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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 25. Jun 2014, 19:27
von jogiwan
Hairspray

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jogiwan hat geschrieben:Beschwingter Mix aus Komödie, Drama und Musikfilm, wobei hier die Swingin Sixties auch ausgiebig zelebriert werden. Zwischen den unzähligen Tanznummern und der vielen Musik gibt es auch noch eine Geschichte über ein dickes Mädchen im Kampf gegen Rassismus und sonstige Vorurteile im Baltimore der Sechziger-Jahre. Alles hübsch und nicht immer geschmackvoll in Szene gesetzt, macht der Streifen aber auch dank der bekannten Gesichter durchaus Spass, auch wenn er nicht mehr mit dem subversiven Frühwerken von Waters vergleichbar ist. Unser Freudstein hätte sicher eine Freude am Soundtrack und auch ich war bei der Sichtung durchaus angetan... aber wo hab ich bloss schon wieder meinen Toupier-Kamm?
Auch die Zweitsichtung hat daran nicht viel verändert. Netter Film über ein aufgedrehtes Mädel im Kampf gegen Vorurteile mit viel 60ies-Charme, bekannten Gesichtern und noch mehr Musik.

Rashomon

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Akira Kurosawas Klassiker über ein Verbrechen und unterschiedliche und subjektive Sichtweisen darüber ist natürlich ein Klassiker, über den man auch nicht mehr viele Worte verlieren muss. Überraschend an dem Werk, dass der Menschheit ein eher schlechtes Zeugnis ausstellt ist neben seiner ungewöhnlichen und in unterschiedlichen Rückblenden erzählte Geschichte die auffallend dynamische Kameraführung bei den Szenen im Wald, die immer nah am Geschehen ist und mit den Protagonisten förmlich durch den Wald hetzt. Zwar bezieht sich der 1950 gedrehte Streifen schon auch sehr auf japanische Verhältnisse und überlässt letztlich auch dem Zuschauer die Frage nach der eigentlichen Wahrheit und dennoch macht das dem Sehvergnügen keinen Abbruch. Klassiker!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 26. Jun 2014, 07:54
von jogiwan
Ikarie XB-1

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"Ikarie XB-1" ist nichts anderes als sensationelles und absolut liebenswertes SF-Kino aus der Tschechoslowakei mit existenziellen Ton und einer fesselnden Geschichte aus den unendlichen Weiten des Weltalls. Der Streifen von Jindrich Polák ist ganz klar als Vorläufer zu "Solaris" und Kubriks "2001" zu sehen und sogar ein bissl "Event Horizon" vermag man in dem schick ausgestatteten Drama vernehmen. Die Geschichte wirkt zwar manchmal etwas holprig erzählt, zu moralisch und arg nach vorwärts getrieben, aber die Musik fiept, die Darsteller geben sich redlich mühe und die Ausstattung, meine Herren... die Ausstattung!!! Ich gebe so etwas gerne alle Punkte dieser Welt und irgendwie wünsche ich mir sofort den experimentellen Soundtrack auf Vinyl, aber auch ansonsten ist "Ikarie XB-1" die Art von Film, die mich zu absoluten Begeisterungsstürmen hinreisen kann. Ganz im Gegensatz zur furchtbaren DVD von Ostalgia mit den ganzen Tonfehlern und dem Fehlen von deutschen Untertiteln zur tschechischen Originalfassung, die aber in diesem Falle die Sichtung trotzdem nicht verleiden können. Super!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 27. Jun 2014, 09:41
von jogiwan
Penance

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die ersten drei Folgen der fünfteiligen Miniserie... :?

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 28. Jun 2014, 19:12
von jogiwan
A Saint... A Woman... A Devil!

