Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Brennender Tod

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Sechzigerjahre-Horror ist ja nicht unbedingt so meine Baustelle, aber „Brennender Tod“ fand ich dann mit seiner Mischung aus altmodischen Charme, sympathischen Cast und haarsträubenden Sci-Fi-Trash doch sehr unterhaltsam. Ich wusste ja im Vorfeld nicht worum es geht und war natürlich mindestens genauso wie die Inselbewohner über die Vorkommnisse überrascht, die von einem sehr resoluten Christopher Lee auch absolut glaubwürdig präsentiert werden. Auch das Drumherum inklusive soapigen Beziehungsdrama auf der abgelegenen Insel ist recht spaßig in Szene gesetzt und die zahlreichen unlogischen Momente fand ich ebenfalls sehr augenzwinkernd unterhaltsam. Insgesamt sicher kein Streifen dem man mit aller Ernsthaftigkeit begegnen sollte, aber wenn Terence Fisher am Ende in einem spannenden Finale so richtig aufdreht, bleibt ja wirklich kein Auge trocken. Wenn man sich während der Sichtung an die Getränkeempfehlungen der hitzegeplagten Inselbewohner hält, ist es aber sicher auch nicht verkehrt.

House of Wax

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Allen Unkenrufen zum Trotz ist „House of Wax“ sicher einer der unterhaltsameren Teenie-Slasher ohne Anspruch und der Nuller-Jahre, der aus der bekannten Vorlage auch einen flotten Horrorstreifen mit ein paar hübschen Schmoddermomenten verbindet. Fängt der Streifen mit seinem Beziehungsgeplänkel innerhalb der Gruppe ja noch recht durchschnittlich an, verwandelt sich der Streifen spätestens im feurigen Finale zu einer sehr spannenden Angelegenheit und auch atmosphärisch fand ich Jaume („The Orphan“) Collet-Serras Werk durchaus sehr gelungen. Die kleine Stadt mit ihren düsteren Geheimnis ist jedenfalls recht nett in Szene gesetzt und auch die vielfach für ihr mangelndes Talent gescholtene Paris Hilton macht ihre Sache inklusive ihrem herben Abgang in einer Art und Weise, der auch ihre zahlreichen Kritiker wieder versöhnlich stimmen wird. Sicherlich bietet auch „House of Wax“ auch wieder nur das übliche Figurenpanoptikum mit der kompletten Klischeekeule, aber bleibt dabei ein Streifen, der sich auch knapp 10 Jahre nach Entstehung und ohne dem ganzen Geplänkel um seinen Cast noch immer sehr gut gucken lässt.

Sunshine Barry und die Discowürmer

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Wenn man am unteren Ende der Nahrungskette steht und sowieso mit Imageproblemen zu kämpfen hat, ist das Leben alles andere als einfach. Auch für den Regenwurm Barry ist daher bereits ein Leben in der mittleren Management-Ebene in der Kompostierungsindustrie vorgesehen, als er eines Tages bei den Sachen seines Vaters eine Schallplatte mit Disco-Hits entdeckt. Sofort ist Barry Feuer und Flamme für die groovigen Hits vergangener Jahrzehnte und plant mit weiteren Würmern eine Band zu gründen um bei einem anstehenden Talent-Wettbewerb für Kleintiere so richtig abzuräumen. Doch Würmer sind nicht „funky“ und so haben Barry und seine Kollegen auch allerhand zu tun, um ihren großen Traum entgegen allen Widrigkeiten in die Tat umzusetzen

Unterhaltsamer und harmloser Animationsfilm mit Würmern und zahlreichen Cover-Versionen bekannter Disco-Hits und einer Geschichte, die so schrägt daherkommt, dass man den Machern eigentlich nur dazu gratulieren kann. „Sunshine Barry“ ist dabei auf ein eher junges Publikum zugeschnitten und bietet mit „du kannst alles erreichen, wenn du nur fest daran glaubst“ auch eine nette Botschaft, während das erwachsene Publikum mit dem Streifen jedoch eher weniger bedient wird und die Gags, über die auch ältere Menschen lachen können, relativ rar gesät sind. Auch in Punkto Animation steht der dänische Streifen sicherlich hinter vergleichbaren Pixar- und Disney-Werken zurück und ist dennoch eine grundsympathische Angelegenheit unter der Disco-Kugel mit viel flotter Musik und den unwahrscheinlichsten Protagonisten, die man sich vorstellen kann. Und ein Streifen in dem ständig die Discokugel rotiert und die Village-People als Würmer vorbeischauen kann man ohnehin nur in sein Disco-Herz schließen.

