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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 6. Feb 2015, 16:40
von jogiwan
Vanessa

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Episodenhafter Erotik-Streifen aus deutscher Produktion, dessen Trailer ja beim letzten Forentreffen für ein paar Lacher gesorgt hat. „Vanessa“ selbst ist da insgesamt schon eher etwas ernster gehalten und präsentiert eine obskure Ausgangssituation (europäische Klosterschülerin erbt Puff-Kette in Hongkong) als Ausgangspunkt für seine episodenhafte Geschichte mit viel nackter Haut und etwas Mystik in fernen Ländern. Dabei glänzt der Streifen mit exotischen Kulissen in Hongkong, Malaysia und ähm… Tirol und ist auch überraschend kurzweilig und unterhaltsam ausgefallen. Statt einer voyeuristischer Inszenierung der Geschichte steht eher „echte“ Erotik im Vordergrund und die zahlreich erscheinenden und nackten Tatsachen sind auch augenzwinkernd, mit einer urlaubshaften Leichtigkeit und einem Auge für schöne Details inszeniert, die sich auch wohlwollend von Produktionen aus derselben Schublade abheben, die sich ja oftmals nur durch das minutenlange Abfilmen von Geschlechtsorganen begnügen. Sehr schön an dem Streifen ist auch die Tatsache, dass sehr viel „on location“ gedreht wurde und selbst die berühmten Korbsessel hat Hubert Frank im Angebot. Auf der empfehlenswerten DVD von „donaufilm“ gibt es nicht nur den Hauptfilm in wunderbarer Qualität, sondern auch noch ein Interview, in dem der Regisseur und sein damaliger Kameramann über die Dreharbeiten zu dem Werk erzählen, dass dann auch mindestens so interessant wie der Hauptfilm ausgefallen ist.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 7. Feb 2015, 17:04
von jogiwan
Disco Fieber

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Ganz schön harter Tobak, den uns Regisseur Hubert Frank mit seinem Musikfilm/Teenie-Melodram „Disco Fieber“ präsentiert und alles, was der werte Regisseur im Improvisieren bei „Vanessa“ augenscheinlich richtig gemacht hat, ging hier sehr offensichtlich in die Hose. Mehrere und im Studio mit optischen Effekten gedrehte Music-Clips zu den Disco-Hits von „Boney M.“, „Eruption“ und weiteren nicht ganz so durchgestarteten Sternchen vermengt mit Momentaufnahmen aus dem Leben von pubertierenden Jugendlichen, denen man heute wohl das Etikett „verhaltensauffällige Problemschüler“ verpassen würde. Mit einer unbeschwerten Leichtigkeit manövrieren sich die duften Jungs und kessen Bienen auch mühelos von einer Peinlichkeit in die anderen, haben immer einen dummen Spruch parat und abends wird in der Disco ein bisschen rumgehüpft. Die Existenz eines Drehbuchs darf dabei durchaus bezweifelt werden und wie Jeroen ja schon feststellte ist das vollkommen sinnbefreite Finale aber so derart haarsträubend ausgefallen, dass sich Joe D’Amato dieses kurzerhand für „Ator II“ ausgeborgt hat. Statt Disco-Fieber steht für den Zuschauer jedenfalls eher der Kater am Morgen danach am Programm und selbst für eingefleischte Discofreunde und geeichte Trashfans ist Hubert Franks Streifen, der inhaltlich wohl auch jede noch so miesen „Bravo-Fotolove-Story“ mühelos unterbieten würde, ein ziemlich hartes Brot.

Laura (Emmanuelle für immer)

