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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 4. Mär 2014, 14:17
von buxtebrawler
jogiwan hat geschrieben:Totaler Sperrbezirk

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demnächst mehr!
Ich bin gespannt :popcorn:

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 6. Mär 2014, 14:29
von jogiwan
In the highest of Skies

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Ein Gruppe von hoffnungsfrohen Wallfahrern, bestehend aus Priestern, Nonnen, reichen Industriellen, Politikern und weiteren Personen sind im Vatikan zu einer Privataudienz geladen und werden von den Schweizer Gardisten zu einem geräumigen Aufzug geführt, der die Gläubigen in die oberen Gemächer zum Papst bringen soll. Als der Aufzug jedoch scheinbar zwischen den Stockwerken stecken bleibt und sich auf Klopfen und Rufen niemand meldet, versuchen sich die Eingeschlossenen zuerst selbst aus ihrer misslichen Lage zu befreien und auf sich aufmerksam zu machen. Nachdem auch die letzten Lebensmittel aufgebraucht sind und nach Tagen Hilfe von außen nicht zu erwarten ist, macht sich langsam Panik und Rivalität unter den Leuten breit und Hitze, Durst, Hunger und die enervierende Fahrstuhlmusik sorgt dafür, dass die gläubigen Katholiken schon bald auch vor Vergewaltigung, Mord und Kannibalismus nicht mehr zurückschrecken...

Es gibt sie ja immer noch: die Filme die einen wie aus dem Nichts kommend überraschen und vollkommen geplättet zurücklassen. Silvano Agostis radikale wie bitterböse Rundum-Abrechnung mit katholischen Würdenträgern, der guten Gesellschaft, Politik und der Unschuld der Jugend ist dann wohl auch so etwas wie der böse kleine Bruder von "Die 120 Tage von Sodom" der so drastische Bilder gar nicht nötig hat um den Zuschauer vollends aus den Latschen kippen zu lassen. Zwar muss man sich auf die Geschichte einlassen können und manche Ungereimtheit akzeptieren, aber dann ist Agostis Streifen auch ein richtiger Schocker, bei dem man sich auch sehr gut vorstellen kann, dass der trotz relativerendem (?) Ende im Entstehungsjahr und -land auch keine Chance hatte. Ein faszinierend-abstoßender Streifen irgendwo zwischen radikalem Kunstkino, Exploitation und herben Schocker über die Abgründe der menschlichen Seele und Verlogenheit des katholischen Glaubens, der sich für eine wüste Geschichte dann auch keinen besseren Ort hätte aussuchen können.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 7. Mär 2014, 09:00
von jogiwan
Spice World

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Nachdem mich ja die Darmgrippe die letzten Tage übelst darnieder gerafft hat, hatte ich gestern neben Zwieback und klarer Suppe cineastisch ebenfalls Lust auf was Leichtes und "Spice World" passt in solchen Momenten des Lebens als humorvoll-harmlose Unterhaltung auch ganz gut. Die episodenhafte Geschichte über den bedrohten Live-Auftritt der fünf Sängerinnen in der Royal Albert Hall, die hier immer wieder ihr Image lustig auf die Schippe nehmen ist ja ganz amüsant ausgefallen und die zahlreichen Gastauftritte von Meat Loaf, Elvis Costello, Elton John, Jennifer Saunders bis hin zu Richard O'Brien machen ebenfalls Laune. Die Kiste der Musikfilme bietet da ja viel schlimmere Kaliber (ja "Xanadu", ich rede mit dir!) und das Ergebnis ist auch so augenzwinkernd ausgefallen, sodass Einwürfe wie "das sind keine Schauspielerinnen" und "die Musik ist doof" ja auch gar nicht greifen. Zumindest bietet Bob Spiers hier genug lustige Ideen um große und kleine Kinder bei Laune zu halten und irgendwie ist das Teil über die Mutter aller Girl-Bands mittlerweile auch so etwas wie ein Zeitdokument.

