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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 7. Jul 2014, 10:03
von jogiwan
Sugar Cookies

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Nach dem überraschenden Ableben der Alta glaubt die Bevölkerung an einen Selbstmord der für ihre erotischen Filme bekannten Schauspielerin, die in Wirklichkeit jedoch Opfer ihres Produzenten Max geworden ist, der seine Gespielin bei einem seiner perversen Macht- und Sexspielen ermordete. Als ihre ehemalige Agentin Camilla einen Ersatz für Alta sucht um einen bereits fast abgedrehten Film zu vollenden, entdeckt sie bei einem Casting die schüchterne Julie, die Alta zum Verwechseln ähnlich sieht. Camilla nutzt die Gunst der Stunde und nimmt das Mädchen vom Lande unter ihre Fittiche und drängt sie immer mehr in die Rolle von Alta, bis auch Julie um ihr Leben fürchten muss…

Ein doch sehr seltsamer Film, den Regisseur Theodore Gershunny („Blutnacht – Das Haus des Todes“) hier abgeliefert hat. Irgendwo im Spannungsfeld von Psychothriller und Drama mit jeder Menge Sleaze präsentiert er seine mit Lloyd Kaufmann verfasste Geschichte und einer der ersten Troma-Produktionen in einem schicken und stylischen Umfeld in New York mit wunderbaren Space-Age-Interior und hübschen Menschen, die nackt und angezogen stets eine gute Figur abgeben. „Sugar Cookies“ ist dabei zwar nicht sonderlich spannend, aber auf Blu-Ray so derart hübsch anzusehen, dass ich der Geschichte kleinere Defizite gerne verzeihen kann. Da eine Panton-Lampe, da ein Space-Egg-Sessel und leuchtende Möbel, dazu fiepsige Moog-Musik und Carmilla darf wohl einmal die gesamte Herbst-Collection von Yves Saint Laurent austragen. Aber auch wer sich weniger für Möbel und Klamotten interessiert, kommt hier auf seine Kosten und Lynn Lowry und Mary Woronov waren wohl nie hübscher anzusehen. Für Fans von Siebzigerjahre-Filmen mit Lokal- und Zeitkolorit und einer etwas abseitigen Story eigentlich unverzichtbar und ein eigentlich wunderbarer Film, wie geschaffen für die aufgeschlossenen User dieses Boards.

Der Werwolf von Tarker Mills

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Der beschauliche Ort Tarker's Mills wird von einer schrecklichen Mordserie heimgesucht in der die bemitleidenswerten Opfer auf grauenvolle Weise verstümmelt werden. Die Polizei ist hilflos, die Bevölkerung in Angst und Schrecken und auch eine eigens gegründete Bürgerwehr auf verlorenen Posten. Nur der elfjährige, aufgeweckte und an den Rollstuhl gefesselte Marty ahnt, dass ein Werwolf hinter der ganzen Sache stecken könnte und obwohl ihm Vorerst niemand glaubt, schafft er es gemeinsam mit den Erfindungen seines versoffenen Onkels und jeder Menge Mut den Werwolf in einer Nacht zu verletzten. Doch damit fangen die Probleme erst so richtig an, denn der Werwolf ist ein prominentes Mitglied der Gemeinde, der es nun auch auf den Jungen und seine Familie abgesehen hat.

