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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 25. Sep 2013, 16:05
von horror1966
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Stormhouse
(Stormhouse)
mit Grant Masters, Patrick Flynn, Grahame Fox, Munir Khairdin, Martin Delaney, James Capel, Anthony Mark Streeter, Frankie Fitzgerald, Andrew Hall, Jordan Pitt, Marlon Williams
Regie: Dan Turner
Drehbuch: Jason Arnopp / Dan Turner
Kamera: Richard Swingle
Musik: Sam Watts
FSK 16
Großbritannien / 2011

STORMHOUSE, im Jahr 2002 - eine geheime Untergrundbasis des britischen Militärs. Hier wird 11 Monate vor der Invasion des Iraks ein übernatürliches Wesen gefangen genommen und festgehalten. Dieser Film dokumentiert die letzten 4 Tage des Experiments. Das Medium Hayley Sands wird von der Regierung nach STORMHOUSE gebracht, um Kontakt zu dem paranormalen Wesen aufzunehmen. Ihre Ankunft löst jedoch eine Folge von grausamen Ereignissen aus, die zur Flucht des Gefangenen führen und in einem grauenhaften Albtraum für die komplette Militärbasis endet...


Wie eine übernatürliche Version von "The Thing" (horrortalk.com)


Mit dieser Behauptung wird auf dem Cover der deutschen D D für diese britische Produktion geworben und so ganz weit her geholt erscheint der Vergleich auch nicht, denn streckenweise sind in der Geschichte schon diverse Anlehnungen zu erkennen, die den Zuschauer auch manchmal ein wenig an die Alien-Filme erinnern. Der Unterschied liegt ganz einfach darin begründet, das sich das Böse in vorliegendem Fall als paranormale Präsenz zu erkennen gibt, die ziemlich schwer greifbar ist. Angeblich soll das Szenario auf einer wahren Begebenheit beruhen, doch im Prinzip ist das vollkommen egal, denn Regisseur Dan Turner hat mit äußerst geringen Mitteln ein Geschehen kreiert, das durchgehend einen konstanten Spannungsbogen präsentiert und vor allem in atmosphärischer Hinsicht absolut überzeugen kann. So entfaltet sich von Beginn an eine sehr dichte Grundstimmung, die mit zunehmender Laufzeit immer bedrohlichere Züge erkennen lässt. Außerdem entfaltet sich ein seltsames Gefühl der Beklemmung, das man den ganzen Film über nicht abstreifen kann, da die Bedrohung nur selten sichtbar und so für den Betrachter kaum greifbar ist.

Und so eröffnet sich dann auch eine Story, die sich in erster Linie durch das berühmte Kopf-Kino auszeichnet. Ganz bewusst wurde dabei auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet und vielmehr sorgsam darauf geachtet, hier ein solides Grusel-Feeling aufkommen zu lassen, das einen fast durchgehend mit einer gepflegten Gänsehaut versorgt. Der Schauplatz einer unterirdischen Militär-Basis tut dabei sein Übriges, die vorherrschende Atmosphäre mit der Zeit immer dichter werden zu lassen und die mysteriösen Einflüsse des paranormalen Wesens auf die in der Basis stationierten Menschen sorgt für etliche Momente, in denen man sich selbst nicht gerade wohl in seiner Haut fühlt. Dabei ist es natürlich nicht gerade unwichtig, sich in die Lage der Protagonisten hineinzuversetzen, denn nur so kann man sich auch mit dem Geschehen identifizieren. Ist man dazu in der Lage, dann kann man auch die größtenteils klaustrophobische Stimmung in sich aufsaugen, die vom Szenario ausgeht.

Dan Turner hat bei "Stormhouse" wirklich mit verhältnismäßig geringem Aufwand eine maximale Wirkung erzielt, denn wenn man sich auf das übernatürliche Geschehen einlassen kann, wird man mit einem wirklich packenden Film belohnt. Dennoch wird es auch genügend Leute geben, die mit dieser Art von Geschichte nicht viel anfangen können und denen es eventuell ein wenig an Action fehlt, die sich nur in begrenztem Maße zu erkennen gibt. Doch gerade dieser Aspekt gehört meiner persönlichen Meinung nach zu den Stärken des Werkes, das trotzdem ein hohes Maß an Intensität entfachen kann, die sich ganz automatisch auch auf einen selbst überträgt. Denn obwohl hier nicht unbedingt ein sehr hohes Tempo zu erkennen ist, schafft der Film es fast spielerisch, den Zuschauer durchgehend bei Atem zu halten und ihn durch die entstehende Faszination in seinen Bann zu ziehen.

Letztendlich ist "Stormhouse" kein Film, der einem sonderliche Neuerungen oder neue Impulse präsentiert, aber es wird definitiv eine sehr spannende Geschichte erzählt, die mit geringen Mittel den maximalen Ertrag erzielt. Die gelungene Kombination verschiedener Genre-Anleihen und diverse Ähnlichkeiten zu bestimmten Filmen sorgen für ein äußerst interessantes Filmerlebnis, dem man auf jeden Fall eine Chance geben sollte, um sich selber ein Bild über die paranormalen Ereignisse zu machen, die sich in der unterirdischen Basis abspielen. Das Ganze wird einem zudem durch gut agierende Darsteller näher gebracht, wobei die einzelnen Charaktere nicht eingehender beleuchtet werden, was jedoch für die Story an sich auch nicht zwingend notwendig erscheint, so das man an dieser Stelle keinen Grund zur negativen Beanstandung vorliegen hat.


Fazit:


"Stormhouse" hat mich wirklich positiv überrascht, denn was hier mit den einfachsten Mitteln auf die Beine gestellt wurde kann sich jederzeit sehen lassen. Spannend und äußerst atmosphärisch offenbart sich ein Geschehen, das fast gänzlich ohne Gewaltdarstellungen auskommt und den Betrachter dennoch absolut fasziniert.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 25. Sep 2013, 17:37
von horror1966
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Videodrome
(Videodrome)
mit James Woods, Sonja Smits, Deborah Harry, Peter Dvorsky, Leslie Carlson, Jack Creley, Lynne Gorman, Julie Khaner, Reiner Schwartz, David Bolt, Lally Cadeau, Henry Gomez, Harvey Chao, David Tsubouchi
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Kamera: Mark Irwin
Musik: Howard Shore
ungeprüft
Kanada / 1983

Max Renn ist Teilhaber einer privaten Fernsehgesellschaft, die vor allem Pornos und Gewaltfilme ausstrahlt. Eines Tages stößt er auf eine neue Horror-Sex-Show: Videodrome. Er versucht, an die Hintermänner der Produktion heranzukommen. Dabei lernt er die Psychologin Nicki kennen, die ihm bei der Suche helfen will. Als die Bänder endlich in seinem Besitz sind, stellt Max entsetzt fest, das Videodrome bei ihm und allen anderen Zuschauern schreckliche Veränderungen verursacht. In diesem Alptraum fließen Wirklichkeit und das bunte Geflimmer auf dem Fersehschirm zu einer schrecklichen Einheit zusammen...


Die Filme von David Cronenberg haben sich schon immer durch eine ganz spezielle note ausgezeichnet, ist der kanadische Regisseur mit seinen Szenarien doch zumeist der eigentlichen Zeit voraus und verleiht seinen Werken fast immer einen futuristischen Touch. War dieser Aspekt schon in Filmen wie "Rabid", Shivers" oder auch "Scanners" zu beobachten, so kristallisiert er sich doch in "Videodrome" ganz besonders heraus. Nicht umsonst handelt es sich hier wohl um einen der besten Filme des Kanadiers und obwohl ich persönlich bei meiner damaligen Erstsichtung herzlich wenig mit der Story anfangen konnte, so sendet sie doch heutzutage einen umso größeren Reiz aus. Dabei handelt es sich zu Beginn noch um ein absolut normales Szenario, das zu Beginn keinerlei Indizien aufweist, das man in der Folge mit einem extrem gelungenem SCI/FI-Horrorfilm konfrontiert wird, der einem phasenweise das Blut in den Adern gefrieren lässt. Zugegebenermaßen wird die Geschichte nicht jeden Geschmack ansprechen, denn Cronenberg und seine Art des Horrors trifft längst nicht nur auf Gegenliebe bei den Genre-Fans. Das mag sicherlich auch darin begründet sein, das man hier keine stumpfe Splatter-Gore Orgie erwarten kann, handelt es sich doch vielmehr um größtenteils subtilen Horror, der mit mehreren sehenswerten-und recht derbe ausgefallenen Passagen angereichert wurde und zudem auch noch äußerst nachdenklich stimmt.

