horror's Reise durch die große Welt der Filme

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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Frauen bis zum Wahnsinn gequält
(Le Foto proibite di una signora per bene)
mit Dagmar Lassander, Pier Paolo Capponi, Simón Andreu, Osvaldo Genazzani, Salvador Huguet, Nieves Navarro
Regie: Luciano Ercoli
Drehbuch: Ernesto Gastaldi / Mahnahén Velasco
Kamera: Alejandro Ulloa
Musik: Ennio Morricone
ungeprüft
Italien / Spanien / 1970

Minou ist atemberaubend schön, und dennoch fühlt sich die junge Frau von ihrem überarbeitetem Ehemann Peter schlichtweg vernachlässigt. Eines Nachts wird Minou jedoch während eines Spaziergangs überfallen und von ihrem Angreifer mit einer unangenehmen Überraschung konfrontiert: Peter soll einen Mord auf dem Gewissen haben. Damit beginnt für Minou eine schwere Zeit, denn der Unbekannte stellt Forderungen an sie, deren Erfüllung die verzweifelte Frau bis an ihre Grenzen bringt. Und sein perverses Spiel ist nur der Auftakt einer quälenden, unaufhaltsamen Reise in den Wahnsinn...


Luciano Ercoli lieferte 1970 mit vorliegendem "Le Foto proibite di una signora per bene" ein äußerst gelungenes Regie-Debüt ab, bekommt der Zuschauer doch einen wunderschön fotografierten Giallo mit fast allen notwendigen Zutaten zu sehen. Einzig und allein die ansonsten übliche Mordserie bleibt in diesem Fall aus, denn während des gesamten Filmes bekommt man gerade einmal 2 Leichen zum Ende hin geboten, was jedoch keinesfalls die vorhandene Klasse des Werkes schmälern soll. Beim deutschen Filmtitel "Frauen bis zum Wahnsinn gequält" kann man hier jedoch sehr schnell in eine vollkommen falsche Richtung gelenkt werden, erwartet man bei diesem reißerischen Namen doch viel eher einen Folterfilm, bekommt jedoch ein perfides Katz-und Mausspiel geboten, das sich in erster Linie auf das Opfer Minou (Dagmar Lassander) bezieht. Und an dieser Stelle kommen wir dann doch noch einmal zum deutschen Titel des Filmes, der zumindest teilweise doch nicht ganz so falsch gewählt wurde, denn die junge Frau soll hier systematisch in den Wahnsinn getrieben werden.

Nun ist ein solches Szenario gerade für Kenner dieser Filmart nicht unbedingt neu und man kommt den Zusammenhängen auch recht schnell auf die Spur, aber langweilig erscheint die Geschichte dadurch noch lange nicht. Luciano Ercoli sorgt hier für einen stetig ansteigenden Spannungsaufbau und auch wenn man als alter Hase ziemlich schnell weiß in welche Richtung das Ganze tendieren wird, gibt es doch immer wieder kleinere Wendungen zu vermerken, die einen etwas unsicher machen, ob man denn wirklich sämtliche Zusammenhänge schon frühzeitig erkannt hat. So bleibt die aufgebaute Spannung dann doch bis kurz vor dem Ende erhalten, denn erst zu diesem Zeitpunkt lüftet sich der Schleier der ominösen Ereignisse gänzlich und man bekommt die Identität des wahren Täters zu sehen. Bis dahin jedoch wird man mit einem durchgehend interessanten Plot konfrontiert, in dem insbesondere die hübsche Dagmar Lassander in der Hauptrolle durch eine hervorstechende Performance brillieren kann.

Ganz generell kann man sich jedoch über äußerst gelungenes Schauspiel erfreuen, denn die gesamte Darsteller-Riege ist sehr gut aufgelegt und besticht durch eine ganze Menge an sichtbarer Spielfreude, was die Inszenierung insgesamt noch einmal zusätzlich aufwertet. Ansonsten ist es gerade die eher ziemlich ruhige Erzähl-Struktur der Abläufe die hier für eine erhöhte Intensität Sorge trägt, denn auch ohne die obligatorischen Morde entfaltet sich ein Szenario, das eine teils ziemlich beklemmende Atmosphäre entstehen lässt. Dazu trägt selbstverständlich das böse Spiel bei, das mit der jungen Minou getrieben wird, bringt es die gute Frau letztendlich doch fast schon dazu, an ihrem eigenen Verstand zu zweifeln. "Frauen bis zum Wahnsinn gequält" ist ein Paradebeispiel dafür, das Filme nicht immer von ihrem Actiongehalt oder blutigen Passagen leben, denn in dieser Beziehung bekommt der Betrachter gar nichts geboten. Vielmehr lebt die Story von den sehr gut agierenden Darstellern und der gut umgesetzten Thematik, hinzu kommt ein wunderbarer Score von Ennio Morricone, der das Geschehen absolut passend untermalt und abrundet.

Und so kann man im Endeffekt eigentlich nur zu einem äußerst gutem Gesamteindruck gelangen, denn Luciano Ercoli hat gleich mit seinem ersten Film einen ganz exzellenten Genre-Beitrag abgeliefert, der auch heute noch jederzeit sehenswert ist und spannende Unterhaltung anbietet. Seit 2012 ist der Film nun auch endlich in deutsch zu genießen, so das man Camera Obscura für die sehr gelungene Veröffentlichung ein dickes Lob aussprechen kann.


Fazit:


Kenner des Genres werden es eventuell nicht sonderlich schwer haben, schon nach relativ kurzer Zeit die Lösung für das perfide Katz-und Mausspiel erkannt zu haben, dennoch kann sich aber erst kurz vor dem Ende wirklich darüber sicher sein, ob die eigenen Vermutungen auch ins Schwarze getroffen haben. Dafür sorgen auch einige kleine Wendungen, die der Regisseur vollkommen beabsichtigt eingebaut hat, um den Zuschauer zu verunsichern. Insgesamt gesehen handelt es sich hier auf jeden Fall um einen wirklich tollen Film, den man sich als Liebhaber des italienischen Kinos keinesfalls durch die Lappen gehen lassen sollte.


8/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Das Blut der Wikinger
(A Viking Saga: The Darkest Day)
mit Gareth John Bale, Ian Dicks, Richard Elfyn, Lindsey Fickling, Paul Gamble, Huw Garmon, Christopher Godwin, Gareth Groombridge, Ioan Hefin, Aled Humphreys, Rob Jackson, Richard James, Michael Jibson
Regie: Chris Crow
Drehbuch: Chris Crow / Graham Davidson
Kamera: Alex Metcalfe
Musik: Mark Rutherford
FSK 16
Großbritannien / 2013

Der junge Mönch Hereward macht es sich zur Aufgabe, die Lindisfarne Gospels - ein heiliges Buch - in die vor dem Zugriff von marodierenden Wikingern sicheren Gemäuer des Iona-Klosters zu bringen, nachdem sein Lehrmeister ermordet wird. Ein Himmelfahrtskommando, weil sich das Todesschwadron der Wikinger auch an Herewards Fersen heftet. Unerwartet findet der junge Mann einen Mitstreiter in dem Schwertkämpfer Aethelwulf, der sich auf die Seite des Mönchs schlägt und schwört, ihn bei seiner Mission mit dem Leben zu beschützen.


Bei Wikinger-Filmen denkt man fast automatisch an die farbenprächtigen Hollywood-Produktionen vergangener Zeiten, in denen man mit herrlichen Kämpfen-und Schlachten konfrontiert wurde. Wer jetzt einen Film gleicher Art erwartet, sollte erst gar nicht zu dieser britischen Produktion greifen, die sich doch ganz erheblich von den ansonsten üblichen Szenarien unterscheidet. Im Bezug auf Action-Passagen hält sich "Das Blut der Wikinger" nämlich sehr stark zurück, denn bis auf einige kleinere Scharmützel bekommt man in dieser Beziehung nichts geboten. Das mag nun manch einen zurückschrecken, doch gerade aufgrund dieses Aspektes entfaltet die vorliegende Geschichte ihren ganz eigenen Reiz, so das man fehlende Kämpfe nicht zwangsweise als negativen Punkt betrachten sollte. Regisseur Chris Crow erzählt hier eine Geschichte, die sich allein in visueller Hinsicht von den üblichen Genre-Vertretern abhebt, bekommt man doch kein Szenario in kräftigen Farben geboten, in dem die muskulösen Nordmänner auf Beutezug gehen.