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Die junge Sylvia ist eine gläubige Christin, die aus ihrem konservativen Wertebild auch keinen Hehl macht. Als ihre Cousine Toby bei einem Besuch jedoch Zeugin wird, wie Sylvia gerade einen Staubsauger-Vertreter und wenig später auch ihre Freundin Sheila vernascht, ahnt diese, das mit der jungen Frau etwas nicht stimmen kann, die sich danach auch gar nicht an ihre Eskapaden erinnern kann. Obwohl Toby davon ausgeht, dass Sylvia von einem Dämonen besessen ist und Rat in der Kirche sucht, wird sie an einen Psychologen weiterverwiesen, der seinerseits vermutet, dass traumatische Ereignisse aus der Kindheit bei der jungen Frau zu einer ausgeprägten Schizophrenie geführt haben. Mittels Hypnose dringt er tief in das sexuelle Bewusstsein von Sylvia ein um die junge Frau von ihren Leiden zu befreien und erweckt dabei auch den Zorn einer ihrer Persönlichkeiten, die dummerweise beste Kontakte in die Drogenszene hat…

Holla! Was für ein Film. Regisseur und Drehbuchautor Peter Savage („Raging Bull“), der hier auch gleich die Rolle des Psychologen übernommen hat, schreckt ja vor wenig zurück und präsentiert dem aufgeschlossenen Zuschauer ein ziemlich wildes Psychogramm einer jungen Frau, die über mehrere Persönlichkeiten mit jeweils unterschiedlichen sexuellen Vorlieben verfügt und vermischt Adult-Film mit Psychodrama und sehr schrägen Szenen, in denen Joanna Bell wie von Sinnen agieren darf. Überraschend ist dabei, dass „Sylvia“ dabei eher wie ein handelsüblicher Spielfilm daherkommt und der etwas sorglose Umgang mit schwierigen Themen. William „Maniac“ Lustig durfte als Produktions-Manager und Regie-Assistent hier wohl seine ersten Erfahrungen sammeln, bevor er unter seinem Alias Billy Bagg selbst zwei HC-Werke inszenierte, die demnächst veröffentlicht werden. „A Saint… A Woman… A Devil“ ist Erwachsenenunterhaltung der obskuren Sorte und eine bunte Mischung von humorvoll bis herb, die den Zuschauer wie seine Protagonisten auf eine sehr wilde Reise schickt.

Widow Blue

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Der zwielichtige Jerry betrügt seine Frau mit der hübschen Eva, die beschließt ihren Gatten zu ermorden. Dazu beauftragt sie ihren Bruder, sich mit ihren Mann in eine homosexuelle Affäre zu stürzen und gemeinsam mit Jerry ermorden die drei den arglosen Ehemann während eines Aktes, in dem sie diesen mit einem Beil enthaupten. Doch das ist erst der fast schon harmlos anmutende Anfang einer Reihe von abartigen Dingen, die im Lauf des Abends noch so folgen werden...

Was ist wohl das wildeste Exploitation-Werk, das mir jemals vor die Linse gekommen ist? Bis gestern hätte ich die Frage wohl nicht so einfach beantworten können, jetzt ist es klar: "Widow Blue!". Was Walt Davis dem Zuschauer hier präsentiert ist ein Sammelsurium aus beispiellosen Abartigkeiten, das auch vor herben Schmodderszenen eines Herschell Gordon Lewis nicht zurückschreckt und auch ansonsten nichts auslässt, dass den Zuschauer im Jahre 1970 vor den Kopf stoßen konnte: Homo-Sex, Beil-Mord, Inzest und noch ganz andere Abscheulichkeiten, die ich an dieser Stelle gar nicht nennen möchte, machen den radikal-rücksichtslosen "Widow Blue" zu einem ganz sonderbaren und unvergleichlichen "Vergnügen" für hartgesottene Zuschauer, die den "Roughie" aber schon auch mit Humor nehmen sollten. Unpackbar, was hier dem sensationswütigen Publikum vorgesetzt wird und obwohl Walt Davis seinen Streifen mit denkbar einfachsten Mitteln realisierte, so verfehlt das fast schon abartig erscheinende und ungemein unterhaltsame Werk seine Wirkung sicher nicht. Das sind die Filme, für die Filmemacher früher wohl ins Gefängnis gesteckt wurden...und die Zuschauer gleich dazu! ;)

