Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Prisoners

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Sehr düsteres und exzellent gespieltes Drama, das wohl als kompletter Gegenentwurf zu den Selbstjustiz-Filmen aus der Siebziger-Ecke zählen kann und den Zuschauer geradewegs in eine amerikanische Kleinstadt entführt, wo mancher nicht nur sprichwörtlich die Leichen im Keller hat. In „Prisoners“ nimmt der Vater eines entführten Kindes das Recht selbst in die Hand, als die vermeintlich inkompetente Polizei den einzigen und geistig beeinträchtigten Verdächtigen laufen lässt. Doch ist der Mann wirklich der Täter und wie weit wird der Vater gehen und die Antwort zu hören, die er hören möchte. Fragen über Fragen in einem geschickt konstruierten Werk mit Überlänge und einigen Überraschungen, der mich neben anderen unbequemen Werken aus der Thriller-Kiste auch sehr stark an George Sluizers niederländischen „The Vanishing“ erinnert hat. Auch „Prisoners“ mutet dem Zuschauer so einiges zu und entwickelt sich gegen Ende wirklich zu einem sehr packenden Vergnügen mit nüchternen Bildern, das für den Zuschauer trotz Auflösung auch keine eindeutigen Antworten parat hat. Ein sehr starker Film!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Bruno Mattei Double Feature

In the Land of the Cannibals

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Als die junge Senatoren-Tochter Sara nach einer Expedition im Dschungel des Amazonas mit ihrem Team spurlos verschwindet und sich die Regierung ihres Landes große Sorgen macht, wird ein SWAT-Team unter der Leitung von Lt. Wilson mit dem Wildnis-Experten Romero auf die Spur der jungen Frau geschickt. Romero vermutet, dass das Team im unerforschten Dschungel auf einen Kannibalen-Stamm getroffen ist und als Teile der Ausrüstung der Expeditionsteilnehmer und wenig später auch Teile derselben gefunden werden, wagt sich das Team immer weiter in den unberührten Dschungel und trifft neben allerlei Eigeborenen und wilde Tiere letztendlich in der Abgeschiedenheit auf den ominösen Stamm und die junge Sara, die mittlerweile gefügig gemacht wurde und als Fruchtbarkeitssymbol vergöttert wird. Obwohl das Unterfangen aussichtslos scheint, will Wilson jedoch die junge Frau im Stück zurückbringen und startet so ein regelrechtes Himmelfahrtskommando durch die grüne Hölle…

Der 2003 auf den Philippinen entstandene „Land of Death“ ist neben dem zeitgleich gedrehten „Mondo Cannibale“ wohl Bruno Mattei dreistestes Plagiat ähm… Hommage an den kontroversesten Kannibalen-Streifen aller Zeiten. Wie sonst ließe sich erklären, dass in beiden Filmen ganze Handlungselemente auch Deodatos „Cannibal Holocaust“ nicht nur im sprichwörtlichen Sinn wiederverwurstet werden. Hier geht es u.a. um den Teil der Suche nach einem verschwundenen Vorgängerexpedition und neben ganzen Szenen wie Ritualmord, Badeszene und vielen weiterenn Dingen kommt hier sogar Kermans Maispfeife wieder ausgiebig zum Einsatz, ehe der Film am Ende dann in Richtung „Predator“ kippt und mit allerlei Waffen durch den Dschungel geballert wird. Alles trotz bemühter Ernsthaftigkeit natürlich recht trashig, blutig und recht billig heruntergekurbelt ist „In the Land of the Cannibals“ aber irgendwie auch dank der vollkommen klischeehaften Figuren unterhaltsam, auch wenn ich auf den Tiersnuff gerne verzichtet hätte. Alles in allem ein Kannibalenwerk, dass sich mächtig weit aus dem Fenster lehnt und sich als Mattei-Fan gucken lässt, auch wenn sich der Großteil des Publikums aus vielerlei Gründen mit Grausen abwenden wird.

