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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 15. Apr 2014, 09:03
von jogiwan
Exhumed

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In einem abgedunkelten Haus am Stadtrand wohnt eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus zwei jungen Frauen, einem introvertierten Musiker, einer manischen Frau und deren Butler. Doch das Zusammenleben ist nicht konfliktfrei und obwohl die beiden jungen Mädchen soziale Kontakte knüpfen und ein normales Leben führen wollen, wird dieses von der älteren Frau aus unbekannten Gründen streng unterbunden. Als eines Tages ein Zimmer des Hauses an einen jungen Studenten vermietet wird, spitzt sich die ohnehin schon angespannte Lage in dem Haus weiter zu und ein tödlicher Sturz über die Treppe ist erst der Beginn einer Reihe von Ereignissen mit denen verhindert werden soll, dass ein schicksalhaftes und gemeinschaftliches Geheimnis nach draussen dringt.

"Exhumed" ist nach dem grindhousigen "Nun of That" und dem spassigen "Splatter Disco" der nicht so wirklich gelungene Versuch von Regisseur Richard Griffin einen "ernsthaften" und anspruchsvollen Horrorfilm mit psychologischer Komponente zu schaffen. In schwarz-weißen Bildern und reduzierten Erzähltempo wird hier das düstere Portrait einer zusammengewürfelten Truppe gezeichnet, die durch ein schicksalhaftes Geheimnis vereint scheint. Dabei bleibt aber nicht nur eines, sondern gleich mehrere Fragezeichen zurück und etwaige Antworten auf seine rätselhaften und nicht immer nachvollziehbaren Ereignisse sollte man sich in den Werk besser keine erwarten. Wer Gefallen daran findet, neunzig Minuten lang seltsam unmotiviert-wirkende Handlungen von noch seltsamer gezeichneten Charakteren zu betrachten um sich danach den Kopf darüber zu zerbrechen, kann durchaus einen Blick riskieren, aber so richtig begeistert hat mich Griffins Werk nicht. "Exhumed" ist ein Independent-Horror-Streifen mit bedeutungsschwangeren Bildern, der an seinen eigenen Ansprüchen scheitert, sehr viel sein möchte und dafür mit fortschreitender Laufzeit dem Zuschauer aber zu wenig inhaltliche Gegenleistung bietet.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 16. Apr 2014, 07:51
von jogiwan
Madness

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Hmm... der allgemeinen Begeisterung kann ich mich nicht so ganz anschließen. "Madness" ist zwar ein irgendwie typisches Produkt seiner Zeit, aber Joe Dallesandro konnte mich als gewaltbereiter Gefängnisausbrecher so gar nicht begeistern und statt Terror-Feeling und dem im Titel versprochenen "Massacre" gibt es neben überschaubaren Darstellern und beschränktem Handlungsort eher viel Leerlauf und noch mehr nackte Haut. Lorraine de Selle müht sich als Super-Bitch ordentlich ab und macht sich auch ständig nackig, aber die Mischung aus Sleaze und "Home Invasion" bei einem emotional vorbelasteten Trio zündet nicht so richtig und logisch geht wohl auch irgendwie anders. Auf der Haben-Seite stehen jedoch Kistenweise J&B, der tolle Soundtrack sowie die Mitwirkung von John Travolta in Form eines riesiges Plakates, dass sich ständig ins Bild schummelt und der Italo-Fan kommt sich auf seine Kosten, aber die Kiste derartiger Filme bietet einfach wesentlich funktionalere Werke mit charismatischeren Bösewichten, die nicht nur böse gucken und sich auch nicht ständig am Bund der Hose herumfummeln. Das abrupte Ende hätte ich mir auch anders gewünscht. Durchschnittliche Ware die mit der amerikanischen DVD in OmeU und sehr schöner Qualität, jedoch ohne Bonusmaterial präsentiert wird.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 18. Apr 2014, 10:51
von jogiwan
World Trade Center

