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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 21. Aug 2014, 17:53
von jogiwan
Hexenkessel Miami (Abel Ferrara # 6)

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Ex-Marine George Moran führt ein kleines Hotel am Strand von Miami und hat mit seiner Vergangenheit bzw. seinem ehemaligen Kriegseinsatz in der Dominikanischen Republik noch nicht ganz abgeschlossen. Als eines Tages ein weiterer Ex-Marine in seinem Hotel eincheckt holt den Mann daher die Vergangenheit wieder ein und er beschließt ein weiteres Mal Santo Domingo zu fliegen um eine bestimmte Frau zu suchen, wobei er eher zufällig auf seine große Liebe Mary DeBoya trifft, die mittlerweile mit dem einflussreichen Gangsterboss DeBoya verheiratet ist und sich scheinbar ebenfalls auf der Insel in Urlaub befindet. Die beiden stürzen sich in eine heiße Affäre, die auch mit der Rückkehr in Miami nicht endet und die Beiden und deren Umfeld schon bald in größte Gefahr bringt. Als auch noch ein Privatdetektiv ins Geschehen mischt, der hinter DeBoyas Geld her ist und George für seinen zwielichtigen Plan gewinnen möchte, steuert alles einem tödlichen Höhepunkt entgegen, bei dem keiner mehr dem anderen vertrauen kann…

Ein unterhaltsamer, kleiner und vor allem unvorhersehbarer Erotik-Thriller in bester „Film Noir“-Tradition um einen schweigsamen Ex-Marine, der durch die Liebe zur falschen Frau in einen Strudel aus Gewalt und Habgier gerissen wird, bei dem man auch als Zuschauer nie sicher sein kann, was als nächstes passiert. Die Geschichte nach einer Vorlage von Elmore Leonard wirkt zwar manchmal etwas holprig, aber Ferrara macht ja das Beste draus und was zuerst eher harmlos und mit TV-Optik beginnt, wird zunehmend spannender und bietet gegen Ende auch ein paar bösere Szenen, die wohl auch nur in der deutschen DVD komplett enthalten sind. Der immer gern gesehene Peter Weller als schweigsamer Marine ist wie gewohnt eine Bank und auch Kelly McGillis zeigt sich unerwartet freizügig, wird aber in diesem Punkt überraschenderweise noch von Ex-Italo-Veteran Tomas Milian in den Schatten gestellt. Alles in allem ein kurzweiliger Streifen mit einigen Überraschungen und doppelten Boden, der zwar vermutlich nicht zu Ferraras besten Werken zählt, aber dennoch sehr kurzweilig und spannend ausgefallen ist.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 22. Aug 2014, 19:02
von jogiwan
King of New York (Abel Ferrara # 7)

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Recht herber Gangster-Film von Abel Ferrara mit ganz viel New York, noch mehr Gewalt und Christopher Walken als Gangster, der sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis seinen Weg an die Spitze der Unterwelt im Big Apple mit wenig Rücksicht und hohen Blutzoll erarbeitet. Der Film verzichtet dabei aber größtenteils auf das übliche Gut/Böse-Schema und zeigt einen charismatischen Gangsterboss mit nachvollziehbaren Idealen und karitativen Ader und frustrierte Polizisten auf der anderen Seite, die ebenfalls die Grenzen der Gesetze überschreiten um in einem eher aussichtslosen Kampf das Übel an der Wurzel zu packen. Auch wenn die Gewalt in dem Streifen ausgiebig zelebriert und fast schon glorifiziert wird, gibt es am Ende in dem nihilistischen „King of New York“ aber ohnehin nur Verlierer und die Erkenntnis, dass man weder mit Vernunft, noch mit Gewalt das Verbrechen vernichten kann. Ich fand den Streifen jedenfalls trotz mangelnder Hintergrundinformation für seine Charaktere sehr packend und auch wenn sich Ferrara mit diesem Werk bereits vom B-Film verabschiedet hat, so ist „King of New York“ doch überraschend brutal, zynisch und mit seiner ganzen Neon-Optik, seiner fast schon bis zur Parodie überzeichneten Szenarien, Figuren und „Dirty Language“ auch nicht gerade das, was man sich in einem „seriösen“ Gangster-Epos erwartet.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 23. Aug 2014, 16:55
von jogiwan
The Strange Colour of Your Body's Tears