Eigentlich ziemlich doofe, trashige und dennoch ungemein unterhaltsame Stephen King-Verfilmung, die zwar auf der einen Seite hübsch blutig und mit gelungenen Effekten um die Ecke biegt – auf der anderen Seite mit seiner „Kinder-retten-die-Welt“-Familienfilm-Thematik fast schon Steven Spielberg’sche Ausmaße annimmt. Wenn die Erwachsenen keinen Plan haben, müssen halt die Kiddies ans Werk und irgendwie erinnert „Der Werwolf von Tarker Mills“ mit seinen Kleinstadt-Setting, überzeichneten Charakteren und lustigen Wendungen auch eher an eine Parodie, als einen erstgemeinten Werwolf-Film. Dennoch ist "Silver Bullet" dabei so spaßig, dass man es dem Streifen gerne verzeiht, wenn am laufenden Band gar sonderliche Wendungen aus dem dramaturgischen Hut gezaubert werden. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Stars aus der zweiten Reihe und ein paar hübsche Effekte, die teils auch sehr blutig ausgefallen sind. Alles in allem sicher nicht die beste King-Verfilmung, aber eine von den Unterhaltsameren, die auch ideal zu Chips, Bier und einem lustigen Tierhorror-Abend passt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 9. Jul 2014, 19:51
von jogiwan
Pieces

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Temporeicher Slasher-Nonsens der etwas härteren Gangart, bei dem nicht nur die Kettensäge ordentlich rasselt - auch das dramaturgische Gerüst hat handwerklich gesprochen bestenfalls Abriss-Qualität und ich kann mich an nur sehr wenige Streifen entsinnen, die inhaltlich so derart holprig daherkommen. Doch das ist alles nebensächlich angesichts der Schauwerte von "Pieces", das neben bekannten Gesichtern vom Bud Spencer-Imitat über Szenen mit großer Schauspielkunst "Bastards... Bastards", absoluten Nonsens "This is my Kung-Fu-Teacher", bis hin zum finalen Schocker auch alles zu bieten hat, was man sich als Fan von derartigen Streifen erwartet. Und statt den Zuschauer mit angedeuteten Morden zu langweilen, gibt es hier wirklich "Stück für Stück" blutgetränkte Zeigefreudigkeit, die neben der gern gesehenen Kettensägen-Thematik auch dafür sorgen, das Juan Piquer Simons feiner und immer wieder gern gesehener Genre-Beitrag aus der Masse vergleichbarer Werke herausragt.

The Bronx

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"The Bronx" ist wirklich eine schöne Überraschung im cineastischen Sinn und präsentiert auf (vermutlich) sehr authentische Weise die tägliche Arbeit von Streifenpolizisten im New Yorker Stadtteil Bronx, der in den Siebzigern und Achtziger wohl zweifelsfrei zu den wohl abgefucktesten und gefährlichsten Gegenden der Welt zählte. Der episodenhaft gestaltete Streifen wird dabei lose von einer Geschichte über die Suche von Polizeimördern zusammengehalten und präsentiert neben Straßenkämpfen, Drogenkriminalität und Prostitution der multikulturellen Bewohner des Viertels auch das Leben des irisch-stämmigen und abgeklärten Polizisten Murphy, der mit seinem ambitionierten Partner Streife schiebt und mit Mitgefühl und Verständnis dafür sorgt, dass in dem verrufenen Viertel nicht alles aus dem Ruder läuft. Überraschend ist dabei sicher, wie düster und nihilistisch der 1981 gedrehte Streifen daherkommt und auch ein Szenario präsentiert, dass auch fast nur Verlierer kennt und wenig Perspektive auf Besserung zeigt. „The Bronx“ bietet Drama und Action in ausgewogenen Teilen, ist dabei auch sehr routiniert abgedreht und hat jede Menge Außenszenen an, heruntergekommenen Straßenzügen, versifften Plätzen und abgerissenen Häusern. Wer sich so wie ich sehr für das „dreckige“ New York früherer Jahrzehnte interessiert, kommt an dem auch ansonsten empfehlenswerten Streifen nicht vorbei.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 12. Jul 2014, 11:23
von jogiwan
Dressed to Kill