Darkness

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Schön gemachter Euro-Grusler nach spanischer Machart von Jaume "[Rec]" Balaguero aus dem Jahre 2002, der mir bei der Erstsichtung zwar sehr gut gefallen hat, mittlerweile aber etwas darunter leidet, dass es Jahre später einfach eine zu große Anzahl von ähnlich gelagerten Filmen aus Spanien gibt, die subjektiv betrachtet etwas besser bei mir ankommen. "Darkness" hat zwar mit seinem Erfolg und Trademarks wie der oldskoolige Grusellook sicherlich viele der nachfolgenden Streifen erst ermöglicht, aber irgendwo war der mir gestern einfach etwas zu wenig gruselig. Die Geschichte über verdrängte Erinnerungen, ein Haus mit düsterer Vergangenheit und ein okkultes Ritual ist aber ebenfalls sehr passabel und wo der Film vielleicht ab und an mal einen kleinen Durchhänger hat, reissen die Darsteller inklusive der tollen Anna Paquin, Giancarlo Giannini und Leno Olin wieder vieles raus. Unterm Strich auch ein mehr als solider Streifen und Pflichtprogramm für jeden gediegenen Gruselfan!

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 9. Mär 2014, 19:33
von jogiwan
Score

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Elvira und Jack sind ein sexuell aufgeschlossenes Pärchen der amerikanischen High-Society, dass seine Neigungen auch in ihrem feudalen Urlaubsdomizil in einem jugoslawischen Küstenort bei entsprechenden Partys zügellos zelebriert. Eines Tages wettet Elvira mit ihrem Mann, ihre schüchterne Freundin Betsy verführen zu können, die ebenfalls ihre Ferien in dem selben Ort verbringt, während Jack dasselbe mit Betsys frischverheirateten Gatten Eddie versuchen möchte. Die Beiden werden zum Essen geladen und während Eddie nach ein paar Drinks und Joints auch bald positiv auf die Annäherungsversuche von Jack reagiert, erweist sich die von Nonnen erzogene Betsy als recht harte Nuss und fast scheint es, als würde Elvira ihre Wette mit ihrem Mann zum ersten Mal verlieren...

Holladrio, was ist denn das? Ein sommerliche Erotik-Komödie mit psychedelischem Einschlag, flockiger Musik und zwei verheiratete Paare bei dem jeder mit jedem und auch noch ein umtriebiger Intallateur einer Telefongesellschaft eine Rolle spielen. Der auf einem Theaterstück basierende Streifen ist jedenfalls recht humorvoll und luftig in Szene gesetzt und Metzger nimmt in seiner 1972 gedrehten Komödie auf damalige Wertvorstellungen auch herzlich wenig Rücksicht. So bietet "Score" in der ungekürzten Variante unter anderem ausgiebige Erotikszenen zweier gleichgeschlechtlicher Paare, die hier auf überaus sinnliche Weise zusammenmontiert werden und die wohl auch heutzutage noch beim Großteil des Publikums eher verstörte Blicke hervorrufen werden. Anfang der Siebziger gab es halt auch noch andere Vorraussetzungen und Swinger-Pärchen waren schon damals wesentlich aufgeschlossener und experimentierfreudiger als die Leutchen in heutigen Zeiten. Radley Metzger hat diesen Spirit jedenfalls sehr schön eingefangen und einen humorvollen und kurzweiligen Film mit wunderbaren Darstellern geschaffen, der aufgeschlossenen Menschen auch viel Spass bereiten dürfte.

From Beyond

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endlich auch mal in Deutsch!