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Ich bin ja bekanntermaßen kein großer Freund von „Amer“, der zwar hübsch aussieht, aber imho lediglich kopierte Szenen aus großartigen Filmen lediglich neu zu einem etwas verkopften Film zusammensetzt. „The Strange Colour of Your Body’s Tear“ ist der Kunstanspruch zwar immer noch mindestens genauso hoch und die Musik noch immer aus Siebzigerjahre-Filmen, aber der Inhalt ist ein einziger verstörender, fiebriger, halluzinogener und vor allem ziemlich einzigartiger Trip in dunkle Korridore und Seelenwelten. Das mysteriöse Verschwinden einer Frau während einer Geschäftsreise in einem mehr alten Jugendstil-Haus ist der Aufhänger für einen rasanten Trip auf einer gigantischen Bilderflut-Welle, das auch mit optischen Spielerein nicht spart und vom Zuschauer wohl wahlweise faszinierend oder anstrengend empfunden wird. Ich gehörte da eindeutig zur ersten Fraktion und war zeitweise ziemlich geplättet, auch wenn der Film wirklich nicht einfach zu konsumieren ist, keine Rücksicht auf Mainstream-Konsumenten nimmt und das Verstehen der vertrackt erzählten Geschichte, die fortlaufend vertrackter, konfuser und bizarrer wird, sicherlich hier nicht an erster Stelle steht. Die Location ist schlichtweg der Hammer, die Musik sehr passend gewählt und auch sonst kann sich der Zuschauer mit farbintensiven und Kaleidoskop-artigen Bildern, Splitscreen-Technik und einem enervierenden Sounddesign und jeder Menge rotem Lebenssaft nach Lust und Laune für knapp 95 Minuten auf die denkbar schönste Weise herausfordern und verstören lassen.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 24. Aug 2014, 18:50
von jogiwan
Gute/Schlechte-Effekte-in-Filmen-mit-5-Buchstaben-Themenabend:

Alice

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Die junge Alice langweilt sich auf ihrem Zimmer, als auf einmal ein ausgestopfter, weißer Hase zu leben beginnt, sich aus seinem Schaukasten befreit und auf mysteriöse Weise in einer Tischschublande verschwindet. Das Mädchen folgt dem Hasen und landet in einem seltsamen Haus, in dem gar sonderliche Dinge geschehen. Nachdem sie Kekse und Tinte getrunken hat, wird sie wahlweise groß oder ganz klein und trifft auf seltsame Wesen, lebende Haushaltsartikel und einen verrückten Hutmacher, die über die Anwesenheit von Alice nicht gerade erfreut sind und versuchen, das junge Mädchen wieder aus der sonderbaren Welt zu vertreiben. Doch Alice bleibt und stellt sich auch tapfer und trotzig jeder Herausforderung, die hinter jeder neuen Tür wartet und trifft am Ende auch die Herzkönigin, die mit eiserner Hand über ihr Reich herrscht und Alice zu einem Spiel herausfordert.

Mit dem 1988 entstandenen „Alice“ hat der tschechische Regisseur Jan Svankmajer einen hochgradig sonderbaren und gleichzeitig faszinierenden Streifen geschaffen, der die bekannte Geschichte des britischen Schriftstellers Lewis Carroll auf denkbar skurrile Art und Weise präsentiert. Mit einem jungen Mädchen als einzige Darstellerin und Erzählerin, sowie liebevoll in Szene gesetzten Stop-Motion-Tricks verlegt Svankmajer das Wunderland kurzerhand in ein altes modriges Haus und lässt neben dem weißen Kaninchen und dem verrückten Hutmacher auch jede Menge Mosaik-artig zusammengebastelte Wesen auf die junge Frau los. Der Streifen erzählt dabei nicht unbedingt großartig eine Geschichte, sondern begleitet seine junge Darstellerin, die sich mitunter selbst in eine Puppe verwandelt durch seltsame Räume in denen gar sonderbare Dinge passieren und sich nicht nur für die junge Protagonistin rätselhaft präsentieren. Statt einem Film für ein junges Publikum hat Svankmajer daher auch eher eine morbide Alptraum-Version von „Alice im Wunderland“ geschaffen, die sich als vermeintlicher Kinderfilm getarnt auch eher an ein älteres Publikum richtet.

