Sehr schön, freue mich!Maulwurf hat geschrieben: ↑Mi 25. Mär 2026, 09:40 Yep! Die Komplettboxen mit den Tatort-Folgen stehen da und werden seit geraumer Zeit chronologisch durchgeschaut. Mal mit kleineren und mal mit grösseren Pausen zwischen den Folgen, wie es halt so ist. Aber über kurz oder lang werden es alle Folgen sein![]()
Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Moderator: jogiwan
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Tolle Besprechung, die die damalige Fernsehlandschaft und die Wirkung auf den unbedarften Zuschauer bei der Erstausstrahlung perfekt einfängt. Mein Vater fand als Fan des unkonventionellen Anwalts „Petrocelli“ Schimanski sogar einigermaßen sympathisch, nur beim Unterschied zwischen Punks und Rockern musste ich ihm Nachhilfe geben. Ein aufsehenerregender Einstand, doch finde ich persönlich spätere Episoden noch stärker, z.B. gleich die nächste, „Grenzgänger“.
Jammerschade übrigens, dass bei dem Autostunt ein heute extrem seltener Wagen geschrottet wurde. Nun ja, damals war das eben nur ein uninteressanter japanischer Karren.
Und hier der Screenshot...
Diktatur der Toleranz
Die Zeit listete den Film in einem Jahresrückblick als einen der schlechtesten des Kinojahres 2023. Besonders bemängelt wurden dabei die Sexszenen, die von der Rezensentin als „pornografisch“ und „lächerlich“ bezeichnet wurden.
Die Zeit listete den Film in einem Jahresrückblick als einen der schlechtesten des Kinojahres 2023. Besonders bemängelt wurden dabei die Sexszenen, die von der Rezensentin als „pornografisch“ und „lächerlich“ bezeichnet wurden.
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Tatort: Quartett in Leipzig
„Das war noch nüscht, das wird noch was!“
Anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums der öffentlich-rechtlichen Krimireihe referenzierte man auf den allerersten „Tatort“ namens „Taxi nach Leipzig“, der einen bundesdeutschen Ermittler in die damalige DDR nach Leipzig schickte. Mittlerweile schrieb man das Jahr 2000, die DDR war seit einer Dekade Geschichte und Leipzig hatte im Duo Ehrlicher (Peter Sodann) und Kain (Bernd Michael Lade) sein eigenes Kommissarsteam. Auf dieses treffen in diesem von Hans-Werner Honert, Fred Breinersdorfer und Wolfgang Panzer geschriebenen und von Kaspar Heidelbach inszenierten Fall („Tatort: Der Mörder und der Prinz“) die Kölner Ermittler Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär). Es handelt sich bei dieser am 26. November 2000 erstausgestrahlten Episode also um ein Crossover.
„In' nahen Osten, mit alten Volkspolizisten rumstreiten?!“
Der Burschenschaftler Dr. Maik Frei wird in Leipzig erschlagen aufgefunden. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Kölner Burschenschaftsmilieu: In einer aus Leipzig kommenden Bahn wird der Leichnam Dr. Karl Kuhns gefunden, der ebenfalls der Burschenschaft Votania angehörte – und offenbar mit Codein tödlich vergiftet wurde. Da beide kurz ihrem Tod ein Handytelefonat miteinander geführt hatten, kommen die Leipziger Ermittler um die Kommissare Ehrlicher und Kain sowie deren Kölner Pendants Ballauf und Schenk miteinander in Kontakt, zunächst noch inkognito. Obwohl in Leipzig kaum Interesse an einer Zusammenarbeit besteht, reisen Ballauf und Schenk in die Sachsenmetropole, um auf eigene Faust zu ermitteln. Nach anfänglichen Revierkämpfen rauft man sich zusammen und folgt einer Spur, die zu Professor Kleist (Vadim Glowna, „Steiner – Das Eiserne Kreuz“), dem Vorstand der Burschenschaft, führt, der pikanterweise auch Ehrlichers behandelnder Arzt aufgrund dessen Lungenerkrankung ist. Beide Mordopfer waren bei Kleist angestellt, hatten anscheinend etwas mit dessen Tochter Claudia (Theresa Hübchen, „Ärzte: Dr. Schwarz und Dr. Martin“), die aber eigentlich mit Professor Hauke (Max Herbrechter, „Auf eigene Gefahr“), dem Juniorpartner ihres Vaters, verlobt ist. Könnte Eifersucht ein Motiv gewesen sein? Oder spielen Kleists Forschungen eine Rolle – immerhin behauptet er, bahnbrechende Ergebnisse erzielt zu haben…?