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Ich mag ja Brian De Palmas Giallo-esken Psychothriller "Dressed to Kill" ja sehr, sehr gerne, auch wenn der fast schon dreigeteilte Streifen sicher auch so seine ganz kleinen Mängel hat. So empfinde ich den Auftakt des Streifens bis zum Fahrstuhl-Mord mit der Dialog-losen Museumsszene, die von der Musik von Pino Donaggio untermalt ist, einfach grandios und das "Cruising" im Museum inklusive Planfahrt am Ende in der auch schon der Mörder kurz auftaucht, ist wirklich eine der ganz großen Sequenzen der Filmgeschichte. Danach kommt der Thriller-Teil, dessen Verlauf für meinen Geschmack dann fast schon etwas zu handelsüblich daherkommt und in einer fiebrigen Slasher-Finale-Traumsequenz gipfelt, die zwar ebenfalls spannend ist, aber imho nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Aber das ist sicherlich meckern auf höchsten Niveau, da Brian De Palma ja auch ein Thriller-Meisterstück bzw. Brückenschlag vom Giallo zum Slasher geschaffen hat, dass - wie der Bux oben schreibt - sicherlich viel Wiedererkennungswert für den Italo-Fan bietet und auch sonstige Filmfans mühelos begeistern sollte. Die Unrated-Fassung gibt es ja anscheinend noch immer nicht im deutschsprachigen Raum - zum Glück hab ich aber die US-DVD mit beiden Fassungen.

Blow Out - Der Tod löscht alle Spuren

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Brian De Palmas tiefe Verneigung vor Michelangelo Antonionis "Blow Up" ist nach "Dressed to Kill" abermals ein wunderbarer und gern gesehener Thriller, der schon aufgrund seiner langen Planfahrten und Farbgebung seine Nähe zu italienischen Filmemachern wie Mario Bava und Dario Argento nicht verleugnen kann. Auch die Geschichte über den Toningenieur der auf der Suche nach Geräuschen beiläufig einem politischen Mordkomplott auf die Spur kommt erinnert an europäische Vorbilder und dass immer wieder eine Flasche J&B die Runde macht, ist wohl ebenfalls nicht zufälliger Natur. Ein Thriller auf extrem hohem technischen Niveau, der seine Figuren und sein Schmuddelambiente trotz humoristischer Momente ernst nimmt und alles in einem extrem spannenden und fiesen Herzschlag-Finale gipfeln lässt, in dem gleich eine ganze Parade zu Ehren der Liberty Bell in Philadeliphia eine tragende Rolle spielt. Alles in allem ein wunderbarer Thriller, der so auch sicherlich zu den Höhepunkten, des an Höhepunkten nicht gerade armen Filmografie des amerikanischen Filmemachers zählt.

Der Tod kommt zweimal

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Nach „Dressed to Kill“ und „Blow out“ der dritte Psycho-Thriller, der jedoch nicht nur aufgrund seiner sommerlichen L.A.-Settings und seinem Achtziger-Look nicht so recht zu seinen beiden Vorgängern passen mag. Inhaltlich ist der Streifen aber wieder typisch Brian De Palma und führt den Zuschauer gleich in mehrfacher Hinsicht hübsch aufs Glatteis und zeigt eindringlich, dass man selbst als aufmerksamer Zuschauer seinen Augen nicht immer trauen sollte. Ebenfalls interessant ist der Weg der Hauptfigur in Form eines arbeitslosen Schauspielers, der diesen zuerst in die Welt von „Reich & Schön“ und anschließend direkt in die Abgründe der blühenden Pornoindustrie treibt, wobei bei letzterem immer wieder der schelmische Humor De Palmas aufblitzt. Der sympathische Regisseur präsentiert auch ohne Umschweife Sex und Gewalt, wobei wohl nicht nur der eigentlich recht herbe Bohrmaschinen-Mord den Zensoren weltweit Kopfzerbrechen bereitet hat. Unterm Strich ist „Body Double“ trotz ominösen deutschen Titel und etwas gewöhnungsbedürftiger Optik und seinem Schmuddel-Ambiente aber Thriller-Unterhaltung vom Feinsten und auch wenn die beiden Vorgänger hierzulande etwas bekannter scheinen, zählt der doppelbödige „Body Double“ zweifelsfrei zu dem Besten, was die Thriller-Kiste hergibt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 13. Jul 2014, 17:49
von jogiwan
Der große "Mach-dir-das-Weibe-untertan"-Themenabend ;)