Stattdessen wird man mit eher blassen Bildern konfrontiert, wodurch das Geschehen von der ersten Minute an ein sehr düsteres Ambiente entfaltet, das dem Ganzen auch einen sehr glaubwürdigen Anstrich verleiht. Die damaligen Zeiten sollen sehr rau gewesen sein und insbesondere dieses Gefühl wird dem Betrachter hier auch vermittelt. Die Nordmänner wirken derbe und verdreckt und als Schauplatz für die Ereignisse hat man sich einen nebelverhangenen Wald ausgesucht, der eine bedrückende Stimmung erzeugt. Nun gestalten sich die Abläufe hauptsächlich ziemlich dialoglastig und die Erzählweise des Ganzen entpuppt sich auch als äußerst ruhig, dennoch erzeugt das Szenario eine ungeheure Intensität, die man kaum in Worte fassen kann. Es verhält sich ganz eigenartig mit dieser Geschichte, die trotz selten auftretender Action einen fast magischen Bann über den Betrachter legt. Ist man doch ansonsten eher wilde Schlachten gewohnt, so erliegt man der Faszination der Abläufe, die sich einzig und allein um ein heiliges Buch drehen, das die Wikinger unbedingt in ihren Besitz bringen wollen.

Erzählt wird die Story aus der Sicht des jungen Hereward, der im Kloster von Mönchen großgezogen wurde und dessen Glaube hier auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird. So wird dann auch der Aspekt des christlichen Glaubens in den Vordergrund gerückt, der vollkommen im Gegensatz zu den heidnischen Bräuchen der Nordmänner steht. Das mag für manch einen nicht sonderlich spektakulär klingen, doch die von Crow gefundene Umsetzung der Thematik kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Als Highlight sehe ich persönlich die fiebrigen Visionen des jungen Hereward an, nachdem er von einem vergifteten Pfeil getroffen wurde und in seinen Träumen dem Sohn Gottes begegnet. Gleichzeitig wird der innere Kampf des jungen Mannes gut herausgearbeitet, in dem sein Glaube gegen die Erkenntnis kämpft, das er selbst zur Waffe greifen muss um fremdes Leben sowie sein eigenes zu verteidigen. Insbesondere zum Ende hin geht dann auch eine charakterliche Wandlung in Hereward vor, die in recht eindrucksvollen Bildern gezeigt wird und eine Selbsterkenntnis an den Tag legt, die der gute Mann nicht für möglich gehalten hätte.

Im Endeffekt bekommt man es in vorliegendem Fall mit einem Wikinger-Film zu tun, der sich doch ganz gewaltig von anderen Genre-Kollegen unterscheidet. Dies tut der Film jedoch auf eine sehr positive Art und Weise, bekommt man doch auch einmal eine ganz andere Sichtweise der damaligen Zeit geboten. Keine großen Kämpfe und wenig Action sind dabei meiner Meinung nach auf keinen Fall negativ zu bewerten, denn die Geschichte schafft es auch so fast spielerisch, ihren ganz eigenen Reiz auf den Zuschauer auszuüben. Wer also auch einmal auf spektakuläre Kampf-Passagen verzichten kann sollte hier auf jeden Fall zugreifen, denn "Das Blut der Wikinger" zeichnet ein herrlich düsteres-und authentisches Bild einer Zeit, in der es extrem rau und derbe zur Sache gegangen ist.


Fazit:


Ungewöhnlich aber sehr gut, so kann man dieses Werk wohl am besten beschreiben. Natürlich wird das Werk nicht jeden Geschmack treffen, doch sollte man definitiv eine Sichtung wagen, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Mir hat der Film jedenfalls äußerst gut gefallen, so das ich auf jeden Fall eine Empfehlung aussprechen kann.


7/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Zombie Massacre
(Zombie Massacre)
mit Christian Boeving, Mike Mitchell, Tara Cardinal, Ivy Corbin, Carl Wharton, Jon Campling, Daniel Vivian, Gerry Shanahan, Nathalia Henao, David White, Uwe Boll, Lee Baughn, Garth Lughton, Federico Caddeo
Regie: Luca Boni / Marco Ristori
Drehbuch: Luca Boni / Marco Ristori
Kamera: Mirco Sgarzi
Musik: keine Information
keine Jugendfreigabe
Deutschland / Kanada / Italien / USA / 2012

Ein kleines Städtchen in Osteuropa dient den USA als geheimer Stützpunkt zur Entwicklung einer verheerenden bakteriologischen Waffe. Als das Programm aus dem Ruder läuft und sich die Bewohner in monströse Zombies verwandeln, wird der ganze Ort unter Quarantäne gestellt. Um jegliche Spuren der Katastrophe zu vernichten, schickt die US-Armee ein bestens ausgebildetes Söldner-Team mitten in die infizierte Stadt, um eine Atombombe zu platzieren. Das Team muss sich nicht nur einer Horde von wilden Untoten stellen, sondern auch einem tödlichen Wettlauf gegen die Zeit…


Der Name Uwe Boll führt ja immer wieder zu den herrlichsten Diskussionen, spaltet der umstrittene deutsche Regisseur mit seinen Filmen immer wieder die Meinungen der Fans. Und auch wenn der gute Mann in vorliegendem Zombie-Flick dieses mal lediglich als Produzent auftritt, ist seine Handschrift bei der Geschichte absolut unverkennbar. Zuerst einmal sollte man allerdings anmerken, das sich hier die handelsübliche 08/15 Story präsentiert, die man so oder in ähnlicher Form schon unzählige Male zu Gesicht bekommen hat. Innovation und neue Impulse für das Sub-Genre sucht man also vergebens, dafür offenbart sich vielmehr ein Szenario das sämtliche Klischees bedient, die man sich nur vorstellen kann. Von der ersten Minute an wird dem Zuschauer klar, das er hier kein filmisches Meisterwerk zu erwarten hat, doch von Beginn an verfügen die Abläufe definitiv über einen gewissen Unterhaltungswert, den man diesem Werk auf keinen Fall absprechen kann. Inhaltlich sollte man jedoch keinerlei Ansprüche stellen, da die Ereignisse absolut nichts beinhalten, was man nicht schon einmal gesehen hätte. Angesiedelt in Ost-Europa soll wieder einmal eine kleine Söldner-Gruppe die Kastanien für die amerikanische Regierung aus dem Feuer holen, wobei die 4 Söldner nicht ahnen, das ihr Überleben keinesfalls eingeplant ist.

Als nahezu göttlich möchte ich hier wirklich die untereinander stattfindenden Dialoge bezeichnen, sind diese doch wunderbar flach und streckenweise vollkommen sinnlos. Man hat einfach viel Freude an den dämlichen Macho-Sprüchen die zum Besten gegeben werden und dabei sämtliche Klischees bedienen. Das absolute Highlight des Filmes ist jedoch ein Cameo-Auftritt von Boll, der sich einfach mal der Rolle des US-Präsidenten bedient hat und in nur wenigen Sekunden eindrucksvoll unter Beweis stellt, das sein schauspielerisches Talent noch weitaus eingeschränkter ist, als seine Fähigkeiten bei der Regie. Nun kann man sich trefflich darüber streiten, ob dieser Cameo ein positiver-oder negativer Höhepunkt ist, auf jeden Fall aber ist die kurze Sequenz extrem unterhaltsam. Und das kann man im Prinzip auch auf das gesamte Szenario beziehen, denn die vielen offensichtlichen Defizite können hier durchaus zu Stärken werden, wenn man das gesamte Werk einmal aus der Sichtweise des Trash-Liebhabers würdigt. Ergibt sich so doch ein vollkommen anderer Blickwinkel auf das teils groteske Geschehen, in dem es zudem vor Logiklöchern nur so wimmelt. Man sieht beispielsweise die Zusammenstellung des Kommandos völlig anders, das aus 2 Muskelprotzen, einer Kampf-Amazone und einem scheinbar psychopathisch veranlagtem Scharfschützen besteht.