Der sogenannte Körper-Horror ist ja nun einmal das berühmte Steckenpferd des Regisseurs und wird in vorliegendem Fall hauptsächlich an Haupt-Charakter Max Renn (James Woods) exerziert, der durch seine Neugier-und der menschlichen Vorliebe für das Verbotene zum Spielball einer Organisation wird, die mit angeblichen Snuff-Videos seine Aufmerksamkeit erregt. Zu spät erkennt Renn das es sich um einen ausgeklügelten Plan handelt, in dem nichts dem Zufall überlassen wird und er lediglich ein Teilchen in einem großen Puzzle ist. Woods spielt hier absolut fantastisch auf und trägt sämtliche Geschehnisse fast im Alleingang. Die anderen Protagonisten wie beispielsweise Sängerin Deborah Harry (Blondie) kommen im Prinzip trotz solider Leistungen nicht über den Status der Nebenrolle hinaus und erscheinen so manchmal fast schon wie nötiges Beiwerk. Zu prägend und omnipräsent ist das Schauspiel von Woods, der insbesondere durch seine grandiose Mimik die Veränderungen des von ihm dargestellten Charakters absolut glaubwürdig zum Betrachter transportiert.

"Videodrome" war seinerzeit nicht gerade ein Kassenschlager beim Publikum, vielmehr kam das Werk aufgrund seiner unverhohlenen Gesellschaftskritik und seiner Vielschichtigkeit gar nicht gut an. Greift die Geschichte doch auch ganz unverhohlen die Sehgewohnheiten des Menschen an und verarbeitet diese in einer äußerst drastischen, aber künstlerisch exzellenten Art und Weise. Gerade wenn man sich einmal die Entwicklung des Horrorfilms von 1983 bis in die heutige Zeit anschaut muss man doch feststellen, das der Zuschauer mittlerweile fast ausschließlich durch einen immer stärker ansteigenden Härtegrad zu befriedigen ist. So kann man dieses Werk auch durchaus als futuristische Version der heutigen Sehgewohnheiten ansehen und in dieser Beziehung setzt Cronenberg mit diesem Meisterwerk absolute Maßstäbe. Natürlich wird die Thematik in diesem Fall extrem überspitzt dargestellt, entfaltet dadurch aber eine unglaublich starke Wirkung und regt auch durchaus zum Nachdenken an. Letztendlich ist es jedoch das Gesamtwerk, das hier eine unglaubliche Faszination ausstrahlt und auch den Betrachter selbst zu einem Teil der ominösen Ereignisse macht, mit denen sich die Hauptfigur auseinandersetzen muss, um am Ende erkennen zu müssen, das es auf jeden Fall besser gewesen wäre, wenn sie nie etwas von "Videodrome" gehört hätte.

Einerseits ein fantastischer-und künstlerisch äußerst gelungener Film, so prangert die Geschichte auch schonungslos diverse Gewohnheiten des Menschen an, die nicht unbedingt als positiv zu bezeichnen sind. Neugier, Sensationslust und die Freude an der Manipulation anderer stehen so im Vordergrund eines Szenarios, das einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Visuell absolut brillant in Szene gesetzt, verstrahlt auch "Videodrome" diese ganz eigene sterile Kälte, die eigentlich fast alle Werke von Cronenberg beinhalten. Schon dadurch allein verspürt man durchgehend ein extremes Gefühl der Beklemmung, das den hier dargestellten Trip zwischen Realität und absolutem Wahnsinn die ganze Zeit über begleitet. Diesen Film sollte man keinesfalls einfach so nebenbei anschauen, erfordert er doch die gesamte Aufmerksamkeit des Zuschauers, damit man das Gesamtbild überhaupt auf sich wirken lassen kann.


Fazit:


David Cronenberg hat wirklich einige tolle Filme in seiner Vita stehen, doch der hier vorliegende ist ein kleines Meisterwerk. Sicherlich nicht für den breiten Mainstream geeignet, präsentiert sich ein fantastischer SCI/FI-Horrorfilm, der sich nicht nur durch explizite Gewaltdarstellungen definiert, sondern auch jede Menge kritische Ansätze in den Vordergrund rückt, über die jeder einmal nachdenken sollte.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 29. Sep 2013, 13:15
von horror1966
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The Road
(The Road)
mit Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Robert Duvall, Guy Pearce, Molly Parker, Michael K. Williams, Garret Dillahunt, Charlize Theron, Bob Jennings, Agnes Herrmann, Buddy Sosthand, Kirk Brown, Jack Erdie
Regie: John Hillcoat
Drehbuch: Cormac McCarthy / Joe Penhall
Kamera: Javier Aguirresarobe
Musik: Nick Cave / Warren Ellis
FSK 16
USA / 2009

Die Zivilisation, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Alles was geblieben ist, sind vage Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Die Welt, durch die ein Mann und sein Sohn streifen, gleicht einer apokalyptischen Mondlandschaft: Grau, mit Asche bedeckt, zerstörte Straßen, verbrannte Bäume, verlassene Häuser, hungernde, verzweifelte Menschen. Kannibalismus und Gewalt herrschen überall. Der einzige ständige Begleiter der beiden ist die Angst. In Richtung Süden, entlang des Ozeans, scheint ein besseres Leben möglich zu sein. Diese Hoffnung erhält Vater und Sohn den letzten Rest Lebensmut. Sich allen Gefahren widersetzend, erreichen Sie das Meer, doch die Kräftereserven des Vaters scheinen nun endgültig zu Ende zu gehen...


Filme mit Endzeit-Thematik beinhalten immer ihren ganz eigenen Reiz und wenn dem Zuschauer noch nicht einmal mitgeteilt wird wie es überhaupt zu diesem Szenario gekommen ist, verdichtet sich die beklemmende Atmosphäre des Geschehens umso mehr. So ist es auch bei "The Road" der Fall, wird man doch einfach mit der vorherrschenden Situation konfrontiert, ohne das der Film einem im Laufe der Zeit die Frage beantwortet, wie es dazu gekommen ist. Zwar fügt Regisseur John Hillcoat immer wieder kleinere Rückblenden ein, jedoch beantworten diese zu keiner Zeit, durch was die offensichtliche Katastrophe ausgelöst wurde. Und so kann man sich lediglich in der eigenen Fantasie ausmalen, das höchstwahrscheinlich der nukleare Holocaust der Auslöser war, scheint dies doch die einleuchtendste Erklärung für eine Welt zu sein, die an Tristesse nicht zu überbieten ist. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen ein Vater und sein kleiner Sohn, die scheinbar ziellos durch die Einöde wandern und dabei lediglich das Ziel vor Augen haben zu überleben. Dabei fokussiert sich das Ganze in der Hauptsache auf die Beziehung der beiden, ist diese doch von etlichen Kontrasten begleitet, die ganz hervorragend herausgearbeitet werden.