The Story of Joanna

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In einem schicken Restaurant lernt die hübsche Joanna den eleganten Jason kennen und verliebt sich in den smarten Mann, der alleine mit seinen beiden Dienstboten Griffin und Gena in einem riesigen Anwesen lebt. Doch hinter der Fassade des gutaussehenden und reichen Mannes verbirgt sich ein Sadist, der es sich zum Ziel gemacht hat, Joanna zu unterwerfen und ihren Willen zu brechen. Jason zwingt Joanna sich vor seinen Augen mit anderen Männern zu vergnügen, lässt die Peitsche sprechen und stellt anschließend immer wildere Aufgaben. Die junge Joanna lässt jedoch alles anstandslos über sich ergehen und macht auch keinen Hehl daraus, dass sie sich mit jeder Erniedrigung immer mehr in ihren Gebieter verliebt.

Gerard Damianos "The Story of Joanna" ist nichts anders als die HC-Variante von "Die Geschichte der O", in der ein sadomasochistisches Verhältnis einer jungen Frau zu einem wohlhabenden Mann portraitiert wird. Auffällig ist neben der orchestralen Musikuntermalung und der gelungenen Ausstattung auch die künstlerische Umsetzung der Geschichte, in der neben körperlichen Vereinigungen und subtile Sado-Maso-Sequenzen auch eine Ballet- und seltsame Traumsequenz Platz finden. Terri Hall sieht Mann ja sowieso gerne und außerdem gibt es auch noch eine Szene mit Jamie Gillis und Zebedy Colt, die man sich so vermutlich nicht erwarten würde. Alles in allem ist die abgründige Geschichte über Dominanz und Unterwerfung wieder ein interessanter Klassiker aus der goldenen Ära des Fleischfilms, der jedoch nicht an Radley Metzgers wesentlich drastischeren „The Image“ heranreicht.

Pets

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Die abenteuerlustige und junge Bonnie reißt nach einem Streit mit ihren Bruder von zuhause aus und lernt am Strand von Malibu die kriminell veranlagte Pat kennen, mit der sie gemeinsam einen Mann ausraubt, der glaubt, mit den beiden Frauen eine Nummer schieben zu können. Später trennt sie sich von Pat und landet durch Zufall bei der lesbischen Malerin Geraldine, für die sie eine Zeit lang Model steht und auch eine Affäre beginnt. Kurze Zeit darauf beginnt sich Bonny jedoch abermals zu langweilen und als sich die lebenslustige Frau mit einem Einbrecher vergnügt und dieser von der eifersüchtigen Geraldine erschossen wird, flieht sie erneut und landet direkt in dem Armen des extravaganten Kunstsammlers Victor, der im Keller seines Hauses auch eine ganz besondere Sammlung sein Eigen nennt…

„Pets“ ist ja wieder einmal einer dieser Filme aus der Grindhouse-Ära, die den vorwiegend männlichen Zuschauer wohl scheinbar mühelos in Erstaunen versetzen kann. Wer sich auch immer die Story ausgedacht hat, fackelt ja nicht lange herum und präsentiert eine turbulente Geschichte über eine sexhungrige Ausreißerin, die wahlweise an gewaltbereite und/oder lesbische Frauen und danach an einen extravaganten Sammler mit höchst fragwürdigen Frauenbild gerät. Die Entwicklungen sind dabei eigentlich mehr als bizarr und auch wenn der Streifen zu Beginn mehr Tempo vertragen hätte, kommt man danach wohl nicht mehr aus dem Staunen heraus. Psychosexuelle Abgründe am laufenden Band tun sich auf und was Herr Victor im Keller seines Hauses hat, wird wohl nicht nur bei Österreichern eher unschöne Erinnerungen hervorrufen. Zum Glück ist „Pets“ aber auch herrlich überdreht und nicht ernstgemeint, sodass man sich bei dem unterhaltsamen Kuriosum mit Ed „UFO“ Bishop und Candice Rialson auch heutzutage noch herrlich amüsieren kann.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 14. Jul 2014, 14:34
von jogiwan
Haunted