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Ein im Fahrwasser des Erfolgs von „Emmanuelle“ entstandener Softsex-Streifen mit fast schon verstörenden Qualitäten, der unter der Mitwirkung von Emmanuelle Arsan entstanden ist, deren Bücher ja wiederum die Vorlage für die Erfolgsfilme von Just Jaeckin mit Sylvia Kirstel standen. In „Laura“ ist aber alles trotz bekannter Zutaten etwas anders ausgefallen und teilweise wirkt der Film nicht nur so, als hätte man nicht nur die Darsteller und die ganze Geschichte unter bewusstseinserweiternden Drogen gesetzt, sondern auch, als hätte man stundenlanges Material auf 90 Minuten zusammengeschnitten. Die philosophisch angehauchte Handlung ist jedenfalls sehr sprunghaft , wird ohne Rücksicht auf Verluste stetig vorangetrieben und wirkt auch emotional aus dem Raster gefallen, was ab einem gewissen Moment zusätzlich beim Zuschauer für sinnliche Verwirrung sorgt. Dabei geht es neben zahlreicher, sexueller Akte auch um Themen wie Selbstfindung, Anthropologie und Mystik und gemeinsam mit den exotischen Kulissen, den hübschen Darstellern und der schwülen Erotik entwickelt der Film auch eine seltsame, unerklärliche und psychotronische Dynamik, die einem bisweilen ratlos zurücklässt und von der man sich trotzdem sehr gerne mittragen lässt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 8. Feb 2015, 19:19
von jogiwan
The Jail: A Women's Hell

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Die attraktive Jennifer landet eines Tages mit zwei weiteren Frauen in einem abgelegenen Frauengefängnis, dass von einer sadistischen Direktorin im philippinischen Dschungel mit eiserner Hand geführt wird. Dort steht nicht nur Gewalt, Züchtigung und Unterdrückung an der Tagesordnung, sondern die Inhaftierten werden für den korrupten Gouverneur und dessen dubiosen Nachtclub auch als Prostituierte gefügig gemacht und müssen dort gewaltbereiten Männern willenlos zur Verfügung stehen. Als Jennifer von alledem genug hat nutzt sie eine Party und die Trunkenheit der Gäste um mit einer Handvoll Mädchen in den Dschungel zu flüchten. Doch die Flucht steht unter einem schlechten Stern und während sich der Gouverneur mit seinen Männern zur Menschenjagd aufmacht, kommt es auch innerhalb der Gruppe zu Differenzen…

„The Jail: A Women’s Hell“ ist wie der Titel schon verspricht natürlich ein nicht ganz geschmackssicherer WIP-Exploitationer, der von Bruno Mattei wie eine Vielzahl seiner Spätwerke recht kostengünstig auf den Philippinen realisiert wurde. Und wer diese Werke kennt, weiß dann auch was ihn erwartet und zwar jede Menge grüne Hölle, Gewalt, Over-Acting und neben der hübschen Hauptdarstellerin noch viele weitere, nicht ganz so ansehnliche Darstellerinnen, deren schauspielerische Qualitäten sich darin beschränken, nackt vor der Kamera zu agieren. Zusammengehalten wird die ganze Gefängnis-Sause mit einer eher simplen Geschichte, die auch als Quasi-Remake von Matteis „Laura – Eine Frau geht durch die Hölle“ aus dem Jahr 1982 durchgehen würde und das Finale mit der Menschenhatz bietet dann nach der eher harmlosen ersten Hälfte auch ausreichend Platz für Geschmacklosigkeiten am laufenden Band. Ob man in dem Genre tatsächlich ein Update mit noch billigerer Optik benötigt sei an dieser Stelle aber dahingestellt und „The Jail: A Women’s Hell“ ist dann natürlich auch kein wirklich guter Streifen, dessen größter Sinn wohl darin besteht, die nicht gänzlich unumstrittenen WIP-Streifen aus den Achtzigern nachträglich in einem besseren Licht erstrahlen zu lassen.

The Red Monks

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Normalerweise kann ich ja selbst den schlechtesten Vertretern der Italo-Achtziger- und Neunzigerkiste noch etwas abgewinnen, aber Gianni Martuccis „The Red Monks“ und die furchtbar miese DVD aus dem Hause „Laser Paradise“ stellen den Zuschauer doch vor eine kleine Geduldsprobe. Nicht, dass der Gianni Martuccis Film grundsätzlich schlecht wäre, fehlt es dem Streifen abseits seines Casts jedoch irgendwie an erinnerungswürdigen Schauwerten und die Story über diabolische Bruderschaften, Menschenopfer und Schatten der Vergangenheit kommt nie so wirklich in die Puschen. Martucci scheint das Projekt laut Wikipedia ja von Fulci übernommen zu haben und der wusste seine Werke aus der Schaffensperiode wenigstens ja noch mit ein paar Schmodder-Momenten zu veredeln. Diese Lektion hat Martucci aber nicht gelernt und präsentiert hier einen ziemlich lahmen und routiniert-uninspirierten Grusler, der auch stets etwas zu behäbig auf seine finale Überraschung hinarbeitet und trotz vieler Möglichkeiten dabei auf fast schon erstaunliche Weise unoriginell und langatmig bleibt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 9. Feb 2015, 18:00
von jogiwan
Laurence Anyways