Einerseits ist da der Vater (Viggo Mortensen), der die Lage realistisch einschätzt und seinen kleinen Sohn vor den lauernden Gefahren beschützen will. Dabei versucht er seinem Sprössling gleichzeitig die nötige Härte mitzugeben, um in dieser zerstörten Welt überleben zu können und greift dabei zu Mitteln, die auf den Widerspruch des Jungen treffen. Dieser glaubt nämlich trotz umher ziehender Kannibalen und anderer Gefahren immer noch an das Gute im Menschen, so das es in etlichen Situationen zu Meinungsverschiedenheiten der beiden kommt. Kodi Smit-McPhee glänzt dabei ebenso in der Rolle des Junge wie Morten als Vater und das dargebotene Schauspiel der beiden ist ein absoluter Höhepunkt dieses düsteren Endzeit-Szenarios, das dem Betrachter ganz mächtig unter die Haut geht. So verspürt man von der ersten Minute an ein extremes Gefühl der Beklemmung, das sich mit zunehmender Laufzeit immer noch weiter verstärkt, so das man streckenweise vermeint, unter der entstehenden Schwermut zusammenzubrechen. Blasse Farben und eine trostlose Grundstimmung versetzen einen in die genau richtige Lage, um die vom geschehen ausgehende Intensität auch richtiggehend in sich aufzusaugen.

Dabei war es meiner Meinung nach auch ein absolut perfekter Schachzug, hier kein Szenario zu offenbaren, in dem es vor unnötigem Aktionismus nur so wimmelt. "The Road" setzt vielmehr auf eine eher ruhige Erzählweise, in der das vorhandene Tempo auch als eher bedächtig zu bezeichnen ist. Wirklich Action bekommt man im Prinzip überhaupt nicht geboten, was aber auf keinen Fall als negativer Kritikpunkt anzusehen ist. Eher das Gegenteil ist der Fall, zehrt die Geschichte doch von einem äußerst authentischen Eindruck und legt ihr Hauptaugenmerk auf die ruhigeren Töne, was in vorliegendem Fall definitiv der bessere Weg war. Nur so kann die Story ihre ganze Kraft-und Intensität entfalten, die sich wie ein zentnerschwerer bleierner Mantel auf die Schultern des Zuschauers legt und ihn schier zu erdrücken scheint. Nicht selten ertappt man sich dabei wie man sich selbst die Frage stellt, wie man selbst in einer Welt ohne Hoffnung zurechtkommen würde und ob es nicht sinnvoller wäre, sich mit Selbstmord nicht weiter der Tristesse und der Gefahr aussetzt die hier ganz extrem vorherrschen. Auch dieser Aspekt wird an mehreren Stellen in den Vordergrund geschoben und wird dabei mit sehr viel Emotionen unterlegt, die man äußerst gut nachvollziehen kann.

Das in dieser Geschichte auf keinen Fall ein Happy End erwartet werden kann versteht sich wohl von selbst und so gibt es dann auch ein emotionales Finale, das einem schon ein paar tränen in die Augen treiben kann. Andererseits beinhaltet der Schlusspunkt auch wieder ein wenig Hoffnung für einen der Hauptdarsteller, so das man ein wenig entspannter aus einem Szenario entlassen wird, das einem knapp 110 Minuten ordentlich die Luft abschnürt. "The Road" nimmt meiner persönlichen Meinung nach unter den unzähligen Filmen mit Endzeit-Thematik einen ganz besonderen Stellenwert ein, definiert sich die Geschichte doch nicht wie viele andere durch unvermeidbare Kämpfe unter den Überlebenden, sondern rückt vielmehr die Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn in den Vordergrund. Dadurch wird man selbst zutiefst berührt und setzt sich noch intensiver mit dem Geschehen auseinander, das man kaum düsterer hätte in Szene setzen können. Nach der Ansicht des Werkes braucht man dann auch erst einmal eine geraume Zeit um sich wieder zu erholen und merkt auch erst im nachhinein, wie sehr einen die Ereignisse mitgenommen haben. Brillantes Schauspiel der Akteure und eine unglaublich realistische Umsetzung des Ganzen sind hier die absoluten Highlights eines Filmes, den man sich nicht unbedingt in einer depressiven Stimmung anschauen sollte, da die Geschehnisse wirklich auf das eigene Gemüt schlagen und einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.


Fazit:


Es gibt unzählige Filme mit der hier vorliegenden Thematik, doch nur selten entfaltet sich dabei eine so beklemmende Atmosphäre, wie es bei "The Road" der Fall ist. Hoffnungslosigkeit und Tristesse stoßen hier in eine neue Dimension vor und ziehen den Betrachter ganz unweigerlich in ein Szenario hinein, das man hoffentlich nie in der Realität erleben wird.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: So 29. Sep 2013, 15:20
von horror1966
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Bloodline - Der Killer
(Bloodline)
mit Francesca Faiella, Virgilio Olivari, Marco Benevento, Alessandra Aulicino, Monica Citarda, Valentina Del Rio, Roberta Fossile, Francesco Malcom, Francesco Mastrorilli, Elena Ravaioli, Paolo Ricci, Fabio Rizzuto, Bruno Valente
Regie: Edo Tagliavini
Drehbuch: Mario Calamita / Virgilio Olivari / Edo Tagliavini
Kamera: Marina Kissopoulos
Musik: Claudio Simonetti
keine Jugendfreigabe
Italien / 2011

Sandra und ihr Kollege Marco werden von ihrem Boss zu einem Porno-Set geschickt, um einen Hintergrundbericht zu machen. Alles scheint ganz und gar normale, alltägliche journalistische Routine zu sein, doch etwas ist anders. Der Film wird an genau jener Location gedreht, an der vor 15 Jahren Sandras kleine Schwester von einem Serienkiller, den die Zeitungen nur Der Chirurg nennen, ermordet wurde. Sandra zögert, sich ihren Ängsten zu stellen, nimmt den Auftrag aber schließlich an. Doch die Vergangenheit ruht nicht, der Chirurg oder ein Nachahmer ist zurück. Damit nicht genug erwachen seine Opfer wieder zum Leben und morden ebenfalls...


Wenn man ein Fan des italienischen Horrorfilms ist, dann freut man sich natürlich immer wieder über eine neue Produktion aus dem Land, das mit Regisseuren wie beispielsweise Dario Argento, Mario Bava oder auch Lucio Fulci echte Könner ihres Faches hervorgebracht haben. In den letzten jahren ist es ja um italienische Filme etwas ruhiger geworden und leider kann auch "Bloodline - Der Killer" keinerlei neue Impulse liefern, die das italienische Genre-Kino wiederbeleben würden. Edo Tagliavini hat hier einen Regie-Debüt abgeliefert, das zwar phasenweise durchaus gute Momente beinhaltet, in seiner Gesamtheit jedoch viel zu unausgegoren und unrund erscheint, als das man von einem wirklich überzeugendem Film sprechen könnte. Vielleicht mag dies teilweise im niedrigen Budget begründet sein das mit geschätzten 70.000 Euro nicht gerade viel Spielraum für großartige Erwartungen lässt, doch das man auch mit wenig Geld viel bewerkstelligen kann, haben schon etliche andere Filme eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In vorliegendem Fall überkommt einen aber eher das Gefühl, das die Macher etwas besonders Innovatives auf die Beine stellen wollten und sich dabei größtenteils in das eigene Fleisch geschnitten haben. Dabei beginnt die Geschichte recht verheißungsvoll und legt sogleich ein angenehmes Tempo vor, das jedoch gleich darauf wieder für eine ganze Weile wie vom Erdboden verschluckt erscheint.

Stattdessen wird dem Zuschauer eine zu lang geratene Beleuchtung der eher nichtssagenden Charaktere geliefert, von denen insbesondere der Porno-Regisseur Klaus Kinki (!) die volle Aufmerksamkeit erregt, denn nicht umsonst wurde wohl der fast identische Name des als Exzentriker verschrienen deutschen Schauspielers Klaus Kinski benutzt, dessen Eigenschaften ganz offensichtlich kopiert werden sollen. Das gelingt allerdings mehr schlecht als recht und ist auch vielmehr als Fußnote in einem ansonsten teils schläfrigen Geschehen zu betrachten, das erst nach gut 45 Minuten ein wenig an Fahrt aufnimmt. Hier ist nämlich endlich der Zeitpunkt erreicht, an dem das Morden beginnt und zugegebenermaßen beinhaltet der Film für das geringe Budget einige äußerst sehenswerte Effekte, die streckenweise sogar recht derbe-und blutig ausfallen. In dieser Beziehung vermag man sich also nicht wirklich zu beschweren, vielmehr ist es die Erzähl-Struktur an sich, die einem größtenteils die Haare zu Berge stehen lässt. Wird man doch mit diversen Ereignissen konfrontiert, die man ohne Weiteres als absolut hanebüchen und an den haaren herbeigezogen bezeichnen kann. So erwachen die Getöteten ohne ersichtlichen Grund wieder zum Leben, um dann als Zombies die lebenden anzufallen, was in diesem Fall wirklich schon als ziemlich grotesk bezeichnet werden kann, da dem Zuschauer nicht die kleinste Erklärung dafür geliefert wird.

