Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Euer Filmtagebuch, Kommentare zu Filmen, Reviews

Moderator: jogiwan

Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40784
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Gothic

Bild

Bei Ken Russell muss man ja immer auf alles gefasst sein und auch „Gothic“ präsentiert sich als unkonventionelle und grelle Mischung aus Historien-Drama und fiebrigen Alptraum über das Zusammentreffen einiger Schriftsteller und einer schicksalhaften Nacht, in der der Grundstein für Literatur-Geschichte geschrieben wurde. Dabei startet „Gothic“ auch gleich ohne viel Anlaufzeit und präsentiert dem Zuschauer fünf Personen, die am Genfer See ihren Lastern frönen und sich im kollektiven Drogenrausch ihren gruseligen Visionen und Gedanken hingeben. Dabei ist der Streifen wie eine Fahrt mit der Geisterbahn in die Gedankenwelt von Figuren, die mindestens genauso exzentrisch sind wie der Regisseur selber und wer so wie ich das Schaffen von Russell mag, wird auch gerne darüber hinwegsehen, dass dem grellen und bisweilen sehr hysterisch erscheinenden Streifen auch so etwas wie ein klassischer Spannungsbogen fehlt. „Gothic“ ist dann auch ein Film, auf den man sich entsprechend einlassen muss und den aufgeschlossenen Zuschauer dann auch nicht enttäuschen wird.

In Bloom

Bild

Unspektakulärer Streifen über ein schwules Pärchen, dessen Liebe von der täglichen Routine zerrieben wird. Leider lahm!
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40784
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Der Biss der Schlangenfrau

Bild

„Der Biss der Schlangenfrau“ ist doch ein total lustiges Teil und präsentiert sich dem Zuschauer als unterhaltsames Brit-Horror-Vergnügen, bei dem der Zuschauer nie sicher sein kann, welche extravagante Überraschung als nächstes hinter der Ecke lauert. Was wie eine Rosamunde-Pilcher-Verfilmung irgendwo auf einem englischen Landsitz beginnt, läuft irgendwann mal völlig aus dem Ruder und der ehe man sich versieht ist man schon mittendrin in einer aufregenden Geschichte über Schlangenmonster, Reinkarnation, sexuelle Abgründe und Teufelskult. Dabei überrascht in „Der Biss der Schlangenfrau“ vor allem die überraschend platzierten und hysterisch- entrückten Visionen aus der Nunploitation-Ecke mit Collagen-hafter Videoclip-Ästhetik, die wie ein paar Gewaltspitzen in den früheren Fassungen leider ratzeputz raus gekürzt wurden und ohne die der Film wohl auch nicht so gut funktionieren kann. Der schelmische Humor Russells ist jedenfalls allgegenwärtig und auch die Darsteller hatten an dem trashigen und augenzwinkernden Horrorvergnügen wohl ebenfalls großen Spaß.

Satanic - Ausgeburt des Wahnsinns

Bild


Gangsterboss Slue kontrolliert mit eiserner und brutaler Hand das Städtchen Harmony und lebt gemeinsam mit seinem Lebensgefährten, der sich als Frau fühlt und Pearle nennt, sowie seinem Ex-Lover Weasel auf einer abgelegenen Farm. Dort verdient er sein Geld mit dem Verkauf von Diebesgut und als Weasel eines Tages auf einer seiner Streifzüge zwei Motelgäste ermordet und deren Gepäck und Auto zu Slue bringt, entdeckt Pearle im Wagen ein Neugeborenes und beschließt entgegen den Willen von Slue für das Kind eine gute Mutter zu sein. Doch Slue ist gegen das Kind und willigt erst ein, das auf „Sonny Boy“ getaufte Kind zu behalten, wenn er es nach seinen Regeln erziehen kann. In einem Silo weggesperrt und mit täglicher Gewalt und Ablehnung konfrontiert und konditioniert, wächst Sonny Boy über die Jahre zu einer Kreatur heran, die nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden kann und Slue schon bald als perfektes Werkzeug für seine kriminellen Machenschaften dient…

