die letzten Tage im Schnelldurchlauf:
Golden Balls (Macho)
Etwas seltsame Mischung aus Drama, Komödie und Satire des kürzlich leider verstorbenen Bigas Luna ("Im Augenblick der Angst"), die auf recht drastische Weise zeigt, wohin einem unreflektiertes Macho-Verhalten und Materialismus führen kann. Benito hat zwar große Pläne und agiert ohne Rücksicht auf andere Menschen um das zu bekommen, was er möchte - doch die Lektion, die er dabei lernen muss ist eher bitterer Natur und am Ende kann einem der vom Schicksal gebeutelte Rolex-, Dali- und Julio Iglesias-Fan Benito ja schon leid tun. Luna sagt ja selber in Interview auf der DVD, dass er seinen Titelhelden für eine verachtenswerte Figur hält, die erst am Ende etwas sympathischer wird und irgendwie bekommen in dem sehr sexuellen Streifen "Golden Balls" ja auch Männlein und Weiblein gleichermassen ihr Fett ab. Sympathieträger muss man ja eher wo anders suchen und das der turbulente Streifen dadurch nicht überall auf Gegenliebe stößt, ist ebenfalls verständlich. Ich hingegen fand den gut, eben weil ordentlich vor den Latz geknallt wird.
Cruising
Berüchtigter Thriller im schwulen S/M-Milieu, den ich ja gar nicht so progressiv in Erinnerung hatte, als sich "Cruising" mir bei meiner gestrigen Sichtung präsentiert hat. Der Streifen ist auch mehr als nur ein handelsüblicher Thriller und zeigt das Abtauchen eines Polizisten in eine bislang ungeahnte Subkultur, die den Herrn dann auch nachhaltig verändert und wohl auch nicht mehr loslässt. Friedkin portraitiert dabei eine schwule und hedonistische Subkultur kurz vor Ausbruch der Aids-Epidemie, die so nicht mehr existiert und ist so sicher auch als Zeitdokument sehr interessant. Der Thriller-Anteil hingegen ist eher zu vernachlässigen und da auch die Existenz des Killers von Anfang an klar ist, kommt so etwas wie Spannung nicht wirklich auf. Der Streifen ist aber sehr packend gemacht, besticht durch einen großartigen Hauptdarsteller, sowie restlichem Cast und das Ende hat mir ebenfalls gut gefallen. Sicher einer der ungewöhnlicheren Mainstream-Thriller, aber wo hab ich nur mein Leder-Käppi!
Morgan
Kleiner und feiner, schwuler Indie-Film, der eine interessante Geschichte präsentiert, in dem ein professioneller Sportler nach einem Unfall sein Leben als Querschnittgelähmter wieder neu ordnen muss und mit Hilfe einer neuen Liebe einerseits die Lebensfreude wieder erlangt, aber so auch wieder in eine neue Abhängigkeit gerät. "Morgan" erzählt seine Geschichte aus der Sicht des Betroffenen und verzichtet größtenteils auf falsche Sentimentalitäten, während in der zweite Hälfte eher dramatischere Töne angeschlagen werden. Dabei werden auch Dinge wie Sex mit Behinderung, Barrierefreiheit und finanzielle Sorgen angesprochen, die den ehemaligen Sportler zu seinem Schicksal zusätzlich belasten. Dennoch ist "Morgan" ein sehr schöner, unspektakulärer und dennoch sehr berührender Film, der positiv bleibt und versucht die Situation der Betroffenen näher zu bringen, die im Alltag noch immer alles andere als einfach ist.
Dark City
Es gibt sie ja immer noch, die großen Überraschungen: von "Dark City" hört man ja gemeinhin eher wenig - zumindest hab ich das bislang immer so empfunden und auch die lediglich zwei Bewertungen über mit sprechen ja auch eine eindeutige Sprache. Alex "The Crow" Proyas Streifen taucht aber auch in einer bestimmten Regelmäßigkeit in Listen auf, bei denen es um unterbewertete Streifen geht und im Falle von "Dark City" ist das aber auch ausnahmsweise total berechtigt und der Streifen begeistert auch auf der vollen Linie, auch wenn man sich ständig an "Matrix" erinnert fühlt, der jedoch erst später entstanden ist. "Dark City" verbindet eine Schreckensvision einer fremdbestimmten Zukunft und erzählt diese im "Film Noir"-Thriller-Stil, während der Zuschauer mit bruchstückhaften und anfänglich ziemlich wirren Handlungsfetzen förmlich erschlagen wird, die erst später einen Sinn ergeben. Eingepackt ist das Ganze dann auch noch mit tollen Darstellern und in spannenden Bildern, die "Dark City" mit einer Mischung auch 50er-Jahre, "Steam-Punk" und deutschen Expressionismus auch optisch zu einem Genuß machen. Wer den Streifen noch nicht kennt, sollte sich das Teil unbedingt beschaffen.
Morgan
Zweitsichtung - wunderbarer Film!