Mondo Cannibale

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Da ihre Nachrichtensendung in Punkto Einschaltquoten vor sich hin dümpelt und abgesetzt werden soll, überredet die ehrgeizige Reporterin Grace ihren Sendeverantwortlichen zu einer letzten Expedition, der die junge Frau gemeinsam mit dem Kriegsreporter Bob Manson und seinem Team in die grüne Hölle führt, wo die junge Frau skandalträchtige Bilder aufnimmt, die auch rasch dafür sorgen, dass sich ihre Sendung wieder größter Beliebtheit erfreut. Doch Grace und Bob sind die Bilder nicht wüst genug und als sie auf einen berüchtigten Kannibalenstamm treffen, der sich als eher harmlos herausstellt, nehmen die beiden Reporter das Schicksal selbst in die Hand und verursachen mit Waffengewalt ein Massaker, dass ebenfalls bildschirmwirksam eingefangen wird. Während sich das Team gegenseitig zu immer wilderen Taten anstachelt, schlagen die Wilden zurück und die Rache der Kannibalen ist noch grausamer, als es sich die Reporter vorstellen können...

Nachdem Bruno Mattei mit „In the Land oft he Cannibals“ bereits ausgiebig Deodatos „Cannibal Holocaust“ gehuldigt hat und wenigstens noch etwas Eigenständiges hinzugefügt hat, geht er mit „Mondo Cannibale“ wieder einen Schritt zurück und strickt aus dem Handlungsstrang von Alan Yates und seinem Team bzw. dem Found-Footage-Anteil gleich einen ganzen Film, in dem er neuerlich ein skrupelloses Reporterteam in den Dschungel schickt, dass für spektakulären Bilder aus der grünen Hölle selbst Hand anlegt. Dazwischen gibt es Sendeverantwortliche, die zwischen Quote und Verantwortung hin- und hergerissen sind und auch Kermans abschließende Bemerkung über die wirklichen Kannibalen wird hier nochmals recycelt. Alles natürlich nicht annähernd so intensiv wie im übergroßen Vorbild, gibt es neben Mondo-Anleihen zu Beginn natürlich auch jede Menge abgeschmackter Szenen, die bis auf die gepfählte Frau auch alles bieten, das schon Deodato gebracht hat. Im Vergleich zum zeitgleich entstandenen „In the Land of the Cannibals“ ist dieser hier aber klar der unsympathischere Streifen, der auf kostengünstige Weise auch alles präsentiert, was das Genre so in Verruf gebracht hat. Ob man sich daher „Mondo Cannibale“ wirklich anschauen muss, oder gleich nochmal „Cannibal Holocaust“ in den Player wandert, muss wohl jeder selbst für sich entscheiden.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Darjeeling Limited

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Drei ungleiche Brüder, die sich nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam auf eine meditativen Reise durch Indien begeben um ihre Mutter in einem Kloster am Fuße des Himalayas zu finden ist ja wieder einmal ein klassischer Wes Anderson-Stoff im positiven Sinne und der amerikanische Regie-Exzentriker bastelt daraus auch eine knallbunte und turbulente Geschichte über Selbstfindung, wie sie skurriler nicht sein könnte. Eine obskure Begegnung reiht sich an die nächste und Herr Brody, Herr Wilson und Herr Schwartzman tapsen auch von einem seltsamen Moment in den nächsten, was nicht nur die drei immer weiter zusammenbringt, sondern auch den Zuschauer die nicht einfachen Figuren im Laufe der knapp 90 Minuten exklusive Vorfilm in sein Herz schließen lässt. Optisch wie üblich ein absolutes Highlight, sollte man als Zuschauer den optischen Spielerein und dem bisweilen sehr schrägen Humor von Anderson aber natürlich entsprechend aufgeschlossen sein.