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 29. Jun 2014, 11:22
von jogiwan
Penance

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Die junge Emili wird eines Tages von einem Unbekannten in ihrer Grundschule ermordet. Obwohl ihre vier Freudinnen, mit denen sie zuvor noch gespielt hat, den Mörder gesehen haben, können sich diese nach dem Schock nicht mehr an das Gesicht erinnern und der Fall bleibt wie die Motive des Mörders vollkommen mysteriös. Als Asako die Mutter von Emilie wenige Monate danach zu sich nach Hause einlädt, konfrontiert sie die Mädchen offen mit ihren Hass und ermahnt die Mädchen eindringlich alles zu unternehmen, damit der Mörder gefunden werden kann, da sie ansonsten den Schülerinnen niemals vergeben könnte. Fünfzehn Jahre später ist der Fall noch immer ungelöst und die vier Mädchen zu Frauen herangewachsen, die aufgrund des traumatischen Erlebnisses jede auf unterschiedliche Weise mit ihrem Schicksal hadert und auch Asako kehrt zurück um ein vor fünfzehn Jahren gemachte Versprechen einzufordern…

Fünfteilige TV-Serie nach einer Vorlage von Kanae Minato, die ja auch schon die Geschichte zu "Confessions" geschrieben hat und die von Kiyoshi Kurosawa zu einer recht originellen Serie mit 270 Minuten Laufzeit verarbeitet wird, zu dessen Beginn jedes Mal das grauenvolle Verbrechen an Asakos Kind steht. Danach fokussiert sich jede einzelne der ersten vier Episoden auf die psychologischen Auswirkungen des Verbrechens auf die vier Tatzeuginnen, die jede für sich unterschiedlich mit dem Erlebten umgeht, ehe sich die letzte Folge dann auf die Mutter konzentriert, die von Kyoko Koizumi auch wunderbar dargestellt wird. Natürlich ist das Ergebnis auch erwartungsgemäß großartig und ihm typischen Kurosawa-Stil, auch wenn man sich hier keine Horror-Elemente oder Geistererscheinungen erwarten sollte. Vielmehr ist "Penance" düsteres Drama mit gesellschaftspolitischer Komponente, das der japanischen Bevölkerung auch ein eher schlechtes Zeugnis ausstellt. Die Episoden sind dabei inhaltlich bewusst sehr unterschiedlich ausgefallen und reichen von kurios bis bedrückend und finden in Kurosawas nüchterner Bildsprache auch den perfekten Rahmen.

Cecil B. DeMented

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jogiwan hat geschrieben:Echte Menschen - echter Terror!

Haha, John Waters Film über den selbsternannten Retter des Indie-Films im Kampf gegen MPAA-Ratings, Film-Gewerkschaften, Happy-Ends und Kommerzialisierung der Kinokultur muss man als einfach gern haben. Waters lässt seine Stars mit augenzwinkernder Freude gegen ein System agieren, dass sie selbst bedienen und schafft so einen herrlich ironischen Blick auf die Probleme, auf die man als ambitionierter und junger Filmemacher so treffen kann. Auch wenn der Film sicherlich nicht gänzlich gelungen ist und manch trashiger Aspekt auch zu erzwungen wird, so möchte ich solchen Filmen am liebsten alle Punkte dieser Welt geben. John, ich liebe dich!
John Waters herrlich subversives Statement zum herrkömmlichen Studiobetrieb, in dem er eine Handvoll Filmterroristen auf den Mainstream loslässt, die dann zum Glück auch keine Gefangenen machen. Egal ob es sich um fette Produzenten, unnötige Remakes, entbehrliche "Directors Cuts" oder Zensur handelt - im Falle von "Cecil B. Demented" bekommen alle ihr Fett ab und auch ansonsten strotzt der Film vor witzigen Seitenhieben in alle Richtungen. "Demented forever" :nick:

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 2. Jul 2014, 07:42
von jogiwan
Pecker

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In John Waters Filmen geht es ja immer um Außenseiter oder Leutchen, die einen vermeintlich "etwas anderen" Lebensstil praktizieren und auch "Pecker" ist im Grunde nichts anderes als eine Liebeserklärung an diverse schräge, aber ungemein sympathische Vögel aus Baltimore, die in fotografierter Form auf einmal zur Kunstform erhoben werden. Dieses hat auch für den Fotografen Pecker und dessen Familie ganz unerwartete Folgen und ehe man sich versieht avanciert der junge Mann zum Liebkind der Kunstszene und wird direkt in den künstlerischen Olymp durchgereicht. John Waters Streifen ist dabei auch etwas märchenhaft und doch blitzt auch immer wieder sein subversiver und anarchistischer Humor auf und am Ende wird ja kurzerhand der Spieß umgedreht und der ach so kultivierte Kunstbetrieb auf liebenswerte Weise entzaubert. Trotz etwas drögem und fast schon ungewohnt harmlosen Start und nicht immer ganz gelungener Figurenzeichnung ist daher auch "Pecker" eine sehr lohnende Sache und jedes Mal, wenn man glaubt die Geschichte vorauszuahnen, geht die Sause in eine andere Richtung und Herr Waters lachst sich wieder einmal in sein Fäustchen. Sehr spaßig und noch dazu mit netter Botschaft!

Shock Treatment

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Nach den bizarren Erlebnissen mit Dr. Frank-n-Furter in ihrer Hochzeitnachte kehren Brad und Janet in ihre Heimatstadt Denton zurück, wo der erfolgreiche Industrielle Farley Flavors eine TV-Station mit manipulativen Sendungen betreibt. Als das nicht gänzlich glücklich verheiratete Paar eine Sendung besucht, wird Brad kurzerhand eine Geisteskrankheit unterstellt und vor den Augen des sensationswütigen und johlenden Publikums in die Psychiatrie gesteckt, während Janet zum glamourösen Star der Senders aufsteigt. Doch Farleys Pläne sind weitreichender als ursprünglich gedacht und gemeinsam mit seinem Team und Janet als Aushängeschild seines Senders plant er schon bald den ultimativen Anschlag auf die Zurechnungsfähigkeit seines dankbaren Publikums...

Der hierzulande eher unbekannte Nachfolger der „Rocky Horror Picture Show“ ist zwar kein herkömmliches Sequel, sondern eher ein nicht minder turbulentes Musical über die Abgründe der TV-Landschaft und der Medizin, in dem neuerlich Brad und Janet, sowie weitere bekannte Gesichter in anderen Rollen auftauchen. „Shock Treatment“ ist dann eigentlich noch eine Ecke skurriler und hat als grelle Satire auf den TV-Betrieb einen herrlich schrägen, artifiziellen und überzeichneten Look. Die Geschichte selbst rückt eher in den Hintergrund und macht Platz für schmissige Songs über Küchengeräte und mentale Störungen, ehe am Ende alles völlig aus dem Ruder läuft und der kollektive Wahnsinn um sich greift. „Shock Treatment“ ist dann auch ungefähr das, was man sich erwartet, auch wenn man sich nicht den sexuellen Unterton der „Rocky Horror Picture Show“ erwarten sollte. Ein herrlich absurder Spaß und Angriff auf amerikanische Befindlichkeiten, das wohl seiner Zeit voraus war und als Geschmacksspalter mit viel Musik entweder begeistert oder verstört. Aber wo hab ich nur wieder meine Pillen?