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Muss denn das sein? Oliver Stone nimmt die Ereignisse von 9/11, bei dem über 3000 Menschen aus 87 Nationen zu Tode gekommen sind und bastelt daraus eine lahme und seltsam distanzierte Schmonzette aus der Sichtweise von zwei verschütteten Polizisten und dessen Angehörigen, die gerade einmal in den ersten und letzten zehn Minuten seiner viel zu langen 125 Minuten Laufzeit einen kleinen Eindruck vermitteln, welches Ausmaß die Anschläge tatsächlich hatten und welches Trauma diese in den Staaten zurückgelassen haben. Dazwischen gibt es jede Menge Leerlauf auf TV-Niveau, verkitschte Szenarien voller klischeehafter Figuren und einen Nicolas Cage, der wieder einmal kaum zu ertragen ist. Ob man überhaupt einen derartigen Streifen braucht, der alles rundherum ausspart steht ohnehin auf einen anderen Blatt und von Oliver Stone ist man ohnehin anderes gewohnt. Vielleicht ist "World Trade Center" aber der Streifen mit optimistischen Grundton, den die amerikanische Bevölkerung im Jahre 2006 gebraucht hat, aber wer jemals in New York und auch am Ground Zero war, weiß, dass dieser rührselige Streifen den Ereignissen in keiner Weise gerecht wird.

Mortuary

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Was für ein Schmonz, den uns hier Horror-Ikone Tobe Hooper mit seinem 2005 entstandenen "Mortuary" präsentiert. Weder Fisch noch Fleisch setzt uns der Regisseur von "Texas Chainsaw Massacre" eine Mischung aus Teenie-Horror, Infektions-Dingens und harmlosen Zombie-Film vor die Nase, in der neben einem Freak auch noch ein Schimmelpilz aus dem Brunnen eine Rolle spielt. Alles recht halbgar und bemüht zusammengetackert erfreut "Mortuary" den Zuschauer vor allem durch Kopfschüttel-Szenen am laufenden Band, die nur noch von dem Nerv-Faktor der dauerkreischenden Göre überboten wird, die im letzten Drittel die Sirene macht. Zwar ist "Mortuary" schon so doof, dass er schon wieder Spaß macht und irgendwie ist es schön zu sehen, dass nicht nur der Argento bemüht ist, seinen Ruf als Regisseur zu ruinieren, aber ein guter Film sieht wohl anders aus. Haarsträubende Horror-Grütze aus der Rumpelkammer schlechter Drehbuch-Entwürfe, dass kostengünstig in Szene gesetzt wurde und dann auch nur noch Trash-Fans empfohlen werden kann.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 19. Apr 2014, 10:30
von jogiwan
The Guard from Underground

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Die junge Akiko, die zuvor in einer Kunstgalerie gearbeitet hat, soll das neue Team einer großen Firma verstärken, das sich auf den Handeln von Kunstwerken verschrieben hat. An ihrem ersten Arbeitstag trifft sie neben ihren neuen und etwas seltsamen Kollegenschaft aber auch auf einen neuen Sicherheitsbeamten, der ebenfalls seinen ersten Tag hat und sich schon bald als gewaltbereiter Psychopath entpuppt. Zuerst ermordet der großgewachsene Mann seine Kollegen, ehe er sich hinter Akiko hermacht, auf die der junge Mann ein Auge geworfen hat. An einem Abend, als Akiko und ihre Abteilung Überstunden macht, verriegelt der schweigsame Mann das Firmengebäude, kappt alle Stromleitungen und beginnt das Team zu dezimieren...