Spawn

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Der Elite-Auftragskiller Al Simmons wird bei seinem letzten Auftrag von seinem eigenen Boss Wynn verraten und landet nach einer gigantischen Explosion geradewegs in der Hölle. Fünf Jahre später kehrt er mit entstelltem Gesicht und übernatürlichen Kräften zurück auf die Erde und ist voller Wut auf seine ehemaligen Auftraggeber und muss außerdem feststellen, dass sein ehemaliger Partner nun mit seiner Frau zusammen ist. Doch das ist nur ein Teil des teuflischen Plans eines durchgeknallten Clowns und dem fortwährenden Kampf zwischen Gut und Böse und der auf Spawn getaufte Anti-Held soll seinem unbändigen Zorn erliegen, mit dem Mord an Wynn die Welt ins Chaos stürzen und die Herrscharen des Teufels zum finalen Kampf an die Himmelspforte führen. Als Spawn jedoch so etwas wie Freundschaft erfährt und auch erkennen muss, dass er im Leben seiner geliebten Frau keinen Platz mehr hat, meldet sich sein Gewissen zu Wort und Spawn beschließt sich gegen seine satanischen Auftraggeber zu stellen…

Nach den wunderbaren Stop-Motion-Effekten in Jan Svankmajers „Alice“ hatte ich gestern noch Lust auf das komplette Gegenteil und hab mit der unsäglichen Comic-Verfilmung „Spawn“ auch die volle Breitseite schlechter Tricks aus den Anfangstagen des CGI vor die Linse geknallt bekommen. Aber auch ansonsten hat sich in der Verfilmung der offensichtlich sehr erfolgreichen Comic-Vorlage niemand mit Ruhm bekleckert und so etwas kommt wohl dabei heraus, wenn man einem B-Regisseur zu viel Geld in die Hand gibt. Inhaltlich holpert der Streifen gemütlich vor sich hin und erzählt auf denkbar schlechte Weise eine eher erheiternde Geschichte eines Ex-Auftragskillers, der vom Teufel persönlich zurück auf die Erde geschickt wird. Ihm zur Seite steht dabei mir einem Schlumpf-Clown die wohl nervigste Figur aller Zeiten, die sich um Kopf und Kragen quasselt und nie um einen dämlichen Spruch verlegen ist. Herr Dippé konnte sich wohl auch nicht drauf einigen, ob er jetzt eher einen Action-Kracher abliefern möchte, oder sich eher auf den gebrochenen Charakter seiner Hauptfigur konzentrieren möchte. Herausgekommen ist jedenfalls filmischer Sondermüll bzw. die schlechteste Comic-Adaption aller Zeiten für „Die-Hard-Trashfans“, die mit lieblos eingesetztem Crossover-Soundtrack und furchtbaren CGIs wohl hoffentlich jedem Besitzer der Originalvorlage die Schamesröte ins Gesicht treibt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 25. Aug 2014, 19:31
von jogiwan
Cinema Paradiso

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Die Nachricht seiner Mutter vom Alfredos Tod reißt den bekannten Filmemacher Salvatore Di Vita aus seinem beruflichen Alltag und der Mann erinnert sich zurück an die unbeschwerten Tage seiner Kindheit, in dem ihn mit dem Filmvorführer Alfredo eine innige Freundschaft verband. In jungen Jahren war Salvatore vom Kino fasziniert und das „Cinema Paradiso“ ein Platz in dem der ganze Ort zusammenkam und gemeinsam mit den Leinwandhelden mitfieberte, lachte und weinte. Alfred zeigte dem neugierigen Jungen wie der große Projektor funktioniert und Salvatore war es auch, der seine Arbeit fortführte, als Alfredo bei einem Unfall sein Augenlicht verlor und ihm mit Rat zur Seite stand, als er sich das erste Mal in ein Mädchen verliebte und ihn in die Ferne schickte um seinen eigenen Traum zu verwirklichen. Als Salvatore spontan beschließt zum Begräbnis seines ehemaligen Freundes zu fahren, wird das auch eine Reise zurück zu den eigenen Wurzeln.

