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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 1. Sep 2014, 16:33
von jogiwan
Bad Lieutenant (Abel Ferrara # 8)

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Irgendwie verwundert es mich jetzt doch, dass ausgerechnet „Bad Lieutenant“ Abel Ferraras scheinbar bekanntester „Kult“-Streifen ist und wie einige andere hier, konnte ich mit dem Film nicht wirklich etwas anfangen bzw. ließ mich der Streifen eher kalt und unberührt. Ich weiß ja nicht, wie glaubwürdig ich einen koksenden, Crack-rauchenden, Heroin-spritzenden, Sport-wettenden, Schnaps-saufenden und auch ansonsten in so ziemlich allen Belangen korrupten Polizisten finden soll, der nichts auslässt um sich selbst zu zerstören und für den Zuschauer unsympathisch zu wirken, ohne dass auch nur irgendjemand auf die Idee kommt, diesen Mann vor sich selbst zu retten. Für meinen Geschmack wird der Selbstzerstörungstrip des namenlosen Bullen aber zu episoden- und skizzenhaft präsentiert und auch scheinbar beiläufige Sache mit der Vergewaltigung der Nonne und den Auftritt von Jesus himself persönlich mit seiner gar so aufgesetzten Symbolik fand ich eher befremdlich, als in irgendeiner Weise nachvollziehbar. Das Ende war dann ja auch noch zu 100 % so wie man es sich bei Ferrara erwarten darf und auch wenn Harvey Keitel in der Rolle des „Bad Lieutenant“ vollends aufgeht und sich wacker durch das dreckige Straßen, Nachtclubs und den Niederungen der Millionenmetropole schlägt und sogar auf Autotüren onaniert lässt mich das alles ziemlich ratlos zurück.

S.R.I. und die Unheimlichen Fälle

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Ep. 1: „Ich will Kyoto kaufen“

Das spurlose Verschwinden von Buddha-Statuen aus den Tempeln von Kyoto ruft die Spezialeinheit „S.R.I.“ auf den Plan, die der Polizei bei Kriminalfällen mit übernatürlicher Komponente mit Rat und Tat zur Seite steht. Zur gleichen Zeit ist auch die hübsche und auch etwas schräge Assistentin eines Professors in Kyoto unterwegs um den junge Einwohnern „ihren Anteil der Stadt“ abzukaufen und als sich ein Mitglied der „S.R.I.“ in die schüchterne Frau verliebt, ahnt dieser bereits, dass zwischen der jungen Frau und den mysteriösen Diebstählen ein Zusammenhang bestehen könnte…

Wunderbarer und gleich nochmals geguckter Auftakt dieser interessanten Serie aus Japan mit einer nachdenklich stimmenden Folge über Traditionsverlust in Zeiten der zunehmenden Urbanisierung in der die übernatürliche Komponente eher nur beiläufig eine Rolle spielt und - wie der Sprecher des deutschen Intros auch zweimal erwähnt – natürlich auch gänzlich der Fantasie der Drehbuchautoren entsprungen ist. Neben den verschwundenen Buddha-Figuren in der wunderbar in Szene gesetzten Tempelstadt geht es aber auch um eine aufkeimende Liebesgeschichte, für die kein Happy-End vorbestimmt ist und in einem dramatischen Ende gipfelt, dass man sich nicht besser ausdenken könnte.

Ep. 3: „Die Frau im Schnee“

Die Freundin einer „S.R.I“-Mitarbeiterin wird eines Tages von einem mysteriösen Mann kontaktiert und für eine Woche in ein Sporthotel eingeladen. Da die Vermutung im Raum liegt, dass dieses etwas mit dem ominösen Verschwinden ihres Vaters vor über einem Jahrzehnt zu tun haben könnten, nistet sich in der besagte Woche auch das gesamte Team im Hotel ein. Als die junge Frau in ihrem Zimmer ein Bild findet, das eine geheime Botschaft ihres Vaters enthält und die Frau von unbekannten Männern bedroht wird, erhält sie jedoch überraschend Hilfe von gänzlich unerwarteter Seite, für die selbst die abgebrühten und erfahrenen Experten des „S.R.I.“ keine Erklärung haben.