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Nach einer Intrige des Dorfpfarrers und einem Offizier wird eine junge Indianerin während des Bürgerkrieges wegen eines vermeintlichen Gold-Diebstahls zum Tode verurteilt. Diese verflucht jedoch noch rasch den gesamten Ort und droht den Anwesenden zurückzukommen um an den Verantwortlichen und deren Nachkommen Rache zu nehmen. Hundert Jahre später ist der Ort ziemlich heruntergekommen und als die angehende Schauspielerin Jennifer aufgrund einer Autopanne ein paar Tage in dem Dorf verbringen muss und von dem smarten Patrick zu sich nach Hause eingeladen wird, glaubt dessen zwielichtiger Onkel Andrew fest daran, dass es sich dabei um die wiederauferstandene Indianerin handelt und der Familie nach dem Leben trachtet…

Langweiliger Mix aus Okkult- Indianer-Horror und dysfunktionalen Familiendrama, das neben seiner Western-Atmosphäre vor allem mit einem vollkommen schludrig zusammengebastelten Drehbuch glänzt, dass dem Zuschauer eine unlogische und unmotiviert-wirkende Szene nach der anderen präsentiert. Dennoch ist das Ganze mehr als mau ausgefallen und irgendwie passiert im Verlauf der 82 Minuten so derart wenig, dass auch der finale WTF-Moment und einzige Special-Effekt nicht mehr viel rausreißen kann. Inhaltlich bewegt sich „Haunted“ auf gröberem Gurken-Niveau und irgendwie hat man ständig das Gefühl, dass man von der Story etwas verpasst hat, da irgendwie nichts zusammenpasst. Grusel gibt’s jedenfalls keinen und auch darstellerisch sollte man sich nicht zu viel erwarten. Die Dreharbeiten waren wohl ziemlich turbulent, weil Aldo Ray anscheinend ständig betrunken war und das ist eigentlich auch dem Zuschauer zu empfehlen, wenn man sich trotz schöner US-DVD von „Code Red“ diesem absolut unterdurchschnittlichen und Höhepunkts-losen Machwerk aussetzen möchte.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 15. Jul 2014, 18:29
von jogiwan
Die Jagd auf einen Unsichtbaren

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Der smarte und erfolgreiche Geschäftsmann Nick schummelt sich von Geschäftstermin zu Geschäftstermin und erfreut sich ansonsten an den schönen Dingen des Lebens. Als er eines Tages durch einen gemeinsamen Freund die hübsche wie charmante Alice kennenlernt ist er sofort Feuer und Flamme für die Blondine. Dummerweise ist er nach dem ersten Date aber so verkatert, dass er am nächsten Tag in einer Hi-Tech-Firma statt an einer Präsentation beizuwohnen, lieber ein Nickerchen an einem ruhigen Örtchen des futuristischen Gebäudes macht. Als es im Labor der Firma zu einer Explosion kommt, setzt dieses eine vollkommen unerwartete Kettenreaktion in Gang und wenig später sind nicht nur Teile des Gebäudes, sondern auch Nick komplett unsichtbar. Doch der Fakt, dass Nick für seine Umwelt unsichtbar ist, bringt den Mann nicht nur in eine ungewöhnliche Lage, sondern macht ihn auch zum Ziel eines korrupten Beamten des CIAs, der mit dem Geschäftsmann zwielichtige Pläne vorhat und alles daran setzt, Nick in seine Gewalt zu bringen…