Die dümmlichen Dialoge voller sexueller Anspielungen wirken auf einmal recht witzig und man bekommt auf einmal richtig Lust auf die Dinge, die noch folgen sollen. Zudem ist die ganze Chose auch noch mit ordentlich Tempo ausgestattet und es gibt auch diverse Action-Passagen zu sehen, die allerdings nicht unbedingt vor Qualität strotzen. Dafür kann man aber das Make Up der Untoten größtenteils als ziemlich gelungen bezeichnen, aber leider sind die Zombies eher selten in Aktion zu sehen. Man sollte auch auch im Bezug auf Blut und Härte keinerlei Wunderdinge erwarten, denn bis auf verhältnismäßig wenige Ausnahmen hält sich der Film hier eher etwas bedeckt. Natürlich endet das Ganze dann auch so wie man es erwartet, denn die Ereignisse beinhalten keinerlei Überraschungsmomente und gestalten sich absolut vorhersehbar. Dadurch entsteht selbstverständlich zu keiner Zeit so etwas wie echte Spannung, was man beim enthaltenen Unterhaltungswert aber durchaus verschmerzen kann.

Zum Ende hin bekommt man dann noch einmal ein kleines grotesk anmutendes Highlight geboten, tritt doch eine Art Super-Zombie auf der Bildfläche auf, der noch einmal für echte Erheiterung sorgt. So kann man dann letztendlich auch durchaus zufrieden sein mit diesem Zombie-Moped, das zwar keinerlei inhaltliche Substanz beinhaltet, aber gerade wegen seiner vielen skurrilen Momente eine Menge Kurzweil anbietet. Zudem sollte man sich keinesfalls den kurzen Auftritt von Mr. Boll entgehen lassen, der dem Ganzen die absolute Krone aufsetzt. Freunde anspruchsvoller Filmkost und ernster Zombie-Beiträge werden wohl weniger auf ihre Kosten kommen, dafür dürften Freunde des Skurrilen sehr wohl ihre Freude an diesem Werk haben, dessen Drehbuch höchstwahrscheinlich auf einen Bierdeckel gepasst hat.


Fazit:


Mir persönlich hat "Zombie Massacre" äußerst gut gefallen, denn ich mag ganz einfach diese Filme, in denen Unzulänglichkeiten sich in unterhaltsamen Trash verwandeln. In dieser Beziehung ist der Name Uwe Boll auch durchaus ein Qualitäts-Merkmal, was viele andere jedoch sicherlich vollkommen anders sehen werden. Dennoch kann ich den Film all jenen empfehlen, die einfach gut 90 Minuten kurzweilige Unterhaltung mögen, ohne dabei jegliche Ansprüche auf Logik oder inhaltliche Substanz zu haben.


6/10 Trash-Granaten
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Blutiger Zahltag
(La Ragazza Dal Pigiama Giallo)
mit Ray Milland, Dalila Di Lazzaro, Michele Placido, Mel Ferrer, Howard Ross, Ramiro Oliveros, Rod Mullinar, Giacomo Assandri, Eugene Walter, Fernando Fernán Gómez, Antonio Ferrandis, Vanessa Vitale
Regie: Flavio Mogherini
Drehbuch: Flavio Mogherini / Rafael Sánchez Campoy
Kamera: Raúl Artigot / Carlo Carlini
Musik: Riz Ortolani
FSK 16
Italien / Spanien / 1977

Ein grauenvoller Mord versetzt die Einwohner von Sydney in Angst und Schrecken. Am Strand der Stadt wird eine völlig entstellte Leiche gefunden. Inspektor Ramsey von der Mordkommission vermutet die Mafia hinter diesem Anschlag. Bevölkerung und Presse fordern nun eine schnelle Aufklärung des Falles. Die Polizei steht unter Erfolgszwang. Allein mit einem pensionierten Polizisten nimmt der Inspektor den ungleichen Kampf gegen die Mafia auf...


Die verschiedenen Inhaltsangaben dieses recht außergewöhnlichen Gialli ist ebenso irreführend wie der Alternativtitel "Ein Mann gegen die Mafia", denn weder die Mafia spielt in dieser Geschichte eine Rolle, noch geht ein Serienmörder in Sydney um, wie es in einer anderen Beschreibung des Filmes zu lesen ist. Andererseits passen diese falschen Informationen hervorragend zum Werk von Flavio Mogherini, denn ganz generell zeichnet sich das Geschehen insbesondere dadurch aus, das beim Zuschauer aufgrund der teils verwirrenden Erzählweise leichte Irritierungen entstehen können. Das Ganze dreht sich ausschließlich um eine nicht zu identifizierende Frauenleiche, die am Strand von Sydney gefunden wird und in der Folge entwickelt sich eine Erzählstruktur der Ereignisse, die gegenwärtige Ermittlungen des pensionierten Inspektors Thompson (Ray Milland) mit vergangenen Geschehnissen verbindet, in dem einem die Zusammenhänge präsentiert werden, die zur Ermordung der jungen Frau geführt haben.

Allerdings geschieht dies auf eine Art und Weise die eher verwirrend erscheint, ist die ganze Chose doch so inszeniert, das man eine lange Zeit gar nicht richtig bemerkt, das sich hier Gegenwart und Vergangenheit kreuzen. Das lässt die Geschichte teilweise recht unstrukturiert und unrund erscheinen und es ist selten ein roter Faden zu erkennen, der einen geradlinig durch die Ereignisse führen würde. Zugegebenermaßen verleiht das dem Film aber auch etwas Knuffiges und so lässt man das Ganze erst einmal auf sich zukommen. Dennoch ist man erstaunt darüber, das einerseits immer wieder die recht zähflüssigen und unbeholfenen Ermittlungen auf der Bildfläche erscheinen, um dann wieder von der Story der hübschen Glenda abgelöst zu werden, die insbesondere durch ihren gesteigerten Männer-Verschleiß auffällig wird. Die Kombination der beiden Erzählstränge ist dann eben so gestaltet das einem das Gefühl verliehen wird, das sich alles zur gleichen Zeit abspielt und erst kurz vor dem Ende kristallisiert sich heraus, das sich die Abläufe in Gegenwart-und Vergangenheit abgespielt haben und erst jetzt einen wirklichen Sinn ergeben.

Das mag nicht jedermanns Sache sein und man hätte diese Schiene auch durchaus verständlicher in Szene setzen können, doch trotzdem versprüht "Blutiger Zahltag" einen ganz eigenen Charme, denn auf eine skurrile Art und Weise hat man dieses Werk ziemlich schnell in sein Herz geschlossen. Es sind nämlich gerade einige offensichtliche Mankos, die der Geschichte etwas ganz Spezielles verleihen und auch das manchmal äußerst holprige Schauspiel der Darsteller trägt seinen Teil dazu bei, das man hier schon von einem wirklich phasenweise skurril anmutenden Genre-Vertreter sprechen kann, den man in dieser Form nicht oft zu sehen bekommt. Selbst der gute Ray Milland kann nicht wirklich überzeugen und erscheint in so mancher Passage recht fehl am Platz, was man jedoch im Prinzip von jedem der agierenden Darsteller behaupten kann. Wie dem aber auch sei, die etlichen offensichtlichen Defizite des Filmes machen ihn auch irgendwie liebenswert, man sollte aber keinesfalls einen Gialli erwarten, der das ansonsten übliche Strickmuster aufweist.

