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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 13. Sep 2014, 19:52
von jogiwan
Riot in a Women's Prison

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Die junge Französin Martine aus gutem Hause trifft auf einer Italien-Reise auf eine Handvoll Hippies, die der Frau unverhohlen Drogen anbieten. Als sie daraufhin in eine Polizeiaktion gerät und ihr einer der Hippies Drogen in die Jackentasche steckt, landet Martine auf dem Polizeirevier und später in Untersuchungshaft, wo ihr ein zugewiesener Anwalt auch unverhohlen rät, das Delikt zuzugeben. Martine beharrt jedoch auf ihrer Unschuld und trifft in ihrer Zelle neben der resoluten Susan, der Träumerin Gianna und der politisch aktiven Grazia auch noch auf andere Frauen, die ohne gültigem Gerichtsurteil in dem dreckigen Gefängnis auf ihre Verhandlung warten. Obwohl der Alltag im Gefängnis von Gewalt und Anfeindungen geprägt ist und die Stimmung auch immer wieder zu kippen droht, versucht Martine die schwere Zeit mit ihren Leidensgenossinnen durchzustehen, ohne zu wissen, ob sie überhaupt jemals in die Freiheit entlassen wird.

Aufgrund des Entstehungsjahres noch eher zahmer WIP-Prisons aus italienischer Produktion, der zwar alles bietet, was man sich von einem derartigen Film erwartet, sich aber in Punkto Gewaltdarstellung eher zurückhält. Neben der Zurschaustellung von nackter Haut ging es Regisseur Brunello Rondi wohl auch etwas um Kritik an dem italienischen Strafvollzug und der Tatsache, wie schnell man unschuldig und ohne Verhandlung bzw. Aussicht auf eine Freilassung in einem heruntergekommenen Loch von Frauengefängnis landen kann. Dazu gibt es natürlich etwas Lesben-Sex, eine Revolte und andere episodenhafte Ereignisse aus dem Gefängnisalltag und einen wirklich guten Cast, bei dem neben der von mir sehr geschätzten Martine Brochard vor allem Marilú Tolo als temperamentvolle Susan hervorsticht, die hier auch ordentlich aufdreht. Erna Schurer als etwas verpeilte Sängerin, Katia Christine als politische Aktivistin und eine junge Christine Galbó als junge Nonne sind ebenfalls in dem eher durchschnittlichen aber dennoch gut zu guckenden Werk mit von der Partie. Von dem furchtbaren, deutschen Kinoplakat sollte man sich jedenfalls nicht abschrecken lassen.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 14. Sep 2014, 17:11
von jogiwan
Long Island Cannibal Massacre

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Inspector James Cameron entdeckt eines Tages bei einem Spaziergang am Strand auf Long Island ein blutbesudeltes Kleidungsstück und den abgetrennten Kopf einer weiblichen Leiche. Als ihn daraufhin ein Mann namens Jack, der sich als Eigentümer des Strandabschnittes ausgibt, 120 Dollar in die Hand drückt um damit sein Schweigen zu sichern und weiteren Problemen aus dem Weg zu gehen, willigt Cameron zum Schein in den fragwürdigen Deal ein und lässt den seltsamen Mann und den Leichenteil zurück. Wenig später macht er sich aber mit einem befreundeten Polizisten weiter auf die Suche und kommt so auch einer mysteriösen und sehr brutalen Mordserie auf die Spur, die Long Island schon seit länger unsicher macht und anscheinend auch von den Behörden nicht sonderlich ernstgenommen wird.

Nathan Schiff ist ja in Fankreisen als sehr umtriebiger Amateur-Regisseur für sehr herbe Horrorwerke bekannt und sein „Long Island Cannibal Massacre“ fackelt ja auch nicht lange und präsentiert sich dem fassungslosen Zuschauer als eine Art Mischung aus „Texas Chainsaw Massacre“ und weirdem Kannibalen-Film und sehr herben Effekten. Obwohl der Streifen dabei durchaus der Amateur-Ecke zuzuordnen ist, hat „L.I.C.M.“ aber durchaus seine Momente und überrascht neben seinem Schmodder, ausgeborgtem Soundtrack und wie von Geisterhand wechselnden Jahreszeiten auch mit einem netten Twist kurz vor dem „Over-The-Top“-Finale, dass wohl in der Filmgeschichte dadurch einzigartig sein dürfte, da hier mit einer echten Kettensäge sehr, sehr nahe an einem echten Menschen gewerkelt wurde. Insgesamt schon eine sehr eigenwillige Angelegenheit, die jedoch mit durchaus passabler Kameraführung und netten Bildern überrascht und den schmerzfreien Zuschauer mit starkem Magen nach knapp neunzig Minuten abseitiger Filmunterhaltung auch ziemlich geplättet in den blutroten Sonnenuntergang entlässt.