Cargo

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„Cargo“ ist angesichts seines Entstehungsortes und Budgets ja eine mehr als beachtliche Leistung und das industrielle Sci-Fi-Setting und der zeitlupenartige Spannungsaufbau fand ich ebenfalls sehr gelungen. Die Geschichte ist ja auch ganz passabel, selbst wenn der geeichte Sci-Fi-Freund ja bald einmal erahnen kann, wie sich die ganze Sache entwickeln wird. . Hat mir persönlich auch weit besser gefallen als dieser unsägliche „Matrix“ mit seinem existenziellen Gequatsche und seinem Schwerpunkt auf Action. Der bildgewaltige Streifen aus schweizerischer Produktion lässt sich beim Erzählen seine Story aber erstaunlich viel Zeit und der Zuschauer kann sich erst einmal von den unterkühlten Bildern aus dem Frachtschiff und schier grenzenlosen Raum plätten lassen, ehe der Streifen ganz gemächlich die Spannungsschraube anzieht und so den wohlwollend eingestellten Zuschauer immer mehr in seinen fast schon hypnotischen Bann zieht. Schöne Sache, das!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Themenabend: zwei schlechte Filme mit Janet Agren!

Shark - Stunde der Entscheidung

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David betreibt mit seinem Kumpel Paco einen kleinen Bootsverleih in Mexico, ist auf der Jagd nach einem ominösen, einäugigen Hais und muss eines Tages entsetzt mit ansehen, wie das Wasserflugzeug seines kriminellen Bruders James vor seinen Augen in die Luft gejagt wird. Dieser ist in Besitz einer CD mit illegal abgehörten Gesprächen eines verbrecherischen Syndikats, von dem er außerdem Diamanten im Wert von zwei Millionen Dollar erpresst hat. Obergangster Rosentski will aber Beides zurück und so gerät auch David und sein Umfeld in das Visier von Auftragskillern, der vorsichtshalber die CD bereits mittels Köder an den Hai verfüttert (!) hat, damit die CD nicht in falsche Hände gerät und auch bereit ist, den Kampf gegen den korrupten Verein aufzunehmen.

Italienische Filme aus den späten Achtzigern sind ja meist keine großen Highlights und auch Regisseur Tonino Ricci ist auch nicht unbedingt für Qualitätswerke bekannt, aber was er hier unter dem Pseudonym Anthony Richmond abgeliefert hat, spottet echt jeder Beschreibung und stellt mit seiner Logik und Dialogen jeden Filmfan vor eine echte Herausforderung. Die Story von „La notte degli squali“ als haarsträubend zu bezeichnen wäre ja die Untertreibung des Jahres und die vollkommen hanebüchene Mischung aus Tierhorror, Dschungel-Abenteuer, MacGuyver und Buddy-Movie ist gespickt von Anschlussfehlern und grotesken Momenten, die dem Trashfan auch mühelos ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Da wird eine CD mit geheimen Daten kurzerhand an einen Hai verfüttert, Boote gesprengt und zwischendurch gibt es ein bisschen Inselromantik, einen Hai und jede Menge angeknabberter Taucher. Der zweifelsfrei sehr sympathische Treat Williams müht sich brav von einem absurden Moment in den Nächsten und macht gute Miene zum unlogischen Spiel, während Janet Agren nur einen kurzen Auftritt hat. Als Tierhorror funzt die Mischung ja eher nur bedingt und als Action-Film ist „Shark“ ebenfalls nur begrenzt zu gebrauchen, während er wohl als leuchtendes Beispiel dafür steht, wie man es als Regisseur eher nicht machen sollte. Unterhaltsam doof!