Auch Folge 3 überzeugt natürlich mit seiner Mischung aus naivem Charme und übernatürlichen Phänomenen, die auch mit einer gänzlich unbeschwerten Selbstverständlichkeit präsentiert werden. Außerdem wurde die Folge auch noch in einem modernen Sporthotel inszeniert, in der auch eine mechanische Jodelkombo (!) und eine Tanz-Performance in einem stylischen Nachtclub präsentiert werden. Zwar wird es bei der etwas undurchsichtigen Kriminalgeschichte erst am Ende übersinnlich, aber auch dann wird wieder bildgewaltig und überzeugend getrickst und für knapp 22 Minuten Laufzeit kann sich auch der Bodycount durchaus sehen lassen.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 2. Sep 2014, 17:42
von jogiwan
Body Snatchers (Abel Ferrara # 9)

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Abel Ferraras Verfilmung von Jack Finneys Romanvorlage ist zwar action-lastiger als z.B. „Invasion der Körperfresser“ und zeigt auch die ausgereifteren Effekte ist aber inhaltlich eine etwas mittelprächtige Angelegenheit. So bleiben die Figuren etwas blass und neben den eindrucksvollen Verwandlungen dreht sich das Finale des Films hauptsächlich darum, wer den nun Mensch oder bereits ein reproduzierter und seelenloser Alien in Form eines Menschen ist. Dabei empfand ich den Streifen ebenfalls etwas seelenlos und statt düsterer Atmosphäre und der schleichenden Unterwanderung gibt es eher viel Leerlauf zu Beginn und etwas zu viel Action zum Schluss, während der interessante Ansatz inwieweit sich der Mensch durch seine Emotionen leiten lässt und dadurch verwundbar wird, für meinen Geschmack zu wenig beleuchtet wird. „Body Snatchers“ ist dabei zwar als Sci-Fi-Horror-Streifen handwerklich solide, aber auch nicht mehr und der ganze Look, der Handlungsort, die Darsteller aus der zweiten Reihe und das offene und bereits am Anfang angedeutete Ende wirken für heutige Verhältnisse doch irgendwie auch etwas lieblos und durchschnittlich.

S.R.I. und die unheimlichen Fälle

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Ep. 4: „Wie ein Gespenst“

Ein dreister Dieb, der wie ein Vampir gekleidet ist, hält die Polizei in Atem in dem er nicht nur seine Übergriffe im Vorfeld ankündigt, sondern dann auch wie von Geisterhand am Schauplatz des Verbrechens erscheint und nicht minder mysteriös mitsamt der wertvollen Beute wieder verschwindet und sich dabei auch von Wänden nicht aufhalten lässt. Das Spezialisten-Team des „S.R.I.“, das von den ratlosen Polizisten zu den Ermittlungen hinzu gezogen wird, ahnt jedoch, dass sich der Kriminelle physikalische Gesetze zu Nutze macht und als es während einer spektakulären Flucht gelingt, ein Foto zu schießen, führt die Spur direkt zu einem alten Bekannten…

„Wie ein Gespenst“ war offensichtlich die Pilotfolge der spannenden Serie aus Japan, die jedoch erst als Nummer 4 in Deutschland ausgestrahlt wurde. Hier lernt man auch das erste Mal das Team des „S.R.I.“ etwas näher kennen, die sich auch eher humorvolle Weise an der Verbrecherjagd beteiligt. Dieser erinnert in seiner Dreistigkeit ja fast ein wenig an Mario Bavas „Diabolik“ und ist mit Miniaturen und optischen Tricks auch mindestens so unterhaltsam, ehe die Episode gegen Ende eine unerwartete und eher tragische Wendung nimmt. Insgesamt ist aber alles so derart haarsträubend, dass man aus dem Staunen trotzdem nicht herauskommt.

Ep. 5: „Dianas Pfeile treffen immer“

Als der Senior-Chef eines erfolgreichen Unternehmens an einem Herzinfarkt stirbt und ein weiterer Mitarbeiter der expandierenden Firma ausgebootet werden soll und Zeuge einer Geistererscheinung wird, ruft dieser seinem Studienkollegen zu Hilfe, der mittlerweile beim „S.R.I.“ beschäftigt ist. Diese ahnt, dass mehr hinter der Sache steckt und bei weiteren Recherchen wird er mit seinem Team Zeuge, wie ein Ingenieur und Programmierer der Firma von einem Pfeil eines Geisterwesens in Form der römischen Jagdgöttin Diana niedergestreckt wird, die als Bild auch im Zimmer des Junior-Chefs hängt und da dieser auch sehr an moderner Technik interessiert ist, wird er auch rasch zum Hauptverdächtigen.