Housekeeper's Revenge - Die Rache der Putzfrauen

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Die Kolumbianerinnen Paquita und Toña sind in Panama Haushälterinnen in dem geräumigen Haus der verwöhnten Gloria, ihrem aufstrebenden Politiker-Gatten Fernando und ihren drei Kindern, die das Personal auch recht schlecht behandeln. Als Paquita ihren Lohn, den sie dringend als Schulgeld für ihren Sohn benötigt, für mehrere Wochen nicht bekommt und sich die Familie dennoch ein Luxus-Wochenende in Miami gönnen möchte, wird die Familie kurzerhand als Geisel genommen und das ausstehende Geld und noch etwas mehr eingefordert. Dummerweise ist die Familie aber mehr als blank und im Zuge der Geiselnahme treten auch noch andere unschöne Dinge und Familiengeheimnisse ans Tageslicht, sodass die ganze Aktion schon bald nicht nur für die zwei Hausangestellten ungeahnte Konsequenzen hat…

Unterhaltsame Mainstream-Komödie über zwei Haushälterinnen und einer als Geisel genommenen Upper-Class-Familie, die teils bissig, größtenteils aber eher harmlos vor allem den Freunden spanischer Komödien gefallen dürfte. „Housekeeper’s Revenge“ war ja in seinem Heimatland ein riesiger Erfolg und das kann man wohl auch verstehen, auch wenn Benaims Streifen für meinen Geschmack auch ruhig etwas bissiger hätte sein dürfen. Natürlich geht es nach der Geiselnahme aus Verzweiflung auch ordentlich hoch her und im Verlauf treten haarsträubenden Dinge ans Tageslicht, die vor allem für die verwöhnte Zicke Gloria zur persönlichen Karthasis werden. Alles aber bis auf ein paar böse Ausnahmen eher leicht und fröhlich und etwas „soapig“ inszeniert und als Zuschauer ist man ja ohnehin auf der Seite der beiden unterdrückten Hausangestellten, die auch nicht lange fackeln. Wer solche Filme mag, kann angesichts der DVD, die einem förmlich nachgeschmissen wird, schon einen Blick riskieren und auch ich wurde mit dieser sommerlichen „Culture-Clash“-Komödie der etwas anderen Art auf sehr nette Weise unterhalten.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 15. Sep 2014, 19:35
von jogiwan
Grand Budapest Hotel

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Wes Anderson in absoluter Höchstform in einem skurrilen, spaßigen, wie fesselnden Abenteuer mit ganz wunderbar-schräger Optik und einem Cast, dass einem die Ohren schlackern. Solange solche Filme gedreht werden und auch noch erfolgreich sind, ist die Welt noch nicht verloren. Daher ausnahmsweise nur zwei Worte: absolut wunderbar!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 19. Sep 2014, 16:47
von jogiwan
Moonrise Kingdome

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Auch die erneute Sichtung bestätigt die positiven Eindrücke der vorangegangenen Sichtung: leises, melancholisches und auch humorvolles Portrait zweier jugendlicher Außenseiter, die das Unverständnis ihrer Umwelt nicht länger hinnehmen wollen und auf einer herbstlichen Insel gemeinsam die Flucht nach Vorne antreten. Die jugendlichen Darsteller und die hübsche und verspielte Optik passt dabei hervorragend zur etwas verklärten Geschichte über Freundschaft, Loyalität und erste Liebe. Schöner Film!