Alles beginnt mit einer Röntgenaufnahme der Niere Ehrlichers, denn der Kommissar befindet sich gerade beim Arzt – Professor Kleist –, der etwas an dessen Lunge findet und ihn damit sehr verunsichert. Bereits die nächste Einstellung zeigt den Tatort, an dem Dr. Frei erschlagen wurde. Dass die Handlung beides zusammenführen wird, lässt sich hier noch nicht erahnen. Die Kölner Kommissare und „deren“ Leiche kommen ins Spiel und das Rätselraten ist zunächst groß. Klassische Ermittlungsarbeit gibt sich fortan mit der Abneigung der beiden Kommissarsduos gegenüber und dem daraus resultierenden Misstrauen und Gefrotzel die Klinke in die Hand. Insbesondere letzteres ist geprägt von Ost-West-Vorurteilen, aber auch recht unterhaltsam.
Man vernimmt den nach einer Burschenschaftsfeier verkaterten Ricardo Kleist (Matthias Koeberlin, „Schimanski: Rattennest“), Claudias Bruder, und spricht anschließend mit Claudia, während man als Teil des Fernsehpublikums versucht, den Überblick über all die eingeführten oder auch nur angesprochenen Figuren zu bewahren. Ein klassischer Splitscreen während eines Telefonats zwischen Ballauf und Ehrlicher stimmt nostalgisch, dass Ballauf sich bei den Burschifaschos als Kuhns Bruder ausgibt, erscheint etwas skurril, und dass eine Krankenakte verschwunden ist, verstärkt die Richtung Professor Kleist leitende Spur. Ehrlicher landet auf dem OP-Tisch und im Burschenschaftshaus kommt es während einer bizarren Zeremonie zum Showdown mit mehr oder weniger überraschender finaler Wendung.
„Quartett in Leipzig“ vermengt Kritik an pseudoelitären Burschenschaftsumtrieben mit Medizin-Thriller-Elementen und der Annäherung zwischen Ost- und Westdeutschland. Zu diesem Zwecke erzählt er eine überkonstruierte, Kommissar Ehrlich persönlich involvierende und gar als nächstes potenzielles Opfer präsentierende Geschichte, die eher unwahrscheinlich wirkt. Zudem ist dieser Fall etwas arm an Schauwerten, dafür schauspielerisch seriös gelöst. Die humorigen anfänglichen gegenseitigen Anfeindungen der Kommissarsteams machen hingegen Spaß, dass im Zimmer des toten Kuhn ein Blechreiz-Poster und weitere Ska-Plakate hängen, wirft Fragen auf, und die hoffnungsfrohe (heute überholt und naiv erscheinende) Aussage, dass sich Ost und West zusammenraufen könnten, um mit vereinten Kräften das Böse zu bekämpfen, ist vom grundsätzlich richtigen Geiste beseelt.
Mit kleinem Sodann- und Lade-Sympathiebonus komme ich daher auf 6 von 10 gemeinsam gezischten Pils.