Letztendlich ist "Blutiger Zahltag" ein Vertreter, der den Zuschauer ziemlich in die Irre führen kann, bevor sich die größtenteils unstrukturiert erscheinenden Ereignisse am Ende zu einem Ganzen zusammenfügen. So kommt auch während der gesamten Laufzeit nicht der sonst übliche Spannungsbogen zustande und auch in atmosphärischer Hinsicht hat das Werk nicht wirklich viel zu bieten. Hier muss man schon ein echter Fan dieser Film-Gattung sein um zu einem überdurchschnittlichen Gesamteindruck gelangen kann, denn ohne den Gialli-Bonus würde sich der Film ganz objektiv gesehen im unteren Durchschnittsbereich ansiedeln. Flavio Mogherini hat hier alles andere als einen Meilenstein geschaffen, denn rein filmisch gesehen bietet das Szenario kaum Bemerkenswertes. Dennoch offenbart sich über gut 90 Minuten angenehme Unterhaltung, die sich aber wohl in der Hauptsache nur den echten Genre-Freaks erschließen wird.


Fazit:


Trotz oder gerade wegen seiner vielen Unzulänglichkeiten empfinde ich persönlich diesen Film schon fast als Unikat. Selten habe ich einen so komischen und dennoch unterhaltsamen Genrefilm gesehen, der sich in fast allen Belangen von anderen Vertretern unterscheidet. Wenn man es ganz streng sieht, dann dürfte man "Blutiger Zahltag" eigentlich gar nicht als Gialli einordnen, denn die dafür nötigen Zutaten sind im Prinzip nur recht dezent zu erkennen.


6/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Sightseers
(Sightseers)
mit Alice Lowe, Eileen Davies, Steve Oram, Roger Michael, Tony Way, Seamus O'Neill, Monica Dolan, Jonathan Aris, Aymen Hamdouchi, Tom Meetan, Kali Peacock, Kenneth Hadley, Stephanie Jacob, Christine Talbot
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Alice Lowe / Steve Oram
Kamera: Laurie Rose
Musik: Jim Williams
FSK 16
Großbritannien / 2012

Tina ist 34 und lebt noch immer bei ihrer Mutter. Völlig aus dem Häuschen ist diese, als Tina ankündigt, mit ihrem neuen Freund Chris im Wohnmobil das ländliche Yorkshire erkunden zu wollen. Die Frischverliebte zieht mit gepacktem Koffer inklusive eigens gehäkelter altrosa Reizwäsche von dannen. Was Tina jedoch nicht ahnen kann: Ihr angebeteter Chris ist ein psychopathischer Serienkiller. Schon an der ersten Sehenswürdigkeit gerät der extrem reizbare und cholerische Mann mit einem Schmutzfinken aneinander, den er kurz danach auf dem Parkplatz über den Haufen fährt. Das ist natürlich unschön. Doch darf sich eine in Lust entbrannte Frau von derlei Umständen den hart erkämpften Urlaub vermiesen lassen?


Immer wieder gibt es diese Filme, die mit den einfachsten Mitteln eine maximale Wirkung erzielen. "Sightseers" fällt ganz eindeutig in diese Kategorie, präsentiert sich hier doch ein wunderbarer Genre-Mix aus Drama und Komödie, wobei die humorigen Anteile doch ganz deutlich die Oberhand haben. Sicherlich ist der Film nicht unbedingt auf das breite Mainstream-Publikum ausgelegt, spricht die Geschichte doch vielmehr die Liebhaber des tief-schwarzen britischen Humors an, die dann auch massig auf ihre Kosten kommen. In gewisser Art und Weise beinhaltet das Werk von Ben Wheatley schon diverse Ähnlichkeiten zu Oliver Stone's "Natural Born Killers", nur das es hier weitaus witziger zur Sache geht. Es macht viel Spaß, das Pärchen Tina und Chris bei ihrem Camping-Urlaub zu begleiten, der sich doch so vollkommen anders präsentiert, als wie man es sich selbst vorstellen würde. Ziemlich schnell sind nämlich bei Chris psychophatische Züge zu erkennen, denn der gute Mann beginnt ohne Vorwarnung andere Menschen zu töten. Weiß die schüchterne Tina zu beginn noch nicht so richtig wie sie damit umgehen soll, so findet bei ihr mit zunehmender Laufzeit eine Charakter-Veränderung statt, die sie selbst zu einer mordenden Furie werden lässt.

Nun hört sich das nicht unbedingt neu und innovativ an, denn ein solches Szenario hat man sicherlich schon etliche Male zu Gesicht bekommen, doch ist es im vorliegendem Fall die Umsetzung, die das Szenario so absolut bemerkenswert macht. Im Vordergrund steht dabei pechschwarzer britischer Humor der feinsten Sorte, der zudem auch noch unglaublich trocken erscheint. Brillante Dialoge, versteckter Wortwitz und sehenswerte Situationskomik geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand und bieten phasenweise ein wahres Feuerwerk für die eigenen Lachmuskeln. Streckenweise nimmt die ganze Chose dabei extrem skurrile Züge an, so das dem Zuschauer auch so manches Mal die Tränen in die Augen schießen können.

In erster Linie lebt "Sightseers" von seinen beiden Hauptdarstellern, die hier auch gleichzeitig für das Drehbuch verantwortlich zeichnen. Man merkt den beiden ihre Spielfreude in jeder einzelnen Einstellung an und stellt sich während des Filmes mehr als nur einmal die Frage, wie sie bei den ganzen grotesken Taten zu jeder Zeit so ernst bleiben können. Legen die beiden doch eine Selbstverständlichkeit beim Begehen ihrer Morde an den Tag, als wenn es das Normalste auf der Welt wäre, einige Menschen ohne wirklichen Grund ins Jenseits zu befördern. Dadurch wirken etliche Passagen auch durchaus makaber, wobei sich das Geschehen auf einen finalen Höhepunkt zu bewegt, der dem Ganzen dann die absolute Krone aufsetzt und äußerst gut in das skurrile Gesamtbild passt, das diese Geschichte beim Zuschauer hinterlässt.

Und so bietet "Sightseers" einerseits eine wunderbar bitter-böse Komödie, die aber auch durchaus Anteile des Dramas erkennen lässt. Zwei herausragende Hauptdarsteller sorgen dabei durch ihre grandiosen Performances für so manches Highlight, an dem man sich göttlich erfreuen kann. Man sollte jedoch eine Vorliebe für den trockenen britischen Humor haben, denn ansonsten dürfte der Film für manch einen nicht das Gelbe vom Ei sein. Wer sich aber daran erfreuen kann, der wird in vorliegendem Fall mit einem absolut erstklassigen Werk konfrontiert, das in seiner Gesamtheit mehr als nur überzeugen kann. Mir persönlich hat "Sightseers" extrem gut gefallen und ich kann für diese brillant umgesetzte Geschichte nur eine dicke Empfehlung aussprechen.


Fazit:


Und wieder einmal handelt es sich um einen Film, an den man im Prinzip ohne jegliche Erwartungen heran geht, der einen aber letztendlich absolut blendend unterhält. Grandioses Schauspiel, etliche skurrile Momente und der typisch britische Humor, der dieses Mal schon äußerst stark geschwärzt ist. Insgesamt ergibt das eine blendende Mixtur, an der man durchgehend seine helle Freude hat.


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Boomer - Überfall auf Hollywood
(The Taking of Beverly Hills)
mit Ken Wahl, Matt Frewer, Harley Jane Kozak, Robert Davi, Lee Ving, Branscombe Richmond, Lyman Ward, Michael Bowen, William Prince, Michael G. Kehoe, Mark Haining, Jason Blicker, Tony Ganios
Regie: Sidney J. Furie
Drehbuch: Sidney J. Furie / Rick Natkin / David Fuller
Kamera: Frank E. Johnson
Musik: Jan Hammer
FSK 16
USA / 1991

Um endlich auch einmal ein Stück vom großen Kuchen Beverly Hills abzubekommen, arrangiert eine Gruppe ehemaliger Polizisten einen vorgetäuschten Chemieunfall. Kurzerhand werden alle Bewohner evakuiert und die Gangster machen sich daran, die Reichtümer der Stadt in aller Seelenruhe zu plündern. Allerdings unterläuft den Kriminellen ein folgenschwerer Fehler: Bei der Evakuierung haben sie Football-Star Boomer Hayes glatt übersehen. Plötzlich sieht sich der Sportler einer ganzen Armee gegenüber. Bewaffnet mit allem, was er finden kann, nimmt Boomer es mit der Übermacht auf. Und bald brennt halb Beverly Hills!