Schräg, schräger – Sonny Boy! Was uns Regisseur Robert M. Carroll bzw. Produzent Ovidio G. Assonitis in dem 1989 entstandenen Film präsentiert, ist wirklich so unglaublich, dass man diese vollkommen unkonventionelle Mischung aus Exploitation, Thriller und Coming-of-Age-Drama schon mit eigenen Augen gesehen haben muss um an die Existenz eines derartigen Streifens zu glauben. Ein entführtes Kleinkind wird von seiner mehr als schrägen Ersatzfamilie zu einem Killerwerkzeug erzogen, dass im Auftrag des überdominanten Vaters befohlene Morde begeht. Dabei konfrontiert „Satanic – Ausgeburt des Wahnsinns“ den Zuschauer von Beginn an mit einen vollkommen schrägen Szenario und setzt dann immer noch einen drauf, sodass es wenig verwundert, dass der Streifen beim breiten Publikum auch nur auf Ablehnung stoßen konnte und der Streifen gekürzt und trotzdem durch den Raster viel. Von Homo-Verbrecherkollektiv und brutalen Morden bis hin zur aufkeimenden Love-Story und wütenden Mob ist hier auch für jeden etwas dabei. Ein Frontalangriff auf konservative Werte, der dann auch in keine Schublade passt, abstoßend und faszinierend ausgefallen ist und es wohl mühelos schafft, auch den geeichten Filmfan noch in Erstaunen zu versetzten. „Sonny Boy“ ist wirklich ein Genre-Juwel irgendwo zwischen genial, brachial und völlig Banane und danke daher an dieser Stelle auch an den netten Menschen, der mir die Sichtung der ungekürzten Fassung dieses unglaublichen Teils ermöglicht hat.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40784
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Dead Eyes

Bild

Der italienische Star-Regisseur Marc Rivetta plant gemeinsam mit seinem Drehbuchschreiber einen Film über die Hexe Levana zu realsieren, die wie schon ihre Vorgängerinnen Mater Suspiria und Mater Tenebrarum an Figuren aus Thomas de Quinceys Buch „Suspiria de Prondis“ angelehnt sind, mit denen schon Dario Argento Erfolge feierte. Doch schon allein der Gedanke an diese machtvolle Hexe erweckt diese von den Untoten und sie kehrt aus den Untiefen der Hölle auf die Erde zurück um Marcs Frau Anne, die für die Hauptrolle des Streifens vorgesehen ist, auf heimtückische Weise mit allerlei Schreckensvisionen in den Wahnsinn zu treiben. Doch Anne ist keine einfache Gegnerin und während ihr Umfeld zunehmend an der Zurechnungsfähigkeit der Schauspielerin zweifelt, ist diese bereit, den Kampf mit der Hexe Levana aufzunehmen.

Unterhaltsam-trashiger Horrorstreifen von Luigi Cozzi, der sich mit seiner Eingangsequenz kurz vor Mario Bava verbeugt um dann ganz unverhohlen an die Filme von Dario Argento anzuknüpfen, der im Film auch benannt wird. „Dead Eyes“ steht auch ganz klar in der Tradition von „Suspiria“ und überzeugt den Zuschauer neben knallbunter Ausleuchtung und einem ähnlichen Musik-Thema und ein paar herben Momenten. Im Grunde wird die Geschichte der Ballettschülerin Suzy auf ähnliche Weise nochmals mit erwachseneren Figuren erzählt und auch wenn man „Dead Eyes“ das geringe Budget und seine Entstehungszeit zweifelsfrei sehr stark ansieht, ist Luigi Cozzis inoffizieller Abschluss der „Mütter-Trilogie“ schon ein lustiges Filmchen, das mit seinen Huldigungen an den italienischen Genre-Film vergangener Jahrzehnte auch den Fan dieser Werke mühelos zufriedenstellen sollte, sofern man etwas Spaß versteht und sich an schrulligen Horrorfilmen aus der B-Ecke erfreuen kann. Florence Guérin macht ihre Sache jedenfalls sehr gut und auch Urbano Barberini sieht man wie Caroline Munro, die hier für eine Prise Erotik sorgt, ja auch immer gerne. Schade nur, dass eine offizielle Auswertung auf DVD wohl nicht in Aussicht ist.