Santa Sangre

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jogiwan hat geschrieben:Was für ein toller Film. Die Mischung aus seltsamen Figuren, grotesker Handlung und bunter Ausstattung ist ja genau meins, auch wenn "Santa Sangre" eigentlich recht straight erzählt wird. Die Geschichte ist hübsch abgedreht und der Zirkus bietet auch das ideale Setting für eine derart farbenfrohe Geschichte. Jedesmal wenn man sich sicher fühlt, zaubert Jodorowsky einen neue und noch obskurere Idee aus dem Ärmel, die den aufgeschlossenen Zuschauer sicher nicht enttäuscht. Zwei Stunden Magie und ein Bilderrausch, an dem man sich gar nicht sattsehen mag. Eigentlich unverzeihlich, dass ich so viele Lebensjahre vergeuden musste, um den chilenischen Regisseur für mich zu entdecken. Ganz großartiger Streifen, auch wenn ich "The Holy Mountain" rückblickend dann doch noch einen Ticken interessanter, weil abgedrehter fand.
Da ja demnächst wieder die Sichtung gleich mehrerer Filme von Alejandro Jodorowsky anstehen, hatte ich gestern spontan Lust auf "Santa Sangre", der ja im Vergleich zu seinen sperrigen Vorgängern trotz zahlreicher grotesker Momente eher zugänglicher erscheint und die Geschichte eines traumatisierten Sonderlings und das Verhältnis zu seiner dominanten Mutter erzählt, die in Richtung Thriller und Mystery geht. "Santa Sangre" ist wunderbar ausgestattet, zelebriert Leben, Leidenschaft und Tod in einer wunderbaren Farbenpracht und bietet auch noch zahlreiche surreale Momente. Eigentlich ist der ganze Streifen ganz, ganz wunderbar und die obigen Worte haben auch noch immer Gültigkeit, auch wenn ich mittlerweile keinen seiner Filme mehr favorisieren würde. Ich mag sie einfach alle.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 10. Mär 2014, 07:49
von jogiwan
Schneefittchen und die 7 glücklichen Zwerge

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Naja, was kann man sich wohl erwarten, wenn man einen Film mit dem deutschen Titel "Schneefickchen und die S*x-Zipfelzwerge" schaut, der noch dazu von Mario Bianchi realisiert wurde, der seines Zeichens ja auch den psychotronischen "S*xorgien im Satansschloss" verbrochen hat und auch im HC-Business unterwegs war. Leider verspricht der Film im Vorfeld aber wesentlich mehr, als er hält und was als frivole Märchen-Persiflage gedacht war, ist eher ein durchschnittliches Unterhaltungsfilmchen, dass zwar ein paar Möpse zeigt, ansonsten aber eher züchtig und zahm bleibt und wohl auch ansonsten niemand in Begeisterungsstürme versetzen wird. Die Gags sind eher spärlich verteilt und neben den vollkommen überdrehten Darstellern wirkt die deutsche Sychnro doch recht lahmarschig, uninspiriert und -motiviert. Auch die Geschichte ist nicht so der Bringer und wirkt mit ruppigen Zeitsprüngen so, als wäre das Drehbuch doch recht kurzfristig zusammengeschustert worden. Dennoch gibt es zu Beginn ein paar nette Momente und auch noch Aldo Sambrell als impotenten König und Michaela Miti, die als Schneewittchen zwar ihre Jungfräulichkeit bewahren möchte, aber ansonsten ihre verhasste Stiefmutter als beste Bläserin des Landes beerben möchte. Naja, viel verschenktes Potential und irgendwie fand ich es schade, dass die Zwerge nicht so aussehen wie am DVD-Cover - geschmunzelt hab ich dann ja aber trotzdem... ;)

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 11. Mär 2014, 09:01
von jogiwan
Camille 2000

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Geschäftsmann Armand reist aus beruflichen Gründen aus Rom und erblickt während einer Opernaufführung eine elegante Frau namens Marguerite, die von einem spendablen Aristokraten ermöglicht in Roms High-Society ein zügelloses Leben in Saus und Brause lebt. Armand schafft es die Aufmerksamkeit der verwöhnten Frau zu erlangen und stürzt sich wenig später Hals über Kopf in eine Affäre mit ihr, obwohl Marguerite dem Mann offen erklärt, keine Beziehung führen zu können. Schon am nächsten Tag scheint Marguerite Armand daher bereits vergessen zu haben und der enttäuschte Mann muss mitansehen, wie Marguerite sich vor seinen Augen mit einem anderen vergnügt. Armand ist jedoch nicht bereit das Feld zu räumen und tatsächlich gelingt es ihm wenig später, Margerite von seiner großen Liebe zu überzeugen. Die Beiden fliehen auf eine einsame Insel und genießen unverändert ihr Leben, als das Schicksal für die Liebenden eine weitere Überraschung bereithält...