Nightbreed (DC)

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Gestern endlich den „neuen“ Directors Cut gesehen und „Nightbreed“ zählt einfach zu den besseren Vertretern von Monsterhorror aus den Achtziger/Neunzigern, auch wenn die Außenseiter-/Selbstfindungs-Story mit Slasher-Nebenhandlungsstrang eigentlich nicht sonderlich originell daherkommt. Dafür sind die Monster und das ganze Ambiente sehr gelungen und die Maskenbildner konnten sich in Clive Barkers Werk auch so richtig austoben. Der neue Cut inklusive alternativem Ende macht den Film imho auch runder und bietet noch mehr Unterwelt und die unterschiedlichsten Monster, die hier auch ganz klar die Sympathien auf ihrer Seite haben. Über Herrn Cronenberg als Schauspieler kann man da schon geteilterer Meinung sein und irgendwie hat seine Figur als Gegenspieler der Brut der Nacht auch nicht das notwendige Autorität und Ausstrahlung, die sie als gleichwertiger Gegner eigentlich dafür benötigen würde. Ansonsten ist der Streifen aber natürlich das richtige Futter für Freunde von Clive Barkers bizarren Welten mit morbiden Schönheiten, die hier auch sehr schön und im DC noch besser in Szene gesetzt werden.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Murder on the Emerald Seas

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Nachdem die Siegerinnen des sogenannten „Artist and Models Ball“-Schönheitswettbewerbs der letzten drei Jahre alle kurz nach ihrem Triumpf auf grausame Weise ermordet wurden, beschließt der Organisator in Kooperation mit der Polizei, dass der Wettbewerb dieses Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff bzw. auf hoher See abgehalten wird und Spitzel der Polizei eingeschleust werden, die um die Sicherheit der Veranstaltung bemüht sind. Jungpolizist Dave ist jedoch wenig darüber erfreut, als er erfährt, dass er „undercover“ in Frauenkleidern an dem Bewerb teilnehmen (!) soll und dafür Stunden bei einem bekannten Transvestiten nehmen muss. Dennoch willigt er ein und der Einsatz entwickelt sich auch äußerst turbulent, als sich neben den Teilnehmerinnen und den Kreuzfahrtgästen auch noch eine kriminelle Bande und Daves Verlobte einfinden und während eines Maskenballs auch noch die Tarnung der Polizisten aufzufliegen droht.

Unterhaltsam-doofe Komödie über einen Polizisten, der in Frauenkleidern einen Schönheitsbewerb bewachen soll und dabei natürlich in allerlei seltsame Situationen kommt. Regisseur Ormsby, der ein Jahr später auch „Derranged“ drehte und für das Drehbuch des ein oder anderen bekannten Horrorfilms verantwortlich zeigt, hat aus der durchaus originellen Geschichte aber leider keinen Slasher, sondern eine harmlose Komödie, in die offensichtlich nachträglich auch noch etwas Nudity eingefügt wurde. Dass „Murder on the Emerald Seas“ aber trotzdem Laune macht, liegt an dem sympathischen Cast, der originellen Geschichte und den netten Gags, die im Verlauf der turbulenten Handlung großzügigen vom Stapel gelassen werden. Ein nettes Siebziger-Ambiente am Kreuzfahrtschiff inklusive schicker Polyester-Klamotten und schräge Charaktere tun dann noch ihr Übriges, dass sich der bislang als verschollen gegoltene Streifen irgendwie dann doch ganz gut gucken lässt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Stage Fright

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Wie gerne würde ich an dieser Stelle schreiben, dass Jerome Sables „Stage Fright“ das originelle Slasher-Musical geworden ist, dass ich mir im Vorfeld erwartet habe. Leider ist der Streifen aber nicht so wirklich prickelnd und bringt Horror und Musik mehr schlecht als recht zueinander und ist mit seinen überzeichneten Charakteren insgesamt betrachtet nur eine mittelprächtige Mischung. Während in den ersten 45 Minuten viel gesungen und wenig gemordet wird, ist es danach genau umgekehrt und die Auflösung kündigt sich für den erfahrenen Genre-Zuschauer auch schon viel zu früh an. Statt einer runden Geschichte wurde das Augenmerk wohl zu sehr auf Tanz und Musik gelegt und da hilft es dann auch wenig, dass der Streifen neben zahlreichen Musical- und Tanz-Sequenzen auch ein paar sehr blutige Momente und Minnie Driver („Das Phantom der Oper“) mit einem Kurzauftritt zu bieten hat. Wer Lust auf einen ungewöhnlichen Slasher hat, kann durchaus einen Blick riskieren, aber wenn ich bedenke, dass der ebenfalls mittelmäßige Low-Budget-Streifen „Splatter Disco“ aus dem Jahr 2007 mit seinem Versuch Slasher und Musical zu vereinigen, bereits die haargenau gleichen Fehler begangen hat, so ist es doch verwunderlich, dass „Stage Fright“ hier insgesamt nicht homogener ausgefallen ist. Da wäre meines Erachtens auch viel mehr möglich gewesen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Wrong