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Sich im doch sehr jugendlichen Alter von 23 Jahren gleich an ein drei Stunden-Drama mit Transgender-Thematik zu wagen, zeugt schon von einem sehr großen, wenn nicht schon übersteigerten Selbstbewusstsein und dennoch lösen sich alle Befürchtungen, Xavier Dolan könnte sich bei seinem Herzensprojekt überhoben haben, zum Glück schon in der ersten Viertelstunde in Luft auf. Herausgekommen ist ja ein Streifen, der nicht nur gut aussieht und mit wunderbaren Darstellern aufwartet, sondern auch sein Thema behutsam und unaufgeregt behandelt und dabei stets glaubwürdig und nachvollziehbar bleibt. Laurence Entscheidung als Frau zu leben überrumpelt sein gesamtes Umfeld und bleibt für alle Beteiligten nicht ohne Folgen und dennoch ist „Laurence Anyways“ kein effektheischendes Drama, das sein Thema ausbeutet und auf die Tränendrüse drückt, sondern ein wunderbares Werk und das komplette Gegenteil von Exploitation. Ehe man sich versieht sind die 165 Minuten auch vorbei und der Zuschauer würde niemals auf die Idee kommen, dass sich für Regie und Drehbuch ein so junger Mensch verantwortlich zeichnet. Sensationeller Film!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 10. Feb 2015, 18:29
von jogiwan
Die Insel der 1000 Freuden

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„Die Insel der 1000 Freuden“ sollte eigentlich wohl eher „Die Insel der 1000 Laster“ heißen und statt lustiger Beachparty steht im sonnigen Mauritius auch eher Ehebruch, Menschenhandel und Mord am täglichen All-Inclusive-Programm. Was sich auf dem Cover ja als luftig-leichte Sommerkomödie ankündigt, ist ja im Grunde das genaue Gegenteil von einem sonnigen Urlaubsspaß und präsentiert dem Zuschauer seinen Handlungsort als abgründige Urlaubsdestination, in dem Menschen gefoltert werden und danach verschwinden, Mordkomplotte geschmiedet werden und man auch ansonsten besser niemanden über den Weg traut. Natürlich gibt es neben exotischen Schauplätzen auch jede Menge nackter Haut zu sehen und der Cast nimmt die sommerlichen Temperaturen auch immer zum Anlass sich rasch unnötiger Kleidung zu entledigen und übereinander herzufallen. Alles hübsch neben der Spur und nie um eine absurden Einfall und Geschmacklosigkeit verlegen ist Hubert Franks Sexploitatoin-Abenteuer natürlich ein Freudenfest für den Freund von schmieriger Unterhaltung und selbst wenn sich am Ende fast alles in Wohlgefallen auflöst, sollte man sich trotz fragwürdiger Cover-Gestaltung dieses Insel-Abenteuer der etwas anderen Art und Otto Retzer als brünftigen Sadisten und Handlager des Bösen auch keinesfalls entgehen lassen.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 11. Feb 2015, 18:20
von jogiwan
Hamam - Das türkische Bad