Netter, aber auch etwas harmloser Action-Spaß für die ganze Familie, in der ein lebensfreudiger Börsenmakler durch ein nukleares Unglück auf einmal unsichtbar wird und neben skurrilen Alltagssituationen auch ins Visier einer korrupten Regierungsbehörde gelangt und plötzlich um sein Leben fürchten muss. John Carpenters Streifen mit Chevy Chase in der Hauptrolle ist auch eher etwas altbacken ausgefallen und die Angst vor den Errungenschaften der Wissenschaft, die in früheren Zeiten sicher noch in den Köpfen der Zuschauer präsent war, kann man im Jahr 1992 ja ohnehin nicht mehr so bringen. So ist „Die Jagd auf einen Unsichtbaren“ dann auch eher um die zahlreichen Spezialeffekte aus den Anfangstagen von CGI bzw. der Firma IL&M konstruiert, die auch heutzutage recht lustig anzusehen sind. Insgesamt gesehen fehlt der turbulenten Geschichte inklusive Love-Story jedoch der Biss und mir persönlich ist Carpenters Streifen dann auch etwas zu brav ausgefallen. Nette Unterhaltung für einen verregneten Nachmittag mit einem gut gelaunten Cast und ein humorvollen Momenten, aber irgendwie bleibt doch alles auch etwas hinter meinen eigentlichen Erwartungen zurück.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 16. Jul 2014, 18:39
von jogiwan
Dr. Hackenstein

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Aus der Abteilung: Filme, die die Welt nicht braucht: „Dr. Hackenstein“ ist wohl ungefähr so, als wenn Charles Band eine Mischung aus „Frankenstein“ und „Re-Animator“ neu verfilmen würde. Leider fehlt dem Werk von Regisseur Richard Clark jedoch vollkommen der Charme derartiger „Full Moon“-Produktionen und irgendwie konnte mich die lahme und wohl von Troma mitproduzierte Komödie über einen verrückten Wissenschaftler, der drei unbedarfte Mädels als Ausgangsmaterial für seine unmenschlichen Reanimierungs-Versuche hernehmen möchte, so gar nicht begeistern. Die Settings passen nicht zur Jahrhundertwende angesiedelten und mauen Geschichte, die Darsteller sind allesamt nicht der Rede wert und auch die gorigen Momente gegen Ende reißen im Falle von „Dr. Hackenstein“ auch nichts mehr raus. Irgendwie fällt es mir auch aufgrund der Nähe zu Stuart Gordons wegweisenden "Re-Animator" schwer etwas Positives an dem Streifen zu finden und vor allem die als humorvoll gedachten Momente und überzeichneten Figuren des Streifens entpuppen sich zunehmend als nervig und auch die Kirmes-Musik zunehmend als Geduldsprobe für den Zuschauer. Die Zeit kann man sich als Genre-Fan mit den Vorbildern sicherlich besser vertreiben.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 17. Jul 2014, 20:18
von jogiwan
Contamination .7 a.k.a. The Crawlers

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Ach, so schlecht wie sein Ruf ist dieser Öko-Horror in italienisch-amerikanischer Co-Produktion ja gar nicht. Wie unser Salvschi schon angemerkt hat, ist die ganze Sause komplett auf amerikanisch getrimmt und neben der Titeleinblendung "Filmirage", den „Kostümen“ von Laura Gemser und Gabriele Tinti in seiner letzten Rolle weist auch recht wenig auf die italienische Beteiligung hin. Die Geschichte über Waldwurzeln, die durch die unsachgemäße Entsorgung von Fässern mit radioaktiven Inhalt mutieren und sich hinter Menschenfleisch hermachen ist ja irgendwie ganz lustig, bietet etwas Schmodder und im Finale auch jede Menge Szenen, die sicher nicht einer unfreiwilligen Komik entbehren, selbst wenn "Contamination .7" dabei wesentlich ernsthafter wie "Troll 2" daherkommt. Irgendwie konnte man sich in der spärlichen Geschichte auch nicht auf eine Hauptfigur einigen, sodass fast allen Mitwirkenden ein-, zwei- oder mehrere große Momente eingeräumt wurden, ihr nicht immer großzügig vorhandenes Talent vor der Kamera unter Beweis zu stellen und Platz für eine zarte Liebesgeschichte, Naturaufnahmen und den heldenhaften Einsatz der Dorfmatratze bleibt auch noch. Ansonsten ist "Crawlers" ja etwas unspektakulär, aber recht routiniert abgedreht und auf dem Bildschirm auch immer was los, sodass man sich diesen Frühneunziger-Horrorstreifen aus der B-Ecke durchaus anschauen kann, wenn man weiß, auf was man sich einlässt. Nur Trolle hab ich leider keine gesehen.