Who's that Girl

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Furchtbarer Streifen von Regisseur James Foley und einer Madonna, die mit kreischender Stimme, dämlichen Dialogen und nervigem Verhalten ihre Rolle aus „Susan verzweifelt gesucht“ wiederholt und so die Nerven eines Anwalts und des Zuschauers bis aufs Äußerste strapaziert. Die Geschichte der zu Unrecht im Gefängnis gesessenen Nikki, die ihren Namen rehabilitieren möchte und einem Anwalt, der am Tag vor seiner Hochzeit von einer skurrilen Situation in die nächste tappst ist mit seinen witzig gemeinten Figuren nicht nur haarsträubend konstruiert, sondern auch noch gänzlich ohne Gespür für Humor und Situationskomik inszeniert. Sicherlich eine der schlechtesten Komödien aller Zeiten, die auch den Ruf begründet hat, dass seine Hauptdarstellerin mit schauspielerischer Talentfreiheit gesegnet ist und dem ich an dieser Stelle auch kaum widersprechen mag. „Who’s that Girl“ ist der vollkommen missglückte Versuch einer turbulenten Action-Komödie, bei der auf dem Bildschirm zwar immer was los ist, aber die schlicht und ergreifend weder unterhaltsam noch witzig ausgefallen ist. In die Tonne und Deckel drauf!

Smithereens

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Die junge Wren ist aus New Jersey, jobbt in einem Kopiershop und will vor allem eines: als Mangagerin einer Band in der New Yorker Punkszene so richtig durchstarten. Dummerweise hat Wren jedoch weder Geld, noch entsprechende Kontakte oder eine passende Band zur Hand und als sie auch noch aus ihrer Wohnung fliegt, findet sie mit Paul einen Menschen, der sie wirklich zu mögen scheint und die unberechenbare Frau in seinem zum Wohnmobil umgebauten Van pennen lässt. Doch Wren interessiert sich nicht für die Gefühle anderer Menschen und macht sich gleichzeitig an Eric heran, der mit seiner Band „Smithereens“ bereits Achtungserfolge und Schallplatten-Veröffentlichungen vorzuweisen hat um mit dem Sänger gemeinsam ihren Plan in die Tat umzusetzen.

Susan Seidelmans Portrait einer eigensinnigen, dickköpfigen und auch ziemlich egoistischen Wren, die in der New Yorker Punkszene einen auf berühmt machen möchte ist ja eher ein episodenhaftes Drama mit loser Erzählstruktur und Zeit- und Lokalkolorit, dass gleichzeitig schon auch ein Abgesang auf die damalige Punk-Kultur im Big Apple, die sich wohl auch schon eher am absteigenden Ast befand. Seidelman begleitet ihre Protagonistin durch laute Lokale, abgefuckte Straßen, dreckige Wohnungen und zeigt eine junge Frau mit großem Traum, die ihre Lektion auf die eher harte Tour lernen muss. Dabei soll die Figur der Wren, die ihr Umfeld nach Strich und Faden ausnutzt um ihren großen Traum zu verwirklichen wohl dennoch irgendwie rest-sympathisch rüberkommen, aber irgendwie kann man von solchen manipulativen "Energie-Vampiren" wohl nur die Finger lassen. Interessanter aber auch nicht gänzlich geglücktes Low-Budget-Film-Dokument über das „dreckige“ New York der Achtziger und einer bestimmten Subkultur, die mittlerweile so an diesem Ort auch nicht mehr existent ist und bei dem ich mir aber dennoch noch viel mehr Musik, Punk und Clubs gewünscht hätte.

Tenebre

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Ich mag Argentos „Tenebre“ ja seit meiner Erstsichtung vor vielen, vielen Jahren sehr gerne und auf „Blu Ray“ präsentiert sich der Streifen aus dem Jahre 1982 nun auch in seiner ganzen Pracht bzw. als hell ausgeleuchteter Trip in die dunkelsten Seiten der menschlichen Psyche. Nach seinen beiden farbenfrohen Ausflügen ins Horrorgenre wohl wieder Lust auf einen handfesten Thriller und lebt hier auch seine Vorliebe für moderne Architektur, Suspense und blutiger Gewalt in detailfreudigen Bildern und einer – zugegeben - etwas holprigen Story über mordende Psychopathen, verdrängten Traumata und unerwartete Nachahmungstäter so richtig aus. Auch der Cast ist natürlich ganz, ganz großartig, der Soundtrack sowieso und auch ansonsten gibt es für den Fan nichts zu meckern. Jetzt noch irgendwann auf großer Leinwand sichten und alles wird gut!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 20. Sep 2014, 15:30
von jogiwan
Alice in Wonderland: An X-Rated Musical Fantasy