Wunderbar in Szene gesetzte Verfilmung von Alexandre Dumas "Die Kameliendame" das mit seinen entrückten Settings, sommerlichen Atmosphäre und seiner zelebrierten Hedonismus wie ein Werbespot für das italienische "Dolce Vita" der Sechzigerjahre daherkommt und auch nicht mit psychedelisch in Szene gesetzten Sexszenen spart, die im Entstehungsjahr wohl noch als skandalös erachtet wurde. Dabei ist die italienische Produktion für heutige und auch für Metzger-Verhältnisse eher harmlos gehalten und besticht neben seinen tollen Darstellern wohl auch durch einen flockigen Easy-Listening Soundtrack, der in Kombination mit den schicken Bildern einfach nur großartig ist. Zwar hat "Camille 2000" dabei durchaus ein paar Längen aufzuweisen und ist vielleicht auch einen Ticken zu lang ausgefallen, aber so lange man mit derart schönen Bilder und Musik förmlich erschlagen wird, mag man das als Zuschauer auch gerne verzeihen. Das elegische Erotik-Drama ist dann auch ein Freudenfest für alle Fans dieser Zeit bzw. des italienischen Kinos und die amerikanische und "codefree" Blu-Ray-Disc von "Cult Epics" ebenfalls ganz großartig.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mi 12. Mär 2014, 08:23
von jogiwan
Pestizide - Grapes of Death

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Ich hab gestern dann spontan Lust auf "Pestizide" bekommen und nocgi hat ja auch schon alles recht hübsch zusammengefasst: Die unwirkliche Stimmung im Dorf, die tollen Darsteller, der minimalistische Soundtrack und auch die Melting-Effekte sind durchaus herb anzusehen. Die Geschichte, die von "Night of the Living Dead" und "Crazies" gleichermaßen inspiriert zu sein scheint, tritt wie bei Rollin üblich etwas in den Hintergrund und der französische Regisseur kreiert eine ganz eigene, morbide, bisweilen unwirklich erscheinende Atmosphäre voller erinnerungswürdiger Momente, der man sich auch gar nicht entziehen mag. Auch das Ende passt so gar nicht zu den sonstigen Vertretern aus der Untoten-Kiste und lässt "Pestizide" ebenfalls aus der Masse vergleichbarer Werke herausstechen.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 13. Mär 2014, 08:01
von jogiwan
The Unseen

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Amerikanischer Pre-Slasher/Psychothriller mit Mystery-Einschlag aus dem Jahr 1980 und drei hübschen Mädels, die nach einem überbuchten Hotelzimmer kurzerhand in einem geräumigen Haus eines seltsamen Paares mit finsteren Geheimnis landen. Bis der ganze und offensichtlich stark von "Psycho" inspirierte Karren in Fahrt kommt, dauert es aber etwas zu lange und so manche Performance einzelner Darsteller und eine etwas seltsame Liebesgeschichte stellt den Zuschauer zusätzlich etwas auf die Geduldsprobe. Zwar lässt "The Unseen" richtige Highlights im Verlauf seiner 90 Minuten vermissen, aber die Kiste derartiger Filme bietet mitunter weit Schlimmeres, sodass man dem Film an einem eher unspektakulären Tag durchaus eine Chance geben kann. Das erfrischend überdrehte Finale reißt ja auch wieder so einiges raus und Barbara Bach sieht man ja ohnehin immer gerne.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 15. Mär 2014, 09:22
von jogiwan
The Rainbow Thief

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Die Zweitsichtung von "The Rainbow Thief" hat mich dann irgendwie noch weniger begeistert, als das ersten Mal, bei dem man sich wenigstens noch an den schönen (aber auch nicht überwältigenden) Bildern erfreuen kann. Die etwas lehrhafte und aufgesetzt wirkende Geschichte über materielle und immaterielle Werte und Menschen, die sich diesem in einer habgierigen Welt entziehen, spricht mich ohnehin nicht so wirklich an und dieses exzentrische Jahrmarkt- und Kanalisations-Szenario mit seinen skurrilen Figuren passt imho auch nicht sonderlich dazu. Irgendwie wirkt in dem episodenhaften Werk alles etwas unausgegoren, bemüht und ziellos und was auch immer Jodorowsky dem Zuschauer mit seinem wohl etwas zu kommerziell angelegten "The Rainbow Thief" näher bringen wollte - mir hat es sich nicht erschlossen. Ganz im Gegenteil - hier kommt zusammen, was nicht zusammengehört und irgendwie fand ich den gestern im Gegensatz zu Jodorowskys sonstigen Werken sogar erschreckend lahm und langweilig.