Ein jeder Meisterregisseur fängt einmal klein an und im Falle von Kiyoshi Kurosawa ("Kairo", "Tokyo Sonata") sind es kleine und dennoch atmosphärische B-Filme, mit denen der japanische Regisseur in seinem Heimatland und außerhalb erste Aufmerksamkeit erregen konnte. "The Guard from Underground" ist dann auch ein sehr passabler Slasher aus dem Jahre 1992, der trotz günstiger Machart schon einige der Trademarks zeigt, die Kurosawa später perfektionieren sollte und überrascht vor allem dadurch, dass ein simples Bürogebäude sich als düster-dunkler Ort voller Einsamkeit präsentiert, in dem seine schweigsamen Figuren ums Überleben kämpfen müssen. Obwohl der Streifen auch gar nicht mal so blutig daherkommt, sind die originellen Morde als durchaus effektiv und der Sicherheitsbeamte ist auch nicht sonderlich zimperlich wenn es darum geht, ein Leben auszulöschen. Inhaltlich wirkt "The Guard from Underground" mit seinen erwachsenen Figuren zwar manchmal etwas unausgereift und für das westliche Auge etwas exotisch, aber insgesamt ist Kurosawas Streifen schon gelungen und sollte Fans seiner späteren Werke auch nicht enttäuschen.


Hellevator

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Recht unkonventioneller und eher experimenteller Sci-Fi-Horrorstreifen, der den aufgeschlossenen Zuschauer mit seinen Video-Look und optischen Spielereien, Sounddesign, Overacting und sonstigen - gegen den Mainstream gebürstete - Einfälle schon auf eine kleine Geduldsprobe stellt und wohl auch nicht die breite Masse anspricht. „Hellevator“ ist aber nicht uninteressant und hat man das etwas lahme erste Drittel überstanden, entwickelt sich Yamaguchis Streifen auch zu einer recht heftigen Tour-de-Force, bei dem der Zuschauer auch nicht mehr so recht weiß, wie ihm gerade geschieht. Trotz beengten Raums und überschaubarer Darsteller schafft der Regisseur jedoch seine entworfene Welt spannend zu halten und hat man brav durchgestanden, wartet am Ende noch ein netter Gag. Alles in allem ist „Hellevator“ sicher kein Film für jeden Tag, aber wer Lust auf etwas unbekömmliche und bisweilen hysterische Genre-Kost der gewöhnungsbedürftigen und brutaleren Machart hat, kann durchaus ein Auge riskieren.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 20. Apr 2014, 09:39
von jogiwan
Revenge: A Love Story

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Nachdem ja auch die vermeintliche Uncut-Fassung aus Österreich nicht vollständig und sowieso überteuert ist, hab ich zur englischen Variante gegriffen, die den Streifen absolut ungekürzt und im kantonesischen Original samt englischer Untertitel präsentiert und derzeit schon für 6 Euro zu haben ist. Der Streifen selbst ist eher herber Stoff nach Cat.III-Strickmuster, der nach seinen wüsten Auftakt aber wieder ruhiger wird und eine sehr dramatische Geschichte und Freundschaft über zwei Außenseiter offenbart, denen das Leben und eine Polizeitruppe ganz ordentlich übel mitspielt. "Revenge" erinnert dabei mit seiner Optik, eher ruhigen Erzählweise und seinen zahlreichen Zeitlupen-Sequenzen etwas an den japanischen "Confessions" und trotz wilderer Szenen fand ich den eher dramatischeren "Revenge" auch durch seine eher traurige Geschichte nicht so abgeschmackt und überdreht wie andere Vertreter aus der Cat.III-Kiste. Warum man aber gleich 14 Minuten rausschneiden musste, wissen wohl nur die Leutchen von I-On New Media. Ungekürzt durchaus ein guter Film!

Brain Damage / Elmer

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Hmm... der werte Elmer sieht zwar knuffig aus und seine Auftritte sind auch sehr spaßig, aber ansonsten hat mich Henenlotters "Brain Damage" leider so gar nicht begeistern können. Zwei Jahre nach dem Erfolg von "Basket Case" hat der Regisseur ja versucht, mit ähnlichen Zutaten wieder einen schwarzhumorigen Horrorfilm zu stricken. Im Gegensatz zu "Basket Case" passt die Chemie des ungleichen Duos ja so gar nicht und die Geschichte fand ich trotz origineller Ausgangsidee ziemlich mau umgesetzt. Außerdem ist der Film so voller hysterischer und kreischender Figuren, die auf Dauer ebenfalls zur Geduldsprobe mutieren und in Kombination mit leisen Dialogen dazu führen, dass man in der englischen Sprachfassung ständig die Lautstärke regulieren muss. Zwar ist die Idee über diesen halluzinogenen Parasiten durchaus lustig und auch die Tricks recht passabel, aber irgendwie finde ich es schade, dass man die etwas anzügliche Geschichte nicht humorvoller und bissiger umsetzen konnte. Auch den männlichen Hauptdarsteller fand ich ganz furchtbar und da hilft es auch wenig, dass Kevin Van Hentenryck mit seinem Weidenkörbchen einen Sprung vorbeischaut. Nö, kein Highlight!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 21. Apr 2014, 09:22
von jogiwan
The Image