Der deutsche Filmtitel dieses B-Actioners aus den frühen 90er Jahren ist schon ein wenig irreführend, findet der beschriebene Überfall doch keineswegs auf die Traumfabrik Hollywood, sondern vielmehr auf das berühmte Nobel-Viertel Beverly Hills statt, in dem die Reichen und die Schönen beheimatet sind. Wie dem aber auch sei, Regisseur Sidney J. Furie (The Veteran) hat hier eine sehr unterhaltsame Geschichte verfilmt, die zwar nicht unbedingt glaubwürdig erscheint, dafür jedoch mit einer ganzen Menge Action angereichert wurde, um dem Zuschauer die Zeit kurzweilig zu vertreiben. Rein inhaltlich bekommt man dabei nichts sonderlich Neues geboten, denn ähnlich gelagerte Szenarien hat man schon oft genug zu Gesicht bekommen, zudem sollte man dieses Werk auch nicht unbedingt nach seiner Glaubwürdigkeit beurteilen, da die dargestellten Ereignisse doch teilweise ziemlich hanebüchen erscheinen.

So kann man sich schwerlich vorstellen, das Titelheld Boomer (Ken Wahl) hier im Alleingang den nahezu perfekt inszenierten Coup diverser Ex-Polizisten vereitelt, die durch einen fingierten Chemie-Unfall an das große Geld kommen wollen. Im Prinzip ist das aber auch vollkommen egal, denn die Geschehnisse sind äußerst rasant und mit jeder Menge Action ins Bild gesetzt worden, so das der geneigte Fan hier auf jeden Fall bestens bedient wird. Wahl besticht dabei in der Hauptrolle weniger durch überragendes Schauspiel als vielmehr durch eine grandiose Voku-Hila Fön-Frisur, die einen eventuell an eigene Jugendsünden erinnert. Ganz generell kann man das dargebotene Schauspiel als solide-und für einen Film dieser Art vollkommen ausreichend einordnen, denn für oscarreife Leistungen zeichnen dann doch eher andere Filmgattungen verantwortlich.

Dafür knallt und scheppert es hier an allen Ecken und Enden , denn etliche Schießereien, wilde Verfolgungsjagden und Explosionen sorgen für das nötige Maß an Action. Langeweile hat in diesem Szenario keinen Platz, das ein ordentliches Tempo an den Tag legt und den Betrachter so durchgehend bei Laune hält. Es ist halt nicht die tiefgehende Filmkost die sich hier offenbart, doch das sollte ein jeder eigentlich schon vor der Sichtung wissen und auf sein Genre bezogen ist "Boomer - Überfall auf Hollywood" wirklich allerbeste Unterhaltung mit sämtlichen nötigen Zutaten. Da stört es dann auch nicht sonderlich, das sämtliche Abläufe sehr vorhersehbar erscheinen und die gesamte Inszenierung nicht sonderlich glaubwürdig erscheint, so das man sich hier wunderbar von einem gut inszenierten B-Actioner berieseln lassen kann, den man sich auch gern mehrmals anschaut.

Lange genug musste man warten, bis dieses tolle Relikt der 90er endlich in Deutschland auf DVD erschienen ist. Das Warten hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, denn dank Ascot Elite kann man dieses kurzweilige Werk nun auch in guter Bild-und Tonqualität als Silberling erwerben. Selbst mit nunmehr mehr als zwei Jahrzehnten auf dem Buckel bietet der Film immer noch sehr gute Actionkost und kann sich auch aus heutiger Sicht noch gut sehen lassen.


Fazit:


"Boomer - Überfall auf Hollywood" ist sicherlich kein Überflieger, bietet aber absolut sehenswerte Filmkost auf B-Niveau an der man als Fan seine Freude hat. Im typischen Stil der 90er bekommt man eine rasante Geschichte geboten, in der das Nobel-Viertel von L.A. herrlich auseinander genommen wird, da einige Gesetzlose an das große Geld kommen wollen.


7/10
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From Beyond - Aliens des Grauens
(From Beyond)
mit Jeffrey Combs, Barbara Crampton, Ted Sorel, Ken Foree, Carolyn Purdy-Gordon, Bunny Summers, Bruce McGuire, Del Russel, Dale Wyatt, Karen Christenfeld, Andy Miller, John Leamer, Regina Bleesz
Regie: Stuart Gordon
Drehbuch: H.P. Lovecraft (Kurzgeschichte / Brian Yuzna / Dennis Paoli / Stuart Gordon
Kamera: Mac Ahlberg
Musik: Richard Band
ungeprüft (indiziert)
USA / 1986

Ein Wissenschaftlerteam experimentiert mit einem sogenannten Resonator, der die Zirbeldrüse im Gehirn anregen soll, um verborgene psychische Kräfte zu fördern. Dabei entsteht jedoch eine Art Riss in ein anderes Universum, aus dem fremde Wesen in unseres eindringen. Nachdem der Leiter des Projektes getötet wurde, hält man sich an den Assistenten Tillinghast, um mit ihm die Vorgänge in dem Haus zu untersuchen. Es stellt sich jedoch heraus, das die Wesen und die Maschine nicht mehr zu kontrollieren sind. Auch mit Tillinghast, dessen Zirbeldrüse ihn allmählich mutieren läßt, geht eine schreckliche Veränderung vor...


Regisseur Stuart Gordon bedient sich in vorliegendem Film einmal mehr einer literarischen Vorlage von H.P. Lovecraft, denn nach dem erfolgreichen "Re-Animator" basiert auch "From Beyond" auf einer Kurzgeschichte des amerikanischen Schriftstellers, der für seine anspruchsvolle-und phantastische Horror-Literatur berühmt war. Und so bekommt der Zuschauer auch einen Film geboten, der nicht nur einfach ein gewöhnliches Horror-Szenario präsentiert, sondern zusätzlich Elemente des Fantasy-Filmes und einen leichten SCI/FI Einschlag erkennen lässt. Zusammen genommen ergibt dies eine höchst interessante Mixtur, die zudem nahezu perfekt in Szene gesetzt wurde. Von der ersten Minute an lässt die Geschichte dabei keinerlei Zweifel aufkommen, das man es hier mit einem höchst abwechslungsreichen Geschehen zu tun bekommt, in dem sich durchaus ruhigere Passagen mit blutigen und temporeichen Einstellungen abwechseln, was fast schon zwangsläufig für extrem kurzweilige Unterhaltung sorgt.

Die immer wieder auftretenden Tempowechsel in der Erzähl-Struktur verleihen dem Ganzen einen ganz besonderen Reiz, zudem zeichnet sich "From Beyond" hauptsächlich dadurch aus, das der Film immer noch eine Schippe drauflegen kann. Denn immer wenn man der Meinung ist das der endgültige Höhepunkt der Geschichte erreicht ist, kann das Szenario eine weitere Steigerung offenbaren, so das man wirklich bis zur letzten Minute bei Atem gehalten wird. Dabei entfaltet sich von Beginn an ein Spannungsbogen, der während der Laufzeit stetig ansteigt und zu keiner Zeit irgendwelche Einbrüche zu verzeichnen hat. Zudem werden die Ereignisse von einer grandiosen Grundstimmung begleitet, die zwar von Haus aus schon als äußerst dicht bezeichnet werden kann, aber mit zunehmender Laufzeit immer bedrohlichere Züge in den Vordergrund rückt. So wird definitiv gewährleistet, das der Zuschauer durchgehend mit voller Konzentration bei der Sache ist und die Augen keinesfalls vom heimischen Bildschirm lösen kann, da die Geschichte eine fast schon magische Wirkung auf einen ausübt, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann.