The Facility

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In der abgelegenen Limesbrook-Klinik wird eine medizinische Versuchsreihe durchgeführt, bei dem sieben Freiwillige für zwei Wochen und 2.000 Pfund ein neuartiges Serum namens "Pro-9" verabreicht bekommen. Nach einem medizinischen Check und der ominösen Injektion machen sich die sieben Leutchen, die einander noch nie gesehen haben, auf zwei langweilige Wochen gefasst. Doch schon in der ersten Nacht läuft alles aus dem Ruder, als einer der Probanden in einem gewalttätigen Wahn verfällt und Arzt, Sicherheitspersonal und auch die seine schockierten Kollegen attackiert. Allein und auf sich gestellt und in dem Wissen, das dieselben grauenvollen Symptome auch jederzeit bei sich selbst ausbrechen können, versuchen die Eingeschlossenen verzweifelt in der menschenleeren Klinik auf sich aufmerksam zu machen...

Mäßig interessante Mischung aus Medizin-Horror und "The Crazies", bei dem der Trailer wieder einmal wesentlich mehr verspricht, als der Film letztendlich halten kann. Die Geschichte über menschliche Versuchskaninchen in einer ominösen Forschungseinrichtung bzw. Klinik ist jedenfalls ganz und gar unspannend erzählt und vor allem das erste Drittel ist rein vergeudete Zeit, wenn lediglich einer nach dem anderen zum medizinischen Check geführt wird. Auch danach kommt "The Facility" nicht so wirklich in die Puschen und das klaustrophobisches Bedrohungsszenario, welches von Regisseur Ian Clark wohl geplant war, will sich nicht so wirklich einstellen. Gore-technisch köchelt der englische und rasant geschnittene Streifen ebenfalls eher auf Sparflamme und falls das Filmchen als Kritik über skrupellose Pharma-Konzerne gedacht ist, dann kann man dieses Unterfangen wohl auch getrost als gescheitert betrachten. Alles in allem kein Film, den man gesehen haben muss und der mich trotz interessanter Ansätze und ein, zwei bekannter Gesichter nicht wirklich begeistern konnte.

Daniel, der Zauberer

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Laut OFDB-Usern der schlechteste Film aller Zeiten hält der Streifen dann auch was er im Vorfeld verspricht und präsentiert sich in erster Linie als Konzert- und Musikfilm, der mit einer etwas seltsamen Geschichte über den universellen Kampf zwischen Gut und Böse, sowie Daniel-Fans und -Hatern vermengt wurde. Regisseur Ulli Lommel gibt in dem Amateur-haften Streifen den Schutzengel, der Daniel im Kampf gegen die kollektive Ablehnung zur Seite steht und auch der Rest der Küblböck-Familie ist in der Not mit Rat und Tat zur Stelle. "Daniel, der Zauberer" ist dann auch so etwas wie ein filmisches Denkmal für ein popkulturelles Kurzzeit-Phänomen, bei dem die Grenzen zwischen Huldigung und Zerstörung allerdings fließend sind und irgendwie hat man ständig den Eindruck, dass sich hier alle Beteiligten nicht so ganz im Klaren waren, welche verheerende Außenwirkung das semi-dokumentarisches Projekt mit einem etwas zu naiv erscheinenden Hauptdarsteller und der furchtbarsten, quälendsten und jemals auf Film gebannten Gesangnummer gleich zu Beginn schlussendlich haben würde. Unabhängig, was man vom Hauptdarsteller hält, ist "Daniel, der Zauberer" dann aber auch absolut skurrile und bisweilen fassungslos-machende Film-Unterhaltung mit gehörig Fremdschäm-Potential an allen Fronten, an das sich auch nur Die-Hard-Trashfans wagen sollten, bei denen Hopfen und Malz ohnehin schon verloren ist.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 16. Mär 2014, 09:25
von jogiwan
The Sky is falling