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Die introvertierte Alice ist Bibliothekarin und weist wie immer einer der zahlreichen Annäherungsversuche von Chad ab, der sich trotz der sexuellen Verschlossenheit der jungen Frau nicht von seinem Vorhaben abbringen lässt und sich dennoch über die viel zu prüde Einstellung von Alice beklagt. Als diese dadurch genervt über die Schwierigkeiten des Heranwachsen sinniert, sieht Alice plötzlich einen Hasen und folgt ihm durch den Spiegel in ein gar wundersames Land, in dem sie auf seltsame Fabelwesen und sexuelle aufgeschlossene Menschen trifft, die auch das bislang ruhige Leben der hübschen Alice für immer auf den Kopf stellen werden...

Der Name sagt eigentlich schon alles und Bud Townsends „Alice im Wunderland“ ist nicht nur eine der zahlreichen Verfilmungen des bekannten Buches, sondern macht daraus ein unbeschwertes und sexuelles Musical mit viel Gesang und Tanz, dass auf der Ami-DVD auch in zwei Versionen geliefert wird. Die eine ist eigentlich recht harmlos und würde hierzulande unter „Softcore“ laufen, während die zweite Fassung etwas expliziteres Material beinhaltet, welches zwar gedreht wurde, aber ursprünglich nicht in der Kinofassung zu sehen war und wohl erst nachträglich für spätere Auswertungen wieder in den Film integriert wurde. Herausgekommen ist ein unterhaltsames und überraschend hübsch ausgestattetes Werk, das witzig und unterhaltsam daherkommt und die ganze Geschichte in eine eher unerwartete Richtung lenkt. Die Songs sind schmissig, die Texte zweideutig und Bud Townsend hat seinen sympathischen Streifen mit einer liebenswerten Kristine DeBell und anderen bekannten Gesichtern wie Terri Hall und Juliet Graham auch so flott und beschwingt inszeniert, dass im Verlauf auch keinerlei Langweile aufkommt. Spaßig!

Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf

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gestern auf Blu-Ray geguckt und "Sado" ist und bleibt imho immer noch der beste Streifen aus Joe D'Amatos Schaffen, der mühelos alles wegrockt und nach seinem Auftakt einen Schocker nach dem anderen präsentiert, wobei man ja gar nicht weiß, über was man sich als moralisch gefestigter Mensch als Erstes aufregen soll. Von allen schäbigen und schmuddeligen Italo-Horrorfilmen ist das wohl mein Liebster. Herrlich!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 21. Sep 2014, 15:53
von jogiwan
Sonno Profondo

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Nachdem ein von schrecklichen Kindheitserinnerungen traumatisierter Mann eine junge Prostituierte ermordet hat, erhält dieser in seine Wohnung zurückgekehrt einen mysteriösen Umschlag, der unter seiner Tür durchgeschoben wird. Dieser beinhaltet neben einer Telefonnummer auch noch einen Schlüssel zu einem Schließfach und Fotos, die ihn bei der Ausübung seiner grausamen Tat zeigen. Auf der Suche nach dem Schließfach wird der Killer auch angegriffen und es scheint, dass der mysteriöse Verfolger aus dem Umfeld des Mörders stammt und auch über seine düstere Vergangenheit genau Bescheid weiß…