PS: Scream Factory präsentiert "Contamination .7" (auf den Punkt bitte nicht vergessen!) als Teil ihres "All Night Horror Marathons Vol. 2" zusammen mit "Cellar Dwellar", "Catacombs" und "The Dungeon Master" auf zwei DVDs, in guter Qualität und mittlerweile unter 10 Dollar!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 18. Jul 2014, 20:07
von jogiwan
Catacombs

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Im 16. Jahrhundert wird ein Dämon im Keller eines italienischen Mönch-Ordens gefangengenommen und da sämtliche Exorzismus-Versuche scheitern, hinter einer dicken Schicht Ziegelsteine in einem versiegelten Raum zurückgelassen. Vierhundert Jahre später gibt es darüber nur noch Legenden und kaum jemand glaubt noch an die Existenz eines furchterregenden Dämons in den Katakomben des heiligen Ortes. Als eines Tages die amerikanische Lehrerin Elizabeth auf Einladung des Ordensvaters in dem abgelegenen Ort ankommt, setzt nicht nur ihre Ankunft die Mönche in helle Aufregung – es mehren sich auch die dunklen Vorzeichen, dass das Böse im Keller erwacht ist und nun mit übernatürlicher Macht nach den Leben der Mönche trachtet…

David Schmoellers „lost film“ aus dem Jahre 1988, der aufgrund der Pleite der damaligen Produktionsfirma nie ein richtiger Kinostart vergönnt war und auch danach aufgrund finanzieller Streitigkeiten eher untergegangen ist. Schade eigentlich, da es sich bei „Catacombs“ um einen sehr soliden Okkult-Horrorstreifen aus der B-Ecke der Achtziger handelt, in dem ein Dämon sich mit allerlei böser Tricks an Mönchen rächt. David Schmöller drehte dabei nicht nur in den Dino de Laurentis-Studios in Rom, sondern auch in Terni, einem italienischen Ort, der Genre-Freunde sicherlich bekannt vorkommen wird und auch ganz wunderbar zu der ganzen Dämonensause passt. Die klerikal-angehauchte Geschichte selbst ist ebenfalls gelungen, atmosphärisch und spannend und in einer besonders eindrucksvollen Szene, darf sogar Herr Jesus persönlich vom Kreuz steigen. Alles hübsch und kurzweilig gemacht und auch bei den Darstellern gibt es das ein- oder andere, bekannte Gesicht zu sehen und machen „Catacombs“ so auch zu einer kleinen, aber umso feineren Entdeckung.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 19. Jul 2014, 20:22
von jogiwan
Cellar Dweller

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In den Fünfzigerjahren erschafft der erfolgreiche Comic-Zeichner Childress mit der Figur des „Cellar Dweller“ eine Werwolf-Figur für seine gleichnamigen Comics, die dank einer okkulten Formel in einem uralten Buch zum Leben erweckt wird und grauenvolle Verbrechen vollführt, die erst enden, als der Zeichner bei einem mysteriösen Feuer ums Leben kommt. Jahrzehnte später ist in dem abgelegenen Gebäude eine kleine Kunstschule untergebracht, die von Mrs. Briggs geleitet wird und in der eine Handvoll Schüler ihren ganz unterschiedlichen Künsten nachgehen. Über die Ankunft der jungen Cartoonistin ist Mrs. Briggs jedoch weniger erfreut und als sich diese wenig später im Keller ihres Idols Childress frisch und munter ans Werk macht um die Idee des „Cellar Dweller“ weiter zu entwickeln, kehrt mit den neu erschaffenen Cartoons auch der Werwolf zurück und ist blutdurstiger denn je.