A Dirty Shame

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John Waters bislang letzter Film aus dem Jahre 2004 ist neben einem Frontalangriff auf die amerikanische Freigabe-Behörde auch so etwas wie eine Rückkehr zum grellen Underground-Film, dass auf moralische Befindlichkeiten des Zuschauers wenig Rücksicht nimmt. Was sich in der Inhaltsangabe nach dem sexuellen Erwachen einer mittelständischen Frau anhört, ist ja eher ein brodelnder Vulkan der Perversitäten, vor dem im Verlauf des Filmes auch niemand sicher ist, wenn die Spießbürger Baltimores sich auf einmal sämtlichen Lüsten hingeben und dabei auch keine sexuelle Spielart auslassen. John Waters präsentiert auch die ganze Bandbreite menschlicher Gelüste und lässt diese geballt gegen altbackene Moralvorstellungen und konservative Leutchen antreten, wobei man sich natürlich vorstellen kann, auf welche Seite sich der sympathische Regisseur schlägt. Leider geht dem temporeichen Streifen am Ende etwas die Puste aus und auch auf den Einsatz von nicht ganz so gelungenen CGI hätte man vielleicht besser verzichten können, aber ansonsten ist Waters eigentlich wieder ganz der Alte und zeigt den konservativen Moralaposteln nicht nur den Stinkefinger, sondern auch sprichwörtlich hübsch den Arsch.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 3. Jul 2014, 19:53
von jogiwan
Her Private Hell

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Die junge Italienerin Marisa fliegt im Auftrag einer Agentur nach London um dort Fotos für ein Modemagazin zu schießen und als Model groß durchzustarten. Doch schon kurz nach der Ankunft und dem ersten Treffen mit dem Fotografen Bernie verliebt sich die junge Frau in den charmanten Fotograf und lässt sich später aus Einsamkeit auch auf einen Flirt mit dessen Assistenten Matt ein, der in einem launigen Moment auch ein paar freizügige Fotos von Marisa schießt, von denen nicht nur die junge Frau, sondern auch die Agentur ganz begeistert ist. Als eines dieser Fotos in einem zwielichtigen Magazin auftaucht und die Reputation des Models bedroht, verdächtigt Marisa zuerst Matt, dass dieser seine Negative gewinnbringend verkauft hat, ehe sie schon bald auch Bernie und die Agentur verdächtigt, mit ihr ein gänzlich falsches Spiel zu treiben...

Harmloses, aber irgendwie auch recht nettes Filmchen mit moralischen Zeigefinger, Zeitkolorit und Sixties-Flair, das die Geschichte eines jungen Fotomodells erzählt, dass im fernen London in die Fänge einer skrupellosen Agentur und zwielichtigen Fotografen gerät. „Her Privat Hell“ ist dabei aufgrund des Entstehungsjahres und der Beschränkungen der englischen Zensurbehörde jedoch weit weniger freizügig als der Inhalt vielleicht vermuten lässt und überzeugt neben seinen Darstellern eher durch seine etwas naive Herangehensweise, viel Musik und stets präsenten Popart-Charme. Man sieht dem schön gemachten Streifen jedoch schon an, dass recht wenig Geld zur Verfügung stand und an die späteren Horrorproduktionen von Norman J. Warren erinnert hier ebenfalls noch recht wenig. Dennoch ist „Her Privat Hell“ schon eine lohnende Sache, wenn man sich für diese Art von Filmen interessiert, die zu dieser Zeit auf eindringliche, wie holprige Weise junge Mädchen vor den zahlreichen Abgründen der Mode-Glitzerwelt, einer eigenen Karriere und bösen Männern warnten...

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 4. Jul 2014, 07:53
von jogiwan
Hot Guys in Guns

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Danny ist ein angehender Schauspieler in Los Angeles, der für eine Rolle den Kurs von Privatdetektiv Jimmy besucht, der seinen Schülern beibringt, eine gute Spürnase zu sein. Als sein Ex-Freund Pip wie auch andere Besucher während einer schwulen Sex-Party auf mysteriöse Weise ausgeraubt werden, beschließen Pip und Danny der Sache auf den Grund zu gehen und entdecken, dass es in der Vergangenheit in den gehobenen Kreise der Gay-Szene in Los Angeles eine ganze Reihe dieser Vorfälle gab, die jedoch von den Betroffenen nicht der Polizei gemeldet wurde. Durch einen Tipp von Jimmy kommen die Beiden auf die Spur eines Hehlers, der jedoch wenig später ermordet wird und auch Pip und Danny stehen schon bald auf der Liste des Räubers ganz oben. Dennoch lassen sich die Amateur-Spürnasen nicht beirren und wenig später deutet ein weiterer Hinweis auf ein ungelöstes Verbrechen und führt die Beiden geradewegs in den Bekanntenkreis von Pip.