Doch auch ansonsten strotzt die Story nur so vor unlogischen Verhaltensweisen der Protagonisten, beinhaltet einige visionsartige Passagen die auch gern mal für etwas Verwirrung Sorge tragen und wird von äußerst leblosem Schauspiel durchzogen, das keinerlei echte Emotionen zum Betrachter transportiert. Vielmehr erscheinen die Darstellungen zumeist regelrecht künstlich und aufgesetzt, wobei auch ein Hauch unpassender Theatralik nicht gänzlich zu verleugnen ist. Man merkt also, das "Bloodline - Der Killer" alles andere ist als ein filmisches Meisterwerk, denn offenbart sich einem doch vielmehr ein größtenteils amateurhaftes Szenario, dem man fast krampfhaft eine künstlerische Note verleihen will um an die guten alten Zeiten von Bava & Co. zu erinnern. Dieser Versuch muss aber letztendlich als gescheitert angesehen werden, denn normalerweise dürfte man die von mir aufgezählten Namen bekannter Regisseure überhaupt nicht mit diesem Werk in Verbindung bringen, da dies fast schon mit einer Beleidigung gleichzusetzen ist. Einige untaugliche Anlehnungen lassen einen aber definitiv die gescheiterten versuche erkennen, gewisse Stilmittel einfließen zu lassen, die dem betrachter in weit gelungenerer Form aus größeren Produktionen bekannt sind.

Lediglich die letzten Minuten des Treibens entschädigen ein wenig für viel Leerlauf, denn in den letzten Atemzügen erhöht sich noch einmal das Tempo und die Ereignisse wirken schon fast furios. Die längst geklärte Identität des Mörders spielt hier eine sehr untergeordnete Rolle, wobei sich schon im vorherigen Verlauf der Ereignisse nie ein wirklicher Überraschungsmoment aus diesem Aspekt ergeben hat, da doch alles ziemlich vorhersehbar daher kommt und man schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne erkennen kann, in welche Richtung der Hase laufen wird. Das bedeutet dann auch gleichzeitig, das man keinesfalls auf viel Spannung hoffen sollte, denn diese bewegt sich doch in einem extrem überschaubaren Rahmen, was aber letztendlich nahezu perfekt in das stark misslungene Szenario hineinpasst und den Film so gesehen im Prinzip perfekt abrundet.


Fazit:


"Bloodline - Der Killer" ist ein eher untauglicher Versuch, mehrere Sub-Genres des Horrors miteinander zu verbinden. Der Mix aus Slasher, Mystery und plötzlich wie aus dem Nichts auftretenden Zombie-Elementen erscheint phasenweise wirr und ohne jegliche Inspiration, lediglich einige nette Effekte sorgen dafür, das dieses Werk nicht zum totalen Rohrkrepierer mutiert.


3/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 30. Sep 2013, 18:14
von horror1966
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Grave Encounters 2
(Grave Encounters 2)
mit Shawn C. Phillips, Jennica Fulton, Richard Harmon, Dylan Playfair, Stephanie Bennett, Howie Lai, Leanne Lapp, Jeffrey Bowyer-Chapman, Alex Barima, Victor Zinck Jr., Peter Chao, Sean Rogerson, Garry Garneau
Regie: John Poliquin
Drehbuch: The Vicious Brothers
Kamera: Paul McCulloch
Musik: Quynne Alana Paxa
FSK 16
Kanada / USA / 2012

Der Filmstudent Alex ist ein Horrorfilm-Junkie und besessen davon, die Wahrheit hinter dem Film "Grave Encounters" heraus zu finden. Nachdem er erfährt, dass die gesamte Besetzung des Films entweder verstorben oder verschollen ist, fährt er mit ein paar Freunden zu der verlassenen, psychiatrischen Anstalt, in der der Film spielt. Schnell bestätigt sich der Verdacht, dass dort merkwürdige Dinge vor sich gehen und sie nicht allein in dem Gebäude sind. Es scheint, als wären die Geschehnisse aus "Grave Encounters" tatsächlich real. Nur ihr Wissen aus dem ersten Film gibt ihnen die Chance zu überleben. Dabei entdecken sie ein Geheimnis, dass alle Befürchtungen übertrifft.


Nach dem Überraschungserfolg des Indie-Filmes "Grave Encounters" war es nur eine Frage der Zeit, wann eine Fortsetzung erscheinen würde. Den Gesetzen des Marktes folgend ließ man sich auch nicht sonderlich viel Zeit damit und so erschien nun nur ein Jahr nach dem Erstling der zweite Teil und man darf gespannt sein, wie weit man die Kuh noch melken wird. Im Zeitalter von Filmen wie "Paranormal Activity" sind die "Grave Encounters" Filme eine angenehme Ausnahme, denn hier wird dem Zuschauer zumindest stellenweise wirklich ein echtes Grusel-Feeling präsentiert, das die verschiedenen Teile von "PA" fast gänzlich vermissen lassen. Dennoch ist diese Fortsetzung nicht ganz so gut gelungen wie ihr Vorgänger, der insbesondere in der zweiten Filmhälfte so richtig zur Sache geht. Zwar ist dies auch hier der Fall, jedoch haben die Macher dieses Mal meiner Meinung nach den kleinen Fehler begangen, dieses Mal weniger auf den subtilen Horror zu setzen, als diesen in der Hauptsache durch teils explizite Härte zu ersetzen.

Dabei deutet zu Beginn des Filmes noch gar nichts darauf hin, startet die Geschichte doch mit einer wilden Party einiger Jugendlicher, von denen der junge Film-Junkie Alex die Hauptrolle spielt. Er möchte den mysteriösen Umständen des Verschwindens der gesamten Film-Crew von "Grave Encounters" auf den Grund gehen, womit auch gleichzeitig die Thematik dieses Werkes geklärt ist. Zeitlich siedelt sich das Geschehen dabei 10 Jahre nach dem Film an und dem Zuschauer offenbart sich in den ersten gut 40 Minuten eine Story, die fast gänzlich ohne jeden Höhepunkt auskommen muss. Hier zeigt sich eine frappierende Parallele zu Teil 1, in dem man leider auch ein wenig zu viel Zeit mit Belanglosigkeiten vergeudet hat, bevor das Szenario dann fast ruckartig eine Richtung einschlägt, die insbesondere das Tempo der Erzählweise ganz enorm anzieht. Mit dem Eintreffen der Jugendlichen in der ehemaligen Anstalt fühlt man sich dann sofort wieder heimisch, erinnert man sich doch sofort an die Räumlichkeiten, die einem ein Jahr zuvor schon eine Menge Nervenkitzel serviert haben.

Warum also von diesem Rezept abweichen werden sich die Macher gedacht haben und servieren einmal mehr düstere-und dunkel gehaltene Bilder aus der Location, in der sich nun einmal mehr ein echtes Schreckens-Szenario entfaltet, das zwar mit einigen eindrucksvollen Schockmomenten aufwarten kann, in der Hauptsache aber den Fokus auf härtere Passagen mit einer gehörigen Portion Blut legt, was in erster Linie die Freunde der derberen Gangart ansprechen wird. Liebhaber der subtilen Gruselkost kommen dafür weniger auf ihre Kosten, denn die Ereignisse nehmen phasenweise doch fast schon rabiate Züge an. Dadurch bleibt der Aspekt des Suspense ein wenig auf der Strecke und hat zumindest bei mir persönlich etwas das Seh-Vergnügen geschmälert. Dennoch handelt es sich aber immer noch um eine insgesamt gelungene Fortsetzung, die jedoch nicht mehr an den Überraschungs-Effekt des ersten Teils anknüpfen kann.