Leider ziemlich lahme Horrorsause über eine Art Werwolf, der mittels kreativer und okkulter Energie zum Leben erweckt wird und munter sein Unwesen in einer etwas seltsamen Kunstschule treibt. Obwohl "Cellar Dweller" mit der Hommage an Horror-Comics durchaus eine sympathische Grundidee aufzuweisen hat und auch Jeffrey Combs kurz vorbei schaut, kommt die ganze Geschichte nie so richtig in Fahrt und verzettelt sich bei seinen wenigen Charakteren auch noch in zahlreichen Nebensächlichkeiten, die „Cellar Dweller“ eher an eine schlechte Soap, als einen Horrorstreifen erinnern lassen. Dafür sind die Monster-Effekte sehr, sehr gelungen und ungekürzt darf das Wesen, das irgendwie auch als Einziges so etwas wie schauspielerisches Talent vorzuweisen und die Sympathien auf seiner Seite hat, nach Herzenslust schreddern. Insgesamt gesehen aber schon eher doof und ein Fall für die Trash-Collection, wo der Streifen sicherlich eher ein gutes Bild abgeben würde. Wenn schon Werwolf, dann halt auch lieber mit dem Naschy.

The Dungeonmaster/Ragewar

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Computer-Experte Paul ist ein richtiger Nerd und mit der hübschen Gwen zusammen, die es gar nicht gerne sieht, dass ihr Freund die meiste Zeit mit Computern und dem Erschaffen von künstlicher Intelligenz verbringt. Als sich die Beiden verloben, werden sie in derselben Nacht jedoch von dem mysteriösen Mestema entführt, der sich als niemand geringerer als Satan herausstellt und die beiden Turteltäubchen in einer Art Parallel-Universum auf die Probe stellt. In sieben Prüfungen muss Paul nicht nur beweisen, dass er seine Freundin liebt, sondern auch, dass er Mestema ebenbürtig ist. Doch Paul ist schlau und mit Hilfe seiner Intelligenz und seinem Computer schlägt er sich wacker im Kampf gegen eingefrorene Monster, zwielichtige Kobolde und selbst Untote können den tapferen Mann nicht aufhalten um seine Freundin aus den Klauen des Bösen zu retten…

Entweder ist „Dungeonmaster“ der totale Nonsens oder einfach nur der geilste Film der Welt. Ich tendiere ja eher zu Zweiteren und was uns Charles Band und sechs (!) seiner Kollegen und Kolleginnen vorsetzen ist ja ein knallbuntes Fantasy-Adventure allererste Güte, dass auch keine Gefangenen macht. Der Teufel, der sich aus Langweile einen Nerd schnappt um sich an den Anfangstagen von Computer & Co mit einem IT-Experten und dieser neuartigen Technik zu messen ist als Story-Vehikel ja schon haarsträubend genug, aber lediglich der fast schon banal erscheinende Aufhänger eines schier unbeschreiblichen Episoden-Spektakels in dem von Jenseits bis Endzeit, von Zombies bis Kobolden und CGI aus den Anfangstagen und Stop-Motion-Effekte einfach alles Platz hat und irgendwie ist „Dungeonmaster“ auch eine gigantische und dennoch harmlose Wundertüte für den aufgeschlossenen Genre-Freund, bei dem sogar die Gruppe W.A.S.P. vorbeischaut und eine Nummer zum Besten gibt. Alles herrlich naiv, kurzweilig, herrlich daneben und mit Achtziger-Look vermengt, sodass große und kleine Kinder wohl trotzdem nicht genug bekommen. Party-Granate!