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Nachdem Quentin Dupieux schon mit „Rubber“ einen sehr schrägen Film abgeliefert hat, legt er mit „Wrong“ noch einen drauf und erzählt eine skurrile Geschichte über einen verschwundenen Hund, die sich für den besorgten Besitzer zu einer Art Selbstfindungstrip entwickelt. Während der ungewöhnlich erzählte Killerreifen-Steifen aber ein großer Spaß ist, entpuppt sich „Wrong“ als lahmer Film und schon der nachbarliche Nonsens-Dialog zu Beginn ist symptomatisch für den ganzen Film, der mit schrägen Figuren lediglich eine skurrile Szene an die anderer reiht und mit seinen bizarren Einfällen eher an einen wilden Mischmasch-Traum erinnert, den man am Morgen danach schon wieder vergessen hat. Vom angekündigten „großen Spaß“ und „Volltreffer“ hab ich jedenfalls nichts gemerkt und für meinen Geschmack wird hier in ruhigem und unaufgeregten Erzähltempo fast schon krampfhaft versucht, die alltäglichen des Alltags in ein möglichst schräges Licht zu rücken ohne auf einen Handlungs- oder Spannungsbogen zu achten. Mit dem Titel „Wrong“ kann man dann auch Indoor-Regen, Spontan-Schwangerschaften, Hundekot-Visualisierungsgeräte und die gröbste Verwechslung entschuldigen, aber meinen Geschmack hat Mr. Oizo mit seinem zweiten Langfilm einfach nicht getroffen.

The Element of Crime

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Der Polizist Fisher kehrt nach längerem Aufenthalt in Kairo nach Europa zurück, wo er von dem Polizeichef Kramer zu den Ermittlungen nach einem Serienmörder hinzugezogen wird, der bereits vor einiger Zeit die Gegend unsicher gemacht hat. Um den Kindsmörder ausfindig zu machen, bedient sich Fisher den Ermittlungsmetoden seines ehemaligen Mentors Osborne, der mit „Element of Crime“ ein Buch geschrieben hat, das beschreibt, wie man sich wo weit wie möglich in den Täter versetzten kann um letztendlich auch dessen Motivation und Denkweise zu verstehen. Obwohl ein Tatverdächtiger seinerzeit bei einem Unfall verstorben ist, glaubt Fisher nicht an den Tod des Mörders mit seinem ganz bestimmten Tatmuster und macht sich mit der Prostituierten Kim in heruntergekommenen Städten weiter auf die Suche nach den zahlreichen Spuren des Mörders…

Experimentelles Krimi-Drama und Frühwerk von Lars von Trier, der hier eine Film-Noir-artige Geschichte über die Suche nach einem Kindsmörder in einem surrealen, Sepia-farbenen und heruntergekommenen Ambiente erzählt. In der Welt von „The Element of Crime“ scheint keine Sonne und während der ständige Regen von der Decke tropft, kämpft sich Fisher auf der Suche nach dem Serienmörder durch heruntergekommene Häuser und Tatorte und verinnerlicht die Denkweise eines Kindsmörders um ihn das Handwerk zu legen. Dabei steht auch nicht die eigentliche Kriminalgeschichte nicht im Vordergrund, sondern die Ermittlungsmethode, die den Polizisten an den Rand des Erträglichen bringt und alles in „The Element of Crime“ ist etwas gegen den Strich gebürstet. Herausgekommen ist dann auch ein sperriger und interessanter Streifen, das sich schon an den aufgeschlossenen Zuschauer richtet, der sich auf den ungewohnten und auch sehr stark von Andrej Tarkovskys Werken inspirierten Kosmos einzulassen vermag.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Savage-Double-Feature feat. Linda Blair:

Savage Island

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Was für ein Murks! Da hat doch jemand tatsächlich für eine US-Auswertung von Edoardo Mulargias „Liebeshexen vom Rio Cannibale“ und „Foltercamp der Liebeshexen“ die Action-Szenen auf 70 Minuten zusammengeschnitten und neu gedrehtes Material mit Linda Blair und einer Länge von 10 Minuten vorne und hinten dran getackert. Herausgekommen ist ein Werk, das naturgemäß auch keinen großen Sinn ergibt, wenn ein und dieselben Darsteller um die Ecke gebracht werden und wenig später in neuer Rolle wieder am Bildschirm erscheinen. Ein bisschen Folter, viel Flucht durch den Dschungeln und jede Menge nackter Haut machen aber noch keinen guten Film und auch die Rahmengeschichte mit Linda Blair ist nicht so der Bringer. Positiv ist da wohl lediglich die Zeitersparnis, dass ich mir Mulargias Streifen jetzt auch nicht mehr ansehen muss, da ich die besten Stellen ja schon kenne. Ansonsten sollte man wohl einen großen Bogen um das Teil machen.

Savage Streets

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Wenn Linda Blair als pausbäckiger Rache-Engel die Vergewaltigung ihrer taubstummen Schwester und den Mord an ihrer Freundin durch eine gewaltbereite Jugend-Gang rächt, kann man als Genre-Fan ja eigentlich nur begeistert sein. Dachte ich auch, aber wie eigentlich erwartet vom Hocker hat mich der 1984 entstandene „Savage Streets“ leider nicht gerissen. Zwar bekommt man in dem Exploitation-Werk alles geboten, was man sich erwartet, aber bis etwas passiert wird einfach zu viel Nonsens gebrabbelt, hässliche Klamotten durch die Gegend getragen und auch in Punkto Härte hätte man für meinen Geschmack ruhig etwas aufdrehen können. Dass die durchwegs erwachsenen Schauspieler auf 17jährige machen ist eher erheiternd und auch Frau Blair wirkt mit ihrem toughen LMAA-Verhalten auch immer wie eine Parodie auf Gesellschaftsdramen aus der Achtziger-Kiste. Doch darüber kann man auch gerne hinwegsehen, wenn Frau Blair dann endlich im knappen Leder-Dress und Pfeil& Bogen Jagd auf das männliche Gesindel macht. In diesen Szenen dreht das Werk dann auch so richtig auf und zeigt, was aus „Savage Streets“ wohl hätte werden können, wären die Finanzierung nicht mehrmals ziemlich auf der Kippe gestanden.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Bikini Girls on Ice

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Langweiliger, doofer und über weite Strecken erschreckend harmloser Slasher, der erst gar nicht probiert, dem Genre irgendwelche neuen Impulse zu verleihen. Abgesehen von der vollkommen haarsträubenden Grundidee, aufgrund eines defekten Busses in einer geschlossenen Tankstelle einen temporären Car-Wash zu eröffnen, kann der Streifen leider so gar nicht punkten und wer sich in dem Werk etwaige Titten erwartet wird wohl ebenfalls enttäuscht werden. Eine Handvoll knackiger Bikinigöals, die von einem grunzenden Irren gemeuchelt werden - mehr ist da nicht und so etwas wie Spannung oder Motivation des Killers sucht man ohnehin vergeblich. Wer sich an den Mädels erfreuen kann, wird vielleicht noch etwas Positives finden, der Rest bekommt einen Streifen serviert, der uninspirierter nicht sein könnte. Die Scheibe wurde auf Anraten der schlechteren Hälfte auch sogleich dem Schrottwichteln gestiftet: "Leg noch 5 Euro drauf, dass er/sie die auch ja nimmt..." und das sagt wohl alles... ;)