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In einem spanischen Küstenort leben zwischen den religiösen und verarmten Einwohnern auch eine Handvoll Touristen ein recht lasterhaftes und ausschweifendes Leben. Der Amerikaner Chicken spritzt sich Heroin und lässt sich durch die Tage treiben, während die ehemals erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin Treasure, wie auch der homosexuelle Terence jungen Männern und Champagner frönt und auf den Anruf ihres Agenten wartet und eher belustigt die ständigen Streitereien eines ehemaligen Militär-Offiziers mit seiner Gattin betrachtet. Als während einer religiösen Zeremonie eine Gruppe von Hippies in den Ort kommt, scheint jeder der lasterhaften Truppe mit einem der jungen Leute auf seine Kosten zu kommen und das lasterhafte Leben wird noch ausschweifender zelebriert, bis jeder für sich dafür seinen Preis zahlen muss.

Etwas seltsamer und nahezu unbekannter Streifen mit Dennis Hopper als selbstzerstörerischer Junkie und Carroll Baker als abgehalfterte Ex-Schauspielerin und alterndes Showgirl, die wie eine Gruppe von anderen Leuten in einem Urlaubsort ihr Leben ausschweifend und ohne Rücksicht auf andere genießen und sich dabei wissentlich am Rand des Abgrunds bewegen. Narizzanos Streifen, der auch unter dem reißerischen Titel "Bloodbath" vermarktet wurde ist aber kein moralisches Lehrstück über entartete Lebensweisen oder Horrorfilm, sondern vielmehr ein etwas psychedelisch angehauchter Streifen in der Tradition eines Jodorowskys, der seltsame Figuren und exotische Schauplätze mit surrealen Momenten vermengt und im Verlauf seiner durchaus sperrigen und nicht immer nachvollziehbaren Handlung auch viele Fragen offen lässt. Schon interessant gemacht, aber irgendwie lässt einen der ungewöhnliche "The Sky is falling" dann auch etwas ratlos zurück, wobei hier sicher auch die eher bescheidene Bildqualität eine Rolle spielt, die dem Zuschauer wohl so einige Details vorenthält.

Dinner with the Vampire

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Vier Nachwuchsschauspieler werden nach einem Casting auf ein altes Schloss eingeladen um dort auf den bekannten Regisseur Yurek zu treffen, in dessen neuesten Horrorstreifen die vier angehenden und hoffnungsfrohen Akteure eine Rolle übernehmen sollen. Das Schloss entpuppt sich mit seinem Personal jedoch als etwas seltsamer Ort und wenig später wird den jungen Leuten auch klar, dass sie in eine tödliche Falle getappt sind. Der ominöse Gastgeber entpuppt sich nämlich als Vampir, der seines untoten Lebens überdrüssig den verdutzten Besuchern die zweifelhafte Chance bietet, ihn bis Sonnenaufgang zu töten, da er ansonsten ihr Blut trinken würde. Da sich Kruzifix und Knoblauch als wirkungslos entpuppen suchen die jungen Leutchen schon bald verzweifelt nach einem anderen Weg dem Vampir das Handwerk zu legen und erhalten dabei Hilfe von ungewohnter Seite...

Nach all den verhaltenen und eher negativen Kritiken über "Dinner with a Vampire" war ich dann gestern doch etwas überrascht, wie solide und kurzweilig diese TV-Produktion von Lamberto Bava eigentlich daherkommt. Der Streifen ist dann auch eher eine etwas Parodie auf bekannte Vampir-Mythen, der wie ein Abenteuerfilm mit ein, zwei Gewaltspitzen daherkommt und mit seinem Film-im-Film auch ansonsten ein paar schöne Momente bietet. Im Gegensatz zu den restlichen Horrorfilmen aus dem Land des Stiefels und der Entstehungszeit ist "Dinner with the Vampire" jedenfalls ganz unterhaltsam und hat mit dem bunten Schloss auch einen schönen Handlungsort, in dem George Hilton als untoter Blutsauger auch mühelos seine jungen Kollegen an die Wand spielen darf. Wem sich bei ein paar augenzwinkernden Momenten, ein paar müden Gags und etwas Trash nicht gleich die Fußnägel aufrollen, findet bei "Dinner with the Vampire" dann auch spaßige und hübsch ausgestattete Horrorunterhaltung der insgesamt eher harmlosen Art bzw. für Zwischendurch und mehr möchte diese TV-Produktion dann wohl auch gar nicht sein.