Der Käfig
Im Haus seiner Freundin Helene trifft der Werbedesigner Michael um die Weihnachtszeit zufällig auf die vermögende und attraktive Witwe Marie Colbert, die er vor vielen Jahren am Strand verführte und dann auf Nimmerwiedersehen verschwand. Während bei Michael die Freude über das Wiedersehen hoch ist und er eine urlaubsbedingte Abwesenheit von Helene dazu nützt, bei Marie unter ihrer heranwachsenden Tochter vorbeizuschauen, lässt die scheinbar zufällige Zusammenkunft verdrängte Traumata aus dem Unterbewusstsein der hübschen Witwe wieder hervorbrechen und nach einem kurzen Techtelmechtel betäubt sie Michael, fesselt ihn an ein Bett und stellt unmissverständlich klar, dass sie nicht dazu bereit ist, den smarten Mann nochmals zu verlieren. Dieser glaubt zuerst an einen Scherz und muss später erkennen, dass Marie wirklich zu allem bereit ist und als er versucht, an die Vernunft deren Tochter appelliert muss er erkennen, dass diese ihrer Mutter in Sachen verwirrten Geisteszustand um nichts nachsteht…
Gut guckbarer, aber auch nicht übermäßig auf- und erregender Erotik-Thriller mit Giallo-Einschlägen aus dem Jahr 1985, der vor allem mit seinem Cast begeistern kann und neben der Musik von Ennio Morricone mit einem Drehbuch aufwarten kann, an dem sich auch Lucio Fulci und Francesco Barilli austoben konnten. Die Geschichte über einen Lebemann, der gegen seinen Willen von einer Ex-Geliebten und deren Tochter festgehalten wird, ist aber über weite Strecken immer auch etwas unspektakulär ausgefallen und in Punkto Sex und Gewalt sollte man sich nicht zu viel erwarten, auch wenn „Der Käfig“ am Ende mit ein paar wilderen Szenen aufwarten kann. Tony Musante ist auch nicht mehr ganz so knackig wie in „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ und auch bei Laura Antonelli und Florinda Bolkan wird in Griffis Streifen wieder einmal ersichtlich, wie sehr Schulterpolster und die Mode der Achtziger selbst die hübschesten Frauen mühelos entstellen konnten. Andererseits macht der verfilmte Männeralptraum aber auch Spaß und während es im Jahrzehnt zuvor eher üblich war, junge Mädchen zu entführen um sie sexuell gefügig zu machen, wird hier der Spieß auf erfrischende Weise umgedreht. Ein feministisches Werk ist „La Gabbia“ aber natürlich nicht geworden, sondern vielmehr ein Kammerspiel-artiges Drama für die Freunde gepflegten Schmuddels mit schmissiger Musik und bekannten Gesichtern.
Emanuella - Dein wilder Erdbeermund
Nachdem sie jahrelang unter ihrem sadistischen Millionärsgatten gelitten hat, kehrt Emanuela nach dessen Tod mit ihrer blutjungen Sekretärin und Geliebten Anna in ihr geerbtes und luxuriöses Anwesen in Tunesien zurück um so auch ihre schreckliche Vergangenheit aufzuarbeiten. Diese hat aus der eigentlich hübschen Emanuela eine verbitterte Frau gemacht, die von Männern nichts mehr wissen will und nun ihrerseits ihre Umgebung schlecht behandelt und mit Verachtung straft. Als Emanuela in dem exotischen Urlaubsort immer wieder auf den umtriebigen Lebemann Peter Smart stößt entwickelt sich zwischen den Beiden eine Art Konkurrenzkampf und während der Spieler unvermittelt um die Liebe der reichen Frau buhlt, fühlt sich diese in ihrer Meinung bestätigt und macht auch gar keinen Hehl aus ihrem ablehnenden Verhalten und sorgt mit ihren zunehmend egoistischen Eskapaden auch dafür, dass sich ihre junge Geliebte immer weiter von ihr entfernt.
In den Siebzigern war die Welt noch in Ordnung und dank der verfilmten Erotik-Fantasien von Emmanuelle Arsan und deren zahllosen Nachzügler wusste der vorwiegend männliche Zuschauer bestens darüber Bescheid, dass die reichen Frauen des Jetsets immer ein bisserl lesbisch und auch nie darum verlegen waren, ihr Sexualleben entsprechend ausschweifend auszuleben. Auch im Falle von „Inhibition“ heißt die Protagonistin in der deutschen Synchronfassung natürlich wieder einmal Emanuela und erlebt und beobachtet in der sommerlich-exotischen Kulisse von Tunesien allerlei erotische Abenteuer. Obwohl es sich bei Claudine Beccarie und Ilona Staller um Schauspielerinnen handelt die vorher und später auch der HC-Branche nicht abgeneigt waren, bleibt Poetis Streifen aber überraschend harmlos und konzentriert sich auch eher auf seine eher dramatische Geschichte einer verbitterten Frau, die sich aus den unsichtbaren Fesseln ihres sadistischen und verstorbenen Gatten befreit. Neben exotischen Kulissen und hübsch in Szene gesetzten Frauenkörpern fehlt aber natürlich auch nicht der übliche pseudo-philosophischer Charakter, der diesen immer auch ansprechend gefilmten Schmuddelfilmchen zusätzlichen Anspruch verleihen sollte. Insgesamt zählt auch „Emanuella – Dein wilder Erdbeermund“ trotz fragwürdiger Titelgebung im deutschen Sprachraum zu den besseren und unterhaltsameren Vertretern seiner Zunft und lässt sich dank hübscher Damen, exotischen Kulissen, fragwürdiger Geschichte und lustigen Dialogen auch heutzutage noch sehr gut gucken.