Düstere Legenden 2: Final Cut

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Abgesehen von der Tatsache, dass „Düstere Legenden 2“ das Kernthema „Urbane Märchen“ und gruselige Begebenheiten mit moralischem Unterton leider nicht so konsequent verfolgt wie sein Vorgänger, ist John Ottmans Streifen aber sehr gelungen. Das Tempo passt, die Geschichte geht ebenfalls in Ordnung und im ersten Drittel gibt es tatsächlich eine sehr, sehr böse Sequenz, die auch dazu geführt hat, dass der Teenie-Slasher indiziert (?) wurde. Zwar ist Teil 1 im direkten Vergleich schon klar der bessere Film, aber der Nachfolger knüpft hübsche Verweise zum Vorgänger und hat mit ambitionierten Filmstudenten einer Filmakademie auch einen originellen Handlungsrahmen, der auch den Zuschauer mit unangekündigten „Film-im-Film-Momenten“ immer wieder hübsch auf die falsche Fährte lockt. Alles in allem ein gelungener zweiter Teil mit überraschenden Finale und sympathischen Darstellern, der auch zu den gelungenen Vertretern der Teenie-Slasher-2.0-Welle gezählt werden kann.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Super Bitch a.k.a. Blue Movie Blackmail a.k.a. Mafia Junction

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Manche Dinge lassen sich wohl nicht erklären und warum der eigentlich grandiose Thriller „Si può essere più bastardi dell'ispettore Cliff?“ von Massimo Dallamano sich nicht größerer Beliebt- und Bekanntheit erfreut, kann ich nach meiner gestrigen Sichtung nun mal überhaupt nicht nachvollziehen. „Super Bitch“ ist trotz seltsamen englischen Titels ein wüster, temporeicher und ziemlich harter Ausflug in die Welt des organisierten Verbrechens und präsentiert eine Sau von einem Polizisten, der Verbrecherbanden und Drogenkartelle gegenseitig ausspielt und für seine Interessen auch vor Mord nicht zurückschreckt. Alles wunderbar eingefangen mit Drehorten in Beirut, Paris, London und New York und einem ziemlich abgeklärten Ivan Rassimov, allerlei bekannten Gesichtern aus der Italo-Ecke und sogar eine im Abspann nicht erwähnte Camille Keaton schaut kurz als Escort-Girl vorbei. Ich bin zwar nicht der große Poliziesco-Experte, aber Dallamanos Streifen hat bei mir dann doch ziemlich reingeknallt und "Super Bitch" ist für mich neben "Leben und Tod im Garten der Götter" die bislang schönste Italo-Entdeckung des heurigen Jahres!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Enemy

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Guter und außergewöhnlicher Streifen für alle Freunde von gepflegten Hirnrunzler-Filmen, die auch den ein- oder anderen Streifen von David Lynch im Regal stehen haben. Ich fühlte mich bei „Enemy“ auch sehr stark an die Filme von Kiyoshi Kurosawa erinnert, der mit „Doppelganger“ auch einen Film mit ähnlicher Thematik abgeliefert hat. Dennis Villeneuve ist aber weit davon entfernt, irgendwelche Regie-Kollegen zu kopieren und liefert mit „Enemy“ einen sehr vielschichtigen Film ab, der auch optisch sehr interessant daherkommt und sich mit seinem Kafka-esken Inhalt über weite Strecken überhaupt nicht festmachen lässt. Inhaltlich wird an dieser Stelle ja nichts verraten, da dies ohne Spoiler nicht geht, aber wenn nach dem ohnehin schon schrägen Finale abrupt die Endszene kommt und der wunderbar gemacht Abspann über den Bildschirm flimmert, fängt es wohl erst richtig zu rattern an. Kein Film für Leutchen, die nach Antworten verlangen, sondern ein origineller und vor allem sehr gut gemachter und noch besser gespielter und fordernder Streifen für das aufgeschlossene Publikum.
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