Zu vorhersehbar gestalten sich nämlich die Abläufe, die doch teils ebenso angeordnet sind wie im Vorgänger, so das sich keinesfalls der echte Nervenkitzel einstellen will. Dem entgegen stehen aber auch einige nette Änderungen, die gelegentlich dann doch zumindest für kleinere Aha-Momente beim Betrachter sorgen können. Als nur ein Beispiel sei dafür die Fahrt mit dem Hotel-Lift genannt, denn hier erleben die Protagonisten wie auch man selbst einen äußerst überraschenden Moment, als sich die Türen des Fahrstuhls wieder öffnen. Von dieser Sorte hätte man viel mehr Szenen einbauen sollen, denn dann wäre "Grave Encounters" weitaus besser zu bewerten gewesen, doch in vorliegender Form reicht es immerhin auch noch zu einem Film, der sich im oberen Mittelfeld ansiedeln kann.


Fazit:


Nach einem richtig gelungenem ersten teil folgt hier also eine etwas schwächere Fortsetzung, was die Freunde der härteren Gangart aber wahrscheinlich vollkommen anders sehen werden. Für Splatter/Gore Szenen sind jedoch andere Filme der richtige Ort, denn hier erwartet man doch mehr den schleichenden Horror, der einen subtil und nicht direkt angreift. Dennoch kann man bedenkenlos eine Empfehlung aussprechen, denn kurzweilige Unterhaltung wird einem definitiv geboten.


6/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 30. Sep 2013, 18:15
von horror1966
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More Brains - Return of the Living Dead
(More Brains! A Return to the Living Dead)
mit Jules Brenner, Don Calfa, James Dalesandro, J. Trevor Edmond, Tony Gardner, Clu Gulager, Graham Henderson, Steve Johnson, James Karen, Thom Mathews, Kenny Myers, Miguel A. Núñez Jr., Dan O'Bannon
Regie: Bill Philputt
Drehbuch: Thommy Hutson / Christian Sellers / Gary Smart
Kamera: Michael Benni Pierce
Musik: Sean Schafer Hennessy
FSK 16
USA / 2011

Der Urvater der Zombies, George A. Romero, verantwortlich für den Kino Blockbuster "Night of the Living Dead" - einer der ausgefallensten Splatter Klassiker - , hört nicht auf Fans auf der ganzen Welt in Angst und Schrecken zu versetzen und Sie gleichzeitig mit einer Mischung von Blut, Eingeweide, Sex und Punk zu unterhalten. Mit dieser Dokumentation werden endlich all die offenen Fragen beantwortet und mit Mythen aufgeräumt. Lass Dich durch das Blut, die Angst und den Erinnerungen der Schauspieler führen, wenn Sie ihre Erfahrung auf dem Friedhof Revue passieren lassen. Mit einem grandiosem Humor, einer gesunden Grundhaltung zum Horror und mit erstklassigen Untoten, die je auf der Leinwand zu sehen waren, ist es kein Wunder das die Legende weiter wächst.


Der deutsche Titel sowie auch die inhaltsangabe dieser Dokumentation können einen ziemlich schnell in die Irre führen, erwartet man doch eigentlich eine Doku über Romeros Meisterwerk "Night of the Living Dead" aus dem Jahr 1968. Doch weit gefehlt. Doch der Film um den es sich hier dreht, ist die wunderbare Zombie-Komödie "Verdammt die Zombies kommen" von 1985, der unter der Regie von Dan O'Bannon entstanden ist und in Fan-Kreisen durchaus seinen Kultstatus genießt. Dennoch wird gerade zu beginn auch ein klein wenig auf das 68er Werk eingegangen, sollte es sich hier doch im Prinzip um eine Fortsetzung dieses Meilensteines handeln. Warum dann letztendlich aber eine herrliche Zombie-Komödie entstanden ist, wird dem Zuschauer im Laufe der Zeit näher gebracht. Die Dokumentation an sich ist absolut gelungen und man erfährt von etlichen beteiligten der damaligen Produktion eine Menge wissenswerte Hintergrundinformationen, die für etliche Leute eventuell auch vollkommen neu sind. Dabei kommen die Darsteller ebenso zu Wort wie etliche Mitglieder der restlichen Crew und über eine Sache scheinen sich alle einig zu sein, denn die damaligen Dreharbeiten müssen ganz offensichtlich eine Menge Spaß gemacht haben.

So kommt beispielsweise auch heraus, das etliche Passagen des Filmes eher durch Zufall oder vollkommen spontan entstanden sind und als Kenner des Werkes muss man erstaunt feststellen, das es sich dabei um einige Einstellungen handelt, die heute einen regelrechten Kultstatus inne haben. Ein Großteil der Doku dreht sich natürlich auch um den leider schon verstorbenen Regisseur Dan O'Bannon, der laut einiger Aussagen anscheinend ein ziemlich schwieriger Mensch war, der längst nicht mit jedem Darsteller ausgekommen ist. Auf der anderen Seite wird dem Mann aber auch jede Menge Respekt gezollt und bis auf einige kleinere Anekdoten wird auch nichts Schlechtes über den Mann geäußert, der mit "Verdammt die Zombies kommen" eine der besten Zombie-Komödien aller Zeiten geschaffen hat.

Dieser Aspekt nimmt auch einen Großteil der Erzählungen ein und macht dem Betrachter vor allem klar, das es gar nicht einmal so leicht war, diesen B-Movie innerhalb von nur 6 Wochen abzudrehen. Ein niedriges Budget und immer wieder auftretende Rückschläge erschwerten die Sache dabei und etliche Dinge mussten kurzerhand improvisiert werden. Gleichzeitig kommt hier sehr gut zum Ausdruck, wie froh und auch stolz alle Beteiligten sind, das sie damals an dieser Produktion mitwirken durften, der sie eigentlich nie diesen riesigen Erfolg zugetraut hätten. Auch der Zuschauer wird den Film nach der Ansicht dieser Dokumentation eventuell etwas respektvoller betrachten und vor allem einige Szenen bei der nächsten Sichtung aus einem vollkommen anderen Blickwinkel sehen, bekommt man hier doch interessante Informationen geliefert, die einem zuvor noch nicht zur Verfügung standen.

Insgesamt gesehen handelt es sich hier um eine wirklich gelungene-und sehr informative Info, die den Fans von "Verdammt die Zombies kommen" definitiv zu empfehlen ist. Mit einer Laufzeit von knapp 2 Stunden erfährt man etliche spannende und witzige Anekdoten und erfährt jede Menge Details über die damaligen Dreharbeiten, sowie das Verhältnis zwischen den Beteiligten und ihrem Regisseur.


Fazit:


Auch wenn der deutsche Titel dieser Dokumentation so manch einen in die Irre führen wird, erlebt man dennoch auf keinen Fall eine Enttäuschung. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn die unzähligen Infos über eine der besten Zombie-Komödien überhaupt vertreiben einem die Zeit wie im Flug und lassen keinerlei Langeweile aufkommen.


7/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 2. Okt 2013, 13:15
von horror1966
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The Witch
(Superstition)
mit James Houghton, Albert Salmi, Lynn Carlin, Larry Pennell, Jacquelyn Hyde, Robert Symonds, Heidi Bohay, Maylo McCaslin, Carole Goldman, Stacy Keach Sr., Kim Marie, Billy Jayne, Johnny Doran, Bennett Liss, Joshua Cadman
Regie: James W. Roberson
Drehbuch: Galen Thompson / Michael O. Sajbel / Bret Thompson Plate
Kamera: Leon Blank / Enzo Giobbe / Lee Madden
Musik: David Gibney
FSK 18
Kanada / 1982

In einem alten Haus, das sich in Kirchenbesitz befindet, geschehen unheimliche Todesfälle. Eine Pastorenfamilie zieht ein, und das Morden geht weiter. Doch ein Angestellter der Kirche kommt dem Geheimnis auf die Spur: Vor fast 300 Jahren wurde in dem Ort eine Hexe ertränkt. Da sie nicht durch Feuer geläutert wurde, treibt ihr Geist sein Unwesen. Niemand entgeht seinem Schicksal...