Der weiße Apache - Die Rache des Halbbluts

Bild

Bei einem brutalen Angriff auf weiße Siedler wird eine hochschwangere Frau von Apachen gerettet, die kurze Zeit später einen Jungen auf die Welt bringt, der vom Apachen-Häuptling wie sein eigener Sohn aufgezogen wird, nachdem die leibliche Mutter bei der Geburt stirbt. Gemeinsam mit seinem Bruder „Schwarzer Wolf“ wächst „Leuchtender Stern“ auch zu einem stattlichen Krieger heran und die beiden messen sich in überschwänglichen Wettkämpfen um die Nachfolge des Vaters. Als sich Beide jedoch in die hübsche Squaw „Aufgehende Sonne“ verlieben und „Leuchtender Stern“ bei einem Unglücksfall indirekt für den Tod seines Bruders verantwortlich ist, wird er von den Apachen zu den weißen Siedlern geschickt, wo er sich auf die Spuren seiner Vorfahren machen soll. Doch in der weißen Welt kommt der von Apachen groß gezogene Mann nicht wirklich zurecht und alltäglicher Rassismus, finanzielle Ausbeutung der Indianer bis hin zu brutalen Übergriffen um deren Land zu stehlen, setzen dem Mann zu und als er sich zunehmend in sein altes Leben zurücksehnt, muss „Leuchtender Stern“ erkennen, dass auch sein Stamm längst von der Habgier des weißen Mannes bedroht ist…

Als großer Fan von Bruno Mattei kommt man ja leider auch nicht an seinen Western vorbei und während die andere Werke von Mattei und Claudio Fragasso ja ansonsten eher charmant-trashig um die Ecke biegen ist „Der weiße Apache – Die Rache des Halbbluts“ ein überraschend ernster Film aus der Sichtweise der Indianer, deren Leben von wirtschaftlichen Interessen der weißen Siedler bedroht wird. Der Film ist dabei für einen Western-Nachzügler vermutlich gar nicht mal so schlecht und präsentiert dem Zuschauer die übliche Schwarz-Weiß-Malerei mit jeder Menge wirklich guten Menschen und einer Handvoll richtig böser Schurken. Allerdings ist mir die pazifistische Botschaft etwas zu aufgesetzt und Konflikte werden wie üblich nicht mit Vernunft, sondern altbekannt mit der Waffe ausgetragen. Neben kleineren dramaturgischen Fehlern und etwas Archiv-Material gegen Ende gibt’s aber nicht viel zu meckern und vor allem die brutalen Übergriffe sind gar nicht mal so schlecht in Szene gesetzt. Sebastian Harrison macht seine Sache als schweigsames Halbblut (dass er ja eigentlich gar nicht ist) ganz gut und Lola Forner ist so ein hübsches Ding, dass man sich ihre tragische Rolle durchaus etwas größer gewünscht hätte. Vom brutalen Übergriff zu Beginn bis zur Quasi-Wiederholung im Finale wird der Spannungs-Bogen auch hübsch gespannt und alles in allem ist „White Apache“ halt immer noch ein Mattei, wenn auch nur ein Western…
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40784
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Mord im Orient Express

Bild

Mit Agatha Christie-Verfilmungen bin ich ja quasi großgeworden und „Mord im Orientexpress“ ist neben „Tod auf dem Nil“ und „Das Böse unter der Sonne“ ja dann auch so etwas wie popkulturelles Kulturerbe, dass auch Jahrzehnte nach Entstehung gerade aufgrund ihrer Machart begeistert und wie auf die denkbar allerbeste Weise aus der Zeit gefallen scheinen. Dass da einmal eine dreiviertel Stunde wenig bis gar nichts passiert und die zahlreichen Charaktere eingeführt werden, wäre in Zeiten, in denen die Aufmerksamkeitsspanne immer geringer wird, ja fast nicht mehr denkbar. Und trotzdem funktionieren diese Filme allesamt noch immer wunderbar und begeistern mit ihren wunderbaren Darstellern, eleganten Settings und der Puzzle-artigen Struktur, mit der diese Geschichten erzählt werden. Im Fall von „Mord im Orientexpress“ ist es da nicht anders und auch wenn man die Auflösung schon kennt, funzt der Streifen mit seinem schrulligen Ermittler und den zahlreichen Tatverdächtigen auch ganz wunderbar. Für Ingrid Bergman gab es sogar den Nebenrollen-Oscar und selbst wenn ich den eher Lauren Bacall gegeben hätte und die anderen Verfilmungen mit dem belgischen Ermittler noch eine Spur besser ausgefallen sind, so ist auch Sidney Lumets Streifen aus dem Jahr 1974 (inklusive der Szene mit den beiden Hunden) ganz großes Kino, bei dem ich inklusive Nostalgie-Bonus auch gerne subjektiv die Höchstnote ziehen würde.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40784
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Der Tod auf dem Nil

