Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Taxi Driver

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Hmm... so ganz kann ich die allgemeine Euphorie nicht nachvollziehen, aber wenn man Robert de Niro sowieso nicht gerne sieht, dann ist das wohl nicht gerade die beste Voraussetzung um "Taxi Driver" zu sehen. Was mir gefallen hat ist der Lokalkolorit, der natürlich super ist, aber die Geschichte selbst - ich weiß nicht... alles ein bissl zu lose und zu episodenhaft um eine nicht sonderlich sympathische Figur gespannt und wer Dreck und Abschaum sucht, wird ihn auch finden. Am Ende wartet man dann ebenfalls auf ein "Kawumm" und dann kommt nur ein moralisches Lüftchen, dass den Zuschauer meiner Ansicht dann auch noch irgendwie versöhnlich stimmen möchte. Mag sein, dass "Taxi Driver" im Jahre 1976 aufgrund des zeitliches Umfelds und seiner ambivalenten (Anti-)Heldenfigur ein kontroverser Schocker war, aber mich hat das leichtfüssig anmutende Lehrfilmchen für Pessimisten und Schwarzseher mit seinen rechtspopulistischen Tendenzen gestern nicht sonderlich begeistert.

Howling II

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jogiwan hat geschrieben: Während "Das Tier" von Joe Dante ein hübsch atmosphärischer, gelungener und spannender Beitrag zum Werwolf-Business ist, hat Herr Mora mit seinem zweiten Aufguß ja so ziemlich das Gegenteil dessen geschaffen. Der zweite Teil geht ja komplett in die trashige Richtung und bietet Christopher Lee und Reb Brown (leider ohne Yor-Perücke) als tapfere Helden im Kampf gegen die Werwolf-Königin Stirba, die ihr Schloss in Transylvanien in eine Art Fetish-Club verwandelt hat und nun mit ihrem Gefolge wüste Partys feiert. Neben herrlichen Ost-Klischees, holpriger Dramaturgie und viel nackter Haut bietet der Streifen Fell-sträubenden Geschehnisse am laufenden Band und einen Abspann, der in seiner Art ebenfalls ziemlich einmalig sein dürfte. Die recht günstige DVD ist jedenfalls sehr zu empfehlen und bietet trotz FSK16-Freigabe die lustige Werwolf-Sause in seiner ganzen und ungekürzten Pracht. Doof, aber lustig!
Die Zweitsichtung bestätigt den Verdacht, dass "Howling II" wirklich ein sehr doofes, aber fraglos unterhaltsames Werk geworden ist. Hier kommt definitiv zusammen, was nicht zusammengehört und das Drehbuch war wohl ein Schmierzettel im A4-Format. Herrlich! Ach ja, wenn ich mich gestern nicht verzählt habe, reißt sich Stirba alias Sibyl Danning im Abspann achtzehnmal den Lederbluse vom drallen Leibe! Und wie war das nochmal mit dem Titan und den geweihten Ohrstöpsel? Herrlich!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Taranteln - Sie kommen um zu töten

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Mit der TV-Produktion "Tödliche Fracht" hat Stuart Hagmann wohl den so ziemlich langweiligsten und harmlosesten Vertreter des Tierhorror- gezaubert, der selbst Arachnophobiker keine schlaflosen Nächte bereiten sollte. Ich nehme mal an, dass es an den Beschränkungen der TV-Landschaft oder der zensierten VHS-Fassung lag, dass man in "Taranteln - Sie kommen um zu töten" auf gruselige Spinnenangriffe nahezu verzichten muss, und die Viecher eigentlich eher harmlos in der Gegend herumkrabeln und reihenweise Leutchen im Off ermorden. Inszenatorisch und darstellerisch gibts hingegen nichts zu meckern und dass offensichtlich nur echte Spinnen zum Einsatz kommen, ist dem "Tödliche Fracht" ebenfalls anzurechnen. Neben Tierhorror streift das Filmchen dann auch noch ein bisschen das Katastrophenfilmgenre und bietet am Ende ein Bedrohungsszenario, dass statt Horrorfeeling auch eher zum Schmunzeln einlädt. Alles in allem ein Film, den man zwar gucken kann, der aber neben "Tödlicher Schwarm" sicher zu den höhepunktsarmeren Streifen aus der Tierhorror-Kiste zählt.