Ratman

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Mit dem Nobelpreis für Forschung vor Augen kreuzt der durchgeknallte Dr. Olman kurzerhand das Ei eines Hundes mit dem Sperma von Ratten und schafft so ein monströses, kleines Wesen mit messerscharfen Krallen und Zähnen, dass noch dazu ein Gift absondert, dass seine Opfer in Sekunden tötet. Naturgemäß entwischt das Wesen und macht wenig später Jagd auf unschuldige Menschen inklusive einer Gruppe von Fotomodels und einem Fotografen, die sich auf der Suche nach exotischen Locations befinden. Als eines der Models tot gefunden wird, ruft das deren in den Staaten lebenden Schwester Terry auf den Plan, die bei ihrer Ankunft in dem exotischen Land den Kriminalautor Fred trifft, der sich spontan dazu entschließt, die hübsche Frau ins Leichenschauhaus zu begleiten. Als sich die Tote jedoch als jemand anderes herausstellt, machen sich Terry und Fred gemeinsam auf den Weg in den Dschungel und die verschwundene Schwester zu suchen und geraten so auch wenig später ebenfalls ins Visier des Monsters…

Du meine Güte, was ist denn das? Ein offensichtlich an Progerie leidendes Kind als verkleidetes Rattenmonster, das Jagd auf Fotomodels macht und dabei ziemlich blutig zur Sache geht. Sämtliche Grenzen der Wissenschaft, der Logik und des guten Geschmacks werden in „Terror House“ a.k.a. „Ratman“ ja kurzerhand außer Kraft gesetzt und Regisseur Giuliano Carnimeo – hier als Anthony Ascot aktiv – bietet ein groteskes Horrorspektakel, dem man selbst als aufgeschlossener Zuschauer nur noch fassungslos beiwohnen kann. Spannung oder dergleichen kommt ja gar nicht auf und irgendwie hat man das Gefühl, hier wurden einfach getrennte Filme zusammengeschnitten und mit einem Schocker-Finale versehen, das zweifelsfrei sehr lustig ausgefallen ist. In Erwartung eines schlechten Films erfüllt „Ratman“ dann ja durchaus seinen Zweck und was dem dürftigen Drehbuch an Substanz fehlt, macht Carnimeo mit Blut, Beuschel, Titel und einem tollen und bemitleidenswerten Cast inklusive David Warbeck, Janet Agren und Werner Pochath wieder wett. Natürlich absolut kein Highlight, aber ein nett-haarsträubender Horrorfilm mit einem der ungewöhnlichsten Filmmonster aller Zeiten.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Wes Anderson Retrospektive Teil 3:

Der Fantastische Mr. Fox

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noch immer ganz großartüsch! :nick:

Mary, Mary, bloody Mary!

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Menno - wie kann man aus der Idee nur so einen langweiligen Film zaubern und während in den Siebzigern Filme mit variierten Vampir-Themen boomten, liefert Herr Moctezuma wohl den mit Abstand lahmsten Beitrag von allen ab. „Mary, Bloody Mary“ besteht ja eigentlich nur aus Szenen, in denen die von Ermittlern verfolgte Mary versucht, Leutchen mittels Schlafmittel zu betäuben, um ihnen danach das Blut auszusaugen und die Sachen öfters mal nicht so nach Plan läuft. Der Vorspann kommt nach 15 (!) Minuten und irgendwann kommt neben einem Lover auch mal ein bis zur Unkenntlichkeit maskierter John Carradine, den ein dunkles Geheimnis mit der Blut trinkenden Malerin verbindet. Alles recht dröge und uninspiriert inszeniert fehlen dem Streifen etwaige Höhepunkte und die ganz kurzen Gewaltmomente, ein bisschen nackte Haut und der teils flockige Soundtrack können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ganze Sache trotz eher kurzer Laufzeit nicht so richtig funzt, nichts zusammenpassen mag und auch nie so richtig in Fahrt kommt.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Der scheiße Hai