Humorvoll-sentimentaler Streifen über das italienische Kino bzw. das Kino als Mittelpunkt des örtlichen Geschehens in dem die gesamte Bevölkerung eines kleinen Dorfes trifft um in den Fünfzigerjahren gemeinsam dem Charme der bewegten Bilder zu erliegen. Und die Liebe zum Kino und die Freundschaft zu Alfredo ist es auch, was Toto in den schwierigen Jahren über den Verlust des im Krieg gefallenen Vaters hinweghilft und ihn später ermutigt, das Dorf zu verlassen um in der Ferne sein Glück zu suchen. Die Geschichte von Toto ist aber gleichzeitig auch die Geschichte seines ganzen Dorfes und die des italienischen Kinos mit Glanzzeiten und anschließendem Niedergang und natürlich auch die einer besonderen Freundschaft. Regisseur Giuseppe Tornatore hat mit „Cinema Paradiso“ einen Streifen geschaffen, der die Magie des Medium Films auf wunderbare Weise auf die Leinwand bringt und auch wenn der Streifen teils etwas rührselig daherkommt, ist das Werk eine einzige Liebeserklärung an das, was auch uns hier immer wieder zusammenbringt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 26. Aug 2014, 16:57
von jogiwan
Solaris

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Jetzt auch endlich im russischen Original mit deutschen Untertiteln gesehen und die schweizerische Blu-Ray von Trigon-Film ist auch ein absoluter Traum für jeden Fan dieses Films. Allerdings habe ich den Film gestern noch eine Spur rätselhafter, philosophischer und sperriger als bei der letzten Sichtung in Erinnerung und ich bin mir nicht so wirklich sicher, ob das an der deutschen Sprachfassung bzw. neuen Übersetzung liegt oder der Tatsache, dass ich schon wusste, was mich erwartet. Irgendwie geht es in „Solaris“ wohl um die Frage, inwieweit sich der Mensch aufgrund fortschreitender Technik von sich selbst entfremdet und ihm dieses einmal zum Verhängnis werden wird, wenn er Wege beschreitet, die den beschränkten Geist des Menschen übersteigen. Antworten liefert Tarkowski ja dennoch keine und was man in den Erlebnissen des Astronauten auf der abgelegenen Raumstation und am Ende zu sehen meint oder wie man die existentielle Geschichte zu deuten hat, wird wohl ebenfalls jeder für sich anders definieren. Trotz religiöser Andeutungen verkommt „Solaris“ jedoch nicht zu einer moralischen Angelegenheit, sondern ist und bleibt ein melancholisches, wunderschönes und faszinierendes Bilderrätsel über den Sinn des Lebens und dem Wesen des Menschen in dem auch jede einzelne Sekunde der knapp 165 Minuten notwendig erscheint.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 29. Aug 2014, 07:49
von jogiwan
Die Walze und die Geige

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Während die anderen Kinder seines Wohnhauses im Hof spielen, übt sich der siebenjährige Sascha aus gutem Hause im Geigenspiel, was ihn zwar zu einem talentierten Jungen, aber auch zu einem Außenseiter macht. Als er eines Tages auf dem Weg zur Musikstunde wieder einmal von den Gleichaltrigen gehänselt wird, verscheucht Igor, der Fahrer einer Straßenwalze von einer nahen Baustelle die Kinder und lässt den Jungen danach auch etwas an seiner täglichen Arbeit teilhaben. Sascha hilft Igor bei der Reparatur der Walze und er darf auch eine Runde mit dem eindrucksvollen Gefährt fahren, während der Junge dem Arbeiter stolz ein Stück auf seiner Geige vorspielt. Als sich die Beiden am Abend verabreden und gemeinsam ins Kino zu gehen, wird dieses jedoch von Saschas Mutter verboten.