„Das war noch nüscht, das wird noch was!“
Anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums der öffentlich-rechtlichen Krimireihe referenzierte man auf den allerersten „Tatort“ namens „Taxi nach Leipzig“, der einen bundesdeutschen Ermittler in die damalige DDR nach Leipzig schickte. Mittlerweile schrieb man das Jahr 2000, die DDR war seit einer Dekade Geschichte und Leipzig hatte im Duo Ehrlicher (Peter Sodann) und Kain (Bernd Michael Lade) sein eigenes Kommissarsteam. Auf dieses treffen in diesem von Hans-Werner Honert, Fred Breinersdorfer und Wolfgang Panzer geschriebenen und von Kaspar Heidelbach inszenierten Fall („Tatort: Der Mörder und der Prinz“) die Kölner Ermittler Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär). Es handelt sich bei dieser am 26. November 2000 erstausgestrahlten Episode also um ein Crossover.
„In' nahen Osten, mit alten Volkspolizisten rumstreiten?!“
Der Burschenschaftler Dr. Maik Frei wird in Leipzig erschlagen aufgefunden. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Kölner Burschenschaftsmilieu: In einer aus Leipzig kommenden Bahn wird der Leichnam Dr. Karl Kuhns gefunden, der ebenfalls der Burschenschaft Votania angehörte – und offenbar mit Codein tödlich vergiftet wurde. Da beide kurz ihrem Tod ein Handytelefonat miteinander geführt hatten, kommen die Leipziger Ermittler um die Kommissare Ehrlicher und Kain sowie deren Kölner Pendants Ballauf und Schenk miteinander in Kontakt, zunächst noch inkognito. Obwohl in Leipzig kaum Interesse an einer Zusammenarbeit besteht, reisen Ballauf und Schenk in die Sachsenmetropole, um auf eigene Faust zu ermitteln. Nach anfänglichen Revierkämpfen rauft man sich zusammen und folgt einer Spur, die zu Professor Kleist (Vadim Glowna, „Steiner – Das Eiserne Kreuz“), dem Vorstand der Burschenschaft, führt, der pikanterweise auch Ehrlichers behandelnder Arzt aufgrund dessen Lungenerkrankung ist. Beide Mordopfer waren bei Kleist angestellt, hatten anscheinend etwas mit dessen Tochter Claudia (Theresa Hübchen, „Ärzte: Dr. Schwarz und Dr. Martin“), die aber eigentlich mit Professor Hauke (Max Herbrechter, „Auf eigene Gefahr“), dem Juniorpartner ihres Vaters, verlobt ist. Könnte Eifersucht ein Motiv gewesen sein? Oder spielen Kleists Forschungen eine Rolle – immerhin behauptet er, bahnbrechende Ergebnisse erzielt zu haben…?
Alles beginnt mit einer Röntgenaufnahme der Niere Ehrlichers, denn der Kommissar befindet sich gerade beim Arzt – Professor Kleist –, der etwas an dessen Lunge findet und ihn damit sehr verunsichert. Bereits die nächste Einstellung zeigt den Tatort, an dem Dr. Frei erschlagen wurde. Dass die Handlung beides zusammenführen wird, lässt sich hier noch nicht erahnen. Die Kölner Kommissare und „deren“ Leiche kommen ins Spiel und das Rätselraten ist zunächst groß. Klassische Ermittlungsarbeit gibt sich fortan mit der Abneigung der beiden Kommissarsduos gegenüber und dem daraus resultierenden Misstrauen und Gefrotzel die Klinke in die Hand. Insbesondere letzteres ist geprägt von Ost-West-Vorurteilen, aber auch recht unterhaltsam.
Man vernimmt den nach einer Burschenschaftsfeier verkaterten Ricardo Kleist (Matthias Koeberlin, „Schimanski: Rattennest“), Claudias Bruder, und spricht anschließend mit Claudia, während man als Teil des Fernsehpublikums versucht, den Überblick über all die eingeführten oder auch nur angesprochenen Figuren zu bewahren. Ein klassischer Splitscreen während eines Telefonats zwischen Ballauf und Ehrlicher stimmt nostalgisch, dass Ballauf sich bei den Burschifaschos als Kuhns Bruder ausgibt, erscheint etwas skurril, und dass eine Krankenakte verschwunden ist, verstärkt die Richtung Professor Kleist leitende Spur. Ehrlicher landet auf dem OP-Tisch und im Burschenschaftshaus kommt es während einer bizarren Zeremonie zum Showdown mit mehr oder weniger überraschender finaler Wendung.