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Auf einer Party in Paris begegnet der Autor Jean einer hübschen Frau, die aufgrund ihrer Schüchternheit und Schönheit seine Aufmerksamkeit erregt. Die junge Frau heißt Anne und ist in Begleitung von Jeans Bekannten Claire auf der Party, denen sich Jean wenig später anschließt um den Abend noch in einem weiteren Lokal zu beenden. Als es die Tage darauf zu einem erneuten Treffen kommt bemerkt Jean, dass die beiden Frauen ein sadomasochistisches Verhältnis zueinander haben und Claire große Freude daran hat ihre Freundin in der Öffentlichkeit zu demütigen und im Sado-Maso-Kämmerlein auch körperlich zu züchtigen. Jean ist fasziniert und findet Gefallen an dem Treiben und wenig später beginnt auch er, sich an den sexuellen Spielen entsprechend zu beteiligen.
Erotisches Drama aus der S/M-Ecke, das einerseits sehr heftig und kontrovers, auf der anderen Seite auch sehr sinnlich und erotisch ausgefallen ist. Die Geschichte eines sadomasochistischen Dreiecks-Verhältnisses basiert dabei auf einem Roman von Catherine Robbe-Grillet (unter dem Pseudonym Jean de Berg) und spart trotz Schwerpunkt Charakterisierung nicht mit entsprechenden Details, wobei Metzger diese ohne Wertung präsentiert und seinen Figuren auch nicht - wie so gerne üblich - in die Perversitäts-Ecke drängt und den Zeigefinger der Moral auspackt. Obwohl "The Image" dabei nicht die Leichtigkeit und den Humor von dem ebenfalls sehr progressiven "The Score" bestizzt, zeigt auch "The Image" das alternative und vorurteilsfreie Ausleben von sexuellen Gelüsten in definierten Rollenspielen der etwas heftigeren Art. Zwar überschreitet Metzger in dem 1975 entstandenen "The Image" dabei auch manchmal die Grenzen zum HC, doch diese Szenen sind sehr passend in die eigentlich sehr kontroverse Handlung eingebettet und über alle dem thront aber wieder einmal Metzgers Auge für Style und Erotik. Alles in allem ein sehr erotisches und mutiges Drama für sexuell aufgeschlossene Menschen, die wie Anne aber auch einiges aushalten sollten.

The Woods

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Holla, da greift man nichts Böses ahnend eine DVD für ein paar Euro vom Grabbeltisch, der sich dann kurzerhand als atmosphärischer und eigentlich auch sehr gelungener Schulmädchen-Grusler im Sechziger-Jahre-Umfeld entpuppt. Bis auf das etwas ruppigere Ende könnte "The Woods" ja auch durchaus aus europäischer Produktion stammen und statt Teenie-Drama und kommerzieller Geisterbahnfahrt gibt es in dem durchwegs originellen und spannenden Streifen düstere Vorzeichen, Grusel-Atmosphäre und wohldosierten CGI-Einsatz, der "The Woods" mit seinem Darsteller-Ensemble sicherlich zu einem der besseren Streifen der letzten Jahre macht. Das ich bis vor kurzem von diesem Schätzchen noch nie etwa gehört hatte, ist eigentlich unverzeihlich und wer Lucky McKees Streifen ebenfalls noch nicht kennt, sollte die neu aufgelegte DVD zum günstigen Preis wirklich nicht verpassen. "The Woods" ist nämlich ein kleines, aber feines Genre-Filmchen, dass man sich als Fan von atmosphärischen Gruselfilmen nicht entgehen lassen sollte.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 23. Apr 2014, 07:34
von jogiwan
Finsterworld