Andrei Tarkowskis Diplomfilm für das staatliche Institut für Kinematographie dreht sich um die Freundschaft eines Jungen und eines Arbeiters, die im Moskau der Sechzigerjahre aufeinandertreffen und ein sehr kurzes Stück ihres Lebens gemeinsam gehen. Während Igor stolz auf die körperliche Arbeit ist, die er täglich vollbringt, beeindruckt Sascha den Arbeiter mit seinem musikalischen Talent und jeder „lernt“ etwas vom anderen, bevor die aufkeimende Freundschaft zwischen dem Kind und dem Erwachsenen durch das Verbot der Mutter jäh beendet wird. „Die Walze und die Geige“ ist dabei ein Kinderfilm, der unaufgeregt und mit poetischen Bildern erzählt und zeigt auch schon mit spiegelnden Oberflächen und plötzlich einsetzenden Regen auch Dinge und Naturelemente, die auch in seinen späteren Filmen immer wieder prägnant in Szene gesetzt werden. Statt dem Problem mit den hänselnden Kindern und dem Verbot der Mutter stehen auch die eher unbeschwerten Momente im Vordergrund, in denen der Junge aus seinem Trott ausbrechen kann und mit Igor eine für ihn abenteuerliche und neue Welt entdecken darf. Ein schöner Film für Kinder und Erwachsene über eine unbeschwerte Zeit, der trotz harmlosen Inhalt mit seiner technischen Perfektion und ausgefeilten Bilderwelten wohl auch den Grundstein für Andrei Tarkovskys Karriere legte.

Max Headroom

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Episode 1: Blipverts

Sender 23 ist der erfolgreichste Sender der Zukunft, der diesen Status auch sogenannten „Blipverts“, komprimierten Werbeclips zu verdanken hat, der den Zuschauer am zappen hindert. Als es einen mysteriösen Todesfall zu vermelden gibt, ahnt Enthüllungsjournalist Edison Carter einen Zusammenhang und als Edison eine Reportage plant und in Besitz eines Videos kommt, befiehlt der Senderboss sein Verschwinden und während einer wilden Verfolgungsjagd kracht der Journalist gegen einen Schranken. Als der junge Computerspezialist Bryce ein elektronisches Abbild seines Geistes anfertigt, ist Max Headroom geboren und gemeinsam mit seiner Controllerin Theora, die den für Tod gehaltenen Edision aus einer Organ-Bank rettet, schafft das Team um den bekannten Journalisten den Verantwortlichen das Handwerk zu legen.

Episode 2: Rakers

Auch in der nahen Zukunft gibt es ein Problem mit Jugendarbeitslosigkeit und Armut und skrupellose Geschäftemacher nutzen die Not der Cyberpunks aus, in dem sie moderne Gladiatorenkämpfe organisieren, bei denen die Teilnehmer mit aufgemotzten Skatebords auf Leben und Tod kämpfen. Als die Rechte der vermeintlichen Trendsportart „Raking“ an den Sender 23 verkauft werden sollen, wird auch Theoras Bruder in die Sache hineingezogen und die Controllerin macht sich auf dem Weg um ihn zu helfen. Als Edisons Boss Theora wegen ihrem Verschwinden feuern möchte, bittet er um Verständnis für das Verhalten seiner Partnerin, wittert hinter der ganzen Sache bereits eine große Enthüllungsstory und wird auch in einem aufgelassenen Lagerhaus fündig, in dem gerade einer dieser tödlichen Bewerbe läuft.


Was war ich Ende der Achtziger doch Fan dieser Cyberpunk-Serie mit seinem stotternden „computergenerierten“ Max und dem Enthüllungsjournalisten Edison im Kampf gegen Verbrechen und Korruption durch böse TV-Sender, bei denen er von seiner Controllerin Theora beherzt durch alle Gefahrensituationen gelenkt wird. Heutzutage wirkt „Max Headroom“ mit seinem pseudo-futuristischen Look und Themen ja eher etwas unfreiwillig komisch und vor allem Max (der popkulturell aus den Achtzigern ja gar nicht mehr wegzudenken ist) wirkt ja so gar nicht mehr cool, sondern mit seinem Gestottere und zynischen Kommentaren eher etwas nervig. Die Serie will ja auch temporeich daherkommen und kritisch das Fernsehverhalten der Menschheit hinterfragen und ist dabei doch schon längst von der Realität und den Schattenseiten des Internets eingeholt worden. Trotzdem ist die etwas brave Dystopie natürlich ein lustiges Zeitdokument und hat man sich erst einmal wieder an den Hairspray-Make-Up-Cyberpunk-Look der Achtziger und das Gestammel von unserem Max gewöhnt, kann man „Max Headroom“ im Rahmen eines Nostalgie-TV-Serien-Abends auch wieder gut gucken.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 29. Aug 2014, 19:31
von jogiwan
Scanners