Argentinischer Neo-Giallo in Form eines etwas bemühten Experimentalfilms, dass wie der unsägliche „Symphony in Blood Red“ aus der POV-Perspektive eines Mörders gedreht wurde und dem Zuschauer ebenfalls als große Rettung des Genres verkauft werden soll. Zum Glück ist „Sonno Profondo“ aber besser als Patoris Gore-Rohrkrepierer in Amateur-Optik, auch wenn Luciano Onetti mit seinem 4.000 Dollar-Werk ebenfalls nicht der große Wurf gelungen ist. Die Optik des in Italienisch gedrehten, nahezu Dialog-freien und auf Retro getrimmten Streifens ist zwar inklusive J&B an die Vorbilder aus den Siebzigern angelehnt, aber inhaltlich hat „Sonno Profondo“ außer einem Mörder mit Rasiermesser herzlich wenig mit dem zu tun, was hier mit dem Begriff „Giallo“ generell in Verbindung gebracht wird. Der sperrigen Geschichte über seltsame Bewusstseinszustände und die mysteriöse Jagd auf einen Mörder gänzlich (!) aus der Sicht derselben ist ja nicht einfach zu folgen und soll den Zuschauer auch absichtlich verwirren, ehe am Ende dann die ohnehin schon wenig gehaltvolle Story ohnehin in ein neues Licht gerückt wird. Außerdem wirkt Luciano Onetti im mitgelieferten Interview für mein Empfinden auch etwas zu selbstverliebt und verweigert natürlich jegliche Interpretation seiner nicht sonderlich originellen Geschichte und so liegt es wohl auch an der Aufgeschlossenheit des Zuschauers, ob man dem knapp 65minütigen Debüt-Werk des argentinischen Regisseurs, der von Drehbuch über Regie bis hin zur Musik auch alles selbst fabriziert hat, wohlwollend oder eher ablehnend gegenüber steht oder überhaupt einen Neo-Giallo darin zu erkennen glaubt.

Top Model

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Die hübsche Nadine ist Fotografin für ein Modejournal und erhält eines Tages die Erlaubnis in der geräumigen Villa des aufstrebenden und charismatischen Bankers Victor Schneider mit ihren Models eine Modestrecke für Dessous zu fotografieren. Nachdem das erotische Shooting beendet ist, wird Nadine von Victor und seiner Lebensgefährtin Luciana noch zum Abendessen eingeladen und der wohlhabende Geschäftsmann überredet die attraktive Frau zu einem Schachspiel mit höchst zweifelhaftem Einsatz. Während Nadine auch in den darauffolgenden Tagen als Gast der Beiden in der Villa bleibt, geschehen im Umfeld von Victor seltsame Dinge und auch Luciana scheint in dem inoffiziellen und erotischen Kampf um die Gunst des smarten Banker nicht offen Karten zu spielen. Dennoch scheint Victor nur noch Interesse an Nadine zu haben und als das Ende der bis dahin offenen Schachpartie naht, wird klar, dass der Ausgang des Spiels auch nachhaltige Auswirkungen auf das Leben der Fotografin und des Bankers haben wird…

Mario Gariazzos Filmografie bietet ja obskure Perlen durch alle Genres und vom Italo-Western, Besessenheits-Horror und dem berüchtigten Schmier-Giallo „Play Motel“ hat der werte Herr auch eine Handvoll unvergleichlicher Sci-Fi-Werke geschaffen, an denen sich selbst aufgeschlossene Gemüter noch immer scheiden „Top Model“ ist hingegen ein fast schon konventioneller und erotisch-aufgeladener Film aus den Achtzigern im Spannungsfeld von Drama und Thriller, der rund um die attraktive Französin Florence Guérin gezimmert wurde. Die Figur der Fotografin steckt auch voller sexueller Obsessionen und ihr Shooting in der Villa des reichen Geschäftsmanns Victors ist auch der stimmungsvolle Auftakt einer Reise in eine Welt der Lust, Verführung und Hingabe. Die zum verführerischen „Fick-mich-Soundtrack“ inszenierte Geschichte ist natürlich kompletter Schmonz und ist dennoch so unterhaltsam und sleazig und dürfte mit finalem Aha-Erlebnis Fans von derartigen Italo-Werken nicht enttäuschen. Ein unterhaltsames Werk für aufgeschlossene Menschen, bei denen die „Plot Keywords“ auf der IMDB ausnahmsweise auch nicht zu viel versprechen…

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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 22. Sep 2014, 10:13
von jogiwan
Kansas City Trucking Co.

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Der junge Joe wird von dem Trucker Hank aus Kansas angeworben um gemeinsam mit ihm die Westküste nach Los Angeles zu fahren und eine unbestimmte Ladung abzuliefern. Dabei vertreiben sich die beiden Männer ihre Zeit in der Fahrerkanzel mit Gesprächen über Sex, Masturbieren und beobachten auch andere Männer im Straßenverkehr, die das Wörtchen Stoßverkehr für durchaus bare Münze nehmen. Am Ende der langen Fahrt wird Joe durch die Erlebnisse aber auch vom Verlangen nach einem Mechaniker übermannt und am Ende verfließen in einer Highway-Raststätte schlussendlich Traum und Realität...