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Liebevolle bis humorvoll-sarkastische Abrechnung mit deutschen Befindlichkeiten in Form eines episodenhaften Streifens, der mit schönen Bildern und bekannten Darstellern glänzt und mehr oder weniger auch ganz unterhaltsam ausgefallen ist. Frauke Finsterwalder schickt ihre bisweilen sehr selbstgefälligen, suchenden und verlorenen Charaktere auf eine Reise durch ein sommerliche Deutschland und entzaubert deren Gedankenwelt auf zurückhaltende Weise, ohne ihnen jedoch zu nahe zu treten. Eigentlich kann mann "Finsterworld" aufgrund schöner Bilder, humorvollen Begebenheiten, leiser Dramatik und toller Darsteller auch ganz gut finden, gäbe es mit "Hundstage" nicht einen ähnlichen Film aus Österreich, der aber viel mehr ins Eingemachte geht und auch wesentlich verstörenden ausgefallen ist. Im Falle von Frauke Finsterwalder ist mir persönlich alles eine Spur zu zurückhaltend und zu "künstlich" ausgefallen und so ist "Finsterworld" dann auch eher ein netter und nett-anzusehender Arthouse-Film für die breite Masse, die sich zwar vordergründig kritikfähig gibt, sich dann aber doch nicht gerne ans Bein pinkeln lässt.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 25. Apr 2014, 08:23
von jogiwan
More than Honey

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Teils schöne, teils erschreckende Doku über das drohende Aussterben der Honigbiene, die durch Überzüchtung, industrialisierter Honiggewinnung und Einsatz von Pestiziden vom Aussterben bedroht ist. Die interessante Doku zeigt dabei das Leben der Bienen auf vier Kontinenten vom traditionellen Imker in den Schweizer Bergen, über Honig-Industrie in Kalifornien bis zu Monokulturen in China, in der die Blüten mangels Bienen bereits von Hand bestäubt werden müssen. Zum Glück scheint man sich jetzt aber wieder mehr der Wichtigkeit dieser Bienenvölker zu widmen und ein Umdenken stattzufinden. Abgerundet wird die Doku mit wunderbaren Bildern dann noch durch Einblicke in die Welt der "Mörderbienen" bzw. "afrikanisierte Honigbiene", die mit ihrer Widerstandsfähigkeit und Unzähmbarkeit den Schlüssel zum Überleben der Bienen sichern wird. Wunderbare Bilder in Kombination mit erschreckenden Fakten machen den mehrfach preisgekrönten "More than Honey" dann auch zur empfehlenswerten Doku für alle, die sich für Bienen interessieren.

Workingman's Death

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Michael Glawoggers "5 Bilder zur Arbeit im 21. Jahrhundert" ist eine Mischung aus neorealistischer Dokumentation über körperliche Arbeit unserer Zeit und Mondo-Spielfilm, die sich ja seit den Sechzigern beim wissbegierigen Publikum großer Beliebtheit erfreuen. Ohne Kommentar lässt Glawogger seine eindrucksvollen Bilder sprechen, die den Zuschauer von illegalen Kohle-Minen in der Ukraine, über Schwefelträger in Indonesien bis hin zu den Leuten eines Open-Air-Schlachthofes in Nigeria, Schweißern in Pakistan und - etwas zu kurz - Eisenarbeitern in China präsentiert. Vor allem die Nigeria-Episode ist für unbedarfte Zuschauer wohl sehr hartes Brot und bringt das etwas zu lang-ausgefallene Werk etwas zu nahe in Richtung Shockumentary, wobei man im Falle von Glawogger nicht das Gefühl hat, diese herben Szenen "allzu" selbstzweckhaft zu präsentieren. Die FSK 6-Freigabe ist aber Anbetracht aufgeschnittener Kehlen und ausblutenden und zuckenden Tieren wohl ein Witz. Dennoch zeigt Glawogger auch die Lebensfreude der Arbeiter, die sich mit ihrer für westliche Augen unpackbaren und gefährlichen Situation arrangieren und beschließt sein Werk mit Bildern eines stillgelegten Stahlwerk im Ruhrpott, dass eindrucksvoll beweist, dass diese Form der körperlichen Schwerstarbeit auch im westliche Raum bis vor einigen Jahrzehnten noch durchaus üblich war.