„Quartett in Leipzig“ vermengt Kritik an pseudoelitären Burschenschaftsumtrieben mit Medizin-Thriller-Elementen und der Annäherung zwischen Ost- und Westdeutschland. Zu diesem Zwecke erzählt er eine überkonstruierte, Kommissar Ehrlich persönlich involvierende und gar als nächstes potenzielles Opfer präsentierende Geschichte, die eher unwahrscheinlich wirkt. Zudem ist dieser Fall etwas arm an Schauwerten, dafür schauspielerisch seriös gelöst. Die humorigen anfänglichen gegenseitigen Anfeindungen der Kommissarsteams machen hingegen Spaß, dass im Zimmer des toten Kuhn ein Blechreiz-Poster und weitere Ska-Plakate hängen, wirft Fragen auf, und die hoffnungsfrohe (heute überholt und naiv erscheinende) Aussage, dass sich Ost und West zusammenraufen könnten, um mit vereinten Kräften das Böse zu bekämpfen, ist vom grundsätzlich richtigen Geiste beseelt.
Mit kleinem Sodann- und Lade-Sympathiebonus komme ich daher auf 6 von 10 gemeinsam gezischten Pils.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!
Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Ich suche folgenden Tatort :
"Der Fall Geisterbahn" (1972)
"Der Fall Geisterbahn" (1972)
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
- karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Polizeiruf Brandenburg: Goldraub
Ein Juwelier in Potsdam wird überfallen und es scheint eine Bande mit Clownsmasken dahinter zu stecken. Der Juwelier wird dabei erschossen, einer der Gangster stirbt woanders an einer Schusswunde. Einiges passt da nicht zusammen.
Eine zeit lang meint man noch sich in einen zweigeteilten Krimi zu befinden: Die Jagd nach dem Clowns, und der Fall in Potsdam. Ersteres nimmt allerdings nur einen sehr kleinen Teil ein, wird relativ unspektakulär und früh vom polnischen Kollegen gelöst. Das wäre mein erster kleinerer Kritikpunkt: Das war ja mal als grenzübergreifender Krimi geplant, aber hier sind wir eigentlich nur bei den Kommissaren Ross und Rogov, die mal getrennt mal zusammen ermitteln. Und immer mehr zusammen passen. Ich mag ja Ross als Mischung aus Dave Gahan und Zimbl, dessen Empathie auch wirklich glaubhaft rüber kommt, und auch im Duo mit dem knorrigen Rogov funktioniert das gut.
Die Story ist recht einfach und durchschaubar, ich wähnte mich beinahe in einem 80er Nachmittagskrimi: Familiäre Psychozusammenhänge, Spielsucht. Und auch da die klassische Rollenverteilung. Mutter, die alles zusammen halten will, Sohn, der nichts gebacken bekommt, starke aber naive Schwiegertochter.
Am Ende hatte ich kurz Angst vor einem Ende, dass ich meist doof finde, das umschiffen sie aber zum Glück noch.
Trotzdem ist das spannend inszeniert, die Kamera macht einiges, und Potsdam wird hübsch eingefangen.
Kein Höhepunkt, aber gut guckbar.
Ein Juwelier in Potsdam wird überfallen und es scheint eine Bande mit Clownsmasken dahinter zu stecken. Der Juwelier wird dabei erschossen, einer der Gangster stirbt woanders an einer Schusswunde. Einiges passt da nicht zusammen.
Eine zeit lang meint man noch sich in einen zweigeteilten Krimi zu befinden: Die Jagd nach dem Clowns, und der Fall in Potsdam. Ersteres nimmt allerdings nur einen sehr kleinen Teil ein, wird relativ unspektakulär und früh vom polnischen Kollegen gelöst. Das wäre mein erster kleinerer Kritikpunkt: Das war ja mal als grenzübergreifender Krimi geplant, aber hier sind wir eigentlich nur bei den Kommissaren Ross und Rogov, die mal getrennt mal zusammen ermitteln. Und immer mehr zusammen passen. Ich mag ja Ross als Mischung aus Dave Gahan und Zimbl, dessen Empathie auch wirklich glaubhaft rüber kommt, und auch im Duo mit dem knorrigen Rogov funktioniert das gut.