Survivor

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jogiwan hat geschrieben:Hui hui... die große Überraschung. "Survivor" von David Hemmings ("Blow Up") entpuppt sich ja als äußerst gelungene Mischung aus Mystery-Thriller und Katastrophenfilm, der den Zuschauer gleich von Beginn an in seinen Bann zieht. Die ersten 15 Minuten, in denen das Unglück gezeigt wird, sind auch sehr beklemmend ausgefallen und offensichtlich stand auch ein großes Budget zur Verfügung, das entsprechend in pyrotechnische Gegenstände investiert wurde. Zwar beschreitet der Film danach eher ruhigere Pfade, aber funzt dank eindrucksvoller Bilder, toller Darsteller und gruseliger Soundscapes weiter überaus hervorragend. Hemmings zieht beschaulich die Spannungsschraube an und jagt dem Zuschauer auch ohne blutige Momente mehrmals den eiskalten Schauer über den Rücken. Obwohl man dank vergleichbarer Filme bereits weiß, wie die Sache ausgehen wird, ist "Survivor" sicherlich einer der besten Streifen, die ich in den letzten Wochen zu Gesicht bekommen habe und hat mich ganz geplättet zurückgelassen. Auch die Ami-DVD aus dem Hause "Katarinas Nightmare Theatre" ist sehr gelungen und bringt den wunderbaren Streifen auch in sehr ansehnlicher Qualität, jedoch ohne nennenswerten Bonus.
Auch die gestrige Zweitsichtung hat nicht enttäuscht - die ersten 20 Minuten sind wirklich... hui! :?
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Rottweiler

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Die Story braucht man wohl wirklich nicht schön reden, obwohl ich ehrlich gestehen muss, dass ich mich bei anderen Filmen schon wesentlich mehr gelangweilt hab. In Brian Yuznas "Rottweiler" wird ja ständig gelaufen, gekeucht, gesabbert und gemeuchelt und auch ansonsten ist immer was los am Schirm, was in irgendeiner Weise zum Schmunzeln animiert. Sei es der wenig charismatische und dennoch furchtbar engagierte Hauptdarsteller, der meist nackig durchs Bild huscht, die strunzdumme Geschichte oder auch diese furchtbar schlecht animierte Robo-Töle mit den blauen Augen. Lluis Homar und Paul Naschy schauen auch vorbei und am Ende gibts hübsches CGI-Feuer. Alles in allem ganz trashige Kost, der nicht nur von dem ungleich besseren und ebenfalls spanischen Streifen "The Dog" von Antonio Isasi-Isasmendi inspiriert zu sein scheint, sondern auch vieles vorweg nimmt, mit dem ja auch die amerikansiche Produktionsfirma Asylum mittlerweile ganz schöne Profite einfährt. Doof, aber unterhaltsam!
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Daughter of Darkness

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Nach dem Tod ihrer Mutter fliegt die junge Amerikanerin Cathy nach Rumänien um ihren verschollenen Vater zu suchen. In Bukarest angekommen erkennt die von Alpträumen geplagte Frau gewisse Orte aus ihren Träumen und trifft tatsächlich auf Personen, die ihren Vater Victor gekannt haben. Dieser soll jedoch bereits vor langer Zeit verstorben sein, obwohl weitere Unterlagen unauffindbar sind und auch in dessen Grab ein falscher Leichnam liegt. Cathy forscht mit Hilfe eines Botschafts-Angestellten weiter und gerät so auch bald ins Visier der Geheimpolizei und einer anderen Gruppe von Leuten, die noch weit finstere Pläne mit der jungen Frau im Sinn haben...