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Der Obdachlose Cameron Vale wird eines Tags in einem Einkaufszentrum von zwei Männern betäubt und verschleppt und erfährt in einer ominösen Forschungseinrichtung des Rüstungskonzerns ConSec von dem Wissenschaftler Dr. Ruth, dass er ein sogenannter „Scanner“ ist, der telepathisch und telekinetisch veranlagt ist. Da der Rüstungskonzern von Darryl Revok, der ebenfalls über die gleiche Gabe verfügt, bedroht wird, der weitere Scanner um sich scharrt und einen mysteriösen Plan verfolgt, soll sich Cameron als Spitzel in dessen Organisation einschleusen. Durch einen Künstler kommt Cameron Revok auf die Schliche und gleichzeitig in Kontakt mit einer weiteren Gruppe von Scannern, die versuchen diese Gabe auf gute Weise einzusetzen. Als auch diese von Revoks Männern aufgesucht und einige der Leute ermordet werden, flüchtet Cameron mit Kim Obrist und kommt wenig später einer Verschwörung auf die Spur und auch Revok hat für den Spitzel noch eine große Überraschung parat.

Mit seinem Streifen „Scanners“ und seinem kommerziellen Durchbruch beschäftigt sich David Cronenberg nach „Stereo“ ein weiteres Mal mit telepathisch veranlagten Menschen und bastelt um die Geschichten zweier verfeindeter Gruppen einen düsteren Industrie-Spionage-Thriller mit viel Intrigen, Body-Horror und medizinischem Background, der den Horror-Fan wohl nur bedingt zufriedenstellt. Cronenberg bringt ja seinen absoluten Schocker ja bereits im ersten Drittel und schaltet dann einen Gang zurück um die Hintergründe der sogenannten „Scanner“ zu ergründen und dabei ein dunkles Bedrohungsszenario zu kreieren. Ob es dabei geschickt ist, einen derart herben Effekt gleich zu Beginn einzubauen um dann ein paar Gänge zurückzuschalten, darüber kann man durchaus diskutieren, aber zumindest war Cronenberg so die Aufmerksamkeit seines Publikums für den Rest seines Streifens gewiss und ich persönlich hab Cronenberg in seiner frühen Phase noch nie als reinen Genre-Regisseur gesehen, sondern als kreativen Geist, der sich zwar den Mechanismen des B-Films bedient, aber sich mit seinen Körperhorror-Fantasien in Punkto Tabubruch und Kritik am unethischer Fortschritt und menschlicher Gier weit von anderen Filmemachern abhebt, auch in dem er sich nie einer etwaigen Zuschauererwartung gebeugt hat. Wenig verwunderlich, dass mir daher auch dieser Streifen sehr gut gefällt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 30. Aug 2014, 17:07
von jogiwan
ScannerII - The New Order

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Der junge Veterinär-Student David ist ein Scanner und trifft eines Tages auf den Polizisten Forrester, der mit den telepathisch veranlagten Menschen das Verbrechen bekämpfen möchte. Anfänglich läuft die Zusammenarbeit auch recht gut und David kann einen lange gesuchten Giftmörder überführen bis die Aufträge von Forrester immer seltsamer werden. Zuerst muss David die Bürgermeisterin mit seinen Kräften bei einer Pressekonferenz manipulieren, damit Forrester Polizeipräsident wird um danach festzustellen, dass dieser längst größenwahnsinnig geworden ist und für die Durchsetzung der von ihm angestrebten „Neuen Ordnung“ auch bislang schon äußerst brutal und über Leichen gegangen. Als sich der von Gewissensbissen geplagte David den Befehlen von Forrester widersetzt landet er daher selbst in der Schusslinie und der junge Mann und sein Umfeld müssen fortan um sein Leben bangen.