Tim Kincaid kennt man ja – wenn überhaupt - vor allem durch seine sehr obskuren Sci-Fi-Werke „Breeders“ und „Robot Holocaust“ oder auch „Bad Girls Dormitory“ und nur die wenigstens wissen vermutlich, dass der kalifornische Regisseur unter dem Pseudonym Joe Gage ab Mitte der Siebziger gleich mehrere Klassiker des schwulen Erwachsenenfilms abgeliefert hat und mit seiner „Working Man Trilgoy“ zu dem „Kansas City Trucking Co.“ den Auftakt bietet, sogar Filmgeschichte geschrieben hat. In den knapp 67 Minuten wird mit grobkörnigen Bilder, durchaus eigenwilligen Schnittfolgen und monotoner Motorengeräuschkulisse die sexuellen Erlebnisse im Umfeld von zwei Truckern erzählt. Dabei präsentiert Joe Gage dem Zuschauer rohe, triebhafte und bisweilen animalisch anmutende Akte zwischen „richtigen“ Männern in ihrer Arbeitsumgebung, die auch ordentlich mit bis dahin geltenden Rollenbildern aufräumen und auf wenig verwunderliche Weise zur richtigen Zeit den Nerv des männlichen Publikums traf.

God told me to

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Seltsamer und auch etwas schwieriger Film von Larry Cohen, der sehr vielversprechend und düster beginnt und mit fortschreitender Laufzeit doch auch immer verworrener und mysteriöser wird. Was mit mehreren unmotivierten Amokläufen in New York von unterschiedlichen Personen mit gemeinsamem Motiv beginnt, wird für den ermittelnden und gläubigen Polizisten zu einer Reise zu den eigenen Wurzeln und einem Geheimnis, dass auch die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Dabei ist „God told me to“ gleichzeitig faszinierend, sperrig und ungewöhnlich und ist aufgrund seiner Erzählweise nicht unbedingt einfach zu konsumieren und irgendwie hatte ich gestern auch ständig das Gefühl irgendetwas Wichtiges verpasst zu haben. Ich hab mir jedenfalls etwas gänzlich anderes erwartet und wurde aber dennoch nicht wirklich enttäuscht und irgendwas in absehbarer Zeit muss ich dem Streifen nochmals meine volle Aufmerksamkeit schenken. Wenn da demnächst daher die Blu-Ray-Disc rauskommt, wird „God told me to“ für eine finale Bewertung daher nochmals geguckt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 23. Sep 2014, 18:59
von jogiwan
Mars attacks!

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Irgendwie mag ich „Mars Attacks“ seit meiner Sichtung im Kino und auch wieder irgendwie nicht. Die Marsianer rocken natürlich die Hütte und auch die bewusst trashigen und von alten Sci-Fi-Filmen inspirierten Effekte, sowie der ironisch agierende Cast sind super, aber irgendwie ist Tim Burtons Streifen bei all den turbulenten Entwicklungen überraschend witzlos und verzettelt sich auch bei seinen vielen Figuren, die teils recht bemüht im Film untergebracht wurden. Die eigentlichen Stars sind aber ohnehin die Marsianer und die machen zum Glück auch keine Gefangenen, wenn es darum geht, der selbstverliebten Menscheit eins vor den Latz zu knallen. Trotzdem scheint „Mars Attacks“ mit seinen etwas glattgebügelten Anleihen beim 50er-Jahre-Film, und seinem abrupten Finale auch ein Streifen zu sein, der mit jeder Sichtung etwas abbaut und meine Liebe zu Tim Burton scheint mir über die Jahre ebenfalls etwas abhanden gekommen zu sein.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 24. Sep 2014, 14:26
von jogiwan
New York Ripper

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Schmieriger, derber und natürlich toller Streifen von Lucio Fulci mit der Extraportion New York und einen psychopathischen Killer mit Donald-Duck-Stimme, der jungen Frauen nicht gerade wohlgesinnt ist. Über den Film muss man ja auch nicht mehr viele Worte verlieren, der ist mit seiner Mischung aus sleaziger Atmosphäre, brutalen Morden, vielschichtigen Figuren und vielen erinnerungswürdigen Szenen einfach ganz große Klasse, auch wenn man dem zweifelsfrei gut gemachten Streifen bestimmte Tendenzen unterstellen könnte. Das Ende nimmt einem dann aber doch immer wieder mit und daher wenig verwunderlich, dass der Streifen zu meinen absoluten Lieblingen zählt. Die BR aus dem Hause XT ist übrigens auch sehr gelungen!