Die Story ist recht einfach und durchschaubar, ich wähnte mich beinahe in einem 80er Nachmittagskrimi: Familiäre Psychozusammenhänge, Spielsucht. Und auch da die klassische Rollenverteilung. Mutter, die alles zusammen halten will, Sohn, der nichts gebacken bekommt, starke aber naive Schwiegertochter.
Am Ende hatte ich kurz Angst vor einem Ende, dass ich meist doof finde, das umschiffen sie aber zum Glück noch.
Trotzdem ist das spannend inszeniert, die Kamera macht einiges, und Potsdam wird hübsch eingefangen.
Kein Höhepunkt, aber gut guckbar.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Tatort: Grenzgänger (Ilse Hofmann, 1981)
Götz George, Eberhard Feik, Günter Maria Halmer, Beatrice Kessler, Willi Thomczyk
Weil Schimanski mal wieder auf die Dienstvorschriften scheißt und mit seinem alten Kumpel Hollai einen saufen geht, hat dieser jetzt ein Problem. Hollai ist nämlich seit drei Jahren undercover unterwegs, und hat sich das Vertrauen des Gangsterbosses Kessenich erarbeitet. Durch das gemeinsame Bierchen ist die Deckung aufgeflogen, und als Schimanski und Thanner ihren Kollegen bei Kessenich aus dem Keller holen, vermeintlich retten, ist dann die Tarnung endgültig im Arsch. Hollai ist also wieder zurück im regulären Polizeidienst. Akten wälzen, kleine Ganoven verhören, Dienstvorschriften beachten. Aber der Kriminalrat Königsberg weiß, dass Polizisten, die nach langer Zeit aus dem Außendienst zurückkommen, dass die so ihre Probleme haben mit dem Seitenwechsel. Und er vermutet, dass Hollai nicht ganz sauber ist.
Stimmungsbilder aus dem Ruhrpott. Schimmi sitzt auf einer Bank am Fluss, hinter ihm billige Mietshäuser und dreckige Hochöfen, auf der Bank neben ihm ein älterer Mann. Man kommt ins Gespräch, man versteht sich, und der Abend endet bei Opa Friedrich in der gemütlichen Bierschwemme bei reichlich Alkohol und Lustig ist das Zigeunerleben.
Auch schön: Die beiden Kumpels Schimmi und Hollai cruisen im roten Porsche vor dem Thyssen-Stahlwerk auf dem Abraum herum und pflegen ihre Freundschaft. Und einmal kommt sogar die Sonne raus, wenn eine schöne Frau durch die Duisburger Innenstadt geht, und Thanner, Hollai und Schimmi (in dieser Reihenfolge) sie verfolgen. Stimmungsbilder eben …
Aber da ist ja auch noch ein Krimi, immerhin reden wir von einem Tatort. Und dieser Krimi ist in seiner Leichtigkeit und der ständig mitschwingenden Ironie einfach hinreißend. Natürlich ist Hollai ein falscher Fuffziger, und natürlich ist Schimanski (dieses Mal) ein ziemlich guter Polizist, der seine persönlichen Siebensachen im Notfall auch mal zurückstellen und auf seinen feinen Instinkt und seine rüden Methoden setzen kann. Aber wie diese Geschichte umgesetzt wird, das ist einfach … ja, leicht und beschwingt. Nicht so dampfwalzig wie der erste Schimmi-Tatort, sondern mit viel Witz und Zeit für das Nebensächliche inszeniert. Dem Zuschauer ist klar wie der Hase läuft, aber was Hollai hier inszeniert um seinen Plan ausführen zu können, da muss man erst einmal draufkommen.