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Schönes „Culture-Clash“-Drama in italienisch-türkischer-spanischer Koproduktion über einen italienischen Innenarchitekt namens Francesco, der von seiner verstorbenen Tante überraschend ein türkisches Bad in einem heruntergekommenen Stadtteil in Istanbul erbt. Obwohl Francesco das Gebäude eigentlich so schnell wie möglich verkaufen und wieder in seine Heimat zurückkehren möchte, erliegt er bald dem Charme der Stadt und seiner Bewohner, in dem alles ein bisschen familiären und gelassener über die Bühne geht. „Hamam – Das türkische Bad“ besticht dabei neben seinem interessanten Handlungsort vor allem durch das Zusammentreffen unterschiedlicher Traditionen und moderner Lebensweise und wird zu einem Art Selbstfindungstrip des Italieners, der für seinen Erfolg viele Dinge geopfert hat. Leider ist die Bildqualität der DVD von „Pro-Fun“-Media alles andere als hübsch ausgefallen und auch was die Untertitel betrifft, ist die Scheibe ein Skandal, da die Sätze in Türkisch nur sporadisch übersetzt werden. Das schmälert die Freude an dem wirklich schönen, vielschichtigen und interessanten Streifen, den man auch nicht nur auf seine homosexuelle Komponente reduzieren sollte und den ich liebend gerne noch einmal in einer würdigeren Fassung sehen würde.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 12. Feb 2015, 16:53
von jogiwan
Melody in Love

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Hubert Frank und sein verfilmter Männertraum aus dem Jahr 1978 mit willigen Frauen, potenten Männern, Insel-Exotik und einer Prise Mondo, das sich dem Zuschauer natürlich auch als kurzweiliges Vergnügen präsentiert. „Melody in Love“ ist im Grunde ein neunzig-minütiges- und auf ein männliches Zielpublikum zugeschnittenes Werbevideo für einen Abenteuerurlaub auf Mauritius und neben viel nackter Haut und dem Tauchen mit Haien gibt es auch noch schnelle Autos, Hubschrauberflüge zu einsamen Buchten und eine kleine Kung-Fu-Einlage. Hubert Frank, der Meister der Improvisation ist hier jedenfalls wieder voll in seinem Element und bietet erotische Begebenheiten der eher harmlosen Art am laufenden Band, hübsche Menschen in wenig Textil, ein paar fragwürdige Momente und dazwischen düdelt der eingängige Sound von Gerhard Heinz. Zahllose Charaktere kommen und gehen, vereinigen und verlassen sich und wenn am Ende auch noch ein Vulkan ausbricht und sich Sascha Hehns und Britta Glatzeders nackte Körper zwischen strömender Lava metaphorisch miteinander verschmelzen ist das natürlich ganz großes Kino der Leidenschaften, dass man entweder unterhaltsam, skurril oder auch gänzlich doof finden kann. Me likey!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 13. Feb 2015, 16:57
von jogiwan
Sukkubus - Den Teufel im Leib

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Wortkarger und schroffer Anti-Heimatsfilm bzw. die Verfilmung der in der Schweiz sehr populären Sage der „Sennentuntsch“ in der es drei abergläubische Hirten im hochalpinen Gelände mit teuflischen Mächten zu tun bekommen. In Österreich und in der Schweiz hat ja jedes Gebiet seine ganz eigene Sammlung von teils sehr herben Geschichten, die im Kern auch immer eine sehr eindeutige und erzieherische Botschaft in sich tragen und auch die schweizerische Geschichte bietet da keine Ausnahme und warnt Sennen, Hirten und andere Arbeiter in den Bergen eindringlich davor, ihre Arbeit und Gottesfürchtigkeit zu vernachlässigen und sich in Abwesenheit der holden Weiblichkeit von ihren Trieben übermannen zu lassen. Aber auch wenn die Geschichte natürlich sehr altbacken daherkommt, so ist Georg Tressler zweifelsfrei ein sehr interessanter Film gelungen, der mit verklärter Tradition und Alpenidylle auch so gar nichts am Hut hat und der mit seinen verschlossenen Charakteren, seiner einfachen Geschichte und kargen Handlungsorten auch ansonsten angenehm aus dem Rahmen fällt. Ein düsteres Märchen für Erwachsene, ideal für Freunde von seltsamen Filmen, die sich auch nicht der Masse anbiedern. Ich bin jedenfalls begeistert!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 14. Feb 2015, 18:48
von jogiwan
Heroin Double-Feature:

Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo

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Deutsches Qualitätsprodukt aus beliebter Report-Produktion mit allerlei Momentaufnahmen aus dem ähm… Alltag deutscher Schüler und –innen, dass überraschenderweise vor „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ in die Kinos kam. Die Thematik ist dabei recht weit gefächert und dreht sich um das ominöse erste Mal und erpresste Pädagogen genauso, wie um käufliche Liebe und Heroinabhängigkeit. Alles natürlich sehr plakativ und teils sehr augenzwinkernd präsentiert bietet „Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo“ auch ein paar unangenehme Momente und nicht aufgelöste Handlungsstränge, über die man jedoch gerne hinwegsehen kann. Dennoch könnte einem bei genauerer Betrachtung das Lachen schon vergehen und heutzutage könnte man eine derart naive und relativierte Betrachtung der ganzen Themen inklusive der nackten Zurschaustellung seiner blutjungen Darsteller auch gar nicht mehr bringen. Ende der Siebziger war die Welt ja aber auch noch eine andere und die Gier des Publikums nach derartigen Geschichten scheinbar unendlich. Wer so wie ich vergessen mag, dass hier eigentlich sehr ernste Themen auf eine fragwürdige Weise der Lächerlichkeit preisgegeben und auch ohne Rücksicht auf Verluste ausgeschlachtet werden, wird sich aber bei Walter Boos‘ kurzweiligen Streifen aus der Schmuddelecke auch entsprechend amüsieren können.

Sabine S. - Durch Liebe weg vom Stoff

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jogiwan hat geschrieben:Hehe, Jasmin-Sabine rockt ja ganz schön die Griechen-Hütte. Erstmal runter vom Stoff, mutiert sie zur Sex-Machine mit hausfräulichen Ambitionen. Bei dem Drehbuch auf der Din-A-4-Seite muss Pallardy wohl den dicken Textmarker ausgepackt haben, sonst hätte er das Blatt sicher nicht vollbekommen. Auch in der Version ohne HC vollkommen "Uuh-ahha-haha-ohoh-gacker-keuch" :) Doof, aber lustig!
Gestern im Rahmen meines Heroin-Dabbl-Fitschas nach "Die Schulmädchen vom Treffpunkt Zoo" geguckt ist "Sabine S. - Durch Liebe weg vom Stoff" schon alles andere als ein guter Film, der inhaltlich auch eher zum Dauerkopfschütteln animiert. Was Jean-Marie Pallardy dem Zuschauer zumutet ist ja schon ganz große Grütze und Karin Schubert blickt andauern etwas zu panisch aus der Wäsche, als dass man dieses Werk auch nur eine Sekunde lang ernst nehmen könne. In der deutschen Fassung auch auf 80 Minuten zurechtgestutzt bleibt außer aneinander gereihte Sexszenen auch nicht mehr viel übrig und Karin Schubert und Jean-Marie Pallardy harmonieren leider auch nicht wirklich miteinander. Zwischendrin gibt es dann neben einer Drogen-motivierten Verfolgungsjagd und etwas Martial-Arts am Pool auch noch eine noch unnötigere Szene, bei der es ganz offensichtlich ist, dass diese nachträglich gedreht worden ist. Auch die HC-Fassung kann man sich wohl sparen, da diese lediglich immer die gleichen vier Nebendarsteller (inkl. Brigitte Lahai) bei entsprechenden Szenen zeigen, die im Hauptfilm lediglich zu Beginn zu sehen sind und für die schmalbrüstige Handlung auch keinen tieferen Zweck erfüllen. So oder so: Schund für Fortgeschrittene.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 15. Feb 2015, 18:56
von jogiwan
"Imagine-a-cop-who-could-read-your-mind-and-then-blow-it-away"-Double Feature

Scanner Cop - Die ultimative Waffe

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Samuel ist ein sogenannter Scanner und muss in jungen Jahren mit ansehen, wie sein Vater mit der gleichen Fähigkeit dem Wahnsinn verfällt, als er seine tägliche Dosis Ephemerol absetzt. Als er bei einer Polizeiaktion ums Leben kommt, wächst der Junge bei dem Polizisten Harrigan heran und tritt Jahre später selbst in den Polizeidienst ein. Als es zu einer mysteriösen Mordserie kommt, bei dem unscheinbare Bürger im Zustand vollkommener Panik scheinbar wahllos Polizisten ermorden, macht sich Harrigan die Fähigkeit seines Schützlings zu Nutze. Samuel scannt das Bewusstsein eines der Täter und kommt so auch dem teuflischen Komplott eines Wahnsinnigen auf die Spur, der mit seiner Komplizin scheinbar wahllos Unschuldige manipuliert, zu perfiden Mordwaffen umfunktioniert und auch noch eine Rechnung mit Harrigan offen hat.