Eine weitere große Stärke sind ganz sicher die Darsteller, denn insbesondere mit Jeffrey Combs (Re-Animator), Ken Foree (Zombie - Dawn of the Dead) und Barbara Crampton (Re-Animator, Shopping) sind hier drei Hauptdarsteller am Werk, die der Story ihren persönlichen Stempel aufdrücken. Gerade die charakterlichen Veränderungen unter dem Einfluss des Resonators werden dabei unglaublich gut dargestellt, so das man sich einen äußerst guten Eindruck über die Wirkung dieses Gerätes machen kann. Veränderte Handlungsweisen der Akteure sorgen dann auch dafür, das die Geschehnisse immer weiter außer Kontrolle geraten, was zu schrecklichen Konsequenzen führt, die dem Ganzen dann noch einmal eine Steigerung verleihen. An diesem Punkt kommt man dann ganz automatisch zu den vorhandenen SFX, die insbesondere für die damalige Zeit absolut herausragend erscheinen. Verantwortlich für diese zeichnet Carl Buechler (Troll, Halloween 4), der hier ganz ausgezeichnete Arbeit verrichtete und den größtenteils schleimigen Monstern eine sehr bedrohliche Ausstrahlung verliehen hat. Handwerklich gibt es hier für den geneigten Genre-Fan keinerlei Grund zur Beanstandung, viel eher ist es eine helle Freude, dem Kampf Mensch gegen Monster beizuwohnen.

Letztendlich ist "From Beyond" meiner persönlichen Meinung nach eine absolute Perle des phantastischen Horror-Films, der durch seine verschiedenen Genre-Einflüsse etwas ganz Besonderes darstellt. Es ist immer wieder erfrischend auf ein wie hier dargestelltes Szenario zu treffen, das sich nicht ausschließlich auf eine stumpfe Gewalt-Darstellung reduziert, wie es bei vielen Werken der heutigen Zeit der Fall ist. Stuart Gordon serviert dem Betrachter vielmehr einen niveauvollen Mix verschiedener Genres, hat dabei aber auch keineswegs vergessen, seiner Geschichte die nötige Härte zu verleihen, die jedoch zu keiner Zeit den normalen Rahmen sprengt. Eine sehr gut agierende Darsteller-Riege, phantastische Elemente und eine visuell extrem gelungene Umsetzung ergeben letztendlich ein Gesamtpaket, das auch in der heutigen Zeit immer noch gänzlich überzeugt und so auch vollkommen zu recht in die Kategorie Klassiker eingeordnet wird.

Zum Schluss noch einige Worte zur vorliegenden Veröffentlichung des neuen-und noch jungen Labels OFDB filmworks, das sich hier wirklich mehr als nur bemüht hat, diesem kleinen Juwel eine würdige Präsentation zu verleihen. Das vorliegende Digi ist sehr liebevoll gestaltet und man merkt ganz eindeutig, das an dieser Stelle jede Menge Engagement und Herzblut drin steckt. Der film ist auf DVD und Blu-ray enthalten, zudem gibt es nich eine weitere DVD randvoll mit Extras ( gut 4 Stunden). Darin enthalten sind etliche Audiokommentare und Interviews, zudem liegt dem Digi auch noch ein 12-seitiges Booklet, eine Flyer und ein Limitierungszertifikat bei, so das man sich auch in dieser Hinsicht auf keinen Fall beschweren kann. Da ist dann auch der für manch einen im ersten Moment eventuell etwas hohe Preis definitiv gerechtfertigt, denn hier stimmt das Preis / Leistungs Verhältnis auf jeden Fall.


Fazit:


OFDB filmworks präsentiert mit seiner ersten Veröffentlichung "From Beyond" nicht nur einen außergewöhnlich guten Klassiker, sondern gleichzeitig auch ein Gesamtpaket, das in allen Bereichen restlos überzeugen kann. Soc kann man im Endeffekt nur eine absolute Empfehlung aussprechen und selbst wenn man schon eine der bisherigen VÖ's sein Eigen nennen sollte, kann man in diesem Fall durchaus über eine Aufrüstung nachdenken, die sich in jedem Fall lohnen würde.


9/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Ip Man: The Final Fight
(Yip Man: Jung gik yat jin)
mit Anthony Wong Chau-Sang, Gillian Chung, Jordan Chan, Eric Tsang, Marvel Chow, Zhou Chuchu, Timmy Hung, Luxia Jiang, Xin Xin Xiong, Ip Chun, Anita Yuen, Kai Chi Liu, Cho-lam Wong, Jonathan Wong
Regie: Herman Yau
Drehbuch: Erica Lee
Kamera: Kwong-hung Chan
Musik: Chun Hung Mak
FSK 16
Hongkong / 2013

Nach dem Zweiten Weltkrieg zieht der Kampfsportmeister Ip Man die englische Verwaltung in Hongkong der kommunistischen Herrschaft in China vor, auch wenn der Preis dafür zunächst bittere wirtschaftliche Armut ist. Als er in seinem Viertel schließlich eine bescheidene Kampfschule eröffnet, kann er sich vor Nachfrage aus der Umgebung kaum retten. Seine Aktivitäten wecken aber auch andere Interessen: Ein Sängerin verliebt sich in ihn, und ein Gangster aus der Ummauerten Stadt entdeckt ihn als Attraktion für den illegalen Boxring.


Nach dem großen Erfolg der Filme um den berühmten Lehrmeister von Kampfsport-Legende Bruce Lee ließ Regisseur Herman Yau nun mit "Ip Man: The Final Fight" ein weiteres Werk folgen, das sich mit der Biografie des legendären Meisters beschäftigt. Zeitlich ist die Geschichte dieses Mal Ende der 40er Jahre angesiedelt und in der Hauptrolle bekommt es der Zuschauer mit Anthony Wong Chau-Sang zu tun, der in der Rolle des mittlerweile gealterten Ip Man eine wirklich gute Performance an den Tag legt, auch wenn es immer noch ein wenig gewöhnungsbedürftig erscheint, das man nicht den überragenden Donnie Yen in der Titelrolle sieht, der einen doch in den ersten beiden teilen der Saga so absolut begeistert hat. Dennoch wird einem auch hier die ruhige-und äußerst besonnene Art des Ip Man präsentiert, doch im Gegensatz zu den bisherigen Verfilmungen hält sich dieser Teil in Sachen Kampfsport-Einlagen ein wenig zurück. Die Geschichte konzentriert sich in der Hauptsache vielmehr um die äußeren Umstände der damaligen Zeit und legt den Fokus weiterhin auf Ereignisse, die sich abseits der Kampfsport-Szene zutragen.

Sicherlich gewinnt das Szenario dadurch ein wenig an Tiefe, doch hätte man andererseits auch gern mehr von den gut inszenierten Kämpfen zu Gesicht bekommen, die hier leider nicht gerade im Überfluss vorhanden sind. So vergehen dann auch fast 40 Minuten in denen man hauptsächlich mit Dialogen und diversen Problemen konfrontiert wird, die zur damaligen Zeit in Hongkong vorgeherrscht haben. Erst danach kommt das Geschehen so richtig in Fahrt und offenbart dann auch die langersehnten Kampf-Passagen, die zugegebenermaßen wirklich gut umgesetzt wurden, aber dennoch nicht an die Klasse der ersten beiden teile heranreichen, in denen Donnie Yen die Messlatte aber auch extrem hoch angelegt hat.

Trotzdem bietet sich hier insgesamt gesehen ein sehr unterhaltsamer Film, in dem einem insbesondere die liebevoll gestalteten Schauplätze auffallen, die ein glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit entstehen lassen. Auch die teilweise vorhandene inhaltliche Tiefe kommt dem Ganzen sehr zu gute, so handelt es sich definitiv nicht um einen Film, der sich ausschließlich durch die vorhandene Action definiert. Ergibt sich die erste Hälfte des Szenarios noch als ziemlich unspektakulär, so wird der Genre-Freund danach aber reichlich entschädigt, denn ganz besonders das letzte Drittel der Geschichte beinhaltet so manchen sehenswerten Kampf, so das letztendlich ein ziemlich überzeugendes Gesamtpaket dabei rauskommt, das man ohne Weiteres weiterempfehlen kann.

