekommen, dass dem Action-Fan in den Achtzigern ja so einiges zugemutet wurde, aber „Der Exterminator“ nimmt ja da schon eine Sonderstellung ein. Einerseits wunderbar menschenverachtend im Grundton und in tollen Locations in New York gefilmt bietet Glickenhaus‘ Werk den wohl uncharismatischsten Hauptdarsteller, den das Action-Genre jemals gesehen hat und verbratet seine eigentlichen Hauptdarsteller Christopher George und Samantha Egger als Nebendarsteller in einem hochgradig episodenhaften Flickwerk, dass auch gleich gar keine Rücksicht mehr auf Raum, Zeit, Logik und Zuschauerempfindlichkeiten nimmt. In der simplen Rache-Geschichte ging es wohl auch lediglich darum, eine Abartigkeit an die andere zu reihen und in einem sehr gewalttätigen Werk einen zweifelhaften Helden zu präsentieren, der unter den Pöbel und Gesocks der Straße bis hin zu mächtigen Gangsterbossen ordentlich aufräumt. Dann noch eine Prise Politik, Sozialkritik, Vietnam-Trauma und Diskont-Dramatik hinzugefügt und fertig ist die auf niedrigste Zuschauerinstinkte perfekt hingezimmerte Genre-Wundertüte, bei der man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Wahnsinn!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 22. Feb 2015, 19:13
von jogiwan
Das süße Leben der Nonne von Monza

Bild

Mit „Das süße Leben der Nonne von Monza“ und „The Other Hell“ hat Bruno Mattei im Jahre 1981 ja gleich zwei Filme im ähnlichen Umfeld gedreht. Während „The Other Hell“ aber eher in Richtung Horror geht, ist „ La Vera Storia della Monaca di Monza“ aber klassische Nunploitation-Stuff mit verdrängten, sexuellen Obsessionen in einem etwas seltsamen Konvent, in dem sich vor allem die männliche Belegschaft wie im Selbstbedienungsladen fühlt. Statt Demut und Gebete steht ja Fleischeslust am Programm und am Ende werden sogar Mordkomplotte geschmiedet und als die Inquisition an die Tür klopft nimmt das Grauen erst recht seinen Lauf. Alles recht solide und halbwegs ansprechend gefilmt, bietet die von Claudio Fragasso erdachte Geschichte mit viel nackter Haut eigentlich alles, was man sich bei einem Film aus dieser Kiste erwartet und teils wirkt das Szenario wirklich wie ein einziger, fiebriger Alptraum aus dem es für den Zuschauer und den Protagonisten kein Erwachen gibt. Einer historischen Prüfung wird die „wahre Geschichte der Nonne von Monza“ aber wohl nicht standhalten und wer wissen möchte, was Nonnen tatsächlich so den ganzen Tag treiben, sollte sich vielleicht eher einen anderen Film suchen. Wer aber wissen möchte, was sich das männliche und Hormon-gesteuerte Gehirn zu diesem Thema so alles ausmalen kann, ist hier aber sicher an der richtigen Adresse.

Schulmädchen-Report, Teil 2 - Was Eltern den Schlaf raubt

Bild

Der Nachfolger des Kassenschlagers bietet als Reaktion auf den ersten Teil eine illustre Runde besorgter Eltern und Pädagogen, die ihrerseits teils dramatische, teils humorvolle Episoden zu der Thematik zu berichten wissen. Zusammengehalten werden die unterschiedlichen Erlebnisse heranwachsender Mädchen wieder einmal von Straßenreporter Friedrich von Thun, der dieses Mal in Berlin auf der Straße von jungen Mädchen intime Geständnisse herauslocken kann. Während der erste Teil aber zumindest noch ein bisschen vom Geist der sexuellen Befreiung gekennzeichnet war und teils provokante Thesen präsentierte, geht der zweite Teil aber bereits sehr in Richtung seichter Unterhaltungsfilm und zeigt dem lüsternen Zuschauer größtenteils humorvolle Episoden mit anzüglichem Witz aus dem Leben junger Menschen, die natürlich nur dazu dienen, die jugendlichen und hübschen Darstellerinnen nackt zu präsentieren. Dem Zuschauer hat es seinerzeit schon gut gefallen und mit flotten Sprüchen, bekannten Gesichtern und der sehr durchschaubaren Intention seiner Macher ist der nicht sonderlich aufregende Streifen als weiteres Zeitdokument der skurrilen Sorte vielleicht heutzutage sogar noch einen Ticken unterhaltsamer als noch vor über 40 Jahren.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 23. Feb 2015, 17:23
von jogiwan
Erlöse uns von dem Bösen