Bild

Wunderbare Verfilmung des Agatha Christie-Romans, der in allen Belangen verschwenderisch ausgefallen ist. Das fängt bei der Laufzeit an, geht bei den exotischen Kulissen weiter und hört bei den großen Namen auf, die in den zahlreichen Nebenrollen von „Der Tod auf dem Nil“ zu sehen sind. Der Streifen einfach exzellent ausgefallen und glänzt mit skurrilen Figuren, pointierten Dialogen und trockenem Witz, der den Streifen auch zu einem Genuss macht, selbst wenn man ihn schon mehrfach gesehen hat und die Auflösung des trickreichen Kriminalfalls keine Überraschung mehr darstellt. Die sogenannte feine Gesellschaft entpuppt sich wieder einmal als Hort der Niederträchtigkeit und Hercule Poirot, der französische ähm… belgische Privatdetektiv als Mensch mit besonderer Auffassungsgabe und Menschenkenntnis, dem auch kein noch so kleines Detail verborgen bleibt, dass für die finale Auflösung vor versammelter Mannschaft inklusive Knalleffekt von Nöten ist. Für einen Streifen mit FSK-12-Freigabe ist „Der Tod auf dem Nil“ jedenfalls überraschend zeigefreudig, aber ansonsten gibt es an diesem Werk, das mir schon seit vielen Jahren ausnehmend gut gefällt, auch gar nichts zu meckern.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40784
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Mord im Spiegel

Bild

Teil 3 meiner Agatha-Christie-Themenwoche(n) bringt mit "Mord im Spiegel" erstmalig Miss Marple ins Spiel, die hier von Angela Lansbury gespielt wird, die einen Tag zuvor noch als sex-fixierte Autorin in "Tod auf dem Nil zu sehen war und hier als etwas biedere Pensionärin nur aufgrund von Schilderungen unterschiedlicher Personen einen mysteriösen Mordfall im Umfeld einer alternden Schauspielerin löst. Alles wie üblich hübsch elegant und mit ruhigem Erzählfluss inszeniert glänzt der Streifen vor allem vom Konkurrenzkampf der beiden Schauspielerinnen, die von Lizzy "Fliederstrauch" Taylor und Kimmy Novak auch grandios gespielt werden und bei deren Wortgefechten auch kein Auge trocken bleibt. Trotzdem wirkt die Geschichte bei aller Liebe doch arg konstruiert und behäbig und auch bei den möglichen Tatverdächtigen hält man sich (zu) vornehm zurück. Irgendwie hab ich auch ständig auf einen weiteren Mord gewartet, der sich aber nicht einstellt. Dennoch ist "Mord im Spiegel" natürlich ein sehr unterhaltsamer Streifen mit Film-im-Film-Thematik, der mehr als hochkarätig besetzt ist und jeden Fan derartiger Werke aus der Feder der berühmten Autorin mühelos begeistern sollte.

Das Böse unter der Sonne

Bild

Auch „Das Böse unter der Sonne“ als vierter Streifen der empfehlenswerten Box aus dem Hause Studiocanal bringt wieder gediegene Krimiunterhaltung und einen mysteriösen Mord auf einer abgelegenen Insel, bei der alle Tatverdächtigen bis auf den Ermittler selbst ein hieb- und stichfestes Alibi haben. Dabei ist Guy Hamiltons Streifen wieder einmal hochkarätig besetzt und vor allem Diane Rigg als zickiges Revue-Girl/Goldgräberin liefert hier eine ziemliche Show ab. Das Figurenkarussell ist wie üblich, die Gegend hübsch, der Humor trocken und die mit Spannung erwartete und finale Auflösung sehr ausgeklügelt konstruiert. Also alles, was sich der geneigte Fan in einem derartigen Streifen erwartet und da das ganze Ambiente aus der Zeit gefallen scheint, funzt „Das Böse unter der Sonne“ auch heutzutage noch großartig.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40784
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Ghosthouse I