Es ist doch immer wieder erstaunlich, welch wunderbare Filmperlen erst nach etlichen Jahren eine DVD-Veröffentlichung spendiert bekommen. Die kanadische Produktion "The Witch" von James W. Roberson aus dem Jahr 1982 zählt ganz eindeutig dazu, handelt es sich doch um ein kleines-und eher unbekanntes Juwel des Genres, hinter dem sich eine einfache Geschichte mit okkulter Thematik verbirgt. Von Beginn an wird der Zuschauer ins kalte Wasser geworfen und befindet sich ohne jegliche Anlaufzeit mitten im mysteriösen Treiben, das sich in einem alten Haus abspielt. Dabei weiß man Anfangs nicht so genau was eigentlich der Grund für die sonderbaren Ereignisse-und Todesfälle ist, die sich innerhalb der Mauern abspielen und dabei erstaunlich blutige Horrorkost anbieten, die man in dieser Form nicht zwangsläufig erwarten konnte. Erst im Laufe der Zeit werden einem die Hintergründe näher gebracht und es ergibt sich ein Gesamtbild der Geschehnisse, die etlichen Menschen das Leben kostet. Roberson setzt dabei in erster Linie auf eine äußerst dichte Grundstimmung, die er mit mehreren gelungenen Schockmomenten garniert hat. Und so ist es so gut wie unvermeidlich, das man sich der vorherrschenden Atmosphäre entziehen kann, die recht schnell von einem Besitz ergreift und bis zum bitteren Ende nicht mehr loslassen will.

Die Zugabe einiger recht deftiger Passagen gibt der ganzen Chose dann genau die richtige Würze, so das sich nicht nur ein wunderbares Grusel-Feeling einstellt, sondern auch die Liebhaber der derberen Effekte durchaus auf ihre Kosten kommen. Hinzu gesellt sich ein durchaus gelungen aufgebauter Spannungsbogen, der mit zunehmender Laufzeit immer bedrohlicher erscheinende Züge erkennen lässt. Das sorgt insgesamt gesehen definitiv für ein erstklassiges Film-Erlebnis, das wenn überhaupt lediglich einen kleinen Wermutstropfen beinhaltet. Erkennt man nämlich ziemlich offensichtlich, das die Abläufe nicht immer unbedingt logisch erscheinen, was insbesondere auf diverse Verhaltensweisen der Protagonisten zurückzuführen ist. Andererseits kennt man diesen Aspekt aber aus unzähligen Horrorfilmen, so das es letztendlich nicht überraschend kommt und so auch nicht unbedingt Grund zur negativen Kritik gibt.

Vielmehr sollte man diesen Film ganz einfach genießen und die grandiose Stimmung des Szenarios in sich aufnehmen, denn dann wird man auch fast durchgehend mit einer ordentlichen Gänsehaut belohnt, denn "The Witch" ist insbesondere in atmosphärischer Hinsicht ein echter Knaller. Die äußerst gelungene Mischung aus okkult angehauchtem Gruselfilm und hartem Horror macht wirklich eine Menge Spaß und lässt einen doch gern über andere kleine Schwächen hinwegsehen. Die Tötungen der einzelnen Personen erscheinen zudem auch einigermaßen abwechslungsreich, wobei manche Kills ziemlich überraschend kommen, was einen ganz automatisch mehrmals zusammen zucken lässt. Bei diesem Punkt möchte ich nur auf die Passage mit der Säge hinweisen, die für mich persönlich definitiv das visuelle Highlight des Filmes darstellt und für einen wunderbaren Überraschungsmoment sorgen kann.

Einmal mehr wird hier eindrucksvoll unter Beweis gestellt, das gerade in den goldenen 80er Jahren unzählige Genre-Perlen produziert wurden, von denen etliche immer noch nicht auf DVD erschienen sind. Umso schöner ist der Umstand wenn sich dann endlich mal ein Label erbarmt und so manchen wundervollen Klassiker auf Silberling herausbringt. "The Witch" ist auf jeden Fall in dieser Gruppe angesiedelt und wird auch hoffentlich die Aufmerksamkeit bekommen, die dem Film aufgrund der vorhandenen Klasse auf jeden Fall zusteht. Wer eine tolle Mixtur aus okkultem Hintergrund und harten Gewaltdarstellungen zu schätzen weiß ist bei diesem Werk wirklich bestens aufgehoben, da beides im Überfluss vorhanden ist.


Fazit:


Bei Ansicht einer solchen Filmperle bleibt nur zu hoffen, das in Zukunft auch noch andere-und eher unbekannte Horrorfilme den Weg auf DVD finden, denn vor allem in den 80er Jahren verstecken sich ganz sicher noch diverse Produktionen, die leider in Vergessenheit geraten sind.


8/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 18:28
von horror1966
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Brutal Relax
(Brutal Relax)
mit José María Angorrilla, Pep Sais, Mayka Dengrá
Regie: Adrián Cardona / Rafa Dengrá / David Muñoz
Drehbuch: David Muñoz
Kamera: Rafa Dengrá
Musik: Savvas Salpistís
keine Jugendfreigabe
Spanien / 2010

Senor Olivares steht kurz vor der Entlassung aus der Anstalt. Sein Arzt rät ihm, erst einmal in den Urlaub zu fahren, um sich zu entspannen. Und auf gar keinen Fall aufregen ... !!! Und das nimmt sich Senor Olivares zu Herzen, als er sich an einen wunderschönen Strand begibt. Denn selbst als aus den Fluten zombiehafte Kreaturen auftauchen, die alle Badegäste in Stücke reißen, genießt er noch unberührt seinen Urlaub. Erst als sein Walkman den Geist aufgibt, wird Olivares wütend. Und ein wütender Senor Olivares ist es egal, wen er daraufhin schlägt, die Knochen bricht oder die Extremitäten ausreist. Selbst wenn es sich um zombiehafte Meeresbewohner handelt ...


Es gibt genügend Kurzfilme, die trotz ihrer geringen Laufzeit kaum Unterhaltungswert beinhalten und dann gibt es immer wieder Ausnahmen wie "Brutal Relax", in denen die Zeit so dermaßen schnell vergeht, das man sich den Film gleich mehrmals hintereinander anschaut. Diese herrlich skurrile und extrem blutige Produktion aus Spanien beinhaltet in knapp 15 Minuten Laufzeit mehr Splatter-und Gore als mehrere Genrefilme aneinander gereiht und ist zudem mit so viel absurdem Humor angereichert, das einem fast automatisch die Tränen in die Augen schießen. Ohne zu übertreiben kann man hier schon einen Vergleich zu Peter Jacksons Kultfilm "Braindead" heranziehen, haben die Macher des Filmes doch auch einen immensen Überschuss von Kunstblut benötigt, um ihre Kurzgeschichte damit auszustatten.

Die ganze Chose ist dabei natürlich nicht so ernst zu nehmen und einen größeren Inhalt sollte man bei diesem Szenario auch nicht erwarten. Es geht einzig und allein um einen Fun-Splatter in Kurzform so das man sich durchaus denken kann, das es sich bei der geringen Laufzeit um ein spektakuläres Blutbad handelt, dessen Hauptaugenmerk sich auf vollkommen überzogene Splatter-Einlagen richtet, die dem Zuschauer eine Menge Freude bereiten. Schon die Darstellung der ungewöhnlichen Meeres-Zombies gestaltet sich absolut göttlich, doch der eigentliche Höhepunkt des bunten Treibens ist definitiv die Hauptfigur Senor Olivares, der ohne ein Wort zu sprechen lediglich durch seine absurde Mimik ins Auge fällt. Man nimmt ihm den durchgeknallten Psycho jederzeit ab und sein Wutausbruch am Strand hat verheerende Folgen für eine Horde von Zombies, die zuvor etlich Leute am Strand auf brutalste Art und Weise töten.