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Hm… ich kann mich für den Streifen auch nicht so richtig begeistern und so sehr ich die erste Hälfte inklusive Massenpanik mag, so wenig gefällt mir dann der zweite Teil mit der Jagd. Irgendwie startet „Der weiße Hai“ ja ganz vielversprechend, bietet inklusive Massenpanik alles was man sich von einem derartigen Streifen erwartet und kippt dann in einen drögen Abenteuerfilm mit Männergelaber, der sich meines Erachtens dann auch zu viel Zeit lässt, bis wieder irgendwas passiert. Während die Figur des Chief vollends zum Statisten verkommt konzentriert sich der einseitige Streifen imho auch auf die Figur des abgeklärten Quint, der im letzten Moment ja auch noch als irgendwie sympathisch entlarvt werden muss. Ganz schlimm auch das alkoholschwangere "Schwanzvergleichs"-Gespräch zwischen dem ach so harten Seemann und dem profilierungssüchtigen Ozeanologen, in dem es darum geht, wer denn jetzt der „Tougheste“ von den Beiden ist und auch den Score mit den düsteren Streichern und fröhlichen Klarinettengedudel, fand ich in der zweiten Hälfte ziemlich unpassend. Anfänglich hui – dann ziemlich pfui… muss wohl an der Western-artigen Belagerungsatmosphäre, oberflächlichen Charakteren und der zutieft amerikanischen Art jedweder Problemlösung liegen...
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CamperVan.Helsing
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von CamperVan.Helsing »

jogiwan hat geschrieben:Der scheiße Hai
:shock: :nixda:
My conscience is clear

(Fred Olen Ray)
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

House on Haunted Hill

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Seinerzeit auch im Kino gesehen ist „House on Haunted Hill“ eine kurzweilige, wenn auch nicht sonderlich nachhaltige Mischung aus „Haunted House“-Horror und „Whodunnit“-Thriller, das neben einem Jeffrey Combs-Kurzauftritt auch mit einer gruseligen Location und einem turbulenten Finale aufwarten kann. Die Geschichte ist zwar etwas wirr, wird aber inklusive nettem Start stetig vorangetrieben, sodass auch dank ein paar netten Überraschungen und blutigen Effekten kaum Langeweile aufkommt. Das „Monster“ am Ende fand ich ja ebenfalls recht gelungen, was man von der Charakterisierung der Figuren jedoch nicht so wirklich behaupten kann und über die Grundidee (Geisterhaus ändert Gästeliste) und ein paar andere Dinge sollte man wohl auch nicht näher nachdenken. Leicht überdurchschnittliche Horror-Ware für ein größtmögliches Publikum mit einigen Referenzen an das Genre, dass sich mit vielen Jahren Abstand aber immer noch gut gucken lässt.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

13 Geister

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Seinerzeit auch im Kino gesehen ist „13 Geister“ nach „House on Haunted Hill“ das nächste William Castle-Abenteuer, dass hier zu einer Big-Budget-Geisterbahnfahrt für ein breites Publikum verbraten wurde. Irgendwie wirkt der turbulente Streifen inhaltlich aber etwas missglückt und bietet neben „Monk im Glashaus“ auf der Seite der Lebenden nur nervige und/oder hysterische Charaktere, die Nonsens labern und sich natürlich immer falsch verhalten. Der vielfach gescholtene Streifen fällt mit seiner vollkommen haarsträubenden Geschichte auch eher in die Kategorie „doof, aber lustig“ und neben überraschend herben Effekten für eine 16er-Freigabe punktet Becks Streifen auch eher mit einem durchaus extravaganten Look des Gebäudes und netten Geistererscheinungen, die man für meinen Geschmack auch ruhig etwas mehr in den Mittelpunkt hätte rücken können. Insgesamt aber eine eher maue Angelegenheit, die man zwar gucken kann, aber die trotz hohem Bekanntheitsgrad auch sicher nicht zu den Highlights des Genres zählt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Boxing Helena

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Der erfolgreiche und smarte Arzt Nick ist ein Experte auf dem Gebiet der Gefäß-Chirurgie und trotz seiner Beziehung zu Anne förmlich besessen von der hübschen Helena, mit der er einst eine Nacht verbracht hat. Doch die verführerische Frau interessiert sich nicht für den Arzt und hat auch keine Ahnung, dass dieser hinter ihr her ist und sie aus der Ferne beobachtet. Als Nick nach dem Tod seiner nicht minder umtriebigen Mutter beschließt, in ihrem geräumigen Anwesen zu wohnen und eine Party gibt, lädt er auch Helena ein, die sich prompt vor seinen Augen mit einem anderen Mann vergnügt. Als Nick daraufhin in Besitz ihrer Handtasche kommt, lockt der Arzt die hübsche Frau am nächsten Tag neuerlich in sein Haus und hat bereits den Plan, diese auch nicht mehr so einfach gehen zu lassen…