Bild

„Ghosthouse“ ist wahrlich kein guter Film, der in seinem Entstehungsland auch noch dreist als Nachfolger der beiden „Tanz der Teufel“-Filme vermarktet wurde. Mit Raimis Streifen hat Lenzis Beitrag aus der Achtzigerjahre-Horrorkiste aber wenig gemeinsam, sondern erinnert in einigen Szenen eher an Hoopers „Poltergeist“ und bietet lahmen Grusel der übernatürlichen Art in einem leer stehenden Haus mit düsterem Geheimnis. Ein zufällig mitgeschnittener Funkspruch bringt ein paar Amateurfunker zu dem verfluchten Ort, die dann aufgrund ihrer Naivität und Tollpatschigkeit der Reihe nach einem Geist bzw. einem bösen Clown zum Opfer fallen. Klingt doof und ist es auch und die ganze Sause kommt auch nie so richtig in die Puschen. Die Figuren sind außerdem eher nervig gezeichnet, als das man mit ihnen mitfiebern möchte und was dem Streifen an Spannung fehlt, versucht er mit etwas Schmodder wieder wett zu machen. Auch das funzt nur begrenzt und wenn Lara Wendel in der Schlussszene auch noch die hässlichste Bolero-Jeansjacke mit Schulterpolstern und Lederfransen aller Zeiten tragen darf, keimt im Zuschauer wohl endgültig der Verdacht, dass man die mühsam überstandenen 90 Minuten auch irgendwie besser hätte verbringen können.

Ghosthouse II

Bild

Lamberto Bavas „Ghosthouse II“ ist nicht nur ein solider Grusel-Beitrag in der numerologisch fragwürdigsten Horror-Reihe aus italienischen Landen, sondern könnte im Grunde genauso von Stuart Gordon stammen, was in diesem Falle auch als Kompliment gedacht ist. Die Geschichte der amerikanischen Familie, die in einem sehr geräumigen Schloss in Italien auf seltsame Mitbewohner im Keller stößt, ist zwar nicht sonderlich spektakulär oder blutig, bietet dafür mit Virginia „Die Barbaren“ Bryant und Paolo „Das Haus an der Friedhofsmauer“ Malco ein sehr nettes Gespann in den Hauptrollen und der Zuschauer bekommt hier auch eine Extraportion Kellergewölbe mit Spinnweben und Albtraumsequenzen serviert, der statt plumpen Gore auch eher auf Atmosphäre und seine außergewöhnliche Location setzt. Dass der Streifen etwas harmlos ausgefallen ist und in einer Szene auch noch Argentos fulminanter „Inferno“-Unterwasserszene huldigt, mag zwar manchem Genrefreund sauer aufstoßen, aber ich fand das alles grundsympathisch, inhaltlich mehr als okay und für eine TV-Produktion ist „La Casa dell’orca“ dann sowieso sehr ordentlich.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40784
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Ghosthouse 3 - Haus der verlorenen Seelen

Bild

Eine Gruppe von jungen Archäologie-Studenten muss aufgrund starker Regenfälle und Erdrutschen die Heimreise unterbrechen und landet zufällig mitten in der Nacht in der Einöde in einem geschlossenen Hotel, wo den entkräfteten und übermüdeten Reisenden von einem mysteriösen Mann Einlass gewährt wird. Doch in dem heruntergekommenen Gebäude geht einiges nicht mit rechten Dingen zu und die sensible Carla und der kleine Gianluca sind die ersten, die von schrecklichen Visionen gequält werden. Als auch noch die junge Mary scheinbar von einem Toten in die Kühlkammer des Hauses getrieben wird und dort auf zwei Leichen stößt, die wenig später jedoch wieder verschwunden sind, glaubt der analytische Kevin dennoch an eine kollektive Halluzination und beschließt, dem Geheimnis des Hauses auf den Grund zu gehen…