Direkt auf Video veröffentlichte Fortsetzung von David Cronenbergs Zukunftsvision, die zwar die Ideen aus dem Vorgänger übernimmt und auch inhaltlich daran anknüpft, aber zu keiner Zeit dessen düstere Grundstimmung erreicht und mit seinem Look und eher unbekannten Darstellern fast schon „Soap“-artig daherkommt. Zwar ist die etwas lasche Geschichte um den sympathischen Studenten nicht gänzlich verhaut und teilweise werden auch sehr blutige Effekte geboten, aber irgendwie konnte mich der „Scanners II – The New Order“ so gar nicht begeistern und das ganz, ganz große Potential, dass so ein bereits erdachte Grundszenario bieten würde, wird hier lediglich für eine moralisch-rührselige Geschichte über medial begabte Menschen genutzt, dass am Ende dann komplett in seinen kruden Ideen erliegt und auch jede Glaubwürdigkeit über Bord wirft. Zwar kann man den Streifen dank seiner Effekte und ein paar netter Ideen schon gucken, aber auf der anderen Seite ist es irgendwie schon fast schade, dass die interessante und sicher auch faszinierende Geschichte der „Scanner“ mit einem derart konventionellen Genre-Produkt weitergesponnen wurde.

Scanner III - The Takeover

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Die introvertierte und schüchterne Helena ist wie ihr ins thailändische Exil verschwundener Bruder Alex ein sogenannter „Scanner“ und wird von Migräne-Anfällen und Stimmen geplagt. Als ihr Vater, der Wissenschaftler Dr. Monet eines Tages ein unerprobtes Mittel namens „EPH 3“ präsentiert, das in naher Zukunft ihre Schmerzen lindern soll, stibitzt die verzweifelte Helena das Mittel, nutzt es und verwandelt sich daraufhin in ein machtgieriges und selbstbewußtes Wesen, dass mit ihren telepathischen Gabe und weiblichen Reizen die Menschen unterjochen und die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Als sie dafür auch ihren Vater und den Anwalt der Familie ermordet kehrt Alex zurück und entdeckt natürlich auch die Veränderung seiner Schwester und die Zusammenhänge mit dem ominösen Mittel. Doch Helena hat zwischenzeitlich mit „EPH 3“ bereits weitere Scanner um sich geschart, die ebenfalls ihre zweifelhaften Pläne unterstützen und es kommt zwischen den ungleichen Geschwistern zu einem Duell zwischen Leben und Tod.

Autsch! Mit Teil 3 der Scanners-Trilogie wird die interessante Ausgangsidee nun endgültig zu Grabe getragen und Regisseur Christian Duguan, der sich auch für den zweiten Teil verantwortlich zeigt, präsentiert in „Scanners III – The Takeover“ eine Story, die gänzlich daneben ist und die düsteren Ursprungsideen Cronenbergs endgültig der Lächerlichkeit preisgibt. Die Geschichte von Helena, die sich nach der Einnahme eines ominösen Mittels vom Mauerblümchen in einen männermordenden und skrupellosen Vamp mit Weltherrschafts-Fantasien entwickelt ist ja komplett lächerlich und verkommt zunehmend auch noch zu einer überzeichneten Freakshow, bei der sich der Zuschauer das fassungslose und entsetzte Gesicht Cronenbergs förmlich vorstellen kann, sollte dieser das Teil überhaupt jemals gesehen haben. Hier passt wirklich nichts zusammen und weder die nervigen Darsteller, noch die zahmen Effekte können hier noch etwas rausreißen. „Scanners III“ ist dann auch der unwürdige Abschluss und der eindringliche Beweis, dass man eine vielschichtigste Ausgangsidee mühelos in den Sand setzten kann, wenn sich derart stümperhaft und lieblos daran vergangen wird.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 31. Aug 2014, 13:27
von jogiwan
Themenabend: Schauspieler in großer Gefahr!