Ein Satz mit X: „Hot Guys with Guns“ hat nicht nur einen blöden Titel, sondern ist entgegen dem durchaus witzigen Trailer eine lahme, langweilige und oberflächliche Angelegenheit, die Komödie, Krimi und Buddy-Movie in der Schwulenszene von Los Angeles zusammenbringen möchte und in allen Punkten gnadenlos scheitert. Doug Spermans Klischee-überladener Streifen ist ja weder witzig, noch spannend und erinnert an überzeichnete Gay-Seifenopern aus den Nuller-Jahren, die heutzutage auch keiner mehr sehen möchte. Außerdem gilt Los Angeles ja sowieso als weltweites Zentrum der Oberflächlichkeit, was in dem Streifen auch auf denkbar unsympathische Weise bestätigt wird und die Chemie unter den Darstellern scheint nicht unbedingt gestimmt zu haben. Alles in allem eine entbehrliche Angelegenheit mit holpriger Geschichte, die wie die Gags so gar nicht zündet und deren überschwängliche Lobeshymnen auf der IMDB und Amazon wohl wieder einmal aus dem Umfeld der Macher stammt. Nein danke!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 5. Jul 2014, 18:03
von jogiwan
Naked came the Stranger

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Moderatorin Gilly interviewt gemeinsam mit ihren Gatten Billy zweimal am Tag interessante Zeitgenossen in ihrem geräumigen Haus im New Yorker Stadteil Long Island für eine erfolgreiche Radio-Show und muss täglich aufs neue mitansehen, wie sich ihr Mann mit fadenscheinigen Gründen davonschleicht um sich mit ihrer Assistentin Phyllis zu vergnügen. Um es ihren chronisch untreuen Mann heimzuzahlen stürzt sich Billy schon bald selbst in heiße Affären mit ihren aufgeschlossenen Freundeskreis und plant letztlich auch einen großen Coup um ihren Gatten wieder zurück ins heimische Bett zu bringen...

Radley Metzgers zweiter Spielfilm unter seinem Pseudonym Henry Paris, basierend auf dem gleichnamigen Beststeller von Penelope Ashe ist ein humorvoll beschwingtes Werk, in dem der Regisseur seinen Cast in einem wunderbaren New York der Siebziger-Jahre agieren lässt. Egal ob im Doppeldeckerbus auf der Fifth Avenue (!), auf der Kostümparty, im Central Park oder im "Ballroom" eines gediegenen Hotel in Brooklyn - im Falle von "Naked came the Stranger" geht es immer hoch her, auch wenn der Streifen mit seinem augenscheinlich auch sehr hohen Budget noch mehr in Richtung Spielfilm geht, in den sich Hardcore-Elemente geschlichen haben. Die Geschichte über den umtriebigen Moderator und seine nicht minder experimentierfreudige Gattin, die ihn wieder zurückhaben möchte und dabei selbst nichts auslässt, ist teils recht turbulent inszeniert und zwischendurch kann aufgrund der zahlreichen Talkshow-Gäste man schon auch mal kurz den Faden verlieren. Dennoch präsentiert Radley Metzger seine Darsteller und auch die Stadt New York stets von der schönsten Seite und der Streifen kann auch vollkommen zu recht zu den Höhepunkten des Genres gezählt werden.