Ziemlich lahmer TV-Horror von Umberto Lenzi, der nur hierzulande als Teil 3 einer ominösen „Ghosthouse“-Serie vermarktet wurde und dem Zuschauer ein ziemlich unglaubwürdiges Szenario bietet, in dem sich die unglaubwürdigen Protagonisten wieder einmal vollends daneben benehmen dürfen. Der Gott der Anschlussfehler wütet jedenfalls ganz ordentlich in dem Werk, dass auch auf Logik und Kinderdarsteller auch absolut keine Rücksicht nimmt. Abgesehen von ein paar Gewaltspitzen, die man in der Form wohl auch nicht in einer TV-Produktion erwarten würde, ist „La casa delle anime erranti“ aber eher ein Sammelsurium aus Genre-Versatzstücken, die eher schlecht als recht zu einem schludrigen Schnellschuss zusammengeschustert werden und größtenteils eher lieb- und Höhepunkts-los dahinplätschert. Ein bissl „Shining“, ein paar untote Seelen, die sich wie Zombies bewegen, viel explodierende Einrichtung und ein erwartungsgemäßes und natürlich vollkommen originelles Ende, dessen Idee wohl demnächst auch bereits sein hundertjähriges Jubiläum feiert. Alles in allem kein wirklich guter Film, sondern eher ein rasch und routiniert heruntergekurbeltes Zitate-Kino mit demselben Charme, Reiz und Relevanz der meisten italienischen Genre-Werke derselben Entstehungszeit.

Ghosthouse 4 - Das Haus der Hexen

Bild

Luke wird seit einem halben Jahr von einem schrecklichen und immer wiederkehrenden Alptraum gequält, in dem er in einem geräumigen Haus auf eine schreckliche Hexe trifft und die auch seine besorgte Psychologin vor Rätseln stellen. Da auch seine Ehe auf der Kippe steht, beschließt er dennoch erst einmal mit seiner Frau Martha in Urlaub zu fahren um nur wenig später entsetzt festzustellen, dass sich das von der Gattin von einem blinden Pianisten angemietete Haus als jenes aus seinem Traum entpuppt. Weitere und sehr seltsame Ereignisse lassen auch nicht lange auf sich warten und Luke wird in der Nacht eines schrecklichen Mords im Garten. Wenig später sind die Hinweise darauf aber auf mysteriöse Weise aber verschwunden, während Marthas blutverschmierten Hände jedoch eine andere Sprache sprechen und als weitere Dinge geschehen keimt in Luke der Verdacht, dass es sich bei seiner eigenen Frau um eine mächtige Hexe handeln könnte…

Teil 4 der „Ghosthouse“-Serie hebt das Niveau der Serie aus Horror-Beiträgen für das italienische TV wieder etwas und präsentiert sich dem Zuseher als gut-guckbarer Hexen-Horror nach eher klassischen Motiven, dass sich entgegen seinem lahmen Vorgänger neben einer Handvoll Gewaltspitzen auch wieder mehr auf eine gruselige Atmosphäre konzentriert. Im Haus der Hexen geschehen jedenfalls schon bald sehr sonderbare Dinge und obwohl man sich aus geeichter Zuschauer schon bald ausmalen kann, wie die ganze Sause ausgehen wird, macht die Geschichte zu „La casa del sortilegio“ jedoch durchaus Laune. Auch bei den Darstellern und den Locations hat man durchaus ein gutes Händchen bewiesen und statt Teenie-Terror gibt es in „Ghosthouse 4“ erwachsene Charaktere, die sich nicht nur ständig kreischend und vollkommen hilflos auf dem Opfer-Tablett präsentieren, sondern hilflos mit ansehen müssen, wie sich das Netz aus übernatürlichen Ereignissen immer enger über sie zusammenzieht. Nach Bavas überraschend gelungenem Beitrag als Nummer 2 der Serie, kann sich jedenfalls auch dieser Teil mit wenigen Einschränkungen durchaus sehen lassen.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40784
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Rendezvous mit einer Leiche

Bild

Gediegener, solider und auch sehr unterhaltsamer Thriller aus der Cannon-Produktionsschmiede, der auch alles bietet, was man sich als Fan derartiger Werke erwartet. Piper Laurie gibt das tyrannische Familienoberhaupt, der gleich eine ganze Menge an Leutchen etwas zu sehr den Tod an den Hals wünschen. Der tritt dann während einer ausgedehnten Urlaubsreise auch ein und Hercule Poirot ist zur Stelle um mit seiner ausgeprägten Beobachtungsgabe den Fall zu lösen. Der ist aber im Vergleich zu anderen Verfilmungen nicht ganz so tricky, der Humor auch nicht ganz so bissig und auch die Verdächtigen sind in „Rendezvous mit einer Leiche“ eher überschaubar. Der Film entbehrt auch nicht einer gewissen Vorhersehbarkeit. Michael Winner setzt seinen vorwiegend amerikanischen Cast und seine hübschen Drehlocations hübsch in Szene und setzt dabei auch auf eine durchaus extravagante Kameraführung. Dennoch wirkt das Tempo etwas behäbiger als sonst und auch die Auflösung wirkt nicht so pointiert, wie man es vielleicht von anderen Verfilmungen gewöhnt ist. Dennoch kann man nicht viel meckern und Fans derartiger Werke kommen auch in „Rendezvous mit einer Leiche" voll und ganz auf ihre Kosten.