Episode 5 der spannenden Serie kombiniert Geistererscheinungen mit modernster Technik und präsentiert neben einem hübschen Geist auch ultramoderne Rechner mit der Größe eines Einfamilienhauses, die noch mit Lochkarten gefüttert werden. Und dabei ist „Dianas Pfeile treffen immer“ mit dem angeschnittenen Thema der 3D-Projektion aktueller den je und gleichzeitig mit seinem erhobenen Zeigefinger gegen die Gefahren der modernen Technik auf sympathische Weise vollkommen neben der Spur. Computer sind in den falschen Händen durchaus gefährlich und an dieser Tatsache hat sich auch 46 Jahre nach Erstausstrahlung nichts geändert. Überflüssig zu erwähnen, dass diese Episode eine absolute Bombe ist.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 4. Sep 2014, 16:06
von jogiwan
The Addiction (Abel Ferrara # 10)

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Die junge Kathleen studiert an der New Yorker Universität Philosophie und wird eines Tages am Nachhauseweg von einer mysteriösen Frau in Schwarz in eine Einfahrt gezerrt und in den Hals gebissen. Obwohl im Krankenhaus keine weiteren Verletzungen festgestellt werden, beginnt sich die junge Studentin jedoch zu verändern und Kathleen beginnt das Tageslicht zu fürchten, verhüllt die Spiegel in ihrer Wohnung und auch ihr Verlangen nach Blut wird immer stärker. Während Kathleen zuerst gegen dieses Verlangen ankämpft, ändert sich ihr Verhalten als sie auf weitere Vampire trifft. Als sie eines Abends auf den mysteriösen Peina trifft, outet sich dieser ebenfalls als Vampir, der jedoch sein tödliches Verlagen unter Kontrolle hat und der belesene Mann versucht der jungen Frau zu helfen, deren Blutdurst und Lebenswille aber nicht zu kontrollieren ist…

Abel Ferraras ungewöhnliche Interpretation des Vampir-Mythos, der in kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bildern gefilmt wurde und ganz klar als eine Metapher für Heroinsucht und menschliches Suchtverhalten im Allgemeinen daherkommt. In „Addiction“ geht es aber neben modernen Vampirismus als zentralem Thema auch um Schuld und (religiöse) Vergebung und wohl auch um die Frage, inwieweit sich der Mensch, dem alle schlechte Eigenschaften bereits in die Wiege gelegt wurden sich überhaupt zu einem gütigen Wesen entwickeln kann. Dass im Verlauf der etwas verwirrenden Handlung von den verzweifelt wirkenden und von ihren Verlangen getriebenen Protagonisten auch zahlreiche Philosophen zitiert werden, macht die Sache für den Zuschauer auch nicht gerade einfacher und dennoch ist Ferrara ein klassisches „Midnight-Movie“ gelungen, der zwar sicherlich nicht die Masse anspricht, aber einen interessanten Gegenentwurf zu gängigen Vampirfilmen darstellt und trotz seiner Sperrigkeit sehr interessant und ungewöhnlich daherkommt.

Matinee

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Sympathischer Streifen von Joe Dante, der mit einer Gruppe von Jugendlichen das unbeschwerte Portrait zur kritischen Zeit der Kubakrise im Oktober 1962 nachzeichnet und dabei zeigt, wie sich die Jugendlichen und auch die Erwachsenen als Ablenkung im Kino wilden B- und C-Monsterfilmen hingeben, die auch sehr eindringlich vor dem Fortschritt und der Gefahr des Atoms hinweisen. Leider schafft es die Rückseite der deutschen DVD aber gleich das gesamte Finale zu spoilern und irgendwie war mir der Streifen mit seinem Fokus auf sehr jungen Leutchen dann auch einen Ticken zu brav. Ansonsten gibt’s nicht viel zu meckern und der Charme der damaligen Zeit wurde von Joe Dante und seinem Team auch sehr gut eingefangen. Eine harmlose und nette Komödie über Jugendliche und einen kreativen Regisseur mit einer ungewöhnlichen Marketing-Strategie mit vielen Verweisen auf real existierende Figuren und Filme, die man zwischendurch auch gut gucken kann.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 5. Sep 2014, 13:47
von jogiwan
In Search for Bigfoot

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Bob Morgan ist ein Wissenschaftler, der sich mit seinem bunt zusammengewürfelten Team aus Forscher, Anthropologen und Nerds im waldreichen Washington State auf die Suche nach der Bigfoot-Legende macht. Ein behaartes und über 2,40 großes Wesen, welches sich vor der Zivisilation versteckt hält und dennoch immer wieder von unterschiedlichsten Personen gesehen wird. Die Dokumentation begleitet Morgan vom Beginn seiner Expedition, zeigt ihn bei Interviews mit Augenzeugen und begleitet den Wissenschaftler und seine zahlreichen Weggefährten auf seiner abenteuerlichen Reise auf der er dem Mythos auch immer näher kommt...