Dabei entwickelt sich eine wahre Orgie sinnloser Gewalt, Körper werden in der Mitte auseinander gerissen, Köpfe zermatscht und unzählige Gliedmaßen fliegen durch die Luft, so das es nur eine wahre Pracht ist. Die Effekte sind dabei größtenteils wirklich gelungen und lassen die Herzen eines jeden Gorehounds merklich höher schlagen. Der dabei enthaltene Humor rundet das Ganze absolut perfekt ab und sorgt so für einen rundum gelungenen Kurzfilm, den man jederzeit nur wärmstens empfehlen kann, da der vorhandene Unterhaltungswert in schwindelerregenden Höhen angesiedelt ist.

Wer also einen absolut gelungenen Fun-Splatter in Kurzform zu schätzen weiß sollte hier unbedingt zugreifen, denn "Brutal Relax" präsentiert einem Entspannung der ganz besonderen Art und Senor Olivares scheint diese auch sichtlich zu genießen. Skurril, abgedreht und vollkommen überzogen offenbart sich ein wahres Spektakel voller Blut, sinnloser Gewalt und wunderbar dargestellter Splatter-Gore Einlagen die man einfach selbst gesehen haben muss, um den gewaltigen Unterhaltungswert dieses Filmes auch richtig einschätzen zu können.


9/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mo 7. Okt 2013, 18:29
von horror1966
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Sadako 3D - Ring Originals
(Sadako 3D)
mit Satomi Ishihara, Kôji Seto, Tsutomu Takahashi, Shôta Sometani, Hikari Takara, Yûsuke Yamamoto, Ryôsei Tayama, Ai Hashimoto
Regie: Tsutomu Hanabusa
Drehbuch: Kôji Suzuki / Yoshinobu Fujioka / Tsutomu Hanabusa
Kamera: Nobushige Fujimoto
Musik: Kenji Kawai
FSK 16
Japan / 2012

Die Lehrerin Akane hört von ihren Schülern ein Gerücht über ein Internetvideo, das einen Selbstmord zeigen soll. Es heißt, wer das Video sieht, sei ebenfalls dem Tode geweiht. Akane gibt der Geschichte keine große Bedeutung - bis eine ihrer Schülerinnen tot aufgefunden wird. Zusammen mit ihrem Freund Takanori geht sie dem mysteriösen Vorfall nach und trifft schließlich sogar den Macher des Videos: Kashiwada. Der hat den längst vergessenen Fluch des Geistermädchens Sadako wieder auf die Menschheit losgelassen.


Mittlerweile ist es ganze 14 Jahre her, das mit "Ring" ein japanischer Gruselfilm die Runde machte und die ganze Welt begeisterte. Es folgten Fortsetzungen, ein Prequel, Ein Fernsehfilm, eine Serie und Remakes aus Korea und den USA, denn wirklich jeder wollte auf den Erfolgszug aufspringen, den dieser gruselige Horrorfilm in Gang gesetzt hat. Nun folgt mit "Sadako 3D" die Wiederbelebung einer Thematik, die mittlerweile doch ein wenig ausgelutscht erscheint und keinesfalls mehr die Begeisterung beim Zuschauer auslösen kann, die insbesondere vom Original ausging. Um jedoch gleich zu Beginn eventuellen Missverständnissen vorzubeugen sollte man erwähnen, das es sich hier keineswegs um einen schlechten Film handelt, nur krankt das Geschehen ganz eindeutig an dem Aspekt, das sich den Kennern der "Ring-Filme" keinerlei innovative Impulse eröffnen. Die Szenerie kommt einem daher auch sofort bekannt vor und es präsentieren sich keinerlei Überraschungsmomente, die für einen genialen Aha-Effekt Sorge tragen könnten. Die gewohnten blassen Farbtöne, einige nette Schockmomente und ein aus einem Monitor kriechendes Mädchen mit langen schwarzen Haaren können den Betrachter nicht mehr wirklich vom Hocker reißen, so das man sich viel eher auf ein filmisches Erlebnis einstellen sollte, das zwar durchaus solide Genrekost anbietet, aber keinen Grund für sonderliche Begeisterung liefert.

Daran ändern auch die eingesetzten 3D Effekte nichts, die sich ausschließlich beim Zerspringen von Fensterscheiben und Monitoren offenbaren, zwar handelt es sich hier um recht nette Effekt-Hascherei, aber wirklich aufgewertet wird das Szenario dadurch auch nicht unbedingt. Ganz besonders fällt jedoch auf das es vor allem der mangelnde Spannungsaufbau ist, der streckenweise sogar zu diversen Ermüdungserscheinungen führt. Das bezieht sich aber meiner Meinung nach auf die Zuschauer, die mit dem sogenannten Ring-Universum vertraut sind, denn Neueinsteiger ohne Vorkenntnisse können hier durchaus mit einem sehr intensiven Film-Genuss belohnt werden. Alle anderen dürften jedoch ziemlich schnell feststellen, das "Sadako 3D" keinesfalls die geniale Grundstimmung entstehen lässt, die das Original so sehr ausgezeichnet hat. Zwar ist Regisseur Tsutomu Hanabusa sehr wohl bemüht darum, ein dichtes-und bedrohliches Ambiente zu präsentieren, doch leider will zu keiner Zeit diese brillante Grusel-Stimmung aufkommen, die vor 14 Jahren fast die ganze Welt in ihren Bann zog.

Dennoch handelt es sich aber immer noch um ein Werk das man sich durchaus einmal anschauen kann, denn in handwerklicher Hinsicht gibt es eigentlich nichts zu beanstanden. Die Akteure agieren äußerst routiniert und das entstehende Gesamtbild kann man jederzeit als sehr solide bezeichnen. Allerdings ist das keinesfalls ausreichend um einen wirklich mit einer Gänsehaut zu überziehen, gestalten sich die Ereignisse doch zu vorhersehbar und es liegt offensichtlich auf der Hand, das sämtliche Abläufe darauf abzielen, das man im Laufe der Geschichte einmal mehr bei dem berühmten Brunnen ankommen wird, der schon in den Vorgängern das Zentrum der Bedrohung darstellte. So sind es dann im Endeffekt auch sehr zwiespältige Gefühle, die "Sadako" beim Zuschauer hinterlässt, denn wenn es die "Ring-Thematik" noch nicht geben würde, könnte man in vorliegendem Fall von einem begeisternden Gruselfilm sprechen, so aber offenbart sich nicht mehr und nicht weniger ein Aufguss eines ausgeschlachteten Themas, dem es ganz eindeutig an belebenden Impulsen mangelt.

Wer immer noch seine Freude an Mädchen mit langen schwarzen Haaren hat die bedrohlich aus einem Monitor heraus kriechen, der wird durchaus Begeisterung bei der Sichtung dieses Werkes verspüren. Wer allerdings Neuerungen und innovative Momente erwartet, wird lediglich mit einem zwar soliden, aber wenig überraschenden Japan-Grusler konfrontiert, dem es ganz eindeutig am nötigen Esprit fehlt, um eine altbekannte Thematik neu und erfrischend in Szene zu setzen.


Fazit:


Wenig innovativ und seltsam bekannt präsentiert sich mit "Sadako" eine Geschichte, die einem größtenteils ziemlich bekannt vorkommt. Wirklich herausragend gestaltet sich das Szenario dabei nicht, doch gerade Neueinsteiger in die Materie könnten durchaus ihre helle Freude an diesem Werk haben. Für die anderen bleibt immerhin eine solide Inszenierung, die man sich auf jeden Fall mal anschauen kann.