16 Uhr 50 ab Paddington

Bild

Es gibt zwar hier schon einen gesammelten Miss Marple-Fred, aber ich denke, die Filme haben auch jeweils einen eigenen Fred verdient. „16 Uhr 50 ab Paddington“ ist ja der erste von vier Filmen mit Margaret Rutherford in der Hauptrolle und bietet solide Krimi-Unterhaltung mit einer der schrulligsten und liebenswertesten Figuren der Kriminalliteratur. Mit viel Humor, forscher Entschlossenheit und Gespür für menschliche Abgründe bietet die Dame auch jedem Mörder die Stirn und löst auch hier einen Mord im Umfeld einer vermögenden Familie, der sich am Ende auch etwas anders als erwartet präsentiert. Der durchaus spannende Streifen ist dabei sehr gut gealtert und bietet verhältnismäßig flotte Unterhaltung, die sich im Gegensatz zu den eher elegant betonten Verfilmungen Jahrzehnte danach den Fokus eher mehr auf den Spürsinn von Miss Marple und weniger auf die gesellschaftlichen Verstrickungen seiner Protagonisten legt. Der britische Humor sorgt für gelungene Auflockerung und nicht umsonst zählt der Streifen mit über 50 Jahren auf dem Buckeln auch zu den absoluten Klassikern des Genres.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40784
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Mein Nachbar Totoro

Bild

Über den Anime-Klassiker „Mein Nachbar Totoro“ muss man wohl nicht viele Worte verlieren und auch wenn der Streifen schon auf ein sehr junges Publikum zugeschnitten ist, begeistert der fantasievolle Streifen auch mühelos das etwas ältere Publikum. Die Geschichte von Mei und Satsuki, die mit dem Vater den Sommer in einem alten Haus auf dem Lande verbringen um näher beim Krankenhaus zu sein, in dem sich die Mutter von einer schweren Krankheit erholt ist bewusst unaufgeregt und aus der Sichtweise der Kinder erzählt und präsentiert Baumgeister, Katzenbusse, Rußkobolde und andere fabelhafte Wesen, die den Kindern in der schweren Zeit als Begleiter und Hilfe zur Seite stehen. Dabei wirkt der Streifen fast etwas aus der Zeit gefallen und hat herzlich wenig mit animierten US-Werken zu tun, die eher auf der Reizüberflutungsskala punkten wollen. „Mein Nachbar Totoro“ ist unspektakulär, nett, lieb und eigentlich alles, was man als Genre-Fan eigentlich nicht so prickelnd findet und dennoch ist Hayao Miazaki ein Streifen mit dem Herz am richtigen Fleck, dessen Charme man sich auch als Erwachsener nicht zu entziehen vermag bzw. es auch gar nicht möchte.

Mörder Ahoi!

Bild

Als Miss Marple nach dem Tod ihres Onkels als neues Mitglied einer Stiftung zur Besserung der Jugend in den Vorstand berufen wird und den Ausführungen eines Mitglieds lauschen möchte, bricht dieser vor ihren Augen Tod zusammen. Während die Polizei von einem natürlichen Ableben ausgeht, ahnt Miss Marple aber natürlich sofort, dass mehr hinter der Sache steckt. „Murder Ahoi!“ ist dabei gar keine Verfilmung eines Agathe-Christie-Romans, sondern eine freie Interpretation verschiedener Motive, was dem Spaß aber keinen Abbruch tut. Die Verdächtigen sind natürlich gleich zur Stelle und mit ihrem Spürsinn begibt sich die resolute Dame auch gleich in Gefahr. Alles hübsch und routiniert in Szene gesetzt ist der Streifen zwar sicher nicht der Beste, der vier Verfilmungen mit Margaret Rutherford als ermittelnde Alleskönnerin, aber wie üblich charmante Krimi-Unterhaltung mit Witz, vergleichsweise hohem Bodycount und der gewohnten Überraschung am Ende, dass sich auch heutzutage natürlich noch sehr gut gucken lässt.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Antworten