Recht solider, wenn auch etwas blutarmer TV-Film von Stuart Gordon über eine junge Frau, die im fernen Bukarest auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit einer Vampir-Bande auf die Spur kommt. "Daughter of Darkness" lebt dabei neben seinen alptraumhaften Bilderwelten vor allem von seinen hübsch heruntergekommenen Handlungsorten mit Ost-Charme und bietet neben Mia Sara auch noch Anthony Perkins in einer Nebenrolle. Zwar kann auch dieser augenscheinlich etwas niedriger budgetierte Streifen in Punkto Gore und schwarzer Humor nicht mit seinen früheren Werken konkurrieren, aber auch hier holt Gordon wieder viel aus den vorhandenen Möglichkeiten heraus und bietet ein passables Endergebnis, das auch ohne spitze Eckzähne den Freunden von Vampirfilmen munden sollte. Ein großes Danke an dieser Stelle auch an Tomasotschi, der mir freundlicherweise die Sichtung erst ermöglicht hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Pit and the Pendulum / Meister des Grauens

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Stuart Gordon ist ja ein Guter und auch bei seinem als Horrorfilm getarnter Spätausflug ins Jahrzehnte zuvor ebenfalls sehr beliebte Hexenjäger-Exploitation-Genre macht er eigentlich für den Genre-Freund nicht viel verkehrt. Die Location, die er wenig später auch für seinen "Castle Freak" genutzt hat ist jedenfalls recht stimmig und der Zuschauer bekommt neben nackter Frauenhaut auch allerlei Grausigkeiten serviert. Allerdings kann sich die etwas überfrachtete Geschichte irgendwie nicht so recht zwischen düsterem Folter-Horror und überzeichneten Momenten mit allerlei Seitenhieben auf damaliges Verhalten und Würdenträger entscheiden und die Thematik ist jetzt sowieso nicht gerade das, was mich persönlich so interessiert. Auch wenn der Film rasant startet, so hat er dann durchaus seine Probleme, dieses aufrecht zu erhalten und irgendwie wird das erwartete Ende auch etwas sehr hinausgezögert. Das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern macht ebenfalls Freude, aber mehr wie eine mittelprächtige Bewertung ist hier subjektiv wohl dennoch nicht drinnen.

Someone's knocking at the Door

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Zugegeben, ich hab mir den Streifen ja teils nur deswegen zugelegt, weil ich mal einen Film sehen wollte, den unser werter Horrotschi mit 1/10 bewertet. Gar so schlimm und unerträglich wie er empfand ich "Someone`s knocking at the door" dann auch gar nicht, auch wenn sich Chad Ferrin alle Mühe gibt, schon eine sehr seltsame Geschichte und haufenweise unsympathische Charaktere zu präsentieren, denen man das rasche Ableben auch ehest baldig an den Hals wünscht. Und weil das alles noch nicht reicht, wird das dreckige Filmchen dann auch noch mit allerlei sonstigen Ton- und Bildeffekten versehen, dass man schon von einem sehr grenzwertigen, aber nicht uninteressanten Filmterror-Gesamtpaket sprechen kann. Die Geschichte über experimentierfreudige Drogenkonsumenten/Medizinstudenten und mysteriöse Vorgänge an einer Uni ist jedenfalls hübsch neben der Spur und präsentiert in der ungekürzten Fassung auch ein paar Überraschungen herber Natur. Ob man Filme, wo Leutchen von Riesenpimmeln anal zu Tode vergewaltigt werden und Mumus Frauenköpfe fressen, jetzt gut oder schlecht finden muss, steht auf einem anderen Blatt, aber imho hat Chad Ferrin doch einen ungewöhnlichen und bösartig-veranlagten Exploitation-Reißer und Drogenfilm gedreht, der vehement und auch sehr konsequent gegen den Strich gebürstet ist, vom Zuschauer auch durchaus einiges abverlangt und bewusst extreme Reaktionen provoziert.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Kiss of the Dragon

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Unterhaltsame Action-Granate mit Jet Li, der hier den schweigsamen Undercover-Ermittler gibt, der sich gleich mit Herrscharen von korrupten und französischen Polizisten anlegt und dabei fast die Stadt der Liebe in ihre Einzelteile zerlegt. Die temporeiche und kurzweilige Geschichte ist ja eigentlich haarsträubender Natur und bietet auch jede Menge augenzwinkernder Fremdschäm-Momente, wenn der Held gleich eine ganze Truppe von Judokas erledigt, Polizisten mit einer Fahne verdroschen werden oder sich ein Muskelprotz vor dem Kampf seines Hemdes entledigt. Alles spaßig und schwer unterhaltsam ist „Kiss of the Dragon“ mit seiner dezenten Liebesgeschichte dann wohl so etwas wie „Pretty Woman“ für Martial-Arts-Fans, die hier auch alles geboten bekommen, was man sich von einem Film aus dieser Kiste erwartet und der auch scheinbar mühelos nicht so große Action-Fans blendend unterhält.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Wicker Man