Nette Doku oder „Mockumentary“ (wer weiß das schon so genau) aus dem Jahre 1976 über einen Forscher und dessen Suche nach dem Bigfoot, dass auch den Mythos um die Figur näher beschreibt, die hierzulande ja eher durch Horror- oder Kinderfilme bekannt ist. Der „Sasquatch“ wie Bigfoot auch genannt wird und der irgendwie auch mit dem Yeti verwandt ist, taucht natürlich in der wissenschaftlich angehauchten Doku natürlich nicht auf und „In Search of Bigfoot“ ist dann auch eher ein unterhaltsames Zeitdokument mit sehr vielen wunderbaren Naturaufnahmen, dass aber auch nicht sonderlich spannend und auch nicht effektheischend daherkommt. Da wird viel gewandert, gefachsimpelt und auch viele vermeintliche Augenzeugen interviewt, ehe es am Ende die Erkenntnis gibt, dass auch diese Legende von der Gier des Menschen bedroht ist. „In Search for Bigfoot“ gibt’s in den Staaten von Vinegar Syndrome als etwas obksuren Bonus zum ungleich unterhaltsameren Spielfilm „Cry Wilderness“ der jedoch die voll Breitseite Bigfoot-Wahnsinn serviert.

Cry Wilderness

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Der Schüler Paul Cooper ist fest davon überzeugt, dass es den ominösen Bigfoot gibt, seit er dem Wesen beim Angeln im Reservat seines Vaters begegnet ist und mit dem Coca-Cola-liebenden und Rock`n Roll-hörenden Wesen Freundschaft geschlossen hat. Als dieser eines Tages vor dem Fenster seines Internats auftaucht und Paul davor warnt, dass sein Vater in großer Gefahr ist, macht sich der Junge auf um nach seinen Vater zu sehen. Der Forstaufseher erfreut sich jedoch bester Gesundheit und ist gerade damit beschäftigt in seinem Revier eine mysteriöse Bestie zu jagen, die die weitläufige Gegend und die Tourismusbranche in Angst und Schrecken versetzt. Als ihm dafür von Regierungsseite auch noch ein skrupelloser Großwildjäger zu Seite gestellt wird, der durch Zufall hinter Pauls Geheimnis kommt, versucht der Junge alles daran, seinen großen Freund vor dem Jäger zu schützen, während die bunte Truppe auch dem wahren Verursacher immer näher kommt…

Wenn sich der Regisseur von „Night Train to Terror“ an einen Familien-freundlichen Film wagt kann ja eigentlich nur etwas hochgradig Seltsames dabei herauskommen und „Cry Wilderness“ präsentiert sich dem Zuschauer auch als sehr obskure Mischung auch Abenteuer, Fantasy, Naturfilm und Trash, das eine seltsame Szene an die andere reiht und eine Geschichte präsentiert, die hinten und vorne keinen Sinn ergibt. „Cry Wilderness“ ist ja nicht nur inhaltlich ziemlich doof, sondern geradezu hochgradig obskur und dabei auch noch so unterhaltsam, dass man aus dem Staunen gar nicht rauskommt. Präsentiert wird die muntere Sause über ungehorsame Jungs, freche Waschbären, skrupellose Jäger und dem Titel-gebenden Bigfoot auch mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen, die es mit den Jahreszeiten und Vegetation nicht so genau nehmen und einem fiepsigen Industrial-Soundtrack, der wohl besser zu „Terminator“ als zu einem Film mit schönen Natur- und Tieraufnahmen gepasst hätte. Alles in allem ein wirklich sehr spezielles Vergnügen für sehr aufgeschlossene Menschen, dass auch gar nicht mal so harmlos daherkommt und unglaubwürdige bis unglaubliche Momente aneinanderreiht, immer noch einen draufsetzt und trotz „PG-Rating“ vollkommen zu recht von einem Label vor dem Vergessen bewahrt wurde, dass sich sonst eher auf Erwachsenenfilme spezialisiert hat.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 6. Sep 2014, 20:02
von jogiwan
Nymph