„Boxing Helena“ stand ja ganz oben auf meiner Liste und dank einem sehr lieben Menschen :verbeug: bin ich jetzt endlich in den ernüchternden Genuss des vermeintlichen Skandalfilms gekommen, der ja nicht so einfach zu bekommen ist. Leider ist der Erotik-Thriller von Jennifer Chambers Lynch ja eine ziemlich maue Angelegenheit, in dem dank zahlreichen WTF-Momenten auch nichts zum anderen passen möchte und den Zuschauer über weite Strecken ziemlich ratlos zurücklässt. Die Story über die Umstände, die den erfolgreichen Arzt dazu verleiten, seiner großen Liebe Stück für Stück die Gliedmaßen zu amputieren um sie so für sich zu gewinnen ist natürlich totaler Quatsch, der dann auch noch so unglaubwürdig, lahm und oberflächlich wie möglich erzählt wird. Julian Sands schafft es imho auch nicht eine Sekunde, die Obsessionen und seelischen Abgründe des Arztes glaubhaft zu verkörpern und die Chemie mit der zickig erscheinenden Sherilyn Fenn scheint auch überhaupt nicht gestimmt zu haben. Das Ambiente ist zusätzlich verkitscht, die Figuren und ihre Motivation stets unglaubwürdig, die Tricks leicht zu durchschauen und nach dem ärgerlichen Finale muss man sich schon fragen, wer der Regisseurin diesen semi-erotischen Mumpitz und Hirnwindungs-Runzler eigentlich abkaufen soll. Autsch!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Snowpiercer

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„Snowpiercer“ ist schon eine ziemliche Überraschung im positiven Sinn und ich hätte mir nach den ersten Minuten und dem seltsamen Auftritt von Tilda Swinton ja nicht gedacht, dass sich der Streifen danach noch so derart packend entwickeln würde. Kein weiterer Big-Budget-Sci-Fi-Actionfilm mit Hollywood-Cast, sondern vielmehr ein bitterböses Statement zur Lage der Welt und unschöne Wahrheiten darüber verpackt in einem düsteren und sehr dramatischen Film, der bis zur letzten Minute größtenteils unvorhersehbar bleibt und dass der Streifen dabei teils groteske Momente abliefert, die zuallererst irritierend wirken um danach Sinn zu ergeben ist nur eine Stärke des ungewöhnlichen Films. Die beiden von Arkschi angeführten Punkte der Kritik sind aber auch uns bei unserer Sichtung aufgefallen, aber die haben mich ehrlich gesagt nicht weiter gestört und einer tieferen Logik-Prüfung würde der Streifen ohnehin nicht standhalten. Ansonsten gibt es aber weder an den Darstellern, noch am Look oder Regie bei diesem durchaus ungewöhnlichenen und vor allem ziemlich originellen Genre-Mix etwas auszusetzen. Ein Film, der am Ende des Jahres dann wohl auch weit oben auf meiner Liste der besten Filme des Jahres zu finden sein wird. Ansehen!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Naked Obsession a.k.a. The Smile of the Fox

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Der ehemalige Cop Mark arbeitet als Auftragskiller und reist nach Argentinien um dort für eine mysteriöse Organisation einen mächtigen Mann aus dem Weg zu räumen. Doch das Opfer bleibt vorerst anonym und Mark wird in ein geräumiges Apartment einquartiert, wo der Mann auf weitere Instruktionen warten soll. Während die Tage vergehen, steigt bei dem durch ein schicksalhaftes Ereignis aus der Vergangenheit traumatisierten Mark auch das Interesse an seiner Nachbarin, die nicht nur täglich singt, sondern auch ein aufregendes Sexualleben zu haben scheint. Als diese eines Tages durch einen Zufall Marks Wohnung betritt um ihr ausgebüxtes Haustier zurückzuholen, ist es um den Auftragskiller geschehen und der Mann verliebt sich Hals über Kopf in die dralle Marina. Doch diese ist bereits mit dem brutalen Hank zusammen, der sadomasochistische Praktiken im Bett pflegt und während sich die Beiden Hals über Kopf in eine wilde Affäre stürzen, wartet auf den Auftragskiller schon bald die nächste Überraschung…