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Noch immer ganz wunderbarer und vor allem einzigartiger Film, den ich nun auch im sogenannten "Final Cut" gesehen hab, der auf der schicken und neuen 40th-Anniversary-Edition vorliegt. Nachdem es ja offensichtlich nicht gelungen ist, das Original-Negativ aufzutreiben, ist die vorliegende Fassung auch aus unterschiedlichen Quellen zusammengefügt, wobei die Qualität dabei stets gut bis sehr gut ist. Ob der "Final Cut" nun wirklich die beste Fassung ist, sei dahingestellt, aber zumindest entspricht diese entgegen dem irreführend betitelten "Directors Cut" nun tatsächlich Robin Hardys bevorzugte Schnittfassung. Die Blu hat auch noch viele Extras und Interviews an Bord, wobei interessanterweise die spannende Doku "The Wicker Man Enigma" von der deutschen Kinowelt-DVD nicht dabei ist. Was ich nicht ganz verstehe ist jedoch, warum "Wicker Man" manchmal immer noch in die Horror-Ecke gestellt wird, wo der herausragende Streifen meines Erachtens überhaupt nichts zu suchen hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Sinister

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Hui! "Sinister" ist sicherlich eine der größten Überraschungen der letzten Zeit und endlich mal ein aktueller Horrorstreifen, der nicht nur ganz ordentlich gruselt, sondern dabei auch noch angenehm oldskoolig daherkommt. Die erste Hälfte mit der Entdeckung der Snuff-Filme ist zwar klar der Gewinner und zaubert eiskaltes Grauen über den Rücken, aber auch die zweite Hälfte mit seiner übernatürlichen Dingen fand ich extrem gruselig, auch wenn diese einen Gang zurückschaltet. Die Story ist für einen Mainstream-Horrorstreifen jedenfalls ungewöhnlich düster gehalten und auch das Ende fand ich gelungen, auch wenn es für mich nicht ganz so überraschend war. Ethan Hawke schafft die Balance zwischen fürsorglichen Familienvater, Kotzbrocken und Autor unter Erfolgsdruck jedenfalls sehr gut und auch die Inszenierung mit passend eingesetzten Jump-Scares lässt eigentlich keine Wünsche offen. Für mich ist "Sinister" mit Abstand der gruseligste und Gänsehaut-effektivste Streifen, den ich in den letzten Monaten so gesehen hab. Prädikat: besonders :angst:
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Im Augenblick der Angst

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"Im Augenblick der Angst" im Kino zu sehen muss ja wirklich der absolute Hammer sein und man kann sich gut vorstellen, dass sich seinerzeit bei den Kinobesuchern reihenweise ein sehr mulmiges Gefühl eingestellt hat. Aber auch im Heimkino funzt Bigas Lunas ungewöhnlicher Slasher/Horrorfilm auch recht super und überascht durch seine ungewöhnliche Erzählweise, die sich mit der Auflösung des ersten und wohl interessantesten Kniffs recht lange Zeit lässt und dann seine spannende Handlung quasi doppelt ablaufen lässt. Dass die Szenen mit Zelda Rubinstein und Michael Lerner dann auch noch in Gaudis "Casa Vicens" in Barcelona gedreht wurden, ist dann für mich nur noch das Tüpfelchen auf dem i eines sehr gelungenen Streifens des kürzlich verstorbenen Regisseurs, der in seinen Output reihenweise ungewöhnliche Filme bietet, die hierzulande imho immer noch viel zu wenig wahrgenommen werden. Toller Film!