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Die beiden Amerikanerinnen Kelly und Lucy reisen während ihrer Europareise auch nach Montenegro um dort einen ehemaligen High-School-Kollegen Alex zu treffen, mit dem Lucy auch einige Zeit zusammen war. Doch statt dem geplanten Liebes-Comeback stellt Alex den beiden Frauen seine Verlobte vor und als sich auch noch der abenteuerlustige Boban der Gruppe anschließt, beschließt man gemeinsam das Beste aus der gemeinsamen Zeit zu machen. Trotz der eindringlichen Warnungen des alten Seemanns Nico beschließen die Fünf eine sagenumwobene, kleine Insel zu besuchen, die in früheren Jahrzehnten der Schauplatz grausamer Folterungen war und seitdem von den Einheimischen und Touristen gemieden wird. Dort angekommen entpuppt sich das verlassene Gefängnis auch bald als ein Ort des Grauens und als das Boot der Urlauber versenkt und ein Mann mit einem Anker Jagd auf die Eindringlinge macht, entdecken die verschreckten Leute neben frischen Leichenteile auch noch ein mysteriöses Mädchen in einem Brunnen, die sich bei einem Rettungsversuch als nicht menschlich entpuppt und es ebenfalls auf die jungen Leute abgesehen hat…

Unterhaltsamer Horrorstreifen mit einer bösartigen „Arielle“, die es auf einer mysteriösen Insel in Montenegro auf junge Männer und sonstiges Frischfleisch abgesehen hat und dabei von einem gewaltbereiten Sympathisanten unterstützt wird. Der serbische Streifen erinnert dabei dank EDM-Musik, knapp bekleideten Menschen und sonnigen Hochglanz-Bildern zu Beginn auch eher an ein Dance-Video oder einem Werbeclip für eine Urlaubsdestination, ehe es nach einer etwas langen Anlaufzeit dann endlich in die Vollen geht. Die Meerjungfrau hat jedoch überraschend wenig Screentime und ich auch eher schlecht als recht animiert, was dazu führt, das die junge Dame weniger verführerisch, dafür aber etwas künstlich aussieht. Für meinen Geschmack war in der zweiten Halbzeit auch die Kameraführung etwas zu hektisch, was wohl auch vom eher geringen Budget ablenken soll. Dafür gibt es in dem Streifen aber überraschend viel Franco Nero, der als kauziger Fischer am Ende auch ordentlich Sympathiepunkte sammeln darf. Ansonsten ist „Nymph“ aber recht durchschnittlicher und mäßig origineller Creature-Horror im positiven Sinn und bietet Freunden von aktuellen Produktionen neben einem mittleren Härtegrad und einer Meeresbewohnerin der etwas anderen Art auch flott vergehende 90 Minuten.

Die Waschmaschine

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Der Zuhälter Yuri unterhält mit den Schwestern Sissy, Vida und Ludmilla gleichermaßen ein Verhältnis und verschwindet eines Tages spurlos, nachdem er sich mit Vida gestritten hat. Da Sissy meint, Yuri in dieser schicksalhaften Nacht zerstückelt in der Waschmaschine der geräumigen Wohnung der drei Schwestern gesehen zu haben, wird der junge Inspektor Stacev auf den Fall angesetzt, obwohl weder ein Leichnam noch sonstige Spuren in der Wohnung gefunden werden, die auch tatsächlich auf ein Verbrechen hinweisen. Der Zuhälter bleibt jedoch wie vom Erdboden verschluckt und auch die drei Frauen erweisen sich als sehr kreativ und offenherzig, als es darum geht, den Inspektor bei Laune zu halten und sich gegenseitig zu verdächtigen und ehe sich Stacev versieht, verstrickt sich dieser zum Leidwesen seiner Verlobten immer tiefer in einem Netz aus Lügen und Leidenschaft.

Obskurer Erotik-Thriller mit Giallo-Einschlag, der von Ruggero Deodato in internationaler Koproduktion im winterlichen Budapest realisiert wurde. Die gewöhnungsbedürftige Geschichte über drei Schwestern und einem Ermittler ist mir „haarsträubend konstruiert“ wohl noch wohlwollend umschrieben und mit fortschreitender Laufzeit fühlt sich wohl selbst der Italo-aufgeschlossene Zuschauer wie im Kochwaschgang mit anschließender Schleuderpartie. Trotz nackter Haut und seltsamen Entwicklungen am laufenden Band, weiß man ja nicht so recht, was man von der ganzen Sache halten soll und ob ein Verbrechen überhaupt stattgefunden hat, erfährt man ohnehin erst im grotesk-anmutenden Finale. Trotzdem ist „Vortice Mortale“ natürlich unverzichtbare Genre-Ware, das mit vielen Überraschungen und surrealen Szenario, dass mit seiner „Over-the-Top“-Mentalität aus der Masse vergleichbarer Erotik-Thriller herausragt und daher auch in keiner Sammlung fehlen sollte.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 7. Sep 2014, 16:16
von jogiwan
Themenabend: Schlechte Monsterfilme