Di Di Hollywood

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Die junge Diana ist Kellnerin in einem Madrider Club und träumt davon in den Staaten als Schauspielerin erfolgreich zu sein. Nach einem anstrengenden Abend beschließt sie spontan nach Miami zu fliegen um dort jedes erdenkliche Casting zu besuchen. Doch die Konkurrenz ist groß und als Diana das Geld ausgeht landet sie als Putzkraft in einem Lokal. Als sie eines Tages bei einem Casting einen aufstrebenden Regisseur Robert kennen und lieben lernt, scheint sich das Blatt zu wenden und sie geht mit ihm und ihrer Freundin nach Los Angeles. Dort lernt sie nach weiteren Rückschlägen den Agenten Stein kennen, der mit der jungen Frau große Pläne im Sinn hat. Neben ihrem Künstlernamen "Di Di" kreiert er auch ein glamouröses Image und eine Beziehung mit dem Schauspieler Steve, der die junge Frau schon bald auf die Titelblätter von Klatschspalten bringt.

Etwas soapiges Drama von Regisseur Bigas Luna, der in seinem letzten Streifen den turbulenten Weg einer spanischen Nachwuchsschauspielerin von einer Madrider Disco bis zur erfolgreichen Schauspielerin in Hollywood nachzeichnet. Der schön fotografierte Streifen spart dabei nicht mit Kritik am Business und zeigt auch, dass Talent und ein hübsches Gesicht zu wenig ist, wenn man ganz nach oben will. Während Di Di durch ihren Agenten schon bald ganz nach oben kommt, hat der Erfolg auch seine Schattenseiten und mangelnde Privatsphäre, Erfolgsdruck und inszeniertes Leben setzen der jungen Frau ebenfalls zu. Der etwas märchenhafte "Di Di Hollywood" ist dabei durchaus interessant ausgefallen und erinnert an eine erwachsenere, glamöurösere und weniger rebellische Version von "Y soy Juani", der ja eine ähnliche Thematik hat. Hauptdarstellerin Elsa Pataky macht ihre Sache jedenfalls ganz gut und ist auch stets hübsch anzusehen und auch der Rest des Casts inklusive Peter Coyote macht seine Sache sehr gut und auch wenn der Streifen für meinen Geschmack durchaus etwas dramatischer daherkommen könnte, ist Bigas Lunas finales Werk durchaus gelungen.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 26. Apr 2014, 08:54
von jogiwan
Bad Fucking

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Wirklich, wirklich schade, aber "Bad Fucking" ist leider eine ziemlich misslungene Komödie, die - obwohl sie wieder einmal die politische und gesellschaftliche Lage der österreichischen Bevölkerung in den Vordergrund stellt - so gar nicht witzig ist. Statt tiefschwarzem Humor wird in den episodenhaften Ereignissen in einem ehemaligen Luftkurort eher der Holzhammer ausgepackt und teilweise geht die ganze Sache dann auch schon in Richtung Fäkalhumor, was mir so überhaupt nicht gefallen hat. Statt feiner Beobachtung gibt es die komplette Überspitzung, brutale Ereignisse und kaputte Gestalten am laufenden Band und am Ende wird es dann auch noch bemüht apokalyptisch. Das wäre alles nicht so schlimm, wäre der Streifen dabei wenigstens unterhaltsam ausgefallen, was so überhaupt nicht der Fall ist. Schon die Buchvorlage, die unter der Kategorie "satirischer Krimi" läuft, kommt ja oftmals nicht so gut weg und als Film funzt die Sache dann offensichtlich noch weniger. Da hilft auch kein Harald "Muttertag" Sicheritz und die Creme de la Creme österreichischer Schauspieler - dieser Film als Statement zur Lage der Nation ist einfach Mist.
You're next