Evil Come Evil Go

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Schwester Sarah ist eine selbsternannte Hüterin der Moral, die leider ordentlich einen an der Waffel hat und mordend durch die Staaten zieht um ihre zweifelhafte Botschaft von Liebe und Gott zu verbreiten, in dem sie ihre männliche Opfer während des Aktes grausam aus dem Leben scheiden lässt. Als sie eines Tages in Hollywood ankommt und am Sunset Boulevard mit einer Ziehharmonika enthusiastisch ihre Lehren verkündet, lernt sie durch Zufall die reiche Penelope kennen, die dem Charme der selbstbewussten Frau erliegt. Sarah nimmt die eigentlich lesbische und unsichere unter ihre Fittiche und unterweist sie in ihren Ansichten Anstand und Moral in dem sie mit Penelopes sündigen Umfeld aufräumt und schon bald ziehen die beiden Frauen gemeinsam los um die Welt weiter von der Sünde zu befreien...

Nach dem vollkommen geschmacksbefreiten „Widow Blue“ habe ich hier ja schon aufgrund der Inhaltsangabe ein ähnlich schräges Werk erwartet, was sich jedoch leider nicht bewahrheitet hat. „Evil Come Evil Go“ ist ja ein vergleichsweise eher harmloses Exploitation-Werk mit etwas nackter Haut und einer durchgeknallten Wanderpredigerin, die ihre kruden Anti-Sex-Ansichten mit ihrem Springmesser untermauert. Die gorigen Szenen erinnern abermals etwas an Herschell Gordon Lewis, während die sleazigen Momente eher diskontiger Natur sind. Irgendwie ist mir die überdrehte und nicht sonderlich attraktive Hauptdarstellerin zunehmend auch etwas auf die Nerven gegangen und dem Roadtrip der etwas anderen Art hätten ein höherer Bodycount, mehr Story und weniger Gekreische auch nicht geschadet. Insgesamt gesehen ein obskurer Vertreter des amerikanischen Low-Budget-Horrors der sich nicht mit Ruhm bekleckert und auch etwas Wohlwollen vom Zuschauer voraus setzt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 6. Jul 2014, 16:06
von jogiwan
The Killing Hour

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Obwohl in New York drei auf grausame Weise ermordete Menschen in Handschellen gefunden werden, tappt die Polizei bei ihren Ermittlungen völlig im Dunkeln, da sich bei den drei unterschiedlichen Opfern absolut kein Zusammenhang auszumachen scheint. Die fieberhafte Suche nach dem Killer bleibt erfolglos und die Polizei wird durch die investigative Frühstücks-TV-Sendung des aufstrebenden Reporters Mac zusätzlich unter Druck gesetzt. Als sich überraschend die junge Kunststudentin Virna meldet, die mit ihren übersinnlichen Wahrnehmungen die Morde gesehen hat und davon Zeichnungen mit überraschender Detailtreue anfertigt, wird diese von Mac umgarnt um in seiner Sendung aufzutreten. Obwohl Larry schwere Bedenken hat, willigt Virna ein und gerät nach einer weiteren Version im Fernsehstudio auch prompt ebenfalls ins Visier des Killers...

Hübsche Mischung aus Slasher und Drama mit einer großen Prise übernatürlichen Charme über brutale Morde eines Handschellen-Mörders, die die Straßen von New York erschüttern. Der Streifen lässt sich dabei viel Zeit für seine drei Hauptcharaktere und präsentiert die durchaus spannende Geschichte aus mehreren Sichtweisen, die sich am Ende naturgemäß zusammenfügen. "The Killing Hour" ist dabei aber Genre-untypisch eher zurückhaltend inszeniert, die Morde werden nicht breit ausgewalzt und manchmal erinnert Mastroiannis Streifen vielleicht auch etwas an eine TV-Produktion. "The Killing Hour" ist auch sicherlich kein Reißer, sondern ein durchaus interessanter Streifen mit vielen Slasher-Anleihen, der neben "erwachsenen" Figuren, die sich auch entsprechend verhalten, dank überraschenden Wendungen, spannender Geschichte und funktionaler Erzählweise gut zu gefallen weiß. Alles in allem eine lohnende Angelegenheit, die von "Blue Underground" auch in solider Qualität und dem „Director‘s Cut“ präsentiert wird, deren Scheibe zum Glück auch auf die reißerische Cover-Gestaltung der deutschen VHS (Stichwort: "Handschellen-Schlächter") verzichtet.