Ein wenig Action hat es natürlich auch, die Verfolgungsjagd im Parkhaus ist schmackig und spannend, aber vor allem eben auch hier wieder diese Leichtigkeit in der Inszenierung: Gerade eben haben sich Schimmi und Hollai noch geprügelt, aber aus ihrer langen Freundschaft kommen sie einfach nicht raus. Sobald sie bemerken, dass sie verfolgt werden, funktionieren sie sofort wieder als Team. Rein ins Parkhaus, drehen, und den Verfolgern frontal entgegen kommen. Und aufgelöst wird die Szene mit einem lakonischen Witz, wie so viele Szenen hier mit einer heiteren Note enden, ohne dass dabei das Erdige des Falls verloren geht. Meistens sorgt Thanner mit einem Kommentar für Heiterkeit beim Betrachter, und es ist der Regisseurin Ilse Hofmann hoch anzurechnen, dass die Stimmung der Folge dabei in keinster Weise verloren geht. GRENZGÄNGER war übrigens der erste Tatort, der von einer Frau inszeniert wurde!
Vor allem aus heutiger Sicht eine starke Episode: Die Stimmung einer deutschen Industriestadt der frühen 80er, verbandelt mit einem spannenden Krimi, gepaart mit Witz und Ironie, unterlegt mit erstklassiger und stimmiger Rockmusik von Marius Müller-Westernhagen, da kann der ein wenig arg cholerische und um sich schreiende Schimanski auch nicht viel kaputtmachen. Vor allem weil Günter Maria Halmer als Hollai mit seiner kühl-überlegten Art ein perfektes Gegenstück zu dem aufbrausenden Schimmi gibt, und dessen gelegentliche Exzesse somit wunderbar ausbalanciert. GRENZGÄNGER bietet wenig richtige Action, kaum einmal gezückte Waffen und herumrasende Autos, und schon gar keinen Toten, aber trotzdem bleibt die Grundspannung über die komplette Folge erhalten. Ein Fernsehkrimi wie man ihn sich nur wünschen kann.
Zuletzt geändert von Maulwurf am Di 31. Mär 2026, 13:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Oben steht bei dir aber noch "Hajo Gies"
Ansonsten wieder eine schöne Rezi dieses großartigen Tatorts!
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Klassischer Copy and Paste-Fehler, und zwar bereits in meinem originalen Word Doc. Vielen Dank für den Hinweis, ist ausgebessert!buxtebrawler hat geschrieben: ↑Di 31. Mär 2026, 09:34Oben steht bei dir aber noch "Hajo Gies"
Ansonsten wieder eine schöne Rezi dieses großartigen Tatorts!![]()
Und vielen Dank für das Lob!! Tut gut
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Tatort: Der unsichtbare Gegner (Hajo Gies, 1982)
Götz George, Eberhard Feik, Werner Schwuchow, Chiem van Houweninge, Peter Bongartz, Helga Engel
Als Schimanski einen Bankräuber observiert wird er übel niedergeschlagen. Sylvia, die Lebensgefährtin seines Kollegen Thanner, bekommt, als sie die Tür ihrer Wohnung aufmacht, einen Messerstich in den Arm. Hänschen, der treue holländische Cop und Freund, wird mit der chemischen Keule angegriffen als er auf Schimanski wartet. Irgendjemand ist hinter Schimmi her und terrorisiert alle Menschen, mit denen der Kommissar Kontakt hat. Der Grund ist, dass er bei einem Einsatz einen Mann angeschossen hat, und dieser durch einen ärztlichen Kunstfehler keine Hirnfunktionen mehr haben wird. Ergo ist Schimmi schuld, dass der Mann hirntot ist, und dafür muss er zahlen.