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Ich hatte ja im Vorfeld ebenfalls die Befürchtung der Streifen geht in die Richtung des eher mäßigen "The Strangers" bzw. könnte sich an Hanekes "Funny Games" orientieren. Denkte! Der Film rockt ohne Ende und obwohl hier sicher das Rad nicht neu erfunden wird, schafft Adam Wingard mit seiner Geschichte wunderbar funktionales Terrorkino, das auch recht herb um die Ecke biegt und dem Fan das bietet, was man sich von einem derartigen Film erwartet. Ein Home-Invasion-Slasher, der nach dem Einführen seiner zahlreichen Figuren auch ordentlich Gas gibt und zumindest bei der Erstsichtung konnte ich keine großen Durchhänger ausmachen. Straight, brutal, überraschend und vor allem bitterböse. Mehr wird nicht verraten - angucken!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 27. Apr 2014, 09:40
von jogiwan
Massacre in Dinosaur Valley (Nudo e selvaggio)

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Etwas durchschnittliche Mischung aus Survival-Abenteuerfilm, Kannibalen-Flick und Sklaven-Lager-Drama mit einem etwas zu gut aufgelegten Michael Sopkiw als eine draufgängerische Mischung aus Indiana Jones und MacGuyver, der sich das Herz seiner Begleitung durch spektakuläre Rettungsaktionen erobert. Was als wissenschaftlicher Ausflug geplant mit einem... ähm... verdammt gut getricksten Flugzeugabsturz ein jähes Ende findet, nimmt mit gewaltbereiten Kannibalen einen unerwarteten Lauf und hat man erst einmal die hungrigen Eingeborenen abgeschüttelt landen die hoffnungsfrohen und weiter dezimierten Leutchen kurzerhand in einer mit Gewalt geführten Smaragdmine. Alles hübsch turbulent mit vielen Anschlussfehlern und zahlreichen Leutchen, die zwischendurch mal mehr, mal weniger spektakulär hops gehen. Alles hübsch zusammengetackert krankt "Massacre in Dinosaur Valley" aber daran, dass es aus allen drei Teilgebieten wesentlich bessere Filme gibt. So bleibt ein sympathisch-gestrickter Film aus den Achtzigern der mal witzig, mal brutal und vor allem wohl nie ganz ernstgemeint ist. Spaßig, doof, mit vielen Anschlussfehlern und irgendwie auch wieder unterhaltsam.

Flavia - Leidensweg einer Nonne

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Obwohl geschichtliches Dramen mit Religionsbezug ja überhaupt nicht meine Baustelle sind, gefällt mir Gianfrancos Mingozzis Drama über eine von der eigenen Familie weggesperrte Nonne, die nicht mehr bereit ist, sich dem patriarchalischen Verhältnissen des 14. Jahrhunderts zu fügen, aber außerordentlich gut. Der anscheinend auf einer wahren Begebenheit basierende Streifen mit Florinda Bolkan als rebellische und aufbegehrende Nonne, die mit Muselmanen gegen christliche Würdenträger und sonstige Machthaber stellt ist sehr gut in Szene gesetzt und bietet auch vollkommen entrückt-wirkende Passagen, in denen der kollektive Wahnsinn um sich greift und auch den Zuschauer geplättet zurücklässt. Darstellerisch lebt der Streifen aber natürlich von Frau Bolkan, die hier wohl die Idealbesetzung darstellt und als Racheengel durch Kriegsfelder schreitet um letzten Endes wieder in einer Situation zu landen, aus der sie eigentlich entfliehen wollte. "Flavia" ist dabei auch weniger sleazige Nunploitation oder ein religionskritischer Streifen, sondern eher Arthouse-Drama mit ein paar herben Szenen und einer sehr eindringlichen und feministischen Botschaft. Starker Stoff!