Fantasmi - Italian Ghost Stories

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"17 novembre" Regie: Tommaso Agnese

Der Sohn eines kürzlich verstorbenen Schriftstellers kehrt mit zwei Freunden in das Haus des verhassten Vaters zurück und entdeckt beim Ausräumen des Hauses ein kleines Tagebuch, in dem ein Verbrechen geschildert wird. Doch ist dieses lediglich der Fantasie des Autors entsprungen oder tatsächlich passiert und die Antwort auf diese Frage lässt den Sohnemann schon in der darauffolgenden Nacht erschaudern.

"Offline" Regie: Andrea Gagliardi

Ein junger Mann wird eines Tages per Chat von seinem Freund kontaktiert, was soweit nicht ungewöhnlich erscheint. Doch schon wenige Minuten darauf erfährt er von seiner Freundin, dass besagter Freund einen Tag zuvor Selbstmord begangen hat und obwohl dieses auch von dessen Schwester bestätigt wird, erhält er wenig später eine weitere Nachricht...

"La medium" Regie: Roberto Palma

Nach dem Tod ihres Mannes gibt sich eine Frau als Medium aus, um nichtsahnende Leute abzuzocken um sich so ihren Lebensinhalt zu verdienen. Als die Tochter der Frau nichts mehr mit den Machenschaften ihrer Mutter zu tun haben möchte, kommt es zum Streit der Beiden und als die Tochter wenig später in die Wohnung zurückkehrt, erlebt sie eine besondere Überraschung.

"Fiaba di un mostro" Regie: Stefano Prolli

Ein stummes Kind mit traurigem Blick, das in einem kleinen Dorf lebt, wird von den anderen Kindern des Ortes gemobbt und als Monster bezeichnet. Nur ein anderes Mädchen hält zu dem Jungen und freundet sich mit dem Außenseiter an - mit fatalen Folgen...

"Urla in collina" Regie: Omar Protani und Marco Farina

Drei junge Frauen sind auf den Weg zu einem abgelegenen Motel, als die Fahrerin des Wagens in einem Moment der Unachtsamkeit etwas Unbekanntes streift. Dennoch wird die Fahrt fortgesetzt und als die drei Frauen ihr Ziel erreichen, erhärtet sich der Verdacht, dass es wohl kein Tier war, mit dem sie mitten in der Nacht kollidiert sind...

Italienischer Episoden-Horror mit fünf sehr unterschiedlichen Geschichten über Geister, die auch aufgrund der relativ kurzen Dauer der jeweiligen Teile auch insgesamt mit 82 Minuten sehr kurzweilig daherkommt. Die Geschichten sind dabei so eine Art "Best-of-100-Jahre-Gruselfilm" mit Anleihen bei Bava, J-Horror, dem spanischen „[rec]“ und US-Slashern und irgendwie würde man das als Zuschauer auch gerne sehr gut finden, wenn nicht allen Geschichten irgendwie der zündende Funke, Eigenständigkeit und Originalität fehlen würde. Technisch und inszenatorisch gibt es für eine Low-Budget-Produktion ja überhaupt nichts zu meckern und statt Gore wird lobenswerterweise auch mehr auf Atmosphäre gesetzt und dennoch ist das Ergebnis bestenfalls durchschnittlich ausgefallen. Kein Ausfall, aber auch kein absolutes Highlight machen "Fantasmi" zur systemerhaltenden Unterhaltung für Freunde von Horror-Anthologien, die auch nichts gegen etwas kostengünstige Produktionsbedingungen haben. Die italienische DVD von "Ripleys Home Video" kann sich übrigens auch sehen lassen und verfügt neben den italienischen Originalton dankenswerterweise über englische Untertitel.