Gayracula

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Der junge Gaylord Young kommt im Jahre 1793 in das Schloss des Marquis de Suede in Transsilvanien um dort eine Erbschaft abzuwickeln. Doch der Marquis ist als Vampir weniger an der Erbschaft, als an dem jungen Mann interessiert und währen des Aktes beißt der Adelige den jungen Mann und schenkt ihm dadurch Unsterblichkeit. Zweihundert Jahre vergehen in denen im unglücklichen Mann der Wunsch wächst, sich an dem Marquis zu rächen, der mittlerweile in Los Angeles eine erotische Show für ein männliches Publikum auf die Beine stellen möchte. Als Produzent getarnt schafft Gaylord mit seinem getreuen Diener Boris das Vertrauen des Marquis de Suede zu erlangen und plant in seinem Anwesen eine große Orgie um den verhassten Vampir ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen...

Die Geschichte von Graf Dracula zählt ja zu den beliebtesten Stoffen der Filmgeschichte und kaum eine Facette der tragischen, wie erotischen Geschichte um den untoten Vampir aus Transsilvanien ist im Laufe der Jahrzehnte unberücksichtigt worden. Regisseur Roger Earl legt den Fokus in seinem augenzwinkernden Fleischfilm für das männliche Publikum aber vollends auf die sexuelle Komponente und präsentiert zwei konkurrierende Vampire, die naturgemäß dann auch nicht nur an Halsschlagadern saugen, sondern vor allem auch die unteren Körperregionen mit einbeziehen. Alles in „Gayracula“ ist mindestens so schräg, wie sein Titel und die sportlichen und potenten Darsteller geben im Verlauf der fiebrig-verschwitzt-animalischen und ziemlich "roughen" 83 Minuten auch absolut alles. Zwischendrin darf aber auch immer wieder geschmunzelt werden, wenn sich der Marquis de Suede in eine Plastik-Fledermaus verwandelt oder Gaylord Young in der Blutbank einen „kleinen Snack“ zu sich nimmt. Sicherlich einer der ungewöhnlichsten Filme, den ich je vor die Linse bekommen habe und in Zeiten der schlechten „Dracula“-Film-Adaptionen eine erfrischende, spaßige und überraschend stimulierende Abwechslung. "Don't be fooled - this film is for real"

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 25. Sep 2014, 11:18
von jogiwan
Zerrissene Umarmungen

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Einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Punkt!

Uncle Sam

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Im empfand Bill Lustigs „Uncle Sam“ doch irgendwie als etwas zwiespältige Sache: zuerst macht der Streifen nach einer Geschichte von Larry Cohen ja für meine Verhältnisse etwas zu sehr auf „Hurra-Patriotismus“ und präsentiert seltsamen Vorstellungen von Kriegsaktivitäten um danach einen gewaltbereiten Zombie-Kriegsheimkehrer im „Uncle Sam“-Kostüm während den Feiern des Unabhängigkeitstages auf unbedarfte Bürger loszulassen um dieses Verhalten auf eine untote Weise als falsch zu entlarven. Dabei hat der Streifen schon auch seine schwarzhumorigen Momente, aber wirkt dabei mit seinen idyllischen Kleinstadt-Setting doch auch etwas kostengünstig und das Abrutschen auf TV-Niveau wird eigentlich nur durch ein paar gorige Momente verhindert. Dass ich Filme mit militärischer Komponente und Kinderdarstellern als Helden sowieso nicht so prickelnd finde, kommt erschwerend dazu und insgesamt betrachtet ist „Uncle Sam“ trotz feurigem Finale und Isaac Hayes für mich bestenfalls eine eher durchschnittliche Angelegenheit mit verschenktem Potential.