Gelungenes Spin-Off von David Cronenbergs „Scanners“ bzw. seinen beiden Nachfolgern, der aber seine eigene Geschichte über einen telepathisch veranlagten Polizisten erzählt, der mit seiner Gabe einem teuflischen Komplott von Richard Lynch auf die Spur kommt, der hier wieder einmal gewohnt sehr gruselig und neben der Spur agieren darf. Die Geschichte über die perfide Rache, die stückchenweise enthüllt wird, hat mir jedenfalls gut gefallen und Pierre David sind auch ein paar sehr atmosphärische bis beklemmende Momente gelungen, die auch gar nicht so trashig wie erwartet ausgefallen sind. Auch die Effekte sind teils nicht von schlechten Eltern und von Hand gemacht, was sich in dem netten kleinen B-Sci-Fi-Grusler ebenfalls positive zu Buche schlägt. Zwar glänzt „Scanner Cop – Die ultimative Waffe“ nicht mit den gesellschaftskritischen Aspekten des Erstlings, ist aber auch um Welten besser als der uninspirierte dritte Aufguss der Reihe und legt im Nachfolger Effekt-technisch selbst sogar nochmals eine Schippe drauf. Alles in allem ein durchaus gelungener und leicht überdurchschnittlicher Horrorstreifen aus der Neunzigerkiste, der Cronenbergs Idee auf gelungene Weise aufgreift, sein eigenständiges Genre-Süppchen daraus kocht und Fans von Sci-Fi-Horror der eher blutigen Sorte und auch dem Original nicht enttäuschen wird.

Scanner Cop - The Showdown

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Nach den Ereignissen von Teil 1 ist Scanner-Cop Samuel noch immer im Polizeidienst und auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter, als er sich auf einmal mit einem mächtigen Gegenspieler konfrontiert sieht, der scheinbar wahllos Scanner ermordet, die dabei auf grauenvolle Weise entstellt werden. Als auch Samuels Freundin Carrie, die bei einem neurologischen Institut arbeitet beinahe Opfer einer tödlichen Attacke und im letzten Moment gerettet wird, kann Samuel mit ihrer Hilfe den Täter als Karl Volkin identifizieren, dessen Bruder einst bei einem von Samuels Polizei-Einsätzen ums Leben kann. Dieser macht sich zwischenzeitlich mit Carries Adressverzeichnis auf die Suche nach weiteren Scannern um deren Energie zu rauben und wächst so auch zu einem scheinbar übermächtigen Gegner heran, dem selbst Samuel mit seinen telepathischen Kräften wenig entgegen zu setzen hat…

Auch der zweite Teil von „Scanner Cop“ ist ein solider Streifen aus der B-Ecke, der zwar nicht über eine so spannende Geschichte wie der Vorgänger verfügt, dafür aber bei den Effekten tiefer in die Trickkiste greift. Die Story ist sehr düster ausgefallen, der Bodycount noch höher und Patrick Kilpatrick als ebenbürtiger Widersacher fackelt ja nicht lange, wenn es darum geht, den Mörder seines Bruders aus dem Weg zu räumen und auf ungewöhnliche Weise zu neuer Energie zu kommen. In diesen Szenen wird dann tricktechnisch auch ordentlich aufgedreht und die zahlreichen Bodymelting-Effekte sind von fast schon bedrückender Qualität und auch im Finale geht es recht herb zur Sache. Hätte man statt dem lahmen dritten Teil der Original-Reihe die beiden „Scanner Cop“-Spin-Offs dran gepackt, hätte es mit der Serie auch ruhig noch weiter gehen können. So bleiben aber immerhin zwei gelungene Direct-to-Video-Streifen aus der Sci-Fi-Horror-Ecke, die man sich als Fan auch nicht entgehen lassen sollte und die im telepathischen und telekinetischen Double-Feature auch nicht enttäuschen.