Up from the Dephts

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Durch ein Erdbeben vor Honolulu wird ein urzeitlicher Hai freigesetzt der fortan Jagd auf alles macht, was sich im kristallklaren Wasser bewegt. Dummerweise geschieht das alles in der Nähe eines luxuriösen Urlaubsresorts und der Manager des Clubs nimmt die unterschiedlichsten Warnungen, verschwundene Gäste und gefundenen Körperteile auch auf die leichte Schulter. Als es bei einem Angriff des Tiers zu einer Massenpanik kommt und die meisten der Gäste am nächsten Tage abreisen wollen, wird vom Manager des Resorts kurzerhand ein Preisgeld samt All-Inclusive-Gratisurlaub auf das Ungetüm ausgesetzt und die verbliebenen Gäste und die Einwohner machen munter Jagd auf das blutgierige Wesen, dass sich naturgemäß aber nicht so einfach einfangen lässt und bei den Nachwuchsjägern auch ordentlich aufmischt.

Es gibt Monsterfilme die sind gut, es gibt Monsterfilme die sind schlecht, aber dabei immer noch lustig und es gibt „Up from the Dephts“ der überhaupt keinen Spaß macht und als ultimativer Bodensatz des Genres wohl nicht einmal vollkommen schmerzbefreite Trash-Fans glücklich machen wird. Als unausgegorene Mischung zwischen Horror und Humor setzt sich der Streifen mit seinen unsympathischen Figuren und episodenhaften Erzählweise prompt zwischen alle Stühle und statt Monster-Action gibt es viel entbehrliches Touristen-BlaBla der nervigen Sorte und der Streifen zieht sich mit fortschreitender Laufzeit auch ärger als ein Strudelteig. Irgendwie ergibt die ganze Sause auch keinen Sinn und warum ein Hai an Land eine Massenpanik auslöst und am Ende vollkommen unbedarft erscheinende Touristen mit der Hotel-Deko (!) Jagd auf einen Viermeter-Urzeitfisch machen, wissen wohl nur die Drehbuchautoren selbst. Leider klingt das immer noch besser, als der Streifen letztendlich ausgefallen ist und „Up from the Depths“ ist wirklich einer der langweiligsten Monsterfilme, der mir jemals vor die Linse gekommen ist.

Demon of Paradise

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Durch den unsachgemäßen Gebrauch von Dynamit im Wasser erwecken ein paar unbedarfte Fischer auf der Südesee-Insel Kihono ein mysteriöses Fischwesen, das von den Bewohnern der Insel gefürchtet wird. Obwohl daraufhin Tote mit seltsamen Wunden gefunden werden und auch die verschreckten Einheimischen Hals über Kopf von der Insel flüchten, glaubt der Meeresbiologin Annie niemand ihre abenteuerliche Story über das Wesen Akura, vor dem auch niemand sicher scheint. Als die Besitzerin eines Urlaubsresorts aus Angst vor dem Bankrott zusammen mit einem skrupellosen Journalisten Werbung mit dem Wesen macht um abenteuerlustige Gäste anzulocken, scheint der Plan zum Entsetzen des örtlichen Polizisten und Annie vorerst aufzugehen, ehe er wenig später eine mittlere Katastrophe auslöst.

Leidlich spannender Monsterfilm aus der Schmiede von Produzent Roger Corman, der in amerikanisch-philippinischer Koproduktion ein nahezu unbesiegbares Fischmonster präsentiert, das wie in „Der Schrecken vom Amazonas“ aussieht und auch ordentlich aufdreht. Das war es dann aber schon mit den positiven Dingen und der Film punktet mit seinem unscheinbaren Cast und permanenten Over-Action auch eher auf der Trash-Skala, selbst wenn man sich da nicht zu viel erwarten sollte. Story-technisch werden gängige Klischees, die übliche Figurenkonstellation mit etwas Erotik und Gore in den Mixer geworfen und am Ende darf sogar das Militär ausrücken um dem scheinbar unbesiegbaren Wesen den Garaus zu machen. Die Sympathien hat dabei aber eher die Kreatur auf seiner Seite und irgendwie zündet „Demon of Paradise“ trotz guter Voraussetzungen auch nur bedingt, sodass man hier trotz einiger lustiger Momente leider auch von einem eher unterdurchschnittlichen Filmvergnügen sprechen muss.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 8. Sep 2014, 11:32
von jogiwan
Butcher, Baker, Nightmare Maker