"Ip Man: The Final Fight" sollte man nicht unbedingt mit den ersten beiden Teilen der Reihe vergleichen, in denen ein alles überragender Donnie Yen den Betrachter mit seiner Kampfkunst aber auch mit seiner Performance an sich nahezu verzaubert hat. Anthony Wong Chau-Sang kann trotz einer überzeugenden Leistung nicht an diesen Maßstab heranreichen, erscheint aber trotzdem glaubwürdig in der Rolle des etwas in die Jahre gekommenen Kampfsport-Meisters. Auch der Rest der Darsteller-Riege gibt prinzipiell keinerlei Grund zur Beanstandung, so das man im Endeffekt zu einem guten Gesamteindruck gelangt. Wem die bisherigen Filme der Saga zugesagt haben, sollte auch hier unbedingt einen Blick riskieren, denn verschwendete Zeit hat eine Sichtung des Werkes definitiv nicht zur Folge.


Fazit:


Donnie Yen hat in der Rolle des Ip Man extrem hohe Maßstäbe gesetzt, die in !Ip Man: The Final Fight" nicht gänzlich erreicht werden können. Trotzdem handelt es sich um einen jederzeit sehenswerten Film, der sein Hauptaugenmerk auch keinesfalls nur auf die vorhandene Action legt, sondern vielmehr auch diverse Zwischentöne erkennen lässt, die ein wenig in die Tiefe gehen.


7/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Sennentuntschi
(Sennentuntschi)
mit Roxane Mesquida, Nicholas Ofczarek, Andrea Zogg, Carlos Leal, Joel Basman, Hanspeter Müller, Rebecca Indermaur, Ueli Jäggi, Peter Jecklin, Daniel Rohr, Paula Marija, Alice Blaser, Herbert Leiser, Luciano Simioni
Regie: Michael Steiner
Drehbuch: Stephanie Japp / Michael Sauter / Michael Steiner
Kamera: Pascal Walder
Musik: Adrian Frutiger
FSK 16
Frankreich / Schweiz / Österreich ( 2010

Die Schweizer Alpen 1975 - in einem abgelegenen kleinen Bergdorf wird eines Tages eine verwahrloste junge Frau aufgegriffen. Die Dorfpolizei tappt bei der Ermittlung ihrer Identität jedoch im Dunkeln. Allmählich verdichten sich jedoch die Hinweise, dass die Frau von der Höhenalp zu kommen scheint. Dort, so sagt ein Gerücht, kennen Hirten und Sennen sehr merkwürdige Rituale gegen die Einsamkeit. Schon bald überrollt eine Lawine aus Lust, Wahnsinn, Dämonenglauben und Mord die scheinbare Idylle. Und es kommt eine Wahrheit ans Licht, die besser für immer im Dunkeln geblieben wäre...


Was soll man im ersten Moment von einem Schweizer Film erwarten, der den urigen Namen "Sennentuntschi" trägt? Nicht viel könnte man meinen, doch mit dieser Einschätzung würde man vollkommen daneben liegen, erwartet den Zuschauer doch ein äußerst ambitionierter-und hervorragend umgesetzter Mix aus Horror-und Mystery, der unter der Regie von Michael Steiner entstanden ist. Es ist die filmische Umsetzung einer seit Generationen überlieferter Legende um eine Sagenfigur, was im ersten Moment vielleicht noch nicht die ganz große Begeisterung beim Betrachter auslöst, doch was Steiner hier in Szene gesetzt hat, ist insbesondere in atmosphärischer Hinsicht als ein echtes Brett zu bezeichnen. Der Film besteht aus einer Rahmenhandlung die sich in der Gegenwart ansiedelt, aber dennoch nicht mehr als nötiges Beiwerk für den eigentlichen Story-Plot ist, der sich im Jahr 1975 ansiedelt und die Geschehnisse in einem kleinen Bergdorf beleuchtet. Dabei wird man von Beginn an mit einer extrem dichten Grundstimmung bedient, die einen in die nötige Stimmung für diesen außergewöhnlich gut gelungenen Genre-Mix versetzt und der in der Folgezeit immer mehr von mysteriösen Einlagen zehrt, die dem Ganzen eine ganz exquisite Note verleihen. Der Schauplatz in den Schweizer Alpen ist ein ganz großer Pluspunkt des Szenarios, denn ist man auf der einen Seite von den wunderbaren Landschaftsaufnahmen regelrecht begeistert, so wirken die Locations auch streckenweise äußerst furchteinflössend und jagen einem so manchen kalten Schauer über den Rücken.

Ganz generell entfaltet die Geschichte eine ganz eigene Atmosphäre, was sicherlich zum größten Teil der Tatsache geschuldet ist, das man über die wahren Zusammenhänge der Ereignisse eine lange Zeit im Dunkeln gelassen wird. So kann man auch die im Dorf aufgetauchte junge Frau ziemlich schwer einordnen und erfährt erst im Laufe der Zeit, was es denn nun wirklich mit ihr auf sich hat. Bis dahin jedoch versteht es Steiner absolut brillant, das der Zuschauer immer wieder auf falsche Fährten gelockt wird und sich nie wirklich darüber im Klaren sein kann, ob die eigenen Vermutungen über die Zusammenhänge am Ende auch wirklich zutreffen. Hinzu kommt auch der Aspekt, das sich das Geschehen auf verschiedenen Zeitebenen abspielt, was dem Szenario noch einmal zusätzliche Würze verleiht, da streckenweise einige Passagen auftreten, die im ersten Moment für einige Verwirrung sorgen können. Wenn sich dann aber zum Ende hin sämtliche Puzzle-Teilchen zusammenfügen muss man neidlos anerkennen, das man es hier mit einer absolut herausragenden Produktion zu tun hat, die einem Filmkost auf einem unglaublich hohen Niveau serviert. Dazu tragen auch die Darsteller bei, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist das Werk absolut perfekt besetzt und sämtliche Protagonisten warten dabei mit herausragendem Schauspiel auf, was die ganze Chose dann noch einmal zusätzlich aufwertet und umso sehenswerter erscheinen lässt.

"Sennentuntschi" ist ein Film in dem sich nach und nach ein so straff gezogener Spannungsbogen erkennen lässt, das man es als Zuschauer kaum vor dem heimischen TV aushalten kann. Die Vermischung aus Horror, Mystery und Anleihen aus der Dämonologie ergeben hierbei ein Gesamtpaket, das man kaum besser hätte bewerkstelligen können. Natürlich spielt in einem solchen Film auch wieder einmal die Kirche eine nicht unwesentliche Rolle, was insbesondere im Verhalten der religiösen-und abergläubischen Dorfbewohner zum Tragen kommt, die sich nur zu gern von ihrem fanatisch erscheinenden Pfarrer aufhetzen lassen. Das der gute Mann auch eine Menge stichhaltige Gründe für seine Hetz-Tiraden und Mordversuche gegen die junge Frau hat, wird einem erst im späteren Verlauf bewusst, weswegen an dieser Stelle auch nicht näher darauf eingegangen wird. Lediglich der Dorfpolizist schlägt sich auf die Seite der verstört wirkenden Frau und macht sich selbst damit zu einem Geächteten innerhalb der eigenen Gemeinde.

Ist der Film von Haus aus schon mit etlichen Höhepunkten ausgestattet, so war für mich persönlich das Ende die absolute Krönung, präsentiert sich einem doch ein dramatisch anmutender Showdown, der mit einem ordentlichen Schuss Tragik versehen ist. Und so wird man dann auch mit einem zwiespältigen Gefühl aus dieser im wahrsten Sinne des Wortes fantastischen Geschichte entlassen, steht man doch auf der einen Seite noch ziemlich lange Zeit unter dem grandiosen Eindruck des eben Gesehenen, hätte sich aber andererseits zumindest für eine mitwirkende Person ein besseres Finale gewünscht. Dennoch ist es aber das einzig passende Ende unter eine Story, die einen von der ersten bis zur letzten Minuten wahrlich in ihren Bann zieht und dabei eine solche Intensität freisetzt, das man phasenweise schweißgebadet ist. Die mysteriöse Faszination des Geschehens nimmt einen richtig in Beschlag und man merkt dabei gar nicht bewusst, wie tief man doch in die Ereignisse eintaucht. Erst nachdem der Film zu Ende ist bekommt man so richtig mit, wie sehr man streckenweise ein Teil der Geschehnisse geworden ist und das ist meiner Meinung nach das größte Kompliment, das man einem Film überhaupt machen kann. Wer also ein wirklich intensives-und hochklassiges Filmerlebnis haben möchte, in dem Missbrauch, Aberglaube, Kirche und Dämonologie einen thematischen Bezug haben, der ist beim "Sennentuntschi" bestens aufgehoben und wird eine Sichtung ganz bestimmt nicht bereuen.