Dark Shadows

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Unterhaltsames und schön gemachtes Filmchen von Tim Burton, welches jedoch nicht die amüsante Culture-Clash-Komödie ist, wie man anhand des Trailers vielleicht vermuten könnte, sondern eher in Richtung Fantasy-Horror geht und dabei vor allem durch seine detailverliebte Siebziger-Atmosphäre punkten kann. Tim Burton hat wie üblich ein Herz für schräge Figuren und lässt in der Spielfilm-Adaption der US-Serie einen Vampir auf eine dysfunktionale Familie treffen. Alles hübsch in Szene gesetzt und wie auf Johnny Depp zugeschnitten ist "Dark Shadows" aber letzten Ende nicht viel mehr als gut gemachte Unterhaltung mit hohem Tempo, dass sich für meinen Geshcmack etwas zu sehr auf seine Bilder verlässt, während die Figuren doch etwas zu kurz kommen. Stagnation auf hohem Niveau und ein Film für ein breites Publikum, der sich auch gut gucken lässt, aber den Tim Burton-Fan der ersten Stunde auch irgendwie doch etwas betrübt zurücklässt. Alice Cooper und die Carpenters sind aber trotzdem super!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Forced Entry

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Ein harmlos aussehender und namenloser Tankwart ist in Wirklichkeit ein psychopathischer Vietnam-Veteran, der vom Krieg und seinen Taten traumatisiert wohlhabende Frauen in großen Autos zu seinem persönlichen Feind erklärt hat. Mit einem Trick lockt er daher ahnungslosen Frauen, die an der Tankstelle halten die Adressen heraus, stalkt diese und bricht wenig später mit Messer und Pistole bewaffnet in deren Wohnungen ein, um die Frauen zu vergewaltigen und anschließend brutal zu ermorden...

"Forced Entry" ist ja ein sehr berüchtigter Fleischfilm aus den Siebzigern, der neben seinen Sexszenen und frauenverachtenden Grundton ja auch das Slasher-Genre streift (deswegen auch der Eintrag hier) und dabei auch dokumentarische Szenen des Vietnam-Krieges auf eigentlich höchst unpassende Weise zu seinem Geschehen montiert. Für knapp 6.000 Dollar unter dem Pseudonym Helmuth Richler gedreht, was "Forced Entry" für Shaun Costello, der hier auch als Dave seinen Mann steht, der Einstieg in die Branche und markiert dennoch gleichzeitig eines der unbequemsten Werke aus der Ecke. Weniger erotisch hätte das Gesamtergebnis auch nicht ausfallen können und ich kann mir irgendwie gut die fassungslosen und erzürnten Menschen vorstellen, die "Forced Entry" in einem Pornokino zu Gesicht bekommen haben. Auch Harry Reems soll in seiner Biografie geschrieben haben, dass dieser Film auch der Einzige seiner Karriere ist, den er bereut und irgendwie kann man es dem sympathisch wirkenden Mann auch nicht verübeln. Ein richtiger "Roughie" eben!

Bloody Flesh

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Der Tod der Großmutter bringt eine kolumbianische und über die Welt verstreute Familie wieder zusammen und vereinigt auch den jungen Andres Alfonso mit seiner Halbschwester Margareth, die den Großteil ihrer Jugend in den Staaten verbracht hat. Als es in der Nacht der Testamentseröffnung zu einem Terroranschlag kommt, der das Haus der wohlhabenden und einflussreichen Familie zerstört, besuchen die beiden ihren als kommunistisch verdammten Onkel am Lande, wo sich die beiden nach einem inzestuösen Akt in blutsaugende Untote verwandeln und in einer Nacht des Grauens Angst und Schrecken über die einfachen Leuten der Region bringen...

Hochgradig seltsamer Film des kolumbianischen Regisseurs Carlos Mayolo, der wohl metaphorisch die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse seines Landes in Form eines abgedrehten Horrorfilms präsentiert. Was als Portrait einer wohlhabenden Familie beginnt, wird im Laufe des Films so derart abgedreht, dass ich heute noch so meine Probleme hab, das Gesehene in irgendeine Richtung einzuordnen. Einerseits ist der Streifen wirklich radikal ausgefallen und bietet eine Szene, die sich Tierfreunde besser ersparen sollten, andererseits geht das Werk schon auch in die Richtung früher Jodorowsky-Filme, auch wenn "Carne de tu Carne" im Vorspann Roman Polanski und Roger Corman gewidmet ist. Irgendwie sehr schräg und auch nicht für jeden geeignet ist "Bloody Flesh" dann auch eher was für aufgeschlossene Zuschauer, die sich für ungewöhnlichsten und kompromißlose Werke der Filmgeschichte interessieren, auch wenn man sie nur teilweise oder bisweilen auch gar nicht versteht.
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