6/10

Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

Verfasst: Mi 9. Okt 2013, 10:35
von horror1966
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Assault on Wall Street
(Bailout: The Age of Greed)
mit Dominic Purcell, Erin Karpluk, Edward Furlong, John Heard, Keith David, Michael Paré, Lochlyn Munro, Tyron Leitso, Mike Dopud, Barclay Hope, Heather Feeney, Eric Roberts, Michaela Mann, Carrie Genzel
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Uwe Boll
Kamera: Mathias Neumann
Musik: Jessica de Rooij
FSK 16
Kanada / 2012

Jim Baxford (Purcell), Angestellter einer Security-Firma, und seine Frau Rosie sind Opfer der Finanzkrise und stehen vor dem finanziellen Ruin. Rosie ist schwer Krank und die Versicherung will keine Kosten für Behandlungen übernehmen. Finanzielle Rücklagen wurden von der Rücksichtslosen Investmentbankern aufs Spiel gesetzt und vernichtet. Als Jim seinen Job verliert sieht Rosie keinen Ausweg mehr und nimmt sich das Leben. Jetzt hat Jim nichts mehr zu verlieren und sieht rot! Er entwickelt einen todbringenden Plan und macht gnadenlos Jagd auf die skrupellosen Investmentbanker...


Und wieder einmal hat der äußerst umstrittene Uwe Boll zugeschlagen, wobei er mit "Assault on Wall Street" ein absolut gelungenes Rache-Drama auf den Zuschauer loslässt, in dem Hauptdarsteller Dominic Purcell zu einem Amoklauf ansetzt, der in vorliegendem Fall korrupte-und vollkommen skrupellose Wall Street Bänker das Leben kostet. Der auf der Rückseite des deutschen DVD-Covers angebrachte Vergleich "Wall Street trifft auf Rampage" sollte dabei jedoch nicht unbedingt auf die Goldwaage gelegt werden, denn im Bezug auf die vorhandene Härte und die Eskalation der Gewalt liegt hier ein eher ruhiger Vertreter seiner Art vor. Wer also ein wahres Feuerwerk an Schießereien und brutal in Szene gesetzter Tötungen erwartet wird eher eine kleine Enttäuschung erleben, doch insbesondere der Umstand, das Boll dieses Mal viel eher auf einen ruhigen, aber dennoch extrem intensiven Spannungsaufbau setzt, ist ihm meiner persönlichen Meinung nach sehr hoch anzurechnen. Natürlich gibt es jetzt auch wieder die typischen Boll-Gegner, die ihm gerade diesen Aspekt vorwerfen, doch mittlerweile müsste sich der gute Uwe daran gewöhnt haben, das er es im Prinzip niemandem recht machen kann.

Dabei handelt es sich hier um einen seiner mit Abstand besten Filme, in dem er auch durchaus erkennen lässt das er sehr wohl dazu in der Lage ist, eine äußerst interessante Thematik glaubwürdig in Szene zu setzen. Anhand der Erzählung eines Einzelschicksals bedient sich der Regisseur hier der Thematik der Finanzkrise in den USA, während der durch skrupellose Machenschaften diverser Wall Street Bänker unzählige Menschen um ihre Ersparnisse gebracht werden und dabei ihre gesamte Existenz verlieren. Wenn sich wie in vorliegendem Fall auch noch ein kranker Mensch das Leben nimmt, erhält die ganze Sache einen zusätzlich sehr bitteren-und tragischen Beigeschmack, der hier besonders gut zur Geltung kommt. Und so muss die Hauptfigur Jim Baxford (Dominic Purcell) nicht nur mit ansehen wie er die Behandlung seiner kranken Frau nicht mehr bezahlen kann, sondern er wird auch noch mit deren Freitod konfrontiert, was die in ihm aufkommende Wut zum überkochen bringt. Nun verhält es sich jedoch keinesfalls so, das sich in der Folge ein nahezu blinder Rachefeldzug gegen die verantwortlichen entwickelt, vielmehr besticht das Geschehen dadurch, das der Mann in seiner Trauer dennoch die Übersicht behält und methodisch seine Rache plant. Manch einer hätte sich jetzt wohl viel eher ein Szenario gewünscht, in dem es einmal mehr an überzogener Action nur so wimmelt, doch Uwe Boll hat stattdessen eine äußerst ruhige Erzählweise für seine Geschichte gewählt, was mir extrem gut gefallen hat.

Wirklichen Aktionismus bekommt der Zuschauer dabei erst in den letzten gut 20 Minuten des Filmes geboten, doch gestaltet sich die Zeit davor keinesfalls langatmig oder gar uninteressant. Viel eher das Gegenteil ist der Fall und man ist ehrlich gesagt phasenweise richtig erstaunt darüber, mit welchem Feingefühl der gute Mann hier ein richtig packendes Drama inszeniert, dessen Wirkung von Minute zu Minute immer intensiver erscheint und den Betrachter dabei fast magisch in seinen Bann zieht. Menschliche Emotionen wie pure Wut, Hass und totale Verzweiflung stehen im Vordergrund einer Geschichte, die einen größtenteils auch menschlich berührt. So kann man auch die Handlungen der Hauptfigur absolut nachvollziehen und auch wenn seine Taten vom gesetzlichen Standpunkt her sicherlich nicht zu rechtfertigen sind, so kann man sie doch menschlich absolut nachvollziehen. Wird man doch bei den hier gezeigten Machenschaften einiger Geschäftemacher selbst von grenzenloser Wut gepackt und möchte am liebsten selbst auf die Jagd nach den Verantwortlichen gehen, die ohne jeden Skrupel Existenzen zerstören, aber selbst dabei immer reicher werden. Dieser Punkt kommt insbesondere im finalen Showdown sehr gut zur Geltung und Herr Boll hat an dieser Stelle eine Variante gewählt, die eventuell nicht unbedingt glaubwürdig erscheint, das Ganze jedoch mit einer fast schon makaberen Note untermalt und absolut hervorragend in das gewonnene Gesamtbild passt. Der Dialog zwischen Baxford und dem Hauptverantwortlichen für sein Schicksal strotzt dabei vor unverhohlenem Zynismus und unterstreicht noch einmal den äußerst bitteren Beigeschmack, den der Film hinterlässt.

Uwe Boll hat bisher ganz sicher viel mehr schlechte als gute Filme auf den Weg gebracht, doch mit "Assault on Wall Street" ist ihm in meinen Augen ein richtig guter Wurf gelungen. Eine absolut gelungene Mischung aus Tragödie und Rache-Drama, die durch ihre ruhige Erzählweise extrem intensiv erscheint und den Zuschauer auf keinen Fall unberührt lässt. Ein sehr gut agierender Dominic Purcell kann dabei mit einer äußerst gelungenen-und glaubhaften Performance überzeugen und trägt die gesamte Chose fast im Alleingang. Die Entscheidung hier nicht mit brutaler und überzogener Gewalt zu agieren ist ein durchaus gelungener Schachzug des Regisseurs, erzeugt das Werk doch allein durch seine gelungene Gesamt-Inszenierung ein sehr hohes Maß an Intensität, ohne das man dabei auf explizite Gewaltdarstellungen zurückgreifen muss. Und so sollten selbst die größten Gegner des deutschen Regisseurs dazu hinreißen lassen diesem Werk eine Chance zu geben, da ihnen ansonsten ein wirklich gelungener Film durch die Lappen gehen könnte.


Fazit:


Bei aller auch zum größten Teil oft berechtigten Kritik an den Fähigkeiten eines Uwe Boll sollte man an dieser Stelle auch einmal ein dickes Lob aussprechen, denn "Assault on Wall Street" erzählt eine ungemein interessante Geschichte, die zudem auch sehr gut umgesetzt wurde. Ein emotional äußerst berührendes Schicksal wurde trotz eher ruhigen Tönen extrem intensiv untermalt und ergibt einen Gesamteindruck, den man letztendlich nur als sehr gut bezeichnen kann.


8,5/10