Wieder diese Stimmungsbilder aus einer deutschen Industriestadt der frühen 80er. Menschen am unteren Rand der Gesellschaft, verkommene Mietshäuser, dreckige Hinterhöfe. Eine Frau die auf dem Sofa sitzt und säuft, während über dem Dach ihres Hauses eine Schnellstraße verläuft, und ihr Mann als erfolgloser Handelsvertreter die Pillermänner gleich neben der Kollektion hat. Schimmi, der einem Jugendlichen das Fahrrad konfiszieren will für eine Verfolgungsjagd, doch der Youngster gibt sofort Fersengeld – Er hat das Fahrrad schließlich selber geklaut. Ein Kunstmaler, der in so einer Umgebung finanziell natürlich auf dem Zahnfleisch geht, und wie selbstverständlich in krumme Dinger reinrutscht. Und überall in dieser Umgebung die kleinen Kneipen, wo es Buletten und Flaschenbier für Zuhause gibt. In so einer Welt ist sogar der Mittelstand ganz weit weg, und zwischen all dem Müll und dem Dreck fällt selbst der Schmuddel-Bulle Schimanski (so wird er einmal genannt) nicht weiter auf. Stimmungsbilder …
Auch ganz toll die Schauspieler. Helga Engel als Frau Krage, verhärmt, verlebt, und allem und jedem misstrauend. Nicht genügend misstrauisch, wie sich zeigen wird. Werner Schwuchow als Kriminalrat Kissling, der unter der Last seiner Verantwortung schier zusammenbricht und doch so gerne die Ermittlungen leiten würde. Dieser hinreißende Zwiespalt aus Gernegroß und kleinem Geist. Wolfrid Lier als Portier der Absteige, in der Schimmi nächtigt. Immer Lust auf einen Schnaps oder zwei oder drei. Ein Hinterhofgasthof wie man ihn sich in seinen schlimmsten Träumen vorstellt. Jochen Kolenda als Vertreter in dieser Absteige. Ein Schnäpschen, die Kollektion Bodenpflegemittel, das schüttere Haar, die billige Kleidung – Ein Leben am Rande der Nacht. Will man, wenn man Kind ist, so etwas mal werden? Großartige Schauspieler in klasse Nebenrollen!
Und die Story? Der Krimi? Eigentlich eine starke Idee, Schimmi einen unsichtbaren Verfolger hinterher zu schicken, und so einen Paranoia-Thriller inmitten dieser verkommenen Umgebung zu gestalten. Fast ein Neo-Noir, könnte man meinen. Aber leider ist das Drehbuch an den entscheidenden Stellen schwach und widersprüchlich, und die Aktionen Schimmis sind deutlich nur dazu gedacht, sich selber absichtlich tiefer in die Scheiße zu reiten und damit vermeintlich die Spannung zu erhöhen. Das Gegenteil ist der Fall, denn wenn Schimmi den Sender aus einer Jacke entfernt und an ein Taxi heftet, dann ist das zwar in dem Moment recht lustig, steht zu der zunehmenden Angst Schimanskis aber in krassem Gegensatz. Götz George war ein erstklassiger Schauspieler, und das gehetzte und gejagte, seine Unsicherheit und Unruhe übertragen sich schnell auf den Zuschauer. Der Aufzug fährt in einem dunklen Treppenhaus hoch und bleibt genau vor ihm in genau dem Moment stehen, als er seine Wohnungstür aus unbekannten Gründen nicht mehr öffnen kann. Ein Geräusch im Flur. Ist da jemand? Gängige Spielereien eines Verfolgungsthrillers, die ihre Wirkung nicht verfehlen und oft sehr spannend wirken. Leider steht die episodenhafte Erzählweise genauso gegen diese Spannung wie der erwähnte Umstand, dass Schimmi sich der Überwachung durch seine eigenen Leute entziehen will, gleichzeitig aber sichtlich alleine und ängstlich ist. Die Story beißt sich hier ganz furchtbar, was diese Spannung eben leider stark abschwächt.
Halt doch eine deutsche Fernsehproduktion, so denkt sich der Zuschauer, da kann man nicht so viel erwarten. Die Idee hinter der Story ist erstklassig, aber die Umsetzung ist leider wirklich auf TV-Niveau, und man wünscht sich einen Dominik Graf mit einem höheren Budget, der aus dieser kleinen und dreckigen Spannungsgeschichte wahrscheinlich einen düsteren Thriller gezaubert hätte, der den Vergleich mit den Größen des Noir nicht hätte scheuen müssen. So aber bleibt einfach eine gewisse Unzufriedenheit zurück, wie gut es hätte werden können, diese Verquickung von heruntergekommenen Straßen und gehetztem Bullen.