Curtains

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Sechs junge Frauen werden von dem Regisseur Jonathan Stryker in dessen abgelegenes Landhaus eingeladen um dort für die Hauptrolle in dessen nächsten Streifen vorzusprechen. Zu den Schauspielerinnen gesellt sich jedoch wenig später auch Strykers Ex-Muse Samantha, die längere Zeit in einer Nervenheilanstalt verbracht hat und sich ihrerseits prädestiniert für die Rolle der psychisch angeknacksten Audra im Film des Regisseurs sieht und den anderen Darstellerinnen und auch Stryker feindselig begegnet. Während auch die Absichten des Regisseurs nicht ganz klar sind, mischt sich jedoch auch ein Killer unter die ambitionierten Darstellerinnen und als eine der Frauen beim Eislaufen ermordet wird, ist das erst der Anfang zu einem Wochenende des Grauens, an dem es schon bald nicht mehr um eine Rolle, sondern um Leben und Tod geht…

Routiniert gefilmter und in Szene gesetzter Slasher aus kanadischer Produktion mit tollem Ensemble und einer nicht ganz so tollen Geschichte über hoffnungsfrohe Schauspielerinnen und ihrem Regisseur, die in einem abgelegenen und verschneiten Anwesen der Reihe nach einem mysteriösen Killer mit Maske und Sichel zum Opfer fallen. Aufgrund der überschaubaren Personen und ihrem Verhalten ist aber zumindest ein Teil der Lösung relativ rasch absehbar und die Spannung ist dann auch eher die, ob Regisseur Richard Ciupka seine Sause auch wirklich auf die konventionellste Weise auflöst. Ob das geschieht wird natürlich nicht verraten und bis dahin gibt es ja auch noch ein paar nette Momente und das Finale in einem Keller voller Requisiten ist ebenfalls mehr als passabel ausgefallen. Insgesamt betrachtet ist „Curtains“ dann auch überdurchschnittliche Ware im, die dank toller Darsteller und einem verschneiten Handlungsort trotz etwas überambitionierter Herangehensweise dem geneigten Slasher-Freund auch gut munden sollte.

Deep in the Woods - Allein mit der Angst

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Eine Gruppe von jungen Theater-Schauspielern wird von dem wohlhabenden Axel de Fersen in sein Schloss eingeladen um zum Geburtstag von dessen augenscheinlich etwas seltsamen Neffen ein nicht minder seltsames Theaterstück über einen bösen Wolf zu aufzuführen. Als sich der Schlossbesitzer jedoch immer wütender verhält, ein Mädchen spurlos verschwindet und sich zu allem Überfluss auch noch ein gesuchter Gewaltverbrecher in der Nähe aufhalten soll, kippt die Stimmung unter den Schauspielern und die jungen Leute versuchen zu fliehen. Doch der Wald um das Schloss scheint undurchdringbar und ist auch noch mit Jagdfallen gespickt, sodass den jungen Leuten nichts anderes überbleibt, als sich der Gefahr zu stellen.

Französischer Slasher und Langfilm-Debüt von Regisseur Lionel Delplanque der optisch eigentlich ganz schön und interessant daherkommt und den Zuschauer dann dennoch ziemlich ratlos zurücklässt. Die Geschichte mit seinen unsympathischen Protagonisten ist ja eigentlich völliger Quark und entbehrt mit seiner furchtbaren Theater-Darbietung bzw. seiner Mischung aus „Rotkäppchen“ und „Peter und der Wolf“ nicht einer unfreiwilligen Komik, ehe die Schauspieler dann selbst von einer Art bösen Wolf heimgesucht werden und in einem fast schon surrealistisch anmutenden Ambiente theatralisch um ihr Leben fürchten müssen. Die Geschichte mit Anleihen bei Märchen ist dabei nicht nur ziemlich widersprüchlich, sondern wird auch noch so konfus wie möglich erzählt und es wurde wohl versucht, den Streifen auf "arty-farty" zu trimmen, was jedoch gründlich misslingt. Herausgekommen ist dabei eine wahlweise bekömmliche oder ungenießbare Grütze, die ihr Scheitern auf bemerkenswerte Weise und mit schönen Bildern zelebriert und obwohl der Karren gründlich an die Wand gefahren wird, dabei dennoch auf scheinbar wundersame Weise unterhaltsam bleibt.