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Nach dem Unfalltod seiner Eltern wächst Billy im geräumigen Haus seiner Tante Cheryl zu einem sportlichen Schüler heran, der sich unter den Fittichen seines Sportlehrers Tom zu einem Basketball-Talent entwickelt. Als seine etwas seltsame Tante eines Tages einer Fernseh-Monteur ersticht, der sie zurückweist, ihn der versuchten Vergewaltigung bezichtigt und Billy als Zeugen anführt, entpuppt sich dieser jedoch als homosexuell und der homophobe Polizist Carlson verdächtigt bei seinen Ermittlungen Billy als eigentlichen Täter. Dieser bekommt jedoch wenig später die Chance auf ein Stipendium und auch seine Liebe zu der hübschen Julia intensiviert sich, was seine psychopathische Tante abermals auf den Plan ruft, die nicht bereit ist, „ihren Jungen“ so einfach gehen zu lassen, für den sie einst alles aufgegeben hat.

Hui… ein ganz schön wildes Werk, dass uns hier Regisseur William Asher mit seinem 1982 gedrehten „Buchter, Baker, Nightmare Maker“ präsentiert. Irgendwo zwischen Drama, Slasher und Psycho-Thriller bekommt der Zuschauer ein Szenario präsentiert, bei dem sich die verschrobenen Charaktere die Klinke in die Hand geben und dem siebzehnjährigen Billy das Leben gehörig schwer machen. Dabei lebt der Streifen neben seiner ungewöhnlichen und spannenden Story und Bo Svenson als intoleranter "Dirty Harry"-Verschnitt vor allem von der Darbietung Susan Tyrrells, die hier so richtig aufdreht und für die Durchsetzung ihrer Vorstellungen auch zu ungewöhnlichen Mitteln greift. Auch inszenatorisch gibt es nicht viel zu meckern und schon der absolut wilde Auftakt in Form eines Autounfalls stimmt den Zuschauer auf perfekte Weise auf den nachfolgenden Streifen ein, der mit seinen heiklen Themen und kompromissloser Darbietung sicherlich zu den obskureren Thriller-Werken der Achtziger zählt, nach denen man Aussicht halten sollte.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 10. Sep 2014, 12:25
von jogiwan
Graduation Day

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Laura, ein Mitglied einer erfolgreichen Schulsport-Klasse wird von ihren Mitschülern und Trainer bei einem 200m-Wettlauf zum Rekord angefeuert und bricht nach dem Ziel bewusstlos zusammen und stirbt in den Armen ihres Freundes. Wenig später steht in der Schule der „Graduation Day“ an und während die Schule mit dem Vorbereitungen zu diesem Tag beschäftigt sind, mischt sich neben Lauras angereister Schwester Anne auch ein mysteriöser Killer unter die Schülerinnen und meuchelt mit Trainingsanzug und Stoppuhr, sowie einfallsreichen Waffenarsenal Lauras Kollegen aus der Sportklasse.

Nicht viel Neues aus Slasherhausen präsentiert Herb Freed mit seinem System-erhaltenden Beitrag aus dem Jahr 1981, das die üblichen Zutaten des Genres inklusive etwas seltsamer Charaktere und Dialogen zu einem drolligen Gesamtergebnis zusammenfügt, dass weder inhaltlich noch auf dem Gewalt-Level sonderlich punkten kann. „Graduation Day“ ist mit seiner vollen Breitseite Achtziger-Charmes zwar schon unterhaltsam, aber bietet neben gewöhnungsbedürftigen Schnitt-Massaker auch sonst noch ein paar seltsame Momente und vor allem ziemlich unsympathische und undisziplinierte Teenies, bei denen ein baldiges Ableben zumindest von Zuschauerseite kaum etwas einzuwenden ist. Die Auflösung sollte für erfahrene Zuschauer auch nicht schwer zu erraten sein und dennoch kommt man als Slasher-Fan bei „Graduation Day“ ohnehin nicht vorbei. Die neue und Code-freie Blu-Ray von „Vinegar Syndrome“ bietet ein sehr hübsches Bild und auch noch ein paar Interviews.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 11. Sep 2014, 19:21
von jogiwan
Susan... verzweifelt gesucht