Durchaus passable Mischung aus Drama und Frühneunziger-Erotik-Thriller mit Stephen Bond und einer sehr drallen Deborah Caprioglio, die zuvor in Tinto Brass‘ „Paprika“ bereits ihre beiden Vorzüge der Kamera präsentieren konnte. Hier spielt Frau Caprioglio eine unschuldig wirkende und dennoch mysteriöse Frau, die einem Auftragskiller und Ex-Cop den Kopf verdreht, der durch Lust und Leidenschaft auch bald sein eigentliches Ziel aus den Augen verliert. Dass am Ende alle Stricke zusammenlaufen, sollte dem Zuschauer aber natürlich klar sein und während „Film-Noir“-artig die dramatischen Ereignisse aus der Vergangenheit des heruntergekommenen Auftragskillers aufgearbeitet werden, bietet „Naked Obsession“ auch viel nackte Haut für sein Publikum. Das turbulente und durchaus brutale Ende, entschädigt für kleinere Durchhänger in der Mitte und dank routinierter Regie, exotischen Schauplätzen und ansehnlichen Darstellern lässt sich „Spiando Marina“ schon gut gucken.

Brutalization a.k.a. C.A.T.S.

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Nach einer Reihe von Einbrüchen inklusive Vandalismus und einer Gruppenvergewaltigung vor den Augen des Ehemannes durch eine Gruppe von sechs Jugendlichen führt die Spur der Polizei in einen noblen Küstenort Bloemendaal. Der ermittelnde Kommissar Valk aus Amsterdam kommt vor Ort auch rasch auf die Spur der Täter, die sich jedoch hinter ihrer wohlhabenden Fassade verstecken und jegliche Beteiligung vor den entsetzten und fassungslosen Eltern abstreiten. Der gewiefte Kommissar schafft es jedoch durch seine scharfe Auffassungsgabe und psychologische Tricks, dass die Fassade der Verschwiegenheit innerhalb der Gruppe zu bröckeln beginnt. Dennoch versucht Valk auch die Motivation der Jugendlichen zu ergründen und als einer der Jugendlichen tot aufgefunden wird, scheint sich der Verdacht zu bewahrheiten, dass noch eine weiter Person seine Finger im Spiel hat…

Der holländische Streifen „C.A.T.S.“ thematisiert das Anfang der Siebziger beliebte Thema der scheinbar unmotivierten Jugendkriminalität und liefert gewaltbereite Jungs aus gutem Hause, die einbrechen, zerstören und Frauen vor den Augen der Ehemänner vergewaltigen. Dabei ist der Streifen zu Beginn auch etwas herb, bevor der ansonsten eher unaufgeregt und dennoch spannend erzählte Streifen ein paar Gänge zurückschaltet und sein Augenmerk auf die Ermittlungsarbeit und Verhöre des smarten Polizisten legt, der versucht die Täter samt den Hintergründen der Tat zu ermitteln. Regisseur Fons Rademaker siedelt seinen Streifen irgendwo zwischen Drama, Bandenterror, Sozialstudie und Polizeifilm an und hat auch ein interessantes Zeitdokument einer liberalen Gesellschaft geschaffen, aus der heraus neue Feindbilder entstehen. Wer sich aufgrund der Inhaltsangabe einen reinen Exploitation-Streifen erwartet, wird trotz des eher überraschenden Finales enttäuscht sein, aber wer auf eher ungewöhnliche Euro-Produktionen steht, kommt an dem interessanten Werk auch dank des Leinwand-Debüts von Silvia Kristel, die ein Jahr darauf als „Emanuela“ so richtig durchstartete, wohl ohnehin nicht vorbei.
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