Bild

Keine Ahnung was uns Regisseur Scott „Sinister“ Derrickson mit seinem vollkommen uninspirierten Mix aus „Sieben“, „Der Exorzist“, Buddy-Movie und Geisterbahnfahrt präsentieren wollte, aber das Ergebnis geht prompt voll in die Hose. Die Geschichte ist lahm, der Film zu lang und der unkonventionell gemeinte Genre-Mix wirkt vollkommen willkürlich zusammengezimmert und präsentiert nahezu nur Szenen, die im Dunkeln spielen und allesamt mit einem Schreckmoment aufgelöst werden. Das ist vielleicht beim ersten Mal noch funktional, entpuppt sich aber zunehmend als sehr nervig, da der Streifen auch ansonsten nahezu keine Spannung zu entwickeln vermag und außerdem wieder einmal mit Figuren langweilt, die von ganz unten aus der Klischeekiste stammen. Nach „Sinister“ jedenfalls eine herbe Enttäuschung und „Erlöse uns von den Bösen“ wäre vielleicht technisch und darstellerisch gar nicht mal so schlecht gemacht, würde uns Derrickson nicht mit Versatzstücken aus hinlänglich bekannten Genre-Klassikern langweilen, die allesamt besser gemacht sind als dieser vollkommen haarsträubende Schmonz.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 24. Feb 2015, 18:10
von jogiwan
Under the Skin

Bild

Was für ein Film: „Under the Skin“ ist wohl ein Geschmacksspalter par excellence und während die einen Jonathan Glazers vielschichtiges und bildgewaltiges Werk als total langweilig empfinden werden, kommt die aufgeschlossene Fraktion dafür voll auf ihre Kosten und einen Streifen präsentiert, der sich aber nur auf den ersten Blick als sehr sperrig präsentiert. Leicht macht es der Regisseur seinem Publikum aber nicht und was als ungewöhnliche „Man-Hunt“ eines Aliens beginnt, wandelt sich in der zweiten Hälfte in eine Art existenzielles Selbstfindungsdrama einer künstlichen Kreatur und lässt sich auch nicht so wirklich auf eine bestimmte Richtung festlegen. Dennoch wirkt die düstere Sci-Fi-Vision homogen und lässt den Zuschauer ratlos wie fasziniert zurück. Die schroffen Kulissen in Schottland passen perfekt zum Charakter der wortkargen Geschichte und der Soundtrack mit seine vollkommen verhuschten Strings hat mir immer wieder den Schauer auf den Rücken gezaubert. Und um meinen Lieblingssatz mal wieder anzubringen: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 25. Feb 2015, 19:19
von jogiwan
Pink Angels

Bild

Eine Gruppe von sechs homosexuellen Bikern fährt die Westküste entlang in Richtung Los Angeles, wo die bunt zusammengewürfelte Truppe eine Drag-Party besuchen möchte. Auf dem Weg erleben die Männer jedoch lustige Abenteuer und groteske Situationen, da sie trotz ihrer etwas femininen und soften Art für waschechte Biker gehalten werden und sich die Leutchen ihnen auch stets mit einer entsprechenden Erwartungshaltung nähern. Als sich die Runde beim ausgiebigen Brunchen in der Wildnis aber die Missgunst einer weiteren Rockertruppe zuzieht und daraufhin auch das Tunten-Kostüm von Ronnie abhanden kommt, muss die Truppe nicht nur vor gewaltbereiten Bikern flüchten, sondern sich in der Provinz auch noch um ein stylisches Kostüm für die Party kümmern, was prompt zu weiteren Verwicklungen führt.

Da der Titel gestern in der Liste der ungewöhnlichsten Filme aufgetaucht ist, habe ich gestern prompt die Gunst der Stunde genutzt und den unkonventionellen Biker-Streifen in den Player geworfen. „Pink Angels“ ist ja irgendwie auch ein ganz netter Low-Budget-Streifen voller Klischees, der seine sympathische Truppe durch eine episodenhafte Geschichte voller Missverständnisse jagt, die mit ihren Geschlechterrollen wohl humorvoll und augenzwinkernd gemeint ist. So richtig witzig ist „Pink Angels“ aber nicht geworden und statt Geschlechterrollen humorvoll aufzubrechen bietet der Streifen aus dem Jahr 1972 aber das übliche Klischeedenken, dass in manchen Szenen auch viel zu breit ausgewalzt wird. Was den Streifen aber aus der Masse herausstechen lässt ist das Ende, das den Zuschauer so unvermittelt trifft, dass man sich wirklich nur noch fassungslos die Augen reiben kann und es gehört schon eine sehr, sehr große Portion Dreistigkeit und fragwürdige Unbedarftheit dazu, dieses in der Form dem Zuschauer aufzutischen.