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Die lebensfrohe und etwas schlampinöse Susan reist in der Weltgeschichter herum und verabredet sich mit ihrem Freund Jim mittels Zeitungsanzeigen und dem Text "Susan... verzweifelt gesucht". Roberta, die gelangweilte und unterforderte Gattin eines Wellness-Ausstatters verfolgt ebenfalls die unorthodoxe Liebesgeschichte und ist von den beiden Unbekannten so angetan, dass sie eines Tages ebenfalls an einem vereinbarten Treffpunkt auftaucht und danach der selbstbewussten Susan folgt. Als diese ihre auffällige Jacke in einer Second-Hand-Boutique gegen neue Schuhe tauscht, kauft Roberta die Jacke und ehe sich die introvertierte Frau versieht, steckt sie schon mitten im Schlamassel, als sie in der Jacke den Schlüssel zu einem Schließfach mit brisanten Inhalt findet und sie sich nach einem Sturz auf einmal selbst für Susan hält und von mehreren Männern auch dafür gehalten wird…

Susan Seidelmans zweites Regiewerk aus dem Jahre 1985 ist eine unterhaltsame und imho auch etwas unterschätzte Verwechslungskomödie über eine gelangweilte Ehefrau aus der gehobenen Mittelschicht, die sich nach einer Verkettung etwas unglücklicher Momente für die lebensfrohe Herumtreiberin Susan hält, die durch die Weltgeschichte jettet, reihenweise Männern den Kopf verdreht und hinter der dummerweise auch ein Krimineller her ist. Die turbulente Geschichte über die beiden höchst unterschiedlichen Frauen verlagert den Charme von Screwball-Komödien in das New York des Jahres 1985 und präsentiert die Millionenmetropole dabei am Puls der Zeit. Irgendwie fand ich auch die seinerzeit vielfach für ihr mangelndes Schauspiel-Talent gescholtene Madonna ganz gut und die Rolle scheint ihr auch auf den Leib geschrieben. Zwar hätte ich mir persönlich den Streifen etwas bissiger gewünscht, aber insgesamt ist „Susan… verzweifelt gesucht“ schon eine sehr spaßige Angelegenheit mit viel Zeit- und Lokalkolorit und einem Ensemble, dass auch sichtlich Spaß an der ganzen Sause hatte.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 12. Sep 2014, 17:42
von jogiwan
Prisoner of Paradise

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Nachdem sein Schiff von einem Torpedo in die Luft gesprengt wurde, landet der amerikanische G.I. Joe Murrey als einziger Überlebender auf einer verlassen scheinenden Südseeinsel. Der Mann kämpft sich auf der Suche nach Rettung mehrere Tage durch das Dickicht und landet nach Tagen erschöpft in einem kleinen Nazi-Camp, in dem der durchgeknallte und trinkfreudige Hans mit seinen beiden Assistenten Ilsa und Greta ein Schreckensregiment führt. Als Joe entdeckt, dass die Truppe zwei amerikanische Krankenschwestern gefangen halten und immer wieder foltern, beschließt er die beiden Amerikanerinnen aus der Hand der gewaltbereiten Deutschen zu retten und gerät so selbst in Gefangenschaft und ist fortan ebenfalls den grausamen Spielen von Hans, Greta und Ilsa ausgeliefert…

Was es nicht alles gibt: “Prisoner of Paradise” ist ja nichts anderes als eine Fleischfilmversion von diversen N-Ploitation und Lagerfilmen, die zu Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger auf wenig geschmackvolle Weise die Leinwände unsicher machten. Im Falle von Bob Chinn ist es ein amerikanischer G.I., der nach der Explosion seines Schiffes an den Strand einer scheinbar verlassenen Südseeinsel gespült wird. Dort befindet sich jedoch das kleinste Nazi-Lager der Welt, dass auch drei Strohhütten besteht und in dem zwei Ami-Krankenschwestern von dem dicken Nazi Hans, bei dem immer eine Flasche Jägermeister am Tisch steht und seinen beiden getreuen Helferinnen Ilsa und Greta gefoltert werden. Alles aber inklusive des eigefügten Archivmaterials aber eher harmloserer Natur und auch im hübschen Prolog hält sich Bob Chinn in diesem Big-Budget-Fleischfilm nach einer Drehbuch-Vorlage von Gail Palmer eher zurück. Zu Beginn gibt es hübsche Naturaufnahmen, während mit fortschreitender Laufzeit auch John Holmes mehrfach seinen Mann steht. Am Ende gibt es für Fleischfilm-Verhältnisse eher ungewöhnliche Tricks zu bestaunen und die Bösen bekommen natürlich eins vor den Latz geknallt, ehe der Zuschauer mit einem versöhnlichen Ende in den schillernden Sonnenaufgang entlassen wird.