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- karlAbundzu
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Re: Tatort / Polizeiruf 110 - Kritiken und Diskussionen
Tatort München: Unvergänglich (Teil 1 & 2)
Batic und Leitmayr in ihren 99. und 100. und letzten Tatort.
Das Team mit den meisten Folgen bekommen zum Abschied eine Doppelfolge spendiert.
Das Opfer wird in einem unterirdischen Betriebsraum gefunden, es ist klar, das es nicht der Tatort ist. Batic und Leitmayr nehmen es als Herausforderung, den Fall in ihrer verbleibenden Dienstzeit von vier Tagen aufzuklären.
Spuren führen zu einem AirBnB, und zu Leuten, die sich Schlüssel nachmachen lassen und gerne so umsonst in Wohnungen nächtigen, wenn sie nicht vergeben sind. (In München ja gerne Thema-Tatorte: Hohe Mieten: Doch so voll im Mittelpunkt steht das nicht, es wird gar nicht auf die Miseren und Hintergründe eingegangen). Dazu spielen noch neue Drogen und ein unheimlicher Mann eine Rolle.
Am Ende von Teil eins meinen sie den Fall aufgeklärt zu haben (mit einem meiner unliebsten Enden, da das hier aber ja genau in der Mitte ist und die Handlung im Teil 2 antreibt, bin ich ok damit).
Im Teil zwei ermitteln sie gar nicht mehr offiziell, da schon im Ruhestand, doch ein Anruf einer Zeugin treibt sie wieder an. Gehen Kalli auf den Keks. Treffen alte Bekannte.
Das ist alles sehr spannend. Der Fall leidet nicht unter den Rahmenbedingungen, sondern wird ernst genommen, ist wirklich gut geschrieben und spannend. Dazu natürlich einiges schönes, das an alte Folgen erinnert.
Gelungener Abschied. Und ein kleinen Spalt für Gastauftritte ließen sie auch.
Batic und Leitmayr in ihren 99. und 100. und letzten Tatort.
Das Team mit den meisten Folgen bekommen zum Abschied eine Doppelfolge spendiert.
Das Opfer wird in einem unterirdischen Betriebsraum gefunden, es ist klar, das es nicht der Tatort ist. Batic und Leitmayr nehmen es als Herausforderung, den Fall in ihrer verbleibenden Dienstzeit von vier Tagen aufzuklären.
Spuren führen zu einem AirBnB, und zu Leuten, die sich Schlüssel nachmachen lassen und gerne so umsonst in Wohnungen nächtigen, wenn sie nicht vergeben sind. (In München ja gerne Thema-Tatorte: Hohe Mieten: Doch so voll im Mittelpunkt steht das nicht, es wird gar nicht auf die Miseren und Hintergründe eingegangen). Dazu spielen noch neue Drogen und ein unheimlicher Mann eine Rolle.
Am Ende von Teil eins meinen sie den Fall aufgeklärt zu haben (mit einem meiner unliebsten Enden, da das hier aber ja genau in der Mitte ist und die Handlung im Teil 2 antreibt, bin ich ok damit).
Im Teil zwei ermitteln sie gar nicht mehr offiziell, da schon im Ruhestand, doch ein Anruf einer Zeugin treibt sie wieder an. Gehen Kalli auf den Keks. Treffen alte Bekannte.
Das ist alles sehr spannend. Der Fall leidet nicht unter den Rahmenbedingungen, sondern wird ernst genommen, ist wirklich gut geschrieben und spannend. Dazu natürlich einiges schönes, das an alte Folgen erinnert.
Gelungener Abschied. Und ein kleinen Spalt für Gastauftritte ließen sie auch.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.