Fazit:


Wow, da geht man ohne jegliche Erwartungen an einen Film mit einem kurios klingenden Titel heran und wird letztendlich mit einer Geschichte belohnt, die einem gut 110 Minuten erstklassige Filmkost und eine gepflegte Gänsehaut beschert. "Sennentuntschi" ist ein absoluter Geheimtipp und man sollte sich keinesfalls vom Namen des Filmes irreführen lassen. Selten habe ich in der letzten Zeit einen solch gelungenen Genre-Beitrag gesehen, der auch ganz ohne explizite Gewaltdarstellungen eine Intensität freisetzt, die einem wirklich zu schaffen macht.


9/10
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Re: horror's Reise durch die große Welt der Filme

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Wrong Turn 5: Bloodlines
(Wrong Turn 5: Bloodlines)
mit Doug Bradley, Camilla Arfwedson, Simon Ginty, Roxanne McKee, Paul Luebke, Oliver Hoare, Kyle Redmond-Jones, Amy Lennox, Duncan Wisbey, Radoslav Parvanov, George Karlukovski, Borislav Iliev, Peter Brooke
Regie: Declan O'Brien
Drehbuch: Declan O'Brien / Alan B. McElroy
Kamera: Emil Topuzov
Musik: Claude Foisy
ungeprüft
USA / 2012

In den Bergen von West Virginia wird wie jedes Jahr zu Halloween ein großes Rockmusik- und Kostümfest veranstaltet. Auch eine Gruppe Studenten aus der Stadt will da mitmachen und nebenbei ein wenig im Grünen zelten. Unterwegs werden die Kids jedoch von einem Fremdling attackiert und landen nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung gemeinsam mit diesem in der Zelle des lokalen Sheriffs, der erstmal alle für gleichermaßen verdächtig hält. Doch der Fremde hat Verbündete, die sich nicht mit seiner Verhaftung abfinden.


Als im Jahr 2003 der erste Teil der "Wrong Turn" Reihe erschien, da konnte man sich noch über einen teils sogar innovativen Backwood-Slasher freuen, der in erster Linie durch seine grandiose Atmosphäre zu überzeugen wusste. Mittlerweile sind wir nun beim fünften Film der Reihe angelangt und so langsam gibt die Thematik um degenerierte-und missgestaltete Rednecks wirklich überhaupt nichts mehr her, was den Genre-Fan in irgendeiner Art und Weise überraschen könnte. Obwohl alle 5 Werke eigenständige-und in sich abgeschlossene Geschichten erzählen ist mittlerweile ein Punkt erreicht, das man die sich immer sehr ähnlich gelagerten Szenarien fast schon nicht mehr sehen kann. Declan O'Brien zeichnet hier mit "Wrong Turn 5: Bloodlines" schon das zweite Mal für die Regie verantwortlich und setzt damit neben dem schon nicht sehr gelungenem Vorgänger auch die nächste Story so ziemlich in den Sand. Zwar wurde einmal mehr ein recht ordentlicher Härtegrad eingefügt der einige ziemlich derbe Passagen beinhaltet, jedoch kann das keinesfalls über die fehlende Innovation hinwegtäuschen. Keinerlei neue Impulse, eine äußerst vorhersehbare Geschichte und dümmlich agierende Schauspieler vermiesen dem Zuschauer sogar phasenweise den Film-Spaß, denn was sich einem hier an unlogischem Verhalten präsentiert, geht wirklich auf keine Kuhhaut mehr.

Daran ändert auch der Aspekt nichts, das in einer der Hauptrollen mit Doug Bradley (Pinhead) zumindest ein kleines Highlight mit an Bord ist, denn lediglich seiner äußerst gelungenen-und extrem fiesen Performance ist es zu verdanken, das dieses Werk nicht zu einem totalen Rohrkrepierer mutiert. Ansonsten aber bietet sich einem das übliche Bild, in dem ausschließlich neue-jedoch vollkommen austauschbare Protagonisten und ein neuer Schauplatz zu bestaunen sind. Für manch einen mag das ja genügend Abwechslung bieten, wenn denn im Endeffekt der Gore-Gehalt des Szenarios sämtliche filmischen Defizite überstrahlt. Doch selbst in dieser Beziehung ist "Bloodlines" nicht so reichlich bestückt wie einige Vorgänger und die richtig brutalen Szenen werden doch hauptsächlich nur im Ansatz gezeigt, so das man den Rest der Fantasie des Zuschauers überlässt. Die vorhandenen härteren Einstellungen bieten zwar einen ordentlichen Unterhaltungswert, doch ist man zunehmend der Meinung, das man sämtliche Einstellungen nicht zum ersten Mal zu sehen bekommt.

Es fehlt ganz einfach an der nötigen Abwechslung um dieser Reihe eventuell noch einmal einen Schub und somit etwas Neues zu verleihen, denn in vorliegender Form bietet das "Wrong Turn" Franchise einfach keinen wirklichen Reiz mehr, erscheint die Thematik doch bis zum Erbrechen ausgelutscht und lockt keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Sicherlich wird das die Macher nicht davon abhalten noch weitere Teile zu drehen, doch dann sollte man doch vielleicht wieder zu den Wurzeln zurückgehen und etwas mehr Wert auf eine ordentliche Story legen, als das sich das Szenario fast ausschließlich über einen gesteigerten Härtegrad definiert. Ich persönlich habe jedenfalls so langsam den Kanal voll und kann die immer gleichen Geschehen nicht mehr sehen, in denen die Charaktere immer flacher-und dümmer werden und auch die Rednecks ihren Ideen-Reichtum in Sachen Tötungen irgendwo unterwegs verloren haben. Die ganze Chose erscheint einfach nur noch vollkommen banal-und größtenteils sogar langweilig, so das auch blutige Szenen den Bock nicht mehr umstoßen können. Von echter Abwechslung oder gar einem konstanten Spannungsaufbau möchte ich erst gar nicht sprechen, denn die totale Vorhersehbarkeit der einzelnen Storys lässt jedes noch so kleine Aufkeimen von Spannung sofort im Ansatz ersticken.

Obwohl ich bisher trotz sinkender Qualität immer ein Fürsprecher dieser Horror-Reihe war ist es wohl langsam an der Zeit, die Thematik ein wenig ruhen zu lassen. Fünf Filme erscheinen mehr als genug, was insbesondere aufgrund des immer weiter sinkenden Niveaus schon ein in Stein gemeißelter Fakt ist. Zudem scheint der gute Declan O'Brien auch nicht unbedingt der richtige Regisseur zu sein, um dem Backwood-Slasher neue-und innovative Impulse zu verleihen, denn dafür erscheint sein Talent nicht ausreichend. Wem eine ausgedünnte Rahmenhandlung, größtenteils schlechtes Schauspiel, extrem unlogisches Verhalten und einige derbe Szenen immer noch nicht zum Hals raushängen, der wird eventuell sogar seine Freude an diesem Film haben, wer jedoch etwas mehr erwartet, dürfte eine ziemlich herbe Enttäuschung erleben, da man alles schon mehr als einmal- und zudem auch besser umgesetzt zu Gesicht bekommen hat.


Fazit:


"Und täglich grüßt das Murmeltier" ist der Titel einer Komödie, in der Bill Murray den immer gleichen Tag wieder erlebt. Das Prinzip könnte man mittlerweile auch auf die "Wrong Turn" Filme anwenden, denn bis auf dezente Unterschiede in Sachen Cast und Location ähneln sich die jeweiligen Geschichten doch so frappierend, das man langsam keine Lust mehr auf diese 08/15 Brühe hat.


4/10
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